Kolumne

Nur der Klerus trennt den Adel vom Pöbel

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Kommentarbox_OswaldFürstin Gloria von Thurn und Taxis hält sich ab kommendem Jahr Prälat Wilhelm Imkamp als Hausgeistlichen. Dazu ein paar Gedanken.

Denn vor Gott sind alle Menschen gleich“, heißt es allzu gutmenschlich-schwülstig in Paulus’ Römerbrief. Der Briefeschreiber konnte ja damals wahrlich nicht ahnen, welch kreativen Umgang seine missionarischen Nachfolger in Regensburg Anno Domini 2017 pflegen werden. Es muss aber eine dieser wenigen Stellen der neutestamentarischen Bibel sein – so vermuten es Bibelexegeten unserer Redaktion -, die nicht wortwörtlich verstanden werden darf. 

Denn in Regensburg, so liest man es dieser Tage, wird dem Adelsstande offenbar privilegierter Zugang zur Heiligen Dreifaltigkeit eingeräumt. Es wäre freilich gelacht, würde sich das irdische Erbrecht göttlicher Gnade nicht auch irgendwie aufs Himmelreich übertragen lassen, ohne gleich Calvinist werden zu müssen. Wieso also den ohnehin engen Draht zum Allgütigen nicht noch enger knüpfen als gewöhnliche Sterbliche?

Allein der Klerus vermag den Adel vom Pöbel zu unterscheiden

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hält sich mit Prälat Wilhelm Imkamp künftig einen eigenen Hausgeistlichen. Heutzutage, da selbst gewöhnliche Normalbürger wie Vorstandsvorsitzende, Ärzte oder Lehrer staubwedelnden Hausangestellten zunehmend die Pflege von Bücherwänden und Klunker anheimstellen, fällt die Unterscheidung zwischen göttlichem Blut- und bloß bürgerlichem Geldadel immer schwerer. Kurz gesagt: Die Köchin Maria für das leibliche Fürstenwohl reicht schon lange nicht mehr, da braucht es eben auch einen hauseigenen professionellen Marienverehrer für das seelische Wohl. Verständlich, denn allein der Klerus vermag noch den Adel vom Pöbel zu trennen.

Und wer käme für das Amt des thurn und taxisschen Hauspriesters besser infrage als Prälat Wilhelm Imkamp? Niemand. Bis dato noch als Wallfahrtsdirektor in Maria Vesperbild Hüter der marianischen Volksfrömmigkeit und „des schönsten öffentlichen Klos in Mittelschwaben“, ist Imkamps Qualifikation für unser Schloss St. Emmeram augenscheinlich.

Maria voll der Gnade jetzt auch in Regensburg

Die Leidenschaft sowohl Thurn und Taxis’ als auch Imkamps gilt ohnehin weniger Paulus als vielmehr Mariens, deren große historische Leistung im jungfräulichen Empfangen und Gebären eines Kindes unisono bewundert wird. Weil Maria aber nicht nur gebenedeit, sondern ob des verfrühten Tode ihres Erstgeborenen auch schmerzerfüllt ist, verlässt man sich im Hause Thurn und Taxis ganz auf den weisen Rat und die himmlische Gnade der allzeit Unbefleckten. Und näher als in Maria Vesperbild kommt man der Gottesmutter an den seltensten Orten.

Überhaupt Maria Vesperbild, diese katholische Eigentümlichkeit. Das Wallfahrtsörtchen im bayerischen Schwaben, dem eine eigene Marienerscheinung bisher verwehrt blieb – was allerdings mitnichten an den Bemühungen von Imkamp liegen kann, der in fast 30 Jahren als Direktor so einiges aufgefahren hat, um die Gottesmutter milde zu stimmen -, widmet sich ganz und gar dem Marienkult. Man muss nicht dort gewesen sein, um das zu wissen, die Erscheinung im Internet genügt für diese Erkenntnis. 

Bayerisch-barocker Marienkitsch

Die Wallfahrtskirche mit Pietà-Gnadenbild am Hochaltar, die Bildschirme außerhalb der Kirche für Public-Viewing-Gottesdienste, der Marienbrunnen, die Marienstraße, der Kreuzweg im dichten Wald in Richtung Mariengrotte, die neben einem Fátima-Madonnen-Nachbau zahllose Votivgaben Gläubiger aus aller Welt beherbergt. Das ganze Kaff ist ein einziger Marienkitsch bayerisch-barocker Dünkelhaftigkeit oder wie das SZ-Magazin vor ein paar Jahren schrieb, Imkamps „Freizeitpark der Volksfrömmigkeit“

Auch Gläubige profitieren vom Breitbandausbau. Foto: Screenshot http://www.maria-vesperbild.de

Auch Gläubige profitieren vom Breitbandausbau. Foto: Screenshot http://www.maria-vesperbild.de

Vielen Gläubige vor allem aus Süddeutschland nutzen deshalb auf ihrer Wallfahrt nach Fátima Maria Vesperbild zum marianischen Vorglühen. Den langen Weg nach Portugal kann man sich aber auch sparen, den vollkommenen Sündenablass gibt es selbstredend auch in Maria Vesperbild abzuholen. Und wer es nicht dorthin schafft, kann immerhin per Online-Formular (kostenlos!) ein Gebetsanliegen an Maria richten, das anschließend von den entsprechenden Fachkräften per Intranet an sie weitergeleitet wird. Fakes sind unerwünscht.

Ein Geistlicher für den Hausgebrauch 

Doch zurück nach Regensburg. Der Prälat, der mit allerlei Prestigetiteln katholischer Selbstbeweihräucherung behangen ist und dies durch besondere Bekleidungsbefugnisse zur Schau stellen darf, unterhält mit dem Hause Thurn und Taxis schon länger spirituelle und publizistische Beziehungen. Nun also auch unter einem Dach. Das bayerisch-schwäbische Marienschisma ist damit räumlich endlich aufgehoben.

Der Apostolische Protonotar wird in St. Emmeram zwei Klosterzellen beziehen und neben der theologischen und seelsorgerischen Beratung des Adelshauses die fürstliche Hofbibliothek leiten und unter anderem seine Lieblingspäpste Innozenz III. und Benedikt XIV. (nicht Ratzinger!) studieren. 

Das adelige Seelenheil ist zum Greifen nah. Foto: Staudinger/Archiv

Das adelige Seelenheil ist zum Greifen nah. Foto: Staudinger/Archiv

Wir dürfen bei aller Skepsis jedoch nicht unterschätzen, welch erquicklichen Dienst ein Hausgeistlicher mit ausgewiesener Marienexpertise in Theorie und Praxis beim Meistern des fürstlichen Alltags zu leisten imstande ist.

Wie viele Ave Maria sind als Buße angezeigt, wenn Maria (die Köchin) den Freitagskoikarpfen versehentlich in Rinderfond pochiert? Ist dieses getrübte Doppelbild auf der Netzhaut schon eine Privatoffenbarung der Muttergottes oder noch eine Nachwirkung des Champagnerfusels von letzter Nacht? Die Flecken auf José Carreras Handtuch: Eine Inkarnation des Turiner Grabtuchs? Wie groß muss ein Nadelöhr eigentlich sein, damit die Kamele vom Romantischen Weihnachtsmarkt geschmeidig hindurchgehen können? Fragen, die ohne sofortige fachmännische Begutachtung und Intervention zu großen Lebenskrisen führen können.

In einer Lanz-Sendung, in der Imkamp und von Thurn und Taxis gemeinsam geladen waren, sprach letztere davon, dass sie den Heiligen Geist bitte, „dass mir gute Worte einfallen, dass ich keinen Blödsinn rede“. Wenn Imkamp bei diesem Gebetsanliegen auch nur minimal behilflich sein kann, dann ist jedes himmlische Adelsprivileg in alle Ewigkeit gerechtfertigt. Wir bitten Dich, Maria, erhöre uns!

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Kommentare (15)

  • Mathilde Vietze

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    Mir st aus kirchlicher Seite bekannt, daß Imkamp, ein
    Kölner Geistlicher, zunächst von Kardinal Meisner abgelehnt
    wurde. Dann versuchte man, ihn bei Bischof Mixa unterzubringen,
    was dieser sich verbat. Also wurde er Frühstückdirektor in Maria
    Vesperbidl. Und nun darf er bei Frau Gloria sein Gnadenbrot essen.

  • Jonas Wihr

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    „…die fürstliche Hofbibliothek leiten“??? Da müsste der Prälat ja zur Abwechslung mal was arbeiten.

  • Ewald

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    Martin Oswald, der Dr. Eckl von RD.
    Verschwurbelt & schlecht geschrieben.

  • Lothgaßler

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    Ich kann nur hoffen, dass inzwischen alle Erbschulden bezahlt sind. Es hätte noch schlimmer kommen können: Trebartz van Elst (Ex-Bischof zu Limburg mit Hang zu fürstlichem Protz) übernimmt die Stelle und zugleich den Dom, weil die Schlosskapelle arg klein ist. Gloria von T&T mit Trebartz van Elst, das wäre ein Traumpaar!
    Was für einen Job hat der Hofgeistliche denn wirklich zu erledigen? Wer bezahlt schafft an: Steht die Seligsprechung der Gloria von T&T an?

  • Mr. T

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    Angesichts des fortgeschrittenen Alters von Imkamp hätte sich Ms. TnT besser nen Welpen aus dem Tierheim geholt. Wobei die Idee mit Mr. TvE auch ganz reizvoll ist …

  • Rosalia Genoveva

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    Meine Gebete sind erhört worden!

    Ich hab viel ungute Ausgreiferei erlebt, wie ich jung war.
    (Jetzat grabschens nach meiner Brieftaschen, wenn ich Ubahn fahr in der Stadt!)
    Wie ich damals im Fernsehn ein Bild vom Fürsten selig gsehn hab, hab ich glaubt ich spür, dass er Frauen net so gierig anschaugt, wie die anderen hintapscherten Manderleit es tun.
    Drum hab ich ihn mögen. Deswegen hab ich ihm vergunnt, dass er später mal als Vorbild von an Seitenaltar auf die Halbstarken runterlacht.

    Sowie sich endlich eine von ihre Krampfadern geheilte Weibsperson findt, die was nach Anbetung vom Fürsten selig gheilt worden ist, könnt das bald sein.

    Und dann ist schon ein Priester im edlen Haus, der was den ganzen Bürokratiekram erledigen könnt!
    Gut gmacht, Fürstin!

  • ex katholik

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    Eigentlich eine gute Idee,den klerikal-adeligen dumpfbacken das eigene Paulus-Zitat um die Ohren zu hauen. Aber daneben gehend, wenn das Zitat völlig aus dem Zusammenhang gerissen ist , siehe Römer Brief Kapitel 2,Vers 11 im Kontext. Bitte auch bei Satire keine fakes.

  • Martin Oswald

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    Das Zitat ist ja nicht beliebig, sondern bekanntermaßen essenziell für die christliche Rechtsauffassung. Diesen (eigentlich unmissverständlichen) Grundsatz relativiert Paulus im Brief an die Römer ja ohnehin bis zur Unkenntlichkeit. Dass es beim ganzen Brief und besonders Röm 2,11 inhaltlich sehr unterschiedliche Übersetzungen gibt: Mei, so ist das halt bei der Bibelexegese.

  • Roubal-Ranger

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    Vielen Dank für diese köstliche (leider) Realsatire. In fürstlicher (Ab-) Wandlung: „Darauf einen Mariacron. Prosit Neujahr !

  • Angelika Oetken

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    Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen Adel und Klerus.
    Das Wort „Adel“ geht auf Odel zurück, ein altes Wort für Misthaufen https://de.wikipedia.org/wiki/Odel

    Klerus wiederum stammt von griechisch kleros und bedeutet „durch Los zugefallener Erb- oder Anteil“ https://de.wikipedia.org/wiki/Klerus

    Wenn man bedenkt, auf welche Weise diese Leute zu ihren Posten kommen und was das für welche sind, passt es doch wie der berühmte „A…. auf Eimer“.

  • RB

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    Na Ja , und das noch im alten Jahr 2017.
    Anscheinend ist diese Frau nicht ausgelastet und braucht immer wieder neue
    Aufgaben.
    Gloria von Thurn und Taxis – der Schwarze schnackselt gerne
    https://www.youtube.com/watch?v=eelAqRUPbqY
    Vortrag Fürstin Gloria von Thurn und Taxis über die Frau in der Kirche

  • Otto Möchtegern

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    @RB
    Muss man die ollen Kamellen immer wieder ausgraben?

  • Rosalia Genoveva

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    Nicht mit Falschadressen um Gebetsanliegenerhörung bitten, das versteh ich schon!

    Aber wenn sie dauernd nur mit ihrem europäischen Nicknamen Maria und mit ohne ihrer richtigen Adresse runterschaut, kann ich mich nicht einseitig mit die Daten nackig machen, das wär irgendwie gar net passend.

  • hutzelwutzel

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    Ein wunderschöner Artikel. Herzlichsten Dank dafür! Das neue Jahr kann gut beginnen. LOL
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    Ist übrigens klar, dass Imkamp nicht BXVI. studieren wird. Die beiden dürften sich nicht ganz grün gewesen sein, denn wie sich immer mehr herausstellt war BXVI. aka JR. gar nicht so konservativ, wie man es diesem immer zugeschrieben hat. Er kommt aus einer konservativen Kirchenära, aber Leute mit Konservativismus „verdummen“ war scheinbar dennoch nicht sein Ding.
    ————–
    „Der Apostolische Protonotar wird in St. Emmeram zwei Klosterzellen beziehen …“
    ————–
    Soweit ich informiert bin, ist man mit dem Titel „Apostolischer Protonotar“ immer schon irgendwelchen „Zellen“ nahe gewesen. Manche konnten kurz vorher noch abtreten, bevor sich hinten diesen auch die entsprechenden Türen geschlossen hatten.
    Quelle: Vat.

  • Clericus

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    Sowohl der im besten Stürmer-Stil gehaltene als auch die putzigen Beiträge der linksprogrammierten Kommentatoren liefern ein höchst amüsantes Anschauungsbeispiel zu dem gesellschaftlichen Phänomen, das nicht nur von Klerus und Adel mit vollem Recht als Pöbel bezeichnet wird. Gratuliere zu dieser wirklich gelungenen Realsatire – und Selbst-Verulkung!

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