Flüchtlinge kommen zunächst in Turnhalle unter

„Ab morgen sind das unsere Mitbürger“

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Am Wochenende kamen erste Busse mit Flüchtlingen an, die Regensburg zur Entlastung der Bayernkaserne aufnimmt. Ab morgen werden weitere 150 bis 200 Menschen erwartet, die vorübergehend in der Clermont-Ferrand-Turnhalle untergebracht werden. Von David Liese  
In der Turnhalle der Clermont-Ferrand-Schule werden ab morgen bis zu 200 Flüchtlinge vorübergehend aufgenommen. Fotos: ld.

In der Turnhalle der Clermont-Ferrand-Schule werden ab morgen bis zu 200 Flüchtlinge vorübergehend aufgenommen. Fotos: ld.

Noch sieht es leer aus in der Turnhalle der Clermont-Ferrand-Schule. Der Hallenboden wurde mit Matten ausgelegt, sonst deutet nichts darauf hin, dass hier in den nächsten Tagen und Wochen 150 bis 200 Menschen schlafen, wohnen und leben sollen.

Doch schon morgen früh wird es hier ganz anders aussehen. Im Laufe des Donnerstags erwarten die freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer, teils von THW, Rotem Kreuz, Johannitern, Maltesern und Feuerwehr, Busse mit Flüchtlingen. Bis dahin muss die Turnhalle vorbereitet sein – man wird wohl bis zum späten Mittwochabend arbeiten. Am Nachmittag lud die Stadt zu einer Pressekonferenz.

Oberbürgermeister Wolbergs: "Es geht zunächst darum, dass man die Flüchtlinge in Ruhe lässt und dass jemand auf sie aufpasst."

Oberbürgermeister Wolbergs: „Es geht zunächst darum, dass man die Flüchtlinge in Ruhe lässt und dass jemand auf sie aufpasst.“

Wolbergs setzt sich für Flüchtlinge ein

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs lag schon in den vergangenen Wochen viel daran, klarzustellen, dass Regensburg zusätzliche Flüchtlinge gerne aufnehme und sich auf sie freue. Über Facebook verbreitete er sogar ein Video, in dem er um die Mithilfe und das Engagement der Regensburger warb.

Gemeinsam mit der Regierung der Oberpfalz versuche man im Moment, „Druck aus der Situation in der Bayernkaserne zu nehmen“, so Wolbergs am Mittwoch. In der Münchner Erstaufnahmestelle seien derzeit 1.800 Flüchtlinge untergebracht. Die neue Koalition unter Wolbergs hatte sich außerdem um eine zusätzliche Erstaufnahmestelle bemüht, die 2015 kommen wird.

„Man konnte den Menschen ansehen, was sie hinter sich hatten“

In der jetzigen Situation möchte man mit Übergangslösungen wie der Sporthalle helfen. Bereits am Wochenende kamen zwei Busse mit Flüchtlingen in Regensburg an. Sie wurden in Notwohnungen in der Aussiger Straße untergebracht. „Man konnte den Menschen ansehen, was sie hinter sich hatten“, berichtet Wolbergs von der Nacht von Samstag auf Sonntag. „Es geht zunächst einfach darum, dass man die Flüchtlinge in Ruhe lässt und dass jemand auf sie aufpasst.“

Eben das solle nun auch in der Clermont-Ferrand-Turnhalle der Fall sein. Feldbetten werden aufgestellt, mit Hilfe von Trennwänden will man „behelfsmäßige Kleinwohnräume“ abteilen, um den Flüchtlingen ein Mindestmaß an Diskretion zu ermöglichen. Die Ankommenden werden zunächst über ein Schnellverfahren registriert und dann gesundheitlich untersucht, erklärt Regierungspräsident Axel Bartelt.

Axel Bartelt, Regierungspräsident der Oberpfalz, lobte die gute Kooperation mit der Stadt.

Axel Bartelt, Regierungspräsident der Oberpfalz, lobte die gute Kooperation mit der Stadt.

Enge Kooperation zwischen Stadt und Regierungsbezirk

Die Flüchtlinge werden eineinhalb bis zwei Wochen in der Turnhalle bleiben. „Das hier kann natürlich nur eine vorübergehende Maßnahme sein“, versichert Bartelt, der die Kooperation mit der Stadt lobt. Die Halle haben man deshalb ausgewählt, weil hier genügend sanitäre Anlagen vorhanden seien und „man sich auch mal ein bisschen bewegen“ könne, so Wolbergs.

Alle Beteiligten – vom Schulamt bis zu den Schülern – hätten absolut verständnisvoll darauf reagiert, dass in den nächsten Tagen der Sportunterricht in der Halle entfallen müsse, ergänzt der Oberbürgermeister. Die Flüchtlinge befänden sich schließlich in einer Notsituation. „Ab morgen sind das unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger.“

Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung groß

Überhaupt sei die Hilfsbereitschaft der Regensburger groß. „Die Regensburger tun das, was sie immer tun, wenn Not am Mann ist“, sagt auch Christian Schwarz von den Maltesern: „Sie helfen.“

Die Clermont-Ferrand-Turnhalle nach den Arbeiten der freiwilligen Helfer. Foto: Stadt Regensburg.

Die Clermont-Ferrand-Turnhalle nach den Arbeiten der freiwilligen Helfer. Foto: Stadt Regensburg.

Durch Trennwände besteht die Möglichkeit, kleinere, private Bereiche in der Turnhalle abzutrennen. Foto: Stadt Regensburg.

Durch Trennwände besteht die Möglichkeit, kleinere, private Bereiche in der Turnhalle abzutrennen. Foto: Stadt Regensburg.

Die Flüchtlinge, die für rund eine Woche in der Turnhalle untergebracht werden, werden auch registriert. Foto: Stadt Regensburg.

Die Flüchtlinge, die für rund eine Woche in der Turnhalle untergebracht werden, werden auch registriert. Foto: Stadt Regensburg.

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Kommentare (4)

  • Körtner

    |

    „Die Regensburger tun das, was sie immer tun, wenn Not am Mann ist“

    Wie sich andernorts Bürger „Hilfe“ vorstellen, das liest sich hier:
    „http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_regen/viechtach/1466694_Um-Asylheim-zu-verhindern-Dorfgemeinschaft-soll-Hotel-kaufen.html“

  • Wallner

    |

    Ich glaube, das liegt auch daran, weil wir in Regensburg in einer Situation leben, wo es immer mal wieder vorkommt, mit Unwägbarkeiten wie einem Hochwasser zurechtzukommen. Da ist Hilfe angesagt. Auf jeden Fall ein sympathischer Zug in dieser Stadt und von unserem neuen OB.

  • hs

    |

    Das Nest hat 141 Einwohner und jetzt sollen dort 140 Asylanten untergebracht werden. Wenn Sie das gut finden….

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