Alles hat ein Ende...

Der Vatikan der Knackersemmel macht dicht

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Treppenwitz: Das Herz des Würschtl-Toni hieß immer Erika Schmidl. Foto: Feilner

Treppenwitz: Das Herz des Würschtl-Toni hieß immer Erika Schmidl. Foto: Feilner

Erika Schmidl hört auf. Ein Abgesang auf den Würschtl-Toni.

Von Martin Stein

Regensburg wird New York immer ähnlicher. In beiden Städten spottet es jeder Beschreibung, was einem so als Breze angedreht wird. Was für New York ja noch angehen mag; weil, schließlich, na ja, die Amis halt. Aber Regensburg? Oberpfalz? Bayern? Labbriger, käsiger, salzloser Teig, homöopathisch angebacken und auf Visitenkartengröße faltbar. Voilà, eine „Breze“ in Regensburg. Und, aufgemerkt: In diesem Kontext sind die Anführungszeichen tatsächlich mal angebracht.

Die Mixologenkunst in den Bars gipfelt nicht mehr in der Touchdown-Mass

Dafür haben wir jetzt hier einen Sternekoch; die Begeisterung darüber ist groß, und sie ist es freilich zu Recht. Muss man sich nicht immer den Tim Mälzer im Fernsehen anschauen; da ist der Schmaus Anton schon eine Entspannung fürs Auge. Auch sonst tut sich was. Das Sushi in Regensburg bietet mittlerweile viel mehr als nur toten All-you-can-eat-Fisch für zehn Euro, und in die Vakanzen der früheren Bubble-Tea-Läden sind samt und sonders Edelburgerschuppen eingezogen.

Wir wissen schön langsam grundsätzlich, wie die Kuh geheißen hat, deren Fleisch wir medium rare genießen. Ohne zumindest ein kleines bisserl Fusion kommt kaum eine Speisekarte mehr aus, und die Mixologenkunst in den Bars gipfelt nicht mehr in der Touchdown-Mass. Bloß das mit der Breze kriegt man hier nicht mehr so ohne Weiteres gebacken, und zwar vermutlich seit der Duden-Ausgabe, in der zum ersten Mal der Begriff „Teigling“ auftauchte. Schon ein Armutszeugnis.

Elysium der Spätheimkehrer und Frühaufsteher

Eigentlich schlimm genug. Aber jetzt? Jetzt sperrt auch noch der Würschtl-Toni zu. Der Würschtl-Toni. Der Vatikan der Knackersemmel, der Knackersemmel mit allem, vulgo Gurkerl, Meerrettich und süßer Senf. Eine göttliche Nährwert-Komposition, ein Tanz der Aromen, ein Equilibrium der Gaumenästhetik, und in seiner perfekten geschmacklichen Ausgewogenheit für Regensburg eine Ikone, ähnlich bedeutsam wie Dom und Steinerne Brücke. Muss man Regensburg nach Ende des Würschtl-Toni eventuell den Weltkulturerbe-Titel aberkennen? Nachvollziehbar wäre das. Und es müssen schon noch etliche Päpste nach Regensburg pilgern, um ikonographisch an diese Wurst im Brot heranschmecken zu können.

Eigentlich sollte damit mal wieder eine neue Denkmaldiskussion in Regensburg ausbrechen; natürlich nicht auf irgendeinem Rübenacker bei Papa ante portas, sondern traditionsgemäß unter der rituellen Opferung einiger Parkplätze mitten am Kornmarkt. Die goldene Knackersemmel. Es darf darum herum getanzt werden. Der Würschtl-Toni war und ist und wird bald gewesen sein: Nichts weniger als das Elysium der Spätheimkehrer und Frühaufsteher, denen klar war, dass das Fünfeläuten in der Früh mehr Bedeutung für die Bratwurst hatte als morgens halb zehn jemals für eine Schokowaffel. Kein Aspirin hat jemals heilsamer auf einen Zechermagen eingewirkt als eine weise vorausschauend eingenommene Knackersemmel.

Viel Konkurrenz auf dem Gebiet der zwanglosen Nebenbei-Ernährung

Als betriebswirtschaftliches Alleinstellungsmerkmal reicht das jedoch offenbar nicht mehr aus. Viel Konkurrenz auf dem Gebiet der zwanglosen Nebenbei-Ernährung hat sich breitgemacht und der Erika das ohnehin nicht leichte Leben zwischen Besoffenen, knochenharten Arbeitszeiten und niedrigen Gewinnmargen nicht eben verbessert. Der Erika. Denn der eigentliche Treppenwitz dieser Geschichte ist ja, dass der Würschtl-Toni seit Ewigkeiten gar nicht mehr der Würschtl-Toni ist, sondern die Würschtl-Erika. Schon seit Mitte der Neunziger schmeißt die Erika den Laden allein, nachdem sich die Eheleute gerade in manchen Fragen der Arbeitsteilung nicht mehr einig wurden.

So eine Work-Life-Balance-Geschichte halt, bloß hieß das damals anders. Seither arbeitet die Erika, aber die Leute gehen nach wie vor zum Würschtl-Toni. Wie das eben so ist. Aber um den Ruhm ist es der Erika nie gegangen, sie hat mit ihren Würsten genug zu tun gehabt, und die, die sie kennen, wussten auch genau, zu wem sie gehen.

Jetzt wird auch noch unser Essen gentrifiziert

Vielleicht ist die Knackersemmel ja tatsächlich nicht mehr zeitgemäß in einer Stadt, in der rustikales Essen manchmal nur noch dann akzeptabel scheint, wenn der Kellner in der Ritterrüstung daherkommt. Es kann nicht mehr lange dauern, und man muss beim Schweinsbratenbestellen extra erwähnen, dass das Pork nicht gepulled zu sein braucht, und wenn’s geht, ohne Zitronengras, bitteschön. Und, wenn wir schon dabei sind, haben Sie auch Getränke ohne Ingwer? Vielleicht muss man ja sogar froh sein, dass die Erika zusperrt, bevor sie der Versuchung erliegt, ihre Brotzeitkarte um die veganen Varianten zu erweitern. Die Situation auf dem Regensburger Wohnungsmarkt spiegelt sich in den Speisekarten wider: Jetzt wird also auch noch unser Essen gentrifiziert. Super.

Der Tod dieser Würschtlbude ist der zwangsläufige und konsequente, vielleicht sogar ein wenig ehrenhafte Abschluss eines Jahres, das einen Bodycount der Legenden vorzuweisen hat wie kaum ein anderes. Ein Heroensterben ohnegleichen, das da stattgefunden hat; wenn man bei Google „2016“ eingibt, dann ist der erste Suchvorschlag „2016 gestorben“. Fast schämt man sich ein wenig, selbst überlebt zu haben.

Und trotzdem will man einfach nicht glauben, dass es tatsächlich und endgültig um den Würschtl-Toni geschehen sein mag. Die Erika soll sich ausruhen, sie soll es sich endlich ein bisschen gut gehen lassen, sich um ihre Gesundheit kümmern und die Haxn hochlegen. Verdient hat sie sich das schon lange. Aber muss denn damit auch zwangsläufig das Geschäft sterben? Man stelle sich Hamburg ohne den Aale-Dieter oder Berlin ohne das Curry 36 vor. Undenkbar.

Über 1.000 Facebook-Interessenten für den letzten Würschtl-Morgen 

Es gibt berufene Bewerber, die das Geschäft übernehmen würden, und zwar sogar aus der weiteren Nachkommenschaft des Knackersemmel-Erfinders Heinrich Schmidl. Die Kompetenz um die Wurst wäre da überreich vorhanden, aber es liegt halt auch an der Stadt, was sie an diesem Fleck zulässt und was nicht. In der furchtbaren Folgerichtigkeit Regensburger Stadtplanung muss man ein wenig fürchten, dass man die Bretterbude wegreißt und etwas Traditionelles durch etwas ersetzen will, das traditionell ausschaut.

Vielleicht sind ja auch immer, immer noch ein paar Pflastersteine vom Neupfarrplatz und der Steinernen Brücke übrig, die man irgendwo verbauen muss, um danach den Leuten zu erklären, dass das nicht gräuslich ist, sondern so gehört. Vielleicht aber setzt sich auch die Einsicht durch, dass die Erfolgsgeschichte Regensburgs niemals auf etwas Weggerissenem und Zubetoniertem beruht hat, und man lässt den Verschlag da stehen.

Und vielleicht gibt es dann dort am Alten Kornmarkt nach wie vor einen Platz, an dem man im Morgengrauen einer harten Nacht einen glorreichen kulinarischen Abschluss verpassen kann. Es gibt eine Facebook-Veranstaltung, die den letzten Besuch am Neujahrsmorgen bündelt. 400 Zusagen, über 1.000 Interessenten. Ich geh nicht hin. Ich war vorher schon da.

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Kommentare (28)

  • Susi Dauderer

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    ‚Kornmarkt‘ in Regensburg? Wieder mal ein Teiglingartikel made in Regensburg?
    ‚Alter Kornmarkt‘ das war einmal Heimatkunde….

  • Stefan Aigner

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    @Susi Dauderer

    In der Umgangssprache findet der Begriff „Kornmarkt“ weitaus häufiger Verwendung. Wir schreiben hier ja keinen Stadtplan.

  • El

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    Vllt. gibt es ja ein bisserl Verschnitt aus der Dombauhütte
    und es kann ein dom-ess-tizierter Minidom aufgebaut werden — anfahrbar mit der Regensburger Turibimmelbahn .
    Fahrkarten zum Würschtltoni-Disneyland gibts in der Teuristeninfo.

    „Raincastle me is greying from you“

  • Markus Feilner

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    Eine Info fehlt noch: Wann macht er dicht? Neujahrmorgen oder später im Jahr?

  • Mr. T

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    Also wenn da einer, die Speisekarten gentrifiziert, ist es der Aigner. Der setzt seinen Gästen die besten Burger der Stadt vor und baut sie ganz heimlich aus allem zusammen, was früher nicht mal als Unkraut getaugt hat ;-)
    Ja, schade um den Würschtl-Toni. Da hab ich früher manch seltsamen Abend ausklingen lassen. Vielleicht findet sich ja jemand, der das würdig fortsetzt. Der Erika sei ihr Feierabend gegönnt!

  • Zugereister

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    Jo, da Schmaus Toni hat wirklich guade Würscht.

  • Keyfinder

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    Schod drum ist richtig, Und schod drum ist es auch, dass sich lokale Radiosender den Abgesang unter den Nagel reißen.
    Schod drum ist es aber auch, dass sich der Autor die Schließung als Anlass nimmt, einen unterschwelligen Rundumschlag gegen so ziemlich alles vorzunehmen, was ihm scheinbar nicht passt. Und das ohne Belege zu liefern.
    Aber nuja. Schad um etwas, dass ich seit meiner Gastrozeit nicht mehr frequentiert habe. Und damals habe ich das Verhalten einiger Besucher schon mehr als nur schämenswert gefunden. Die Anwohner werden es erst mal dankbar zur Kenntnis nehmen. Der Rant dieses Artikels ist allerdings fdA
    Aber das sind nur meine fünf Cent.

  • Andreas

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    Kann das nicht der Donaustrudl übernehmen? Oder stehen dem wieder 100.000 bürokratische Hürden entgegen?

  • wortklauber

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    Es ist nicht ganz der passende Ort, aber der Kulturverlust geht weiter. Worüber ich mich gerade maßlos aufregen könnte, ist, dass die Tanke in Steinweg (Schwandorfer Straße) auch dicht machen wird. Im Sommer ist Schluss mit dem Traditionswirtshaus mit Biergarten und Kastanienbaum, das auch einem traditionellen Regensburger Schachverein und dem einzigen verbliebenen Dartverein Regensburgs bislang eine Heimstätte war. Nicht zu vergessen die unzähligen Spielbegeisterten von Kneipenquiz über Brettspieler bis hin zu Rollenspielern. Und mit dazu alle Hausbewohner: Entkernung, Sanierung und dann teuer vermieten, wir kennen das mittlerweile zur Genüge. Hätte gute Lust auf eine Hausbesetzung!

  • hf

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    wirklich faszinierend, wie sich da chauvinismus und xenophobie bahn brechen, wo doch einfach nur eine würschtlbude zumacht, weil die chefin altersbedingt nicht mehr mag.

    das erinnert mich frappierend an die schweinefleischpflicht in schulküchen, die der csu-landwirtschaftsminister jüngst forderte. nehmt uns nicht auch noch unser schweiners – egal ob ihn am ende noch jemand fressen mag, so einen antibiotka-resistenten, grundwasserverseuchenden batzen klimawandel mit kackbrauner soße. und die knackersemmel ist quasi die to-go-version. aber das sagen wir nicht, to-go, oder? amerikanisierung ist ja was anderes.

    nein, hier tritt ein patriotischer regensburger gegen die ingwerisierung, gegen die veganisierung des abendlandes an. peinlich grotesk, wie der der fleischverzehr hier sogar noch über das traditionalistisch-nationale pathos hinaus als religiöse, heilige handlung, als glaubenspflicht überhöht wird. wie war das nochmal, wollten die geistesfreien nicht mal ein schweiners-essen gegen das fastengebot organisieren? darmkrebsmast gegen jede vernunft!

    warum nicht für die wiedereinführung von atomkraft sein? walfang wieder einführen, fckw und dioxin wieder erlauben, ist doch alles unsere freiheit, unsere kultur. kulturverlust… sorry, ich krieg grad das kotzen…

    da würd ich auch aufhören wollen, wenn so viel hohlköpfigkeit sich zur selbsternannten fürsprecherin aufschwingt und im grunde nur mich und mein lebenswerk für seine obskuren zwecke vereinnahmen will.

    die letzte sau sagt derweil leise servus.

  • Freya

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    Alles vorbei und vergessen.Und da wäre noch das Café Von-der-Tann, der Bierkeller Pürkelgut, der Emslander ……

  • wortklauber

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    Hey hf! Das mit dem Dioxin und der Atomkraft und was Du da sonst noch für absurden Quatsch redest, von wegen Schweinefleischpflicht und so, das kannst Du Dir aber komplett sparen! Okay, das Wort „Kulturverlust“ ist Blödsinn, Kultur gibt`s immer, ja, ja, haben wir im Politik Oberseminar gelernt, schon klar, aber die Frage bleibt, was das für eine Kultur ist, die sich da einstellt! Wird es bald die Kleinen noch geben, die ihre Wirtschaft, ihren Wlürschtlstand, ihre Kneipe usw. betreiben oder bleiben nur noch Ketten mit Filialen und abhängigen Beschäftigten, Luxus-Lounges und Designer-Boutiquen?

  • hf

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    Zurück zum Atom und Schweinefleischpflicht sind zwei konkrete politische Forderungen, von denen ich mir wünschen würde, dass die, welche sie vertreten, sie sich sparen würden.
    Ansonsten: natürlich wird im sogenannten freien Wettbewerb immer der kleinere einen Nachteil gegenüber dem größeren haben. Kapital akkumuliert nun mal, sonst wäre es kein Kapital. Und gerade die, die für sich als Einzelkämpfer so wenig staatlichen Einfluss wie möglich verlangen, liefern und reproduzieren die Argumente, mit denen Konzerne neoliberale Politik machen können. Der Bauernstand, das Handwerk, der Einzelhandel, alle wollen wachsen und ruinieren sich damit selbst. Warum können Amazon, Apple und Co. wie die Axt im Walde unsere Sozialsysteme überrennen? Weil die kleinen Selbständigen ihnen die Gesetze dazu machen! Die Bestechlichkeit der Mittelschicht, gute Jobs als Anwälte und Steuerberater, Kleinaktionäre, die den Mindestlohn ablehnen, das kennen wir alles seit 100 Jahren. Kein Zufall, dass man uns vor nichts so viel Angst macht, wie vor einer echten ökologisch-sozialistischen Politik. Da könnte man sehr wohl inhabergeführte Kleinbetriebe fördern, indem man Profitgier und Lohnsklaverei verhindert. Aber gerade dieser unternehmerische Mut fehlt uns – ist wohl so eine Art kalter-Kriegstrauma.
    Wie es weitergeht? Ist alles erforscht. Wird nicht schön, aber mit Leibniz gesprochen wird es immer noch die beste aller möglichen Welten sein.

  • Toribio

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    @ hf
    Schade um dieses neue Medium, das die Verantwortlichen von r. so derart verreißen lassen.
    Ihren Beitrag halte ich übrigens für absolut daneben und auch geschmacklos.
    Wenn Bildung zur Verblendung wird, dann ist eine Grenze des Machbaren erreicht, die verantwortungsvolle Journalisten nicht überschreiten lassen dürfen.
    So etwas hat a. m. S. nichts, aber auch gar nichts mehr mit gutem Ton und Meinungsfreiheit zu tun.

  • MiReg

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    @ hf:
    Zu Ihrem Posting vom 31. Dezember 2016, 19:18:
    Dieses ist, mit Verlaub gesagt, Sau-blöd und es sollte uns eigentlich auch Wurst sein.

    Zitat: „wirklich faszinierend, wie sich da chauvinismus und xenophobie bahn brechen“.

    Was an dem herzlich-wehmütigen Abgesang an eine liebgewonnene Regensburger Institution (ich mag das so nennen) soll denn chauvinistisch oder xenophob sein? Das scheint mir doch eine äußerst weit hergeholte und ziemlich aberrante Konstruktion zu sein.

    Mein Gratis-Tipp für Sie: Gehen Sie an die frische, kühle Luft, atmen Sie mehrfach tief durch. Und beschäftigen Sie sich mit der deutschen Grammatik, da gibt es nämlich so etwas wie Groß- und Kleinschreibung. Und die ist nicht Sau-egal.

  • Lothgaßler

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    Ob die Lobeshymnen allzeit und allseits so objektiv waren? Zu fortgeschrittener Stund nach allerlei Bier und Ratsch hatten die Gäste schlicht einen Heißhunger auf salzig und fettig. Ich gebs zu, ich hab dort nie nie nicht in die Wurscht gebissen. Freilich konnt ich mir auch den Matsch-Donalds oder Würger-King verkneifen. Ich gestehe diverse Currywürscht in diversen Wirtshäusern, erkenne in dieser Speiß aber keinen großen Gaumenkitzel. Jetzt ist´s eh zu spät, mach ich mir die Sojawürschtl und den Grünkernburger halt selber. Aber heit gibts erst mal ein Gselchts von dahoam.

  • U. Perchermeier

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    Danke für die Richtigstellung was Erika angeht. Das war der MZ wohl wurscht

  • hf

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    @MiReg

    Wikipedia sagt: „Aberrantes Verhalten ist in der Soziologie eine Teilklasse abweichenden Verhaltens, bei dem die Rechtmäßigkeit und Geltung der verletzten Norm nicht bestritten wird.“

    Das schmeichelt mir jetzt doch sehr. Drum beantworte ich auch artig Ihre Frage, sogar in groß-klein-Schreibung und ebenfalls gratis:

    Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe – Xenophobie ist die Ablehnung von sozialen, religiösen, ökonomischen, kulturellen oder sprachlichen Unterschieden. „Nicht nur Ausländer gehören zu denen, die Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt sind“, (sagt Wikipedia), sondern auch der viel gescholtene Fleischverweigerer i. e. der linksgrünversiffte Gutmensch.

    Nun mag ich selbst gern mal eine Knacker mit allem, aber deswegen bin ich doch kein Feind von Ingwer und habe erst recht kein Problem mit der kulturellen Vielfalt in der Gastronomie, die der Autor als „Gentrifizierung“ (was ja was total anderes ist!) geißelt. Völlig absurd, da einen Zusammenhang herzustellen. Grad, dass er nicht noch Überfremdung schreibt…

    Und vor allem: Ich überspitze hier auch. Ganz bewusst. Mit großem Vergnügen.

  • F.G.S+/-

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    Love hf = Letzer Beitrag = Vortrefflich & Schlau „zurückgetrollt“.

    Chapeau Kolläsche, oder sö?!? ;-]

  • Jean Paul d.J.

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    Mir fehlt nichts, ich halts da mehr mit dem Zitat : Wurst ist eine Götterspeise. Denn nur Gott weiß, was drin ist. Jean Paul

  • wortklauber

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    -> hf
    Cool! Ich bin xenophob und obendrein chauvinistisch! Und ich Depp dachte immer, die Ablehnung von ökonomischen Unterschieden und der Kampf gegen eine gesellschaftliche Gruppe oder Klasse aus der Überzeugung heraus, etwas besser zu wissen, hätte im Weitesten Sinne etwas mit Kommunismus, zumindest aber mit Gleichheit und Gerechtigkeit zu tun?
    Wikipedia sei Dank! Ich bin geheilt! Vielleicht kann ich bald mithalten mit den modern gewordnenen Trumpschen Denkmustern, ich weiß jetzt wie „postfaktisch“ unter Pseudointellektuellen heute funktioniert. Man nehme wikipedia, greife sich aus der ziemlich langen Definition den passenden Teil heraus, …

  • hf

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    @wortklauber:

    ja, aufgemerkt; jetzt können sie wirklich was lernen: chauvinismus ist auch unter revolutionären, im ganzen linken spektrum, weit verbreitet und diese „schulenbildung“ ist i.m.h.o. der grund, warum der kommunismus an sich selbst scheitert. erich fried dichtete:
    mein marx, wird deinem marx, den bart ausreißen
    mein engels, wird deinem engels die zähne ausschlagen…
    und das geht bis zum genickschuss; was den deterministischen materialisten in ihrem kalkül fehlt, ist transzendenz! mitgefühl, caritas, auch für den, der mich für seinen feind hält – etwas, das die vereinzelung des individuums wahrhaft überwindet.

    diese wahrheit ist gerade nicht intellektuell „erarbeitbar“, sondern je nur intuitiv erfahrbar. sie wird weder einem wagner noch einem faust zuteil, falls sie gerne ins theater gehen. es ist eine gnade, göttlich, wenn sie so wollen. gerade deshalb hat mich der pseudoreligiöse duktus in dem text besonders genervt.

    so, und jetzt geh ich im schnee spazieren.

  • wortklauber

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    -> hf Gute Idee! Ihre beste!

  • MiReg

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    @“wortklauber“:
    „Wikipedia sei Dank! Ich bin geheilt! Vielleicht kann ich bald mithalten mit den modern gewordnenen Trumpschen Denkmustern, ich weiß jetzt wie „postfaktisch“ unter Pseudointellektuellen heute funktioniert. Man nehme wikipedia, greife sich aus der ziemlich langen Definition den passenden Teil heraus, …“

    Gut gekontert! Es sind Hütchenspielertricks, mit denen „hf“ hier arbeitet. Fetzen aus einem Wikipedia-Artikel zu reißen zeugt zwar von Fleiß, das Ergebnis wird dadurch aber nicht gut. Abgesehen davon, dass ich auf Wikipedia als Quelle nur dann zurückgreifen würde, wenn mir der Kiosk nicht einmal mehr eine Frauenzeitschriften verkaufte.
    Wenigstens hat „hf“ jetzt schon meine Empfehlung aufgegriffen, ins kühle Freie zu gehen.
    Ob allerdings der Spaziergang im Schnee seine „beste Idee“ oder auch nur seine einzige war, bleibt sein Geheimnis. Und Hütchenspielen im Schnee ist auch nicht lustig.

    Zum von „hf“ zitierten Gedicht („Konflikte zwischen Alleinerben“) merke ich an:
    Erich Fried kannte die Groß- und Kleinschreibung.

  • hf

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    Na, da haben sich ja zwei gefunden! Sage noch einer, das Internet spalte die Gesellschaft. :-)

  • wortklauber

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    Hf Respekt! Schon wieder eine Qualitätssteigerung in Ihrem letzten Kommentar! Eigentlich wollte ich ja das letzte Wort haben mit meinem inhaltsleeren Bashing, doch angesichts Ihrer Lernbereitschaft, möchte ich abschließend noch einmal festhalten, dass mir die sozialstrukturelle Entwicklung, die in Regensburg vonstattengeht, wirklich Sorgen bereitet!
    Die Kultur wird eintönig werden, wenn sie sich darauf verlegen wird, anzubieten, was mit Geld erreichbar ist. Das geht beim Wohnen los. Erst gestern hab ich wieder mit Mietern aus der Schwandorfer Straße 7 gesprochen. Die können sich die dann generalsanierten Wohnungen nicht mehr leisten, müssen also, ebenso wie die Wirtin der Tanke, das Haus verlassen. Gewachsene, nachbarschaftliche Sozialgemeinschaften werden gesprengt, Anonymisierung und Entsolidarisierung nehmen zu. Vielleicht kommt es auch zu einer neuen Ghettoisierung, weil die geringer Verdienenden logischerweise aus dem teuren Stadtzentrum (mittlerweile weit) herausgedrängt werden, wenn sie nicht drastische Einbußen ihrer Wohnqualität hinzunehmen bereit sind. Gibt es in Rgbg. überhaupt noch minderwertigeren Wohnraum zu mieten? Also: Raus aus der Stadt!? Ebenso die Vereine und Kneipen! Mir kommt es fast so vor, als würde gerade das, was die Regensburger Innenstadt so attraktiv und lebenswert gemacht hat (Studentenstadt, Kneipenszene, Subkultur gepaart mit Historie etc.) aufgefressen werden von genau demselben Verlangen, das diese Stadtkultur hervorgerufen hat. Das ist doch paradox! Wozu haben wir eigentlich die Politik? Doch wohl dafür, genau solchen Entwicklungen Einhalt zu gebieten und uns vor solcher Schildbürgerei zu bewahren!
    Deshalb mein Aufruf an die Stadtpolitik im öffentlichen Interesse: Rettet die Tanke und schreitet ein, hier wie auch anderswo, wo sich Nämliches vollzieht! Und wenn es nur behördliche Auflagen, Genehmigungsverfahren etc. sind, die ihr den Investoren als Steine in den Weg legt. Immer noch besser als gar nichts. Am besten wäre ein öffentliches Anprangern solcher Entwicklungen und aktiver Schutz der Bürger und Mietverhältnisse, aber von solcher Politik ist selbst ein linkes Regierungsbündnis weit entfernt.

  • altstadtkid

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    @Wortklauber
    Ist doch klar dass sich das „Dufte“ Stadtamhof nach Steinweg durchfrisst.
    Ihr Apell an „Diese“ Stadtverwaltung ist echt putzig :o)

  • Lothgaßler

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    @altstadtkind, @Wortklauber:
    Es würde mich wirklich interessieren, ob die Einwohnerzahl in bestimmten Stadtgebieten, Vierteln, Straßenzügen ansteigt oder fällt. Dazu noch eine fundierte Analyse dazu, was bzw. wer die Entwicklung auf den Immobiliensektor antreibt. So klar scheint mir das nicht zu sein. So arg viele Wohlhabende leben nicht in der Altstadt, und wenn dann sicher nicht beengt und in ruhigen Lagen. Wieviele Familien und Kinder leben überhaupt noch in der Altstadt? Wie hoch ist das Verhältnis Gewerbefläche : Wohnfläche und Verkehrsfläche? Wer oder was raubt den Wohnraum? Wer oder was treibt die Preise? Die Entwicklung lässt sich nicht mit gesteigertem Mehrwert begründen.
    Natürlich ist die Frage Richtung Stadtverwaltung und Stadtpolitik berechtigt, denn ein entsprechendes Monitoring sollte installiert sein, um Entwicklungen zu lenken! Alles andere bedeutet, dass die Stadtplanung von Dritten vollzogen wird.

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