Weiteres Konzept zur Nachnutzung

Vom Krankenhaus zum „Evangelischen Hof“?

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In der Diskussion um die Nachnutzung des Evangelischen Krankenhauses liegt uns nun auch das Konzept der Evangelischen Gemeinde vor. Der „Evangelische Hof“ geht von einer teilweise subventionierten, teils ertragsorientierten Nutzung aus.

"An einer breiten, offenenen und seriöen Kommunikation interessiert": Dekan Eckhard Herrmann zur Neunutzung des Evangelischen Krankenhauses. Foto: Archiv

Was wird aus dem Evangelischen Krankenhaus? Foto: Archiv

Ein Kindergarten, ein Begegnungscafé und eine „Guesthouse“, Raum für Kurse, offene Seniorenarbeit, ein Pflegehotel und Beratungsangebote sowie ein interkultureller Sakralraum – das sind nur einige Bestandteile des Konzepts „Evangelischer Hof“, das eine Arbeitsgruppe evangelischer Träger unter Ägide von Dekan Eckhard Herrmann zur Nachnutzung des Evangelischen Krankenhauses vorgelegt hat (hier als PDF).

Bühne mit Veranstaltungstechnik

In der Kurzbeschreibung heißt es:

„In der Immobilie (…) soll ein Zentrum für Beratung, Bildung und Begegnung entstehen, das gemeinsam von verschiedenen evangelischen Trägern unter Einbindung weiterer Partner betrieben wird. Die Themenschwerpunkte der Arbeit sind an Zielgruppen orientiert: Familie und Kinder, Jugendliche, Senioren und Menschen mit Behinderungen. Hinzu kommen die Schwerpunkte Gast-Sein und Kirche.“

Das Evangelische Bildungswerk soll im „Evangelischen Hof“ Platz finden und so das bislang genutzte Alumneum Am Ölberg für andere Nutzungen freimachen, aber auch Verwaltungsräume der evangelischen Kirche soll es geben, ebenso Büros, Seminar- und Konferenzräume sowie – das könnte man auch als Zugeständnis an die Vorschläge der KOMPLEX-Initiative interpretieren – einen großen Saal mit Bühne und Veranstaltungstechnik.

Nutzung im Sinne der Satzung einerseits, ertragsorientierte Mieten andererseits

Das vorgeschlagene Konzept sei „bestens vereinbar mit dem Stiftungszweck“ der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung, schreibt der Verfasser Dr. Carsten Lenk (Evangelisches Bildungswerk).

„Damit ließe sich auch begründen, dass die notwendigen Mittel für die Sanierung und Schaffung der baulichen Voraussetzungen durch die Stiftung, ggf. auch weitere Förderer bereitgestellt werden.“

2013 hatte Oberbürgermeister Hans Schaidinger die Sanierungskosten für den Erhalt des Krankenhauses auf 27 Millionen Euro beziffert. Für den Evangelischen Hof aber sei „keine Luxussanierung“ vonnöten, heißt es nun in dem Konzept. „Die bestehende kleinteilige Krankenhaus-Struktur kommt der geplanten neuen Nutzung (…) entgegen.“ Weiter heißt es:

„Neben einer Nutzung im Sinne von § 2 Stiftungssatzung der EWR (Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, Anm. d. Red.) sollen Teile des Gebäudes auch ertragsorientiert genutzt werden, um einen nachhaltigen, kostendeckenden Betrieb zu gewährleisten.“

Unter anderem werden „Arzt- und Rechtsanwaltspraxen, eine Apotheke, ein Lebensmittelgeschäft für den Grundbedarf sowie verschiedene Läden“ als Vorschläge genannt. In einem Anhang (der unserer Redaktion nicht vorliegt) werden alle Dienstleister und Nutzungen aufgelistet, ebenso die Mietvorstellungen.

„Stadt war markt- und gewinnorientiert getrieben“

Für die Stadtgesellschaft entstehe mit dem „Evangelischen Hof“ ein ein „guter Ort, an dem mir geholfen wird“, ein Ort, an dem Lebensqualität im Mittelpunkt stehe.

„Die Kombination der verschiedenen Angebote bietet etwas Neues, Innovatives für die Entwicklung unserer Stadt, die über viele Jahre bei der Nutzung und Vermarktung von Immobilien(flächen) weitgehend markt- und gewinnorientiert getrieben war.“

Das Konzept solle nun, ebenso wie weitere Überlegungen, in die Neunutzung des Evangelischen Krankenhauses einfließen, so Dekan Herrmann gegenüber unserer Redaktion. Man sei ebenso wie die Stadt an einer „breiten, offenen und seriösen Kommunikation interessiert“.

„Rendite zwingend vorgeschrieben“?

Wie berichtet hat der Stiftungsausschuss der Stadt Regensburg erst kürzlich den Auftrag an eine Projektentwicklungsgesellschaft zur Erarbeitung eines Konzepts erteilt. Nach einem kritischen Kommentar hatte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs uns eine Stellungnahme mit einigen ausgewählten Informationen zugesandt und unter anderem erklärt, dass „Rendite zwingend vorgeschrieben“ sei. Auf die Bitte, diese nicht nachvollziehbare Aussage näher zu erläutern, hat der Oberbürgermeister bislang nicht reagiert.

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Kommentare (1)

  • hf

    |

    Kommentar gelöscht. Kein Getrolle.

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