Wie die MZ mit einem Kampfbegriff umgeht

Mediales Obergrenzen-Tourette

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In seiner Neujahrsansprache soll Oberbürgermeister Joachim Wolbergs eine Obergrenze für Flüchtlinge gefordert und damit CSU-Chef Horst Seehofer „den Rücken gestärkt“ haben. Das behaupten Mittelbayerische Zeitung und Wochenblatt. Gesagt hat Wolbergs allerdings etwas anderes und seine Aussage ist auch nicht neu. Wie eine Obergrenze durchgesetzt werden soll, konnten die Schöpfer dieses Kampfbegriffs bislang nicht erklären.

OB Wolbergs hat "Obergrenze" gesagt, ohne "Obergrenze" gesagt zu haben - Dokumentation einer journalistischen Fehlleistung. Foto: Staudinger

OB Wolbergs hat „Obergrenze“ gesagt, ohne „Obergrenze“ gesagt zu haben – Dokumentation einer journalistischen Fehlleistung. Foto: Staudinger

„Dieses Land wird niemals vertragen, Flüchtlinge in einer Größenordnung von 1,1 Millionen jedes Jahr aufzunehmen. Niemals. Das überfordert dieses Land. Flüchtlinge in einer Größenordnung von 200.000 oder 300.000 aufzunehmen, verkraftet dieses Land aber gut. Das weiß auch jeder.“ OB Joachim Wolbergs in seiner Neujahrsansprache am 8. Januar 2016

Der Redaktionsleiter des Regensburger Wochenblatts kam als Erster. Unmittelbar nach der Neujahrsansprache des Regensburger Oberbürgermeisters deutete Christian Eckl die Aussage von Joachim Wolbergs gemäß der Agenda um, die er mit seinem Blatt bereits seit längerem verfolgt. Notfalls auch auf Kosten der Realität. „Mehr als 300.000 Flüchtlinge verkraftet Deutschland im Jahr nicht“, legte Eckl dem Oberbürgermeister in der Schlagzeile in den Mund. Im dazugehörigen Artikel wurde erklärt, dass Wolbergs damit „quasi über Seehofers Obergrenze gesprochen habe“. 

Wenig später zog die Mittelbayerische Zeitung nach. Während im Liveblog, mit dem die MZ den Neujahrsempfang begleitete, dieser angeblich so wichtige Aspekt von Wolbergs‘ Rede nicht einmal erwähnt wird, geschweige denn, dass von der Forderung nach einer Obergrenze die Rede wäre, folgten kurz nach der Veröffentlichung des Wochenblatts zwei Artikel, in denen dieses Thema in den Fokus der Berichterstattung gestellt wird. „Obergrenze-Debatte: Wolbergs wagt Vorstoß“, hieß es nun in einer Schlagzeile.

MZ: „Joachim Wolbergs stärkt Horst Seehofer den Rücken.“

Auf Facebook schreibt die Mittelbayerische gar:

„Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs stärkt Horst Seehofer den Rücken: Beim Neujahrsempfang spricht er sich für eine Flüchtlings-Obergrenze aus.“

In dem Artikel, der es auf die Titelseite der MZ-Wochenendausgabe geschafft hat, wird die SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen mit dieser angeblichen Forderung des Regensburger Oberbürgermeisters konfrontiert – sie geht darauf, laut MZ, nicht ein. Einige CSU-Granden – JU-Chef Michael Lehner, Staatssekretär Albert Füracker, Sozialministerin Emilia Müller, ja selbst CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer – dürfen sich begeistert über „die klaren Worte“ des Regensburger Stadtoberhaupts äußern.

Klar verständlich? Offenbar nicht für jeden.

Eigenwillige MZ-Interpreation auf Facebook.

Eigenwillige MZ-Interpreation auf Facebook.

Klar gewesen mögen Wolbergs‘ Worte durchaus sein. Aber offenbar nicht klar verständlich für jedermann. Vor allem nicht für jeden Journalisten.

Wie bereits eingangs zitiert, hat der Oberbürgermeister das Wort „Obergrenze“ zum einen nicht in dem Mund genommen. Zum anderen ist es durchaus ein Unterschied, ob man nun sagt „200.000 oder 300.000 Menschen verkraftet dieses Land gut“ (Wolbergs) oder eine „Obergrenze von maximal 200.000 Flüchtlingen“ zu fordern, wie dies CSU-Chef Horst Seehofer Anfang Januar getan hat.

Hätten die Mittelbayerische Zeitung oder das Wochenblatt außerdem Äußerungen von Joachim Wolbergs in der Vergangenheit verfolgt, dann wüssten sie, dass seine Aussage alles andere als neu ist.

Wolbergs‘ Aussage ist altbekannt

In der Vergangenheit hatte der OB bereits mehrfach – etwa in Bürgerinformationsveranstaltungen oder Pressekonferenzen, von denen es ja nicht eben wenige gab – die Ansicht vertreten, dass Deutschland nicht jedes Jahr eine Million Flüchtlinge oder mehr aufnehmen könne und dass aktuell „zu schnell zu viele“ kämen. Entsprechend geäußert hatte sich der Oberbürgermeister auch beim kleinen Parteitag der Bayern-SPD in Augsburg im Oktober. Der Lokalsender TVA dokumentierte am 22. September folgende Aussage von Wolbergs:

„Jedes Jahr eine Million geht definitiv nicht. Aber jedes Jahr 200.-, 300.-, 400.000 – das braucht dieses Land sogar unter demographischen Gesichtspunkten.“

Das entspricht fast wortgleich seinen Ausführungen beim Neujahrsempfang. Zur Erinnerung:

„Dieses Land wird niemals vertragen, Flüchtlinge in einer Größenordnung von 1,1 Millionen jedes Jahr aufzunehmen. Niemals. Das überfordert dieses Land. Flüchtlinge in einer Größenordnung von 200.000 oder 300.000 aufzunehmen, verkraftet dieses Land aber gut. Das weiß auch jeder.“

Eine fast mutwillige Falschinterpretation

Doch bis zum Neujahrsempfang gab es – weder in der MZ noch im Wochenblatt – ein derartiges Bohei um diese Aussage. Es gab ja dieses – von der CSU geschaffene – Wörtchen „Obergrenze“ noch nicht.

Doch selbst ohne diesen Hintergrund und ohne den Kontext von Wolbergs‘ Neujahrsrede, die etwa die ebenfalls dazu berichtende Donaupost unter der Überschrift „OB Wolbergs fordert Unterstützung für Flüchtlinge“ zusammenfasst, ohne auf einer angeblichen Obergrenzen-Forderung herumzureiten, ist die Behauptung, der Oberbürgermeister habe eine solche Obergrenze gefordert und gar Horst Seehofer den Rücken gestärkt fast schon eine mutwillige Falschinterpretation. Ein schlagzeilenträchtiges Trigger-Wort ohne Inhalt wird zum Fokus einer Rede erklärt, die einen völlig anderen Schwerpunkt hatte.

Wie geht Obergrenze?

Wie denn diese Forderung Horst Seehofers und der CSU nach einer Obergrenze überhaupt umgesetzt werden soll, haben bislang ohnehin weder er noch sonst jemand erklärt. Auch kaum ein Medium hat sich bislang dafür interessiert, wie es denn konkret bewerkstelligt werden soll, jährlich nur noch 200.000 und zwar genau 200.000 Flüchtlinge ins Land zu lassen. Auf eine Nachfrage der Tagesschau reagierte Seehofer beleidigt und erklärte, dass man da schon eine Lösung finden werde.

Vielleicht wäre es aber sinnvoll, zunächst die Lösung vor den populistischen Kampfbegriff zu stellen. Natürlich wäre es schön, wenn weniger Menschen auf der Flucht wären. Doch wie soll sofort – weil es der CSU-Chef und einige Schreihälse fordern – eine maximale Obergrenze umgesetzt werden? Zäune hoch? Mauern hoch? Rund um ganz Deutschland? Um die ganze EU? Und obendrauf Bundeswehr-Soldaten mit Schießbefehl? Lager an den deutschen oder an den EU-Außengrenzen, in denen man alle ankommenden Flüchtlinge ab dem 200.000sten interniert? Schließlich erscheint es eher unwahrscheinlich, dass sich Menschen von ihrer Flucht werden abhalten lassen, weil in Deutschland Gesetze verschärft werden und eine Obergrenze eingeführt wird.

Die CSU belügt die eigene Klientel

Mit diesem inhaltsleeren Kampfbegriff suggeriert die CSU, die sich selbst gern für ihren Pragmatismus lobt, eine Lösung, die sie nicht hat. Sie belügt damit auch ihre eigene Klientel, in deren Ohren sich eine solche Forderung gut anhören mag. Selbstverständlich wäre es zu begrüßen, wenn es weniger Flüchtlinge gäbe, wenn Deutschland weniger Flüchtlinge jährlich aufnehmen müsste, um so eine bessere Integration – Sprache, Wohnraum, Arbeit – gewährleisten zu können, Helfer nicht an ihre Grenzen zu bringen, Ängste zu verringern und Rassisten, die Ängste schüren und instrumentalisieren, das Wasser abzugraben.

Unkritisches Aufgreifen eines Kampfbegriffs

Das geht aber nicht von heute auf morgen. Es geht nicht mit einer Rückkehr zur Abschottung der vergangenen zwanzig Jahre. Es geht nicht mit populistischen Kampfbegriffen und es funktioniert auch nicht mit einer Berichterstattung, die diese Kampfbegriffe aufgreift, sie sogar noch Politikern, die sie gar nicht verwendet haben, in den Mund legt und sie dabei nicht im Geringsten hinterfragt.

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Kommentare (17)

  • Josefine Blaubeer

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    Ja was nun ‚gilt das gesprochene Wort‘ oder gibt es eine ‚Lügenpresse‘ oder ist da einer ‚der richtige Mann in der falschen Partei‘ oder soll ich vielleicht doch nicht ‚jeden Blödsinn glauben‘?

  • Willy Anker

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    Wolbergs hat weder die Kompetenz eine deutschlandweite Obergrenze bei 300.000 Flüchtlinge zu befürworten noch 200- bis 300.000 Flüchtlinge als gut verkraftbar zu bewerten. Diese das „Boot-ist-voll“ oder „fast-voll“ Argumente von Politikern sind genau betrachtet und analysiert letzlich doch wieder nur inhaltsloses Gerede. Ein Menschenrecht läßt sich nicht quantifizieren!

  • joey

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    kleine Aufklärung: die Zahlen dienen nur dazu, die Grenze komplett zu schließen. Was sie nach der gelten Rechtslage auch ist, denn wer in Österreich landet, der ist in einem sicheren Dritt…, wer in Italien, der…

    Die Zahlen sind nur geeignet, anderen Ländern (Italien) dort gelandete Menschen abzunehmen. So gibt’s auch keinen 200001.

  • menschenskind

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    Möglicherweise hofft die CSU die osteuropäischen Länder mit wirtschaftlichem Druck zur Aufnahme von mehr Flüchtlingen zu zwingen. Dies wird nicht gelingen. Einmal sind diese Länder nicht besonders attraktiv für Flüchtlinge, weil sie als Niedriglohnländer gelten, weil ihr Sozialstaat noch nicht sehr weit entwickelt und weil die Bevölkerung besonders Muslimen gegenüber sehr unfreundlich eingestellt ist. Zum zweiten weil diese Länder des Baltikums, der Westslawen, Südslawen und umgebende ein lange zurückgedrängtes Bedürfnis nach Ausleben ihres Nationalismus haben. Lange genug durften sie unter der Knute der Sowjets nur die zweite Geige spielen; jetzt haben sie ihre Souveränität und die wollen sie erst einmal, wie lange zuvor schon die Westeuropäer, mal ausleben, und zwar breite Schichten dieser Völker wollen das.

    Es wird der CSU somit tatsächlich nichts anderes übrig bleiben als Zäune, Stacheldraht, Soldaten mit Schießbefehl und all das andere, was wir für längst überwunden hielten, wieder einzuführen. Keine schönen Perspektiven.

  • J.B.

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    Ich kann nur hoffen, dass der Oberbürgermeister eine Richtigstellung seiner Position und Aussage an gleich prominenter Stelle fordert.

    Ich habe selbst mehrere Kommentare von Bekannten gehört . „Selbst der OB hat ja jetzt seine Meinung geändert……..“

    Es fühlt sich an wie gezielte Manipulation wenn man diese Rede -s.o. – hört und daraus eine Obergrenzen – Stärkung der Position Seehofers und Teilen der CSU etc. herausfiltert.

  • Mr. Baseball

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    Danke RD für den TV-Mitschnitt, das erklärt einiges … ich hoffe auch wie J.B. das man dem OB „gleich prominenter Stelle“ auch zu Wort kommen lässt.

  • Tobias

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    Dieses Ping-Pong von Aussagen ist nur eine Form des Aussitzens.
    Das ist ähnlich wie bei einer Reklamation im Elektronikmarkt: Mitarbeiter A fragt bei Mitarbeiter B an, dieser verneint, Mitarbeiter A sagt „Nicht möglich“ und schieben sich solange den schwarzen Peter hin und her bis der Kunde keine Lust mehr hat.

    Hat Wolbergs nicht häufig gesagt, dass es keinem schlechter geht (wohlgemerkt: In der Vergangenheit gesprochen, von „gehen wird“ ist keine Rede, nur mal so zwischen den Zeilen) weil wir von Rücklagen leben würden. Jetzt klingt es eher wieder so versteckt als „Uns geht das Geld, Platz und Zustimmung aus“. Warum kann man nicht sagen, wie es weiter geht, wohin diese Menschen noch gestopft werden sollen. Wir haben zwei leere Großimmobilien: Max Bahr (obwohl dort schon zwei Unterkünfte in 500 Meter Luftlinie vorhanden sind, irgendwann reicht’s!) und dieses Möbelhaus nahe des B&B-Hotels beim Odessa-Ring.

    Es ist nun mal, ganz simpel und realistisch-mathematisch nachvollziehbar, dass es eine Obergrenze gibt. Sonst kommen noch Rufe nach Heimen auf leerem, aber freigegebenem Baugrund in Frage, etwa in, sagen wir mal, Oberisling auf. Das würde dem OB wohl nicht so gut gefallen, sowas in seinem privaten Dunstkreis zu haben…

  • da_Moartl

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    Leider greift auch hier ein verkappt rassistisches Gerede immer mehr um sich. Vielleicht sollte man einfach mal ein paar Tatsachen zur Kenntnis nehmen, akzeptieren und umsetzen:
    1) Ein Menschenrecht ist ein Menschenrecht, da gibt es keine Obergrenzen. Punkt! Alle, aber auch wirklich alle sollten einfach aufhören, ständig irgendwelche Zahlenspiele zu betreiben.
    2) Es sollte endlich aufgehört werden, ständig so zu tun, als wären Recht und Ordnung in Gefahr. Da wird das Fehlen von Ausweispapieren schon als „Straftat“ tituliert (wer in der CSU geht mit der gleichen Energie eigentlich gegen die Steuerflucht-Straftäter vor???). Recht und Ordnung sind in Geltung und sie können auch umgesetzt und durchgesetzt werden. Es braucht dazu allerdings Innenminister, die die entsprechend notwendigen Polizisten, Verwaltungsbeamten, Richter, Rechtsberater, Jobcenter-Spezialisten, Lehrer usw. einstellen und bezahlen. Das wäre doch mal eine ehrenvolle und sinnvolle Aufgabe für eine bayerische Landesregierung.
    3) Wir sollten endlich aufhören, uns mit unseren deutschen Waffen ständig neue Flüchtlingsströme zu „produzieren“. Mir wäre es ehrlich gesagt tausend mal lieber, unsere Bundeswehr würde statt in Syrien sich an sinnloser Bomberei zu beteiligen lieber in die Flüchtlingslager im Südosten der Türkei gehen und dort Flüchtlingsfamilien und Flüchtlingskindern ein wenigstens ansatzweise menschenwürdiges Leben ermöglichen. Für „Staatsbürger in Uniform“ eine wesentlich sinnvollere Aufgabe als Kriegsbeteiligung.
    4) Wenn das alles erledigt ist, können wir auch guten Gewissens den Druck auf die EU-Länder erhöhen. Warum nicht Polen oder Großbritannien oder anderen Widerwilligen finanzielle Zuweisungen der EU ordentlich kürzen – proportional zur Widerborstigkeit, Flüchtlinge aufzunehmen?

    So, und nun sollten wir alle miteinander aufhören, Kommentare zu schreiben und an die Arbeit gehen. Es gibt viel zu tun, damit „unsere“ Flüchtlinge ankommen und ihren Weg in unsere Gesellschaft und zu ordentlicher Arbeit finden. Sie selbst wünschen sich nichts sehnlicher.

  • Ziander

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    Wenn jetzt in China Unruhen ausbrechen würden und 20 Millionen von dort sich auf den Weg hierher sich begeben würden….könnten sie bei ihnen auch mit einen freundlichen Empfang rechnen?Ein Menschenrecht ist übrigens kein Menschenrecht…soziale Rechte finden sie in diesen Machwerken fast vergeblich.Wo es solcher „Rechte“ bedarf liegt schon einiges im argen und es wird in seiner ganzen Abstraktheit u.Willkürlichkeit verschieden interpretiert und beinahe tagtäglich verletzt u.a. durch befreundete Dikaturen des Westens wie etwa Saudi-Arabien das keine Flüchtlinge aufnimmt.Die Refugees-Welcome Schreier beziehen sich darauf nur plakativ,bekämpfen die Ursachen aber nicht wirklich.Statt dessen unterstützen sie sogar Merkel bei ihrer perfiden Strategie.Den die präferierte Aufnashme z.b. von Syrern dient nur dazu dieses Land auszubluten.Nicht umsonst kuschelt sie auch mit Erdogan..der nachweislich den IS unterstützt,die Kurden bekämpft und selber ein autoritäres Staatsystem installiert.Aber davon wollen die Teddybären-Werfer in ihrer grenzenlosen Naivität nichts wissen..Sie glauben tatsächlich das sich die Weltprobleme mit einen Exodus nach Germoney lösen ließen.

  • Mr. T

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    Verschwörungsfantasien aus der hinteren rechten Ecke. Dem Ziander ist beim Hetzen nichts zu dumm.

  • Lothgaßler

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    Alle Politiker, auch unser OB, sollten dreimal überlegen, bevor sie mit Zahlen und „Fakten“ um sich werfen.
    Die Verquickung von Flüchtlingen (egal ob vor Krieg oder vor wirtschaftlicher Not) mit durchaus umstrittenen Thesen zur Demographie oder zur Wirtschaft ist brandgefährlich. Sollen nun nur noch „passende“ Flüchtlinge in „passender“ Anzahl sich retten dürfen, und das auch nur deshalb, weil die uns dann „nützen“? Was für eine Moral ist das denn, wie sollen dann unsere Nachbarstaaten reagieren? Oder soll das „Realpolitik“ sein: Kosten-Nutzen-Rechnungen, Profit vor Moral, Grundgesetz nach Haushaltslage, Stabilität durch Despoten?
    Hat der OB nun einer „Obergrenze“ das Wort geredet? Ja, er hat, auch wenn die Wortwahl eine andere gewesen sein mag. Sind unsere Kräfte unendlich? Nein, jeder weiß das!
    Aus der Sache gibts keinen einfachen Ausweg, keine billige Lösung. Wenn wir nicht wollen, dass die Menschen zu uns kommen, dann müssen wir dafür sorgen, dass sie in ihrer Heimat leben können und dort bleiben wollen.
    Wir Deutsche wollen nicht unmittelbar an Kriegen beteiligt werden. Dafür gibt es gute Gründe. Andererseits können wir uns nicht völlig raushalten. Kriege sind teuer und erschöpfen die Ressourcen. Wir können und müssen die wirtschaftlichen Adern der Kriege bekämpfen und die Flüchtenden in die Lage versetzen ihr Land wieder aufzubauen. Im Idealfall erinnern sie sich positiv an uns als sicherer Hafen in der Not und nähern sich unserer Lebensweise an. Im Idealfall warten wir nicht bis die Kriege offen ausbrechen, sondern helfen vorher. Von all dem sind wir weit entfernt!

  • wahon

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    Das deutsche Ausländerrecht insgesamt und besonders die Abschiebungen sind eindeutig menschenrechtswidrig. Die einschlägigen Menschenrechte lauten:

    „Artikel 13
    1. Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen
    Aufenthaltsort frei zu wählen.
    2. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein
    Land zurückzukehren.“

    „Artikel 14
    1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.
    2. Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen.“

    „Artikel 22
    Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch
    darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der
    wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.“

    „Artikel 25
    1. Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.
    2. Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle
    Kinder, eheliche wie außereheliche, genießen den gleichen sozialen Schutz.“

    Deutschland beteiligt sich seit Jahrzehnten an Ausbeutung und Krieg und gehört zu den Hauptverursachern der Flüchtlingsströme aus den Kriegs- und Elendsgebieten. Deutschland missachtet viele Menschenrechte ständig und ist deshalb – gemessen an der Charta der Menschenrechte – ein Unrechtsstaat.

  • joey

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    @Moartl
    gegen „Steuertäter“ geht das Finanzamt vor, nicht die CSU direkt. Trotzdem ziemlich konsequent: Umkehr der Beweislast, wer keine Auskunft geben will kriegt ein sauberes Verfahren. Wer nicht lückenlos und gut dokumentiert etwas (Geld) deklarieren kann, zahlt und wird zusätzlich noch bestraft.

    Wer als Flüchtling seine Papiere „zuhause vergessen“ hat, kann sich sehr einfach eine neue Identität besorgen. Das kann durch Terroristen ausgenutzt werden. Aber wesentlich wahrscheinlicher ist es, daß sich Leute mit hohen Schulden oder Verfolgungsdruck wegen gewöhnlicher Verbrechen der Sache bedienen. Einige Intensivtäter haben sich auch temporär Zugang nach Deutschland verschafft und die Zeit bis zur Abschiebung (z.B. nach Georgien) eben intensiv genutzt.

    Damit ist nicht gesagt, daß die Mehrheit der Flüchtlinge kriminell sei. Der Umkehrschluß, daß alle Flüchtlinge grundehrlich sind, wäre aber … Jetzt wollte ich was zu positivem Rassismus schreiben. Wenn man einfach nur andere Meinungen akzeptieren und sie mit Argumenten widerlegen möchte, braucht man keine totalen Kampfbegriffe. Auch nicht ein Basta, i hob immer Recht und sowieso das letzte Wort: „…aufhören, Kommentare zu schreiben…“

  • joey

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    @wahon
    welcher Staat ist denn nach Ihrer Definition kein Unrechtsstaat? Haben Sie das Paradies etwa schon gefunden? Dann wird’s Zeit, daß wir da hin flüchten, ist ja nicht auszuhalten hier in Deutschland.

  • Chistian Muggenthaler

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    Mal zum Thema „Regensburger Wochenblatt“. Ich habe auch mal Lokaljournalismus gelernt und dabei einen Wert an sich eingebläut bekommen: Es ziemt sich für einen Journalisten nie, eigene Meinung und Berichterstattung zu verquicken. Wichtig ist also, möglichst zu beschreiben, was ist bzw. was man auf Grund der eigenen Recherchen herausgefunden hat, und wenn man dazu tatsächlich eine eigene Meinung hat, was ja zweifelsfrei legitim ist, unter einer deutlich erkennbaren Kommentarleiste zu beschreiben. Mir ist dabei in meinen ersten zwei Jahren Volontariat schon klar geworden, dass es so etwas wie besenreine „Objektivität“ nicht gibt, aber es gibt für JEDEN Journalisten die Verpflichtung, sich immer selbst zu prüfen, wie sehr eine Meldung eigene Meinung beinhält und das weitestgehend zu tilgen. Mir hat es in meiner Zeit bei der Landshuter Zeitung immer besonders gut gefallen, wenn ich mitbekommen habe, dass die CSU mich grünenhörig fand und die Grünen mich aufgrund desselben Artikels wegen CSU-Nähe beharkte. Derlei kam vor.

    Einer der wesentlichsten Gründe, warum ich mich dann vor gut fünf Jahren als Journalist zum Schaden meiner Rentenbeitragszahlungen und der Kommunikation mit den Finanzbehörden selbstständig gemacht habe, war der, dass vor allem jüngere Journalisten zunehmend die Meinung vertraten, mit ihrer Berichterstattung selbst Politik machen zu müssen. Der Grund dafür lag und liegt klar auf der Hand: Statt jahrelang Handwerk und Qualität des journalistischen Schreibens erlernen zu müssen, was anerkanntenermaßen mühevoll und zeitraubend ist, ist es allemal viel leichter, die eigene Haltung als gottgegebene vorauszusetzen und munter danach alles zu bewerten und einzuordnen, unabhängig von Fragen des Stils oder etwaiger schreiberischer Fähigkeiten.

    Ich entsinne mich in diesem Zusammenhang noch gut, wie ich zu jener Zeit in eine doch recht aufgeheitzte Debatte mit der sogenannten „Redakteurin“ Ursula Hildebrand des Regensburger Wochenblatts geriet, die sich damals auf facebook beklagt hatte, wie elend es für sie sei, irgendein Scheißdrecksformat im Fernsehen betrachten zu müssen, und sie auf meinen Vorschlag, dies doch einfach sein zu lassen, sehr entrüstet konterte, man müsse doch darüber berichten, was die Leute bewegt. Was mich schon damals, fünf Jahre ist das nun her, zu der Annahme führte, dass das Regensburger Wochenblatt weitab davon steht, das zu tun, was Journalismus eigentlich sollte. Aufklärung? Nein! Dummheit bestärken? Offenbar ja! Dort liegt die Wurzel desjenigen Populismus‘, das dieses Presseorgan heute betreibt, und es ist eklig, unsäglich, widerlich und hat mit Journalismus nichts, nichts und abermals nichts zu tun.

  • wahon

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    @joey

    Ich weiß ja nicht, welchen Wertemaßstab Sie haben – die Grund- und Menschenrechte sind es offenbar nicht. Vermutlich haben Sie sich ein ganz persönliches Wertesystem zusammengebastelt, das auf die elementaren Bedürfnisse anderer Menschen keine Rücksicht nehmen muss …

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