Strafbefehl für NS-Symbole

Hasspost-Lehrerin akzeptiert 150 Tagessätze

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12244827_10205173209825002_3023994545604923881_oDie pensionierte Lehrerin, die sich mit Nazi-Parolen und entsprechender Symbolik an einen Bürgermeister, die Jüdische Gemeinde und den Bischof gewandt hatte, kam mit einem Strafbefehl davon.

150 Tagessätze wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in sieben Fällen – so lautet der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Regensburg wegen eines Falls, der bundesweit Schlagzeilen gemacht hat.

Wie zunächst exklusiv berichtet, verschickte die alte Dame anonym Postkarten an den Wenzenbacher Bürgermeister Sebastian Koch, die Jüdische Gemeinde und den Regensburger Bischof. Asylsuchende werden darin unter anderem als „Fressfeinde“ und „Heuschrecken“ bezeichnet. Versehen waren die Postkarten mit SS-Runen.

Keine organisierten Nazis, sondern eine bürgerliche Nazi-Braut

Nachdem Ermittlungen der Kripo Regensburg zu der Lehrerin im Ruhestand geführt hatten, räumte diese den Tatvorwurf sofort ein. Auch den Strafbefehl hat sie akzeptiert – wohl um sich die Peinlichkeit einer öffentliche Hauptverhandlung zu ersparen. Damit gilt sie jetzt als vorbestraft. Über die Tagessatzhöhe wollte die Staatsanwaltschaft aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Angaben machen.

Die Postkarten hatten Ermittlungen der Abteilung Staatsschutz und vermehrte Streifen, unter anderem vor dem Wenzenbacher Rathaus nach sich gezogen. Es war unklar, ob nicht organisierte Neonazis hinter den bedrohlich wirkenden Postkarten stecken könnten. Tatsächlich war es nur eine ganz bürgerliche Nazi-Braut.

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Kommentare (4)

  • bayernsbestfriend

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    Angesichts deutscher Bundespolitiker, die gleichfalls den Heuschreckenvergleich pflegen, braucht man sich nicht zu wundern, dass Bürger mit Bildungsdefiziten und Mängeln an gesundem Menschenverstand sich dieser tierischen Metapher bedienen.

    Wir erinnern uns doch noch alle an den SPD-Spitzenpolitiker Müntefering und seine fragwürdige Wortwahl, die einst gewisse Wellen schlug:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/heuschrecken-vergleich-historiker-prangern-muenteferings-wortwahl-an-a-354512.html

    Wikipedia machte daraus einen eigenen, und nicht zu knappen, Beitrag:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschreckendebatte

    Ein noch früherer Gebrauch der Redewendung ist hier dokumentiert:

    Der Prälat und christlichsoziale Reichsratsabgeordnete in Wien Josef Scheicher nannte die Juden um die Jahrhundertwende „einen Schwarm Wanderheuschrecken“. (Zitiert bei Brigitte Hamann: Hitlers Wien. – München, Zürich: Piper, 1998, S.415)

    Die SS-Runen freilich, stehen auf einem anderen Blatt und somit hat die Omi ihre 150 Tagessätze wohl verdient, Mitleid jedenfalls ist nicht angebracht.

  • Mr. T

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    Gefühlt richtige Strafe. So eine zu politischer Bildung zu verdonnern hätte wohl eh nix gebracht ;-)

  • Johannes Achter

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    @bayernsbestfriend

    Warum setzen Sie sich derart für die Legalität (oder gar Legitimität?) eines „Heuschreckenvergleichs“ ein? Die Täterin wurde laut Artikel einzig und allein wegen der Verwendung von SS-Runen / nationalsozialistischen Symbolen / Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in sieben Fällen, nicht wegen ihres „Heuschreckenvergleichs“ verurteilt.

    Teilen Sie etwa die Auffassung der Verurteilten, dass Asylsuchende / Flüchtlinge Heuschrecken / Fressfeinde seien oder haben Sie den Artikel nur nicht sorgfältig genug gelesen?

  • bayernsbestfriend

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    @Johannes Achter
    Wenn Sie meine gelegentlichen Kommentare kennen würden, so wüssten Sie, dass ich gern ergänzendes Material zu mich interessierenden Artikeln liefere. Zum Thema Heuschrecken/Heuschreckenvergleich hatte ich Material in meinem Archiv und das habe ich oben an die Allgemeinheit weitergegeben, ohne jedwede ideologischen, politischen oder politisierenden Absichten.
    Bin selbst in einer Organisation tätig, die Asylsuchenden, Flüchtlingen, sowie Angehörigen von Minderheiten Schutz bietet und Beistand leistet.

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