Getränkelieferant bevorzugt?

Ausschreibung fiel ins Mineralwasser

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Eine zurückgezogene Ausschreibung des Studentenwerks für Getränkelieferungen wirft Fragen auf. Die Anforderungen an das Mineralwasser scheinen wie für den derzeitigen Lieferanten gemacht. Kein anderes Wasser erfüllt die geforderten Werte, ein ganz bestimmtes dagegen fast aufs Komma genau. Derzeit liefert das Unternehmen nur noch auf Basis einer Verlängerungsoption.

Nur ein Mineralwasser konnte die Werte erfüllen, die in einer Ausschreibung des Studentenwerks gefordert wurden. Foto: as

Nur ein Mineralwasser konnte die Werte erfüllen, die in einer Ausschreibung des Studentenwerks gefordert wurden. Foto: as

Mit der „Grenzzaun Halbe“ hat die Röhrlbrauerei aus Straubing einigen Staub aufgewirbelt. Und insbesondere die Ankündigung des Studentenwerks Niederbayern/ Oberpfalz, die Bestellungen bei Röhrlbräu auf Eis zu legen, dürfte mit den Ausschlag gegeben haben, das Produkt vom Markt zu nehmen. Auf Dauer hätte sonst auch ein Imageverlust des Mutter-Konzerns gedroht und damit wäre ein Auftrag in Gefahr, der im hohen sechsstelligem Bereich liegen dürfte. Röhrl gehört zur Schierlinger „Labertaler Heil- und Mineralquellen Getränke Hausler GmbH“. Das Unternehmen beliefert aktuell im Auftrag des Studentenwerks Niederbayern/ Oberpfalz die fünf Mensen und 17 Cafeterien der Universität und Technischen Hochschule Regensburg, der TH Deggendorf, der Hochschule Landshut und der Universität Passau. Allein an Mineralwasser werden jährlich rund 250.000 Liter geliefert. Und just das Mineralwasser wirft Fragen auf.

Ausschreibung liest sich wie für das Labertaler-Wasser gemacht

Eine Ausschreibung des Studentenwerks, mit der bereits 2015 die Neuvergabe für die Lieferungen erfolgen sollte, liest sich nämlich wie für Labertaler-Mineralwasser gemacht. Das fiel auch Mitbewerbern auf. Die Ausschreibung musste vom Studentenwerk zurückgezogen werden. Derzeit liefert die Hausler GmbH nicht auf Basis eines neuen Ausschreibungsergebnisses. Der Liefervertrag wurde lediglich aufgrund einer Optionsregelung aus der vorherigen Vergabe um ein Jahr verlängert.

Es habe Beschwerden gegen die Ausschreibung gegeben, bestätigt uns die Geschäftsführerin des Studentenwerks, Gerlinde Frammelsberger. Das komme häufig vor. Das sei ein heiß umkämpfter Markt. Und tatsächlich habe das Studentenwerk bei der damaligen Ausschreibung „einen Fehler“ gemacht. „Dann haben wir stattdessen die Verlängerungsoption gezogen.“ Nun werde die neue Ausschreibung vorbereitet. Die Neuvergabe des Auftrags werde im Juni erfolgen.

„Darum kümmern sich unsere Fachleute von der Einkaufsabteilung.“

Doch wo lag der Fehler bei der damaligen Ausschreibung und wie wird die neue aussehen? regensburg-digital liegen die Unterlagen der Ausschreibung vor, über die das Studentenwerk 2015 einen neuen Lieferanten für alkoholfreie und alkoholische Getränke gesucht hat. Relativ rasch fallen darin die detaillierten Anforderungen ins Auge, die an sämtliche Mineralwassersorten gestellt werden. 

Man benötige ein Wasser, das auch für Kleinkinder und Schwangere geeignet sei, begründet Frammelsberger diese genaue Produktbeschreibung. Wie die Werte genau zustande kämen, sei ihr nicht bekannt. „Darum kümmern sich unsere Fachleute von der Einkaufsabteilung.“

Es gibt viele geeigneten Mineralwasser, aber nur eines mit diesen Werten

Die Stiftung Warentest hat in diesem Jahr 80 Mineralwasser getestet, über 15 davon waren für Säuglingsnahrung geeignet, mehr als zehn von diesen wiederum schnitten mit dem Testurteil „gut“ ab („sehr gut“ wurde nicht vergeben). Noch genauer nahm das Verbrauchermagazin Ökotest die für Säuglingsnahrung geeigneten Mineralwasser unter die Lupe. Von 19 untersuchten Produkten schnitten sechs mit der Gesamtnote „sehr gut“, neun mit „gut“ ab. Doch unter all diesen untersuchten Mineralwasser-Sorten findet sich nur ein Produkt, das die Ausschreibungsbedingungen des Studentenwerks erfüllt: Stephanie Brunnen aus dem Hause Labertaler.

Für sieben Mineralstoffe – Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Fluorid, Sulfat und Hydrogencarbonat – werden in den Ausschreibungsbedingungen ungewöhnlicherweise Fix- und keine Grenzwerte angegeben. Nur für Chlorid und Nitrat gibt es Obergrenzen. Alle diese geforderten Fixwerte und Obergrenzen erfüllt in der vom Studentenwerk geforderten Kombination – fast aufs Komma genau – nur das Labertaler-Wasser. Alle anderen Mineralwässer – insbesondere auch die mit „sehr gut“ bewerteten und im offiziellen Verkaufspreis durchweg günstigeren Mitbewerber bei Ökotest – scheiden aus.

„Werte nicht der einzige Aspekt“

Ob die Wasserwerte etwas mit der Beschwerde gegen die Ausschreibung zu tun gehabt hätten, wisse sie nicht mehr genau, sagt Frammelsberger. Diese Werte seien auch nicht der einzig Aspekt der Ausschreibung gewesen. Für die Auswahl der Werte wiederum seien die Fachleute zuständig. Es sei doch, ebenso wie bei einem Händler, auch das gute Recht des Studentenwerks, die Qualität der Produkte, die in Mensen und Cafeterien verkauft würden, festzulegen, so Frammelsberger. Sie verwahre sich außerdem gegen die Vermutung, dass die Ausschreibung auf Labertaler zugeschnitten gewesen sein könnte. „Wir sind froh, dass wir einen regionalen und preisgünstigen Anbieter gefunden haben, der das von uns geforderte Sortiment liefern und auch die Logistik übernehmen kann. Das können viele andere nicht.“

Wie die neue Ausschreibung aussehen werde, sei noch nicht klar. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Ausschreibungskriterien – angesichts der Höhe des Auftragsvolumens, über das das Studentenwerk keine Auskunft gibt – allerdings dieses Mal veröffentlicht werden müssen. Ob die Werte für Mineralwasser erneut in dieser Form Bestandteil der Ausschreibung sein werden, konnte uns die Geschäftsführerin nicht sagen. Man nähere sich dem Thema gerade erst an.

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Kommentare (9)

  • Peter Kern

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    Diese Ausschreibereien sind doch die Pest. Ich kauf doch das ein, was mir schmeckt, und nicht was behördliche Grenzwerte und Mineralbelastungen erfüllt. Was für eine kranke Gesellschaft das ist.

  • Dieter

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    Aha, der mysteriöse Fachmann für den Einkauf dem Wirtschaftlichkeit nicht so wichtig ist, aber willkürlich Oberwerte fordert die nur Labertaler erfüllt. So so, da macht der Lieferant wohl jede Woche einen kleinen Umweg und vergisst den ein oder anderen Kasten vor dessen Haustür. Das ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs…

  • bernd

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    Ich denke es könnte sich beim Studentenwerk auch lohnen mal einen Blick auf das neue „Pizzawerk“ auf den ehemaligen Lernplätzen der Mensa-Cafeteria zu richten und sich dabei die Frage stellen, in wie weit das ein Ersatz für die Uni-Pizzeria ist.

  • HutzelWutzel

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    Warum wundert mich das jetzt nicht? ;-)

    @bernd: Ja „Pizzawerk“ und gerne auch sämtliche Kliniken, Heime und so weiter. RD scheint hier am gestrigen „Tag des Wassers“ einem ganz imposanten Sch….. auf die Spur gekommen zu sein.

    @Peter Kern:
    Es geht nicht um Grenzwerte oder so ein Zeugs. Es geht leider ganz knallhart um europäisches, mindestens deutsches Wettbewerbsrecht. Möglich, dass man hier die Hamburger Wettbewerbshüterinnen/ -hüter einschalten sollte, oder ist sind die Hochschulen im Ländle schon alle vollprivatisiert?

  • Lothgaßler

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    Schöne Sache, so eine auf Punkt und Komma formulierte Ausschreibung. Das erinnert mich an ausgeschriebene Stellen, für die sich ganz zufällig genau ein wie dafür gebackener Bewerber findet.
    Nun muss man auch sehen, dass die Welt so ist wie sie ist: Geschäfte setzen positive Beziehungen voraus, und dafür gibt es Hilfsmittel: Rabatte, Kickback, Zugaben, kostenlose Wartung u.a.m. sind und waren immer schon beliebt. Ausschreibungen stören eigentlich nur die altbewährten Geschäftsverbandelungen, weshalb schon mal speziell ausgeschrieben wird.
    Zukünftig sollten andere Personen im Einkauf diese Ausschreibungen bearbeiten. Einkäufer bzw. Entscheider im Einkauf gehören zur korruptionsgefährdeten Personengruppe, deshalb sollte ein internes Regelwerk dafür sorgen, dass keine anrüchigen Geschäfte getätigt werden können. Im Studentenwerk scheint es hier noch eine Baustelle zu geben.

  • anonym

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    das ist doch bei ausschreibungen fast die regel, das vorher schon feststeht wer diese gewinnt. ist mir jetzt ein wenig schleierhaft das man das als journalist nicht weiß. es werden verschiedene versuche unternommen um europäische as auszuschliessen. ich würde mich nicht wundern, wenn man die as der behörden in und um regensburg mal genauer bretrachtet, das immer wieder der gleiche die leistungen erbringt….

  • anonym2

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    Ein bisschen Schadenfreude kann ich mir ja nicht verkneifen. Da will man mit kontroverser Aufmachung sein Bier besser verkaufen und dummerweise kriegt man mehr Aufmerksamkeit als einem gut tut. Aber mal schauen was am Ende passiert bei der bayrischen Vetternwirtschaft hält sich das Unrechtsbewusstsein in Grenzen und es gilt halt immer noch Bier ist dicker als Wasser.

  • HutzelWutzel

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    @anonym:
    Denke schon, dass die Leute bei RD das wissen. Dass es auch anderswo, vermehrt in Bayern noch mehr der Oberpfalz vorkommt ist auch nicht neu.
    Neu ist aber vielleicht, dass genau dieser Freistaat und hier die Oberpfalz die allermeisten Mittel aus der EU, speziell dem Europäischen SozialFonds abschöpfen.
    Sagt niemand von den sauberen Politikern, dass davon der sehr flüchtige Reichtum Bayerns kommt.
    An Stelle der EU-Bürokraten die hier aber auch nicht viel besser sein dürften, würde ich solchen Teilstaaten rigoros die Teilnahme an EU-Regionalprogrammen wie ELER etc. streichen. So wie man so ich gehört habe von Bayern aus über sieben Jahre Tschechien fast widerrechtlich vorwarf EU-Gelder zu veruntreuen, nur um dem EU-Nachbarn Bayerns zu schaden. Dr. Edmundo – der mit dem Ex-Papst Abgelichtete – läßt unlieb grüßen.

  • anonym

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    Bei der Ausschreibung sollten dringend auch Grenzwerte zur Keimbelastung aufgenommen werden, da das genannte Mineralwasser innerhalb einer Klinik der Region schon einmal aufgefallen ist.

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