Wohnlandschaften in Regensburg

Regensburg – Weltstadt mit Slum?

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In den Notwohnungen der Stadt Regensburg leben fast 50 Minderjährige. Foto: Archiv

In den Notwohnungen der Stadt Regensburg leben fast 50 Minderjährige. Foto: Archiv

Ein Besuch in der Notunterkunft der Stadt Regensburg.

Gastbeitrag von Johanna Rein

Regensburg: Welterbestadt, Technologiestandort, aber Weltstadt mit Slum? Wer es nicht glaubt, kann in die Aussiger Straße fahren und sich die Notunterkünfte der Stadt Regensburg ansehen. Von außen und von weitem sehen die drei Blocks durch den Anstrich gepflegt aus. Hätte ich die Hausnummer nicht gewusst – ich wäre wohl erst mal vorbeigefahren.

Schimmel und Moos

Doch wer sich mit offenen Sinnen nähert, entdeckt die feuchten Stellen. Im Erdgeschoss in Bodennähe wuchern grau und grün Schimmel und Moos. Ich werfe einen schüchternen Blick ins Treppenhaus und nehme abgeschabte, beschmierte Wände wahr. Schüchtern, weil ich hier kein öffentliches Museum besuche, sondern die Privatsphäre von Menschen. Ich wage mich in den Keller, dorthin, wo die Duschen sein müssen und meine Nase sagt mir: Hier wird es wohl nie trocken. Ist aber eh klar, wenn sich pro Hausnummer circa 20 Menschen die Gemeinschaftsduschen teilen müssen. Ich sehe nirgends Kellerfenster. Gibt es dort überhaupt eine Lüftung?

Eine Frau steht an der mittleren Hausecke und fragt mich freundlich, ob ich jemanden suche. Ich erzähle ihr, dass ich vor kurzem das erste Mal von den Notunterkünften der Stadt Regensburg gehört habe. Und dass ich mir selbst einen Eindruck davon verschaffen möchte.

Die meisten haben aufgegeben…

Zu meinem Erstaunen, ärgert sie das nicht. Im Gegenteil: Sie freut sich über mein Interesse. Sie wohnt noch nicht lange hier. Aus gesundheitlichen Gründen kann sie nicht mehr arbeiten und damit begann der Abstieg aus einer normalen Wohnung hierher. Natürlich sucht sie weiter eine Wohnung – für sich und ihr Kind. Doch mit einem Absender, auf dem Aussiger Straße steht, rechnet sie sich keine großen Chancen aus. Bezahlbare Wohnungen sind rar in Regensburg. Die meisten Nachbarn haben jedenfalls aufgegeben, berichtet sie.

Und so bewohnt sie mit Kind nun eineinhalb Zimmer mit Toilette und Waschbecken mit Kaltwasser. Zum Duschen gehen sie zu einer Freundin, denn vor den Gemeinschaftsduschen graust ihr. Schimmel ist eines der Probleme – und nicht nur am Boden. Ihr Sohn kann in diese Wohnung keinen Besuch einladen. Er kann auch niemandem erzählen, wo er wohnt. Er trifft sich also bei den Freunden oder geht mit ihnen in die Stadt.

Würde in menschenunwürdiger Umgebung

Die einzigen, die die Bewohner Aussiger Straße wahrnehmen und sich für sie einsetzen, sagt sie, sind regensburg-digital und „der Anwalt“ – sie meint Otmar Spirk, der sich seit geraumer Zeit für Bewohner der Notunterkunft engagiert. Und ich merke ihr jetzt an, dass sich in ihre Schicksalsergebenheit noch Hoffnung und Wille zur Aktivität mischen. Wir verabschieden uns voneinander mit Händedruck. Ich habe Respekt vor dieser Frau, die sich ihre Würde in einer menschenunwürdigen Umgebung bewahrt.

Ich gehe nachdenklich zum Auto, fahre zurück ins „schöne“ Regensburg durch gepflegte Wohngegenden mit Ein- und Mehrfamilienhäusern, Hochhäusern, Einkaufstempeln…

Meine Sympathie für Regensburg hat einen Knacks bekommen.

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Kommentare (34)

  • Helmut

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    Tja, und trotzdem nur ein kleiner Einblick…..befragt mal die Leute dazu wie die ARGE damit umgeht und wie hoch die monatlichen Abschlagszahlungen usw sind. Vor 10 Jahren waren Stromdiebstahl, Drogen, gegenseitige Einbrüche, Hausfriedensbruch etc an der Tagesordnung. Ein Kommentar der Polizei war….wir können nicht immer eine Streife hier abstellen. Ich frage mich warum vor 10 Jahren alle raus mussten, in die Landshuter und Kreuzhof ausquatiert wurden sofern Platz war. Der Rest hatte genau damit zu kämpfen das Vermieter gehört haben…“Aussiger“ und schon war es vorbei mit neuer Wohnung oder Arbeitsplatz. Die ganze Sanierung war wohl nur ein Aussenanstrich und neue Haustüren? Post die nicht ankam und Citymailträger die sich nicht hingetraut haben……Btw der Schimmel ging so auf manch Möbel…..Renoviert wurde von einem Bewohner der Geld oder Mietnachlass von der Stadtbau bekommen hatte usw der dann wieder weitere Anwohner eingespannt hat……Heizung???? Strom …Holz oder Öl. Dabei interessant wer sich so einen Ofen leisten konnte oder wer ihn angeschlossen hat. Notunterkunft für eine Familie mit 6 Kinder über 3 Jahre…..ging nicht gut aus für die Familie……..einem Anwohner mit 3 Hunden gegen den nichts unternommen wurde wenn man dies gemeldet hatte. Btw eine Aussage der Rewag damals….Wir machen Ratenzahlung schon bei der Jahresabrechnung aber nicht bei Leute aus der Aussiger, die können eh nicht zahlen. Da war sogar der Strom weg, vor Ablauf der Frist, bei einer 0 zuviel. Kommentar bei der Beschwerde. Ob wir den Strom heute oder in 14 Tagen sperren , sie können eh nicht zahlen, man sollle dankbar sein das die Kosten nicht noch höher werden. Aber 250 Euro extra verlangen für die Enstperrung. Gleichzeitig soll man sich einen Job suchen ohne zu verschlafen, erfrieren usw. Beim nachsehen ob man sich vom Nachbarn Strom leiht sind sie auch schnell. Aber Telefon und Internet war verfügbar…….War gezwungen 3 Jahre dort zu verweilen. Länger und ich wäre abgedreht oder hätte meine gute Stube verloren. 3 Jahre, dabei sollte ich nur ein paar Tage dorthin um von der Stadtbau eine Wohnung zu erhalten, welche ich bis heute noch nicht habe.

  • erich johannes

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    so ist das halt, das durch die Politik der letzten Jahre geschaffene Prekariat (und die es noch werden) hat es in Deutschland halt versäumt auf die Pauke zu hauen (anders als in anderen europäischen Ländern), darum kann es sich die Politik leisten frech zu werden und ihre Armuts- und Verelendungspolitik umzusetzen. Ich bin überzeugt, wenn diejenigen die schon aufgeben haben und den Suizid nahe sind, anstatt sich als Protest selber zu verbrennen (was in diesem Land schon öfters vorgekommen ist) einen z.B. Sprengstoffgürtel umschnallen würden und die Rathäuser, Arbeitsagenturen, Landratsämter, Parlamente, Parteiversammlungen usw. stürmen würden, dann würden sich es die Politiker dreimal überlegen, ob sie diesen Bevölkerungsteil, der immerhin mehrere Millionen umfasst, so behandeln würde.

  • Mr. T

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    Der ewig wiederkäuende erich: In jedem Beitrag über soziale Missstände wird zum terroristischen Umsturz aufgerufen. Dumme Hetze! Die Probleme müssen anders angegangen werden.

  • mkv

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    Antrag zur Abhilfe an die Bürgermeisterin stellen
    Stadtratssitzung – Kalender
    https://www.regensburg.de/rathaus/stadtpolitik/regensburger-sitzungsdienst/sitzungskalender

    Ein Stadt, die seit Jahren in Steueraufkommen schwimmt und nicht willens ist, diese Notunterkunft jedenfalls so zu gestalten, dass

    1.
    keine Gesundheitsgefahren von der Bausubstanz ausgehen und

    2.
    im Übrigen den Forderungen des Bundesverfassungsgerichts an menschenwürdige Verhältnissen entsprochen wird,

    eine solche Verwaltung und deren zuständige Amtsleiter, Referenten und Bürgermeister zwingen zum Fremdschämen.

    Es ist durch Jedermann gegenüber der Bürgermeisterin zu beantragen, dass diese entwürdigenden Zustände und unverzügliche Abhilfe auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Rates der Stadt zu setzen ist.

    Unterlassen gerät zur Tat, wenn eine Pflicht zum Eingreifen besteht.

    RA Veits

  • erich johannes

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    Kommentar gelöscht. Es reicht!

  • Helmut

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    Aha mkv….

    um die Zustände und Umstände, wissen Ordnungsamt, Stadtbau und somit auch der liebe gute Stadtrat. Was hat es gebracht?
    Leute die aufgeben, sich schämen werden da nicht viel machen.
    Wenn sich irgendwo beworben wird und gleich bei der Angabe der Adresse halber Alki, asozial bist und Du vom Arbeitsamt auch noch geraten bekommst, sagen sie halt nicht wo sie wohnen……
    Wenn man kaum noch in der Lage ist Kontakte zu knüpfen weil man sich schämt oder einfach gemieden wird……dann ganz klar Antrag bei der Stadt, die dann was sagt?
    Ziehen sie einfach um, es ist kein Geld vorhanden oder es wird wie damals von der Stadtbau verwaltet …….
    Ebenso sind dort oben aus den letzten Berichten 2 Kranke vermutlich froh überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Unter dem Deckmantel Notunterkunft verweilen die dann dort wie lange? Ist eigentlich jemanden dabei aufgefallen das die eine Person im Rollstuhl sitzt? Wie mag diese Person im Winter heizen? Vermutlich mit teurem Strom der vom Hartz 4 abgezogen wird oder wie soll das finanziert werden? Wie mag die Betroffene Dame dort täglich an die frische Luft kommen? Kein ebener Eingang, und das Erdgeschoß ist ja ein halbes Stockwerk höher. Duschen im Keller mit dem Rollstuhl hinunter, vermutlich auch noch im gleichen Rollstuhl?
    Es ist eine Notunterkunft und diese sollte von der Stadt oder dem Verwalter auch regelmäßig kontrolliert werden, noch dazu wenn diese Anlage als Brennpunkt bekannt ist. Warum nicht gleich einen Notcontainer aufstellen. Für Obdachlose ist dann am Abend jemand da.
    Wer in solch einer Notunterkunft landet, ist nicht freiwillig dort. Allein an den Unterlagen kann ersehen werden wie lange jemand das nutzt und sich gefragt werden, warum freiwillig?
    Wenn dann auch noch wie vor 10 Jahren Sozialamt und Ordnungsamt die gleiche Kantine benutzt…hat ja das eine Amt mit dem anderen nichts zu tun. In Gesprächen erfährt man dann aber das die eine Stelle mit der anderen gequatscht hat.

    Das ist dann ähnlich wenn Du da stehst , eine Stromnachzahlung von 2400 Euro erhälst, der Strom weg ist. Du 10 mal zum Energieversorger rennst und sagst ist ja vielfaches mehr…..der erstmal generell alles abstreitet weil , man ist ja asozial. Das Sozialamt sagt, tja nicht unser Aufgabengebiet. Der Energieversorger sagt , vielleicht wird Strom geklaut, was definitiv der Fall war und bestimmt nicht behoben ist, aber der Versorger nur bis zum Haus zuständig ist. Dann rennt man zur Stadtbau, die einen zum Ordnungsamt schicken als Besitzer, die einen wieder zur Stadtbau als Verwalter die den Hausmeister stellen. Dann steht der Hausmeister vor einem verblombten Zähler der sich holla die Waldfee dreht steht und nichts passiert. Wenn dann auch noch der Energieversorger sagt kein Wunder heizen mit Strom , Boiler oder altes Gerät und dir ein Meßgerät mitgeben will um zu erkennen welches Gerät den soviel Strom zieht und das ganze ohne Strom in der Wohnung. Dann schreitet man zu Tat meldet sich bei der Bürgermeisterin oder Bürgermeister? In einer seiner peinlichsten Situationen? Man möge prüfen welche Partei zwischen 2000 und 2003 dort eine Objektbegehung gemacht hat und wer vor Ort war. Das Ergebnis weiß bis heute kein Anwohner oder einstiger, aber vor Ort wurde viel gesagt, gemacht noch weniger. Glaube es war damals die SPD.

    Kein Wunder das sich dann so ein „Bezirk“ irgendwann selbst verwaltet. Höchste Eisenbahn heißt bei der Stadt immer noch 3 bis 5 Jahre abwarten dann anfangen.

  • Hannah

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    In einer der Notunterkünfte in der Aussigerstraße wohnen zu müssen, ist nicht erstrebenswert. Ehrlicherweise muss aber auch gesagt werden, dass dort selten Menschen landen, die völlig unverschuldet dort landen. Darunter sind Menschen, die ihr Leben nicht im Griff haben. Überschuldung, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Spielsucht oder blanke Mietunfähigkeit aufgrund sozialer Auffälligkeit können Gründe dafür sein, dass Menschen obdachlos werden. Es gibt Menschen, wie den oben genannten Hundehalter, die ihre Mitbewohner in einer Wohnanlage terrorisieren, die weder integrationswillig noch integrationsfähig sind. Mir ist ein Mieter erinnerlich, der nachts in seiner Wohnung Holz hackte und trotz mehrmaliger Abmahnung nicht bereit war, dieses Verhalten aufzugeben. Ein anderer Fall, war der einer Familie, in der der Vater durch den Kauf teuerer Autos und die Frau durch den Kauf teuerer Kleidung und durch das mehrjährige Ignorieren der Miete fast 200.000 DM Schulden anhäuften. Bei aller denkbaren Kritik, muss man genau hinschauen, wer in der Notunterkunft landet. Leidtragende sind die Kinder, die nichts dafür können, was ihre Eltern getan haben. Um sie kümert sich meines Wissens aber das Jugendamt.

  • R.G.

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    @Helmut
    Ihre vermutlich aus eigener Erfahrung als Betroffener oder Freund von dortigen Mietern geschriebenen Berichte lese ich mit großer Betroffenheit.
    Ich möchte Ihnen ausdrücklich danken, dass sie die Probleme so verständlich schildern. Meine MIndesterwartung ist, dass sich mehr als zehn Leser dieses Forums zu konkreten, von Ihnen beschriebenen Mängeln äußern, und bereit sind, mitfühlend, mit guten Vorschlägen oder mit Gesprächsangebotenzu reagieren…

  • auch_ein_regensburger

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    @ hannah
    Wer sein Leben „nicht im Griff hat“ (die Gründe dahinter spielen für Sie offensichtlich überhaupt keine Rolle) hat Ihrer Meinung nach also kein Recht auf eine menschenwürdige Unterkunft und muss froh und dankbar sein, dass er in einem schimmligen Haus wohnen darf?

  • selber schuld,wer dort landet

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    @Hannah, sind Sie fähig, zu differenzieren?
    Nach dem Grundgesetz hat jeder Mensch das Recht auf körperliche Unversehrtheit.
    Eine schimmlige Notunterkunft verletzt dieses Grundrecht
    Oder halten Sie Schimmel für eine angemessene Zusatzbestrafung für Menschen,weil sie ihr Leben nicht mehr auf die Reihe bekommen?
    Dann: Warum ist für Sie das Zentrale,dass Menschen auch selbstverschuldet obdachlos werden?
    Damit Sie nichts für die tun müssen, die unverschuldet obdachlos werden?
    MfG Rechtsanwalt Spirk

  • R.G.

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    Einige Erinnerungen aus einer anderen Stadt, ich verbrachte in ihr die halbe Grundschulzeit.

    Die Klassenfotos von damals zeigen sehr gut und bieder gekleidete, neben sehr schlanken Kindern mit wirr zusammengewürfelten Anziehsachen, letztere kamen aus einem Glasscherbenviertel.

    Ich erinnere mich an tägliche Schauergeschichten der Erwachsenen, was nun wieder bei den „Asozialen“ in deren Zinshäusern vorgefallen wäre, Raufereien, Mord und Totschlag.
    Einzelne Familien hielten einfach Nutztiere in ihren Wohnungen, sie selbst bauten sich in der Flussau Slumhütten aus Abfällen.
    Das war der Ausgangspunkt.

    Konsequente Unterstützung der Mütter aus den Sozialblocks durch staatliche oder kirchliche Stellen, Unterbindung von diskriminierenden Äußerungen in den Schulen über diese Familien, Ermöglichung eines sozialen Aufstiegs = bei guten Schulleistungen der Kinder, Übersiedlung in bessere Wohnbauten ganz in der Nähe, zeigten bereits nach einer Generation nachhaltige Wirkung.
    Jede/Jeder der von Leben Benachteiligten aus unserer Klasse schaffte ein zumindest durschnittlich normales Leben.

    Beeindruckend, was die „Glascherbenviertler“ leisteten.
    Man hatte keine andere Möglichkeit, denn als Erwachsene alles aus eigener Kraft zu finden, und man setzte alles daran, auch wenn das nur durch harte Montagearbeit im Ausland zu erreichen war.

    Sehe ich das Bild der Schulklasse meines älteren Geschwisters an, und folgt man den Biographien der Einzelnen, so sieht man keinen einzigen positiven Lebensentwurf von denen aus dem schlechten Wohnviertel.

    Fazit: Die aufsuchende und konsequente Sozialarbeit zu meiner Schulzeit, eine Eröffnung von Perpektiven für die Benachteiligtsten, lohnte sich überaus.

    Immer noch beherbergt der Stadtteil ein Asozialenenviertel, an seinem heutigen trostlosen Rand, aber bei den Notwohnungen von früher wohnt man jetzt als Arbeiter-Mittelschicht.

    Aushängeschild der Leute von damaligen Sozialfälle-Block ist eine sozial engagierte junge Juristin. Ihr Name verät ihre Zugehörigkeit zu einem in ganz Europa negativ auffälligen Clan.
    Unterstützung durch ihre Eltern hatte sie keine, höchstens Hindernisse. Deshalb schaffte ihre Familie es nie bis in die normalen Wohnblock.
    Ihr gesundes Sozialverhalten verdankt sie der Beziehung zur Oma, wie man noch nicht so lange weiß, einer der wenigen KZ- Überlebenden vom Ort.
    Deren Kinder hatte man nach dem Krieg grundlos in Heime geschafft, nur aufgrund der Zugehörigkeit zu einem fahrenden Volk. Sie lernten nie, wie Familie funktioniert…-eine ganze verlorene Generation.
    Schauerlich zu lesen allerdings, welcher Gewalt sie im Internat ausgesetzt waren.

    Was bezeichne ich als gelungene Biographie?
    Wenn es jemand schaffte, mit therapeutischer Unterstützung oder ohne, trotz Krisen und Schwächen, vielleicht sogar erst nach Entziehungskuren, die eigenen Kinder positiv in die Gesellschaft hinein zu erziehen.

    Ich frage daher nach Regensburg: In welcher Art und Weise bemüht man sich um die Kinder aus den Sozialwohnungen, welche Zukunftsperspektiven eröffnet man ihnen?

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „Auch ein Regensburger“ und „selbst schuld“:
    Hannah hat in keinster Weise behauptet, daß es
    wünschenswert ist, in einer solchen Behausung
    zu landen. Sie hat nur „die andere Seite der
    Medaille“ angesprochen, aber das darf man
    bei gewissen Zeitgenossen natürlich nicht.

  • Hannah

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    Danke Mathilde Vietze, wir sind nicht immer einer Meinung, in diesem Falle haben Sie meine Ausführungen besser verstanden als „auch ein regensburger“ und RA Spirk.

    Schimmel kann konstruktionsbedingt oder verhaltensbedingt sein. Den Kritikern meiner Ausführungen empfehle ich die Differenzierung, die sie bei mir vermissen (wollen). Jeder der in der Notwohnanlage in der Aussiger Straße wohnt, hat mein Mitgefühl, nur ist es auch so, dass nicht jeder der Bewohner dort an der Aufrechterhaltung ordnungsgemäßer Wohnverhältnisse mitwirkt. Im Gegensatz zu manch anderen weiß ich, wovon ich rede, weil ich mit Bewohnern zu tun hatte. Realistisch muss festgestellt werden, dass kein Vermieter, die Stadtbau ausgenommen, Mieter aus der Notunterkunft aufnimmt, die in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie nicht gewillt sind, ihren Verpflichtungen als Mieter nachzukommen. Am härtesten greift übrigens die Geschäftsführerin des Amberger Siedlungswerkes durch, die sich in den letzten Monaten als Engel der Wohnungssuchenden dargestellt hat. Mieterschutz ist wichtig und in unserem Rechtssystem stärker ausgebaut als in den meisten anderen Ländern. Ein völliges Missverständnis wäre es jedoch, Menschen zu schützen, die aus welchen Gründen auch immer sich in eine Wohngemeinschaft nicht einfügen (wollen).

    Aus anderen Städten sind mir Projekte bekannt, wo die Kommune, Wohnungen für obdachlose Familien baute, sie sehr gut ausstattete und nach einem Jahr feststellen musste, dass die Gebäude stark instandsetzungsbedürftig sind. So etwas gibt es und es muss angesprochen werden dürfen. In den Sechzigerjahren gab es in Regensburg ein Sozialprojekt in der Würmstraße, das vom damaligen Sozialbürgermeister initiiert worden war. Nicht alle Bewohner aber auch nicht wenige, verkauften die Türen und Sanitärgegenstände bevor sie die Wohnung räumen mussten.
    Wichtig erscheint es mir, sich um Menschen zu kümmern, bevor sie obdachlos werden. Hier tut die Stadt Regensburg im Rahmen ihrer Möglichkeiten einiges.

  • Hannah

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    was ich noch sagen wollte: Ich bin in einem sog. Glasscherbenviertel aufgewachsen. Das Geld war knapp, jedoch die Angst vor dem Abgleiten in die Obdachlosigkeit diszplinierte die Meisten, die Miete zu bezahlen und mit der Wohnung sorgfältig umzugehen. Der Wohnstandard war damals geringer als der in der heutigen Notunterkunft, weil es nicht einmal Gemeinschaftsduschen gab. Dabei räume ich gerne ein, dass Gemeinschaftsduschen kein wirklicher Fortschritt sind, wie ich aus der ehemaligen Notunterkunft in der Humboldtstraße weiß.

  • auch_ein_regensburger

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    Liebe Mathilde Vietze,

    ich würde Ihnen ja gerne eine Antwort geben auf Ihren Kommentar; wenn er halt nicht so komplett sinnlos wäre, weil er weder mit meinen Einlassungen noch mit denen von „selbst schuld“ irgend etwas zu tun hat.

  • Helmut

    |

    @ Hannah

    Sicherlich gibt es mehr Gründe eine Notunterkunft beziehen zu müssen. Ich streite nicht ab das ein gewisser Eigenanteil an Schuld dazu beiträgt. Nur genau hier ist doch schon anzusetzen wenn dies erkennbar ist, um die Spirale nicht größer und schneller zu machen.
    Sie wissen um einen Hundehalter, einem Holzhacker und einer Familie und angeblich kümmert sich das Jugendamt….Woher haben sie dieses Wissen. In welchem Amt arbeiten sie oder als Betroffene nur Gerüchte gehört?
    Sind nicht auch der Meinung das ein Drogenabhäniger oder Alkoholiker krank ist und dort oben dann seine Endstation findet?
    Nehmen wir den Fall des Hundehalters……aus welchen Jahren. Der mit den 3 Hunden, die mit den 2 Hunden, die Entengabi aus der Bildzeitung, der angeblich verhungerte Hund, der andere gerettete Hund?????
    Nun ja ich war Betroffener, auch nur weil ich vom Land in die Stadt ziehen wollte, ein neuer Vermieter einen Rückzug machte und ich mich gegen den Rechtsanwalt stellte der meinte ich solle in meiner Wohnung bleiben. Kurzfristig kaum möglich eine Wohnung zu finden, eine Wohnung über die Stadtbau geht nicht, weil man kein Stadtbewohner war. Hier wurde man ans Ordnungsamt geschickt. Diese stellten die Notunterkunft zur Verfügung. Somit Wohnsitz in der Stadt , somit Wohnung bei der Stadtbau. Was sich dann geboten hat war ein Bild des Grauens und Horror. Eben jenes. Sie suchen weiterhin eine Wohnung und hören dann: „Aussiger sowas tue ich mir nicht an…“
    Kommen wir zurück zum Thema, zu den Leuten die dort oben leben oder gelebt haben.
    Bleiben wir beim Thema Hunde, die dort oben so manchem evlt einen sozialen Halt gegeben haben. Ein „verhungerter“ Hund wurde vergiftet, weil der Besitzer sich weigerte ihn sogar für 1500 Euro zu verkaufen. 3 Hunde wurden mißhandelt , gemeldet und nichts geschah. Diese wurden dem Herren dann geklaut und auf Tierheime verteilt. Ein kranker Hund wurde regelmäßig sogar vom Tierheim Pettendorf besucht und nicht eingeschritten. Ein Anwohner, und seine Bekannte vermittelten dort sogar Hunde, diese Bekannte war Mitglied oder einstiges Mitglied der Tierhilfe. Bei einem Hund war ich sogar dabei wie über die Tätowierung der eigentliche Besitzer ausfindig gemacht werden konnte. Ein Mann rannte ständig zum Arzt mit seinem Hund nur damit er beweisen kann der Hund ist gesund.

    Einer wohnte dort, der war so krank und eine Gefahr für alle. Unerwartet wenn etwas nicht passte lief er mit der Axt durch die Anlage.

    Ein Einsatz des SEK weil ein Anwohner aus dem Fenster geschossen hat.

    Eine fehlende Information und sämtliche Speicher waren leer, die Hausmeister haben die Gegenstände an sich genommen und verkauft.

    Ein Mensch der in der Wohnung Holz hackt, wundert mich das sich darüber beschwert worden ist, den dort oben war alles erlaubt, da hat keiner den anderen quasi verpfiffen.

    Wie sich ein Mann mit Hartz 4 teure Autos leisten kann ist mir schleierhaft. Wenn eine Nutzungsüberlassung um die 300 Euro kostet sind das 3600 Euro im Jahr. bei 200 000 Euro haben die aber lange dort oben gelebt, viel zu lange. Vielleicht 20 000. Wieso hat das Sozialamt/Jobcenter nicht bezahlt, ist das nicht so bei Hartz4?

    Regensburger sind dort vorbeigefahren und haben einfach ihre Möbel dort abgestellt. Zum einen dachten sie die Leute brauchen sie zum anderen wurden diese im Winter einfach zerlegt und verheizt.

    Mag sein das , daß Jugendamt sich bei einigen gemeldet haben. Es gab aber etliche die dort lange gelebt haben mit Kindern, das nenne ich dann effektive Arbeit des Jugendamtes.

    Eine Familie hat dort sogar gewohnt, obwohl sie nicht dürften, da der Vater berufstätig war, nur keine Wohnung fanden. Die Frau das Geld verjubelt hat.

    Nachts tat es Schläge, über den Spion konnte man zu sehen wie gerade die Wohnung ausgeräumt wurde, weil auch immer.

    Ja Alkohol, Drogen etc waren,sind weit verbreitet dort oben gewesen, und wer sauber war , war ständig damit konfrontiert und wurde animiert um dazu zu gehören oder weil es auswegslos SCHIEN.

    Bei der Familie mit 6 Kinder hat das Jugendamt so gut geholfen , das sie innerhalb der Anlage umgezogen sind, die Kinder auch durch Eltern bedingt Verhaltensauffällig wurden, die Kinder einfach ins Heim kamen. Das ist wohl dann die beste Lösung?

    Wenn ich daran denke nach heutiger Hartz 4 Regelung kaufst dir einen Ofen auf Kredit, hast weniger Geld bis dieser abbezahlt ist, und musstest aus Geldnöten auch noch verbotener Weise selbst anschliessen.

    Hat man sich dort behauptet, meidet man am besten die Gesellschaft die einen gefühlt nicht mehr haben wollte. Dann integriert man sich dort oben oder findet einen Weg, dann lebt man zwar etwas in Angst aber die Familie ist groß. Man hilft sich und verwaltet sich selbst.

    Wie dann Jobcenter und städtische Behörden damit umgehen mag auch eine Medaille sein.

    Bleiben wir bei dem Fakt, wer dort angekommen ist, sollte was? Bald wieder wegkommen und integriert werden.
    Mir persönlich habe die Umstände dort oben lange zugesetzt. Ich habe meine Adresse so gut es ging verschwiegen. Neue Bekanntschaften gar nicht eingeladen. Alte Bekanntschaften hatten vor der Gegend sogar Angst am Abend. Ständig zu Freunde fahren um zu duschen war peinlich und nicht gut fürs Ego. Ums Inventar hab ich mir ebenso immer bei Abwesenheit Sorgen gemacht. Nachts hab ich mich 2 mal umgedreht. Die Polizei hatte ich am Anfang öfter gerufen. Ich war dann froh als es hieß der ist in Ordnung, dem kannst trauen. Ich bin stolz drauf von dort weg zu sein, nur einmal an einer Bong mitgeraucht zu haben, und nicht einmal angetrunken gewesen zu sein. Nur einmal das Vertrauen in einen Drogendeal reinplatzen, beim abwiegen und verpacken in Tütchen…….dann spelen sich im Kopf Szenarien ab. SEK , ich häng mit drin, mein Leben ist im Arsch, etwas sagen und ich bin Tod? Nichts sagen aber 6 Dealer haben Angst…….
    Wie schlimm das es dort jetzt noch ist, ka. Aber allein die Bausubstanz hat zugesetzt, vor allem im Winter die Kälte. Zu sehen wie Leute eine Wohnung suchten, der neue Vermieter kam, den Vertrag zerissen hat, weil man verschwiegen hat ein „Asi“ zu sein. Wasser mit Strom im Boiler erwärmen , zum waschen, zum spülen und eine saftige Stromrechnung die vom Hartz 4 Regelbetrag bezahlt werden muss. Warmes Wasser aus der Leitung ist definitv günstiger. Btw in den Duschen wurden auch die Hunde gewaschen. Wenn unser eines jetzt die Stromrechnung bezahlt , haben wir immernoch warmes Wasser……

    Vor über 10 Jahren mussten alle raus, für was frag ich mich , wenn nur die Aussenfassade erneuert wurde?

    @ Hannah , ich glaube den Mann mit den teuren Autos, kenne ich, der war zu der Zeit noch Selbständig, hat aufgeben und sich von der Frau getrennt, wegen der Klamotten und mehr, nur die Autos waren Schrott und waren nur 3 wenn das im Zeitraum 2000 bis 2003 lag.
    Wo beginnt selbst verschuldet in unserer Gesellschaft? Was lernen die betroffenen draus? Wenn es selbst verschuldet ist, ist das nicht normal? Wenn das nicht normal ist, warum schaut man dann zu???ß

  • R.G.

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    @Hannah
    Könnten Sie uns bitte vorrechnen, wieviel die Unterbringung dreier Kinder im Heim monatlich kostet?

    Ist das die Lösung?

  • R.G.

    |

    Aufgrund der Lage wohne ich „besser“.

    Ich bin nur nach Hannahs Aufzählung über die Schlechtigkeiten der Bewohner der Sozialunterkünfte nicht mehr sicher, ob ich nicht ab heute sagen müsste, ich wohne in den Häusern der Diebe, Räuber, Dealer und Mörder.

    Der die Villa in der Nähe um nur zwanzig Millionen erwarb, wurde in den Medien als internationaler Verbrecher geoutet, einer von einem der nächsten Stiegen ermordete eines Morgens seine Familie, weil ihn der Lärm gestört hatte, den jemand beim Einwerfen von Altglas in die Sammelbox verursacht hatte.
    Gegenüber verhaftete die Polizei eine Frau wegen nicht bezahlter Schulden, eine andere vergnügte sich mit dem Kindesvater in der Wohnung, während der Junge im Radkeller auf einem Feldbett zu schlafen hatte.

    Bisland behauptete ich, nicht vorbestraft zu sein.
    Aber jetzt zweifle ich, ob man nicht wie bei den Leuten einer Sozialunterkunft, jedem Menschen für alles, was irgendwer in seiner Siedlung tat, einen Vermerk ins Strafregister geben müsste.

    Bei den „Asozialen“ schuldet der Volksmund schließlich ja auch alles von einzelnen begangene Negative jedem der dortigen Bewohner an.

  • Mathilde Vietze

    |

    Auch ich bin im „Glasscherbenviertel“ aufgewachsen. Im neuen
    Almanach können Sie meine Geschichte „Meine Kindheit am
    Fluß“ nachlesen. Wir wohnten in einer Bruchbude und im
    Haus wohnten Leute, denen es nicht besser ging als uns.
    Und trotzdem ist keiner „abgerutscht“ – es ist aus allen „etwas
    geworden“. Mein Kommentar soll aber nicht als Akt der Selbst-
    gerechtigkeit verstanden werden.

  • R.B.

    |

    Hallo zusammen

    Kenne diese Frau, um die es in dem Artikel geht. Es ist eine sehr gute Freundin von mir. Ihr geht es da drin wirklich besch………! Es wäre schön wenn sich mal ein paar Regensburger ihr eine Chance auf eine Wohnung geben würden mit ihrem Kind. Was ist daran so schwer? Die 2. Bürgermeisterin hatten wir schon kontaktiert. Leider kam von ihr gar nichts. Es interessiert sich sogesehen niemand für diese Menschen dort. Auch die Mittelbayerische und das Wochenblatt wollten davon nix wissen. Es kam nicht mal eine Antwort auf meine Nachrichten an die Presse. Find ich einfach unverschämt. Vielleicht gibt es ja jemanden, der ihr helfen kann. Bitte helft ihr, ich kann es leider nicht. Hab getan was in meiner Macht steht. Es tut im Herzen weh, nicht mehr für sie tun zu können.

  • R.B.

    |

    @R.B.
    Es wäre ja schon schön, wenn z.B. ein Sportverein oder eine Pfarre der Frau und ihrem Sohn die Möglichkeit böten, sich regelmäßig gratis zu duschen…

  • R.G.

    |

    Verzehung, ich hatte ich bei meinem Nicknamen vertippt, ich bin selbstverständlich R.G.,nicht R.B.

  • Tobias

    |

    Die Frage ist nur, wie man mit „solchen Leuten“ denn umgehen soll? Damit meine ich weniger die in dem Bericht beschriebene Frau, auch wenn man auch hier fragen sollte, warum das so ist? Ist es wirklich nur wegen der Anschrift?! Das glaube ich weniger.

    Wenn viele, die dort landen, sich und ihr Leben nicht im Griff haben, wie soll man das angehen? Für jeden einen Vollzeit-Betreuer? Jemand, der, wie in den Kommentare zu lesen, ständig Holz hackt, ist vermutlich im Kopf ein wenig wirr, aber unerwünscht. Soll er in die Uniklinik, zur Behandlung seiner Störung? Oder ist das nun den „Gutmenschen“ auch wieder nicht recht? Soll man ihn weiter Holz hacken lassen, einfach, weil es so ist, und damit das friedliche Miteinander der Hausgemeinschaft aufs Spiel setzen, nur um einer Minderheit aus – vermutlich – politischer Korrektheit (keiner hat angeblich heute mehr an etwas Schuld…) diesen Irrsinn durchgehen zu lassen? Man liest immer „Man muss ‚etwas‘ machen“. Oder „die Stadt“.

    Sagen wir mal, die Gebäude werden renoviert. Jemand, der sein Leben nicht im Griff hat, wohnt diese auch herunter. Oder verhält sich störend in seinem Umfeld. Der Nachbar oder die Nachbarin, ebenfalls mit einem anderen Problem, mischt sich ein, und die beiden haben ein „ganz tolles“ Verhältnis: Lärm, Pöbeleien etc. Schlicht asozial. So, und nun? Endlos renovieren, auf Steuerzahlerkosten? Das ist links-grünes SPD-Geschwätz, das Geld der Anderen umzuverteilen in Fässer ohne Boden. 24/7 Personal und Betreuer ansetzen? Siehe oben, kostet. In eine Einrichtung, wo sie kontrolliert werden? Wollen die vermutlich gar nicht.

    Es gibt eine Dokumentation von SPIEGEL TV aus dem Jahre 2005, die heißt „Am Rande der Gesellschaft – ein Ghetto in Göttingen“. Dort kann man viele Parallelen zu dem Bericht ziehen. Leute rutschen ab, werden eingemietet und sich selber überlassen. Klingt ja erstmal wirklich schlecht und ein Fall für den Sozialstaat. Wenn aber die Betreuerin die Leute zur ARGE zerrt, und diese dort Null Interesse zeigen, was dann? Dann bleibt man dort. Und dann wird gejammert. Und dann ist man „schockiert“ und schimpft. Wo zieht man die Grenze? Wer renoviert meine Wohnung, wenn ich fahrlässig nicht lüfte? Oder warum soll ich für andere zahlen? Wenn, wie RA Spirk meinte, irgendwelche Rechte angegriffen werden, dann bitte ich Sie, vor Gericht zu ziehen, ansonsten sehe ich das wie Hannah.

    Es gab auf RD viele ganz besch….eidene Fälle, wo es um Beamtenwillkür ging. Wo es an einer Unterlage fehlt. Dann gibt es wieder Fahrlässigkeiten, dass man Termine platzen lässt, weil einen Freunde aus der Stadt geschafft haben und kein Geld für den ÖPNV da ist und dergleichen. Und viele Notunterkunft-Fälle sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst verschuldet. Auch etwa „Helmut“, ich muss das jetzt sagen, auch wenn es vermutlich grenzwertig für Stephan ist (oder wer das auch immer durchliest): Deine Orthographie ist wirklich äußerst schlecht, die Gedanken wirr und kaum nachzuvollziehen. Wer so ein Vorstellungsgespräch für Wohnung oder Job führt, der muss nun einmal mit Absagen rechnen. Ich habe selber eine Wohnung, die ich noch bis 2036 abzahlen werde; ich würde meinem Lebenswerk und Altersvorsorge, für die ich mich täglich von 6-14 abrackere, auch niemandem anvertrauen, der vermutlich eher weniger gut im Leben steht.

  • Schwalbe

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    Jetzt ist auch hier geschehen, was bei diesem Themenbereich immer passiert, mal früher, mal später, es wird die Frage gestellt, ob und wie sehr jemand selbst schuld ist an seiner Notlage. Auf der sachlich-formalen Ebene ist diese Frage schnell beantwortet, diese Gesellschaft hat sich nämlich zu einer Sozialgesetzgebung durchgerungen, in der die Schuldfrage keine Rolle spielt, sondern nur die Notlage als solche belegt und geprüft werden muss (was oft genug seltsame Blüten treibt…), und dann wird im Sinne einer Mindestversorgung zur Deckung der Grundbedürfnisse und zur Teilhabe geholfen.
    Dieses (zumindest in der Theorie) recht eindeutige Prinzip scheint aber bei vielen Menschen ein derartiges Unbehagen auszulösen, dass dann doch die Schuldfrage kommt. Warum eigentlich? Kann man nicht die oben skizzierte Sozialstaatlichkeit als zivilisatorische Errungenschaft begreifen, auf die wir stolz sein sollten? An dieser Stelle kommt dann reflexartig der Hinweis auf einschlägigen Missbrauch; ja, den gibt es hier ebenso wie bei allen anderen staatlichen Leistungen und auch im privaten Bereich wird sicher jeder Beispiele nennen können, wo betrogen, geschwindelt, übervorteilt, gelogen wird; das ist weder auf den Bereich der Sozialleistungen beschränkt, noch ist all das damit in die Welt gekommen; vielmehr gibt es alle diese unangenehmen Erscheinungen – weil wir es mit Menschen zu tun haben. Niemand wird sich selbst für unfehlbar halten, aber warum ist es so schwierig, diese Fehlbarkeit auch anderen zuzugestehen?
    Ich möchte das Problem noch von einer anderen Seite betrachten: wenn wir bei Not, Armut und Abstieg die Frage nach der persönlichen Verantwortung stellen, können wir sie doch auch bei Luxus, Reichtum und Aufstieg stellen. Hat beispielsweise ein Sportler die Millionen, die er für seine Tätigkeit bekommen kann, verdient? „Verdient“ meine ich natürlich nicht in dem Sinn, ob durch irgendwelche wirtschaftlichen Transaktionen das Geld vorhanden und jemand bereit ist, es entsprechend auszugeben; das ist ja offensichtlich der Fall; hat er es im immateriellen, ethischen Sinn verdient? Ich kann und möchte diese Frage hier nicht beantworten, aber vielleicht lohnt es sich, mal darüber nachzudenken.
    Ein anderer Aspekt sind die zig-Milliarden € an Vermögen, die hierzulande jährlich vererbt werden; haben die Erben das verdient? Wenn ja, wodurch? vielleicht dadurch, dass sie zufällig in eine Familie hineingeboren wurden, die irgendwann zu Reichtum gekommen ist? Nicht sehr überzeugend. Wenn nein, warum bekommen sie es dann und dürfen es behalten? Und warum kann sich überdies ein Großteil der politischen Parteien mit Haut und Haar dafür einsetzen, dass diese Erben nicht einmal nennenswert Steuern zahlen müssen? (hier geht es nicht, um das gleich vorwegzunehmen, um Omas Sparstrumpf oder ein Häuschen im Grünen, sondern um richtiges Vermögen) Auch hier keine Antwort, nur die Anregung, das scheinbar Selbstverständliche mal zu hinterfragen.
    Und wem das alles zu viel ist, der sollte sich doch zumindest mal ernsthaft überlegen, ob er mit „diesen Menschen“ tauschen möchte; nicht nur mit der materiellen Situation, auch mit den Gebrechen, Defiziten, Auffälligkeiten. Kaum jemand wird sich wünschen, sich die Beine zu brechen, nur weil er dann so schön faul im Krankenhaus liegen darf und nicht jeden Tag zur Arbeit gehen muss; alle sind wir doch froh, wenn wir einigermaßen gesund und leistungsfähig sind; warum neiden wir dann den Menschen, die das nicht sind, jede lächerliche Hilfe, die ihnen zuteil wird?

  • Eingeborene

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    Unabhängig von Notunterkünften, gibt es in Regensburg noch eine fast schlimmere Situation.

    Da besitzen Menschen eine Eigentumswohnung, für die sie ein Leben lang gespart haben um endlich in der Rente eine verbilligte Wohnung zu haben, was von der Regierung so angepriesen wird.

    Dann kauft ein anderer Eigentümer eine Wohnung darüber und vermietet über eine Internetplattform die Zimmer.

    Es gehen täglich andere Leute, zu unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten ein und aus.

    Der Eigentümer grüsst nicht, verhält sich bewusst abweisend, damit er daraufhin nicht angesprochen werden.

    Um in Beweis zu gehen müsste man Tag und Nacht versuchen, das fotografisch festzuhalten.

    Wenn ich in den Keller gehe, sperre ich die feuerschutzhemmende Türe von innen zu, damit nicht gleichzeitig jemand den Kellerraum betreten kann, weil ich inzwischen Angst habe in dem Haus.

    Die restlichen Eigentümer sprechen das Thema nicht an, jeder geht jedem aus dem Weg.

    Der Besitzer der Eigentumswohnung bewegt sich nicht im Treppenhaus, wenn ein anderer Eigentümer aus der Wohnung geht.

    Es wohnen 7 Parteien in diesem Haus.

    Dann kann man vielleicht mal bei der Polizei anfragen, beim Finanzamt usw.

    Dann ist mein Name aktenkundig, und ich muss um mein Leben bangen, weil so ein Typ (meiner ist zufällig Kroate) Menschen aus allen Ländern anschleppt.

    Dann ist es fraglich, dagegen anzugehen, weil die Gesetzeslage nichts hergibt.

    Schauen Sie sich mal die Internetseite „airbn“ an und suchen Sie nach Regensburg, wieviele Einzelzimmer vermietet werden (es sind Hunderte).

    Das ist eine Entrechtung der Regensburger Bürger.

    Ich bin entsetzt über diese Politik.

  • R.G.

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    @Tobias
    Ich nenne nur ein Beispiel, was man tun könnte.

    Angenommen, Hannah und Tobias hätten mit ihren Vorbehalten recht, die Bewohner wären als untherapierbar zu bezeichnen und mit keinem Hilfsangebot zu erreichen:
    Eigentlich müsse man sie als wohnunfähig bezeichnen.

    Dann wäre eine Recherche mit der Suchmaschine möglich. Die Suchworte “ Vinzidorf, Graz, Pfarrer Pucher“ sollten zum Erfolg führen.
    Diese(s) Projekt(e) fordern nicht mal Abstinenz, man arbeitet somit mit schweren Alkoholikern.
    Vielleicht gibt es daraus Anregungen, die man in Regensburg mit „nicht wohnfähigen Menschen“ umsetzen könnte.

    (Meine Orthographie ist noch schlechter ; ) als die von Helmut, die des Schwedischen Königs und dessen Sohn noch schlechter! )

  • auch_ein_regensburger

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    In diesem Zusammenhang fällt mir des Ausspruch eines intelligenten Menschen ein, das sinngemäß so lautet: Den Grad der Zivilisiertheit einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht.

    Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen, Sozialdarwinismus à la Tobias oder Hannah nach dem Motto „Die sind doch selber Schuld“ ist ganz einfach Bullshit.

  • Else E.

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    Zur Schuldfrage: Über die Verantwortung der 69 Erwachsenen, die in den Notunterkünften wohnen, lässt sich endlos streiten… Und was ist mit den 48 Kindern? Sind die auch schuld? Oder haben die es auch verdient dort zu wohnen, weil sie sich die ärmeren oder chaotischeren Eltern ausgesucht haben?
    Menschenrechte – z. B. auf Gesundheit und Unversehrtheit – sind unteilbar und können nicht den einen zugestanden und den anderen abgesprochen werden.
    Während die Bewohner und Eigentümer im neuen Marina-Viertel schon die Krise heraufbeschwören, wenn ihr Zweitwagen keinen Parkplatz hat, reden wir hier von Menschen, die weniger Platz als ein KFZ zum Leben haben. Schuld? Lachhaft!

  • Mr. T

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    @ Schwalbe: +++
    @ Eingeborene: Kritik an Schwarzhotellerie geht auch ohne Rassismen. Vor Menschen aus allen Ländern muss man keine Angst haben und sich im Keller einsperren. Die wollen auch keine Probleme. Auch Kroaten als Miteigentümer sind keine Todesgefahr. Man kann so einen Missbrauch auch anonym anzeigen.

  • R.G.

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    Geht man von der Idee aus, alle Erwachsenen in den Häusern wären durch und durch hoffnungslose Fälle, so empfehle ich Videos aus Rumänien, auf Youtube unter den Suchworten “ Kinderhilfe für Siebenbürgen“ zu sehen.

    Dort wird vorgezeigt, was passierte, als man zuerst nur zwei Dutzend KInder der chancenlosesten Familien in einer Schule ausreichend ausspeiste, sie regelmäßig wusch und sauber kleidete.

  • R.G.

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    Ein Kernsatz des Filmes: „Die Erwachsenen orientieren sich jetzt an den Kindern“
    Film:“Das Erste,
    Raus aus dem Elend – Eine Deutsche kämpft gegen die Armutsflucht“

  • R.G.

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    @Eingeborene

    Ihr Beispiel passt sehr gut in den Thread, wiewohl er nur auf den ersten Blick von völlig anderen Problemen berichtet, nämlich von Verlust an Lebensqualität für viele Mieter durch das Verhalten einzelner Mitbewohner.
    Wie die Ärmeren im Sozialblock, haben Sie Angst sich gegen die Zustände zu wehren, weil Sie sonst empfindliche Verschlechterungen befürchten.

    Zu erwähnen, dass man sich als Einheimischer gegenüber rücksichtslosen Menschen aus anderen Ländern nicht zu agieren traut, ist für mich absolut OK.

    Urlaubergruppen führen sich häufig rücksichtslos und zum Schaden der Landesbewohner auf, wenn man ihnen Narrenfreiheit lässt.

    Das sieht man am Verhalten von Koma saufenden vorwiegend Deutschen am Ballermann, dem von Scharen randalierender und stockbesoffener Österreichern an italienischen Stränden, von im Wettberwerb bis zur Unzumutbarkeit saufenden Niederländern in meiner Heimat(jedes Volk hat ein bevorzugtes Billig-Urlaubsland zum mal die Sau rauslassen), und im Haus von @Eingeborener mitten in Regensburg eben am Benehmen von Besuchern aus unterschiedlichen Ländern.
    Solidarität mit den Betroffenen ist angebracht.

    Die Probleme erwähnen hat nichts mit Rassismus zu tun, und es hilft einem angesichts (als Beispiel nur) von in einen Hausflur Kotzenden und Party bis in die Früh Feiernden nichts, wenn man erzählt bekommt, dass die Menschen vom Volk des fremden Vermieters oder der kotzenden Schweinigl, daheim oder in normalen Alltagssituationen ach so sehr Mensch wie wir sind.

    Man kann sich ausmalen, um wieviel mehr sich erst Menschen aus Sozialblocks fürchten werden, gegen größere geschlossene Gruppen in der Nachbarschaft Beschwerden zu äußern…

  • Mr. T

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    Also R.G., alles was Eingeborene an Argumenten gegen die Kurzzeitbewohner vorbringt, ist, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten ein und aus gehen und aus verschiedenen Ländern kommen. Das sind klare Vorurteile – genauso wie Ihre unbegründete, vorurteilsbhaftete Annahme, dass die da so marodieren. Man kann sich gerne über jemanden aufregen, der einem in den Flur kotzt, dann muss es aber bitte scheißegal sein, woher er kommt. Ausländerkotze riecht auch nicht schlimmer als die von einem deutschen Michel. Gebauso wie es in Mallorca egal ist, ob sich besoffene Briten, Holländer, Russen oder Deutsche aufführen – Arschlöcher sind Arschlöcher, egal woher sie kommen.

  • R.G.

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    Zitat @ Mr. T.
    „Gebauso wie es in Mallorca egal ist, ob sich besoffene Briten, Holländer, Russen oder Deutsche aufführen – Arschlöcher sind Arschlöcher, egal woher sie kommen.“

    Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, ich habe schon des öfteren erlebt, wie an sich pingelige, biedere und saubere Kollegen, sobald sie im Ausland im Urlaub in der Gruppe auftraten, zu Ekeln (Ihr Wort ist mir doch zu deftig) mutierten. Es war war schon bei Betriebsausflügen im Inland exzessiv genug, in anderen Staaten zeigten sie jedoch ein gänzlich unzumutbares Benehmen.

    Überdies klagen Nachbarn von Zimmervermietungen per Nächtigungsplattformen, häufig über für ein Wohngebiet bzw. Mietshaus unzumutbare Zustände. Bei guten Anbietern kann es allerdings durchaus gut klappen.

    Die Rassismuskeule auszupacken, nur weil jemand für ausländische Gäste das Wort „Ausländer“ verwendet, das halte ich als bestens integrierter ursprünglicher Ausländer, jetzt IN-und Ausländer, schlicht für eine Form von Rassismus.

    So selbstverständlich es mir passieren kann, zusammen mit anderen meiner Herkunft in lauten Tonfall zu verfallen(wir mussten Jahrhunderte gegen Wind und Meer anreden); für hier lebende Menschen, die am nächsten Tag arbeiten müssen, oder alt und gebrechlich, oder auch nur schmerzgeplagt in einer kleinen Wohnung hocken, ist der Lärm eine Zumutung.

    Nur WEIL ich mir meiner noch vorhandenen Ausländermentalität bewusst bin, kann ich die Klagen erst richtig verstehen und Rücksicht auf die hiesigen Leute nehmen.

    Zurück zu den Sozialwohnhäusern.

    Klagen, die man in Häusern der glücklichen Mittelständler für normale Probleme hält, über die man trefflich streiten kann, sollen von den „Sozialfällen“ erst gar nicht geäußert werden dürfen, denn egal was sie sagen, man tut so, als benähme sich dort jeder in allen Belangen daneben, und es stünde ihnen gar keine Besserung der Verhältnisse zu.

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