Predigt gegen Ferkelbuch bald vor Gericht?

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Predigte gegen Ferkelbuch: Bischof Müller. Foto: StaudingerEine Predigt von Bischof Gerhard Ludwig Müller könnte demnächst die Gerichte beschäftigen. Das meldet der Humanistische Pressedienst (hpd) in einer aktuellen Mitteilung. Der Regensburger Oberhirte hat sich in einer Predigt Ende Mai das im Alibri-Verlag erschienene Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel“ (mehr dazu) vorgeknöpft und sich dabei offenbar zu einigen Falschaussagen hinreißen lassen. In dem Buch des Autors und Philosophen Michael Schmidt-Salomon machen sich ein Ferkel und ein Igel auf die Suche nach Gott und treffen dabei die Vertreter der großen Weltreligionen. Schlussendlich bleiben Ferkel und Igel Atheisten („Und die Moral von der Geschicht‘: Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht …“, heißt es am Ende des Buches.). Ein Umstand, der Bischof Müller sauer aufstößt. In seiner Predigt bezichtigt er den Autor unter anderem, Gläubige als Schweine einzustufen und Kindstötungen zu befürworten. Eine Behauptung, die sich auch nach längerem Studium des 44 Seiten starken Bilderbuches nicht belegen lässt. Hat Müller es nicht gelesen, falsch verstanden oder bewusst die Unwahrheit behauptet? Wie auch immer – den Autor haben Müllers Attacken bewogen, Antrag auf Unterlassung zu stellen. Dem will sich der Bischof aber offenbar nicht beugen. Ein Schreiben von Müllers Anwälten, aus dem der hpd zitiert, weist darauf hin, dass eine Predigt eine „persönliche Verkündigung des Predigenden“ sei. Diese sei durch Artikel 4 des Grundgesetzes (Glaubensfreiheit) geschützt. „Es kommt nämlich gar nicht darauf an, ob ihr Mandant die Kindstötung (…) befürwortet oder nicht“, so die Argumentation von Müllers Anwälten. Oder anders ausgedrückt: In einer Predigt darf der Bischof behaupten, was er will, ob nun wahr oder nicht. Auch eine Interpretation von Religionsfreiheit… Schmidt-Salomon nennt diese Argumentation einen „Freibrief für Verleumdungen“. Er will vor Gericht gehen. Mittlerweile hat das Bistum eine abgeänderte – „autorisierte“ – Fassung der Predigt ins Internet gestellt, in der die fraglichen Passagen entfernt bzw. verändert wurden. Die Abgabe einer Unterlassungserklärung lehnt Müller nach wie vor ab. Der Verleger des Buches, Gunnar Schedel, meint dazu dem hpd gegenüber: „Wenn der Mann Vorsteher einer Moschee wäre, würde er als Hassprediger vom Verfasungsschutz beobachtet.“ Er unterstützt den Autor Schmidt-Salomon bei seinem Gang vor Gericht voll und ganz. Es müsse sich zeigen, ob die vielfach erhobene Forderung, der Islam müsse sich an demokratische Spielregeln halten, auch für christliche Fundamentalisten gelte.

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Kommentare (10)

  • Joachim Datko

    |

    Zu „In seiner Predigt bezichtigte er den Autor unter anderem, Gläubige als Schweine einzustufen“
    ===
    Wie sieht es mit Schafen aus?
    http://www.bistum-regensburg.de/default.asp?op=show&id=3204

    „In seiner Predigt bezog sich Bischof Gerhard Ludwig Müller auf die Stelle im Neuen Testament, in der es heißt: als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen. Sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“
    ====

  • Roland Hornung

    |

    Liebe Freunde,

    ich habe das sogenannte “ Ferkelbuch “
    gelesen.

    Es ist sicher gut gemeint, aber auch ganz
    sicher n i c h t gut gemacht!!!
    Es trieft vor Oberflächlichkeiten, Stereo-
    typen, Klischées. Es enthält elementarste
    Fehler.

    Es ist sicher nicht antisemitisch, weil es
    sich ja gegen alle monotheistischen Religi-
    onen wendet.
    Es ist einfach nur oberflächlich.

    Oberflächlichkeiten, Stereotypen, Flach-
    heiten, Klischées, Unwissen und Halbwis-
    sen sind oft, sehr oft, Ursachen von Vor-
    urteilen, Angst und Abneigung.

    Weil wir uns primär in unserer Kernkompe-
    tenz GEGEN VORURTEILE und GEGEN KLISCHEES
    wenden, sind wir insofern auch gegen das
    Buch – nicht gegen seine Absicht, aber sehr
    wohl gegen die sehr schlampige Ausführung.

    Euer Roland Hornung

    “ Freundeskreis Israel in Regensburg “

    http://www.israelfreunde.eu

  • Alfred

    |

    Wenn ich das lese, dann fällt mir der Satz eines Bekannten ein, der schon ein paar Jahrzehnte keinen Beitrag (sprich Kirchensteuer) mehr bezahlt: „Mit DEM da oben hab ich keine Probleme, aber mit seinem Bodenpersonal“.

  • Zeitvertreib

    |

    Wenn es sonst nichts wichtiges auf der Welt gibt lenkt das doch auf humoristische Art von den wahren Problemen ab. Auch ein Christ darf sich entspannt an dem Schattenboxen seines regionalen Hirten erfreuen. Weiter so

  • Mathilde Vietze

    |

    Nachdem Herr Müller keine Ahnung von Seelsorge
    hat und bei seinen Predigten über die Köpfe der
    Gläubigen hinwegredet, muß er halt nun versu-
    chen, sich auf diese Weise zu profilieren.
    Ob das seinem Wunsch nach Karriere weiter-
    hilft? Man darf es bezweifeln, obwohl die
    Mehrheit der Christen im Bistum ihm einen
    Kardinalposten in Rom (oder anderorten) von
    Herzen wünschen würden.

  • Joachim Datko

    |

    Zu 24. Jul 2008, 06:44 „” Ferkelbuch ” …
    Oberflächlichkeiten, Stereotypen, Flach-
    heiten, Klischées, Unwissen und Halbwis-
    sen sind oft, sehr oft, Ursachen von Vor-
    urteilen, Angst und Abneigung.“
    ======
    Das kann man auch Religionen vorwerfen. Man denke nur an die Selbstdarstellung des „Papstes“ und an religiöse Riten. Viele Menschen möchten gerade Oberflächlichkeit und den schönen Schein. Wissen wollen nur wenige Menschen, vielen reicht Halbwissen und Unwissenheit. Man soll ja Glauben und Inhalte einfach akzeptieren. Früher gab es sogar den Spruch: „Selig die Armen im Geiste, …“. Für die Angst gibt es bei den Religionen den „Teufel“ und die „Hölle“, Abneigung entsteht automatisch durch die Abgrenzung der Religionen zur Konkurrenz.

  • Stephan Fürnrohr

    |

    Lieber Herr Hornung!

    Ich habe das Buch ebenfalls gelesen.
    Es stellt die Welt der Religionen stark vereinfacht und klischeehaft dar, das ist korrekt. Aber es ist eben auch nur ein Kinderbuch!
    Wenn ich an den aufs grausamste naivisierten Schmonz denke, mit dem die christl. Kirchen versuchen, Kindern Ihr Geschäftskonzept näherzubringen damit sie, die Schäfchen, später zu braven Kirchensteuerzahlern werden….auweia, dann gerät das Schweinchenbuch zu einem hochphilosophischen Werk. ;-)

  • Roland Hornung

    |

    Lieber Herr Fürnrohr,

    ich stimme hier Herrn Datko zu.

    Missionarische Religion und missionierender
    Atheismus ist – eigentlich – dasselbe !Ich
    halte es eher mit dem “ großen Fritz “
    ( Preussenkönig ), der mal sagte, “ jeder
    soll nach SEINER FACON selig werden “ !

    Die einen sollen ihren Gott( oder Götter )
    anbeten, die anderen ihr Ferkelbuch! Das ist
    jedem seine eigene Sache und wir haben hier
    Religionsfreiheit. Allergisch werde ich nur,
    wenn “ missioniert “ wird und man mir etwas
    aufzwingen will – gleichgültig von welcher
    Seite !!!

    NIE WIEDER FUNDAMENTALISMUS !

    NIE WIEDER Selbstmordattentate im Namen
    einer “ Religion “ !!!

    Nie wieder Extremismus !

    Euer Roland Hornung
    http://www.israelfreunde.eu

  • Mathilde Vietze

    |

    Auch wenn das „Ferkel-Buch“ nicht eben die
    „große Nummer“ ist, schadet es nicht, wenn
    Müller mal einen Maulstopper verpaßt kriegt,
    damit er nicht meint, er könne sich qua Amt
    alles herausnehmen.

  • Stephan Fürnrohr

    |

    D’accord, Herr Hornung.

    Leider ist für junge Menschen die freie Wahl des geistigen bzw. spirituellen Rahmens in dem er sein Leben gestalten will selten gegeben.
    Schon in Kindergarten und Grundschule werden den meisten die Platitüden und „Wahrheiten“ bestimmter Religionsgruppen einmassiert.

    Da ist mir ein Buch (welches niemanden zu irgend etwas zwingt, da kein Mensch gezwungen ist, es zu kaufen) doch lieber.
    Allein – wenn ich die Reaktionen zu dem Buch, allen voran die des Regensburger Oberhirten lese schwant mir, das so mancher eine gepflegte Bücherverbrennung einer freien, demokratischen und pluralistischen Gesellschaft vorziehen würden.

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