Proteste gegen "Lebensschützer"

Maria voll der Gnade?

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Polizeischutz für die Gebetsvigil in der Stiftskirche St. Johann. Fotos: Mathias Roth

Polizeischutz für die Gebetsvigil in der Stiftskirche St. Johann. Fotos: Mathias Roth

Gebetsvigil unter Organisation katholischer Lebensschützer ruft am Samstagvormittag feministische Gegenproteste auf den Regensburger Domplatz

Von Philomena Gren

Öffentlichkeitswirksame Demonstrationen sogenannter Lebensschützer haben in den letzten Jahren wieder stark an Zulauf gewonnen, wie beispielsweise die 5.000 Teilnehmerinnen auf dem jährlich stattfindenden 1.000-Kreuze-Marsch in Berlin 2015 belegen. Die Zahl 1.000 ist dabei in unterschiedlichen Aktionsformen der Abtreibungsgegner präsent und steht für die von den Aktivistinnen angenommenen 1.000 Abtreibungen, die angeblich jeden Tag in Deutschland statt fänden. Das Statistische Bundesamt, das aufgrund der Meldepflicht von Schwangerschaftsabbrüchen von einer geringen Dunkelziffer ausgeht, setzt seine Daten deutlich geringer an: 281 Abbrüche pro Tag wurden für das Jahr 2013 eruiert

Auch die seit 2010 laufende Kampagne 1.000plus, organisiert durch den Verein Pro Femina e.V., arbeitet mit dieser symbolisch aufgeladenen Zahl, um nach eigenen Angaben monatlich 84.000 € Spenden einzuwerben. Mit diesen Geldern sollen Beratungsstellen auf- und ausgebaut werden, in welchen keine für einen legalen Abbruch nötigen Beratungsscheine ausgestellt werden. Unterstützt wird der Verein dabei nicht nur durch den bekannten Babynahrungshersteller Hipp, der sich so die Abnehmerinnen seiner Produkte generiert, sondern auch durch die neurechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die ihren Lesern die Kampagne über Werbeanzeigen näherbringt. 

„Bitte, Mama, lass dein Kind leben!“

Neben dieser strukturellen Arbeit zur Verhinderung von Schwangerschaftsabbrüchen nehmen sogenannte „Gehsteigberatungen“ einen bedeutenden Stellenwert in der Basisarbeit von Lebensschützern ein. Mit dieser Form der „Beratung“ wird das unaufgeforderte und oftmals übergriffige Ansprechen von Schwangeren vor Beratungsstellen und Kliniken bezeichnet, bei dem sowohl eine geplante Beratung als auch ein Abbruch als solcher mit moralisierenden Anklagen verhindert werden sollen. So berichten Betroffene, dass (zumeist) zwei Frauen auf sie zugekommen seien, eine betend, die andere mit lauter Stimme und ausladender Gestik rufend: „Bitte, Mama, lass dein Kind leben!“

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg bestätigte eine Bannmeile um eine Beratungsstelle in Freiburg, vor welcher der christliche Verein „Lebenszentrum – Helfer für Gottes kostbare Kinder“ eben solche „Beratungen“ durchgeführt hatte. Die Begründung des Gerichtes lautete, dass die Persönlichkeitsrechte von Frauen insbesondere in dieser Lebensphase zu schützen seien und daher weder „Beratungen“ noch das Verteilen von Flyern – zumeist mit Bildern eines Abbruchs illustriert –, Plastikembryonen oder sonstigem Material in diesem Raum gestattet seien. 

Veranstaltungen blieben bislang weitgehend unbemerkt

Die Vereine „Lebenszentrum – Helfer für Gottes kostbare Kinder“ sowie „EuroProlife“, die durch ihren Vorstand Wolfgang Herings verbunden sind, sind vor allem in Freiburg im Breisgau und München – dem Sitz der Geschäftsstelle – aktiv, aber auch andernorts nicht untätig. Als Ansprechpartnerinnen vor Ort fungieren seit mindestens acht Jahren Vigilleiterin Petra Gunser aus Donaustauf sowie Edmund Bachmeier aus Regensburg, deren Veranstaltungen bisher zumeist unbemerkt und damit von feministischer Seite unbeantwortet abgehalten werden konnten. Dies änderte sich jedoch mit der für den 30 Januar geplanten Gebetsvigil in der Stiftskirche St. Johann, die für die Veranstalter in einem sehr wörtlichen Sinn nicht so verlief wie geplant – doch der Reihe nach:

Ursprünglich hatte der erwähnte Verein „Helfer für Gottes kostbare Kinder“, der seinen Sitz im Münchner Westend nahe einer Praxis hat, in welcher unter anderem Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden, zu einer Gebetsvigil ab 09:30 Uhr in der Stiftskirche St. Johann (am Domplatz) zum gemeinsamen „Beten für das Leben“ geladen. Dieser Einladung waren am Samstagvormittag etwa 35 Personen nachgekommen, um nach einer Messe für das „ungeborene Leben“ in Form eines Prozessionszuges, der christliche Choräle und Gebete singend einem Marienbild folgt, jene Orte aufzusuchen, an welchen Abbrüche vorgenommen werden.

Prozessionszug wird abgesagt

So weit sollte es jedoch nicht kommen, wie der zelebrierende Pfarrer Martin Wundlechner seinen überrascht dreinblickenden Besucherinnen bereits zu Beginn der Messe verkündete. Aufgrund „aggressiven Gegenprotests“, der sich bereits im Vorfeld des Vigils angekündigt habe, habe man in Absprache mit der Polizei entschieden, „den Anderen“ keine Angriffsfläche zu bieten und das gemeinsame Gebet statt auf der Straße in der Kirche zu vollziehen. Dadurch werde nach Ansicht Wundlechners auch die Polizei geschützt, die durch solche Einsätze ihr Leben gebe, um andere zu schützen. Dem Einsatzleiter habe Wundlechner daher versprochen, dass man an diesem Tage auch für die Polizisten im Einsatz beten werde, was diesen sehr gefreut habe.

Infomaterial für Lebensschützer.

Infomaterial für Lebensschützer.

Dass den Gegenprotesten und dessen Teilnehmern aggressives und damit auch potentiell militantes Verhalten unterstellt wird, ist ein oft bemühter Vorwurf, auch wenn beispielsweise der Aufruf des feministischen Petra Pan Projekts wenig Interpretationsraum für geplante An- oder Übergriffe auf die Veranstaltung in der Stiftskirche bietet. Weitaus unbekannter dürften dagegen zwei im Jahr 1980 verübte Brandanschläge auf Pro-Familia-Beratungsstellen in Hamburg und Bremen sein, die der ProLife-Bewegung zugerechnet werden.

In der Regensburger Stiftskirche wurde sich jedoch für einen friedlichen Umgang mit den Andersdenkenden auf den Straßen entschieden, um diese „Anderen mit ihrer Wut im Bauch alleine zu lassen“. Stattdessen betonte Pfarrer Wundlechner die Botschaft der Liebe, die an alle Mütter, Väter und Kinder, aber auch an jene Kliniken und Praxen herangetragen werden solle, in denen Abtreibungen vorgenommen werden. Um diese Botschaft zu unterstreichen, wurde reichlich und mit vollem Einsatz gesungen, zelebriert und gebetet. Sogar das Gesangbuch, ein laminiertes Ringbuch mit Mariencover, schien eigens für die Vigil gestaltet worden zu sein.

Es werden Namen gesammelt

Ursprünglich sollte mit einem Marienbild durch die Stadt gezogen werden.

Ursprünglich sollte mit einem Marienbild durch die Stadt gezogen werden.

Für Interessierte hielt ein Infotisch in Eingangsnähe nebst Broschüren, einem Flyer für die nächste Vigil am 29. Februar sowie kleinen Plastikembryonen, auch ein Büchlein bereit, in welches die Namen von Personen geschrieben werden konnten, die einen Abbruch vornehmen ließen oder an einem solchen beteiligt waren. Selbstverständlich, wurde rasch ergänzt, dürften auch die Namen der ungeborenen Kinder eingetragen werden, denn diese existieren schließlich bei Gott. Wie schlussendlich mit diesen Namen und Informationen verfahren wird, wurde jedoch offen gelassen.

Die Position des Pfarrers und damit vermutlich auch der Veranstalter zu Schwangerschaftsabbrüchen war hingegen deutlich und unmissverständlich: Der Mensch kann nach Ansicht Wundlechners nicht über sich selbst verfügen, er gehöre Gott, jeder Mensch sei Geschenk Gottes, weswegen Schwangerschaftsabbrüche eine schwere Sünde des Menschen gegen den Menschen darstelle.

Unweigerlich kommt einem dabei die Rede von Barbara Nirumand in den Sinn, die sie 1972 anlässlich eines Experten-Hearings des Sonderausschusses des Deutschen Bundestags zur geplanten Reform des §218 StGB hielt:

„Solange […] die Gesellschaft ihrer Verpflichtung, für menschenwürdige Sozialisationsbedingungen für alle Kinder zu sorgen [nicht nachkommt, hat] sie keinerlei moralisches oder sonstiges Recht, die Austragung einer Schwangerschaft von einer Frau zu verlangen.“

Eine Prämisse, die sich durch die Forderung der Liebe und der Preisung des Lebens schwerlich, aber – wie die Predigt zeigt – nicht erfolglos ignorieren lässt.

Ein betfauler Besucher wird kontrolliert

Schließlich ermutigt der Pfarrer alle Anwesenden, sich weiterhin mutig und voller Liebe für das Leben einzusetzen und endet mit der Hoffnung, die kommende Vigil wieder in Form einer öffentlichen Prozession begehen zu können. Während sich die Besucherinnen der Messe anschließend einer sehr ausdauernden und engagierten Rosenkranz-Prozedur hingeben, werden durch die Mauern der Kirchenwände Geräusche vernehmbar, die darauf hindeuten, dass sich die durch das Petra Pan Projekt initiierten Gegenproteste dem Domplatz nähern.

Diese Geräuschkulisse verändert nicht nur die Atmosphäre in der Kirche, auch die an diesem Tag zahlenmäßig sehr präsente Polizei, die zusätzlich durch ein Bereitschaftskommando vertreten ist, scheint in Alarmbereitschaft. Während der Messe wird ein Besucher durch einen uniformierten Polizisten angesprochen und aufgefordert, sich auszuweisen. Es stellt sich heraus, dass eine Besucherin misstrauisch wurde, da der Herr nicht angemessen mitgebetet habe. Wie sich jedoch herausstellt, ist der betfaule Besucher von der Presse und darf trotz religiöser Passivität weiterhin teilnehmen.

„Eure Kinder werden so wie wir…“

Auf der anderen Seite der dicken Kirchenmauern findet sich derweil der als aggressiv angekündigte Gegenprotest ein, dessen Teilnehmerinnen weniger durch militantes Auftreten denn durch fröhliche und ausgelassene Stimmung auf sich aufmerksam machen. Nachdem bekannt wurde, dass die Vigil gänzlich in der Stiftskirche stattfinden wird, wird kurzerhand das Vorgehen der „Pro Choice“-Demonstration geändert und unter kreativen Parolen wie „Eure Kinder werden so wie wir, eure Kinder werden alle queer!“ und einer feministischen Version von „Danke für diesen guten Morgen“ in Richtung Stiftskirche gezogen. Der lautstarke Protest der ca. 60 Demonstrationsteilnehmer, die sich schließlich am Domplatz einfinden, erstrahlt mittels eines Fronttransparentes in einem kräftigen Lila und unterstreicht die Stimmung der Menge.

Gegenproteste in lila...

Gegenproteste in lila…

Unter dem Titel „Pro Choice“ hat die Veranstalterinnengruppe der Gegenproteste, das Petra Pan Projekt, zu einer eindeutigen Positionierung für das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche geladen und damit trotz relativ früher Stunde 60 solidarische Personen auf die Straße bewegt. Dabei kritisiert die Gruppe in ihrem Aufruf die derzeitige gesetzliche Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen (§§218, 219 StGB) als eine von „Hürden und Fremdexpertisen“ geprägte, in welche sich auch „Lebensschutz“-Aktivistinnen drängten, die vor allem durch „konservativen Antifeminismus sowie in Reihen religiöser Gruppierungen durch christlichen Fundamentalismus“ gekennzeichnet seien. Aber auch das Thema Menschen mit Behinderung ist den Veranstaltern ein Anliegen, wehren sie sich doch gegen eine Instrumentalisierung der Interessen von Menschen mit Behinderung zur Bewerbung von Lebensschutzpositionen.

„Danke für diesen guten Morgen“

Nach einer kraftvollen Demonstration auf der Straße und einer atmosphärisch dichten Messe einer eingeschworenen Gemeinschaft im Innern der Stiftskirche macht sich gegen 12:30 Uhr Aufbruchstimmung breit. Während die Organisatoren der Vigil auf dem Domplatz die letzten Punkte besprechen, um sich – ein wenig zerknirscht – auf den Heimweg zu machen, stimmt die lilafarben strahlende Gegendemonstration ein letztes Mal ihre Version des christlichen Evergreens „Danke für diesen guten Morgen“ an, mit dem sie eindeutig Stellung zum Thema Schwangerschaftsabbrüche beziehen und dank der allseits bekannten Melodie viele Menschen dazu animieren, in den Gesang einzustimmen.

„Danke, darauf kann ich verzichten,
danke, wir entscheiden selbst.
Es liegt nur bei der Person, ob sie
die Schwangerschaft behält.“

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Kommentare (18)

  • Christian

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    Und was will uns dieser Gastbeitrag sagen? „Wären die Abtreibungsgegner doch rausgegangen, damit wir sie stören können?“

  • Konig der Viertel vor Achte

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    Wer in Gottes Namen ist @Von Philomena Gren?

  • joey

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    viel mehr als die Namen von Teilnehmern des Gebets hätte mich interessiert, wie viele Beratungen denn von den erzkatholischen Stellen durchgeführt werden. Ich frage mich nämlich, ob da überhaupt ein Problem ist, also die kirchentreuen Stellen die Beratungsscheinstellen verdrängen. Danach sieht es ja nicht aus, der strenge Katholizismus ist ja sicher nicht auf dem Vormarsch in Bayern.
    Hat denn jemand Namen in das Büchlein geschrieben? …

    Daß in Kirchen Andachten gehalten werden und Gesangsbücher vorhanden sind, ist ja sehr interessant. Wenn 1980 zwei Brandanschläge irgendwo in Deutschland waren, ist das auch eine sehr zeitnahe Relevanz…
    35 Personen waren da! Na, das wäre ja ein richtiger „Volksauflauf“ geworden, die gehen doch in der Menge einfach unter oder werden für eine Stadtführung gehalten.

    Ein großer Sieg des Feminismus über ein paar Omas in einer Kirche. Gut, daß das für einen langen Artikel reicht.

  • JürgenRei

    |

    Wo bleibt denn der Aufschrei der Linken Kampfemanzen bezüglich der aktuellen Vorfälle gegenüber Mädchen und Frauen seitens der Refugees?
    Schauen die da bewusst weg oder müssen sie wegschauen, oder passt das einfach nicht in ihr vorgegebenes Schema?

  • Alfons

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    Mich hats interessiert und ich finde es gut, dass Gastkommentatoren und ihren Belangen hier Raum gegeben wird. Maßstab is für mich dabei nicht eine wie immer geartete gesellschaftliche Relevanz die an Teilnehmerzahlen festgemacht wird, sondern der Versuch einer kleinen Gruppe ihre radikalen, bevormundenden Regeln der Gemeinschaft vorschreiben zu wollen. Daher widerspreche ich Herrn Joey. Für mich ist es von gesellschaftlicher Relevanz, wenn immer mehr Gruppen ob groß oder klein, ihren Glauben zum Dogma macht und dies autoritär durchsetzen will und tut. Diese Selbstgefälligkeit und Ignoranz ist ein gesellschaftliches relevantes Thema und gefährdet den bisherigen Zusammenhalt der Gesellschaft, durch Demokratie und Grundgesetz.

  • joey

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    @Alfons
    „autoritär durchsetzen“ habe ich im Artikel nicht gelesen (wie denn…). Die Erzkatholischen wollten offenbar nur eine Demo mit Marienbild machen, das ist in diesem Land erlaubt. Wenn auch vielleicht nicht besonders schlau.

    Würde Petra Pan auch vor einer Moschee (oder einer orthodoxen Kirche) Gegengesänge veranstalten? Da dürfen Frauen nicht mal Fürbitten vortragen und müssen ganz hinten hinter Gittern sitzen. Über Sexualmoral und Familienplanung im Islam brauche ich hier wohl nicht viel schreiben.

    Zwar dürfen auch Petra Pan demonstrieren wo sie wollen, wer aber glaubwürdig bleiben will, sollte seine Kritik besser gleichermaßen verteilen. Die letzten Heuler des Katholizismus muß man nicht durch Erregung aufwerten, die kann man schlicht vergessen.

    Wesentlich gefährlicher sind die wirtschaftliche Macht der Kirchen und ihre noch existierenden Sonderrechte.

  • menschenskind

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    „Da dürfen Frauen nicht mal Fürbitten vortragen und müssen ganz hinten hinter Gittern sitzen. Über Sexualmoral und Familienplanung im Islam brauche ich hier wohl nicht viel schreiben.“

    Da sollte man aber als Deutscher den Mund nicht so voll nehmen. Bei uns allerchristlichsten Menschen ist es auch keine 100 Jahre her, dass Frauen ein Stimmrecht erhielten. Und unsere königliche Hoheit, Kronprinz Rupprecht von Bayern (erst 1955 vom großen Manitou in die ewigen Jagdgründe abberufen worden) hat noch bis an sein Lebensende frauenfeindlichen Bockmist von sich gegeben.
    http://asf-bayern.de/meldungen/95-jahre-frauenwahlrecht/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenwahlrecht

    Seine königliche Hoheit, der Oberbayer Rupprecht, war der frauenfeindlichen Ansicht:

    „Die Japanerin besitzt ein hingebendes Wesen und ist, wie ich öfters beobachten konnte, voll zärtlicher Aufmerksamkeit für ihren Gatten… Als Mutter ist die Japanerin vorzüglich. Sie pflegt ihre Kinder lange zu stillen und hängt mit großer Liebe an ihnen.“ (Ostasien, S. 333f)

    „Da ich von Gauklern spreche, sei einer Gruppe von Tänzerinnen gedacht, die ich in einem Bade zu Dehli auftreten sah. Die Mädchen waren weder schlank noch schön und ihre Arme von fast affenartiger Länge.“ (Indien, S. 179f)

    „Büßerinnen, häßliche alte Vetteln mit kurzgeschorenen Haaren und Halsketten aus Nußschalen stehen an ihren gewohnten Badeplätzen (am Fluss Ganges) versammelt, doppelt abschreckend in den feuchten Gewändern, welche ihre welken Formen erkennen lassen.“ (Indien, S. 80)

    (In Birma) „Kaum hatten wir die bereitstehende Fähre bestiegen, stürzten sich etliche Mädchen ins Wasser und schwammen gewandt wie die Enten an die Fähre heran, indem sie uns mit Scherzworten begrüßten. Ihr wohlklingendes Lachen und ihre naive Heiterkeit wirkte entzückend. Sie trugen Blumen im blauschwarzen Haare und waren nur mit dem enganliegenden Potzo bekleidet, das ihre schönen Köperformen deutlich erkennen ließ.“ (Indien, S. 261)

    „Unter den Mädchen (Birmas), besonders im Süden, trifft man entzückende Erscheinungen und ich stehe nicht an, ihnen den Preis unter allen Schönheiten des ferneren Ostens zuzuerkennen. Ihr munteres und dabei entschlossenes Wesen hat etwas Gewinnendes… Gleich einer Katze säubert und putzt sich die Birmanin den ganzen Tag; dazwischen scherzt und lacht sie, kostet allerlei Näschereien, kaut Betel oder steckt eine jener unförmlichen Zigarren in Brand, die aus einem gerollten Pisangblatt bestehen…“ (Indien, S. 269f, 272f)

    (Smyrna/Izmir) „Die Gefängniswärterin, eine dicke alte Türkin, strahlte vor Vergnügen über unseren Besuch und erschöpfte ihre Kräfte in zahllosen Verbeugungen. Anders die Insassinnen der Zellen, die sich bei unserem Anblick sofort in eine Ecke flüchteten und sich Tücher über den Kopf zogen. Eine einzige machte eine Ausnahme. Sie war in lila Samt gekleidet und streckte uns ihre mit silbernen Armbändern geschmückten Hände entgegen, indem sie in theatralischer Weise ihre Unschuld beteuerte und uns anflehte, wir sollten sie retten. Das unstete Funkeln ihrer Augen und ihr ganzes Mienenspiel hatte durchaus nichts Vertrauenserweckendes. Sie war, so hörte ich, wegen Giftmords verurteilt, die Bewohnerin ihrer Nebenzelle aber, ein fettes Scheusal, weil sie ihre Schwiegertochter in einem Brunnen ertränkt hatte.“ (Orient, S. 142)
    http://www.hagalil.com/2012/11/rupprecht-von-bayern/

  • joey

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    @Menschenskind
    richtig: die Gleichberechtigung ist bei „uns“ auch noch nicht sehr alt. Da brauchts auch keine Wittelsbacher, da reichen die restaurativen 50er Jahre.

    Die paar Erzkatholischen haben in ihrem (breiten) sozialen Umfeld keine Wirkung. In kleinen communitys mit ethnischer Besonderheit ist das ganz anders, da kann die Wirkung von Radikalen deutlich stärker ausfallen. Das hat dann nichts mit Haar- oder Hautfarbe zu tun, das Phänomen findet sich auch bei (z.B. deutschen) eingewanderten Minderheiten in Brasilien.

  • menschenskind

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    „Wesentlich gefährlicher sind die wirtschaftliche Macht der Kirchen und ihre noch existierenden Sonderrechte.“

    Wo da joey recht hod, hod’a recht!
    Aber es ist doch pfeilgrod unser CSU-Staat, der von den Abmachungen mit der kath. Kirche so profitiert. Hie Sonderrechte, da Übernahme von Krankenhäusern, Waisenhäusern, anderen sozialen Einrichtungen für die der Staat sonst viel, viel mehr von seinem schönen Geld aufwenden müsste. Nur weil die kirchlichen Arbeitskräfte so billig ranklotzen, sparte der CSU-Staat in den letzten 60 Jahren Milliarden!

  • B.Kant

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    @menschenskind zum Kommentar von 11:56 den man so nicht ohne Widerrede und Zusatzhinweis stehen lassen kann (letzter Absatz). Bekannt sollte sein, dass es bei Zahlungen durch den Staat (sind ja nur Steuergelder) um ein Vermächtnis der Staatskirchenverträge handelt. Einfach mal googeln oder hier nachlesen: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-11/bayern-staatskirchenvertraege-konkordate
    Des Weiteren sollte auch darauf hingewiesen werden, dass z.Bsp. Kath. Kindergärten sich zwar so nennen dürfen (Trägerschaft) die meisten Einrichtungen hierzu aber mit oftmals max. 10% durch die Kirche getragen werden. Nur mal so.

  • menschenskind

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    Danke, B. Kant.
    Was lese ich da in Ihrem Link? Das sind ja Wahnsinnsgehälter! Und das für solche Hampelmänner, wie den Marx?
    Was machen denn die (bösen) Onkels in (den schwarzen) Weiberkleidern nur mit dem schönen Geld?
    Hoffentlich doch generös an die Armen in ihren Gemeinden und Diözesen verteilen, wie einst der Heilige Martin sein Gwandl?
    Soviel braucht doch kein Alleinstehender für sich allein. Es wäre jedenfalls sittlich-moralisch nicht vertretbar.

    „Reinhard Kardinal Marx …
    Bis Ende letzten Jahres wurde er auch wie 138 andere hochrangige bayerische Geistliche aus der Besoldungskasse des Freistaats direkt bezahlt. …. Zwar bekommt er weiterhin wie ein unverheirateter Ministerialdirektor netto 90 405 Euro im Jahr plus einer Dienstaufwandsentschädigung von 1.560 Euro vom Freistaat Bayern…“
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-11/bayern-staatskirchenvertraege-konkordate

    Ausgerechnet der Kardinal Marx ist ja ein ganz besonders angenehmer und lieber Zeitgenosse, sicher das schöne Geld auch wert, das er verdient:

    Zitat Wiki: „Im Jahr 2011 nahm Marx am Gesprächsforum der katholischen Kirche in Mannheim teil und nannte laut Evangelischem Pressedienst als einen Schwerpunkt für Veränderung in der katholischen Kirche den Umgang mit „gescheiterten und zerbrochenen Menschen, wozu er unter anderem Geschiedene und Homosexuelle zählte“. Dafür gab’s Kritik, und…
    https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Marx#Homosexualit.C3.A4t

    Wiki: „In einer Reaktion auf die Kritik sagte Marx, er sei „sehr unglücklich darüber“, wie seine Äußerungen dargestellt worden seien. Man könne „wirklich nicht davon sprechen, dass Homosexuelle – oder auch Geschiedene – gescheiterte Menschen wären.“ In einer weiteren Stellungnahme sagte Marx, die Kirche habe im Umgang mit dem Thema Homosexualität „nicht immer den richtigen Ton getroffen“, und forderte einen offenen Umgang der Kirche mit den beiden oben genannten Gruppen…“

    Nachher will er’s nicht mehr gewesen sein (der Feigling), die ‚verwerflichen‘ Evangelischen haben ihn (böswillig?) falsch dargestellt, da lachen doch die Hühner!
    Und so einer ist Kardinal in Bayern!
    Pfui!

  • joey

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    @Menschenskind
    die evangelische Kirche ist juristisch in Bayern und auch anderen Bundesländern genauso knüppelhart mit den „eigenen“ Arbeitnehmern. Es hat mit der CSU nur wenig zu tun.

    Schaut mal in einen Sonntagsgottesdienst in einem (übersichtlichen) Dorf und zählt die CSU Gemeinderäte… werden sich nicht viele finden (ja die gehen wahrscheinlich alle in die Frümesse…?). Die CSU ist nicht mehr katholisch, in Straubing ist sogar eine Lesbe seit vielen WahlPerioden CSU Bürgermeisterin (ihre Partnerin war auch für die CSU im Stadtrat). Das C als „christlich“ ist nicht gleich „kirchlich“. Die meisten sind doch nur wegen der Karriere dabei, das könnte auch „CooleSozialeUnion“ heißen (und nicht sein).

    Politisch sind die Kirchen durch ihre Bischofsgehälter gezähmt, aber die materielle Macht ist nach wie vor gewaltig. Hoffnung: das Sonderrecht steht längst zur Disposition, was ein geschickter Taktiker wie Marx längst begriffen hat.

  • Kanonikus2L

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    Danke vielmals für diesen wirklich informativen Artikel! Dachte nicht, dass man in Regensburg jetzt auch schon in dieser Weise rumspinnt. Eine „Hipp“e Sache!
    Wir wollen aber nicht vergessen, dass der Verein Donum Vitae vielleicht nur deshalb von einer Nachfahrin des früheren hochverehrten Regensburger Bischofs Wittmann , einer früheren CSU-Abgeordneten Geis-Wittmann gegründet wurde, damit sich die Kath. Kirche der unsauberen Schwangerschaftsabbruchgenehmigungen entledigen, diese outsourcen konnte.

    @joey: Richtig, auch meine Meinung: Das ist auch mit Donum Vitae immer noch Katholische Kirche, auch wenn die Abtreibungsgenehmigung jetzt von DV veranlasst wurde.

  • Kanonikus2L

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    @menschenskind:

    Sie sind sich wirklich sicher, dass Kard.Marx nur etwas über 90.000.– Euro/ Jahr erhält?
    Da habe ich schon von ganz anderen Zahlen gehört. Vielleicht ist es aber auch nur der Teil, den der Staat offiziell bezahlt. ;-)

  • Mathilde Vietze

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    Ohne in irgendeiner Weise moralisieren zu wollen, muß
    den Frauen doch klar sein, daß die Abtreibung, auch wenn
    sie „technisch“ einwandfrei durchgeführt wird, ein Eingriff
    in den Körper der Frau und nicht des Mannes ist. Und da
    wäre eine sichere Verhütung einfach besser.
    Dies sind die Worte eines a t h e i s t i s c h e n Gynäkologen.

  • Pia

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    Nur weil ein Mensch atheistisch ist, muss er das Patriarchat noch nicht verstanden haben.
    Wer ist für Verhütung zuständig? Welcher Körper? Welche Möglichkeiten der Verhütung gibt es? Wer muss das bezahlen und ständig einfordern? Welchen Körper gilt es wahlweise zu beschützen oder anzugreifen bzw. sich daran abzuarbeiten? Wie ist die Sexualpädagogik in Schulen gestaltet? Wie laufen Beziehungen und Sex im Patriarchat ab? Wer hat die Schwangerschaft auszutragen? Wer verliert ihren Job/muss Teilzeit arbeiten? Wer muss am Ende oft das Kind großziehen bzw. welche Aufgabenverteilung gibt es bei der Kindeserziehung?

  • Mathilde Vietze

    |

    Eine selbstbewußte Frau wird sich nicht mit dem nächst-
    besten Saubären einlassen, nur, weil sie es momentan
    nötig hat, sondern sich einen aussuchen, mit dem es
    auch Freude macht.

  • Angelika Oetken

    |

    Letztlich sind es Männer, die Schwangerschaften verursachen. Konsequenterweise sollten die Menschen, die sich als „Lebensschützer“ bezeichnen, auch bei denen ansetzen.

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