Grenzen für "Grenzzaun-Halbe"

Bier-Boykott an der Uni

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„Grenzzaun-Halbe“: Mit diesem neuen Produkt hat sich die Straubinger Röhrlbrauerei ein echtes Eigentor geschossen. Erst gab es einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken. An der Uni Regensburg, wo Röhrl in der Mensa und den Cafeterien quasi das Getränkemonopol hat, wurde nun vom ASTA ein Boykott-Aufruf gestartet. Die Studierendenvertretung fordert, den Vertrag mit der Brauerei zu kündigen. Ein Interview mit Dominik Graf, Referent für Ökologie und Mitglied im Mensaauschuss.

"Heimat braucht Bier": Die Grenzzaunhalbe von Röhrlbräu. Foto: Facebook

„Heimat braucht Bier“: Die Grenzzaun-Halbe von Röhrlbräu. Foto: Facebook/ Erdlinge

Ihr habt Eure Kommilitonen gestern in einer Pressemitteilung dazu aufgerufen, die Getränke von Röhrlbräu in der Mensa und den Cafeterien zu boykottieren, weil die ein neues Produkt herausgebracht hat. Was ist denn so schlimm an der neuen „Grenzzaun-Halbe“?

Es ist populistisch und geschmacklos von Röhrl, die Diskussion um eine Obergrenze, vorhandene Gegnerschaft zu Flüchtlingen und Volkstümelei aufzugreifen, um solche Leute dazu zu bringen, ihr Bier zu kaufen. Ein solches Unternehmen hat bei uns auf dem Campus nichts verloren.

Ist es denn denn so schlimm, das Wort „Grenzzaun“ zu verwenden? Darf man das nicht sagen?

" Ein solches Unternehmen hat bei uns auf dem Campus nichts verloren", sagt Dominik Graf über Röhrlbräu. Foto: pm

“ Ein solches Unternehmen hat bei uns auf dem Campus nichts verloren“, sagt Dominik Graf über Röhrlbräu. Foto: pm

Ich halte es für einen fadenscheinigen Vorwand, wenn manche Verteidiger von Rörlbräu auf Facebook mit der Meinungsfreiheit argumentieren. Natürlich darf jeder seine Meinung sagen. Röhrlbräu darf auch eine Grenzzaun-Halbe machen, wenn sie meinen. Aber man muss eine so polemisch-zynische Werbung auf dem Rücken von Geflüchteten nicht kritiklos hinnehmen.

Der Geschäftsführer hat doch in mehreren Interviews erklärt, dass er damit nur einen Denkanstoß geben wolle.

Er hat nie wirklich irgendetwas erklärt. Er hat um das Thema herum geredet. Da die Pressemitteilung zur Vorstellung des neuen Bieres in den sozialen Netzwerken vernichtender Kritik ausgesetzt war, versuchte Röhrlbräu diese mit einem Facebookpost zu verteidigen (Mittlerweile wurde der komplette Facebook-Auftritt vom Netz genommen, Anm. d. Red..).

Dessen Quintessenz war, dass neben Toleranz und Ehrlichkeit auch der Schutz der eigenen Werte durch das Errichten von Grenzzäunen ein Bestandteil des „bayerischen Wertekanons“ sei. Darüber hinaus solle das Bier einen Denkanstoß über die repressive Grenzpolitik der Staaten entlang der Balkanroute als mögliches Konzept für den Freistaat und die Bundesrepublik liefern. In welche Richtung dieser Denkanstoß abzielt, lässt sich nur erahnen, wenn man die Rückseite der Grenzzaun-Halbe ansieht: „Beschützen – Verteidigen – Bewahren“ steht dort als Überschrift zu den „bayerischen Werten“.

Ihr habt nicht nur die Studenten und Studentinnen zum Boykott von Röhrlbräu aufgerufen, sondern wollt beim Studierendenwerk auch darauf drängen, den Vertrag mit Röhrlbräu zu kündigen und eine andere Brauerei zu suchen. Wie sieht es damit aktuell aus?

Mittlerweile gelöscht: Die grenzwertige Erklärung zur "Grenzzaun-Halbe.".

Mittlerweile gelöscht: die grenzwertige Erklärung zur „Grenzzaun-Halbe.“.

Wir haben das Studierendenwerk erst gestern angeschrieben. Derzeit hat Röhrlbräu einen Exklusivvertrag, von dem wir aktuell nicht wissen, wie lange er noch läuft. Wir warten jetzt auf eine Reaktion vom Studierendenwerk. Es kann durchaus sein, dass man dort unsere Auffassung teilt.

Eine Uni ohne Bier ist schwer vorstellbar. Was sollen die Studentinnen und Studenten mit Lust auf Bier trinken, so lange es nur Röhrlbräu gibt?

Es gibt auf dem Campus Gott sei Dank einen Edeka-Laden, in dem man hervorragendes Bier kaufen kann. Im Zweifel muss man sich eben vor sechs Uhr mit genügend Flaschen eindecken. Vielleicht kann man ja einfach mal auf das Bier an der Uni verzichten und sich gleich in die Stadt aufmachen.

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Kommentare (37)

  • Ulf

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    Wann kommt endlich das Bischofshof „Knabenstreichler“?

  • johncongleton

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    „Hilfe! Syrer haben meine Lederhosn geklaut.“
    Nicht Heimat braucht Bier, sondern einzig und allein ; Durscht braucht Bier!!!

  • Mr. T

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    Die Meinungsfreiheit ist wirklich ein hohes Gut und es ist auch in Ordnung, dass siche diese Brauerei ihre Einstellung zur Frage der Zuflucht Suchenden so offen aufs Etikett schreibt. Es ist aber auch die Freiheit jedes einzelnen, Produkte solcher Firmen dann auch zu boykottieren. Ich fänds viel schlimmer, wenn ich regelmäßig Röhrlbräu saufen würde und dann irgendwann erfahre, wem ich damit mein Geld in den braunen Rachen schmeiße. Vielleicht rechnet es sich ja auch für die Brauerei, zum rechten Kultbier erhoben zu werden und das braune Pack abzufüllen, dafür aber vom anständigen Teil der Bevölkerung gemieden zu werden. Das ist dann quasi eine Abstimmung am Zapfhahn.

  • joey

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    Einfach Alkohol an der Uni verbieten, denn da sind auch islamische Studenten und die darf man nicht in Versuchung bringen.

  • Tobias

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    Kommentar gelöscht. Keine Beleidigungen.

  • Joe Kermen

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    Ha, da weiß ich wirklich nicht über wen ich mehr schmunzeln muss. Oder den Kopf schütteln. Oder warten bis der Sack Grenzzaun-Reis umgefallen ist…

  • bernd

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    Welchen Edeka meint er? Den Zigarettenkiosk?

    Zu den Bildern: Es graust mich! Was ist denn da immer los? Das Portraitbild ist total verwaschen, hochskaliert?
    Der Twitter-Screenshot ist ein JPEG! Die kleine Version im Artikel sieht verwaschen aus und die auf der großen Version wird man von Kompressionsartefakten überfallen. Merkregel: JPEG nur für Fotos, sonst z.B. PNG.

  • Humanoider Kleingeist

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    „Im Zweifel muss man sich eben vor sechs Uhr mit genügend Flaschen eindecken.“

    Wenn das die Sorgen unserer denkenden Generation an der Uni sind, müssen wir uns um Grenzen und Beschränkungen wenigstens im Geiste keine Sorgen mehr machen. Es gibt sie schon längst und überall.

  • Mmmmmmmh.......

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    ……..am besten eiskalt im Schützengraben genießen.

  • Cro

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    Ich finde es sehr schade, dass man gleich sozial abgestempelt und wie in diesem Fall bekämpft/boykottiert wird, wenn man sich kritisch zur aktuellen Flüchtlingspolitik äußert.

  • Lothgaßler

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    Lustig ist das wirklich nicht! Die „Grenzzaun-Halbe“ ist ja wohl ein Markteting-Ding, soll also kommerziellen Erfolg bringen. Mit Meinungsfreiheit hat das nichts zu tun, sich darauf zu berufen ist verlogen. Die Schrift soll auch auf alte Zeiten verweisen, deshalb kein Wunder, wenn die Assoziation zu Rechter Gesinnung aufkommt. Der Verkauf gehört sofort eingestellt und das Bier sollte an die Brauerei zurückgeschickt werden.

  • MiReg

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    Der Geschäftsführer Sillner ist sicherlich kein Doppelbock-Brauner. Die Biermarke aber ist mindestens eine Idiotie, wenn nicht Schlimmeres. Ein Aufruf zum Boykott des Röhrl-Biers dürfte wenig bringen, da vermutlich jeder, der das Bier vom Röhrl aus Straubing schon mal „gekostet“ hat, gern bei Besserem bleibt. Die neue Marke dürfte also kaum geschmackloser sein als die übrige Plörre der Brauerei. Boykottieren sollte man das gesamte Sortiment des Wasser-, Limo- und Bierimperiums: http://www.röhrlbräu.com und http://www.labertaler.de .

  • Mathilde Vietze

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    Mal ganz abgesehen davon, daß die Bezeichnung „Grenzzaun-Halbe“ ziemlich ein-
    fallslos ist, ist sie in der momentanen politischen Sitution obendrein noch zynisch.
    Da mögen die Röhrl-Bräu-Betreiber noch so sehr von Meinungsfreiheit schafeln;
    die Studentenvertreter haben vollkommen recht, wenn sie zum Bokykott auf-
    rufen. Andere Bräuhäuser beten auch ums tägliche Brot und haben auch gutes
    Bier.

  • joey

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    ist der Begriff „Grenzzaun Halbe“ sittenwidrig?
    Nein. Denn die Meinung von Studentenvertretern ist kein Gerichtsbeschluß.

    Der Vertrag läuft weiter, weil sonst gewaltige Schadenersatzzahlungen ins Haus stehen.

    Übrigens ist in meinem Erfahrungsbereich (Baustellen und Zuliefer-, Handwerksbetriebe, Ingenieurbüros) die Meinung zur Merkel’schen Einwanderungspolitik eindeutig. Dagegen.

  • blauäugig

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    @joey Der Vertrag schreibt wohl nicht vor, wieviel Bier die Studierenden saufen müssen, daher ist der Boykottaufruf innerhalb der Uni schon richtig und zielführend. Den Vertrag muss man ja nicht verlängern, sofort aussteigen ist wahrscheinlich wirklich schwierig.
    Und wer es bloß für ein bisschen Provokation hält, mag andere Presseberichte über den Markteinführungspreis lesen, diese Brauerei fischt schon bewusst im braunen Wasser.

  • Michinga

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    Name der Biersorte: geht gar nicht.

    Die Biersorte selbst: geht auch gar nicht. Ekelhafte Plörre – es gibt hervorragendes Bier in und um Regensburg. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter also aus zwei Gründen unbedingt notwendig!

  • joey

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    @blauäugig
    wenn der Vertrag ausläuft, muß er neu sowieso öffentlich ausgeschrieben werden. Welche Mindestabsatzmengen vereinbart sind, ist wohl Geschäftsgeheimnis.

    Die Jusos Straubing möchten, daß Röhrl vom Gäubodenfest ausgeschlossen wird. Bischof Bedford Strohm verkündet, daß AfD Mitgliedschaft Kirchenämter ausschließt… Was auch immer noch zu Ostern an Ausschließeritis kommt: es wird die Fronten nur verfestigen. Aus den Kirchen treten nur noch mehr Leute aus… ok, das finde ich ja sogar eine positive Entwicklung…

    Gesinnungsrecht schleift nicht Rechtsradikalismus, sondern die Rechtsordnung. Das kann dann das nächste Mal auch genau gegensätzlich ausfallen. Besser wir lassen das Recht und seine Handhabung so, wie es war: jeder darf und soll eine Meinung haben. „Es ist sein Bier“.
    Wenn mir das nicht schmeckt, trinke ich ein anderes. Zu meiner Zeit gabs in der Mensa gelbes Spülwasser von T&T.

  • Moartl

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    Ich interpretier die „Grenzzaunhalbe“ als Produkt der Brauerei für die Zielgruppe rechtsgesinnter Stammtischhocker. Da hat man sich mit dem Marketingteam hingesessen und Brainstorming betrieben: „Welche Schlagworte wolln diese Leute gern hören? Heimat, Bier, Tradition, Grenzzaun,…“ Aber an einer Uni (wo in jedem Kopf noch etwas mehr Gehirnzellen am Leben sind) kommt sowas nicht gut an. Man identifiziert den bitteren Nachgeschmack, den das Wort „Grenzzaun“ mit sich bringt. Der Boykott kommt also zu recht, will ich meinen. Denn was käme sonst als nächstes von der Brauerei? Volks-Weizen? Limonade für die Deutsche Jugend? Reichs-Radler? Schießbefehl-Lager?

  • Mr. T

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    Die haben wohl schon ein Reichskristallweizen in der Planung …

  • Martin Lutze

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    Bevor ich so ein braunes Gesöff trinke, verdurste ich lieber. Mehr sog I net.

  • fons

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    Laut Bayern 5 vom Mo,21.3.( ca 14.10Uhr) kostet das Grenzzaunbier 88Cent und ist bis 9.11.haltbar………wohlwollende Kommentare von der AfD gabs angeblich auch schon……

  • Robert B.

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    Großes Lob für diese Entschidung

  • wolf

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    vom Namen, über preis bis hin zum Mindesthaltbarkeitsdatum hat Laabertaler/Röhrlbrauerei einige Fehler gemacht aber dann als Geschäftsführer nicht einmal ein klares und deutliches Statement zu setzen und die eigenen Fehler als vernachlässigter zu bewerten zeugt nicht wirklich von Einsicht und Erleuchtung von Inhabers Sillner.
    Allein aus dem Verhalten Sillner sollte ein klares und deutliches Zeichen gegen diese Art von Geschäftsgebaren und Verhalten gesetzt werden.

  • Hans

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    Die werten Studenten sollten sich aufs Lernen konzentrieren und nicht in der Uni Bier trinken. Ich finde das wirklich unpassend; in der Industrie wurde der Alkohlausschank auch oft abgeschafft. Die Halbe gibt’s dann zum Feierabend. Prost!

  • Thomas

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    Aber an einer Uni (wo in jedem Kopf noch etwas mehr Gehirnzellen am Leben sind)

    Diesen Satz kann ich aber nicht unbedingt bestätigen.

  • Günther

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    Ein goldenes Eigentor. Herr Sillner gehört zu den ganz Schlauen, und die fallen halt von Zeit zu Zeit auf die Schnauze. Nach seinen vagen Erklärungen bleibt die Frage, ist er selbst so einfältig und den Marketingfritzen auf den Leim gegangen, oder hält er seine Kundschaft für doof gnug, ihm auf den Leim zu gehen. Egal, beides ist Grund genug, ihn und seine Produkte zu meiden.

  • Sabine

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    Schade das hinter jeden Aktion gleich etwas schlechtes vermutet wird. Das ihr mit so einem Boykott den eingesessenen Unternehmen schadet, daran denkt ihr Studenten wohl nicht. Jeder sollte vor seiner eigenen Türe kehren…..

  • manfred

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    ich würd mich was schämen Brauerei röhrl und dann nicht mal die eier in der hose haben u öffentlich aufzutreten nur feige sich hinter der eignen hompage verstecken boykotiert weckmanns zelt aufm Volksfest die das nazi Bier verkaufen will u boykotiert labertaler alles sillner…

  • Andy

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    Der Boykott ist absolut richtig! Wer sowas unterstützt, der ist für mich der Rechten Gesinnung zuzuordnen. Dieses Bier kann die Brauerei in Zukunft selbst trinken und nicht die vielen jungen Leute an der Uni verwirren. Und den Studenten will ich sagen, seid nicht so dumm und unterstützt sowas, indem ihr es der Brauerei abkauft! Und allgemein, wer trinkt bitte so viel Bier an einem normalen uni-tag?! Das ist doch wirklich ein bescheuerter Trend…

  • Thomas

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    Es war zu erwarten, dass sich das Niveau an den Unis nicht erhöht, wenn man 70-80 % eines Jahrgangs studieren lässt. Das Resultat ist unter anderem bedenklicher linker Gesinnungsterror von sich als Blockwart aufspielenden Studenten. Da wird einem angst und bange. Intellektualität und linksradikale, unreflektierte Einstellungen schließen einander bekanntermaßen aus.

  • diekgrof

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    Kommentar gelöscht. Keine Beleidigungen.

  • Mauzilein

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    Ein paar alberne Bierbezeichnungen rufen die Roten Blockwartbrigaden einer Provinzuni in der Oberpfalz auf den Plan. Ihr studentischen Pseudorevoluzzer müsst einfach zu wenig pauken.

  • HutzelWutzel

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    Kann mir vielleicht jemand sagen/ schreiben wieso eine Brauerei – Konzern scheint mir zu hoch gegriffen – einen „Exklusivliefervertrag“ für eine staatliche Hochschule erhält?
    Wurde da korrekt europaweit ausgeschrieben, oder ist das wieder mal so ein bayerisches Spezial-Agreement? Danke!

  • HutzelWutzel

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    @Mauzilein:

    Grad noch gesehen Deine/ Ihre Einlassung!
    Richtig, und immer sind es die Linken bzw. immer kommt von „links“ was gegen Rechts ist, oder?
    Ich sage es meinen Kinder auch immer wieder: Wenn Ihr in Regensburg studieren wollte, müßt ihr euch positionieren, links oder rechts, denn die Mitte muß frei bleiben, da prozessiert der Bischof mit Gefolge. ;-)

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