Netzprüderie

Nippelgate in Regensburg

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Portale wie iTunes & Co weigern sich, das neue Album der Regensburger Band SickSickSick zu veröffentlichen. Begründung: Das Cover sei nur für Erwachsene geeignet. Jetzt läuft ein Wettbewerb, um die inkriminierte Brustwarze zu verbergen.

Darf nicht bei iTunes erscheinen: das Plattencover von SickSickSick.

Darf nicht bei iTunes erscheinen: das Plattencover von SickSickSick.

„Wenn wir uns mit Blut und aufgerissenen Innereien dargestellt hätten, wäre das Ganze wahrscheinlich kein Problem gewesen, aber ein Nippel: Das geht natürlich nicht.“ Heike Jörss Stimme klingt einerseits belustigt, andererseits ungläubig staunend. „Sweet Shiny Swan“ heißt das neue Album ihrer Trash-Rockband SickSickSick, aber besonders süß finden Portale wie iTunes und Co insbesondere das Cover nicht und haben eine Vermarktung der neuen Scheibe abgelehnt.

„Unzulässiger Content/ Content nur für Erwachsene“, lautet die knappe Begründung, die Jürgen Streu vom Regensburger Plattenlabel Ghost Town Noize mit der Ablehnung erhielt. Auf dem Cover, dass das Trio in einer Rubens-Adaption auf einem Schwan reitend zeigt, ist nämlich fatalerweise eine Brustwarze zu sehen und die Zeiten, in denen Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll tatsächlich noch ihre Entsprechung auf Plattencovers finden durften, sind in Zeiten, in denen spießig-prüde Konzerne das Geschäft dominieren endgültig vorbei.

Wettbewerb zur „Entnippelung“

Immerhin: SickSickSick befindet sich guter Gesellschaft. Das Cover des Kanye West-Albums „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ beispielsweise, ebenfalls ein Gemälde, ebenfalls mit irgendetwas Nacktem drauf, gibt es bei iTunes nur verpixelt zu sehen.

So weit will das Regensburger Trio aber nicht gehen und hat nun einen Wettbewerb „zur Entnippelung“ ausgerufen. „Schwarze Balken und Verpixelung sind ausgeschlossen“, heißt es in dem Posting, das gestern auf Facebook veröffentlicht wurde. Bewerben darf SickSickSick den Wettbewerb allerdings nicht. „Sexuelle Inhalte“, heißt es nun von Facebook zur Begründung. Vielleicht wären ein paar Hakenkreuze statt einer Brustwarze besser gewesen.

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Kommentare (5)

  • hanauer

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    Der einzige Skandal ist, dass die Heike Jörss auf dem Cover bodytechnisch wesentlich MILFiger aussieht als in echt.

  • Bernd

    |

    Der Artikel hat mich spontan veranlasst, im Store nach dem Album „The Dwarves must die“ bzw. „Blood, Guts & Pussy“ von den „Dwarves“ zu suchen.
    Vielleicht macht es einen Unterschied, ob die Brust gemalt oder fotografiert ist. Also, SickSickSick: Nochmal zum Fotografen und dann erneut einreichen.

  • Magnus

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    Tolle Reklame für eine kommerzielle Musikgruppe. Der Beitrag hätte eigentlich als Werbung deklariert werden können, oder?!

  • Stefan Aigner

    |

    @Magnus

    Nö. Wir haben dafür nix bekommen.

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