Eine Fotostrecke über das Flüchtlingsfeldlager in Röszke

„Ich bin über zehntausend Jahre alt und mein Name ist Mensch“

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Fotos: Röszke/Ungarn, 7.-10. September 2015.

Gefangen unter der heißen Sonne oder gepeinigt von einem endlosen Regen, auf einem Stück Erde von einer Mauer aus Polizisten umringt, ohne Wasser und Essen, inmitten von Gestank und Schmutz, unter der physischen und psychischen Gewalt der Polizei und die Angst vor dem Hinterlassen des Fingerabdrucks in Ungarn – das sind die ersten Bilder von der Wirklichkeit Europas. Das „Feldlager in Röszke“ ist der inoffizielle Name eines Fleckchens am südlichsten Punkt Ungarns, das mit wenigen hundert Metern im europäischen Schengenraum liegt.

Im Lauf der vergangenen Tage sind Tausende nach der Überquerung der serbisch-ungarischen Grenze gezwungen, dort auf Busse zu warten, die alle paar Stunden gerade mal 50 von ihnen mitnehmen können. Das Ziel der Busse ist eines der Flüchtlingscamps zur Registrierung und Abnahme des Fingerabdrucks. Für diejenigen, die in einem dieser Busse eingestiegen sind, bedeutet das, dass ihnen jede Chance auf den Asylantrag in einem anderen Land verwehrt bleiben wird.

Gefangen wie Objekte

Menschen, die um als „Mensch“ zu überleben, ein Land aufgegeben haben und tausende von Kilometern, von einer Grenze zur nächsten, bis hierher gelaufen sind, begegnen einer neuen Art von Gewalt, Unterdrückung und Einschüchterung, die Version der „Europäischen Union“. Die herrschende Lage der Flüchtlinge ist Folge der Politik, in der sie bis zum heutigen Tag keine Rolle gespielt haben. Ignoriert und nicht gehört, wenn sie „No Fingerprint“ und „No camp“ rufen und wie Objekte gefangen in der denkbar schlechtesten Situation, entsteht innerhalb weniger Stunden immer wieder eine neue Rebellion. Eine Rebellion um gehört zu werden, für einen kurzen Augenblick den Geschmack der Freiheit zu genießen, für ein erneutes Ergreifen der Rolle als Mensch und Subjekt.

Die Antwort: Schlagstöcke und Pfefferspray

Aber die Antwort ist deutlich: Zerschlagung. Nur ein paar Kilometer entfernt lauern die Polizisten mit ihren Pfeffer-Spray-Kapseln und Schlagstöcken, versteckt hinter Mauern oder in der totalen Dunkelheit, und warten auf sie. Die, die entkommen sind, setzen ihre neue Reise mit Angst und Unruhe fort. Eine Reise, die bereits ein paar Kilometer weiter beendet sein könnte. Diejenigen, die verhaftet worden sind, werden in Polizeiautos zu den Zentren der Fingerabdruckabnahme und Registrierung gefahren, damit die Verantwortung, sie nach dem „Dubliner Vertrag“ aufzunehmen, für die zentrale Gemeinschaft Europas entfällt.

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Kommentare (14)

  • Lothgaßler

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    Weniger dick auftragen wäre sinnvoller. Kein Staat kann einen durch das Land ziehenden Strom von Fremden einfach ignorieren. Für den ungarischen Staat wäre es viel besser, wenn alle Flüchtlinge direkt nach Österreich durchgeschleust werden könnten. Ungarn könnte sich den Zaun, den Einsatz der Staatskräfte und schlechte Presse ersparen, wenn stattdessen nonstop-Zugverbindungen zwischen den Staatsgrenzne zu Serbien und Österreich eingerichtet würden. Das geschieht aber nicht, und ich vermute dahinter Druck der EU bzw. Deutschlands und Österreichs. Die offiziellen Worte von Juncker, Merkel, Gabriel u.a. sind ein Zerrbild der realen Politik. Der Rest Europas reibt sich verwundert die Augen, reagiert gereizt und will mit dieser Zuwanderung lieber nichts zu tun haben. Ungarns Vorgehen zielt auf Vergrämung: Hilfe verweigern, Reise verzögern, Mühsal erhöhen und staatliche Gewalt einsetzen. Wenn Ungarn nächste Woche die Grenzen dicht macht, wird sich die Balkanroute ändern. Andere Länder werden zum Bestandteil der Transitstrecke und werden entweder für den reibungslosen Durchzug sorgen, oder dem Beispiel Ungarns folgen. Ich muss kein Hellseher sein um vorherzusagen, dass auch Deutschland sein „Refugees are welcome“ demnächst um den Zusatz „, aber jetzt gehts nicht mehr.“ ergänzen wird.
    Die Tatsache, dass der Staat Ungarn euch vor Ort hat Hilfe leisten lassen, die sollte euch zu denken geben. Ungarn hat keine Bedenken wegen der schlechten Presse und fürchtet auch nicht um einen nachhaltigen Imageschaden. Das bisschen EU-Schelte und ein paar unfreundliche Worte hin und her jucken die Ungarn nicht, das gehört scheinbar zum bösen Spiel.

  • Jürgen

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    Das Dubliner Abkommen ist eine gute Sache, wenn überall die gleiche Behandlung gewährleistet wird und wenn Europa das jeweilige Erstaufnahmeland massiv unterstützt. Das ist leider überhaupt nicht der Fall!
    M. E. bleibt Europa nur eine militärische Intervention in den Krisengebieten übrig, um ihre Fehler der Vergangenheit zu bereinigen. Die „Weltpolizei“ USA wäre bekanntlich nur an solchen Aktionen interessiert, wenn es dort um Geld ginge. Seit 2001 machen sie so etwas ja auch noch aus Angst und Rache. Freiwillig und aus humanitären Gründen haben die noch nie reagiert.
    10.000 Jahre und nichts gelernt. Schade für die vertane Zeit.

  • fck nzs

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    @lothirgendwas
    weiter unten ist dein kommentar vom 6.9. den ich jetzt nach den paar tagen vor ort nochmal gelesen hab und mir einfach nur denke: hey- deine analysen und ratschläge braucht kein mensch, für die unwürdige/kranke scheiße ,die nicht erst seit kurzen hier mitten europa passiert, verständniss zu zeigen, ist einfach nur ekelhaft und menschenverachtend. zumindest würdest du es vielleicht verstehen, wärst du nur ein paar stunden vor ort gewesen… also bitte spar dir doch einfach dein geseier.

    „Die Flüchtlinge brauchen euren Solikonvoi nicht, bleibt in Regensburg! Diese Flüchtlinge flüchten nicht nur, sie wandern aus und suchen eine neue dauerhafte Aufnahme. Diese Auswanderung wird erst aufhören, wenn die „Festung Europa“ tatsächlich die Grenzen dicht macht.
    Der Staat Ungarn will diese Flüchtlinge lieber nicht im Lande haben, und die Flüchtlinge wollen auch gar nicht in Ungarn bleiben. Ungarn ist offenkundig für Flüchtende durchgängig und erträglich genug als Transitstrecke. Ich denke nicht, dass Ungarn als Staat diese Auswandernden bei ihrer Durchreise unterstützen muss. Auch in Bayern wird ein illegal Einreisender mit der Staatsmacht konfrontiert und in seiner Freiheit eingeschränkt. „Sich zuspitzende Zustände“ einseitig den Ungarn unterzuschieben wird der Situation nicht gerecht. Einer Masse von Menschen, die Züge kapert, aus Aufnahmelagern ausbüchst, demonstriert, Medien nutzt und mit Hungerstreik droht wenn es nicht nach ihrem Sinne weitergeht, die greift diesen Staat auch an und provoziert Gegenreaktionen.
    Ich denke nicht, dass Deutsche nach Ungarn fahren sollten, um dort den Ungarn zu zeigen wie schlecht sie die Menschen behandeln. Das ist eine grenzwertige Provokation und bei dieser Ausstattung (Kleinbusse) würde ich es verstehen, wenn die Ungarn euch einkassieren (Schlepperbande). Bleibt in Regensburg, oder steuert euren Konvoi nach Italien, Spanien oder Griechenland. Wer die Augen aufmacht sieht auch dort notleidende Flüchtlinge. Oder engagiert euch für die Flüchtlinge in der Türkei und im Libanon. Oder noch besser, ihr engagiert euch für die Menschen in Syrien.
    Was die Flüchtlinge wirklich dringend bräuchten will ihnen niemand geben: Eine attraktive Zukunft in ihren Heimatländern. Darin liegt deutlich mehr Versagen und Schuld der EU, als in der verteufelten „Festung Europa“, die es ohnehin nicht gibt.“

  • Lothgaßler

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    @f(u)ck n(a)z(i)s
    Ruhig Blut! Die „kranke Scheiße“ passiert nicht nur in Ungarn. Analysen und Ratschläge die kein Mensch braucht sind auch keine Seltenheit im Leben. Ich werde Ihrer Gruppe keinen Ratschlag (wie „bleibt zu Hause“) mehr erteilen, das hätte ich so nicht formulieren sollen, sondern als „ich würde/ werde nicht hinfahren, weil“ argumentativ unterfüttern müssen.
    Nachdem Ihre Gruppe den Bericht hier veröffentlicht hat, habe ich diesen gelesen und dazu meine Meinung getippt. Wir sind klar nicht einer Meinung, das ist nicht weiter tragisch. Trotz allem bin ich kein Nazi, kein Fremdenfeind, kein Rassist und auch kein Menschenverachter. Hier vergaloppieren Sie sich.

  • Paul

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    In der Tat, sieht wirklich schlimm aus in diesem Lager. Der stinkende Müll, der da überall herumliegt, obwohl es ja offensichtlich Container und Säcke gibt. Hm. Also wir haben im Zeltlager immer brav unseren Dreck aufgeräumt – schon aus Eigeninteresse…

  • joey

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    Fingerabdrücke sind erforderlich, wenn massenweise Menschen ohne oder mit gefälschten Papieren unterwegs sind. Zum Ende der Sache schützen wir damit unsere Standards, denn eine unregistrierte Menschenmenge kann nur ein neues Proletariat werden, das z.B. Mindestlohn oder zertifizierbare Bildung konterkariert. Vordergründige Gewinner sind bekannt, Verlierer sind Mittelstand und Bürgertum, am meisten aber die „ordentlichen kleinen Leute“.

    Die bestehende Ordnung ist Grundlage von Freiheit und Wohlstand. Staatsgrenzen sind die räumlichen Ecken unserer (demokratisch kontrollierten) Souveränität, die wir dann gerne z.B. für humanitäre Zwecke verwenden. Auch im übertragenen Sinn hat Deutschland Grenzen: mit einem pauschalen „wir schaffen das“ kann man diese nicht verschieben. Diese Kurzsätze sind nur präsidiales Gehabe einer machttaktischen Dauerkanzlerin.

  • ich.war.in.Röske

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    @Paul: Denkst du nicht, dass du, wenn du gerade
    -Menschen verlassen musstest, die du liebst
    -Menschen VERLOREN hast, die du liebst
    -Misshandelt wurdest von Polizei/Nazibanden etc.
    -Nichts mehr hast als die Klamotten am Leib und ein paar Notgroschen, Wasser, Brot
    usw. usw. usw.

    keinen aber wirklich KEINEN Sinn dafür hast, deinen Müll „ordentlich“ kreuzbravdeutsch zu entsorgen.
    Und bitte hör auf diese Zusände mit einen fucking Zeltlager zu vergleichen, was ist denn los mit dir/Euch, die ihr Kommentare hinterlasst, ohne Empathie oder dagewesen zu sein, schämt Euch.

  • Markus

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    1. Tausche das Wort „Flüchtlinge“ gegen „Vertriebene“
    2. Deine Vorfahren kommen nicht aus Deutschland sondern aus Afrika
    3. Wer unterstützt die Kriegsfhrer in der Region? Wer bezahlt den IS und braucht das ÖL
    4. Wer findet Rusische Politik im nahen Osten (Unterstützung von Assad etc.) hilfreich und kauft weterhin das Gas dort ein
    5. Wer liefert Kriegswaffen in die Region auch nach Saidi Arabien?
    6. Wer hat nach dem 2. Weltkrieg 10 Mio „Vertriebene“ aufgenommen bei weit schlechteren bedingungen
    7. Wer hat 1990 17 Mio Wirtschaftsflüchtlinge integriert und „blühende Landschaften“ versprochen
    Dieses Land hat es verdient Menschen willkommen heissen zu dürfen. Wer will in einem Land leben wo niemand hin möchte? Teilt zufiredenheit, Freude und seid doch ein wenig neugierig auf das was kommt. Wer nicht in Frieden handeln kann wird sich mit Krieg abfinden müssen.
    Wäre Syrien eine Bank, wir hätten sie alle schon lange gerettet.
    Dank an die, die nicht diskutieren, sondern handeln und helfen!!!! Ihr lebt!

  • warauchinröszke

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    Erstmal danke für diese eindrücklichen Bilder. Das sind Aufnahmen, wie man sie wohl nirgends sonst in den Medien sieht. Super wäre, wenn ihr sie datieren könntet, um den großen Wandel des Lagers deutlicher zu machen.

    @Paul: Am Sonntag den 13.09. kam das erste Mal die Müllabfuhr. Bis dahin sind schon weit mehr als 20.000 Menschen durch dieses Nadelöhr gekommen. Wie kann das funktionieren? Das Müllproblem im Lager wurde gezielt vom Staat eskaliert, um die Lebensumstände in Ungarn noch ein bisschen abscheulicher zu machen/darzustellen. Dazu der Matsch und Regen, die fehlenden Toiletten, kein fließend Wasser, Chaos durch fehlende Organisation und gezielte Unterdrückung von Hilfeleistung.
    Zum Glück gibt es Leute, die sich in „ziviler Ungehorsam“ zu humanitärer Hilfe aufraffen, anstatt klein bei zu geben nur weil die Polizei sagt, Kochen sei nicht erlaubt.

  • Paul2

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    Natürlich haben Flüchtlinge andere Sorgen als täglich „den Platz zusammenzukehren“. Und dennoch: die benötigte Zeit, sich’s wohnlicher zu machen, hätten sie doch. Ich unterstelle mal, der Tagesablauf ist in erster Linie von Langeweile bestimmt.

    Wie auch immer: Wenn ich ein „Müllproblem“ habe, dann kümmere ich mich halt auch selber drum. Auch in meinem Heimatort hat die Müllabfuhr schon öfters gestreikt – und dennoch hat meine Familie nicht gleich alles an Ort und Stelle fallen und liegen lassen, wo immer wir uns gerade befanden und unser Stadtviertel zur Müllhalde verkommen lassen.

    Die dramatisch erscheinenden Bilder aus Röszke sind insofern auch hausgemacht:
    Man hat die Leute nicht auf einer Müllkippe einquartiert, sondern diese Müllkippe haben sie sich schon selber bereitet. Jetzt zu beklagen, wie schlimm es dort zugeht, ist ein mutwillig gezeichnetes Zerrbild.

    PS: In den gestrigen ZDF-Nachrichten über die Ausschreitungen an der ungarisch-serbischen Grenze war ausschließlich die Rede von den „bösen“ ungarischen Polizisten. Dass eben diese Polizisten von komplett ausser Kontrolle geratenen, vermummten Vandalen (sprich: „traumatisierten Flüchlingen“) mit Betonbrocken bombardiert wurden, hat der deutsche TV-Sprecher mit keinem Wort erwähnt. Und die beiden verletzten Kinder wurden verletzt, als sie von ihren „Leidensgenossen“ (= außer Rand und Band geratenen Flüchtlingen) über den Zaun in Richtung Ungarn geworfen (!) wurden.

    Auf Youtube kann jeder, der die Wahrheit sehen will, die entsprechenden Videos von der anderen Seite angucken. Ist halt auf ungarisch, aber die Bilder reichen. Im deutschen TV kam darüber: gar nichts.

  • fck ger

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    @paul2: von wegen wie auch immer- falls du dich nicht gerade auf der flucht befindest, etwa letzte woche in ungarn oder gerade in serbien oder kroatien, solange kannst du bestimmt nicht einfach unterstellen von was der alltag von geflüchteten geprägt ist. du verwechselst da wohl den alltag, in irgendeinem lager in kaltland, mit der situation der leute die sich zb aktuell auf dem durch europa befinden. hey, wie auch immer- mit leuten zu reden, die weder hier vor ort, kontakt mit menschen mit fluchterfahrung suchen, noch ein bild vor ort in ungarn oder sonst wo machen, aber meinen ein youtube-videos anzusehen würde sie qualifizieren um eine halbwegs anständige einschätzung/kommentar der/zur situation zu geben. paul du bist witzig und solltest weiter auf irgendwelchen verschwörungsseiten zu chemtrails kommentieren, die sind ja das eigentliche problem…

  • Paul2

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    Mein lieber fck ger,
    Dein Beitrag besteht aus vagen Unterstellungen, Vermutungen und Mutmaßungen über meine Person und meine angeblichen (Deiner Meinung nach nicht bestehenden)-Erfahrungen bzgl. Flüchtlingen. Wie wäre es, wenn Du es mal mit einem rationalen, Argumente-gestützten Diskurs versuchen würdest, anstatt alle Leute anzupöbeln, die nicht Deiner Meinung sind?
    Und, ganz am Rande, deine fortwährende kleinschreibung ohnepunktundkomma istechtmühsamlesbarsorrycooley

  • Lothgaßler

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    @fck ger
    Ihre Schreib- und Argumentationsstil ähnelt sehr jener von fck nzs. Benutzen Sie zwei Pseudonyme?

    Von welchem „lager in kaltland“ schreiben Sie gerade? Meinen Sie hier unser Land? Ein Feldlager ist keine Kuschelecke, und der ungarische Staat hat damit klar die Karte Abschreckung gespielt. Einige aber nicht alle Ungarn haben sich als sadistisch und gewaltätig gezeigt, die Welt hat es gesehen.
    Sie formulieren ein Bild aus Ländern der EU-Gemeinschaft, das so nicht unwidersprochen bleiben kann. Tatsächlich verfolgt und zur weiteren Flucht gezwungen wird innerhalb der EU niemand mehr, aufnahmebereit sind allerdings nur wenige Staaten. Dementsprechend limitiert und reserviert fallen dort die Hilfestellungen aus, umso mehr die Ermunterungen weiter zu ziehen. Mit Versprechungen, Garantien und vor allem Geld hätte die EU dem ungarischen Staat zu mehr Unterstützungsleistungen bewegen können, aber welches Signal wäre damit gegenüber anderen EU-Staaten gesetzt worden!? Das wollte die EU (und damit auch Helldeutschland) nicht! Das offizielle deutsche Willkommen teilt innerhalb der EU auch kein anderes Land, und innerhalb Deutschlands frägt sich mancher: Warum behandeln wir diese Menschen anders als Asylsuchende noch vor kurzer Zeit? Was ist da los? Ich persönlich würde jedem seine Chance geben, egal woher er kommt. Warum soll ich einem Menschen aus dem Balkan verweigern, was ich einem Menschen aus Syrien gestatte? Was soll mit den Nicht-Syrern unter den Kriegsflüchtlingen (das ist die offizielle Zielgruppe) geschehen? Was ist mit Afrika, Asien und den ungeliebten Minderheiten (z.B. Roma) innerhalb der EU? Ich möchte nicht Asylrecht gegen Migration ausspielen, wobei Asyl eine Verpflichtung und Migration eine limitierte Chancengewährung ist! Allerdings möchte ich von jedem zumindest wissen wer er ist und woher er kommt, das sollte uns schon interessieren. Sich „registrieren lassen“ wäre schon die erste Pflicht der Zuwandernden, wir sind schließlich alle „registriert“ und leben gut damit.
    Ungarn steht nicht so isoliert vor uns wie das zur Zeit medial verlautbart wird: Siehe spanische Zäune in Nordafrika und französisch-englischer Eurotunnel. Was die konservative Fraktion im EU-Parlament wirklich denkt und hinter den Kulissen bewegt, auch das würde mich sehr interessieren (die CSU hat sich geoutet, andere halten sich zurück).
    Der Zug der Flüchtlinge und Zukunftssuchenden hat ein Ziel, und das liegt in einem der hochentwickelten Indurstrieländern der EU, scheinbar vorzugsweise in Deutschland und Schweden. Damit haben alle anderen EU-Länder kein Problem, solange die durchziehenden Menschen dort nicht „registriert“ werden. Jetzt setzt sich eine verkrampfte Abwehrhaltung durch, die mich nicht freut und sehr unzufrieden macht. Die EU versagt seit Jahren außenpoltisch jämmerlich und greift zu Mitteln (Zwangs-Quoten), die zu eskalierenden Abwehrhaltungen führen wird, aber nichts lösen kann. Die Lösung liegt nicht bei uns im Lande und nicht an den EU-Binnen und -Außengrenzen, sondern in den Herkunftsländern. Dort muss die Hilfe mit Vorzug hin!
    Zudem für manche erschreckend, der Zug der Menschen verhält sich nicht so, wie wir das überwiegend gewohnt sind. Die Bilder transportieren ein Bild von Menschen, die nicht demütig auf Hilfe warten, sondern schon mal rustikal und nonkonform handeln, die mit großer Eile ihrem Ziel zustreben. Das muss kein schlechtes Zeichen sein, die wissen scheinbar was sie wollen, und sie begreifen sich nicht als reine Bittsteller, verfügen also über starkes Selbstbewusstsein. Ob diese Menschen wirklich aus eigenem Antrieb so durch Europa ziehen, oder von Schleppern gesteuert werden, das muss zumindest hinterfragt werden.

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