Diskussion zu den Domspatzen

Ein Mehltau von Feigheit

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Eine Podiumsdiskussion zu den Regensburger Domspatzen zeigt: Es fehlt weiter an der Fähigkeit oder am Willen, Fehler und Verantwortliche klar zu benennen – auch im Regensburger Presseclub.

Unvollständiges Podium: Ludwig Faust, Rudolf Neumaier, Moderator Gerhard Schiechl um Dochchormanager Christof Hartmann. Das Bistum weigerte sich, einen Vertreter zu schicken. Fotos: as

Unvollständiges Podium: Ludwig Faust, Rudolf Neumaier, Moderator Gerhard Schiechel um Dochchormanager Christof Hartmann. Das Bistum weigerte sich, einen Vertreter zu schicken. Fotos: as

„Und der Meier war eine…ich sag das jetzt nicht“, erklärt Ludwig Faust vom Podium aus. Aber bevor er zu Ende sprechen kann, wird aus dem Publikum bereits mehrfach das Wort „Drecksau“ ergänzt. Gerade wird über Johann Meier gesprochen, den exzessiven Gewalttäter, der bis 1992 die Domspatzen-Vorschule in Etterzhausen und Pielenhofen leitete und von dem sich die Domspatzen erst kürzlich distanziert und ihm die Ehrenmitgliedschaft aberkannt haben. Der international bekannte Chor kämpft um sein Image, Gymnasium und Internat mit stetig sinkenden Schülerzahlen. Und am Donnerstag sitzt man nun zusammen im Regensburger Presseclub, um, wie es in der Einladung heißt, Antworten auf die Frage zu finden, „warum die Ereignisse von damals die Gegenwart so massiv überlagern“.

Widerstand vom bischöflichen Pressesprecher

Spielte trotz Abwesenheit erneut eine unrühmliche Rolle: Bistumssprecher Clemens Neck. Foto: Archiv/ as

Spielte trotz Abwesenheit wieder einmal eine unrühmliche Rolle: Bistumssprecher Clemens Neck. Foto: Archiv/ as

Das Bistum hatte es im Vorfeld dezidiert abgelehnt, jemanden zu schicken. Dass mit Chormanager Christof Hartmann, der neben Faust und dem SZ-Redakteur Rudolf Neumaier auf dem Podium sitzt, wenigstens ein offizieller Vertreter der Domspatzen gekommen ist, musste gegen den Widerstand des bischöflichen Pressesprechers Clemens Neck durchgesetzt werden.

Es gehört wohl alles zu diesem „Mehltau“, wie es eine BR-Journalistin aus dem Publikum irgendwann bezeichnet, zu diesem Unwillen oder einfach der Unfähigkeit, tatsächlich offen und ehrlich über Gewalt und Missbrauch an den Einrichtungen der Domspatzen zu sprechen, Fehler einzugestehen und Verantwortliche für das Vertuschen und Verharmlosen gerade in jüngerer Zeit offen zu benennen.

Auch das Podium im Presseclub hat damit so seine Probleme und dass es überhaupt passiert, ist am Donnerstag insbesondere der Anwesenheit von Michael Sieber und Udo Kaiser zu verdanken, zwei Ex-Domspatzen, die seit Jahren gegen das Verschweigen angekämpft haben und die überraschend und ohne Einladung erschienen sind.

„Unkultur des gnadenlosen Prügelns“

Ludwig Faust: „Das hatte nichts mit Watschn zu tun, wie man sie damals manchmal gewohnt war.“

Ludwig Faust: „Das hatte nichts mit Watschn zu tun, wie man sie damals manchmal gewohnt war.“

Dabei gibt es in einem Punkt weitgehende Einigkeit: Dass am heutigen Domspatzen-Gymnasium und Internat noch solche Zustände herrschen, wie sie Aufklärer Ulrich Weber bis hinein in die 80er und 90er, in Einzelfällen sogar bis in die 2000er Jahre festgestellt hat, glaubt kaum einer. Faust, der 1964 zu den ersten Zöglingen von Domkapellmeister Georg Ratzinger gehörte, und Neumaier, der bis 1991 bei den Domspatzen war, sprechen insbesondere die Zustände an der Vorschule in Etterzhausen und Pielenhofen auch offen an. Eine „Unkultur des gnadenlosen Prügelns“ habe dort geherrscht, so Faust. „Das hatte nichts mit Watschn zu tun, wie man sie damals manchmal gewohnt war.“

Neumaier kritisiert auch die „eklatant desolate Weise“, in der es 2010 versäumt wurde, mit dem Vorwürfen umzugehen. „Das, was jetzt diskutiert wird, war schon damals alles da.“ Verantwortlich dafür sei aber in erster Linie die Bistumsführung.

Der Chormanager auf Werbetour

Domchormanager Hartmann kommt derweil die Rolle zu, in teils ermüdender Länge die Vorzüge des heutigen Gymnasiums und Internats vorzustellen. Mehrfach wiederholt er sich, selbst wenn Fragen zu ganz anderen Themen gestellt werden, fabuliert er sich stets zielgenau wieder zu diesem Punkt oder erläutert die neue Werbestrategie, mit der man den sinkenden Schülerzahlen entgegenwirken will. Es fällt auch der altbekannte Satz, dass man die jetzige Aufklärung vollumfänglich begrüße und tatkräftig unterstützen wolle.

Chormanager Hartmann: „Aufarbeitung und Aufklärung steht außerhalb unserer Kommentierung.“

Chormanager Hartmann: „Aufarbeitung und Aufklärung steht außerhalb unserer Kommentierung.“

Als Hartmann sich irgendwann mit den Worten „Lieber Udo“ an Kaiser wendet, erwidert dieser: „Sag bitte nicht ‚lieber‘. Ihr habt 2010 nichts gemacht, um uns zu unterstützen. Wenn ihr damals mehr Courage gehabt hättet, dann hätten wir das heute hinter uns.“

Doch tatsächlich war damals von Domspatzenseite nichts zu hören – außer Medienschelte angesichts der angeblich undifferenzierten Berichterstattung. Entsprechende Ausführungen von Schulleiter Berthold Wahl kann man in den damaligen Jahresberichten nachlesen. Auch die ARD-Doku „Sünden an den Sängerknaben“, welche 2015 die derzeit stattfindende Aufklärung maßgeblich ins Rollen gebracht hatte, wurde von Domspatzenseite zunächst massiv attackiert. Bis heute finden sich entsprechende Schreiben von Elternbeirat und SMV auf dem Internetauftritt der Schule. Eine Einladung an die darin angegriffene Filmemacherin Mona Botros, sich doch einmal vor Ort ein Bild von den heutigen Domspatzen zu machen, entpuppte sich als leere Floskel.

„Es braucht tatsächliche Offenheit und nicht nur Positivpropaganda.“

„Uns sind die Hände gebunden“, versucht Hartmann das zu rechtfertigen. „Es wurde festgelegt: Die Pressearbeit läuft über den Generalvikar und die bischöfliche Pressestelle.“ 2016 aber habe der Stiftungsvorstand gefordert, sich selbst äußern zu dürfen. „Aber Aufarbeitung und Aufklärung steht außerhalb unserer Kommentierung.“

Er könne sich nur zur Zukunft und aktuellen Ausrichtung der Domspatzen äußern. Als Hartmann erneut damit beginnen will, die Vorzüge des Gymnasiums aufzuzählen, wird im Publikum vernehmlich geraunt. „Das haben wir jetzt schon drei Mal gehört.“ Michael Sieber sagt an den Chormanager gerichtet: „Es hätte nicht geschadet, wenn ihr gesagt hättet: Wir haben Fehler gemacht, aber eure Strategie war Aussitzen.“ Dieses Verhalten lasse ihn nach wie vor skeptisch sein. „Es braucht tatsächliche Offenheit und nicht nur Positivpropaganda.“

„Ratzinger war feige. Und er ist immer noch feige.“

Rudolf Neumaier: "Vielleicht sollten die Domspatzen aus der Kirche austreten."

Rudolf Neumaier: „Vielleicht sollten die Domspatzen aus der Kirche austreten.“

Kontrovers geht es auch zu, als Neumaier, der wegen seiner Berichterstattung zu Gewalt und Missbrauch manch anderen Domspatzen als „Nestbeschmutzer“ galt, hartnäckig darauf besteht, dass die Vorschule in Etterzhausen/ Pielenhofen auf der einen und Gymnasium und Internat in Regensburg auf der anderen Seite zwei völlig voneinander getrennte Systeme gewesen seien, dass Schulleitung und Domspatzen-Stiftung keinen Einfluss auf das Prügel-Regime von Johann Meier gehabt hätten. „Warum hätten sie ihn denn sonst gewähren lassen sollen?“, fragt Neumaier immer wieder und irgendwann fast schon etwas hilflos, als er dafür von Kaiser und Sieber heftig kritisiert wird.

Am Ende räumt aber auch er ein, dass Georg Ratzinger zumindest Einfluss gehabt hätte. „Aber der war für so etwas taub.“ Ratzinger sei nie böse gewesen, ergänzt ein älterer Herr – ebenfalls Ex-Domspatz – aus dem Publikum: „Aber er war feige. Und er ist immer noch feige.“ Und auch Ludwig Faust bestätigt: „Jeder wusste, was dort passiert. Das Sytem war allen bekannt. Wenn der Ratzinger etwas gesagt hätte, wäre es damit vorbei gewesen.“

„Kirche lässt die Domspatzen im Regen stehen.“

Immer wieder kommt die Rolle des Bistums zur Sprache. Die Kirche lasse die Domspatzen jetzt im Regen stehen, sagt ein älterer Herr aus dem Publikum. Dort müssten endlich auch Fehler und Verantwortliche klar benannt werden.

„Vielleicht sollten die Domspatzen aus der Kirche austreten“, murmelt Neumaier auf dem Podium. Es soll ein Scherz sein, der auch für Gelächter sorgt, aber es klingt auch wie der Gegenentwurf zu einer anderen Forderung, die Professor Martin Balle, Herausgeber des Straubinger Tagblatts – eine dezidiert katholisch ausgerichtete Verlagsgruppe, bereits im März 2015 aufgestellt hatte und die beileibe nicht als Scherz gemeint war:

„Die Regensburger Domspatzen gehören aufgelöst. Das ist die einzig adäquate Reaktion auf so viel über Jahrzehnte hinweg zugemutetes Unrecht. Das wäre das adäquate Signal der Reue, mit dem das Bistum zeigen könnte, dass es aus dem christlichen Glauben heraus Mitleid und Reue kennt und in vollem Umfang ernst damit machen möchte.“

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Kommentare (19)

  • aucheinehemaliger

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    Chormanager Christoph Hartmann hatte den Spitznamen Hase.
    Der weiß bekanntlich von nichts. So, wie die anderen Ehemaligen auch, die heute im Kaff als Schulleiter, Lehrer, Chorleiter, Präfekten, Chortheologe , Geschäftsführer und im Verein “Freunde des Regensburger Domchors“ arbeiten. Nichts gehört, nichts gesehen und vor Allem nichts sagen. Das ist die Devise.

  • Lothgaßler

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    Der „Mehltau von Feigheit“ bzw. die praktizierte Vertuschung sind Beleg genug dafür, dass über Religion verankerte Parallelrechte in unserer Gesellschaft nichts mehr zu suchen haben. Die Kirche als Institution und Träger eines Parallelrechts behindert Aufklärung und Aufarbeitung, um sich selber vor den Konsequenzen zu schützen. Ich meine zu erkennen, dass die Kirche sich nicht zum Rechtsstaat bekennt und weiterhin ein Standesrecht (hier Kleriker, dort sündhaftes Kirchenvolk und noch weiter untenstehend Ungläubige) praktiziert, mit dem gegen Gleichheitsgrundsätze verstoßen wird. Die Taten mögen verjährt sein, auch wegen der kircheneigenen Vertuschung, aber aus der Welt sind sie nicht.
    Die Regensburger Domspatzen müssen wohl oder übel eine Zukunft jenseits der bischöflichen Vormundschaft suchen, denn dieser Vormund verweigert Verantwortung.

  • Angelika Oetken

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    Die als Feigheit empfundene Passivität der Verantwortlichen kann auch als Zeichen von Überforderung angesehen werden. Oder sie entspricht schlichtweg Angst. Denn auch wenn Rechtsanwalt Weber nach seinen Angaben bisher lediglich knapp sechs Dutzend der Geschädigten, die sich gemeldet haben zu den Opfern von Missbrauch zählt, so stehen dem doch die Schätzungen von Ehemaligen Domspatzen entgegen. Wonach mindestens jeder zweite der Schüler, die Etterzhausen/Pielenhofen und/oder das Domspatzeninternat besucht haben, in irgendeiner Weise in sexuelle Ausbeutung hineingezogen worden ist. Wozu explizit auch Übergriffe durch „Peers“ gehören. Für die solche Einrichtungen berüchtigt sind, denn sexuelle Experimente und Kontakte unter Gleichaltrigen zählen zu den ganz normalen Schritten in der psychosexuellen Entwicklung. Wird die aber gestört, vor Allem durch schlechte Vorbilder (übergriffige Erwachsene im Umfeld), Internierung und Abschottung oder in Folge von sexuellen Traumatisierungen durch Betreuungspersonal, mutiert das Kuscheln und Probieren untereinander leicht zu Missbrauch und Gewalt. Kurzum: die Kinder und Jugendlichen stellen nach, was sie sich von den Erwachsenen abgeguckt haben. Sex machen bedeutet dann, jemanden Anderen zu nötigen und zu benutzen. Oder ausgebeutet zu werden. Sowas prägt und führt auch dazu, dass viele der Opfer sich gar nicht als solche verstehen. Sondern die Erlebnisse herunterspielen. Auch wenn die Folgen hinterlassen, wozu z.B. Bindungsstörungen, sexuelle Probleme, Unruhe, Affektlabilität und Suchterkrankungen zählen. Ähnliches gilt für die Täter. Auch wenn diese Rolle längst nicht so negativ besetzt ist wie die des Opfers, da ein Missbraucher als „stark“ gilt. Schwächen zeigen zu können ist ja offenbar nicht unbedingt das, was im Wertekanon der Domspatzen ganz oben steht.

    Die meisten der Männer, die in der Vergangenheit und heute bei den Domspatzen arbeiten tragen Stallgeruch. D.h. sie sind bei den Domspatzen sozialisiert worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter ihnen einige Ehemalige befinden, die während ihrer Schul- bzw. Internatszeit auch sexuelle Ausbeutung, Missbrauch und sexuelle Gewalt erlebt oder ausgeübt haben ist groß. Bisher hat sich aber noch niemand aus der Gruppe der Domspatzenbelegschaft als Betroffener, geschweige denn als Täter zu erkennen gegeben. Was ich gut nachvollziehen kann. Dass die Domspatzen und das Bistum kein Ort sind, wo man sich einander mit solchen Dingen anvertrauen kann, liegt auf der Hand. Diese Einrichtung reagiert in typischer Weise. So wie es ExpertInnen wie Ursula Enders schon vor vielen Jahren beschrieben haben http://www.zartbitter.de/0/Eltern_und_Fachleute/6030_traumatisierte_institutionen.pdf

    Die Betroffenen und Mitbetroffenen, die bei den Domspatzen arbeiten und für die Einrichtung verantwortlich sind brauchen Hilfe, ihre Angehörigen auch. Das ist unübersehbar. Wer seine Traumatisierungen nicht aufarbeitet, läuft Gefahr sie an Anderen zu wiederholen. Zum Beispiel an (Ehe-)Partnern, Kindern, Kollegen, Schülern. Auch das Personal der Domspatzen verdient eine Chance auf einen Neuanfang, nachdem es seine Traumen aufgearbeitet hat. Das was Prof. Balle vorschlug, nämlich „Die Regensburger Domspatzen gehören aufgelöst“ wäre dafür eine Chance. Es ist menschlich, dass man manchmal erstmal gegen eine Wand laufen muss, bevor man einsieht, dass der eingeschlagene Weg der falsche ist und man sich einen neuen suchen muss.

  • Coffin Corner

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    Die Domspatzenverwaltung gegen das Ordinariat. Mir schwant nichts Gutes.

    Unter Herrn Müller wäre das sicher nicht passiert. Er hätte sie alle rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung abserviert.

  • joey

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    Balle ist doch selber auch so ein Heiliger: in seinen Zeitungen werden örtliche Skandale (auch gerichtlich festgestellter sexueller Mißbrauch an Schulen) schlicht verschwiegen, wenn es ihm oder seinen Freunden gerade so paßt.

    Wochenblatt oder pnp berichten in den Einzugsgebieten von Straubinger Tagblatt und Landshuter Zeitung immer wieder sehr interessante Dinge, die in der „großen“ Zeitung seltsamerweise gar nicht mal im Polizeibericht auftauchen.

    Berichte über sexuellen Mißbrauch schaden dem gesellschaftlichen Frieden in einer kleinen Stadt, man darf eine Schule, eine Institution nicht durch objektive Fakten schädigen, gell?
    Deswegen ist in Straubing ja auch immer alles in Ordnung, da herrscht kein solches Chaos wie in Regensburg!

  • menschenskind

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    joey schreibt: „Deswegen ist in Straubing ja auch immer alles in Ordnung, da herrscht kein solches Chaos wie in Regensburg!“

    Straubing ist in vielfacher Weise anders als die Städte der Umgebung.

    Straubing weist, als einer von recht wenigen ostbayerischen Orten, eine eigene Synagoge mit breithin akzeptierter, funktionierender jüdischer Gemeinde auf.
    Straubing hatte lange, und laut inoffiziellen Auskünften hat es immer noch, einen eigenen Sinti-Stadtteil („Hennenwöhrd“) mit ca. 300 Bewohnern.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Straubing/Archiv#Sind_die_Straubinger_Sinti_f.C3.BCr_Wikipedia_.27Luft.27.3F
    Straubing beherbergt innerhalb seiner Mauern einen der berüchtigtsten Knäste Bayerns. Sogar Münchner Ganoven sitzen dort ein.
    Die Straubinger Polizei besitzt eine eigene „politische Abteilung“, die sich allein mit rechtsextremistischer Kriminalität beschäftigt. Der Geschäftsstil dieser Beamten wird von Insidern als halb professionell, halb provinzlerisch beschrieben.
    Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger hielt sich nach Kriegsende zwei Jahre in Straubing auf und berichtet in ihrem berühmten Buch „Weiter leben. Eine Jugend“ über den besonderen Geist der Straubinger (Auch Regensburg, wo sie studierte, widmet sie mehrere Passagen.).
    Der Nationalsozialismus ist für Leute, die genau hinschauen, in zumindest einem Monument noch real anzutreffen. Das Hakenkreuz des steinernen Adlers an der Donau ist zwar weg, das scheußliche Viech aber noch da; bedrohlich und völkisch-nazistisch blickt es auf den Bürger des 21. Jahrhunderts herab.
    Im Gegensatz zum benachbarten, und nahezu gleichgroßen, Deggendorf gibt es in Straubing noch zwei richtig große Buchhandlungen mit Superangebot und obendrein ein gut bestücktes Antiquariat.

  • aucheinehemaliger

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    @Angelika Orten

    Der Auftritt Christoph Hartmanns hat gezeigt, dass sie keine weitere Chance mehr verdient haben. Das Kaff ist keine Einrichtung des Bistums, hätte also durchaus die Möglichkeit gehabt, eigenständig Aufklärung zu betreiben, hat sich aber jahrelang feige hinter dem “großen Bruder“ versteckt. Und dann hat er auch noch die Frechheit, mehrmals zu versuchen, die Veranstaltung zur PR für das ach so wunderbare neue völlig andere einfach unbeschreiblich tolle super duper coole hippe Internat mit Spitzenschule und Megachor zu nutzen. Wieder ein Schlag in das Gesicht der Opfer. Auflösen, ja; Neuanfang, nein.

  • Angelika Oetken

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    @aucheinehemaliger,

    Sie machen auf zwei wesentliche Dinge aufmerksam. Zum Einen darauf, dass die Kirchenfunktionäre dazu neigen, beim Umgang mit den Missbrauchsverbrechen, die sie zu verantworten haben, formale und soziale Zugehörigkeiten so auszulegen wie es ihnen gerade in den Kram passt. Einmal heißt es, die Domspatzeneinrichtungen seien unabhängig. Und Etterzhausen/Pielenhofen keine Einrichtung der Doomspatzen. Dann wieder meißelt man „Direktor der RBGB-Domspatzen Pielenhofen“ sogar auf die Grabplatte von jemandem, mit dem man angeblich nichts zu tun hatte. Siehe den sehr gut recherchierten Bericht von Robert Werner „Ein Steg über den gemeinsamen Domspatzensumpf“.
    Erinnert an den Umgang der Jesuiten mit ihrer Missbrauchskriminalität. Geht es um die Verantwortung des Ordens, dann sind plötzlich alle Täter und ihre Unterstützer souverän. Deshalb müsse man für deren Verbrechen auch nicht haften. Fragt man einzelne Ordensmitglieder, darunter auch besonders medienaffine, so können die sich plötzlich nicht zu dem äußern, was ihre Mitbrüder getan haben, geschweige denn irgendwelche Entscheidungen treffen. Denn schließlich bilde man eine enge Gemeinschaft. Und diese Taktiererei nutzen alle EntscheidungsträgerInnen der Katholischen Kirche. Zuletzt George Pell, Kardinal und Mitglied der Christian Brothers. Einem caritativ ausgerichteten Orden, über den seine Opfer gegenüber der Royal Commission schon 2014 zu Protokoll gegeben hatten, dass er Pädophilenringe beherbergt.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • peter sturm

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    ich glaube das bistum sorgt dafür, dass die domspatzen nie wieder einen guten ruf bekommen.
    lediglich eine auflösung und neugründung, etwas weiter weg von dieser institution, könnte wieder anerkennung bringen.

  • Angelika Oetken

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    Ja, @peter sturm,

    da haben Sie vermutlich Recht. Dabei hatte man ja schon wirklich ALLES versucht, um das Image der Domspatzen aufzupolieren. Bsp.: https://www.youtube.com/watch?v=K-3-HMvcAVA

    Sehr aufschlussreiches Filmchen übrigens, je nachdem welchen Blickwinkel man einnimmt.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Coffin Corner

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    @Angelika Oetken:
    Wirklich „toll“ das Filmchen.
    Da wird sozusagen die Bockwurst noch zum Phallussymbol.

  • Angelika Oetken

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    @Coffin Corner,

    ja im Grunde ersetzt der Film doch die Arbeit einer Unabhängigen Untersuchungskommission. Alles drin.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • HutzelWutzel

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    @Coffin Corner:

    Unter Herrn Müller wäre das sicher nicht passiert. Er hätte sie alle rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung abserviert.

    Genau so wäre es gekommen. Schade aber für den Vatikan, dem man mit der Regensburger Müllerschen Klage- und Durchsetzungswut eine Person schmackhaft gemacht hatte, welche das nun innehabende Amt allein schon aufgrund seines Charakters kaum zum Erhalt der RKK ausfüllen können wird.
    Wieder jemand, den man seit Beginn der 80er Jahre aus Deutschland im Vatikan „postierte“ und damit diesen weltweit dem Gelächter preisgibt. Man sieht: Gott macht bei der Hirtenwahl schon lange nicht mehr mit.

  • Coffin Corner

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    @HutzelWutzel:
    Müller hält sich für „von Gott selbst berufen“ wie er neulich kundtat.
    Ich halte seine Berufung für das Ergebnis von Kumpanei.

  • HutzelWutzel

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    @Coffin Corner:

    Nee, also bitte mal!
    Jeder Priester fühlt sich von Gott berufen. Er muß sogar angeben, dass er sich von Gott berufen fühlt, sonst wird es nichts mit der Weihe.
    Da frägt der Leiter des Priesterseminars symbolisch auch das Volk ob es damit einverstanden ist, bzw. äußert er dies gegenüber dem Bischof. Dann kann die Weihe gelingen.
    Was schließlich in manchen Fällen rauskommt sieht man.

    OK mit Müller. Fragen Sie mal ein paar Kirchendiplomaten ob die Müller zustimmen? ;-)
    Aber ehrlich: Wie bringt man einen Glaubenspräfekten wieder aus dem Vatikan raus, wenn die probaten Mittel der Vergangenheit einfach nicht mehr verwendet werden dürfen, und der Glaubenspräfekt wie schon sein Vorgänger außerhalb des Vatikan wohnt? ;-)
    Mainz-Finten darf sich freuen. Auch die haben für die Zukunft einen „Helden“ dem man nie ein steinernes Denkmal setzen wird.

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    […] Immerhin schafft es Wittenbrink, die mutlose Moderation des Intendanten etwas auszuhebeln und den üblich ausweichenden Formulierungen von Chormanager Hartmann etwas entgegenzusetzen. Der, Hartmann, ist seit 1969 „mit Leib und Seele“ bei den Domspatzen dabei und seit langem in leitenden Funktionen eingebunden. Aber Hartmann will nie von irgendetwas gewusst haben. Stets zog er sich bei öffentlichen Auftritten mit billigen Betroffenheitsbekundungen und angebliche… […]

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