Archiv für 22. Januar 2012

Eine CSU, zwei Neujahrsempfänge

Mit Zuversicht und Gottes Segen….

Mal ein bisschen stolz sein: Georg „Schüttel-Schorsch“ Schmid beim Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbands. Foto: Staudinger

Im Haus Heuport wird am Sonntag um 11 Uhr zum Wahlkampfauftakt geblasen. Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbands. Ganz traditionell mit Blasmusik von den „Sechs lustigen Fünf“. Den Fraktionschef im bayerischen Landtag, Georg „Schüttel-Schorsch“ Schmid, hat man sich eingeladen, um für gute Stimmung zu sorgen.

Eine CSU, zwei Empfänge

Dass heute ein zweiter Neujahrsempfang – im Schaidinger-treuen CSU-Ortsverband Königswiesen stattfindet – stört die Anwesenden im Heuport nicht wirklich. Diese Terminüberschneidung war ja ….

Franz Rieger (li.) pendelte zwischen Königswiesen mit Festredner Hans Schaidinger... Foto: Haslbeck

„…in keiner Weise“ und „nicht mit der leisesten Absicht“ zustande gekommen, betont Christian Schlegl im Pfarrheim St. Paul in Königswiesen. Hier hat, schon eine Stunde früher, der Neujahrsempfang der CSU-Verbände im Stadtsüden begonnen. Weißwürscht, Wiener und Bier gibt es im Schaidinger-/Schlegl-Revier. „Fracksausen“ heißt das von Fraktionschef Schlegl persönlich ausgewählte Männer-Gesangs-Quintett. Und dass die Herren „Ein Freund, ein guter Freund“ intonieren, wirkt im Lichte zweier parallel stattfindender CSU-Neujahrsempfänge schon direkt zynisch. Man habe „einfach nichts voneinander gewusst“, betont Schlegl mehrfach. So diese Aussage glaubhaft ist, ist sie symptomatisch für die Regensburger CSU.

Karrieristen entschwinden, Fatalisten bleiben

Mancher, zum Beispiel der Oberbürgermeister, wäre – wie schon in der Vergangenheit – sowieso nicht zum Kreisverband gekommen. Der CSU-Kreisvorsitzende Armin Gugau hätte sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in Königswiesen blicken lassen. Und andere müssen eben zwischen Königswiesen und dem Haus Heuport hin und her hetzen, so lange nicht klar ist, wer nun 2014 in Regensburg die Nase vorn haben wird.

...und dem Haus Heuport mit Stargast Georg Schmid (mit Armin Gugau, Hans Renter, Franz Rieger und Bierkiste). Foto: Staudinger

Diese vormittägliche Fahrt von Königswiesen in die Altstadt treten Franz Rieger und Hermann Vannino als Erste an. Sie verabschieden sich nach Christian Schlegls Begrüßungsmarathon für Fraktionsmitglieder, Schützenkönige und Kleingärtner. Kurz darauf entschwindet Astrid Freudenstein samt Gefolge. Auch MdB Peter Aumer wechselte zwischendurch die Seiten, aber der läuft als Berlin-Abgesandter und Landkreis-Sprössling außer Konkurrenz. Andere prominente Partei-Pendler sind in Königswiesen nicht auszumachen. Die einen bleiben und hoffen weiter auf die Schaidinger-CSU, die anderen sind schon im Haus Heuport, um den dortigen Hoffnungsträgern zu lauschen.

„Oberbürgermeister-Kandidaten-Homunculus“

Ja: „Es wird ein sehr wichtiges Jahr für die CSU werden“, sagt dort Kreischef Gugau in seiner Begrüßung. 2013 wird für Bundes-, Land- und Bezirkstag, 2014 um die Mehrheit im Regensburger Stadtrat und den OB-Sessel gewahlkampft. Da heißt es früh anfangen und die Marschrichtung ausgeben. „Wir spielen auf Sieg, nicht auf Unentschieden“, lautet Gugaus Botschaft. Und wer nach diesem Sieg die wichtigsten Ämter bekleiden wird, weiß er auch schon. Hans Renter wieder in den Bezirkstag, Franz Rieger wieder in den Landtag, erklärt Gugau, der damit auch Gerüchten, es sei zum Zerwürfnis zwischen ihm und Rieger gekommen, weil der nicht für den OB-Posten kandidieren wollte, einen Riegel vorschieben will. Gugau hat auch schon einen neuen Kandidaten für den Oberbürgermeister-Sessel im Auge: Mitte 40, „beruflich außerordentlich erfolgreich, wirtschaftlich unabhängig und nicht in den CSU-Streit involviert“ soll der sein. Und dabei handelt es sich nicht um eine vage Stellenbeschreibung, nicht um einen „Oberbürgermeister-Kandidaten-Homunculus“, wie Franz Rieger vermutet, sondern um eine konkrete Person. „Da gibt es jemanden, den ich den Delegierten im Herbst vorschlagen werde“, sagt Gugau auf Nachfrage. Mehr nicht. Jetzt darf man spekulieren. Aber so viel steht fest: Christian Schlegl wird es nicht sein. „Ein Ritterschlag durch den OB reicht dazu nicht aus.“

Nicht alles ist gut, aber fast alles

Dieser OB ist heute Schlegls Stargast in Königswiesen. „Sie zahlen mich fürs Nachdenken“, analysiert Schaidinger seine Hauptaufgabe. Und nachgedacht hat er. Über Regensburg, Deutschland, die Euro-Krise, Rating-Agenturen und die Rolle der Kommunen. „Nicht alles ist gut“ – manchmal übt sich auch ein Hans Schaidinger in Bescheidenheit und Selbstkritik. Wenn man dem Oberbürgermeister allerdings eine Stunde lang zugehört hat, setzt sich die Überzeugung durch, dass das meiste deutlich mehr als passabel ist. Zumindest in Regensburg. Besorgten Blicks äußert er sich über Griechenland und andere Schuldenstaaten in Europa, über Gemeinsamkeiten in Kultur und Wertvorstellungen, aber auch über die Währungskrise. Nicht mehr ausgeben, als man hat – auch das sei eine Grundüberzeugung aus der gemeinsamen Kultur, und die müsse sich wieder durchsetzen.

„Verzweiflung in den Redaktionen“

Dass er diese Grundüberzeugung nie vergessen hat, stellt Schaidinger klar: Da schafft er es, die momentane Regensburger Verschuldung mit ein paar Rechnereien auf quasi Null zu drücken. Das ist eine gute Grundlage für Schaidingers nächstes Großprojekt: eine Stadthalle. „Die wird gebraucht.“ Im Laufe des Jahres werde es eine Abstimmung im Stadtrat darüber geben. Ansonsten irritierte er den einen oder anderen Konservativen mit seiner Antwort auf die Frage: Was erwarten wir von einer Kommune? Schulen, Bus, Kanal, Kinderbetreuung. Arbeit, Bildung und Ausbildung. Aber auch: Heimat und Identität, Solidarität und Integration. Letztere zwei gehören nicht unbedingt ins Standard-Repertoire eines Konservativen, aber nach Schaidingers Ausführungen signalisieren die Süd-CSUler doch nickender Köpfe Zustimmung. „Verzweiflung“ gebe es in den Regensburger Redaktionsstuben, denn: „Es gibt keine schlechten Nachrichten mehr!“ Zumindest nicht aus Regensburg, denn: „Regensburg hängt alle ab“, zitiert er das Finanz-Blatt „Capital“. Dass er diesen Umstand zu einem gehörigen Teil auf seine eigene Kappe nimmt, lässt Schaidinger lediglich durchblicken.

Inhalte? Wozu?

Für so viel Inhalt ist im Haus Heuport kein Platz. Warum auch? Derzeit hat der CSU-Kreisverband im Stadtrat nichts zu melden, nichts mitzureden, nichts zu bestimmen. Das soll 2014 kommen. Nicht heute. Zum Abschluss seiner Begrüßung beschwört Armin Gugau Gottes Segen, Geschlossenheit und Zuversicht. Applaus. Nach Zwischenspielen von Franz Rieger (Alles läuft super!) und Hans Renter (Das Soziale ist wichtig und Armin Gugau ist super! Franz Rieger auch!) folgt Festredner Georg Schmid.

„Ich weiß, wovon ich rede“

Der schüttelt sich – auf dem Bierkistl stehend und ohne Manuskript – eine saubere Bierzeltrede aus dem Ärmel und ergänzt die Ausführungen seiner Vorredner blendend. Es läuft alles gut („Bayern steht hervorragend da.“). Es wird noch besser laufen („Wir alle arbeiten hart.“). „Wir dürfen auch mal ein bisschen stolz sein.“ Und immer wieder: „Ich weiß, wovon ich rede.“

„Ich weiß, wovon ich rede.“ Georg Schmid. Foto: Staudinger

Gottvertrauen, Selbstvertrauen, „Pflicht zur Zuversicht“. Applaus. Bayernlied und Nationalhymne.

Applaus, Zuversicht, Weißbier und Prosecco

Applaus, lang und kräftig, auch in Königswiesen. Bayernlied und Nationalhymne auch hier. Weißbier und -würschtl für die Gäste und das Musik-Quintett. Im Haus Heuport fließt bereits seit 11 Uhr der Prosecco. Nach Schmids Rede kommen endlich die Schnittchen.

Bayernlied und Nationalhymne allerorten... Foto: Staudinger

„Sie sehen, dass die Partei geschlossen steht“, meint anschließend Franz Rieger. „Heute sieht man, wie stark die CSU ist“, freut sich Armin Gugau. Und einer der Anwesenden, CSU-Funktionär, meint: „Wenig Inhalt, aber super Vortrag. Super Stimmung.“

Das Ruder in der Hand halten…

Diese „super Stimmung“ herrscht auch in Königswiesen. Man sei „stolz, aber nicht übermütig“, sagt Hans Schaidinger. Und so stößt man allerorten an: Auf die CSU, deren Geschlossenheit und den gemeinsamen Erfolg. Selbstbewusst und zuversichtlich, dass man entweder mit Gottes Segen oder mit solidem Finanzgebaren 2014 das Ruder weiterhin oder endlich einmal in der Hand halten wird. Denn darauf kommt’s schließlich an! Prost Neujahr!