Burschen, Blut und Boden

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Burschenschaften und die extreme Rechte: Vortrag einer Jugendinitiative / Burschenschaften: die Teutonia Prag zu Regensburg

Fotografieren lassen will sich Jörg Kronauer nicht. Der Journalist ist am Donnerstag ins L.E.D.E.R.E.R. gekommen, um über Burschenschaften und die extreme Rechte zu reden. Sein Gesicht sieht er nicht gern in der Zeitung, denn mehr als einmal standen schon rechte Schlägertrupps vor seiner Tür. „Ich bin ein ängstlicher Mensch”, sagt Kronauer, der unter anderem für die Jungle World und Konkret schreibt. Die Jugendinitiative gegen Rassismus und Antisemitismus hat heute gemeinsam mit der DGB-Jugend zum ersten von sechs Vorträgen eingeladen. Eine Aktion, die aus dem 100.000-Euro-Topf finanziert wird, den die Stadt Regensburg von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt bekommen hat. Gefördert werden sollen Projekte gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Abgerufen wird das Geld bislang nur sporadisch.

Kronauer legt, als er mit seinen Ausführungen beginnt – vor zunächst 20 Anwesenden (am Ende werden es über 50 sein) – Wert auf eine deutliche Unterscheidung zwischen Burschenschaften auf der einen und den übrigen Studentenverbindungen auf der anderen Seite. Nicht, dass ihm das meist konservative Weltbild von katholischen Verbindungen (in Regensburg z. B. die Rupertia), Landsmannschaften (z. B. die Franconia-Teutonia) oder Corps (z. B. Franconia Jena) besonders schlüssig erscheint. Der Eintritt als „Fuchs”, wo Unterordnung, Disziplin und Weltbild der Verbindung verinnerlicht werden, sonderbare Trinkrituale, die in Saufwettbewerbe und Toilettenverbote münden können (gekotzt wird in den sog. „Bierpapst”) und seltsam anmutende Uniformen, „kreiert in der Annahme, das wäre mittlelalterliche deutsche Kleidung” – das alles wirkt nicht besonders vertrauenerweckend.

Das gilt auch für die Tatsache, dass Frauen (stets „Damen” genannt) bei solchen Verbindungen in 95 Prozent der Fälle allenfalls als schmückendes Beiwerk, aber so gut wie nie als gleichberechtigt akzeptiert werden. Und ein unangenehmes Gefühl beschleicht einen auch bei dem Gedanken, dass Elitendenken und Lebensbundprinzip dieser Verbindungen für „‘ne ganze Menge an Macht” sorgen. Die Seilschaften reichen hinein in die Politik, die Aufsichtsräte großer Firmen, zu Richtern und Staatsanwälten („Das ist mit ein Grund dafür, warum Frauen in Deutschland im Vergleich zu Männern nach wie vor schlechter gestellt sind, als zum Beispiel in der Türkei”, sagt Kronauer).

Im Vergleich zu den Burschenschaften, die sich unter dem Dachverband der „Deutschen Burschenschaft” wiederfinden, sind die oben genannten Verbindungen aber noch harmlos. Rund 15.000 Männer sind unter diesem Dach organisiert – deutsch, Aufnahme nur mit abgeleistetem Wehrdienst. In Regensburg gibt es zwei solche Verbindungen: Die Alte Brünner Suevia und die Prager Burschenschaft Teutonia. Im Gegensatz zu den meisten anderen Verbindungen herrscht dort Mensur-Pflicht: Man geht mit Säbeln bewaffnet aufeinander los, „um Opportunisten auszuscheiden”. Das Fechten schule „die Charakterfestigkeit”. „Es festigt und vertieft auch das Zusammengehörigkeitsgefühl”, so die Teutonia auf ihrer Internetseite. Was die Prager Teutonen sonst noch so verbindet, kann einem Angst machen. Gerne berufen sich Burschenschaften auf ihre Gründung wegen des „Freiheitskampfes” gegen Napoleon – das Wartburgfest 1817 ist eines der Schlüsselereignisse für diese Studentenverbindungen. Ungern erwähnt man allerdings die dort stattgefundene Bücherverbrennung. Unter anderem wurden Bücher des jüdischen Autors Saul Ascher ins Feuer geworfen, unter dem Ruf „Wehe den Juden”.

„Wo Deutsche Burschenschaft drauf steht, ist völkisches Blut-und-Boden-Denken drin”, erzählt Jörg Kronauer im L.E.D.E.R.E.R.. Gerade die Regensburger Burschenschaften seien dafür beste Beispiele. Die Prager Burschenschaft Teutonia mit Sitz in der Greflinger Straße, in Regensburg schon mehrfach durch fremdenfeindliche Flugblätter an der Uni aufgefallen, hat hier eine reiche Tradition. Erst in den 80er Jahren siedelte sich diese Burschenschaft, die wegen ihrer rechtsradikalen Tendenzen schon ins Visier des Verfassungssschutzes geriet, sich in Regensburg an. Gegründet hat man sich 1876 in Prag, wo man dem Deutschtum zum Durchbruch verhelfen wollte. „Die immer heftiger werdenden Agitationen führten schließlich zum Verbot”, erzählt Kronauer. Schon 1924 fabulierte man vom „großen deutschen Reich”, das man bei der Machtergreifung Hitlers auch freudig begrüßte.

Mitglieder der Teutonia scheinen bis heute diesem Denken zu unterliegen. Ein Bundesbruder der Teutonen, Frederick Seifert meinte etwa 1999, dass es Ziel der Politik sein müsse, eine „Kopie des Dritten Reiches in Wort und Bild” zu erreichen. Ein weiteres prominentes Mitglied ist Michael Müller, der als „Liedermacher Michael” mit Liedern wie „Bei sechs Millionen Juden, da ist noch lang nicht Schluss” Bekanntheit erlangte. Der Bruder des Regensburger NPD-Vorsitzenden Willi Wiener, Markus, war Mitglied der Prager Burschenschaft. Heute gehört Wiener der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften „Bürgerbewegung Pro Köln” an. Er behauptet, aus der Burschenschaft ausgetreten zu sein. Vertreter der extremen Rechten geben sich bei der Teutonia als Referenten die Klinke in die Hand. Ein „berühmter Teutone”, den die Regensburger Burschenschaft auf ihrer Internetseite feiert, ist Gustav Jonak, im II. Weltkrieg SS-Obersturmbannführer, Leiter des Reichssicherheitshauptamtesin Mährisch-Ostrau. Nach dem Krieg bracht er es dennoch zum Regierungsdirektor im baden-württembergischen Innenministerium. „‘Ne Menge Macht” eben.

Eine all zu große Ausnahmeerscheinung innerhalb des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft scheint die Prager Teutonia nicht zu sein, folgt man der Tradition, die Jörg Kronauer nachzeichnet. Bis heute herrsche dort die Ansicht vor, dass es in Osteuropa nach wie vor Gebiete gebe, die eigentlich zu Deutschland gehören. „Es gilt unserer Jugend klar zu machen, dass unser Vaterland nicht nur aus der BRD besteht”, zitiert Kronauer aus einer Burschen-Rede. In den späten 60ern waren Burschenschaftler in der Südtiroler Autonomiebewegung aktiv, wollten die Unabhängigkeit der deutschen Minderheit durch Bombenanschläge „erkämpfen”. Bei einem dieser Anschläge starben vier italienische Polizisten.

Zwei der Täter leben laut Kronauer bis heute unbehelligt in Deutschland und werden nicht ausgeliefert. Gute Seilschaften eben. 1990 wurde bei einem Treffen des Verbands Deutsche Burschenschaft öffentlich angeregt sich mit Blick auf die „deutschen Gebiete” in Osteuropa des „Modell Südtirol” zu entsinnen. Was dort nicht ging, könnte schließlich in Polen klappen… Und man hat Zeit. Sogenannte „alte Herren” sorgen dafür, dass die Burschen nach Abschluss ihres Studiums beim beruflichen und sozialen Fortkommen keine all zu großen Enttäuschungen erleben müssen. Und die so Aufgestiegenen geben das wieder an den Nachwuchs weiter. Lebensbundprinzip eben. Das funktioniert seit langen Jahren. Und Hoffnung aufs „große deutsche Reich” scheint man, wie erwähnt, bis heute nicht aufgegeben zu haben. Der nächste Vortrag der Jugendinitiative findet am 10. April statt.

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Kommentare (7)

  • Mathilde Vietze

    |

    Dieser Artikel sollte nicht nur an der Uni,
    sondern an allen Schulen in Form eines Flug-
    blattes verteilt werden, um damit den braunen
    Horden und ihren so „netten“ Sympathisanten
    schon im Vorfeld den Wind aus den Segeln zu
    nehmen.

  • Fabian Michl

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    Wirklich ein aufschlussreicher Artikel über eine wertvolle Veranstaltung. Die Tatsache, wie offen und frech diese Organisationen an der Uni werben, erschreckt mich immer wieder. Unter dem Deckmantel einer Pseudo-„High-Society“ schaffen es die „feinen“ Herrschaften (meist gesponsert von Papi), einen ganz beeindruckenden Mitgliederfang zu betreiben. Von den günstigen Wohnungen, Trinkgelagen und der oberflächlichen „Kameradschaft“ scheinen viele Kommilitonen sich schnell überzeugen zu lassen. Umso schlimmer finde ich, dass diese Gruppen (die meisten ganz offenkundig rechts-außen denken) mit Stellwänden und Plakaten an allen Ecken der Uni präsent sein dürfen. – Aber so funktioniert ihr System seit mehr als hundert Jahren.

  • Wutim Bauch

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    Das macht wütend, hat denn diese braune Scheiße niemals ein Ende? wielange werden diese Verbrecher denn noch an die Macht gezüchtet? verkorkstes Gedankengut, da dreht es mir den Magen rum und macht einfach nur gaaaaaaaanz viel Wut im Bauch-wo die denn nur mal hinsoll, die Wut?

  • RuhigBlut

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    Wie gut, dass Sie sich alle so gut auskennen. Mal abgesehen von den ein oder anderen Fehlern in der Darstellung von Korporationen im Allgemeinen und Deutschen Burschenschaften (DB) im Besonderen wird die Bedeutung der DB erheblich überschätzt. Die Alte Prager Burschenschaft Teutonia zu Regensburg verfügt über keine Aktiven mehr, die Alte Brüner Burschenschaft Suevia war jahrelang sestiert und hat zwischenzeitlich ihren Betrieb wohl wieder aktiviert. Allerdings mit einem Nachwuchs auf den so manche Beschreibung passen mag, in keinem Falle allerdings in einer wie oben beschriebenen Richtung. Das Mensurwesen hat dieser Bund wohl ebenfalls abgeschaft. Alles in allem kann ich Ihnen versichern, dass die DB durch ihre latente bedenkliche Gesinnung gerade dabei ist sich selbst zu erledigen. Wenn Sie nun von der angeblichen Dominanz Deutscher Burschenschafter sprechen, so erliegen Sie wieder einmal dem Fehler alle Korporationsformen in einen Topf zu schmeißen.

  • Harry Haller

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    Ich kann mich meinem Vorredner RuhigBlut nur anschließen und verweise auf diesen Artikel (Adresse folgt später) in einem weithin bekannten Internet-Nachschlagewerk. Dort können sich diejenigen, welche hier immer schön den einseitigen Ausführungen der Autoren anhängen, einmal ausführlich und vor allem objektiv informieren. Darin werden auch einige, hier in diesem Artikel genannte, Beispiele weiter erläutert. http://de.wikipedia.org/wiki/Studentenverbindungen

    Noch ein Kommentar zu dem Zitat Kronauers:„Das ist mit ein Grund dafür, warum Frauen in Deutschland im Vergleich zu Männern nach wie vor schlechter gestellt sind, als zum Beispiel in der Türkei”

    Es gibt in Deutschland 82.310.000 Einwohner (Stand 31. Dezember 2006), davon sind etwa 300.000 oder lassen wir es mal viel sein 500.000 Mitglied in einer studentischen Korporation. Das entspricht folglich einem Prozentsatz von 0,36%. Ich frage mich wie 0,36% dafür verantwortlich sein sollen, dass es den Frauen hierzulande schlechter gehe, als in der Türkei? Was bitte machen dann die restlichen 99,64%?

  • Wolfgang

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    Totaler Schwachsinn,

    1. Es macht eine Hölle Spaß
    2. Die meisten die austreten, haben Streit mit den Mitgliedern nicht mit der Idee
    3. Ich habe in meinem ganzen Verbindungsleben keine rechten Corpsstudenten kennengelernt
    4. Das Corps ist eine echte Alternative für Menschen die offen, tolerant und dennoch traditionsbewußt sind
    5. Es stimmt; Corpsstudenten sind etwas besseres, sie sehen gepflegt aus, ziehen ihre Hoseüber und nicht unter ihren Schwanz und die meisten sind auch ganz gut durchtrainiert

    6. Es gibt gute Verbindungen und schlechte Verbindungen. Es hängt NUR von der derzeitigen Mitgliedern ab.

    7. Es ist einfach eine Welt für sich
    8. Die Mensur ist GEIL!!!
    9. Besser mit dem Säbel als mit den Fäusten!!!
    10. Ihr seid doch alle nur Verlierer!!!!

  • Daniel F

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    Es ist immer wieder faszinierend, daß Leute, die mit solchen Halbwahrheiten und Gerüchten hausieren gehen, einen solchen Beifall ernten. Man sollte doch meinen, daß bei den heutigen Möglichkeiten, sich zu informieren, vieles dieser linken Propaganda schon als solche enttarnt worden sein sollte.

    Nehmen wir einfach mal das Beispiel das Antisemitismus, für dessen Vorhandensein immer das Wartburgfest von 1817 als Beweis angeführt wird. Die Burschenschaften waren damals antisemitisch, weil sie Bücher jüdischer Autoren verbrannten, also sind sie es heute auch noch, wie ja in diesem Artikel sehr logisch rückgeschlossen wurde. Weil ehemalige Mitglieder und Mitglieder von Burschenschaften ihre persönliche Meinung vertreten, muß diese sofort auch als vorherrschende Meinung in der jeweiligen Verbindung angenommen werden. ich dachte eigentlich, daß die Sippenhaft in Deutchland abgeschafft worden sei.

    Aber bleiben wir einmal bei diesem Argumentationsmuster und übertragen es einmal ins linke Spektrum. August Bebel, der große Sozialdemokrat, war ein Antisemit. Hitler war ehemals Sozialdemokrat und blieb dann seiner sozialistischen Einstellung mit einer nationalen Ausrichtung versehen treu.
    Glücklicherweise hat das Reich, das aus dieser rotbrauen Tunke aufgestiegen ist, nur zwölf Jahre bestanden. Aber leider scheinen viele, aus derdamaigen Zeit nichts gelernt zu haben. Wieder werden abweichende Meinungen abklassifiziert, wieder werden Andersdenkende denunziert (siehe Beispiel Die Freiheit in Berlin und die unrühmliche Rolle des Daniel Gollasch dabei, dessen Brief zu anderen Zeiten auch unter dem Titel „Kauft nicht bei Juden“ erscheinen hätte können), wieder werden Andersdenkende mit Gewalt bedroht oder ihr Eigentum beschädigt und zerstört; nur daß die SA heute nicht mehr braun trägt, sondern sich schwarz vermummt.

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