Nach Massenzulassungen

Kuschelige Verhältnisse an der OTH

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Die Fachschaft lud die knapp 500 Erstsemester zum Frühstück ein. Foto: Bothner

Die Fachschaft lud die knapp 500 Erstsemester zum Frühstück ein. Foto: Bothner

Neue Stellen, Toilettenumbauten und angemietete Hörsäle – so versucht die OTH dem Massenansturm beim Studiengang Soziale Arbeit Herr zu werde. Grund für die zahlreichen Anmeldungen war ein Verwaltungsfehler.

„Ist doch schon viel kuscheliger hier.“ Professor Wolfram Backert probiert es mit Humor. Bei der Einführungsveranstaltung am Montag ist es ihm erkennbar ein großes Anliegen, den knapp 500 Studienanfängern Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. „Wir haben es geschafft, dass alle Lehrveranstaltungen hier am Campus stattfinden werden. Inwieweit, dies auch in den kommenden Semestern so bleiben wird, wird man sehen müssen.“ Backerts Botschaft: Die OTH Regensburg im Allgemeinen und seine Fakultät im Speziellen haben die Lage im Griff. Man habe alle Möglichkeiten ausgenutzt, um das befürchtete Chaos zu verhindern.

Knapp 20 neue Stellen

Als regensburg-digital vor drei Wochen meldete, dass durch einen Verwaltungsfehler im kommenden Wintersemester weit mehr als die erwarteten 150 Erstsemester zum Studiengang Sozialen Arbeit zugelassen wurden, entfachte dies nicht nur teils bundesweite Berichterstattung, sondern sorgte auch für einige Diskussionen in den sozialen Medien. Chaotische Zustände wurden befürchtet, ebenso, dass die OTH höhere Anforderungen stellen würde, um so den großen Andrang rasch zu reduzieren. Und in der Tat war es für die gesamte Hochschule ein großer organisatorischer Aufwand, die Rahmenbedingungen so reibungslos wie möglich zu gestalten. Das lässt sich schon an der Einführungsveranstaltung ablesen. Da an der OTH selbst keine Räumlichkeiten mit ausreichend Platz vorhanden sind, musste die Fakultät ins Audimax der Universität ausweichen.

Dekan Backert: "Ist doch schon viel kuscheliger..." Foto: Bothner

Dekan Backert: „Ist doch schon viel kuscheliger…“ Foto: Bothner

Dort verspricht Dekan Backert, dass sich das Niveau des Studiums nicht verändern werde und tritt damit entsprechenden Befürchtungen in den sozialen Medien entgegen. Man habe knapp zwanzig zusätzliche Lehrbeauftragte eingestellt, um den Lehrplan zu erfüllen. Ein emeritierter Professor werde mit zusätzlichen Kursen aushelfen und generell würden Kurse zum Teil mehrfach angeboten. Es geht aber auch um ganz banale Dinge. So wurden für Studentinnen der Sozialen Arbeit durch den Umbau von Herrentoiletten zusätzliche Toiletten geschaffen.

Dennoch gibt es nach wie vor Bedenken, Kritik und Probleme. Da ist beispielsweise die bekannte Wohnungsproblematik. Eine Studienanfängerin erzählt, dass sie trotz intensiver Suche nur weiter außerhalb ein Zimmer finden konnte. „Dadurch werde ich teilweise drei bis vier Stunden zwischen den Kursen an der OTH verbringen müssen, da es sich nicht lohnt nach Hause zu fahren.“ Das habe auch damit zu tun, dass die Stundenpläne aufgrund der Kursplanung für die fast 500 Studierenden bei manchen stark zerpflückt sind.

„Drei Wochen vorher ist es zu spät, um alles umzuschmeißen.“

„Wir haben auch nie eine Entschuldigung von der OTH gehört,“ kritisiert eine weitere Studienanfängerin und bemängelt auch das Rückstellungsangebot der Hochschulleitung. Diese hatte allen Studienanfängerinnen und -anfängern, die erst im kommenden Sommersemester anfangen, angeboten einen Studienplatz freizuhalten. Doch drei Wochen vor Studienbeginn – erst da wurde das Problem bekannt – sei es schlicht zu spät, um nochmal alles umzuschmeißen.

Zumindest die Fachschaft der Sozialen Arbeit sieht sich offenbar gut gewappnet angesichts des großen Zustroms neuer potentieller Unterstützer und Mitmacher. Nach der Veranstaltung lud sie die Studienanfänger vor dem Audimax zum Frühstück ein.

Ein angenehmer Nebeneffekt für die OTH dürfte aber ungeachtet aller Probleme sein, dass im Zuge der Massenzulassungen auch zusätzliche staatliche Mittel für zusätzliche Stellen bereit gestellt werden müssen. Ob dies und die nun ergriffenen Maßnahmen greifen, wird sich im Lauf des Semesters zeigen.

F+ür die Einführungsveranstaltung musste die OTH in das Audimax der Universität ausweichen. Foto: Bothner

F+ür die Einführungsveranstaltung musste die OTH in das Audimax der Universität ausweichen. Foto: Bothner

Grund für die hohe Zahl von Erstsemestern im eigentlich zulassungsbeschränkten Studiengang Soziale Arbeit war ein Eingabefehler beim bundesweiten Vergabeportal. Die Zahl der Studienplätze war mit 700 angegeben worden, so dass alle Bewerber zugelassen wurden. regensburg-digital hatte den Fehler öffentlich gemacht – die Hochschule wusste bereits vier Wochen vorher Bescheid.

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Kommentare (10)

  • Joachim Datko

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    Es freut mich, dass die OTH mit der Herausforderung zurechtkommt. An Herausforderungen wächst man in der Regel.

  • MrJohn

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    Regensburg braucht zumindest nicht mehr wachsen! Wohnraum sollten zuerst mal die bekommen, die schon da sind. Vor allem die Regensburger, die immer mehr durch hohe Immobilienpreise vertrieben werden.

  • Ronald McDonald

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    Da hat es genau den richtigen „Studien“gang getroffen: haben nun doch die Damen und Herren „Studien“anfänger täglich Gelegenheit, sich in praxi in der hohen akademischen Dummschwätzerkunst der Sozialen Arbeit an- und miteinander zu üben.
    Die Sozial-Arbeiter-Fachschaft der als OTH gehochstapelten Fachhochschule hat sich offensichtlich noch nicht tief genug in die Niederungen der Genderitis eingewälzt, sonst wäre dort bemerkt worden, die „Schaffung von von Toiletten für Studentinnen durch Umbau von Herrentoiletten“ ist nicht nur ein „banales Ding“, sondern auch überflüssig, nachdem nunmehr genderwissenschaftlich als gesichert gilt, daß das Wissen um das biologische Geschlecht – nur bei Hominiden selbstredend- lediglich ein Erziehungsfehler der Parental-Generation ist: deshalb haben alle StudentInnen gerade der Sozialen Arbeit das Recht auf genderwissenschaftskonforme Benutzung von Einheits-Urinalen; der dabei durch sozialwissenschaftlichen Blickkontakt eventuell zu erkennende kleine Unterschied des Urinablaßkörperteils bestätigt dann allenfalls die Rückständigkeit der biologischen Phänomenologie gegenüber der Fortschrittlichkeit sozialwissenschaftlichen Theorieschaffens.

  • blauäugig

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    @MrJohn
    Dann sollte die Stadt erst mal Conti und BMW vertreiben – das würde den Zuzug vergleichbar finanzstarker Immobiliennachfrager wirksam verhindern und auch in Regensburg die Preise und Mieten auf ein sozial verträgliches Niveau senken.
    Und die OTH und Uni sollen in Ihrem Weltbild wohl nur jene besuchen dürfen, die hier geboren sind.

  • Tröster

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    @Ronald McDonald: Si tacuisses…

  • Luchs

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    Hey Ronald,

    bei Dir scheint der Unterschied wirklich zu klein ausgefallen zu sein.

  • hutzelwutzel

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    Kommentar gelöscht. Bitte verbreiten Sie hier keine offensichtlichen Unwahrheiten.

  • Student

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    Naja, das Beklagen des Fehlens einer Entschuldigung scheint mir schon recht kleinlich.
    Umgekehrt verlangt ja auch niemand, dass sich die vielen Studienanfänger, die bei korrektem Vergabeverfahren keinen Platz bekommen hätten, nun doch bitteschön bedanken sollten, dass die OTH Ihnen doch einen zur Verfügung stellt. Die OTH bemüht sich offenbar mit den Folgen des Verwaltungsfehlers so gut als möglich umzugehen und allen zugelassenen Studenten unter den gegebenen Umständen möglichst faire Studienbedingungen anzubieten. Das ist das, was man von der OTH auch erwarten darf. Aber mehr als das?
    Und das Beklagen des Wohnungsmangels in diesem Kontext erscheint mir auch etwas unpassend – das trifft ja schließlich auch die Studenten aller möglichen anderen Studienrichtungen und keineswegs die betroffenen OTH-Studenten in besonderem Maße. Oder muss sich jetzt die OTH vielleicht auch bei den Studenten anderer Fachrichtungen jetzt noch offiziell entschuldigen, dass der angespannte Mietwohnungsmarkt aufgrund des Verwaltungsfehlers leider noch ein bißchen angespannter ist? Ich finde, dass es irgendwo Grenzen gibt…

  • Aridus Restelmann

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    Es würde sich m.E. – frei nach M. Franze – für Sie empfehlen, als Privatier ohne Ausbildung, still zu schweigen und sein dummes Maul zu halten. Unqualifizierte, nicht fundierte Rundumschläge gegen alle für Sie unerreichbaren Professionen sind Ihrer Person zudem unwürdig.

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