„Schwule Priester werden zu Sündenböcken gemacht”

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Mit Prälat Gottfried Dachauer als Nachfolger von Peter K. versuchte das Bischöfliche Ordinariat in Riekofen die Wogen wieder etwas zu glätten.Ein Ex-Priesteramts-Anwärter spricht über den Umgang mit Homosexualität in der Kirche Christian Herz war von 1989 bis 1991 in einem Priesterseminar, wollte Geistlicher werden. Als seine Homosexualität bekannt wurde, musste er das Seminar verlassen – ohne Angabe von Gründen. Heute ist Herz als Verwaltungsangestellter bei der Stadt München angestellt. Herr Herz, wird Ihrer Ansicht nach in der Amtskirchen-Hierarchie unterschieden zwischen Pädophilie und Homosexualität? Während eine eher „moderat” zu bezeichnende Fraktion im deutschen Episkopat durchaus zwischen Pädophilie und Homosexualität zu differenzieren weiß, ist es einer anderen, eher fundamentalistisch angehauchten Fraktion ganz recht, dass die Grenze zwischen Pädophilie und Homosexualität in der Debatte oft verwischt wird. Damit können sie schwule Priester zum Sündenbock für den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch pädophile oder ephebophile Priester machen. Anstatt sich mit dem Thema – nicht Problem! – homosexuelle Priester angemessen zu beschäftigen, wird die Auseinandersetzung mit dem schwulen Klerus durch mehr oder weniger bewusste Diffamierungen unterbunden. Wird, wenn bekannt wird, dass man als Priesteranwärter homosexuell ist, rigide gegen einen vorgegangen? Ich selbst wurde auf Initiative des damaligen Regens von der Liste der Priesteramtsanwärter gestrichen – selbstverständlich ohne Angabe von Gründen, wie es die Kirche üblicherweise pflegt. Ganz verborgen schien mein Coming-out und meine erste schwule Liebe innerhalb der Seminarmauern wohl nicht geblieben zu sein. Heutzutage scheint mir die Lage kaum anders, da der Diskurs innerhalb der katholischen Kirche und der Seminarien kein offenerer geworden ist, sondern noch stärker im Verborgenen geführt werden muss. Nachdem die Richtlinie aus Rom vom November 2005 quasi aktive Homosexuelle von der Weihe ausschließt, ist auch der Denunziationsdruck wohl noch höher geworden. Das rigide Vorgehen besteht darin, dass man die Koffer packen darf ohne Rücksicht auf die persönliche Situation des Einzelnen. Glauben Sie, dass sich die Situation von Priesteranwärtern, die homosexuell sind, durch die Vorfälle im Bistum Regensburg verschlechtern wird? Alle Verlautbarungen und Vorfälle haben bislang zu einer Verschlechterung für homosexuelle Priesteranwärter geführt. Eigentlich gab es nie eine repressionsfreie Phase in der Priesterausbildung, auch wenn tolerantere Regenten da und dort maßvollere Töne angeschlagen haben. Aus dem grundsätzlichen Dilemma zwischen zölibatärem Lebensentwurf einerseits und der Klärung der Sexualität und der sexuellen Orientierung während des Studiums und der Ausbildung wird kein Priesteranwärter entlassen. Nur fällt es angesichts der heutigen hysterischen Debatte vermutlich nur den wenigsten Seminaristen leicht, hierbei jemanden um Rat zu fragen. Ein falsches Wort zur falschen Person kann schließlich das Ende der Karriere bedeuten. Zwar durchkreuzen Vorfälle wie im Bistum Regensburg oder in St. Pölten de facto die Strategie mancher Hierarchen, den Klerus als asexuell darzustellen. Oft und lange genug wurde gegenüber der Öffentlichkeit versucht, dieses Image aufrecht zu erhalten. Dem einzelnen Priesteranwärter ist damit jedoch nicht geholfen, wenn sich der Fokus unter dem latenten Vorwurf, mit seiner Sexualität nicht zu Rande zu kommen, auf ihn richtet. Vielen Dank.

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Kommentare (14)

  • Ingrid Coughlan

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    „Ganz verborgen schien mein Coming-out und meine erste schwule Liebe innerhalb der Seminarmauern wohl nicht geblieben zu sein.“

    „Ein falsches Wort zur falschen Person kann schließlich das Ende der Karriere bedeuten.“

    Was wäre eigentlich gewesen, wenn jemand, der nach eigener Aussage Lügen und Verschweigen für völlig ok hält, den Zölibatseid abgelegt hätte?

    Dann hätten wir noch einen weiteren verlogenen Priester gehabt.

    Heterosexuelle Priester haben schließlich das gleiche Problem wie schwule Priester: Sie müssen eben abstinent leben. Das mag schwer sein, aber diejenigen, die das von Angang an gar nicht vorhaben, die aber trotzdem den Zölibat geloben geloben, die sind verlogen und haben nicht das geringste Problem damit.

    Die Konsequenz ist die gleiche, egal ob ein Bewerber nun schwul ist oder nicht: Wenn’s nicht klappt mit der Enthaltsamkeit, dann sollte man so ehrlich sein sich das auch einzugestehen. Dann verlässt man das Priesterseminar und sagt sich, das hier halte ich für Scheiße, das klappt nicht, also gehe ich.

    „Karriere“ kann man auch anderswo machen. Dazu braucht man nicht ein Leben lang zu lügen. Oder?

  • Angelika Oetken

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    Guten Abend,

    hier was zum Thema Passendes. Aktueller denn je, auch wenn der Artikel oben jetzt schon sechseinhalb Jahre alt ist… wir haben ja spätestens ab Januar 2010 erfahren müssen: die geforderte „sexuelle Enthaltsamkeit“ immer schön mit dem Gebot der „Ehelosigkeit“ verwechselt, (Absicht?!?) ist wohl eigentlich nur ein klerikales Etikett. Um nicht zu sagen: ein RKK-Etikettenschwindel.

    „2010“, sogar von Klerikadern als „Tsunami“ bezeichnet, hat viel in Bewegung gebracht. Auch das Denken und Fühlen in Bezug auf Priester, Kirche, Opfer usw. Allerdings vor allem bei Laien.

    Meine Frage an die geschätzten ForistInnen von Regensburg-Digital: können wir, als bürgerschaftlich engagierte Menschen so etwas, wie in diesem SPON-Forum thematisiert wirklich verantworten?
    http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=131696&page=2&p=16139309&viewfull=1#post16139309 (Antwort auf die Frage des Foristen „river runner“):

    Sollten wir nicht schon allein aus humanitären Gründen handeln und diesen offensichtlich mit dem Thema überforderten Priestern unsere Hilfe anbieten?

    Was meinen Sie? Ich bin bereit dazu :)

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

  • Ett.

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    Hätte diese röm. kath Kirche nicht dieses Zölibat für die Priester, dann würde es auch nicht so viele Homosexuelle Priester , oder auch eben weniger Kinderschänder dort geben.
    ________________________________________

    (( Der Zölibat (von lateinisch caelebs‚ „allein, unvermählt lebend“, lateinisch caelibatus, „Ehelosigkeit“,[1] nichtfachsprachlich auch das Zölibat) ist im Christentum das Versprechen, für das weitere Leben die Verpflichtung zur Ehelosigkeit zu übernehmen. Neben der römisch-katholischen Kirche kennen auch die orthodoxe, anglikanische und evangelische Kirche für Ordensfrauen und -männer, Eremiten, geweihte Jungfrauen und Diakonissen das Versprechen bzw. Gelübde der Ehelosigkeit.

    Während das zölibatäre Leben in der lateinischen Teilkirche der römisch-katholischen Kirche für die Priester verpflichtend ist, gilt dies in den katholischen Ostkirchen sowie in den orthodoxen Kirchen nur für Bischöfe und Mönche sowie für Priester, die zum Zeitpunkt der Weihe unverheiratet sind. ))

  • Rockit

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    @ Hausgemachtes Problem

    Man sieht das auch bei den Regensburger Domspatzen.
    Diese ‚Kasanierung in diesem katholischen Internat zu Regensburg , in Verbundenheit mit dieser kath. Lehre,, Kein Aufwachsen mit Frauen oder Maedchen,, Heraus kommen eben dann auch homoerotische Liebschaften untereinander ( Schwule Praefekten …?, die Knabenliebe untereinander kocht , und heraus kommen dann auch eben schwule oder paedofile junge Heranwachsende Menschen.

    Der Bischof weiß das, die Dioezese weiß das , …

  • Veronika

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    @Ett.

    „Hätte diese röm. kath Kirche nicht dieses Zölibat für die Priester, dann würde es auch nicht so viele Homosexuelle Priester , oder auch eben weniger Kinderschänder dort geben.“
    ———————————–
    Dies wage ich zu bestreiten! Ausserdem hätte dann die RKK keinen Cent mehr an Vermögen, denn die einen sind nachkommensfreudiger wie die anderen, und ausserdem möchte ich keinen Vaterschaftsstreit mit einem kath. Priester als einen der Hauptakteure erleben.
    ———————————–
    Ne, ne, von Bekannten weiss ich, dass die Homoerotik immer schon von Kindheit an besteht. Da fehlt es einfach an der Kompetenz der Seminarleitungen, hier Leute auszuwählen, die – wenn man nur Heteros will – ins krude Schema der RKK passen.

  • blauäugig

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    @Veronika: „Ne, ne, von Bekannten weiss ich, dass die Homoerotik immer schon von Kindheit an besteht. “
    Denken Ihre Bekannten also genauso verquer wie Sie.

    Sie schaffen es noch durch Ihre abstrusen, permanenten, haltlosen Anfeindungen der RKK gegenüber, dass ich mich mit dieser womöglich noch solidarisiere und in diese Gesellschaft eintrete.

  • Angelika Oetken

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    Guten Abend,

    über Pädo“philie“ (im Sinne einer schweren und für die Objekte der Pathologie, nämlich Kinder, gefährlichen psychischen Störung):
    http://www.aufrecht.net/utu/paedophile.html

    Über Pädokriminelle allgemein:
    http://www.aufrecht.net/utu/taeter.html

    Zur Genese und Behandlung der Pädosexualität als besonders schwerwiegende psychosexueller Fehlentwicklung (Abstract):

    „Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern ist immer ein sexueller Missbrauch des Kindes durch den Erwachsenen und fügt dem Kind schweren Schaden zu, weil eine ausgeformte, erwachsene Sexualität auf das ungeformte Sexuelle des Kindes trifft. Um die Pädophilie als sexuelle Perversion beschreiben und verstehen zu können, ist es wichtig, sich einen Überblick über psychoanalytische Theorien der Perversionen zu verschaffen. Der Pädophile versucht, in einem unerbittlichen Wiederholungszwang, eine Situation zu reinszenieren, in der er sich als Idol der Mutter erlebt hat und die Mutter «ihr Kind» idolisierend als untrennbaren Teil des eigenen Körpers erlebt. Psychodynamisch ist der Pädophile mit einer idealisierten Mutter-Imago identifiziert, die den Inzest zulässt. In der Übertragung versuchen pädophile Patienten eine Pseudo-Intimität herzustellen. In der Gegenbewegung gibt es eine ausgeprägte Tendenz, die Psychotherapie so zu destruieren, dass ständig ein Abbruch droht. Die innere Spannung, verstanden als psychotischer Kern, ist bei diesen Patienten so gross, dass eine Psychotherapie fast nur unter äusserem Druck (z.B. Strafverfolgung) möglich erscheint. Je mehr der Patient in der Lage ist, Schuld zu erleben, desto günstiger die Prognose, unter Umständen ist dann auch eine Psychoanalyse denkbar. Die Prognose entspricht der von schweren Abhängigkeitserkrankungen.“
    http://www.karger.de/Article/Pdf/46756

    Über die Entwicklung einer homosexuellen Präferenz:
    http://dasgehirn.info/handeln/liebe-und-triebe/gemeinsamkeiten-ziehen-sich-an-1753/

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Veronika

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    @blauäugig:

    Was habe ich jetzt schon wieder Falsches geschrieben?
    Bitte mal eine Erklärung!
    —————————–
    Ja, treten Sie ruhig ein. Bei mir jährt es sich demnächst, dass ich dem Verein zwei Jahre lang nicht mehr angehöre, und dies ist auch gut so!
    Spart mir jede Menge Kirchensteuer, und noch dazu jede Menge Nerven!

  • Veronika

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    @blauäugig:

    Das Schema nach dem die RKK Priesteramtskandidaten auswählt empfinde ich dennoch als „krude“, denn ich habe Bekannte die meiner Meinung nach nur deshalb Priester geworden sind, weil diesen Fabrikarbeit zu „gering“, ein anderes Studium zu aufwändig war.
    Dagegen sind andere, die mit liberaler und toleranter Auffassung nach dem Abitur in einem Seminar vorsprachen, ohne Angabe von Gründen nicht genommen worden.
    Ein nachvollziehbares System anhand objektiver Kriterien scheint es da bei der Auswahl nicht zu geben. Als wichtigstes Kriterium scheint jedoch eine Art „Kadavergehorsam“ zu gelten, und dieser nicht gegenüber dem Bischof oder dem Papst, sondern gegenüber dem sog. „Regenten“, dessen Professionalität in Sachen „Nachwuchsgewinnung“ man leider auf keiner Homepage eines Priesterseminars so richtig nachvollziehen kann. Das sind Lebensläufe, die passen durchaus für Priester, aber kaum für jemanden der andere für solche Ämter auswählen soll.

  • Tosch

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    @Blauauge
    „““ Sie schaffen es noch durch Ihre abstrusen, permanenten, haltlosen Anfeindungen der RKK gegenüber „““

    Was heisst hier Anfeindungen der RKK,,
    Anscheinend wissen Sie nicht worum es hier wirklich geht.
    Wenn Ihre RKK hier auch Kinderschänder ausführlich deckt , ( nur zum Thema Regensburger Domspatzen ) ( auch die Vielzahl der Betrügereien der eigenständigen Stiftung Etterzhausen nicht zu vergessen ) dann müssen Sie hier in keinster Weise von irgendwelchen Anfeindungen schreiben.
    Bitte halten Sie hier den Ball flach. Ihre RKK in Regensburg zieht eine Vielzahl von Missbrauchsfällen so derart in die Länge , und die Opfer heute werden hier als Lügner hingestellt.

    http://www.regensburg-digital.de/vertuschung-um-der-barmherzigkeit-christ-willen/30052014/

    http://www.theologe.de/sexuelle_vergehen.htm#Paepstliche_Geheimhaltungspflicht

    „Adversus necessitatem ne dii quidem resistunt.“

    Gegen die Notwendigkeit können nicht einmal die Götter etwas ausrichten.

  • blauäugig

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    @Veronika: „Bitte mal eine Erklärung!“
    Soweit Ihre Angabe mit den 2 Jahren stimmt, bin ich ja schon mehr als 10mal so lang nicht mehr in dieser RKK – worüber sich ein Tosch verwundert die Augen reiben mag.

    Kindesmißbrauch und auch die anderen Verfehlungen des Kirchenpersonals rechtfertigen in meinen Augen nicht, z.B. zu behaupten, Hartz IV sei eingeführt worden, um der Kirche weitere Milliarden abzutreten. Also Verlogenheit mit Lügen anzuprangern.

    Nun hat Angelika Oetken ein anderes Schriftstück verlinkt, ich selber gehe davon aus, dass die Menschen grundsätzlich eher bisexuell sind und sich im Lauf der Zeit für einen Partner oder eine Partnerin entscheiden. Ich fand in der 5. Klasse wie die meisten meiner Klassenkameraden noch alle Mädchen doof, das Interesse am anderen Geschlecht kam erst später. Die Orientierung auf das eine oder andere Geschlecht sehe ich auch als Privatsache, und da soll doch jeder suchen, wie er glücklicher wird. Solange er sich nicht an Abhängigen oder gar Kindern vergreift.

  • Veronika

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    @blauäugig:

    Kann ich zustimmen!
    Danke!
    Ne, Hartz IV ist sicher nicht eingeführt worden, um den Kirchen Milliarden zuzuschanzen. Aber die nehmen es sich trotzdem, und dürften aufgrund deren Einfluß auch wesentlich der Einführung zugestimmt haben.

  • Dubh

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    Veronika : „Aber die nehmen es sich trotzdem, und dürften aufgrund deren Einfluß auch wesentlich der Einführung zugestimmt haben.“

    WAS nehmen DIE sich trotzdem durch Hartz ?
    Die zahlen praktisch keine Stellen selbst.

    Zahlen ALG II EmpfängerInnen oder AufstockerInnen riesige Summen an Kirchensteuern, oder was?

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