14 Millionen für belastete Immobilie

Maxstraße: Städtischer Blindkauf mit schmutziger Zugabe

Print page

Seit fast eineinhalb Jahren werden Bewohner des ehemaligen HVB-Gebäudes in der Maximilianstraße mit Wasser aus dem Kanister versorgt. Das Gebäude gehört der Stadt Regensburg. Die Leitungen sind völlig marode – überprüft hatte das im Vorfeld des völlig überteuerten Ankaufs niemand.

14 Millionen-Ankauf ohne Vorprüfung: das "Hotel auf Vorrat" in der Maxstraße.

14 Millionen-Ankauf ohne Vorprüfung: das „Hotel auf Vorrat“ in der Maxstraße.

Die Anordnung des Gesundheitsamtes liest sich fast beängstigend:

„Das Wasser aus der Wasserversorgungsanlage für das o. g. Wohnanwesen ist bis auf weiteres nur in abgekochtem Zustand zu verwenden. Hierunter fällt auch das Wasser für die Körperpflege und -reinigung, Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen.“

Sie stammt vom August 2016 und ist damit fast eineinhalb Jahre alt. Und so lange schon müssen die dortigen Bewohner – zumindest diejenigen, die es bereits damals wussten – mit Wasser aus dem Kanister versorgt werden. Nicht einmal duschen ist laut der – nach wie vor gültigen – Anordnung des Gesundheitsamts in den Wohnungen möglich, die immerhin – auch mit Mietminderung – noch über zehn Euro warm pro Quadratmeter kosten. Aufnahmen zeigen: Aus den Leitungen kommen, neben den unsichtbaren Belastungen, über die die Bewohner nicht informiert werden, auch – gut sichtbar – Dreck und Steinchen. Das Haus gehört keinem Miethai, sondern der Stadt Regensburg.

“Wir haben seit der Anordnung des Gesundheitsamtes vom letzten Jahr nichts Neues erfahren“, hören wir von Bewohnern.

Ende 2014 hatte der Stadtrat den Grundsatzbeschluss gefasst, das frühere HVB-Gebäude in der Maximilianstraße 26, jahrelang Firmensitz der Kapitalgesellschaft GKM des Kapfelbergers Reinhard Listl, zu erwerben – auf Vorrat sozusagen, um irgendwann, wenn denn mal ein Kultur- und Kongresszentrum gebaut werden sollte, dort ein Hotel unterzubringen.

Schätzwert „deutlich unter elf Millionen“

Erst über einen Bericht des Ostbayern-Kuriers vom vergangenen Jahr wurde öffentlich, dass die Stadt rund 14 Millionen Euro für das Gebäude bezahlt hatte, dessen Schätzwert Experten zufolge „deutlich unter elf Millionen“ anzusetzen ist. Die Experten des stadteigenen Gutachterausschusses hatte man im Vorfeld nicht konsultiert.

regensburg-digital hatte mehrfach über den fragwürdigen Ankauf und die damit verbundenen Probleme berichtet.

Unsere Redaktion liegt eine ganz Serie von verschiedenfarbigsten Rückständen vor, die in der Maxstraße aus den Leitungen kommen.

Unsere Redaktion liegt eine ganz Serie von verschiedenfarbigsten Rückständen vor, die in der Maxstraße aus den Leitungen kommen.

Während im Dezember des vergangenen Jahres bereits (ausgerechnet) das städtische Umweltamt (vorgeblich nur) wegen überhöhter Formaldehydwerte aus dem Gebäude verlegt wurde, wurde für die verbliebenen Bewohner keine Lösung gefunden. Einsicht in die Wasseruntersuchungen der Stadt musste sich mindestens eine betroffene Person sogar per Anwalt erstreiten.

Stadt spielt das Problem herunter

Gegenüber unserer Redaktion spielte die Stadt Regensburg das Problem im Dezember noch herunter. Eine Abkochanordnung werde auch dann ausgesprochen, „wenn der Verdacht nur für einen Teil des Gebäudes gilt“. Zwar seien in den Wasserleitungen, die zu den Wohnungen führen, Keime nachgewiesen worden. Allerdings habe eine die Beprobung nach einer thermischen Reinigung der Leitungen gezeigt, „dass die Wasserleitungen, die zu den Wohnungen führen, in Ordnung sind“. Belastungen – unter anderem Blei – seien lediglich in Teilen der Leitungen nachgewiesen worden, die schon länger nicht in Gebrauch gewesen seien und Büros versorgt hätten. Aktuell (Dezember 2016) suche man nach der Quelle.

Eine Rückfrage im März ergab, dass sich an diesem Zustand nichts Wesentliches geändert hatte. An der „überwiegenden Zahl der Entnahmestellen“ sei das Wasser in Ordnung, an anderen nicht. Die Mieter würden deshalb „vorsorglich“ mit „Trinkwasser in Behältnissen“ versorgt, hieß es weiter. Tatsächlich ist dies auch durch das Gesundheitsamt vorgeschrieben. Auch damals hatten sich Bewohner über die mangelnde Auskunftsfreudigkeit der Stadt zu den Messwerten beklagt. Und einem aktuellen Bericht der Mittelbayerischen Zeitung vom Freitag hat sich an alledem bis heute nichts geändert.

14 Millionen Euro, ohne Prüfung der Substanz

Unserer Redaktion gegenüber hatte die Stadt in der Vergangenheit erklärt, dass ihr der marode Zustand der Wasserversorgung in dem Gebäude zum Zeitpunkt des Ankaufs nicht bekannt gewesen sei. Anders ausgedrückt: Man kaufte ein Gebäude für 14 Millionen Euro quasi blind. Ebenfalls erstaunlich: Der Stadt liegt laut eigener Auskunft keine Übersicht von Trinkwasseruntersuchungen der ehemaligen Eigentümer vor – tatsächlich wären Vermieter verpflichtet, das Trinkwasser regelmäßig untersuchen zu lassen und dies zu dokumentieren. Doch auch danach hat bei der Stadt offensichtlich niemand gefragt.

Trackback von deiner Website.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (17)

  • Günther Herzig

    |

    Gäbe es Regensburg Digital nicht, würden Leute, wie ich, die ihren beruflichen Bezug zu Regensburg haben, die jedoch in der Peripherie leben (Landkreis Cham) nicht leicht Sachverhalte, wie diesen erfahren. Werden denn Bürgermeister so schlecht bezahlt, dass sie unsere, nicht ihre, Stadt so verkommen lassen dürfen? Aber Wahlkämpfe werden absurd hoch finanziert, mit Geld, das diejenigen, die es eigennützig ausgeben, selbst nicht erarbeiten mussten.

  • hs

    |

    Wenn ich mal Vorsatz nicht unterstelle kann es eigentlich nur daran liegen, dass immer mehr NiN (Nieten in Nadelstreifen) techniche Entscheidungen bzw Bewertungen treffen anstatt das Fachpersonal. Ich habe mein Haus (Bj 60) gekauft und war mir sicher, die komplette Infrastruktur (Gas, Wasser, Abwasser, Elektro) erneuern zu müssen. Für solche eine Annahme genügent der technische Grundverstand.
    BWL und VWL hat in der Technik nichts zu suchen, fertig.

  • Domspatz

    |

    Wenn ich mich nicht irre, dann gehörte diese Immobilie, eben dieses HVB Haus, dammals noch vor vielen Jahren der Institution Regensburger Domspatzen – der damaligen eigenständigen Stiftung Domspatzen in Etterzhausen / Pielenhofen. Nach dem Verkauf des Etterzhausener Grundstücks, so Anfang der 90er Jahre, steckte der damalige Domkapellmeister Ratzinger das gesamte Geld, so um die 2 Millionen DM, ebe in diese Immobilie in Regensburg. Nach dem großen Missbrauchsskandal, eben ab 2010, wurde diese HVB Immobilie für über 8 Millionen Euro verscherbelt. Anscheinend brauchte man Geld für den neuen Bau der Domspatzen-Grundschule in der Reichsstrasse.
    cu

  • Peter A.

    |

    @Domspatz
    Das ist richtig! Damals hat man anscheinend alle Immobilien dieser eigenständigen Stiftung verkauft. Auch wurde danach die Verschmelzung beider Institutionen , Etterzhausen/Pielenhofen und Regensburg in die Wege geleitet. Beide Stiftungen der Domspatzen wurden 2012 schon ineinander verschmolzen.
    Zum HVB Haus kann ich nur schreiben: Da hat anscheinend der Teufel seine Finger mit im Spiel…

  • Herbert H.

    |

    Stimmt, das Bankhaus gehoerte damals den Domspatzen. Als noch vor Jahren das Bischoefliche Ordinariat in Regensburg derart umgebaut wurde, bezog damals der Herr Generalvikar Michael Fuchs in diesem Bankhaus auch laengerfristig dort ein paar Bueroraeume. Das war zu der Zeit damals, als es mit dem damaligen Bischof Mueller auch wegen den dortigen Baumassnahmen auch immer wieder einen grossen Trubel gab.

  • Lothgaßler

    |

    Nein, der „Teufel“ hat seine Finger nicht mit im Spiel. Das ist eine ganz normale Spekulation auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger. Sozusagen eine Win-Win-Win-Situation (Domspatzen, GKM, zukünftiger Hotelinvestor) Am Gebäude selbst hat niemand Interesse, sondern an der Lage und am Grundstück.
    Was sich der Hauseigentümer Stadt Regensburg allerdings jetzt mit den Mietern erlaubt ist schon einen Zungenschnalzer wert.
    Sollte das Kongresszentrum realisiert werden, dann kann die Stadt einem Investor ein Grundstück in hervorragender Lage für ein Hotel der gehobenen Kategorie anbieten. Keine Sorge, der Investor zahlt nicht mehr als er muss, d.h. sicher nicht den Abriss.

  • hutzelwutzel

    |

    Respekt! Regensburg-Digital.de deckt weiter auf!

    Nachdem jetzt fast alles Oberirdische als zuhöchst „unterirdisch“ entdeckt wurde, stellt sich für Regensburg und Umgebung die Frage ob man nicht vielleicht bald noch graben müßte um auch da nach bislang verschwiegenen Mißständen zu fahnden.
    ————-
    Ich finde es ja toll, dass Regensburg sogar ein Amts- und Landgericht sowie jede Menge anderer Bundes- und Landesbehörden beherbergt, scheinbar aber rein niemand in/ aus diesen Behörden jemals solche Dinge aufgefallen waren.
    ————-
    Auch die gesamten etablierten Vertreter_innen politischer Parteien gehören sich damit eigentlich „vom Hofe gejagt“.
    Es erklärt sich nun auch, warum der „große Kuchen“ Regensburger Grundstücke und Immobilien seit jeher nur „einheimisch“ – und sei es über Neugründung mit ortsfremden Geschäftsführer_innen besetzte Unternehmen ge-,verkauft und verwaltet wurde und wird.
    Hätte man hier längst und ehrlich fremde Investor_innen auf das Stadtgebiet gelassen, wären diese Schwindeleien sicher viel früher ans Licht gekommen.
    Trotzdem gilt: Der Kuchen ist verteilt, einzelne Grundstücke und Immobilien zu großen Millionen schweren Assets zusammengefasst, und die/ der einfacher Bärger_in (Regensburgs, Bayerns, Deutschlands) kann hier nichts mehr kaufen.

    Passt doch, dass jetzt nur noch kaufen kann, wer Millionen hat. Im Mittelalter waren es Unbegüterte und Leibeigene die nix zu sagen hatten, weil andere Leute das Geld hatten.
    Heute sind unten wenigstens ein paar Brotkrummen, sonst hat sich nichts geändert.

    Kleine Anmerkung noch: George Orwell’s Schönsprech:

    Tafel:
    Früher die Speisegelegenheit für die Begüterten und
    Erwähnten
    Heute besser bekannt als Notversorgungseinrichtung für
    die Ärmsten der Armen.

  • R.G.

    |

    Gibt es schon Mieter, die man wegen untypischen Beschwerden ins psychische Eck schiebt?

    Wurden sie über die Untersuchungsergebnisse des Trinkwassers informiert?
    Gaben ihnen wenigstens die Grünen die Namen von unabhängigen Instituten zur Überprüfung selbst eingeschickter Proben bekannt?

    Wie sieht es mit den Zuleitungen zum, und im Haus aus?
    Sind noch Bleiverrohrungen vorhanden?

    Untersucht man das Wasser auf Legionellen?

    Wissen die Mieter Suchworte für eventuell bei unzuträglichen Beimengungen auftreten könnenden Gesundheitssörungen?
    (Sick Building Syndrom, Mcs, Schwermetallbelastungen etc.)

    Wenn schon die Leitungen marode sein könnten, gibt es dann auch Asbest im Haus verbaut? Das wäre zumindest konsequent Altbestand.

    Gruselig.

  • Jürgen

    |

    So alt sieht das Haus nicht aus. Ich schätze frühe 80er Jahre.
    Was soll an den Leitungen defekt sein? Das ist kein Alter. Bleirohre sind auszuschließen.
    Ich habe im inneren Westen gewohnt und mein Perlator sah auch wie auf dem Bild aus. Rost, und Kalk sind nicht gefährlich.
    Als Mieter würde ich das Wasser selbst mal analysieren lassen.
    Das sieht ganz danach aus, dass man das Gebäude mietfrei bekommen möchte.

  • Rosalia Genoveva

    |

    @Jürgen

    Mei, bin ich froh, dass sie da sein.
    Sind Sie dann ein Rohrschlupfer? Ich hab ghört, das gibt es.

    Falls Sie durch die Rohre bis unter die Straße durch bis zu dem Haus gschlupft sind, und da verlässlich keine Bleileitungen gesehen haben, tät mich interessieren, was Sie anstatt dessen beobachtet ham.
    Isses spannend da unten?

    Für alle was nicht so sportlich sein, tuts vielleicht doch eine Probenentnahme nach Vorschrift:

    http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/blei-im-leitungswasser-so-testet-man-rohre-auf-blei-a-1003579.html

  • Jürgen

    |

    @Rosalia Genoveva:
    Bleileitungen in der öffentlichen Wasserversorgung der Stadt sind, wenn es so wäre, ein generelles Problem der Stadt und nicht das Problem eines einzelnen Gebäudes.
    Hier müsste wenn dann der ganze versorgte Bereich gesperrt werden. Dann sprechen wir von Straßenzügen oder Stadtteile.
    Meines Wissen nach werden Bleirohre schon seit dem 19 Jh. in Süddeutschland nicht mehr verbaut. Deutschlandweit wurden sie bis 1973 verbaut. Seit Dezember 2013 gilt in Deutschland für Blei im Trinkwasser ein verschärfter Grenzwert.
    Die Probeentnahme und Analyse würde ich einem Fachmann überlassen.

  • Rosalia Genoveva

    |

    Schönen Gruß noch vom Bonifaz!

    Er sammelt gerne lange Wörter.
    Eines hat ihm sehr gut gfallen, das hamm ma jetzt glei ausprobiert.

    Unter dem simplen Namen MuenchnerTrinkwasserdatenbanksuchmaschinenauskunftergebnis hamma das in den Computer einsortiert ghabt, nutzs den MIetern dort net, so schadts net:

    https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3058.pdf

    Der Ratgeber heißt:
    Trink was- Trinkwasser aus dem Hahn, Gesundheitliche aspekte der Trinkwasserinstallation.
    Er stammt vom Umweltbundesamt.

  • Markus Frowein

    |

    Manchmal habe ich den Eindruck, (u.a.) Regensburg ist eine Stadt, die in der Dritten Welt liegt und sowohl die Behörden, als auch Immobilienhaie und deren Spezl aus der Politik versuchen, diesen Umstand zu vertuschen, indem sie so viele gleich aussehende, mit Billigst-Materialien und Arbeitern aus Schwellenländern gebauten, Schuhschachteln hinstellen, um so zu tun, als wenn man der Bevölkerung einen Hauch von Luxus verkaufen könnte. In Wirklichkeit sieht es aber dann so aus, wie oben beschrieben, was man aber nie in den „normalen“ Nachrichten hört oder liest Das Ganze nennt man dann „Nachhaltige Stadtentwicklung“. Und alle kaufen diesen Scheiß.

  • Wassermann

    |

    ‚verschiedenfarbigsten Rückständen vor, die in der Maxstraße aus den Leitungen kommen‘
    In unseren Leitungen in den Orten schauts fast überall so aus. Spätestens wenn nix mehr durchläuft einfach den Aerator reinigen. Das ist Sache des Mieters.

  • Rosalia Genoveva

    |

    Der Fazi will nicht, er denkt ich bin zu schlicht.

    Kann mir vielleicht wer von da erklären, was eine Immobilienblase ist, und wie die am Anfang und in der Mitte drin auschaun tät, wenns zum Beispiel irgendwo in Bayern wär?

    Ich mein, würde man da lauter Sachen für Bessergstellte baun, bis die sagen: „Na, danke mir graust schon“, und nix mehr kaufen?
    Oder wie jetzat?

  • Stefan Aigner

    |

    @Domspatz und andere

    Das Gebäude hat zumindest seit über zehn Jahren nie einer Einrichtung gehört, die mit der katholischen Kirche oder den Domspatzen in Zusammenhang steht.

Kommentieren