1. Regensburger Weltausstellung

Endlich Weltliga!

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Diesen Montag fand die Eröffnung der „1. Regensburger Weltausstellung“ statt. Klaus Schwarzfischer (schwafi) und Hubert Lankes präsentierten im Namen ihres humoristischen Kunstgebildes „Touristifikation Regensburg“ eine spöttische Vernissage, die Retro- und Perspektiven insbesondere auf die städtische Kultur- und Baupolitik richtete. Eine etwas andere Liebeserklärung an die Stadt: Gar keine.

schwafi singt ein Loblied auf Regensburg. Foto: om

schwafi singt ein Loblied auf Regensburg. Foto: om

Nach dem Weltkulturerbetitel vor über zehn Jahren musste irgendwann selbstverständlich auch eine Weltausstellung nach Regensburg. Eine Nummer kleiner geht es nicht, soviel ist klar. Doch weil die städtischen Verantwortlichen offenbar entsprechende Bemühungen scheuen, mussten schwafi und Hubert Lankes mittels ihrer Touristifikation Regensburg das Heft selbst in die Hand nehmen. Nachdem im vergangenen Jahr der „Tourist-Guide: Regensburg in 3 Stunden“ erschienen war, musste Regensburg endlich auch auf die Weltbühne gehoben werden. Oder wie es bescheiden in der Ankündigung heißt: „London, Paris New York – und nun auch Regensburg“. Jawohl!

Natürlich unterscheidet sich die Regensburger Weltausstellung aber von den anderen großen Ausstellungen der Welt. Geht es für die schnöde Welt üblicherweise darum sich in einer dafür auserwählten Stadt zu präsentieren, dreht Regensburg den Spieß um und präsentiert sich seinerseits der Welt. Was wäre schließlich die Welt ohne Regensburg? Wie verarscht müssten sich die Touristen aus aller Herren Länder vorkommen, wenn sie am nördlichsten Punkt der Donau nur oberpfälzer Pampa erblicken würden?

Inszenierter und tatsächlicher Dilettantismus

Autor Schwafi und Fotograf Lankes haben deshalb eine Ausstellung konzipiert, die neben der Kultur- und Baupolitik insbesondere die Tourismusentwicklung in den Blick nimmt. Tourismus ist dabei gleichermaßen Start- und Zielpunkt ihres Werkes. Letzteres ist, nun, eine Mischung aus dadaistischem Blödsinn, gnadenloser Polemik und klug inszeniertem wie tatsächlichem Dilettantismus.

Form und Inhalt bilden hierbei eine Einheit, die dem Kitsch städtischer Vermarktungsstrategie mit kritischem Ernst und humorigen Seitenhieben begegnet. Eine eigene Regensburg-Hymne, Testimonials der diktatorischen, autokratischen und monarchistischen Herrscher dieser Welt (Schaidinger inklusive), ein multilinguales „Visual-Performance-Center“ – vieles hat die Touristifikation berücksichtigt.

Stadt unterstützt ihre Demontage

Wenn man den Begleitflyern Glauben schenken darf, tritt das Kuturreferat der Stadt Regensburg bei der Weltausstellung sogar als Förderer auf. Eine Stadt, die ihre eigene Demontage auch noch aktiv unterstützt und offenbar zumindest der Kunst einräumt, nicht Teil des hegemonialen Mantras der makellosen Weltkulturerbe- und Wirtschaftsstandortstadt sein zu müssen. Endlich mehr als Gedöns. Chapeau, Regensburg! Das ist irgendwie schon fast eine zu schöne Geschichte, um wirklich wahr zu sein.

Doch zurück zur Ausstellungseröffnung. Nach ein paar wenigen einführenden Worten des Restaurantbetreibers im Leeren Beutel, Winnie Freisleben, der den Anwesenden Wein und Wasser spendiert (Regensburg ist eine reiche Stadt), eröffnet schwafi die Ausstellung mit einem Kauderwelsch aus latinisiertem Fantasiedeutsch und bajuwarischem Englisch. Ein Nonsens sondergleichen, den die Touristifikation für die einzig wahre Ansprache an das einheimische wie auch auswärtige Welterbepublikum halten muss. Auf jeden Fall wünscht schwafi „a very warm welkamm to all kalas of skin“. Die knapp fünfzig Gäste scheinen sich auch irgendwie willkommen zu fühlen.

Bruckmadl trifft Bruckmandl

Teil der Ausstellung: Das saufende Bruckmandl. Foto: om

Teil der Ausstellung: Das saufende Bruckmandl. Foto: om

Passenderweise befindet sich unter den Gästen übrigens auch das von der Mittelbayerischen Zeitung relativ frisch gekürte und sogenannte „Bruckmadl“ (und Bischofshof-Bierprinzessin a.D., Konkubine eines röchelnden Konservators abendländischer Werte a.D.), das sich sonst an einer Reling räkelt, um den neusten T-Shirt-Gag des mittlerweile neben einer Zeitung auch weiteren Grusch verkaufenden Medienhauses zu präsentieren.

Mehr Kitsch geht überhaupt nicht und es muss eine große Ehre für die Weltausstellung sein, ein solch hohes Repräsentationsorgan und eine Ausgeburt der folkloristisch-frömmelnden und kommerzialisierten Regensburger Verklärungsstrategie willkommen zu heißen. Zu schön ist in diesem Zusammenhang das Plakat der Weltausstellung „Trinkkultur fördern“, auf dem das männliche Pendant, Bruckmandl, in „Säuferpose“ in Richtung Dom blickt. Mei, so schee.

Mancher Witz verpufft

Die 1. Regensburger Weltausstellung besteht in der Hauptsache aus solchen Plakaten und sogenannten „2D-Pavillons“. Diese sind überwiegend gelungen, auch wenn es den kurzen Kommentaren gelegentlich an Pointenreichtum fehlt. Trotz teilweise überragender Beobachtungsgabe und fabelhafter Ideen, ist mancher Witz vorhersehbar, bemüht und/oder verpufft allzu leichtfertig. Ein Beispiel: Ein Bild abgesägter Bäume bei den Rodungsarbeiten an der Ecke Protzenweiherbrücke/Frankenstraße. 

Manchmal wird der Witz gerodet, bevor er überhaupt gepflanzt wird. Foto: om.

Manchmal wird der Witz gerodet, bevor er überhaupt gepflanzt wird. Foto: om.

Der Kommentar:

„Die Landesgartenschau kommt! Schon im Mai 2056 fällt möglicherweise der Startschuss für die Regensburger Landesgartenschau. In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Fürstenhaus gelang es, das ökologisch hochsensible Pürkelgut-Areal aus seinem Dornröschenschlaf zu küssen und ein nachhaltiges, naturnahes Zwischennutzungskonzept für das 40 Hektar umfassende Feuchtbiotop zu entwickeln. Nach der Trockenlegung sollen zunächst 4,6 Hektar des Gartenschaugeländes von einem Immobilienunternehmen bebaut werden, das in diffamierender Weise mit der sogenannten Spendenaffäre in Verbindung gebracht worden war. Im Rahmen erster Erschließungsmaßnahmen erfolgte der fachgerechte Zuschnitt des Baumbestandes.“

Cham, Schwandorf, Plattling, Regensburg

Na ja. Kann man machen, kann man aber auch besser machen. Die Eröffnung hätte letztlich durchaus länger sein und auch die Exponate hätten umfangreicher gestaltet werden können. Nichtsdestotrotz ist schwafi und Lankes mit dem Gesamtkonzept ihrer Weltausstellung ein kleines Juwel Regensburger Kultur und Kulturkritik gelungen.

Regensburg kann sich dank der Toursitifikation nun gerne als Weltstadt fühlen. Vielleicht weniger in der Reihe London, Paris, New York, als vielmehr in der Reihe Cham, Schwandorf, Plattling. Aber das ist ja auch schon mal was. Soll erstmal jemand nachmachen!

Die Weltausstellung ist noch bis zum 14. Juli im Leeren Beutel zu sehen und kostet nichts. Das Kulturreferat zahlt ja.

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Kommentare (10)

  • dünnster Künstler

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    Wenn ein Objekt der Weltausstellung den intelektuellen Ansprüchen nicht genügt, soll der Besucher es (bei laufendem Restaurantbetrieb!) von der Wand reißen, zerfetzen und in den Kulturmüll schmeißen. Das Kulturreferat bezahlt dann den identischen Ersatz. Zumindestens hat die Touristifikation das so beantragt. Die entscheidende Frage ist: Handelt es sich bei dem Kulturmüll um Kunst oder nur um ein (nicht förderfähiges) Druckerzeugnis.
    http://europabrunnendeckel.de/download/schild.jpg
    http://europabrunnendeckel.de/download/kulturmuell.jpg

    Hier das Blatt mit dem Wirsing Hochhaus am Ernst Reuter Platz:
    http://europabrunnendeckel.de/download/Keplerareal_RKk_nonconform.jpg
    Zum Schlachthofdeal gibt es eine Rechenaufgabe…. uvm.
    Trailer „deutsch“ u.A. mit den Schiffanlegestellen: https://youtu.be/reITjl9c59M
    Infos zur äusserst sehenswerten Ausstellung: https://www.touristifikation.de/weltausstellung/

    Ich muß schon sagen: Diese Weltausstellung im Lokal Leeren Beutel ist die beste, die ich in den vergangenen Jahren in Regensburg sehen durfte!

  • Martin Franz

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    mit „Dadaismus“ bzw. „dadaistischen Blödsinn !!!“ hat das nun wirklich nix zu tun.
    Da sollte sich der Autor doch über die Entstehung dieser Kunstform etwas kundiger machen.

    der „Tourist-Guide: Regensburg in 3 Stunden“ landete übrigens bei mir in der Kategorie:
    billige Ausgabe der „Titanic“

  • Weichser Wxxchser

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    Protzenweiherbrücke / Frankenstraße :

    was den Verantwortlichen da wohl durch den Kopf gegangen ist, als sie an dieser von Menschenhand vergewaltigten Stellen auch noch das letzte Grün ausradierten ?

    Ausgerechnet an dieser Stelle, an der der Regen das erste Mal Donauwasser trifft – Inbegriff für mich, weshalb Regensburg REGENsburg heisst – steht nun nur noch eine funktionale Betonwüste mit dazu noch kärglicher Auslastung.

    ( war das der architektonische Gnadenschuß ? )

    EIne Schande – ausgerechnet diesem denkwürdigen Ort nicht auch stadtplanerisch die Bedeutung zukommen zu lassen, die er haben sollte – ein kleiner auenwaldartig angelegter Park mit Uferwegen & Sitzbänken bsw., um dem (zur Rechten) geschäftigen Treiben der Nachfahren der Flößer und zur Linken dem mehr oder weniger naturbelassenem Fluß des Lebens nachzusinnieren..

    An dieser Stelle : was mir am Bürgerfest am besten gefallen hat : beim Gang über den Grieser Steg die vielen Schwimmer im Donauarm zu sehen, die den Fluß als mehr als nur blosse Last und Dekoration annahmen, sondern als ein Plus von Lebensraum und -Qualität.

  • WW

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    Nachtrag : gemeint ist übrigens nicht das zur Bäckergasse zugehörige Areal im Vordergrund, sondern das im Hintergrund sichtbare Grün am Zulauf von Regen in den Europakanal / Donau…

  • Peter Lang

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    Liber Weichser Wxxchser,

    Sie sprechen mir aus der Seele! Regensburg will mit aller Gewalt gesichtslos werden, koste es, was es wolle. Für Geld tun wir alles!
    PS.: Die Schwimmer in der Donau schwimmen dort auch ohne das Bürgerfest. Wenn kein sogenanntes Bürgerfest ist, schwimmen sie am Grieser Steg noch viel entspannter!

  • hutzelwutzel

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    Top! Eine Weltveranstaltung! Vergesst mir aber nicht das Schwimmbad mit Gegenstromanlage, welches sich im Keller vom Bischöfl. Palais befinden soll, und ehedem für Bischof MM – scheinbar zeitgleich mit der Schaffung der Bischofsgruft – errichtet wurde. Wenn da mal was undicht wird, dann schwimmen in der Gruft die Särge, weshalb sich – so wird gemunkelt – Weihbischof Flügel lieber in Aufhausener Erde denn in der Gruft bestatten liess. ;-)

  • Rosalia Genoveva

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    @hutzelwutzel
    „Wenn da mal was undicht wird, dann schwimmen in der Gruft die Särge, weshalb sich – so wird gemunkelt – Weihbischof Flügel lieber in Aufhausener Erde denn in der Gruft bestatten liess. ;-)“

    ; )
    Wollen Sie damit andeuten, dass man tatsächlich ohne Seepferdchen-Ausweis Bischof werden darf?

    Das war die einzige Sicherheit vom Bonifaz und mir bislang, uns zu denken, dass alle hohen Kirchenleut eine nachprüfbare und gemeinsame Qualifikation besäßen.

    Andererseits, wer mit Seepferdchen oder mehr wollte, wenn er Flügel hieße, bei der Inflation von baldigsten Seligsprechungen und weiteren rasanten Aufstiegschancen zum Heiligen riskieren, eventuell nach einem simplen Badgebrechen als Heiliger Schwimm-Flügel in die Volksseele einzugehen?

    Sofern, mit dem Namen hat der Bischof richtig entschieden, auf ein trockenes Platzerl für nach dem Irdischen zu pochen.

  • hutzelwutzel

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    @Rosalia Genoveva:

    Aus Seminaristenkreisen zur Zeit eines Regens W. wurde schon vor Jahren kolportiert, dass man die Gegenstromanlage nur deshalb eingebaut hatte, damit der damalige Bischof wenigstens regelmässig für sich „gegen den Strom schwimmen“ konnte. ;-)

    Ob die ebenfalls kolportierte Aussage „Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten!“ mit dem Schwimmbad zusammenhängt, ist mir leider bisher nicht bestätigt worden.
    Ich sehe diese Schwimmeinrichtung mittlerweile eher als das an, was diese auch sein könnte: Ein – wenn das Wasser abgelassen wird – hervorragendes Teil das mit entsprechenden Einbauten auch als Dokumentendepot genutzt werden kann. So was soll ja seit Jahrzehnten „in Mode sein“, denn bei einem Schwimmbad mit Wasser vermutet so etwas niemand, außer er lebt in Süditalien. ;-)

  • Rosalia Genoveva

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    @hutzelwutzel

    Dass die … der Neid und Gier frisst, wegen jedem Euro, der was zu den Katholen geht, ist natürlich klar. Drum das Rumreiten in Litaneienform auf dem Reichtum der Kirche.

    Die Phantasien, wo überall Geld gebunkert sein könnte, werden nicht nur hier herausposaunt.
    So enttarnt sich der Absender.

  • schwafi

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    Ausstellung verlängert bis 30. Juli. Wer hat noch nicht, wer …

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