Buchbesprechung: Schindlerjüdin

Print page

Mit „Schindlerjüdin“ hat Raimund Mader seinen zweiten Kriminalroman mit dem Regensburger Kommissar Adolf Bichlmaier vorgelegt. Wie schon im ersten Band „Glasberg“ (fast alle Titel des Gmeiner Verlagsprogramms bestehen aus einem einzigen Wort und werden auf der Homepage in alphabetischer Reihenfolge präsentiert) liegt die Lösung für die aktuellen Verbrechen weit in der Vergangenheit.

In „Schindlerjüdin“ wird im ersten Teil der Mord an drei ehemaligen SS-Männern im Jahr 1948 beschrieben, der von zwei sehr jungen Menschen beobachtet wurde: Ella Feitelbach, ein jüdisches Mädchen, das das KZ überlebt hat, und Paul Gemsa, ein Flüchtling aus dem Osten. Diese beiden, damals eng befreundet, stehen sich in der Gegenwart auf politisch entgegengesetzten Positionen gegenüber: Gemsa als rechtsextremer Stadtrat, Feitelbach engagiert in der jüdischen Gemeinde. Kristallisationspunkt beider Handlungszeiten ist Oskar Schindler, der im Krieg viele jüdische Arbeiter und ihre Familien gerettet hatte und von 1945 bis 1950 recht glücklos in Regensburg lebte. In Bichlmaiers Zeit tobt eine Auseinandersetzung in der Stadt über die Errichtung einer Schindler-Gedenkstätte, die von Gemsa und seinen Gesinnungsgenossen, aber auch einer großen schweigenden Mehrheit abgelehnt bzw. bekämpft wird, für die sich Ella Feitelbach aber stark engagiert. Mader inszeniert einen apokalyptischen Kampf des Bösen, also der Nazis, gegen das Gute, Unschuldige, verkörpert in der angsterfüllten Ella Feitelbach. Er lässt einen braunen Mob durch Regensburg marschieren und dabei einen südländisch aussehenden Polizisten zu Tode trampeln, er lässt Kommissar Bichlmaier von Besuchern eines einschlägigen Lokals halbtot prügeln und mehrere prominente Nazis sexuelle Perversionen ausleben. In beiden Zeitebenen wehren sich die geschundenen Kreaturen gegen ihre Peiniger, was die jeweiligen Ermittler am Sinn ihrer Strafverfolgung zweifeln lässt – Bichlmaier neigt ohnehin zu trüben Stimmungen, aus denen ihn nur eine naiv-verklärt geschilderte Prostituierte holen kann. Obwohl sich der Krimi gut und flüssig liest und durchaus spannend ist, bleiben die Figuren doch flach und die Motive allzu dick aufgetragen. Dazu kommt ein häufig schwülstiger Stil, was das Lesevergnügen leider etwas trübt. Raimund A. Mader: Schindlerjüdin. Gmeiner Verlag 2010

Trackback von deiner Website.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentieren