Geheimniskrämerei um städtischen Kunstkauf

Die rätselhafte Regensburger Rotunde

Es sieht aus wie ein millionenteures Kunstwerk von Cy Twombly, tatsächlich stammt es von dem Regensburger Künstler Peter Wittmann: die Rotunde im Plenarsaal des Neuen Rathauses. Was das Gemälde gekostet hat, erfahren die Stadträte nicht.

Die Regensburger Rotunde: Eine rätselhafte Schönheit.

Es ist ein schönes Bild, das da seit dem letzten Sommer im Sitzungssaal des Regensburger Rathauses hängt. Groß ist es. Bunt ist es. Und es war noch nicht einmal besonders teuer. Vermutlich. Nicht nur auf den ersten Blick könnte man nämlich meinen, dass die Stadt sich da Millionenwerte angeschafft hat. Doch der Reihe nach.

Die Rede ist von „Rotunde“.

Das Schwelgen im Farbenspiel

Rotunde – so heißt das dreiteilige Gemälde, das im Zuge der Umgestaltung des Plenarsaals im Neuen Rathaus aufgehängt wurde. Es ersetzt den Spiegel, über den Zuschauer und Stadträte sich unkompliziert gegenseitig beobachten konnten.

Das ist Vergangenheit. Den Zuschauern bleibt jetzt eine Übertragung der Debatte auf eine Leinwand, den Stadträten der verschämte Blick nach oben zur Empore und beiden Seiten die Möglichkeit zum unbefangenen Schwelgen im Farbenspiel, wenn die Diskussion im Plenum mal wieder gar zu unerträglich wird.

Twombly: bis zu 15 Millionen Dollar

Im sieben-, ja sogar achtstelligen Bereich dürfte der Preis für dieses Kunstwerk liegen, wenn es das wäre, wonach es aussieht – ein echter Cy Twombly. Bilder des im vergangen Jahr verstorbenen amerikanischen Malers, wie sie etwa in München oder hier zu sehen sind, werden mit Preisen von bis zu 15 Millionen US-Dollar gehandelt und sie sehen der Regensburger Rotunde zum Verwechseln ähnlich.

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Doch weniger kunstfanatische Sparfüchse müssen es jetzt nicht mit der Angst zu tun bekommen: Das Gemälde im Rathaus stammt nicht von Twombly. Der Regensburger Künstler Peter Wittmann hat es gemalt. Und es hat die Stadt auch keine Millionen gekostet, sondern nur 32.100 Euro. 2010 hat man das Bild fürs Museum angekauft. Was es tatsächlich wert ist, bleibt geheim.

Peter Wittmann: 32.000 Euro plus X

Ein unbekannter Spender hat einen unbekannten Betrag X draufgelegt, um der Stadt diesen Kunstcoup zu ermöglichen. Doch selbst hartnäckiges Nachfragen von Stadtrat Jürgen Huber (Grüne) brachte keine Antwort auf die Frage, wer denn dieser edle Spender ist (was man noch verstehen kann), noch wie viel der drauflegen musste, um die Stadt so reich zu beschenken (was nicht wirklich zu verstehen ist).

„Der Spender legt großen Wert auf seine Anonymität“, so Kulturreferent Klemens Unger in der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses. Deshalb habe er auch eine erste Anfrage von Huber – die ist etwa ein Jährchen her – „nicht beantwortet“. Betonen wolle er nur: Wittmanns „Hausgalerist“ Peter Bäumler, bei dem die Stadt das Bild gekauft hat, sei nicht, wie immer wieder vermutet, der Spender gewesen.

Geht das den Stadtrat nichts an?

Über den Gesamtpreis des Bildes, ja, da könne man eben irgendwie…also auf gar keinen Fall und weil eben der Spender ganz viel Wert auf…ja worauf eigentlich?…lege, gar nie nicht reden.

Weil dann nicht nur Huber, sondern auch andere Stadträte weiter neugierig blieben („Es kann doch nicht sein, dass man nicht erfährt, was so ein Bild kostet“, meinte etwa Irmgard Freihoffer), will Bürgermeister Joachim Wolbergs nun durch die Verwaltung prüfen lassen, ob der Stadtrat auf solche Informationen ein Recht hat. „Ich befürchte allerdings nicht“, so Wolbergs.

32.200, 132.000 oder gar 1,032 Millionen?

Vielleicht erfährt man irgendwann – in ferner Zukunft – wenn es wirtschaftlich mal nicht so gut läuft in Regensburg und städtische Kunstwerke auf dem Auktionstisch von Sotheby’s landen, ob die Rotunde nun 32.200, 132.000 oder gar 1,03 Millionen Euro wert ist. Und wenn man ganz viel Glück hat, geht der Wittmann dann vielleicht als ein echter Twombly durch.

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18 Kommentare

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  3. @pit:
    Du hälst es also für eine gute Sache, dass ein völlig überteuertes Bild von einem vollkommen unbedeutenden dafür aber umso gefälligeren Maler (darf man so was “bildende” Kunst nennen?) den Stadtratspiegel verdrängt? Von der Zuschauertribühne aus sieht man nun den Stadtrat nicht mehr bequem zurückgelehnt, es sei denn man hängt sich über die Brüstung. Toll oder? Da scheint die Kunst ihren wahren Auftrag erfüllt zu haben. Der Spiegel muß wieder her! Hängts euch eure Rosen sonstwo hin! Unverschämtheit! Das regt mich auch auf! Das ist ein mehr als nur symbolischer Eingriff in die Regensburger Demokratiekultur!

  4. Was wäre der Deutsche ohne seinen Neid?!
    Natürlich regt sich der malende Stadtrat J. Huber auf,
    weil er selbst keine Ideen hat! Die Provinz ist halt doch
    im Kopf! Hoffentlich kommt dieser Neidhammel über
    seine Partei nicht bis in den Landtag. Das wäre wirklich
    ein Desaster!

  5. @ Hans
    Jawohl, ich habe “ferig”, und ich entschuldige mich bei Ihnen und überall sonst auch noch, daß ich Sie “genervzt” habe, das war nicht gutmenschlich und kontratolerant und, und, und …
    Ich “trolle” mich tiefrotbeschämt.

  6. @ Hans Adolf Herrmann

    Sind Sie jetzt langsam ferig mit Ihrer Paranoia?

    “Kunst gegen Links”, in einem anderen Kommentar “K(r)ampf gegen Rechts”, an anderer Stelle irgendwas von “Politbüro der Redaktion”. Und alles irgendwie krampfhaft in Zusammenhang mit den damit nicht in Zusammenhang stehenden Artikeln gestellt. Suchen Sie sich doch ein Nazi-Forum. Dort freut man sich über solchen Mist. Hier nervz ihr Getrolle nur.

  7. Vielleicht wollte der Künstler fraktionsübergreifend den polychromen Inhalt detonierter Stadtrats(- und Innen)köpfe darstellen, denen der polyethnische Druckausgleich nicht mehr gelungen ist?
    Handelt es sich etwa um “Kunst gegen Links”?

  8. Bei mir gibts eh nichts zu kaufen, höchstens zu de- und re-kontextualisieren. Meine Kunstwerke halten was aus und machen was mit, da wird mal wirklich was verhandelt: Schaumamal ob die Rotunde mehr aushält als der Spiegel und ob man Sie auch von unterschiedlichen Seiten betrachten kann.
    a:Wenn also jetzt der Spiegel die Salatköpfe in der neuen Mensa spiegelt und auf dem Bild im Stadtrat das Rot- und Weißkraut deutlich zu erkennen ist, dann wird hier eindeutig etwas neues zum Thema. Erst durch die Translokation des Spiegels in einen neuen Kontext, wird es möglich ihn an seinem ursprünglichen Standort wieder als Kunst zu Denken, den da hängt noch Kunst. Erst wenn das Bild dann endlich über der Salattheke gehängt wurde und dort wieder den Spiegel verdrängt hat, konnte bewiesen werden, das es dem diskursiven Dialog überstanden hat. Ich wage zu behaupten, das es erst so ein bisserl zu Kunst wird. Vorher ist es einfach nur ein beliebiges buntes Plagiat das an der eindeutig falschen Stelle hängt. Manchmal muß künstlich Spannung aufgebaut werden, um diese zu lösen. Also hat die Rotunde das Zeug dazu Kunst zu sein? Oder ist sie nur so etwas ähnliches wie die “Terrakottamalerei”(wie nennt man diese geramten Kunstdrucke für das Geschmackvolle Ambiente, die man in der Gastromie so oft sieht?
    Kann das Bild sich in seinem eigentlichen Kontext behaupten? Ist der Kaufpreis zu rechtfertigen? Wie viel Promille waren im Spiel?
    b: Die Rotunde bleibt wo sie ist und er Stadtrat beweißt mehrheitlich seinen Sinn für dumme Kunst: Bunt ist niemals bieder!
    c:Das Bild wird gewinnbringend weiterverkauft und für die ganze Kohle im Eingangsbereich des Rathauses ein riesiges Bleistiftfresco angelegt, dessen Beseitigung absolut irreversibel ist. Kunst ist doch eine Wertanlage, so schreibt es ja unser Kulturjournal. Fraglich ist nur wofür man mehr kriegt: Für das Bild oder den Spiegel.

  9. Von mir direkt gekauft gibt es gar kein Bild für 20.000,- nur sehr deutlich günstiger, aber dafür origineller.
    jh

  10. Rochade:
    Vieleicht ist in der neuen Rathauskantine noch Platz für das Bild, (ich glaube es passt ganz gut zum Thema Essen) dann könnte der Stadtratspiegel (ein Plagiat von Gerhard Richters “Spiegel” von 1981?) wieder im Stadtrat angebracht werden. Wo ist der Spiegel jetzt? Hoffentlich wurde er nicht auf ähnliche Weise entsorgt wie der Adler! Den Spiegel in der Kantine aufzuhängen wäre vieleicht witzig aber schon ein bisserl arg, wenn sich immer alle beim Essen zuschauen… Im Stadtrat erfüllt er seinen Zweck.

  11. Ja da hätte die Stadt doch besser ein Bild (oder gar zwei?) des begnadeten Kunsttheoretikers und Künstlers Jürgen Huber kaufen sollen. Für nur 20.000. Oder so.

  12. Da sieht man wieder die von CSU so angepriesene TRANSPARENZ…. Zeit das die PIRATEN den Stadtrat entern

  13. oh – da sieht man das ich von kunst keine ahnung habe. ich hätte darauf getippt, dass man im kindergarten den kindern farbbeutel in die hand gedrückt hat und die sich durch wurfexperimente austoben durften.

    nachdem nicht so ist, vermute ich das unser bundespräsident wulff da mit sicherheit eine antwort drauf hat. der kennt (so denke ich mir) einen haufen anonyme spender ;)

  14. Sieht aus wie eine Arbeit von klausschiffermueller, der hat auch ein paar Leinwände mit weniger Farbe auf dem Weiß drauf. (Was gefälliges hätte der sicher auch handwerkern können.) Kommt aus Kehlheim und lebt in Berlin. Irgenwie schon komisch warum das so teuer sein muß. Besser wäre es doch unterschiedliche Positionen zu fördern anstatt die ganze Kohle für die Fantasiepreisgestaltung eines mit dem OB befreundeten Provinzgaleristen zu verpulvern. Der unbekannte Betrag eines anonymen Spenders ist vermutlich Ersatz für fehlende Kunst am Bau am Neuen Rathaus. (Ganz nebenbei: Kunst am Bau ist eh nicht mehr rechtlich bindend, das Gesetz stammt von 1936, da sollte den armen Künstlern geholfen werden: In Jedes öffentliche Gebäude wurde ein Hackenkreuz geschmiedet..)
    Das Bild an sich ist doch ganz hübsch. Nur der Spiegel war spannender und unter zweckmäßigen wie auch künstlerischen Gesichtspunkten betrachtet wertvoller.
    (Spiegel gibt es nicht ohne Grund einige in der Kunst, z.B. bei Simone Decker, Gustav Metzger, Dan Graham, Ji Hye Han…ach es wimmelt nur so von Spiegeln auf allen Ebenen!)
    Wie und wann kommt der OB eigentlich dazu selbst so ein Bild einzukaufen?
    Es verwundert nicht, das der Maler Peter Wittmann bald in der Städtischen Galerie ausstellt, wo der Anspruch an die Kunst so endgültig in den Graben gefahren wird. Das Maximum an Gegensätzlichkeit wird hier mit pseudoakademischem Dünkel auf die Frage rund oder Eckig reduziert. Provinzschiebung!

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