Nazi-Aktivist macht auf freier Journalist

Infos sammeln für die Hetze

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Er ist ein vorbestrafter Schläger und „Stützpunktleiter Ostbayern“ für die Neonazi-Partei „Der III. Weg“. Neuerdings gibt Walter Strohmeier sich aber als freier Journalist aus, um bei Behörden Informationen über Flüchtlingsunterkünfte abzugreifen. Auf Internetseiten, von denen sich ein Zusammenhang mit dem 27jährigen herstellen lässt, werden bereits seit geraumer Zeit Hetze und Halbwahrheiten verbreitet, um Vorurteile und Ängste zu schüren.

Von Stefan Aigner und Dike Attenbrunner

Walter Strohmeierbei einem Aufmarsch des "Freie Netz Süd" in Regensburg. Foto: Archiv/ Witzgall

Walter Strohmeierbei einem Aufmarsch des „Freie Netz Süd“ in Regensburg. Foto: Archiv/ Witzgall

Es sei eine recht seltsame Anfrage gewesen, sagt uns ein Sprecher der Stadt Regensburg. Ein „freier Journalist“ habe wissen wollen, wo genau in Regensburg wie viele Flüchtlinge untergebracht seien. Da die E-Mail weder Adresse noch Telefonnummer, dafür aber „einige orthographische Fehler“ enthalten habe, habe man rückgefragt, für welche Redaktion der Herr denn das wissen wolle. „Da kam dann keine Antwort mehr.“

Von wem die Anfrage in Regensburg kam, ist zunächst nicht zu erfahren, aber es ist nicht die einzige Kommune, bei der besagter freier Journalist sein Anliegen vorgebracht hat. Mehrere Landratsämter in Niederbayern und der Oberpfalz erhielten die wortgleiche E-Mail eines Walter Strohmeier. Zwischenzeitlich haben sich die Behörden abgestimmt – die Anfragen werden nicht beantwortet. Darüber hinaus wurde die Kripo eingeschaltet. Walter Strohmeier ist nämlich kein Unbekannter, sondern ein einschlägig vorbestrafter, gewalttätiger Schläger und überzeugter Neonazi.

Mann brutal zusammengeschlagen

Vor drei Jahren fiel der damals 24jährige zusammen mit einem Kumpel über einen Mann her. Strohmeier schlug dem 33jährigen mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Als dieser am Boden lag, soll er ihm mehr als 20 Tritte, hauptsächlich gegen den Kopf, verpasst haben. Laut einem Prozess-Bericht der Passauer Neuen Presse aus dem Jahr 2011 erlitt das Opfer „unter anderem eine erhebliche Gesichts- und Schädelprellung, eine mehrfache Nasenbeinfraktur, die eine Operation erforderlich machte, sowie eine verhängnisvolle Augenverletzung (…) mit durchaus anzunehmenden Dauerschäden, die selbst das Gehirn einschließen und zu einem Pflegefall führen könnten“. Obwohl Strohmeier sich damals mit Trunkenheit herausreden wollte, eine nicht eben unübliche Ausrede unter rechtsradikalen Schlägern, wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt.

Strohmeier bei einem Aufmarsch des III. Wegs in Deggendorf im August. Foto: Witzgall

Strohmeier bei einem Aufmarsch des III. Wegs in Deggendorf im August. Foto: Witzgall

Komplett absitzen musste Strohmeier diese Strafe offenbar nicht. Im vergangenen Jahr etwa war er in Regensburg schon wieder bei einem Aufmarsch des „Freien Netz Süd“ mit von der Partie. Seit das Netzwerk gewaltbereiter Neonazi-Kameradschaften durch das Innenministerium verboten wurde, gehört er mit zum Führungspersonal bei „Der III. Weg“, einer Partei, die sich mit ihrem Programm offen an die Ziele der NSDAP anlehnt und zum – auch so geplanten – Auffangbecken der ehemals freien Kameraden geworden ist. Strohmeier gilt bei „Der III. Weg“ als „Stützpunktleiter“ für Ostbayern. Ein Kernthema der Partei ist die Hetze gegen Flüchtlinge. Die Neonazis organisieren Aufmärsche vor deren Unterkünften, versuchen Informationsveranstaltungen der Behörden zu sprengen oder hetzen mit Flugblättern und in den sozialen Medien. Dabei docken sie nicht nur bei extrem Rechten an, sondern schüren vorhandene Vorurteile und Ängste, die in die Mitte der Gesellschaft reichen.

Mit Halbwahrheiten Unbedarfte aufhetzen

Im Bayerischen Wald etwa machte das Onlinemagazin Hogn vor einigen Tagen eine Facebook-Seite namens „Bürger stehen auf“ öffentlich, die unter dem Motto „Guter Zweck“ dafür plädierte: „Unsere Heimat soll so bleiben wie sie ist“. Mit Halbwahrheiten und der Behauptung, man sei „weder links noch rechts“ und „völlig unpolitisch“ erreichte man nicht nur offene Anhänger der extremen Rechten, sondern vor allem auch die bürgerliche Mitte.

Die Spuren führen zu Strohmeier

Mittlerweile ermittelt die Kripo gegen mehrere Kommentatoren auf der Seite, die unter anderem mit Forderungen wie „Ab nach Dachau mit denen. Ich heiz den Ofen schon mal vor.“ oder „Abfackeln sollen die Mistviecher.“ offen zu Gewalt aufgerufen hatten. Auf einer weiteren Facebook-Seite namens „Asylflut stoppen – auch in Niederbayern“ wird sich angesichts dieser Ermittlungen nun darüber beklagt, dass in Deutschland offenbar keine Meinungsfreiheit gelte, man also nicht straflos zu Mord und Brandstiftung aufrufen darf. Darüber hinaus wird für eine Petition unter dem Titel „Asylmissbrauch im Landkreis Freyung-Grafenau Ja/ Nein“ geworben. Online gestellt wurden all diese Seiten und die Petition zwar anonym, doch es werden immer wieder Fotos von „Der III. Weg“ verwendet, ebenso von Aufmärschen, die Walter Strohmeier organisiert hat.

Von der Hetzseite auf Facebook führt ein Verweis zur Domain von Walter Strohmeier. Einen Tag nach unserem Bericht wurde dieser Verweis entfernt.

Von der Hetzseite auf Facebook führt ein Verweis zur Domain von Walter Strohmeier. Einen Tag nach unserem Bericht wurde dieser Verweis entfernt.

Walter Strohmeier gehört die Domain, auf die von den hetzerischen Facebook-Seiten verwiesen wird.

Walter Strohmeier gehört die Domain, auf die von der Facebook-Seite verwiesen wird.

Wer schließlich weiterführende Links verfolgt landet bei einer Domain, die auf den Namen des 27jährigen angemeldet ist. Es scheint also auf der Hand zu liegen, dass Strohmeier, der selbstverständlich zu den Fans aller hier angesprochenen Facebook-Seiten zählt, auch zu deren Initiatoren gehört. UPDATE: Einen Tag nach Veröffentlichung unseres Berichts wurde der Link zur Domain von Strohmeier von der entsprechenden Facebook-Seite entfernt.

Auch die Petition war anonym

Während Meldungen der Facebook-Seiten wegen verhetzender Inhalte erfolglos bleiben, wurde die Petition zu „Asylmissbrauch“ zwischenzeitlich von den Betreibern von „Open Petition“ gestoppt. Begründung: „Petitionen sind nur zulässig, wenn sich der Petent im eigenen Namen mit seinem vollständigen Vor- und Nachnamen, seiner behördlich gemeldeten Adresse (öffentlich sichtbar sind nur Name und Ort) und seiner aktiv genutzten beruflichen bzw. privaten Email-Adresse anmeldet.“

In Regensburg hat man ebenso wie in den anderen Kommunen keine Auskünfte an Strohmeier weitergegeben. „Wir sind generell sehr vorsichtig mit der Herausgabe von Orten, an denen Flüchtlinge untergebracht sind“, so ein Pressesprecher. Für die Turnhalle, die derzeit übergangsweise als zentrale Aufnahmestelle genutzt wird, um neu angekommene Flüchtlinge zu registrieren, ehe sie in ihre endgültigen Unterkünfte kommen, hat die Stadt einen Sicherheitsdienst engagiert. Nicht, um die Flüchtlinge zu kontrollieren, sondern zu deren Schutz.

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Kommentare (27)

  • pars altera

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    Schrecklich; echt wirklich schrecklich!
    Nun kommen zu menschfreundlichen Blogs, wie diesem hier, Konkurrenten von der anderen menschenunfreundlichen Sozialistenseite: Feind ist, wer anders denkt; die vom Menschenfreund OB Wolbergs miteröffnete Ausstellung im DEZ ist allzeit aktuell.

  • Mathilde Vietze

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    Ich hatte mit meiner Aussage, daß diese braune Brut alles versucht,
    um in der „Mitte der Gesellschaft“ anzukommen, doch nicht so
    unrecht. Denen ist jedes Mittel recht, um zu hetzen und ihren
    geistigen Schrott unter die Leute zu bringen . Mehr haben sie
    eh nicht im Hirn.

  • R S

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    Echt gute Arbeit, Doxxing zu betreiben und die persönlichen Daten von Herrn Strohmeier gut sichtbar für jeden zu publizieren (auch wenn diese über Recherche frei zugänglich sind). Das hätte ich eher von einer braunen Hetzseite erwartet.

  • Mathilde Vietze

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    Danke, lieber Stefan, daß Du dieses „heiße Eisen“ angefaßt hast.
    Da müssen wir alle zusammenhelfen, um diesem braunen Mob
    die Platte zu putzen.

  • Stefan Aigner

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    Wir haben Adresse und Telefonnummer jetzt geschwärzt. Der Rest reicht als Beleg aus. „Doxxing“ ist schon reichlich hoch gegriffen dafür, dass man eine öffentlich zugängliche Datenabfrage nutzt, bei der ein Nutzer auch selbst dafür sorgen könnte, dass Details nicht sichtbar sind.

  • Regensburger Bürger

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    „Strohmeier schlug dem 33jährigen mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Als dieser am Boden lag, soll er ihm mehr als 20 Tritte, hauptsächlich gegen den Kopf, verpasst haben.“

    Er schlug, aber er „soll“ Tritte verpasst haben. Hm. Irgendwie hab ich das Gefühl, hier wird munter spekuliert und vom Hörensagen zitiert. Nicht die feine journalistische Art. Falls die Details jedoch aus der Gerichtsentscheidung stammen, dann „soll“ er nicht haben, sondern dann hat er.

    Ich bitte um Präzisierung.

  • Stefan Aigner

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    Wir beziehen uns bei den Formulierungen ausdrücklich auf die Berichterstattung der PNP, insbesondere auf das „soll“. Woher die definitiv festgestellten Verletzungen des Opfers exakt stammen – Schläge oder Tritte – wissen nur die Beteiligten. Vor Gericht war der genaue Hergang in dieser Hinsicht umstritten. Hauptagressor aber war -laut Urteil – Strohmeier.

  • Rosco Runners

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    Hauptagressor? Also war auch das Opfer kein Lämmchen? Hört sich irgendwie schon anders an!

  • Stefan Aigner

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    Strohmeier war der aggressivere der beiden Täter. Dem Opfer wurde keinerlei Gewalt vorgeworfen. Der Angriff auf den Mann sollte „eine Lektion“ für eine angebliche Sachbeschädigung sein. Noch was?

  • Rosco Runners

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    Kommentar gelöscht. Bitte keine rein persönlichen Auseinandersetzungen mit anderen Kommentatoren.

  • Demokrat

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    Die Ayslpolitik in Bayern wurde in den letzten Jahren leider vor sich hergeschoben. Es ist an der Zeit klare Strukturen, entsprechende Mittel aber auch Vorkehrungen zu treffen um sich klar zu einer menschlichen Asylpolitik zu bekennen. Vor allem die bayerische Staatsregierung an der Spitze Herr Seehofer sollten endlich beginnen die Staedte und Gemeinden zu unterstuetzen. Umsetzung mit klaren Definitionen, Zahlen, Hilfsaktionen benennen und informieren vielleicht mit einer ProAsyl Broschuere um Angst zu nehmen und Entspannung zu schueren. . Somit koennen asylfeindliche Personen,die Unwissenheit von verunsicherten Mitbuergern,als auch Motivationen zu Aufwiegelungen und Fehltritte anderer Art, nicht nutzen. Der erwaehnten Person sollte nicht zuviel Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Stadt soll weiteraufmerksam sein, fand ich toll.

  • Sven ausm bunten Woid

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    Mysteriös. Die Faceook-Seite „Asylflut stoppen – auch in Niederbayern“ hat reagiert, und soeben den Link zu http://www.info-niederbayern.org entfernt.

  • Stefan Aigner

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    Danke für den Hinweis. Wir haben den Artikel aktualisiert und um ein weiteres Foto ergänzt.

  • Veronika

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    Mal wieder ein Grund freie JournalistInnen in der Oberpfalz zu mobben? Hoffentlich nicht, denn man könnte ja die grds. Zahlen und wo Flüchtlinge untergebracht sind, auch ganz offiziell bekannt machen. Ich sehe da grds. kein Problem, wenn die Gesellschaft dann auch so tolerant und weltoffen ist und aufpasst, dass dort nichts geschieht/ geschehen kann.

  • Veronika

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    Was man derzeit aber in der Nordoberpfalz – speziell in Weiden in der Oberpfalz erlebt – ist haarsträubend. Flüchtlinge in einer „Mehrzweckhalle“ unterbringen zu wollen, und auf diese Weise Flüchtlinge als Problem darzustellen, finde ich nicht besonders schön. Wie ich gehört habe würden viele PrivatvermieterInnen Unterkunft bieten, nur scheint man von politischer Seite nicht zu wollen.

  • Veronika

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    Aber bitte mal! In einem solchen Fall sollte man schon wissen, welche Farbe wo zu finden ist. In einem freiheitlich demokratisch verfassten Rechtsstaat wird diesem Herrn schon niemand was tun, und Antifaschisten sind – soweit ich informiert bin – in Regensburg u. U. gar nicht vorhanden. Aber schön von Herrn Str., dass er seine Online-Informationen nicht besser verschlüsselt. Scheint also Gott sei Dank doch noch nicht alles IT-Wissen dorthin vorgedrungen zu sein.;-)

  • hs

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    Zitat Veronika: Scheint also Gott sei Dank doch noch nicht alles IT-Wissen dorthin vorgedrungen zu sein.
    Zitat Ende
    Wie kommen Sie darauf, einen Wissensstand oder Berufszweig einer politischen Ausrichtung einzuordnen? Als langjähriger Softwareentwickler (nein, kein Webseiten-Pixelschubser) kann ich nur sagen : Ein „Schmarrn“ wird hier teilweise geschrieben…

  • hans

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    @hs Ein aufgeklärtes Weltbild und rechtsextremer Dogmatismus schliessen sich nunmal gegenseitig aus.

  • Nazi-Partei gibt Unterlassungserklärung ab » Regensburg Digital

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    […] oder „Asylbetrügern“ die Rede. Mit Unterstützung einschlägig vorbestrafter Gewalttäter, die sich als Journalisten ausgaben, hat „Der III. Weg“ eine bundesweite Karte von Asylunterkünften erstellt und bietet einen […]

  • Michael Adam

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    Walter Strohmeier jun. lebte während seiner Jugendzeit nur wenige Meter von meinem Elternhaus in Bodenmais entfernt. Ich kann drei Gegebenheiten berichten:
    Zuerst schlug Herr Strohmeier einen Bodenmaiser Hotelier zu Boden, um ihn anschließend mit Springerstiefeln zu traktieren. Das Ergebnis: Verletzungen und ein Knochenbruch. Zuvor hatten er und seine „Kameraden“ vor dem Hotel spätabends laute Neonazi-Musik gespielt und einschlägige Parolen gerufen. Als sich der Hotelier dies mit Blick auf seine schlafenden Hotelgäste verbat, kam es zu der Gewalttat. Ich habe heute extra nochmal bei dem betreffenden Hotelier nachgefragt. Der Täter war Walter Strohmeier jun. Einige Zeit später die gleiche Aktion vor einem Bodenmaiser Elektrogeschäft, unweit des vorgenannten Bodenmaiser Hotels. Diesmal wurde der Seniorchef des Elektrobetriebs, ein gebrechlicher, alter Mann von Strohmeier – unter „Volksverräter“- und „Volksschädling“-Rufen – fast getötet. Zudem erhielt ich während meiner Zivildienstzeit selbst einen Besuch von Strohmeier und seinen „Kameraden“. Sie passten mich nach dem Ausgehen vor meinem Elternhaus ab, um mir mitzuteilen, dass ich besser nicht mehr als Juso-Mitglied an Anti-Nazidemos teilnehmen solle. Ich antwortete, dass die Herren dies schon bitte mir selbst überlassen müssten. Daraufhin wurde ich unter Androhung von Gewalt bis zur Haustür verfolgt. Die Herren versuchten die Tür anzuschlagen. Es erging damals Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
    Besonders pikant ist es in diesem Zusammenhang, wenn Herr Strohmeier nun bei Demos einen härteren Umgang des Staates mit (ausländischen) Straftätern fordert. Gäbe es einen solchen nämlich, würde er selbst noch heute im Gefängnis sitzen.
    Fazit: Herr Strohmeier hat keine Kontrolle über sich. Und deswegen dürfen er und seine „Kameraden“ niemals die Kontrolle über unseren Staat bekommen!
    Michael Adam
    Landrat Landkreis Regen

  • Mathilde Vietze

    |

    Ein ganz großes Dankeschön an Michael Adam, der diesen „Kameraden“ und
    seine „Heldentaten“ so authentisch geschildert hat. Nachdem Herr Strohmeier
    offenbar zu nichts anderem zu gebrauchen ist, als zum Zoffmachen, versucht
    er jetzt auch noch sich als „Journalist“ aufzuspielen. Für wie blöd hält der denn
    seine Mitmenschen?

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