Archiv für 12. Dezember 2012

Manch vermeintliche Überraschung in einem Adventskalender entpuppt sich beim ersten Probieren als unspektakulär, langweilig, fade. Auf jeden Fall nicht mehr als das Übliche. Manchmal ist die Schokolade schon ein wenig zerbröselt, zerdrückt, vielleicht unter großer Hitze ein wenig angeschmolzen. Heute: Benedikt Suttner (ödp) und Dr. Ewa Schwierskott-Matheson (Grüne).

Benedikt Suttner, genannt El Sutt

suttnerDer Weg von Benedikt Suttner in den Regensburger Stadtrat war ein Spaziergang. Genauer gesagt waren es sogar mehrere Spaziergänge. Vor einigen Jahren, als Fürstin Gloria ihr Schloss zum Hotel umbauen lassen wollte, um ob der horrenden Ausgaben zur Pflege ihres Besitzes nicht irgendwann am Hungertuch nagen zu müssen, damals, als Generalkonservator Egon Greipl kein denkmalpflegerisches Veto dagegen einlegte und auch die Stadtratsmehrheit das fürstliche Ansinnen ohne viel Federlesens befürwortete, allem Verlust von Bäumen und Zerstörung von historischer Substanz zum Trotz, organisierte Suttner Protest-Spaziergänge durch die Allee. Diese wollte er freilich streng getrennt sehen von seinem parteipolitischem Engagement für die ödp – zu seiner Bekanntheit dürften sie aber doch ein Stück weit beigetragen und ihm einen Teil der Stimmen beschert haben, die es Suttner im Januar 2009 ermöglichten, in den Stadtrat nachzurücken. Dort war es mit dem Spaziergang allerdings schnell vorbei. Als jüngstes Mitglied des Gremiums agiert Suttner außerordentlich defensiv. Doch obwohl er streng auf Etikette und Höflichkeit achtet, niemandem auf die Zehen treten will und seine Wortmeldungen mit derart vielen Einschränkungen, Relativierungen und Beschwichtigungen versieht, dass sie von Kennern und Liebhabern als „Stadtrats-Poesie“ bezeichnet werden, setzt es regelmäßig Prügel von der Bürgermeister-Bank. Angesichts seiner Nachfragen verglich Bürgermeister Gerhard Weber (CSU) Suttners Methoden mit denen von „Stasi und Gestapo“. SPD-Pendant Joachim Wolbergs schleuderte Suttner schon entgegen, ob er jetzt vielleicht noch die Farbe seiner Unterhose wissen wolle. So viel Informationsfreiheit verlangt Suttner selbstverständlich nicht. Auch wenn ihm dieses Thema ein Anliegen ist. Seien es Gutachten zu Brückenplänen, Kopien der Stadtratsprotokolle für die Fraktionen oder mehr Transparenz bei den städtischen Töchtern – für Suttner sind das Leib- und Magenthemen. Und es ist unter anderem ihm zu verdanken, dass der Stadtrat zwischenzeitlich ein Papier mit dem sperrigen Titel „Informationsfreiheitssatzung“ verabschiedet hat. Prügel setzt es auch von den Jahn- und Baseball-Fans. Die ödp ist bekanntermaßen gegen das neue Stadion, Suttner kritisierte die kostenlosen Ehrenkarten für Stadträte und Bürgermeister zur Baseball-WM. So wird man schnell zum Hassobjekt in den Fan-Foren, aber auch von SPD-Fraktionschef Norbert Hartl. Der hielt Suttner wegen seiner Ehrenkarten-Kritik „dümmliche Vergleiche“ vor und gab ihm schließlich den liebenswerten Spitznamen „El Sutt“. Dieser El Sutt ist allerdings konsequent: Kostenlose Eintrittskarten nimmt er ebensowenig an wie Freigetränke-Marken für Dult und Christkindlmarkt. Auch bei der kostenlosen Einladung der REWAG zu den Schlossfestspielen nebst Häppchen und Getränken bleibt Suttner fern. Ein kleiner Erfolg, den Suttner sich ans Revers heften darf, führt zurück zu den Spaziergängen im Schlosspark, zur Rettung von Bäumen, genauer gesagt: eines Baums. Der von ihm unterstützte Protest gegen die Abholzung der Malteser-Kastanie im Stadtwesten, erweichte das Herz des Eigentümers. Der ließ den Baum stehen und anschließend wollte es fast der komplette Stadtrat gewesen sein, der diese Baumrettung zu verantworten hatte. Zwischenzeitlich hat Suttner sich ein wenig von seinen Fraktionskollegen Eberhard Dünninger und Joachim Graf emanzipiert. Bei der letzten Haushaltsrede ließen die beiden ihm schon mal den Vortritt. Und wer weiß – sollte es die ödp bei der nächsten Wahl erneut in den Stadtrat schaffen, bringt er es vielleicht zum Fraktionschef. Dann mit etwas weniger Poesie und mehr Angriffslust.

Dr. Ewa Schwierskott-Matheson: Charmant verschwiegen

schwierskottDr. Ewa Schwierskott-Matheson ist eine charmante Person. Als sie noch Vorsitzende des Ausländerbeirats war, lieferte sie sich mit Bürgermeister Gerhard Weber regelmäßig Streitereien und Debatten. Doch trotz heftiger gegenseitiger Vorwürfe und Kritik schien es beiden immer ein Anliegen zu sein, zu betonen, wie sympathisch man im Grunde doch das jeweilige Gegenüber finde. Seit Schwierskott-Matheson aber 2008 für die Grünen in den Stadtrat gewählt wurde, hört man von ihr nichts mehr. Weder Charmantes noch Kritisches. Und manche ihrer spärlichen Wortmeldungen zeugt eher davon, dass die Zeit fehlte, um die Sitzungsunterlagen durchzulesen. Kein Einzelphänomen. Die Wortführer in ihrer Fraktion sind andere. Und ebenso wie bei Grünen-Stadtrat Wolfgang Mache hat man auch bei ihr den Eindruck, nur schweigendes Unterstützungskommando für das Wortführer-Triumvirat Jürgen Mistol, Margit Kunc und Jürgen Huber zu sein. Auf dem Kieker scheint der eine oder andere Stadtrat Schwierskott-Matheson dennoch zu haben. Margot Neuner und Norbert Hartl (beide SPD) beschwerten sich in der Vergangenheit bei der Mittelbayerischen Zeitung darüber, dass Schwierskott-Matheson sich zu Unrecht in eine Anwesenheitsliste eingetragen habe, um die bemerkenswerte Summe von 30 Euro Sitzungsgeld abzuzocken. Auch für den angeblichen „Abrechnungsskandal“, der sich schließlich als Posse entpuppte, und in dessen Zuge auch Schwierskott-Mathesons Name in den Medien auftauchte, zeichnet der SPD-Fraktionschef verantwortlich. Bei ihm scheint der Charme der selbständigen Unternehmerin nicht zu ziehen.
Advent, Advent...

Stadtrats-Adventskalender 11: Traatschi von Klatschow

Nicht jede Süßigkeit in einem Adventskalender ist bei allen gleich beliebt. In einem Jahr kann es sein, dass alle Freunde und Bekannten sich für Negerküsse begeistern, im anderen ist plötzlich derjenige mit den Negerküssen ein Außenseiter, ein Spinner gar, mit dem man doch nie etwas zu tun haben wollte. Heute: Dr. Gero Kollmer (CSB).