Seenot-Rettung aus Regensburg

„Ein Krieg ist für die Flüchtlinge nicht so gefährlich wie diese Überfahrt“

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Am heutigen Freitag hat die Sea-Eye nach aktuellen Meldungen rund 600 Menschen vor der afrikanischen Küste aus Seenot gerettet. Angestoßen hat das Projekt der Regensburger Unternehmer Michael Buschheuer. Wir haben uns mit ihm über seine Beweggründe und Erfahrungen unterhalten.

Der 39jährige Michael Buschheuer über sein Engagement: "Ich würde es sofort wieder machen." Fotos: pm

Der 39jährige Michael Buschheuer über sein Engagement: „Ich würde es sofort wieder machen.“ Fotos: pm

Herr Buschheuer, Sie haben vor einigen Monaten einen Verein gegründet und ein Schiff, die Sea-Eye, gekauft, das jetzt vor der afrikanischen Küste kreuzt, um dort Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Ein außergewöhnliches Projekt.

Ich bin nicht der Meinung, dass das so außergewöhnlich ist. Für einen Maler aus Bayern ist vielleicht die Projektart etwas ungewöhnlich. Für einen Fischer in Italien wäre das aber naheliegend. Im Grunde genommen mache ich nichts anderes, als jemand, der Wäsche für Flüchtlinge sortiert, jemand der sich im Palliativ-Verein oder bei der Feuerwehr engagiert. In unserer Gesellschaft sollte es zumindest normal sein, dass man ein paar Stunden seiner Zeit einer Sache widmet, die nicht im finanziellen Sinne gewinnbringend ist. Das ist nichts Besonderes. Dafür bin ich nicht bei der Feuerwehr.

Aber wie entstand diese Idee?

Grundlage war meine Verärgerung über einen Radiobericht, in dem nebenbei gemeldet wurde, dass das Projekt Mare Nostrum eingestellt wird. Das ist eine kleine Nachricht, die so durchflimmert, die aber heftige Auswirkungen hat. Die Italiener haben ja Mare Nostrum nicht aus Spaß aus dem Boden gestampft. Die Italiener haben neun bis elf Millionen Euro pro Monat hineingesteckt, weil so viele Flüchtlinge da draußen waren. Irgendwann hat sich das Land an Europa gewandt und um finanzielle Unterstützung gebeten, aber die kam nicht. Niemand wollte sich beteiligen.

Die Crew der Sea-Eye. Allein im letzten Monat haben sich rund 170 Freiwillige gemeldet.

Die Crew der Sea-Eye. Allein im letzten Monat haben sich rund 170 Freiwillige gemeldet.

Stattdessen gab es eine Nachfolgeaktion von Europa – das Projekt Triton der Grenzschutzagentur FRONTEX. Das waren nicht mehr neun, sondern nur noch zweieinhalb Millionen Euro pro Monat. Das Einsatzgebiet wurde vor die Küste Italiens verlagert und die Mission hatte nichts mehr mit der Suche und Rettung von Menschen zu tun. De facto wurde ein wichtiges Projekt trotz der Rettung von ungefähr 180.000 Menschen einfach eingestellt. Das ist ein unvorstellbarer Vorgang. Ich habe mich darüber öfter mit einem guten Freund unterhalten. Wir kamen schnell zu dem Schluss, dass es nichts hilft, nur zu quatschen und sich aufzuregen, sondern dass wir etwas tun müssen. Eine Woche später war die Idee geboren, ein Schiff zu besorgen und da hinunter zu fahren. Dafür haben wir einen Verein gegründet und so hat die Sache immer mehr Fahrt aufgenommen.

Wie viele Leute sind in dem Verein aktiv?

Es gibt etwa 50 Mitglieder, die wirklich unterschrieben haben. Aber mit Crew und Leuten, die sonst noch mitarbeiten sind wir über 200. Da ist von der 20jährigen Rasta-Frau bis zum 76jährigen Professor Dr. Dr. alles dabei. Und da kommen auch nicht irgendwelche Quatscher, die mal rumprobieren und diskutieren wollen. Wer da mitmacht, hat sich mit der Sache auseinandergesetzt und schiebt an. Anders ginge es auch nicht.

Sie sind für das Projekt auf Spenden angewiesen. Von 250.000 Euro ist die Rede. Wofür wird das Geld gebraucht?

Das ist das unterste Niveau der Kosten, die wir für den Betrieb bis Ende Oktober brauchen. Das ist Sprit und was sonst alles so dran hängt. Das Schiff ist da gar nicht dabei. Aber der reine Betrieb kostet pro Tag 1.000 bis 1.500 Euro. Obwohl alle ehrenamtlich arbeiten. Es gibt niemanden, der einen Cent kriegt. Es werden keine Flüge oder Anreise bezahlt. Das übernehmen die Leute alles selber.

Die Sea-Eye war bislang zwei Mal in Zusammenhang mit der Rettung von Flüchtlingen in den Schlagzeilen. Was ist da genau passiert?

Ich fang mal von ganz vorne an. Es gab einen Plan, nach dem wir zum 20. April starten wollten, aber wir waren einen Monat früher als geplant in Sizilien, weil die Fahrt von Sassnitz, wo die Sea-Eye vorher lag, problemloser klappte, als wir dachten. Bei unserer dritten Mission gab es dann drei konkrete Einsätze. Beim ersten ging es nur darum, Menschen zu suchen, die über Bord geworfen wurden. Ich sage deshalb „nur“, weil das völlig aussichtslos war. Es war ein hilflose Suche, bis es irgendwann dunkel wurde. Es gab nie eine Überlebenschance für Menschen ohne Rettungsweste, die nicht schwimmen können, acht Stunden nachdem sie über Bord geworfen wurden.

Woher wussten Sie, dass Menschen über Bord geworfen wurden?

Es wurde ein Flüchtlingsboot aufgegriffen und die Geretteten haben das bei ihrer Bergung erzählt. Dann wurden wir alarmiert. Es hätte ja sein können, dass sich irgendwer an einem Kanister festhalten kann oder irgendsoetwas, aber dem war nicht so.

"Menschenverachtende Geschäftemacher": Mit dem Schlauchboot durch Zwei-Meter-Wellen.

„Menschenverachtende Geschäfte“: Mit dem Schlauchboot durch Zwei-Meter-Wellen.

Dann war zwei Tage das Wetter so, dass keine Flüchtlingsboote starten konnten. Das geht nur bei Südwind. Und dann gab es eine Nacht, in der ein bisschen Südostwind angesagt war. Das ist eine potentielle Möglichkeit, für Schleuser, um die Boote los zu schicken. Zwar war am Morgen die See so hoch, dass wir ausgeschlossen haben, dass da Boote sind. Aber tatsächlich kam dann eine Meldung rein.

Woher kommen solche Meldungen? Wie muss man sich das vorstellen?

In diesem Fall vom MRCC Rom, das ist das Seenot-Einsatzzentrum in Rom, das sich ehrenamtlich um dieses Seegebiet vor der afrikanischen Küste kümmert. Die haben ein Boot geortet. Wir kamen etwa zeitgleich mit der Sea-Watch (das erste solche Projekt aus Berlin) an, die das erste Boot geborgen hat. Und es gab dann sofort eine neue Suche, weil ein zweites Boot gemeldet wurde. Das wurde aber dann wesentlich weiter südlich gefunden, als dort, wo wir gesucht haben und wo es laut den zwei Positionsmeldungen, die es gab, hätte sein müssen. Da kam uns recht schnell der Gedanke, dass es sich dabei um ein anderes Boot gehandelt hat und dass es noch eines geben muss. Wir haben unsere Suche bis in die Nacht fortgesetzt, aber nichts gefunden. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass es dennoch ein drittes Boot gab, das einfach gesunken ist.

In der Presse wurden Sie für diesen Einsatz gefeiert.

Ja. Da haben wir überschüssig Lorbeeren bekommen, obwohl wir an der Rettung selbst gar nicht beteiligt waren. Wir hatten einen gesunden Respekt vor dem Moment, in dem wir selbst die Rettung übernehmen müssen. Und bei unserer nächsten Mission, bei der ich nicht an Bord war, ist das dann auch passiert. Da wurde von der Sea-Eye zufällig ein Boot gesichtet. Das wurde mit Rettungswesten, Decken und Wasser versorgt, bis nach ungefähr drei Stunden die Dignity I eingetroffen ist, ein Schiff von Ärzte ohne Grenzen, das in der Lage ist, viele Menschen aufzunehmen.

Ihre Mission sieht ja vor allem das Suchen von Booten und deren Begleitung vor, bis größere Schiffe kommen, um die Menschen aufzunehmen. Aber wie viele Menschen könnten Sie im Notfall an Bord nehmen?

Das wissen wir nicht. Wenn unser Schiff ein Flüchtlingsschiff wäre, das Schleuser losschicken, dann hätten 500 Platz. Aber wir wollen ja niemanden umbringen. Wir wollen, dass die Leute überleben. Bei gutem Wetter 100, bei schlechtem 30. Am Ende ist es eine Frage der Situation.

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Wie muss man sich das vorstellen? So eine Mission? Fährt das Schiff jeden Tag raus?

Das Schiff ist zwei Wochen da draußen. Die Entfernung von Malta ins Zielgebiet sind ungefähr 350 Kilometer. Im besten Fall fährt man 24 Stunden, im Normalfall 32. Das Schiff bleibt dann 13 Tage vor Ort. So lange reichen Sprit, Wasser und Verpflegung. Dann wird zurückgefahren, aufgetankt und die Crew gewechselt. Dann geht es wieder zurück ins Zielgebiet.

Sie haben vorhin die Schleuser angesprochen. Wie sehen Sie deren Rolle? Gibt es da auch Fluchthelfer im positiven Sinne?

Nein. Auf dieser Route nicht. Ich glaube, dass Krieg nicht so gefährlich ist wie diese Überfahrt. Ich habe ein mit 60 Leuten besetztes Schlauchboot in zwei Meter hohen Wellen gesehen. Da waren Frauen dabei und ein zweijähriges Kind, denen irgendein Arschloch ein Ticket in den Tod verkauft hat. Wer Menschen dieser Situation aussetzt ist kein Fluchthelfer, sondern ein Mörder. Wenn ein gewisser Sinn für Menschlichkeit da wäre, könnte man so ein Schlauchboot auch mit 40 Menschen besetzen. Wenn jemand ein Schlauchboot kaufen kann, dann wäre er auch in der Lage, die Nägel aus dem Holzboden zu ziehen. Nach allem, was ich gesehen habe, ist es deutlich erkennbar, dass das menschenverachtende Geschäfte sind.

Eine schwangere Frau wird an Bord der Sea-Eye versorgt.

Eine schwangere Frau wird an Bord der Sea-Eye versorgt.

Die Todesrate lag letztes Jahr bei 1 zu 52 – ohne Dunkelziffer. Die ist nicht messbar. Darüber hat meiner Meinung nach keiner eine Ahnung. Das MRCC Rom hat einmal gesagt, dass im letzten Jahr kein Boot verschwunden ist. Das stimmt auch aus deren Sicht. Ein Boot, das einmal geortet wurde, wird irgendwann gefunden. Die Menschen leben dann entweder noch oder sind ertrunken. Aber man bekommt auf hoher See nicht alles mit.

Es gibt Boote, die nie einen Notruf absetzen konnten, welche, die innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone gekentert sind, es gibt welche, die bei zu schlechtem Wetter draußen waren, welche, die von rivalisierenden Schleusern versenkt wurden – auch das passiert. Von denen hört man nie etwas. Die wurden nie geortet.

Die Sea-Watch hat letztes Jahr 40 Prozent aller Boote per Sichtkontakt gefunden und nicht über einen Seenotruf. Oder wie in unserem Fall mit dem dritten Boot. Das taucht nie wieder auf. Da wird nie jemand erfahren, ob es das gab und wie viele Menschen das waren.

Wie gut wissen denn die Flüchtlinge in den Booten überhaupt Bescheid? Haben die überhaupt ein Satelliten-Telefon dabei, um einen Notruf absetzen zu können? Woher kennen sie den Kurs?

Das ist alles spekulativ. Es gibt Boote, die sich sehr gut auskennen. Es gibt privilegierte Boote mit weniger Menschen und stabileren Verhältnissen. Viele wissen aber überhaupt nichts und kommen in völlig überfüllten Booten.

Nur ein Beispiel, damit man sieht, wie das läuft: Es tauchen ganz viele Leute mit gebrochenen Handgelenken auf. Das kommt daher, dass man ihnen beim Transport zum Schlauchboot die Hände zusammengebunden hat, damit es keinen Ärger gibt, wenn die Boote dann schnell besetzt werden. Sie werden in einem Containerlaster an den Strand gefahren, raus gestoßen und viele brechen sich dabei die Handgelenke. Die Leute wissen eben nicht, was sie erwartet.

Versorgung eines Schlauchboots mit Wasser und Rettungswesten: "Viele wissen nicht, was sie erwartet."

Versorgung eines Schlauchboots mit Wasser und Rettungswesten: „Viele wissen nicht, was sie erwartet.“

Viele kennen das Wasser gar nicht.Vielen wird gesagt: „Fahr zum Licht. Das ist Europa.“ Dabei ist das eine Bohrinsel, die kurz vor Libyen im Wasser steht. Mit dem Notruf ist es so: Wenn es ein funktionierende Regierung gibt, dann funktioniert die Küstenwache. Da versuchen die Boote im Schutz der Dunkelheit möglichst unerkannt die Zwölf-Meilen-Zone zu verlassen, weil sie erst dann nicht mehr verfolgbar sind. In der Zeit ist ein Satellitentelefon kontraproduktiv. Das kann man orten.

Es gibt Leute, die werden ganz ohne Telefon losgeschickt und es gibt welche, die von Anfang an telefonieren können, weil es – aus welchen Gründen auch immer – kein Problem ist. Manchmal rufen auch Schleuser an und teilen mit, dass sie ein Boot losgeschickt haben mit der ungefähren Position.

Haben Sie mit Gegenwind oder negativem Feedback für Ihre Mission zu kämpfen?

Natürlich gibt es E-Mails oder irgendwelche Kommentare im Internet. Und es ist hässlich, wenn irgendwelche Briefe bei meiner Privatadresse aufschlagen, wo meine Familie wohnt. Aber irgendwelche besoffenen Nazis, die vorm Rechner sitzen, können wir verkraften. Was viel Arbeit gekostet hat, war die enorme Bürokratie, die es in Deutschland gibt, gerade wenn man etwas Außergewöhnliches macht, für das es kein Formular gibt. Aber das ist kein Gegenwind, das sind einfach hohe Hürden.

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Gegenwind gibt es auch nicht von Leuten, die bei uns mitmachen oder die sich vor Ort engagieren. Alle die dort sind, wie SOS Méditerranée, die Sea-Watch oder Ärzte ohne Grenzen verstehen und vertrauen einander blind. Dann gibt es die Offiziellen. Das sind FRONTEX, die EU NAFOR med (eine multinationale Militäroperation der EU, Anm. d. Red.) und das MRCC Rom. Das MRCC Rom steht uns sehr positiv gegenüber. Militär und FRONTEX noch. Da weiß man nicht, wie sich die Situation entwickelt. Die haben ja nur die Aufgabe, Schleuser zu eliminieren und die Flüchtlingswelle zurückzudrängen. Wir haben etwas anderes im Sinn.

Sie haben diese Mission angestoßen, Sie waren selbst an Bord der Sea-Eye und haben schon Einiges dabei erlebt und gesehen. Wie geht es Ihnen dann, wenn Sie die Diskussionen über die Flüchtlingspolitik in Deutschland verfolgen?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Von Vereins wegen setzen wir uns mit diesem Thema nicht auseinander und äußern uns dazu nicht. Wir haben einen Verein, um Menschen aus Seenot zu retten. Punkt. Dabei wollen wir es belassen. Uns eint, dass wir die Leute nicht ertrinken lassen wollen und da gibt es unterschiedlichste Facetten, was die innenpolitische Diskussion betrifft.

Und was ist mit Ihnen persönlich?

Wenn wir sagen, wir retten Flüchtlinge vor der Küste, dann kriegt man tatsächlich öfter als Antwort: „Ja, wo sollen wir denn die hin tun? Die haben doch gar kein Bleiberecht bei uns. So kann es doch nicht weiter gehen.“ Das ist niederschmetternd. Irgendwie ist es so, als würden die Leute gar nicht kapieren, was sie sagen. Sollen wir die jetzt ersaufen lassen oder was? Das ertrage ich nicht. Weil wir vergessen, dass wir über andere Menschen diskutieren. Weil wir sehr viele Grundwerte einfach so über Bord werfen. Weil die Leute bewusst ihre Bildung ablegen, sich bewusst nicht weiter informieren und bewusst nicht mit Flüchtlingen in Kontakt treten, sondern lieber schimpfen.

Die Sea-Eye auf hoher See.

Die Sea-Eye auf hoher See.

Das gebührt uns einfach nicht bei unserem Entwicklungsstand. Die gleichen Leute können sich über die Pixelanzahl von ihrem Flachbildschirm informieren, aber die Information die aus dem Ding rauskommt, soll ihnen plötzlich zu hoch sein? Da traue ich den Menschen schon mehr zu. Die kapieren alles. Die wollen nur nicht. Ich will die Probleme und Aufgaben, die auf uns zukommen, gar nicht kleinreden. Aber das wird man nicht lösen mit einer Scheißhaus-Aussage wie: „So kann es doch nicht weiter gehen.“

Man muss kein Fan der europäischen Integrationspolitik sein oder von irgendwelchen Verteilungsschlüsseln. Aber ich erwarte eine konstruktive Kritik, ich erwarte, dass man mit anpackt. Und das lohnt sich auch. Ich habe noch nie so viele tolle Leute kennengelernt wie mit dem Projekt Sea-Eye. Da arbeitet jeder mit. Ich würde es sofort wieder machen.

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Kommentare (16)

  • joey

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    nein, nicht ersaufen lassen. Seenotrettung ist humanitäre Pflicht und kann auch nicht eingeschränkt werden.

    Man muß aber schon Folgefragen stellen. Ziel muß sein, die Quelle des Problems auszutrocknen. Das hat mit Nazi nichts zu tun, das ist einfach nur bürgerliche Vernunft und humanitäre Vorsorge.

  • Mr. T

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    Sicher müssen die Fluchtursachen eliminiert werden. Das ist aber keine Alternative zur Hilfe für die Zuflucht Suchenden. Es muss zusätzlich passieren. Wenn ein Haus brennt, kommt die Feuerwehr auch zum Löschen und sitzt nicht im Floriansstüberl und denkt sich einen besseren Brandschutz aus.

  • Bernd

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    Danke, Herr Buschheuer. Eine sehr mutige Aktion. Respekt!

  • joey

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    @Mr. T
    um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: da laufen Verbrecher rum, die Hausbesitzern erzählen, sie würden ein neues schöneres Haus von der Feuerwehr kriegen.
    Bisher geht die Rechnung oft auf, wenn nicht, macht es den Verbrechern nichts, weil sie die 5000 pro Person schon haben und immer noch genügend Leute im gewünschten Land ankommen, um nach Hause zu telefonieren und neue „Flucht“ auszulösen.

    Zwischendurch nochmal Herr Buschheuer gelobt, aber die angebliche Politik der unbegrenzten Aufnahme in D bemüht sich, ihm noch mehr Arbeit zu machen. Die deutsche Regierung verwendet in verlogener Weise das Mittelmeer als Hindernis, welches man überwinden muß, um überhaupt einen Antrag stellen zu können, sonnt sich aber in glorioser Humanitätsgeste – übertroffen nur noch von Obama.

  • Mr. T

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    Der Grund zur Flucht wird wohl weniger die Aussicht auf ein schöneres neues Haus sein als vielmehr die Tatsache, dass das alte Haus zusammengebombt wurde – gerne auch mit deutschen Waffen.

  • joey

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    @Mr. T
    deutsche Waffen – gähn. Südlich der Sahara wird recht wenig gebombt. G3 werden in Saudi Arabien nachgebaut, MG3 in Pakistan. Deutsch ist ja auch das Schwarzpulver? Als Mordgerät reicht in der Regel auch ein jugoslawischer AK47 Nachbau.

    Fluchtgrund ist die Chancenlosigkeit der Söhne der Mittelschicht, die Töchter fragt keiner.

  • thomas

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    …RESPEKT

  • Mr. T

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    Abgesehen davon, dass so etwas ein größenwahnsinniger Eingriff in die Natur mit unabsehbaren Folgen wäre, kann ich mir nicht vorstellen, dass man mit solchem Kolonialdenken Frieden stiften kann: „Bildung und Technik Europas gegen Rohstoffreichtum und billige Arbeitskraft Afrikas, so hatte er sich die Rollenverteilung vorgestellt. Auch hätten die Afrikaner einen Teil ihres Lebensraums zugewanderten Europäern überlassen sollen.“

  • Lothgaßler

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    Die Leute um Sea-Eye machen klar, dass niemand in ihrem Namen ertrinken muss. Dabei interessiert sie nicht, aus welchen Gründen diese Leute wissentlich oder unwissentlich ihr Leben aufs Spiel setzen.
    Die Seenotrettung ist zwar eine Aufgabe aller auf See fahrender Schiffe, aber in Anbetracht der Situation sehe ich die reichlich vorhandene Militaria-Flotte der EU in der Verantwort. Diese Schiffe sind hochseetüchtig, verfügen über fantastische Möglichkeiten der Aufklärung und werden von Profis geführt. Ich hoffe den Freiwilligen der Sea-Eye passiert nichts.
    Die politische EU will diese Flüchtlinge nicht in Europa haben. Die meisten Bürger der EU sehen auch keinen Sinn diese Flüchtlinge nach Europa zu lassen. Das ist auch der Grund dafür, weshalb die europäisch organisierte Seenotrettung für Bootsflüchtlinge gelinde gesagt unzureichend ist. Eine pragmatische Lösung wäre es diese Bootsflüchtlinge nahe der afrikanischen Küste abzufangen und zum Ausgangspunkt der Bootsfahrt zurück zu schleppen. Den Fluchtwilligen in Afrika muss klipp und klar gesagt werden, dass Lage und Stimmung in Europa einer erfolgreichen Immigration im Wege stehen. Zielführender als Grenzsicherung und Auffanglager zu finanzieren wäre es die Zusammenarbeit mit Ländern neu auszurichten, um dort die Lebensbedingungen ohne wirtschaftliche und „geopolitische“ Hintergedanken zu verbessern. Dazu müssten wir Europäer aber bereit sein zu teilen, Maß zu halten und wir müssten Menschenrechtsverletzungen effektiv verfolgen. Daran glaube ich inzwischen nicht mehr, wir sind gefangen in einer auf Wirtschaftserfolg ausgerichteten Welt, und in der ist des einen Gewinn des anderen Verlust. Ich befinde mich diesbezüglich in einer desillusionierten und frustrierten Grundstimmung.

  • joey

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    @Lothgaßler
    gebe Ihnen ganz recht – aber beim Thema Wirtschaftspolitik muß ich klar widersprechen: „des einen Gewinn des anderen Verlust“ – das wäre ja schlichter Raub.

    Nein, ich bin kein Räuber, auch nicht meine Nachbarn und Freunde, die arbeiten und durch die Produktivität dieser Arbeit Werte schaffen. Ich plane Gebäude, u.a. Wohnungen, die anständigen Arbeiter auf der Baustelle (viele Migranten) bauen die, um mit dem „Wirtschaftserfolg“ z.B. ihrer Schwester das Jurastudium in Belgrad zu finanzieren oder der Mutter im bulgarischen Dorf eine Prothese.

    Einige Askeseprediger (Greenpeace … Kirchen) wollen uns Schuldgefühle einreden, weil wir dann den Konsumverzicht auf deren Konten spenden sollen.

    Die Migranten teilen gar nicht, im Gegenteil wird in Familie und Clan viel Geld eingesammelt, um dem Sohn des Häuptlings die Reise zu ermöglichen – eine Investition. Das Geld steht dann nicht mehr in der Herkunftsregion zur Verfügung, es geht unter anderem in den Waffenhandel, um die NafriKüste militärisch kontrollieren zu können… um andere „Reiseveranstalter“ ausschalten zu können. Da ist des einen Gewinn des anderen Verlust.

    Nur Mut: in den Schwellenländern geht der Raubbau nicht ewig weiter – irgendwann merkt jeder chinesische Parteifunktionär, daß er den eigenen Ast sägt. Auch Frauenrechte wachsen in Indien… auch in Arabien. Die politische Evolution geht überall einher mit wirtschaftlicher Entwicklung. Leider auch mit Rückschlägen. Die Verhältnisse erscheinen mir aber heute besser als vor 50 Jahren.

    Europa ist das Erfolgsmodell: Kreativität durch Vielfalt und Bürgerrechte. Sicherheit und Ordnung – auch sozial und ökologisch. Die Araber als Inbegriff der Fossilwirtschaft können sich alles kaufen (Merkel, Gabriel, Panzer, FAZ…), nur keinen geistigen Erfolg. Sie kriegen immer nur das, was wir Ihnen vordenken. Weiter so.

    Die Söhne sollen nicht nach Deutschland kommen, eine Wasseraufbereitung im Dorf und eine Schule für Mädchen wäre besser. Soziale Verantwortung muß auch für Häuptlingssöhne in Afrika gelten.

  • Ronald McDonald

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    Die DGSE ist auch nicht mehr das, was sie mal war: Mme. Marianne ist derzeit derangiert, sonst würde der Sea-Eye das Auge geschlossen werden.

  • David

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    Zum internationalen Seerecht: auch innerhalb der 3-Meilen-Zone eines Landes darf Hilfe geleistet werden. Diese Hilfe ist nicht definiert als Überbringen der Menschen in ein weit entferntes europäisches Land. Außer man möchte absichtlich ein anderes Land fluten.
    Auf der Welt gibt es Milliarden armer Menschen. Jedes Jahr (!) kommen ca. 8 Millionen hinzu. Selbst wenn wir diese „neuen“ 8 Millionen aufnehmen würden, ändert das bei den restlichen gar nichts.
    Warum wird hier eine hochgradig überteuerte Flüchtlingsindustrie inszeniert? Mit diesem Geld könnte man vor Ort einem Mehrfachen an Menschen helfen und gleichzeitig deren Wirtschaft, und nicht unsere, unterstützen.
    Eine „Flüchtlingsindustrie“ kann man an jedem Ort der Welt aufbauen, der nicht bombardiert wird. Solche Orte gibt es durchaus auch in Syrien, dem Irak, Afghanistan und noch mehr davon in Nordafrika und im übrigen Afrika.
    Alles andere ist für mich humanitäre Heuchelei.

  • Mr. T

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    David, das ist keine Alternative zur Rettung – nur eine dumme Ausrede, um nicht retten müssen zu wollen. Wie ich oben schon geschrieben habe. Zuerst muss das Feuer gelöscht werden, dann man sich drum kümmern, dass es nicht mehr brennt.

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