Vortrag zur Freiflächenentwicklung in der Zukunft

Stadtgrün zwischen Beteiligungskomplex und Agora

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Bürgermeister Jürgen Huber und der Leiter des Stadtgartenamtes Hans Dietrich Krätschell informierten am Dienstag im Degginger über die Bedeutung von Freiräumen in Städten und stellten diesbezügliche Strategien der Stadt Regensburg vor. Publikumsstimmen beklagten Versäumnisse und Fehlentwicklungen in der Vergangenheit in der Flächengestaltung und -nutzung und kritisierten ein fehlendes Gesamtkonzept der Stadt.

Vortrag zum Thema Freiraum in der Stadt von morgen. Foto: om

Vortrag zum Thema Freiraum in der Stadt von morgen. Foto: om

Die Rollen sind nur anfänglich klar verteilt. Während Bürgermeister Huber eine „politische Vorrede“ hält und grob allgemeinpolitische Entwicklungen und Herausforderungen skizziert, stellt Stadtgartenamtsleiter Krätschell in seinem Vortrag die Regensburger Verhältnisse der öffentlichen Flächennutzung und die städtischen Strategien dar.

In der anschließenden Diskussion jedoch bleibt es hauptsächlich Krätschell überlassen auch auf politische Fragestellungen einzugehen oder vielmehr auf politische Entscheidungsträger zu verweisen, die ein geeigneterer Ansprechpartner wären als ein Verwaltungsmitarbeiter. Huber, seines Zeichens ebensolcher Entscheidungsträger, nimmt diesen Ball nur gegen Ende kurz auf und überlässt ansonsten Krätschell die Bühne.

Doch von Beginn an. Der Architekturkreis Regensburg hatte die beiden Vortragenden ins Degginger eingeladen, um das Thema „Freiraum in der Stadt von morgen“ zu diskutieren. Gefolgt sind der Einladung auch viele andere, der sakrale Freiraum der Kreativen ist reichlich voll. Gekommen sind unter anderem (Landschafts-)architekten, Stadtplaner, Naturschützer, Stadträte und auch Kulturreferent Klemens Unger. Das Thema scheint auf den Nägeln zu brennen.

Huber und die Agora

Huber holt weit aus, als er die Bedeutung von Freiräumen in Städten darzulegen versucht. 2050 würden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, weswegen es immer notwendiger werde, sich Gedanken über die Rückkehr von Flora und Fauna in die Städte zu machen, zumal die Erhaltung der Artenvielfalt auf dem Land aufgrund der industriellen Landwirtschaft zunehmend schwieriger werde.

Auch Regensburg, das stetig regen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen hat, müsse hier reagieren und könne bei entsprechender Bautätigkeit die Freiflächen, auch im Hinblick auf die fortschreitende Klimaerwärmung, nicht vernachlässigen.

Wie die Flächennutzung jeweils zu verhandeln sei, stellt sich Huber als eine „Agora-Gesellschaft“ vor. Es brauche einen „Altruismus, der nicht aus der Summe von Egoismen“ bestehe und eine gute Kommunikationskultur in der Stadtgesellschaft. „Hier im Degginger haben wir eine Agora-Gesellschaft“, lässt Huber die teilweise irritierten Anwesenden wissen.

„Die Politik hat das Mandat“

Es solle um Expertise und nicht um Besserwisserei gehen. Bezugnehmend auf Planungen und Diskussionen rund um den Ernst-Reuter-Platz, auf dem irgendwann einmal ein Kongresszentrum entstehen soll, verspricht Huber einen breiten und transparenten Beteiligungsprozess. Das alleinige Mandat zu entscheiden, habe jedoch grundsätzlich die Politik.

Politische, wenngleich vergleichsweise unkonkrete Ziele nennt Huber für die städtebauliche Entwicklung im Hinblick auf Freiräume auch. Die Stadt solle im doppelten Sinne nachverdichtet werden, mit in Bebauung integrierte Grünflächen. „Ich sage immer: die Gärten“, so Huber.

Kinder sollen nicht nur von einem Innenraum in den nächsten gefahren werden, sondern Platz bekommen, Regensburg solle eine „genießbare Stadt“ werden („Wir tun viel für die Bienen.“). Das Thema Ernährung gehöre hier genauso aufs Tableau wie auch  an der Wertschätzung für das städtische Grün zu arbeiten, das Jahresvorhaben seines Direktoriums.

„Entwicklungsmusik spielt im Osten“

Hans Dietrich Krätschell schlüpft zunächst buchstäblich in die Rolle eines Gartenzwergs, um humoristisch durchaus gelungen auf die Kluft zwischen Image und Wirklichkeit des Stadtgartenamtes hinzuweisen. Es folgt, ganz entgegen besagtem Image, ein Fachvortrag über Analysen, Lösungen und Strategien der stadtplanerischen Flächennutzung in Regensburg.

So sollen städtische Freiräume, wie etwa mit der Bewerbung für die ins Wasser gefallene Landesgartenschau 2024 beabsichtigt, in einem Gesamtkonzept entwickelt werden. Für den Stadtosten beispielsweise, der jetzt und in den kommenden Jahren baulich enorm nachverdichtet werde, gelte es auch ausreichend Freiflächen bereitzuhalten, sie vernetzt mit anderen Grünflächen in die Quartiere zu integrieren und damit dem Stadtteil Konfliktpotentiale zu nehmen, ihn aufzuwerten und die Lebens- und Umweltbedingungen zu verbessern.

Bund Naturschutz: Freiflächenkonzeption? Fehlanzeige!

Krätschell spricht von einer „übergeordneten Zielplanung mit einer gesamtstädtischen Freiflächenkonzeption“, die nötig sei. Ausgerechnet diese jedoch, das wird in einigen Wortmeldungen beklagt, habe der Stadt in der Vergangenheit gefehlt. Zu einseitig seien Interessen von Investoren und Bauträgern bedient worden, ohne die Auswirkungen von Flächenversiegelung und baulicher Verdichtung im städtischen Raum hinreichend mitzubedenken.

Der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Regensburg, Raimund Schoberer, spricht etwa von einem „dramatischen Verlust von Freiflächen“. Er könne keine Freiflächenkonzeption der Stadt erkennen. Krätschell liefert daraufhin ein denkwürdiges Statement: „Konflikte löst man über Vorschläge und nicht über Problemschärfung, was bisher schief lief.“ Nach dem Motto: Was weg ist, ist weg, lasst uns in die Zukunft schauen.

Auch andere tragen Krätschell eigentlich politische Anliegen vor, beispielsweise zum Thema Bürgerbeteiligung oder der Umwidmung von Flächennutzungen. Was einmal Gewerbegebiet war, müsse ja nicht immer Gewerbegebiet bleiben. Hier scheint es auch Huber aufzufallen, dass für politische Angelegenheiten eigentlich er als Mandatsträger zuständig wäre, weshalb er – mittlerweile im Publikum sitzend – nochmals das Wort ergreift.

Huber: Beteiligungskomplex

Es gebe einen Beteiligungskomplex, weil Leute erwarten würden, dass alles genauso so umgesetzt werde, wie sie es vortragen. „Eine Hundert-Prozent-Regelung eigener Interessen gibt es nicht“, so Huber. Man müsse stets versuchen Abwägungen zu machen. Regensburg werde weiter wachsen und „wir können nicht die aussperren, die hierher wollen. Das wird an der einen oder anderen Stelle auch Opfer kosten“.

Wie und ob man Versäumnisse der Vergangenheit hinterfragen oder gar ausräumen möchte und wie künftig die Flächennutzung gesamtkonzeptionell geplant werde, blieb im Konkreten – zumindest an diesem Abend – offen.

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Kommentare (13)

  • Stephan Zweig

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    Von einem fehlenden Gesamtkonzept würde ich nicht sprechen allenfalls von einem falschen. In den letzten Jahren wurden von der Stadtverwaltung in den Grünflächen und in den Neubau-und Nachverdichtungsgebieten jede Menge Bäume abgesägt oder zum fällen genehmigt.
    http://www.regensburg-digital.de/das-gartenamt-beginnt-mit-den-diesjaehrigen-baumfaellungen/21012016/
    http://www.regensburg-digital.de/bund-naturschutz-kritisiert-baumfaellungen/13072015/
    http://www.regensburg-digital.de/abschied-von-den-ufer-baumen/12022013/
    Manchmal hilft vielleicht im Vorfeld eine (unterstellte) Hysterie?
    http://www.regensburg-digital.de/wolbergs-veraergert-ueber-hysterie/15042015/

  • Bruder Berthold

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    Toll! Viel gesprochen und nichts gesagt – zumindest steht im Artikel nicht ein konkretes Vorhaben. Dazu passt ja BM Hubers Satz: „…verspricht Huber einen breiten und transparenten Beteiligungsprozess. Das alleinige Mandat zu entscheiden, habe jedoch grundsätzlich die Politik.“
    Der Beteiligungsprozess war da, ist journalistisch verbreitet, jetzt kann die Politik entscheiden. Politik? Ach ja, das sind ja die Angeklagten und alle übrigen, die immer noch „schockiert“ sind und die Vorwürfe „noch immer nicht glauben können“.
    Für mich hat diese Politik ausgedient, da ist mir jede Verwaltung noch lieber, die einfach die gegebenen Vorschriften umsetzt, und nicht nach persönlichen Vorteilswünschen entscheidet.
    Ich denke jetzt gerade an Grubers Green, auch übertrieben großspurig „Bäckerschen Höfe“ genannt. Ich nenne es um in Grubers Grau, denn auch dort wurde das Betonbett der guten Donau wieder ein großes Stück erweitert. Geht man an der Baustelle vorbei, sieht man nur noch eine gigantische Betonplatte auf dem Erdboden. Wo soll all der Regen hin? Die Erdwürmer und Vögel? Ach ja, im Straubinger Zoo, da ist noch Platz für aussterbende Kleintierarten der Region.
    Loben möchte ich aber ausdrücklich das Stadtgartenamt. Dieses bepflanzt so viele Stellen wie Seitenstreifen und Verkehrsinseln derart zauberhaft, dass ich oft stehen bleibe, und die bunte Pracht bewundere. Bei den Baumfällungen, gerade in Wohngebieten, wünsche ich mir, dass das Gartenamt zumindest einen Zettel ausdruckt und an die betroffenen Bäume hängt, vier Wochen vor Fällung. Ich bin jedesmal schockiert, wenn wieder ein paar der alten Baumfreunde weg sind, wenn wieder Vogelagoras verschwinden. Das ist oft nicht vermeidbar wegen der Fäule und so, aber etwas mehr Feingefühl täte der Bürgerseele gut.
    Große Grünflächen, Parks, Alleen, Wiesen müssen einen hohen Wert erhalten, einen Geldwert. Der kann dann gegen das Betongold der Superreichen aufgewogen werden. Der Wert von Grün ist doch unermesslich, es bietet Erholung und Ruhe, man kann stehen bleiben und den Schmetterlingen zusehen, auf der Bank sitzen und den Zug der Wolken beobachten. Das ist für die Qualtität jedes einzelnen Lebens unermesslich wichtig, und kann nicht mit „die Politik macht das schon“ abgetan werden. Der Politik müssen strenge Maßstäbe für Erhalt und Pflege von Grün- und Freiflächen auferlegt werden. Wie kann das geschehen?

  • M. Grabersch

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    und das muntere Bäumefällen geht weiter. Mit Entsetzen habe ich festgestellt, dass zwei wunderschöne Weiden an der Fähren-Anlegestelle in Prüfening gefällt wurde (an der Stelle feiert die SPD alljährlich ihr Fährenfest). Die stand da, seit ich denken kann. Wenn man sich die Baumfällarbeiten diesen Februar in Regensburg und vor allem in den Parkanlagen ansieht, bekommt man den Eindruck Wolbergs hat dem Gartenamt einen Nerobefehl erteilt.

  • Hans Wallner

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    Haben die Grünen früher nicht mal Politik gemacht, Standpunkte bezogen? Lang ist es her. Und der Herr Bürgermeister hat wohl sein Lebensziel, wenn schon nicht als Künstler, so doch als Bürgermeister erreicht. Das reicht dann, da brauchts keine Inhalte mehr.

  • nitram

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    als Künstler war Huber ein interessanter und sympathischer Mensch. Seit dem Überziehen eines Dreiteilers mit Krawatte scheint er nur noch „staatsmännisch“

  • bernd klüver

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    ’ne echte tragische Lachnummer unser grüner Bürgermeister mit dem roten Jahn-Schal und dem Elektro-BMW.

  • melle

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    „Problemschärfung, was bisher schieflief“ (lt. Bericht O-Ton Herr Krätschell) wäre soo notwendig, in vielen und wichtigen Bereichen der Stadtpolitik!
    Und genau dieses Aufklären, Kritisieren, Fehlerbenennen wird unter allen Umständen vermieden und verhindert.
    Der grundfalsche Ansatz.
    Künftige Fehler- und damit Konfliktvermeidung wird erst möglich, wenn Fehler der Vergangenheit erkannt, benannt und analysiert werden.
    Dieses ständig wiederholte Mantra, man dürfe auf keinen Fall rückwärts schauen und müsse immer nur möglichst schnell möglichst kreative Lösungen vorschlagen, ist Schwachsinn. Und feig.

  • math ilda

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    Die Autorität des Mandats zeigt in Richtung „Mandat des Himmels“. So verlässt ein Politiker den Boden der Tatsachen und scheißt sich nicht mehr um die Bürger, die ihn gewählt haben.

  • dünnster Künstler

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    Einladung zu einem kleinen Positionsabgleich zum kommenden RKK und ZOB Bürgerbeteiligungsverfahren am Montag:
    http://europabrunnendeckel.de/download/Einladung_RsKK_Mo_20_3_um_20_Uhr.pdf
    19:30 Uhr: Ortsbesichtigung auf den Plateaus zwischen Albertraße und Ernst-Reuter-Platz
    Treffpunkt: Europabrunnendeckel, Notfalltelefon: 0176 97 87 97 27
    20 Uhr: im *BFG-Zentrum, Hemauerstraße 15 (Nähe Bustreff Albertstraße), 93047 Regensburg: Positionsabgleich zur Idee eines RsKK*, Planung von freundlichen Aktionen.

    Einladung zur Diskussion und Aktionsplanung für die Idee eines Kulturzentrums mit soziokulturellem und integrativem Anspruch auf dem Keplerareal mit Lutherhochhaus.
    (Allein die Baumassenstudie für den RKK Neubau der nicht höher als das Maxhotel sein darf ist doch Trash, warum eigentlich nicht noch eine Weile die brutalsistische Architektur nutzen? vergl: http://europabrunnendeckel.de/download/hirn/Baugrubemitbaumrettung_1.gif …)

    Wichtig im Zusammenhang: Die Stadt geht laut Stadtratsbeschluss vom 1. Dezember, wohl kommende Woche mit der Bürgerbeteiligung für ZOB und RKK an die Öffentlichkeit (auch wenn das scheinbar kaum jemand auf dem Schirm zu haben scheint… Es wird Frühling, es blüht schon in der Presse, schon bald ist der Fasching vorbei und dann gehts zackig los mit dem Bürgerbeteiligungsverfahren. )
    Sich jetzt mit konstruktiver inhaltlicher Kritik einzubringen, entspricht genau dem Zeitplan und Anspruch der Verwaltung an die Bürger, der bei der Informationsveranstaltung Anfang Dezember von der Stadt (Wolbergs) für den Beteiligungsprozess und Planungen eingefordert wurde!

    Ein Vorschlazum Bürgerbeteiligungsverfahren: Kultur zwischen Albert und Ernst.

    Wir sammeln Ideen und melden in der warmen Jahreszeit eine Aktion nach der anderen zwischen Ernst-Albert- und Bahnhofsstraße an! Ihr wollt ein Kultur und Kongresszentrum: Hier ist Kultur, Kongress und Soziales. Ihr seid kreativ nicht kritisch oder unkonstruktiv? Ihr Seid jung und nicht alt? Religiös und nicht atheistisch? DGB und nicht Fvfu-uüiUF.e.V.? Gescheit und nicht dumm? Böse und nicht freundlich? Macht nix, meld halt selber was an!
    z.B. vor der künftigen Römerbodensprenkleranlage mit eingravierter Grenzesprenkleranlage, hinterm Busbahnhof, auf den Kepler Plateaus oder drunter.
    Auf städtischem oder evangelischem Grund…. Erkundet was (um)gestaltet werden soll.

    …. Inhaltlich stellen wir uns dabei immer besser auf, DJ Albertstraße sorgt für Laune… Es erscheint mir ausserdem so, als müssten wir weniger die Stadtverwaltung als die Regensburger (Organisationen) etwas aufmischen, damit sie aus ihrer RKK und ZOB Lethargie und Meinungslosigkeit herauskommen und checken, dass jetzt der Zeitpunkt ist sich einzubringen und die Planungen gründlich zu hinterfragen.

    Ausserdem: Macht mit beim Beteiligungsprozess der Stadt.

    Infos der Stadt: http://www.regensburg.de/rathaus/aemteruebersicht/planungs-u-baureferat/amt-fuer-stadtentwicklung/entwicklungsplanung/aufgaben-und-projekte/regensburger-kultur-und-kongresszentrum-rkk/aktuelles/bei-uns-artikel-regensburgs-grossprojekt

    http://www.regensburg.de/rathaus/aemteruebersicht/planungs-u-baureferat/amt-fuer-stadtentwicklung/entwicklungsplanung/aufgaben-und-projekte/regensburger-kultur-und-kongresszentrum-rkk

    Hört die Eierkocher-Signale!
    gez: Maulwurf

  • Mathilde Vietze

    |

    Nachdem es beim Wüten gegen Wolbergs keine neuen Argumente
    mehr gibt, muß man sich jetzt einen neuen Sündenbock aussuchen.

  • idefix

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    Um es deutlich zu sagen, die fehlende Durchgrünung insbesondere der neuen, extrem verdichteten Wohngebiete resultiert aus der einzig renditeorientierten Stadtentwicklungsplanung zugunsten der allseits bekannten Investoren. Bei der Bebauungsplangenehmigung und bei dem städtebaulichen Vertrag durch die Stadt spielen die Interessen der Investoren auf eine Minimierung der „unrentierlichen“ Grünflächen eine große Rolle. Es ist meist ein einziger Kampf uns Geld natürlich zu Lasten einer menschenfreundlichen Durchgrünung. Die verschiedenen Bebauungen in der Stadt mit Wohnblöcken aus den 50/60-iger Jahren mit großzügigem Grün und diskretem Abstand zwischen den Gebäuden sind bestimmt menschengerechter und einladender als das moderne dichte Aufeinanderwohnen, das man durchaus als asozial bezeichnen kann.
    Entsprechend ist das Ergebnis wie die extreme Verdichtung im Baugebiet der ehemaligen Zuckerfabrik, des Marinaquartiers, den Baugebieten an der Ziegetsdorfer Straße und in Dechbetten und an anderen Stellen in Stadtgebiet zu sehen. Man braucht bloß mal die handtuchgroßen grünen Fleckerteppiche vor den Erdgeschosswohnungen und Reihenhäusern ansehen. Man hätte sie auch betonieren und grün anstreichen können, was auch noch die Pflege erleichtert hätte.
    Die Tretzelbauten kann man da durchaus positiver sehen, sie sind ja für die besserverdienende Upperclass gedacht , die anscheinend mehr Luft zum Atmen und mehr Abstand zum Nachbarn brauchen.
    Für diese investorenfreundliche Freiflächenfehlplanung trägt auch die Verwaltung Verantwortung. Aber sie musste sich scheinbar immer den Interessen der von der Politik unterstützten Investoren unterordnen, im Sinne der Gewinnmaximierung versteht sich.
    Bei der Diskussion um eine menschengerechte, durchgrünte Stadtplanung fällt auf, dass die Regensburger Architekten, die diese Minimierung des Grüns und die Überverdichtung hinter vorgehaltener Hand schon lange beklagen, nie die Courage besessen haben, öffentlich ihre Kritik zu äußern. Warum haben sie sich als Fachleute konstruktiv nicht eingemischt? Aus Angst anzuecken und vielleicht keine Aufträge mehr zu bekommen?
    Fazit: Es wird Zeit, dass über das Thema menschennotwendiger Freiflächen im Sinne der Bürger diskutiert wird, das nicht einseitig interessenbelastet ist. Die fachkompetente Verwaltung sollte sich dabei mutig gegenüber der Politik abgrenzen und auch den Renditeinteressen die Stirn im Sinne einer menschenfreundlichen Stadtplanung bieten.
    Leider liegt es aber auch an den Käufern solcher zusammengepferchten Gebäude und Wohnungen, wenn sie durch den Kauf eine menschenunwürdige Stadtplanung mit zu wenig Freiflächen sanktionieren. Auch die zunehmende Nachverdichtung rechtfertigt nicht den damit verbundenen Verlust von notwendigen Freiflächen. Doch leider regiert auch da der schnöde Mammon, wie sich leider in dem vom Geld verführten Regensburg zeigt, das nicht mehr wiederzuerkennen ist.

  • reminder

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    @idefix:
    Es regiert immer der, den man regieren lässt. Und es ist nicht der Mammon der regiert, sondern der, der den Mammon hat. Es geht hier also nicht um irgendwelche unpersönlichen gottgegebenen Größen: Es herrschen immer ganz reale Menschen, denen sich andere, nicht minder reale Menschen unterordnen bzw. nicht entschieden genug entgegentreten. Sorry. Sonst stimme ich Ihnen aber weitestgehend zu.

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