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Süddeutsches Kaltblut contra Amtsschimmel

Nur weil ein Kaiser seinem Volk verbietet, eine Krone zu tragen, heißt das noch lange nicht, dass er selbst keine tragen darf. Was in feudalistischer Zeit durchaus üblich, ja einsichtig gewesen sein mag, läuft im durch und durch demokratisch regierten Regensburg dieser Tage genau umgekehrt. Hier geht es nicht um Kronen, sondern um Kutschen. Genauer gesagt: um Kutschfahrten. Über die Steinerne Brücke. Eine solche bleibt dem Oberbürgermeister beim Dultfestzug verwehrt. Das Umweltamt, zuständig für die Dult, wittert Gefahr.

So eine Kutsche, gepaart mit einem politischen Schwergewicht vom Kaliber eines Hans Schaidinger, ist offenbar zu schwer für das ältliche Brücklein. Und außerdem: Was, wenn sich so ein Ross entschließt, ein Bad in der Donau zu nehmen und die Brüstung durchbricht? Gefährlich, gefährlich. Zum Glück ist das Ganze eine „ganz einfache Verwaltungsangelegenheit“ (Dr. Wolfgang Schörnig, Chef des Umweltamts). Brücke gesperrt, Gefahr gebannt. Der Oberbürgermeister muss also zu Fuß nach Stadtamhof marschieren und darf dort eine zweite Kutsche besteigen, um sich dann – unter dem Jubel der Massen – zur Dult fahren zu lassen. Ein hartes Los, das aber nicht alle Bürger teilen.

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Zum Beispiel jene, die sich am vergangenen Samstag von Bernd Neumann-Henneberg per Kutsche über die Brücke chauffieren ließen. „Dürfen Sie da fahren“, fragt da der – durch die Warnungen des Umweltamts – sensibilisierten Spaziergänger. „Selbstverständlich“, ist die knappe Antwort von Kutscher Neumann-Henneberg ehe er sich mit seinem süddeutschen Kaltblut auf die riskante Reise begibt. Unter angsterfüllten, ja geradezu entsetzten Blicken Einheimischer und Feriengäste überquert die Kutsche die Brücke. Wie durch ein Wunder geschieht kein Unglück. Mensch und Tier bleiben unverletzt. Auch Brücke und Geländer halten der Belastung stand.

kutsche1Soll das Schule machen? Muss die Stadt erst Brückenwächter installieren, um die Steinerne vor größeren Schäden zu bewahren? Wurde nicht schon lange genug – gut 850 Jahre – völlig unverantwortlich gehandelt, indem man Pferdefuhrwerke über die Brücke fahren ließ? Wie sind die gesetzlichen Regeln? Ist das mit einer „einfachen Verwaltungsangelegenheit“ zu lösen? Was ist mit Rikschas und anderen – durch Muskelkraft betriebenen – Fahrzeugen? Bleibt abzuwarten, was der Kaiser sagt.

P.S.: 1953 durchbrach die Inhaberin eines Regensburger Pelzmodenhauses mit ihrem Pkw die Brüstung der Steinernen Brücke und stürzte in den Tod. Die Stadt reagierte prompt und ließ (nach einem erfolgreichen Bürgerentscheid) keine 60 Jahre später – 1997 – die Brücke für Autos sperren.

(Ent)spannende Lektüre!

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3 Kommentare

  1. leute wie paul sind dann wahrscheinlich diejenigen, die sich als erstes aufregen, warum der KTW 1h braucht bis er kommt, wenn er vorher eine Bewohnerin aus dem Altenheim am Brückenfuß geholt hat und 3mal mit der Kirche ums Dorf fahren musste, um nach Stadtamhof zu gelangen…

  2. Für Ihro Gnaden Kaiser Hans wäre doch eine Senfte die beste Lösung.

    Ausser die Träger würden dann zu stark trampeln…

  3. ich würde mich ja über diese ganze sache die unsere verwaltungsFACHmänner und -frauen nicht mal aufregen, wenn auch die polizei nicht mehr über die brücke fahren würde
    oder sind b***** in autos mit pferdestärken irgendwie leichter als pferde und kaiser hans in der kutsche???

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