Archiv für 8. Juli 2013

Bauordnungsamt contra Verein

Zerstören Bürokraten Konzerthalle?

Scheitert ein Vorzeige-Projekt am Bürokratismus in städtischen Ämtern? Die H5 – eine lang ersehnte und mit viel Eigenengagement renovierter Konzerthalle – steht vor dem Aus.

H5Ein Ort für alternative und nicht per se auf Kommerz angelegte Kultur scheint in der Stadt Regensburg nicht erwünscht zu sein. Nach einem positiven Start hat das Bauordnungsamt der Stadt jetzt für das vorläufige Aus der H5 gesorgt (zur Homepage).

Renoviert  ohne Zuschüsse, erfahrener Verein

Seit Januar hatte der Verein „Scants of Grace“ die etwa 400 Quadratmeter große Halle auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik gemietet. Und die Voraussetzungen wären ideal gewesen: Keine Nachbarn, die sich am Lärm stören könnten, Parkmöglichkeiten und mit den Scants of Grace eine Verein, der sich bereits seit Jahren als verantwortungsbewusster und nicht dem Kommerz, sondern dem Publikum verpflichteter Veranstalter erwiesen hat – etwa beim Jahninselfest.

Und zunächst sah es auch gut aus. Mit viel Eigenengagement, ohne finanzielle Unterstützung oder Zuschüsse von städtischer Seite wurde umgebaut, dekoriert und ein Programm zusammengestellt. Es gab Begehungen mit der Feuerwehr und Experten der Verwaltung. Drei Konzerte – gute Musik zum kleinen Preis – durften denn auch bislang mit dem Segen von Ordnungs- und Bauordnungsamt durchgeführt werden.

„Der gemeinnützige Verein Scants of Grace hat von der Stadt keinen einzigen Cent als Zuschuss für den Umbau oder die Hallenmiete gefordert. Lange wird sich der Verein jedoch nicht halten können, wenn man ihn jetzt ausbluten lässt. Die zugesagte Unterstützung von Seiten der Politik wäre jetzt notwendig, um bürokratische Hürden abzubauen und den Genehmigungsprozess zu beschleunigen.“
Aus einer heute verschickten Presseerklärung des Scants of Grace e.V.

 

„Keine Mängel, lediglich bürokratische Formalitäten“

„Ab der vierten scheint es aber für die Besucher gefährlich zu werden“, so das derzeitige, etwas frustrierte Fazit von Florian Gmeiner vom Vorstand der Scants of Grace. Für die vierte Veranstaltung vor zwei Wochen hat nämlich das Bauordnungsamt seine Zustimmung versagt. Und auch das nächste Konzert mit der niederländischen Gruppe Folgt man Gmeiner und seinem Vereinskollegen Samuel Winkler, dann scheint es dafür nicht wirklich einen triftigen Grund zu geben. Zumindest hat man den Scants of Grace keinen mitgeteilt. „Statt uns auf Mängel aufmerksam zu machen, ging es bisher lediglich um bürokratische Formalitäten.“

Vom Bund gefördertes Konzert darf nicht in der H5 stattfinden

Am nächsten Freitag, 12. Juli sollte das erste Konzert der Reihe „Laut gegen braune Töne“ mit der niederländischen Punkrock-Band BAMBIX in der H5 stattfinden. Das Konzert wird durch das Bundesprogramms „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“ gefördert. Diese Veranstaltung konnte nun noch kurzfristig in die Alte Mälze verlegt werden. Der SUBLIME e. V., Träger des Kulturförderpreises 2011 der Stadt Regensburg, hat für 19. Juli eine SUBLIME-Party in der H5 geplant. Die Werbung ist längst draußen, doch auch diese Veranstaltung wird wohl nicht in der H5 stattfinden. Als Ausweichort konnte der Leere Beutel reserviert werden.Flyer-Bambix500-neu

„Das alte Eisstadion, den Schlachthof, eine städtische Lagerhalle oder eine Halle in der Bajuwarenkaserne hätten wir bereits vor Jahren gerne zur Zwischennutzung angemietet, wenn uns akzeptable Bedingungen genannt worden wären. Entweder wollte man uns aber nur kurzfristig als Zwischenmieter oder eine Nutzung war aus unverständlichen Gründen nicht möglich.“
Aus der Presseerklärung des Scants of Grace e.V.

 

„Gut, dass Regensburg einen Koffer voller Ideen hat.“

Sämtliche anderen Veranstaltungen, die für dieses Jahr noch geplant gewesen wären, mussten abgesagt werden. „Wann mit einem grünen Licht von Seiten des Bauordnungsamtes zu rechnen ist, ist für uns ein Rätsel“, schreiben Winkler und Gemeiner heute in einer Presseerklärung. „Vermutlich ist der Verein vorher pleite. Gut, dass Regensburg aus seiner Bewerbung zur Kulturhauptstadt noch einen Koffer voller Ideen hat.“

„Unsere Besucher, andere Veranstalter und Künstler können diese Haltung nicht nachvollziehen. Ein Zudrücken einiger bürokratischer Augen, wie dies bei der Zwischennutzung des Z-Baus in Nürnberg über zehn Jahre Praxis war, kommt für das Bauordnungsamt in Regensburg nicht in Frage.“
Aus der Presseerklärung des Scants of Grace e.V.

Von der Stadt Regensburg war am Montag keine Stellungnahme mehr zu erhalten.

Die Ballonauten kommen: Von der Steinernen Brücke irgendwann nach Brüssel

Am Ball geblieben

Nach monatelanger Arbeit und jahrelanger Vorbereitung hatte der Riesenball nun endlich seinen ersten großen Auftritt: Am Samstag rollte er erstmals durch Regensburg. Damit wird der Traum von Jakob Schmid, dem ersten „Ballonauten“ vollendet: Regensburg erfährt von seiner unglaublichen Reise durch Deutschland. Bald soll nicht nur Regensburg von der irren Deutschlandtour wissen. Hubertus Wiendl, Wiederentdecker des Reisetagebuchs und Kurator des Ballonauten-Projekts, möchte ganz Deutschland, ja eigentlich ganz Europa darüber ins Ballonauten-Fieber versetzen.