Protest zum Lutherjahr

Der „Hassprediger“ und die „Lehrerin von Regensburg“

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"...damit nicht das ganze Volk verdorben werde." Luther predigt in der nach ihm benannten Straße gegen die Juden. Foto: as

„…damit nicht das ganze Volk verdorben werde.“ Luther predigt in der nach ihm benannten Straße gegen die Juden. Foto: as

Eine Kundgebung zur Umbenennung der D.-Martin-Luther-Straße am vergangenen Sonntag zeigt: Sowohl mit Blick auf Martin Luther, als auch auf die Regensburger Lehrerin Elly Maldaque besteht nach wie vor einiger Aufklärungsbedarf.

Einige Passanten bleiben am Sonntag interessiert, manchmal etwas ungläubig stehen. Ist es der schwarz gewandte Prediger, der schreiend fordert, Ehebrecherinnen zu rädern und jüdische Synagogen abzufackeln? Das Streichorchester, das in den Pausen immer wieder kurze Stücke zum Besten gibt? Oder ist es einfach die Tatsache, dass die D.-Martin-Luther-Straße am Sonntag nicht als übliche Hauptverkehrsachse durch die Regensburger Altstadt dient, sondern komplett gesperrt und mit Bierbänke bestückt ist und bei dem sonnigen Wetter den Eindruck erweckt, als wäre die breite Straßengabelung vor dem Neuen Rathaus einer der gemütlichsten Plätze in Regensburg?

Kontroversen im Vorfeld

"Gebt den Menschen ihre Rechte und sie werden alle gut sein." Kristin Palfreyman als Ellx Maldaque. Foto: as

„Gebt den Menschen ihre Rechte und sie werden alle gut sein.“ Kristin Palfreyman als Elly Maldaque. Foto: as

Mit ihrem gemeinsamen Beitrag zum Luther-Jahr – Motto: „Liebe statt Hass – Elly statt Luther“ – hatten der Bund für Geistesfreiheit und die Initiative „Recht auf Stadt“ um den Politaktivisten Kurt Raster bereits im Vorfeld für kontroverse Diskussionen in den sozialen Medien gesorgt. Ein entsprechender Beitrag in der Facebookgruppe „Du bist ein echter Regensburger“ verzeichnet über 700 Kommentare, in denen größtenteils Unverständnis, aber auch Unwissen zum Ausdruck gebracht wurde. Luther – ein Hassprediger und Antisemit? Quatsch! Muss man echt schon wieder eine Straße umbenennen? Was ist das hier für ein Diskussionsstil? Und überhaupt: Wer ist eigentlich Elly Maldaque?

Wer die szenische Lesung vor dem Rathaus verfolgt, dem wird – fast ausschließlich anhand von Primärquellen – recht rasch Luthers (zumindest in der Forschung weithin bekannte) Judenhass vor Augen geführt. Minutenlang lässt Raster den Prediger (dargestellt von Matthias Kürzinger) Originalzitate aus Schriften Luthers vortragen. Dann folgt Elly Maldaque (Kristin Palfreyman) mit Einträgen aus ihrem Tagebuch. Dazwischen eingestreut immer wieder die Frage: „Warum ist nach so jemanden wie Luther eine Straße benannt? Warum nicht nach Elly Maldaque?“

„Straßenschild verschweigt die dunklen Seiten.“

Die Forderung nach der Umbenennung von Luther-Straßen und -Plätzen ist nicht originär regensburgerisch. Der „Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten“ hat im vergangenen Jahr anlässlich des Reformationstages diese Forderung für ganz Deutschland aufgestellt. „Wenn heute an Martin Luther erinnert werden soll, darf dies nicht kritiklos geschehen“, so der Vorsitzende René Hartmann. „Angesichts seiner Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, seiner Geringschätzung der Frau und vor allem seines extremen Antijudaismus ist Luther als Namensgeber für Straßen und Plätze absolut ungeeignet.“ Ein Straßenschild verschweige zwangsläufig die dunklen Seiten des Reformators und trage somit zu einem falschen Geschichtsverständnis bei, so Hartmann.

In Regensburg wurde anlässlich des Lutherjahrs auch dessen Judenfeindschaft thematisiert. Im September war hier – auf Initiative des Evangelischen Bildungswerks – die Ausstellung „Luther und die Juden“ zu sehen. Man müsse anlässlich des Reformationsjubiläums auch auf „die Kehrseiten“ Luthers schauen, heißt es im flankierenden Ausstellungstext.

Die Forderung nach einer Umbenennung von Luther-Straßen und -Plätzen ist freilich eine Minderheitenposition – in Regensburg nehmen etwa 60 Menschen an der knapp zweistündigen Kundgebung teil und erstaunlich ist, dass viele zwar über den Antisemitismus Luthers, aber nur wenige über das Schicksal der Regensburger Lehrerin Elly Maldaque wissen.

Wer ist Elly Maldaque?

Hintergründe Elly Maldaque

Ein Willkürakt im Obrigkeitsstaat

Im Auftrag der Staatsmacht wurde die 36jährige Frau 1930 von Hakenkreuzlern bespitzelt, weil sie sich für kommunistische Ideen interessierte. Unter fadenscheiniger Begründung wurde die beliebte Lehrerin an der Von-der-Thann-Schule schließlich entlassen. Nach einem Nervenzusammenbruch landete sie in der Irrenanstalt Karthaus, wo sie wenige Tage später unter bis heute ungeklärten Umständen starb. Ihr sorgte damals deutschlandweit für Empörung, Erschütterung und Schlagzeilen – bei ihrer Beerdigung waren Zeitungsberichten aus der damaligen Zeit zufolge über 3.000 Trauergäste.

Der „Fall Maldaque“ gilt heute als beispielhaft für die zunehmende Zusammenarbeit zwischen einer reaktionären Staatsmacht mit den Nationalsozialisten am Ende der Weimarer Republik, für den schleichenden Verlust des Rechtsstaats, hin zum Unrechtsregime der NS-Herrschaft. Elly Maldaque war nicht Opfer der Nazis, sondern einer herrschenden politischen und gesellschaftlichen Haltung, in der aktive Gegner der Nationalsozialisten bekämpft wurden, so dass deren Machtübernahme zumindest beschleunigt, wenn nicht gar erst ermöglicht wurde.

Vorstöße für ein Andenken abgeschmettert

Immer wieder gab es Vorstöße zur Benennung einer Straße oder eines Platzes nach der „Lehrerin von Regensburg“, so der Titel eines entsprechenden Theaterstücks von Ödön von Horváth, die Raster am Sonntag Revue passieren lässt. 1992 gab es einen Antrag der Grünen im Regensburger Stadtrat zur Umbenennung der Von-der-Thann-Straße, 1994 sollte die damals noch nach dem Nazibürgermeister Hans Herrmann benannte Schule Maldaques Namen bekommen – beide Vorstöße wurden von der CSU-Mehrheit abgeschmettert.

Symbolische Umbenennung am Sonntag. Foto: Herbert Baumgärtner

Symbolische Umbenennung der D.-Martin-Luther-Straße am Sonntag. Foto: Herbert Baumgärtner

Als 2015 die Hans-Herrmann-Schule tatsächlich umbenannt werden sollte und sich bei einer Online-Umfrage die Mehrheit für Elly Maldaque ausgesprochen hatte, blieb auch dies folgenlos. Die Schule trägt heute den Namen des Künstlers Willi Ulfig.

Kommentar: Gutes Ziel, falsches Vorgehen

Ob es zielführend ist, die berechtigte Kritik an Martin Luther mit der berechtigten Interesse nach einer angemessenen Erinnerung an Elly Maldaque im Rahmen der Forderung nach einer Umbenennung der D.-Martin-Luther-Straße verbinden, kann man bezweifeln. Letzteres dürfte kaum durchsetzbar sein, die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach Maldaque aber durchaus. Vielleicht muss sich der Aktivist Kurt Raster auch die Frage stellen lassen, ob sein Diskussionsstil in der Facebookgruppe „Du bist ein echter Regensburger“ oder sein konfrontatives Vorgehen, beim Versuch, das Unitheater in Elly-Maldaque-Theater umbenennen zu lassen zum erwünschten Ergebnis führen können. Ungeachtet all dessen hat die Veranstaltung am Sonntag aber gezeigt, dass sowohl mit Blick auf Luther als auch auf Elly Maldaque einiger Aufklärungsbedarf besteht, oder, wie Raster es ausdrückt: „Das eine wird verdrängt, das andere unterdrückt.“

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Kommentare (32)

  • hf

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    Luther war beides – Aufklärer von Vorurteilen gegen Juden in seinen frühen Schriften und dann mutierte er ein paar Jahre vor seinem Tod zum Judenhasser. Hier sollte man eventuell seine Pathologie in Betracht ziehen, vielleicht war er zuletzt psychisch angeschlagen und nicht mehr voll zurechnungsfähig? Gerade wer da von historischem Halbwissen schwadroniert, kann einfach nicht so tun, als wäre Luther allein aus seinen letzten Schriften zu deuten – er redet damit allen das Wort, die aktuell den Islam als eine Religion des Krieges verunglimpfen; da war es wohl ählich gelagert, der junge Mohammed war ein anderer als der späte.
    Abgesehen davon gäbe es im Kampf gegen Antisemitismus ein paar lohnendere Umbenennungs-Objekte; wie wäre es mit einem SSV Elly oder einer Maldaque-Alle zum BMW-Werk?
    Aber beim Populismus Rasterscher Prägung ist es ja immer dasselbe: Man braucht ein psychologisches Momentum, bei dem man die Menschen Abholen kann und wo nur noch Automitive-Jobs und Fußball heilig sind, versucht mans halt mit Hass auf die Kirchen.

    Ola, sind Atheisten im Publikum?

  • dünnster Künstler

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    @hf „…oder einer Maldaque-Alle zum BMW-Werk?“ oh mei oh mei; so weit entfernt von ihrem Lebensmittelpunkt, der Von-der-Tann Schule in der Von-der Tann Straße….

    Zur Erinnerung: Die Nazis und ihre Nachfolger haben im Automobilitätswahn diese Schneiße in die Stadt gebrochen und sie D. Martin-Luther Straße genannt. Der Moltkeplatz wurde nach dem Krieg als letzte Amtshandlung des kommisarisch eingesetzten SPD Bürgermeisters 1947 in Dachauplatz umbenannt. Dann ging es wieder weiter mit Hans Hermann.

    Eine von den Veranstaltern im Vorfeld geäusserte Anregung: Der noch namenlose Platz vor dem Haus der Bayerischen Geschichte könnte vom Stadtrat nach Elly-Maldaque benannt werden. Eine ziemlich gute Idee. Spricht irgendetwas dagegen?

  • auch_ein_regensburger

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    Ich halte es prinzipiell für sehr fragwürdig, Menschen aus der Vergangenheit nach heutigen Maßstäben zu beurteilen. Wer weiß schon, wie er sich selbst verhalten hätte, was er gedacht hätte zu einer anderen Zeit, mit einer anderen Prägung? Von der Warte des heutigen, selbstverständlich zu 100 % vorurteilsfreien Über-Menschen aus über Leute den Stab brechen zu wollen, die anders geprägt waren und natürlich auch anders gedacht haben, kommt mir ziemlich billig und scheinheilig vor.

  • Peter Lang

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    Diejenigen in Regensburg, die nichts über Elly M. und den Fall Maldaque wissen, dürften auch ansonsten kulturell relativ unbeleckt und historisch wenig bewandert sein. Unter Intendantin Marietheres List wurde am „Originalschauplatz“ in Karthaus die Oper „An der schönen blauen Donau“ von Franz Hummel uraufgeführt, die Person und Schicksal der Elly Maldaque zum Inhalt hatte. Ferner, eine Plakette an Maldaques Wohnhaus in der Orleansstraße erinnert zudem an sie. Ob das genug ist, vermag ich nicht zu beurteilen.
    Diesen Sonntag wurde der westliche Arnulfsplatz in Simon-Oberdorfer-Platz umbenannt.
    Mal ehrlich, wer weiß schon, wer Georg Greflinger war, nach dem eine Straße benannt ist? Oder wer, die Herren Auer, Furtmayr oder Proske?

  • Obelinchen

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    Mei, der Herr Raster mal wieder! Aufgrund seiner stets wohl(!) recherchierten Themen und absolut unpopulistischen Darbietungen kann ich NICHTS was er sagt oder macht noch ernst nehmen. Ansonsten stimme ich Vorrednern zu: vor 500 Jahren war Luther ein Vordenker, nicht rückwärts gewandt! Im Gegensatz zur Kath. Kirche gestand er Frauen immerhin eine Seele zu…

  • ExRA

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    @hf: Mit dem Argument, der „junge Mohammed war ein anderer als der späte“ ließe sich konsequenterweise auch sagen der „junge Hitler war ein anderer als der späte“.
    Das haut so nicht hin mit der „Rechtfertigung“ des von allen historischen Quellen tradierten und oftmals als „fanatisch“ beschriebenen Anti-Semitismus des Kirchen-Reformers Luther. Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich möchte weder Mohammed, noch die Herren Luther und Hitler verurteilen, zumal ich mich nicht daran erinnern kann, die drei Herrschaften persönlich kennengelernt zu haben. Ihnen geht es darum, werte(r) hf, daß jemand an dem Stifter Ihrer Kirche herumnörgelt und Sie sich damit persönlich angegriffen fühlen. Dabei attackiert Sie Herr Raster doch nicht persönlich, er sagt die Wahrheit über Luther und wenn die Wahrheit Sie verletzt, dann zeigt das einen ziemlichen Zwiespalt in Ihrem Seelenleben auf. Luther hat doch nur ausgesprochen, was sich (insgeheim?) „alle“ dachten und was in letzter Konsequenz in den Gaskammern von Ausschwitz und Treblinka kulminierte. Über Jahrhunderte hinweg die Eifersucht aller anderen Völker auf sich gezogen, mit der irrigen Behauptung „das auserwählte Volk Gottes“ zu sein. Nicht nur in diesem Punkt ist Gott völlig falsch verstanden worden. Eines der größten Missverständnisse ist im Übrigen, daß Gott möchte, daß man in einer institutionalisierten Kirche oder im Rahmen einer Religion an ihn „glaubt“. Vielmehr legt er uns nahe, alle Religionen zu vergessen und uns auf das Wesentliche seiner Göttlichkeit zu besinnen – nämlich, daß wir alle eins sind. Wie Sie sehen, werte(r) hf, ist Ihre Polaritäts-Perspektive „Kirchen-Hasser“ / Atheisten („Ola, sind Atheisten im Publikum?“) eine unvollständige Abbildung der Realität: Ich mag die „Kirchen“ wirklich nicht, bin aber das genaue Gegenteil eines Atheisten. Tja, was nun? :-)

  • Lothgaßler

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    Für einen Atheisten ists ohnehin einerlei, ob ein Luther oder ein Benedikt XY verehrt wird. So ganz vermag ich nicht zu erkennen, worin die große Leistung Luthers denn nun lag.
    Es muss schon sein, die dunklen Seiten der verehrten Persönlichkeiten immer wieder den Zeitgenossen vorzuführen, damit die Taten und Schriften des Verehrten im Spiegel heutiger Vorstellungen neu durchdacht werden können.
    Es mag auch sein, dass damals zu Luthers Zeit Hetze gegen Juden (dabei hat er es sicher nicht belassen) zum allgemein guten Ton gehörten, aber heute ists halt nicht mehr so.

    Straße oder Platz zu Ehren Elly Maldaque:
    Nachdem nach Schaidinger, Wolbergs und Hartl keine Straßen und Plätze benannt werden (wenn es denn eine Gerechtigkeit gibt), sollten sich entsprechende Möglichkeiten ergeben.

  • wahon

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    @Obelinchen
    Ihre Vorliebe für schlecht recherchierte, dafür aber populistische Darbietungen entspricht Ihrem Kenntnisstand über Martin Luther, seine Theologie und deren Folgen. Den geistesgestörten Mitbegründer des Staatsterrors als „Vordenker“ zu bezeichnen und den schon im 16. Jhdt. als Hassprediger bekannten Psychopathen als Vorkämpfer der weiblichen Emanzipation zu betrachten, zeigt sehr deutlich, wie verheerend Religionsstifter über Jahrhunderte hinweg den geistigen Zustand der Gläubigen beeinflussen können.

  • OLEG

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    Jawoll, lasst uns eine Straße die nach einem Menschen benannt wurde nach einem anderen Menschen umbenennen. Nach ein paar Jahren dann bitte nochmals von vorne.

    Kein Mensch ist ohne Tadel und an jedem ist etwas zu Kritisieren wenn man nur genug von ihm weiß. Wenn nicht heute dann morgen…….

    Nur weil eine Straße nach einem Menschen benannt ist, heißt das noch lange nicht, dass man jenem vergöttern muss. Das sind im Grunde Menschen die historisch bedeutend waren oder in der Region außerordentliches geleistet haben- nicht mehr und nicht weniger. Man sollte die Personen kennen und Straßennamen helfen dabei diese in Erinnerung zu halten.

    Ganz davon abgesehen welche immensen Kosten durch solch eine Umbenennung entstehen- vor allem auch für die Anwohner.

  • eingeborener

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    Das hauptverdienst Luthers war mE die Übersetzung der lateinischen Bibel ins Deutsche, so dass das Volk endlich wusste, was sein Gott von ihm wollte, sowie der verrat des gemeinen Volkes an die Fürsten, die ihm dafür den Kopf retteten.
    Also ein gelungener PR Coup am evangelischen reformationstag, ihren Luther kritischer zu sehen ?
    Ich bezweifle, dass mit der Anklage gegen Luther die Gedankenwelt einer zarten Blume wie elly maldaque populärer wird.leider.

  • hf

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    @exra: also hitler kann man rundweg verurteilen; nicht mal die autopbahnen waren gut und er war von anfang an ein rassistisches arschloch.

    und ich bin mir nicht sicher, ob sie da gerade die shoa gerechtfertigt haben, indem sie andeuten, die juden hätten „die Eifersucht aller anderen Völker auf sich gezogen“. meinen sie also, die waren selbst schuld? ist das afd-sarkasmus oder nur dumm formuliert – also beides?

    zuletzt, luther ist nicht mein religionsstifter, das lässt sich aus keiner meiner ausführungen deduzieren. wenn jemand unter einer „Polaritäts-Perspektive“ leidet dann vielleicht sie.

  • Musonius

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    Was die Umbenennung der D.-Martin-Luther-Straße angeht, stellt sich schon die Frage, wie weit in Regensburg die Umbenenneritis noch gehen wird. Denn wenn man Luther unabhängig von der Tatsache, dass er geistiger Vordenker einer Religionsgemeinschaft ist, zumindest als Ideologiestifter betrachtet, müssten im Prinzip auch die vielen noch bestehenden Karl-Marx-Straßen in Deutschland umbenannt werden.

    Ansonsten kann man die Kundgebung als das sehen, was sie ist, nämlich der übliche Affenzirkus einer Minderheit.

    Zu Elly Maldaque:

    Es wird langsam Zeit, dass eine Straße nach ihr benannt wird, damit endlich Ruhe einkehrt. Eine Straßenbenennung nach ihr tut keinem weh. Es wird auch eine Straße zu finden sein, die nicht umbenannt werden muss.

    Oder man benennt die Schule der Völkerverständigung und des 23. Parteitags der, äh Schule der Vielfalt und Toleranz nach ihr um, falls man das Elly Maldaque antun will, eine Schule nach ihr einem Stadtbezirk zu benennen, in dem 25 % die AfD gewählt haben.

  • Rosalia Genoveva

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    Der Bonifaz und ich ham uns sehr gfreut über den Artikel, weil wir hamm festgestellt, der Charakter der Regensburger dürfte doch net nur aus Bratwurstsattheit oder Angespeistheit bestehn.

    Es gibt zunehmend Leut, die sich was denken und drüber sprechen.
    Muss ja nicht immer was sein, was ein Zweiter nachvollziehn mag, und gscheit muss es niemals nicht sein.

    Hauptsache es hält bei den Touristen den Glauben wach, die Regensburger könnten Denker sein.

    Also: Immer recht wichtig schaun, wenn er was verzählt, wurscht was ihr euch denkt.
    Damit helft ihr der Stadtaura!

  • Thik

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    @ Obelinchen 17. Oktober 2017 um 19:33
    Meines Wissens hatte die rkK bis zurück zu mindestens Augustinus nie Zweifel, dass Frauen eine Seele haben, nur hat man deren Beseelung eher bei 80, als bei 40 Tagen gesehen „In aliis autem haec successive contingunt, ita quod maris conceptio non percitur nisi usque ad quadragesimum diem, ut philosophus in 9 de animalibus dicit, feminae autem usque ad nonagesimum.“ http://www.academia.edu/19275388/Die_Lehre_des_Thomas_von_Aquin_%C3%BCber_die_Entstehung_des_Menschen

  • Mathilde Vietze

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    Gott sei Dank war Luther k e i n Heiliger; das
    macht ihn so menschlich.

  • Johannnes Urban

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    Gott sei Dank belehrt uns Mathilde Vietze!
    Luther war nicht nur gut: Er hat gegen Frauen, Behinderte, Juden gehetzt und zum Bauermord aufgerufen. Das mach ihn so menschlich.

  • blauäugig

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    @Vietze: Wie sollte ein Falschgläubiger heilig gesprochen werden?
    Um Heiliger zu werden, hätte er erst wieder in den Schoss der römisch-katholischen Kirche zurückfinden müssen – Sie brauchen also Gott nicht dafür zu danken.

  • Mathilde Vietze

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    Und viele von denen, die die katholische Kirche heilig gesprochen
    hat, waren früher alle andere als Heilige.

  • ExRA

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    Werte(r) hf: Ich bitte um Verständnis, wenn ich den Dialog mit Ihnen nicht fortsetze. Wir funken nicht auf der selben Frequenz.

  • hf

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    @ExRA: hatte auch nie drum gebeten.

    eins möchte ich ihnen aber doch hinterherschicken: die idee, dass wir alle eins sind, und die notwendige frage, auf welche weise diese einheit sich im globalen maßstab zeigt, das wäre in der tat ein interessantes forschungsobjekt.

    ich traue mich mal vorwegnehmen, dass es keine subsistente kultur ohne glauben gibt. den glauben und die religion zurückzulassen, das war ja gerade das politische programm der totalitären ideologen wie hitler, stalin oder mao. wir sind eben doch nur mängelwesen.

    also zurück zu dieser allumfassenden einheit (nichts anderes bedeutet übrigens katholisch): ich schlage mal einfach so vor, dass menschlichkeit notwendig spiritualität bedeutet. wenn man sich ein bisschen mit aktueller christlicher philosophie befassen würde, dann wüsste man, dass der personale gott längst keine notwendige hypothese mehr ist, solange man das geistige leben des nächsten achtet und es wohlwollend fördert.

    und insofern steht elly maldaque näher bei der heutigen evangelischen kirche als bei einem kurt raster, der für sein selbstmarketing öfters mal im bräunlich trüben fischt.

  • Rosalia Genoveva

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    Ich möcht schon bitten, dass man das ein Alzerl mehr aus Sicht der Touristen anschaut, die was in die Konferenzzentren strömen werdn.

    Gibt das ein schönes Selfie, wenn ein Manderleut im schwarzen Ornat herumpredigt und um ihn rum gedudelt wird, oder gibt das keins ?
    Na also!

    Eingtlich schauts jetzt glatt so aus, als hätt ma in Regensburg ein gutes Stadtmarketing, was schneller ist wie das Konferenzzentrum, nämlich dass jeder Bürger der was sich was denkt, sich vorher so anziehn muss wie der Gedanke. Gibt gute Fotos.

    Mein Gott, das habens net ganz durchdenkt vielleicht, es werdn mehr Nackerte als Angezogene rumlaufen, wenn die kostümierten Gedanken Bürgerpflicht sind!

    Und Gewählte mit Gwand aus Börsennachrichten wird man sehn…..

    Eins muss ich noch sagen, Elly Maldaque, ich glaub die hat sich das sicher net so vorgstellt, dass sie als Tote als Requisit von einem verkleideten Luther rumtragen werden könnt.

  • Mathilde Vietze

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    Ich bin mir sicher, daß wir eine „Elly-Maldaque-Straße“ bekämen, wenn der
    Antrag von einer seriösen Organisation beim Stadtrat eingebracht würde.

  • onki

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    @M. Vietze
    aha, eine Organisation muss es immer gleich sein, die da was einreichen sollte…
    Inwiefern ist die Sachlage dann eine andere?
    Als Einzelner Mensch hat man nix zu wollen per Antrag…

    Wie sieht es denn mit dem Antrag der Grünen 1992 aus?
    Wurde dieser von der CSU inhaltilich oder aufgrund der mangelnden „seriösen Organisation“ abgelehnt?

    Mei, und in diesem Fall ist es halt Kurt Raster, der für das kämpft und einsteht wovon er überzeugt ist. Sowas fällt halt auf in der Stadt der windigen Kirchturm-Fanderl…

  • Ronald McDonald

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    @ Stefan Aigner

    Bildunterschrift „Kristin Palfreyman als Ellx Maldaque“.

    Man mache doch der Spätgerühmten (Elly) kein x für ein y vor.

  • wahon

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    @hf
    Wenn sich das Befassen „mit aktueller christlicher philosophie“ in notorischer Kleinschreibung und unverständlichen Aussagen erschöpft, ist „christliche Philosophie“ nur eine weitere Wolke im Wolkenkuckucksheim der Theologie.
    Einem unbequemen, weil aktiven Menschenfreund, der mit Originalzitaten belegt, dass Luther ein geistesgestörter Hassprediger war, vorzuwerfen, er fische „im bräunlich trüben“, zeigt eines überdeutlich: Der Juden-, Bauern- und Frauenfeind Luther wirkt bis heute zerstörerisch auf den Ver- und Anstand vieler Christen. Dem Gründervater des modernen, christlichen Fundamentalismus ist auch Elly Maldaque zum Opfer gefallen.

  • Mathilde Vietze

    |

    Elly Maldaque ist eher dem braunen Pack zum Opfer
    gefallen und die steckten ja so voller Haß gegen die
    Kirche, daß dieses Argument, bei aller berechtigter
    und nötiger Kritik an der Kirche dieses Mal daneben-
    greift.

  • hf

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    @wahon: chapeau, was für ein qualifizierter, substanzieller einwand! wenn man schon schreibt, dann bitte richtig doitsch, was?

    die ganze debatte dreht sich nunmal darum, dass man anhand einiger zitate aus den letzten lebensjahren nicht den ganzen luther bewerten kann. was raster da macht, nämlich quellen so zu instrumentalisieren, dass sie zur these passen, ist gerade nicht historisch. sind die zitate, wo er vorurteile gegen juden bekämpft, deswegen weniger wahr? interessiert uns eine kritische würdigung überhaupt noch oder wollen wir nicht doch bloß aufgehetzt werden?

    und ganz bewusst macht raster das, wie er es macht; er setzt eine selektive, mithin alternative faktenlage, er tut so, als wäre er klüger als alle anderen zusammen, weil das gerade „in“ ist. mit „im bräunlich trüben fischen“ meine ich, dass er mit den ressentiments, die er wahlweise gegen die stadtpolitik, die kirchen oder wen auch immer schürt, immer auch solche anspricht, die nur darauf gewartet haben, in ihren oft diffusen ängsten und aversionen bestätigt zu werden.

    das ist keine aufklärung, das ist marketing.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „hf“ – Ein ganz herzliches Dankeschön für Ihre offenen und so
    zutreffenden Worte. Da hat endlich jemand die Absichten, die
    hinter gewissen „Aktitivitäten“ stecken, öffentlich gemacht.
    Bravo!

  • Ronald McDonald

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    @ Mathilde Vietze 26.10.2017, 08:53h

    „Elly Maldaque ist eher dem braunen Pack zum Opfer gefallen …“.

    Woher weiß die Lerche SPD-roter Sottisen denn das?
    Bitte Namen nennen.

    Welches „braune Pack“ war um 1928-1930 im Freien Volksstaat Bayern/Freistaat Bayern, kurzzeitig Räterepublik Baiern, in solcher Machtstellung tätig, damit mit E. Maldaque so umgesprungen werden konnte, wie es geschah?
    Der letztlich die Maldaquesche Dienstentfernung veranlassende bayer. Staatsminister für Unterricht und Kultus Franz Goldenberger war Parteimitglied der BVP.
    Die BVP ein „braunes Pack“?
    Die BVP ein „braunes Pack … so voller Haß gegen die Kirche“?
    Die BVP seit der „Kurt-Eisner-Vernichtungswahl“ vom Januar 1919 bis in 1930 unangefochten stärkste parlamentarische Fraktion, „als braunes Pack … so voller Haß gegen die Kirche“?
    Ministerpräsident Heinrich Held (BVP) während der Maldaque-Sache Regierungschef und Vorgesetzter Franz Goldenbergers, ein „braunes Päckchen … so voller Haß gegen die Kirche“?
    Hat „die Kirche den braunpackigen Haß auf sie“, des BVP-lers H. Held, nicht bemerkt, als dieser Präsident des Katholikentages zu Frankfurt a. M. war?
    Wieso liegt der „Braunes-Pack-BVP-Heinrich-Held … so voller Haß gegen die Kirche“ mit vatikanischem Ehrentitel ausgezeichnet im Unteren Katholischen Friedhof zu Regensburg begraben?
    Freilich hat er sich in 1925 mit dem Festungshaftentlassenen A. H. getroffen und aufgrund dessen Loyalitätsschalmeiereien das Verbot der NSDAP und des Völkischen Beobachters im Freistaat aufgehoben: also wenigstens „Braunes-Pack-Symphatisant“?
    Der immer noch listengeführte Ehrenbürger Regensburgs ein „Braun-Packler“?
    Aber der Minister Franz Goldberger war sicherlich ein Mathilde-Vietzescher-Braunpackler – merkwürdig nur, daß dieser „Braunes-Pack-BVP-Kultusminister“ nicht nur Elly Maldaque aus dem Schuldienst entfernte, sondern nach 1929 auch einige (!) im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) organisierte Lehrer?
    Weshalb wurde der „Braunes-Pack-BVP-Franz-Goldenberger“ nach dem Ermächtigungsgesetz (Danke schön, z. B. dem späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss) vom „Braunen-Pack“ einige Zeit inhaftiert? Weil er Elly Maldaque aus dem Schuldienst entfernte?

    Fragen über Fragen: Mathilde Vietze, SPD-rote „Braunes-Pack-Expertin“, tirilieren sie sacherhellend.
    Hier eine Hilfestellung http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/spurensuche-im-fall-maldaque-21179-art896169.html

  • Harry

    |

    Was mich fast mehr stört als die D.-Martin-Luther-Straße (auch wenn dieser, zugegeben, den größeren Einfluss hatte), ist dieser unsägliche Agnes-Miegel-Weg. Es kann doch nicht sein, dass in der Eile, möglichst viele Straßen eines Viertels nach Frauen zu benennen, eine Dichterin mit aufgenommen wird, die selbst nach dem Weltkrieg noch Hitler verehrt hat, und gleichzeitig ein paar Straßen weiter Sophie Scholl mit einem Straßennamen honoriert wurde.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Harry“ – Agnes Miegel war eine einfältige alte Frau. Wie wäre es
    denn z.B., wenn jemand fordern würde, die „Franz-Josef-Strauß-Allee“
    umzubenennen? Der hatte sicher noch mehr Einfluß als Luther da-
    mals.

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