Geheimniskrämerei ums Evangelische Krankenhaus

Wieder mal nur Profitmaximierung?

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morgen1Bei dem Konzept für die neue Nutzung des Evangelischen Krankenhauses scheint der Oberbürgermeister ausschließlich auf maximalen Profit zu setzen. Dabei gäbe es mehrere andere Konzepte und vor allem Bedarf. Doch die Vorschläge scheinen unerwünscht und werden zum Teil sogar geheim gehalten.

Es wirkt wie eine Wiederholung aus dem Jahr 2013. Ohne öffentliche Diskussion, geschweige denn Information beschloss der Stiftungsausschuss hinter verschlossenen Türen die Schließung des Evangelischen Krankenhauses und schickte damit nicht nur das einzige Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft in den Orkus, sondern beerdigte damit ein Wahrzeichen der evangelischen Kultur in Regensburg. Die Begründung war zumindest umstritten und lautete kurz zusammengefasst: Wir wollen uns dieses Ding nicht mehr leisten. Proteste und Kritik aus der Bürgerschaft ließ der damalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger lächelnd an sich abprallen. Beschlossen ist schließlich beschlossen. Nun scheint genau dasselbe wieder zu passieren.

Evangelisches Krankenhaus: Das Ziel ist maximaler Profit

Steht ab 2017 leer: das Evangelische Krankenhaus. Foto: Archiv

Steht ab 2017 leer: das Evangelische Krankenhaus. Foto: Archiv

Vor wenigen Tagen hat der Stiftungsausschuss – erneut in nichtöffentlicher Sitzung – eine Projektentwicklungsgesellschaft damit beauftragt, ein Nutzungskonzept für das Evangelische Krankenhaus, das ab 2017 leersteht, zu entwerfen. Und das Vorgehen deutet darauf hin, dass es wieder mal nur um Profitmaximierung zu gehen scheint, darum, das Vermögen der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung zu mehren – etwa durch ein Hotel, irgendeine Art von Einkaufszentrum oder sonst irgendwas, was Regensburg zwar nicht unbedingt braucht, geschweige denn, dass es die Stadt lebenswerter machen würde, aber was eben Kohle bringt, um den Stiftungszweck an irgendeinem Ort zu erfüllen, den man ohne das Evangelische Krankenhaus überhaupt nicht hat. 

Es gibt bereits zwei Konzepte, die sich mit einer Nachnutzung des Evangelischen Krankenhauses beschäftigen. Konzepte, die sich zum Teil überschneiden, die einen Bedarf befriedigen würden, der schon seit langem besteht, der von verschiedenen Seiten mehrfach öffentlich formuliert wurde und den sogar die Stadt selbst sieht.

Vorschlag KOMPLEX offensiv ausgebremst

Öffentlich bekannt ist der Vorschlag der KOMPLEX-Initiative für ein soziokulturelles Zentrum: ein evangelischer Kindergarten, Mehrgenerationentreff, offene Werkstätten, Ateliers, Proberäume, Platz für Verein und Nachbarschaftsinitiativen, die sichtbare Unterbringung von Flüchtlingen in der Altstadt nach dem Vorbild des Grandhotel Cosmopolis in Augsburg und, und, und. Die während des Kommunalwahlkampfs veröffentlichte Idee landete sogar im Koalitionsvertrag. Allerdings so schwammig formuliert, dass das alles und nichts bedeuten kann. Den Initiator Johannes Sturm ließ man monatelang durch die Verwaltung laufen, ehe er frustriert aufgab und als er zuletzt – bei einer Podiumsdiskussion im Degginger – leise Kritik über das Vorgehen der Stadt Regensburg äußerte, musste er sich vom Oberbürgermeister als Nörgler beschimpfen lassen.

Vorschlag der evangelischen Kirche wird geheim gehalten

Im Wahlkampf hochgelobt, dann ausgebremst: die KOMPLEX-Initiative.

Im Wahlkampf hochgelobt, dann ausgebremst: die KOMPLEX-Initiative.

Geradezu strengster Geheimhaltung scheint ein zweites Konzept zu unterliegen, das die evangelische Kirchengemeinde formuliert hat und in dem vor allem soziale Einrichtungen den Schwerpunkt bilden. Teilweise gibt es Überschneidungen mit den Ideen von KOMPLEX. Es wäre eine Mischnutzung, die sowohl eine Finanzierbarkeit, als auch die Erfüllung des Stiftungszwecks beinhalten würde und nicht zuletzt ein sichtbares Zeichen evangelischer Tradition in Regensburg erhalten würde.

Den Stadträten im Stiftungsausschuss liegt dieses Konzept vor. Doch sie sind dazu angehalten, nicht öffentlich darüber zu reden. Und so wie Joachim Wolbergs seiner Ablehnung von KOMPLEX durch die respektlose Behandlung von Hauptinitiator Johannes Sturm Ausdruck verliehen hat, scheint er dies nun auch gegenüber dem Konzept der evangelischen Kirche zu tun. 

Viele Versprechen, viel Bedarf, aber keine Räume

Dass die Stadt aber bei der Suche nach Plätzen für sinnvolle und erfolgversprechende soziale und kulturelle Einrichtungen mit ihrem Latein am Ende ist, zeigt aktuell das Beispiel Seniorenwerkstatt. Im März wird das seit rund 30 Jahren erfolgreiche Mehrgenerationenprojekt geschlossen, das Gebäude spätestens im Mai abgerissen und durch Container für die Realschule am Judenstein ersetzt, die schon seit längerem mit Platzmangel zu kämpfen hat.

Man suche „mit Hochdruck“ nach neuen Räumen für diese offene Werkstatt ließ die städtische Pressestelle nach mehrfachem Nachhaken gegenüber unserer Redaktion verlauten, man habe mehrere Lösungen in der Pipeline hörte man vom Oberbürgermeister – gefunden hat man bislang nichts. Ähnlich geht es dem Oberbürgermeister mit seinem Versprechen von Räumen für die Kulturszene, Proberäumen, einem Platz für Obdachlose, Lösungen für den Raumbedarf von Frauenhäusern, Flüchtlinge sowieso – und, und, und.

Das Degginger als Alibi

In den beiden Konzepten wäre vieles davon vorgesehen. Es werden Lösungen für Bedarfe formuliert, die unbestritten vorhanden sind und für die von städtischer Seite bislang keinerlei Vorschläge und Konzepte auf den Tisch gelegt wurden. Da hilft auch ein mit viel Geld hochgezogenes Degginger nichts, das zwar nichts schadet, aber keinen Bedarf erfüllt, den es tatsächlich gegeben hätte und das in erster Linie dazu zu dienen scheint, das Versprechen des Oberbürgermeisters für ein tatsächliches Kreativquartier auf den St.-Nimmerleinstag zu verschieben.

Mit einer ergebnisoffenen Diskussion über die künftige Nutzung des Evangelischen Krankenhauses, bei der die bereits vorhandenen beiden Konzepte miteinbezogen werden, könnte die Stadt einige, sicher nicht alle, Fliegen mit einer Klappe schlagen. Aber dazu wäre es nötig, eine öffentliche Diskussion auch anzustreben und zuzulassen – so wie es insbesondere Joachim Wolbergs mit stetig wiederholten Aussagen von mehr Offenheit, Urbanität, Kreativität – eines „neuen Stils“ – immer wieder versprochen hat. Gerade angesichts des Vorgehens bei der Schließung des Krankenhauses wäre diese Offenheit Pflicht.

„Neuer Stil“ ist platte Propaganda

Doch tatsächlich passiert das glatte Gegenteil: Das Konzept KOMPLEX lässt man am ausgestreckten Arm verhungern. Das andere hält man geheim und eine Projektgesellschaft wird in nichtöffentlicher Sitzung mit der Entwicklung eines Konzepts beauftragt, bei dem die bereits vorhandenen Vorschläge keine Rolle spielen. 

So bricht man Wahlversprechen. So entlarvt man die Behauptung eines „neuen Stils“ als platte Propaganda. Eine öffentliche Diskussion, Offenheit und „neuer Stil“ scheinen dem Oberbürgermeister schlicht zuwider zu sein.

Wolbergs macht’s! from Joachim Wolbergs on Vimeo.

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Kommentare (18)

  • Goldesel

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    In Regensburg werden seid einiger Zeit zig Millionen Euronen verdummt, es wird Zeit das ernsthafte wirtschaftliche Voruntersuchungen für künftige Projekte durchgeführt werden.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Goldesel“ – Woher haben Sie diese Informationen?

  • Matthias B.

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    Verehrte Frau Vietze, da mus man gar nicht lange suchen: Schlachthof (Altlasten, verseuchter Boden, unglaublicher Investorendeal, Kongresshalle Zollingerhalle), Continental-Arena, Kreativdebakel samt Deggingerhaus und unfähigem Mangagement, Regensburg-Challenge, Fahrrad-Kampagnen, Landesgartenschau und, und, und. Ich will „Goldesel“ nicht vorgreifen, aber kostenträchtige (und unnütze) Projekte und Planungen gibt es leider zuhauf.

  • Ismir Übel

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    Kommentar gelöscht. Bitte keine nebulösen Spekulationen oder Unterstellungen ohne Belege.

  • orakel

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    Sehr geehrter Herr Aigner,

    wenn man die Rechtslage (Stiftungsrecht) nicht versteht und den Stiftungszweck der Evang. Wohltätigkeitsstiftung vermutlich noch nie nachgelesen hat, sollte man wenigstens sauber recherchieren, z.B. bei der Stiftungsaufsicht der Regierung der Oberpfalz, Dann bricht Ihr Beitrag und ihre Wolbers-/Stadtbasching nämlich in sich zusammen.
    Eine Stiftung ist qua Stiftungsrecht verpflichtet die Stiftungsmittel und Liegenschaften entsprechend dem Stiftungszweck einzusetzten (hier bisher z.B. Krankenhaus) oder aus den Liegenschaft mindestens Erträge zu erzielen mit welchen wiederum der Stiftungszweck finanziert werden kann.

    Um Ihnen auf die Sprünge zu helfen hier ein Auszug aus der Stiftungssatzung der EWR zum Stiftungszweck – zu finden auf der Homepage der Stadt Regensburg – da haben sie aber vermutlich auch nicht recherchiert:

    Auszug Stiftungsssatzung:
    㤠2
    Stiftungszweck

    (1) Die Stiftung fördert
    das öffentliche Gesundheitswesen,
    die Jugend- und Altenhilfe und
    die Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe.

    Außerdem gewährt die Stiftung Personen, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes oder wegen ihrer materiellen Lage auf die Hilfe anderer angewiesen sind, finanzielle oder sachliche Unterstützungen.

    Sie verfolgt damit ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung.

    (2) Der Stiftungszweck wird insbesondere durch folgende Maßnahmen verwirklicht:
    1. Durch den Unterhalt und den Betrieb des Evangelischen Krankenhauses in Regensburg.
    2. Durch den Unterhalt und den Betrieb von Einrichtungen der Altenhilfe, derzeit das Evangelische Alten- und Pflegeheim Johannesstift in Regensburg und das Evangelische Alten- und Pflegeheim Obere Bachgasse in Regensburg.
    3. Durch den Unterhalt und den Betrieb von Einrichtungen, die der Kinder- und Jugendhilfe, der Erziehung und der Behindertenhilfe dienen.
    4. Durch die Gewährung finanzieller oder sachlicher Mittel an Personen, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes oder wegen ihrer materiellen Lage auf die Hilfe anderer angewiesen sind. In diesem Rahmen soll insbesondere
    bedürftigen Kindern und Jugendlichen durch finanzielle Hilfen die Teilnahme an sinnvollen Freizeitaktivitäten ermöglicht werden,
    bedürftigen Konfirmandinnen und Konfirmanden anlässlich der Konfirmation eine angemessene finanzielle Hilfe gewährt werden und
    bedürftigen oder sonst in einer Notlage befindlichen Eltern oder Alleinerziehenden mit minderjährigen oder in der Ausbildung befindlichen Kindern finanzielle oder sachliche Hilfen gewährt werden.
    5. Durch die Gewährung von Stipendien an bedürftige Schüler, Studenten und Auszubildende, auch im Rahmen einer Weiterbildung, um diesen eine angemessene Ausbildung zu ermöglichen und sie dadurch in die Lage zu versetzen, einen sinnvollen Beruf zu ergreifen.
    6. Durch die Durchführung eigener Maßnahmen oder die Unterstützung von Maßnahmen anderer, die der Jugend- und Altenhilfe, der Erziehung und dem öffentlichen Gesundheitswesen dienen.“

    Unter diesen Stiftungszweck lassen sich halt so manche der Ideen die für eine Nachfolgenutzung in die Diskussion geworfen wurden nicht einreichen.
    Es ist also nicht boser Wille der Sadt oder des Oberbürgermeisters wie hier hier unterstellen wollen.

    Also, bitte das nächstemal sauber recherchieren. Sie können es doch, wenn sie wollen.

  • Stefan Aigner

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    @Orakel Ich kenne den Stiftungszweck. Die vorgeschlagenen Konzepte widersprechen ihm nicht. Die Auslegung des Stiftungszwecks, der ohnehin sehr weit gefasst ist, ist in erster Linie eine Frage des politischen Willens. Dieselbe Diskussion gab es bereits 2013.

  • joey

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    ist es nicht gescheiter, Räume für soziale Initiativen näher an den sozialen Brennpunkten zu schaffen? Muß man nicht Profit maximieren, um größere Beträge in soziale Projekte investieren zu können?

  • hutzelwutzel

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    @orakel:
    Da muß ich Herr Aigner voll zustimmen.
    Zudem stelle ich mittlerweile die Stiftungsaufsicht der Bezirksregierung in Frage. Diese hat meines Wissens zufolge nur die Aufgabe die Wogen zu glätten. In einigen Fällen ist es dort sogar egal ob Kommunen überhaupt Stiftungen ordnungsgemäß anmelden.

  • Andreas

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    Eine Seniorenwerkstatt lässt sich sicher unter Alten- und Jugendhilfe subsummieren. Ein Künstlerhaus oder dergleichen eher nicht.

  • Christian

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    Ich würde das alles nicht so negativ sehen.

    Man könnte da bestimmt ein kleines, nettes Shoppingcenter reinmachen. Vielleicht mit ein paar hippen Burgerläden, schönen uniformen Klamottenketten und geschmackvollen Souvenirläden. Und noch einen Schubeckladen. Unbedingt!

  • Zu Komplex ?!$%§

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    Ein ehemaliges Krankenhaus als soziokulturelles Zentrum?
    Ein soziokulturelles Zentrum als Krankenhaus!

    Bessere Alternativen für Deutschland!

  • Mossman

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    Da habe ich wohl zu spät geschaltet und meinen Post bei dem Artikel über die Schließung der Seniorenwerkstatt eingetragen, bitte dort nochmal nachlesen falls Interesse. Fest stand, dass der Stiftungszweck des Evangelischen Krankenhauses Einschränkungen voraussetzte. Fest steht aber auch, dass wenn es das Krankenhaus geworden wäre, der Stiftungszweck erfüllt und Mietzahlungen der Stadt an die Stiftung geflossen wären. Der damalige Sachstand war, dass die Stadt für ein Projekt wie KOMPLEX einen Ort GEKAUFT und VERWALTET hätte, um unnötige ansteigende und nicht endende Kosten zu sparen. Das Augenmerk lag auf dem Kirchmayergelände der Bahn.

    Die Creativ Monday Bewegung war dann aber nach dem Wahlkampf der Ausschlag bei der Verwaltung, KOMPLEX auf die Bank zu verweisen. KOMPLEX wurde nicht als Ansprechpartner gewählt, sondern eben die neue Bewegung aufgrund von Schlüsselwörtern wie Kreativwirtschaft und Kulturwirtschaft. Daraus entstand das Degginger mit dem Schwerpunkt Wirtschaft.

    Das Degginger kostet eine hohe Miete und erfordert einen kostspieligen Umbau. Das evangelische Krankenhaus erfordert zukünftlich Mietzahlungen (und vielleicht auch einen kostspieligen Umbau), denn es kann nicht einfach für kommerzielle Zwecke umgeformt werden (es sei denn man will mit aller Gewalt). Und von KOMPLEX sieht man nur noch die schönen Schlagwörter aus dem Konzept, die man prima für solche Projekte verheizen kann.

    Nun gut, die Stadt hat so entschieden. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass damit gelenkt und verhindert werden soll, was eigentlich gebraucht wird. Aber die größte Gefahr sehe ich in den immensen Kosten und deren Verstrickung mit Kultur. Bei schwammigen Absichtserklärungen und Definitionen, wie sie in dem Bereich gerade kursieren, hat man immer die Möglichkeit, die Finanzierung aus mehreren Töpfen zu erreichen. Auch aus dem Kulturtopf…bis für andere keine Förderung mehr möglich ist.

    Aber warum? Warum will man ein Projekt wie KOMPLEX trotz Koalitionsvertrag nicht entstehen lassen und damit endlich den echten und definierten Bedarf eindämmen ? Fließen Fördergelder von Bund und Land im Bezug auf Kreativwirtschaft? Fürchtet man Fördermittelkürzung bei von der Stadt geförderten Einrichtungen wie der alten Mälzerei?

    Hatte Schlingensief recht?

  • gustl

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    Wolberg ist ein echter Schaidinger-Lehrling. Wann werdet Ihr Wolli-Abfeierer das endlich kapieren? In der evangelischen Stiftung stecken von oben an Schaidinger-Freunde, was habt Ihr eigentlich anderes erwartet? Jetzt werden alte Schaidinger Rechnungen präsentiert, die von Wolbergs willig bezahlt werden. Danke RD, dass Ihr dranbleibt.

  • Radlertölpel

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    Projekte, wie das Grandhotel Cosmopolis in Augsburg entstanden aus anderen künstlerischen „Zwischennutzungen“ und frechen Kulturprojekten, wie sie die Stadt Regensburg niemals in ihrem Kreativquartier tolerieren würde. Die Künstler sollen ersteinmal unter Beweis stellen, dass sie Kreativwirtschaft können oder sich schön in der Belanglosigkeit der „bildenden Kunst“ einhegen lassen.

    @Mossmann;

    “ KOMPLEX wurde nicht als Ansprechpartner gewählt, sondern eben die neue Bewegung aufgrund von Schlüsselwörtern wie Kreativwirtschaft und Kulturwirtschaft. Daraus entstand das Degginger mit dem Schwerpunkt Wirtschaft.“

    Johannes Sturm wurde in den Kulturbeirat berufen (wie das von statten geht, wer im Kulturbeirat sitzt und was derKulturbeitat macht, über was sie reden und über was nicht – keine Ahnung) und verlies wenig später die Stadt. Stimmt das so?

    „..mit dem Schwerpunkt (Kreativ)wirtschaft“ & Stadtmarketing, das sitzt ja auch im Degginger.

    Junge Kunst fürs Stadtimage:
    Die Initiative im Hippstergewand, Contemporary, ist von vorne herein eine Kooperation mit dem Stadtmarketing und der Wirtschaftsförderung. So werden die jungen kunstbegeisterten Gymnasiasten auf Linie gebracht. Das gibt es in anderen Städten auch ganz ähnlich. Hier geht es meines Erachtens vor allem darum, möglicht selten und immer nur wenige Tage lang, Geschäfte in der Innenstadt mit junger Kunst zu bespielen, die sich immer freut wie ein Schitzel und untertänigst bedankt, dass sie für das kollektive Exoeriment 3 Tage vom OB bekommen hat- ohne den dies niemals möglich geworden wäre usw_ vielen Dank! So können auf beiden Seiten keine Kamalitäten oder Inhalte entstehen. Fehler oder ortsspezifische Lernprozesse sind ausgeschlossen.-
    Bis nach Amberg weis jedoch jede/r Zeitungsleser/in: In Regensburg gibt es kulturelle Zwischennutzung!. (5 Tage pro Jahr. Weil sonst nicht viel mehr passiert ist der Erfolg in diesem unterentwickelten Klima programmiert.- Alles was übers Ziel hinausschießt oder von vorneherein scheitert gilt als nicht mehr normal. Unabhängige Eigeninitiative wird behindert, siehe z.B. H5. Kommt es zu selbstorganisierten Projekten, die eine Weile überstehen, wird für deren Ableben gesorgt (siehe Art BuZZ`l).

    „Wenden sie sich mit Ihren Anliegen an die Wirtschaftsförderung…oder den Altstadtkümmerer“ Das habe ich schon vor 15 Jahren gehört als ich beabsichtigte zum ersten mal in Burgweinting Kunst zum Bau machen um den großen Ideen- und Realisierungswettbewerb von 1997/98, bei dem Kunst schon grundgelegt werden sollte noch bevor die neuen Stadtteile gebaut und besiedelt würden, (und dessen Jury von Prof. Dr. Manfred Schneckenburger angeleitet wurde..) auf dem damals noch kahlen Vorplatz vom BUZ (Burgweinting Zentrum) zu recontextualisieren.

    Auch bei der Produzenten Kunstmesse ist die Wirtschaftlichkeit nur vorgeschoben um den Ball flach zu halten. (Bei Galerien geht es unter Umständen auch um Geldwäsche, Ausgleich oder Abschreibung fürs Kerngeschäft; z.B. Dixi klos in Kriegsgebieten, Putzkolonne in Abu Graib… )

    Es geht nicht in meinen Kopf hinein: Geht es bei Kunst und freier Kultur nicht um ?

    Stadtmarketings-, und Kreativwirtschaft sind neoliberale Simulationen, die zur Grundlage von Kunst und Kultur verkehrt werden um Kontrolle auszuüben – eine Leitplanke für Schleimerund Opportunisten. Hier kann man Korruption im Kleinen üben und Diplomatie lernen, Themen ausklammern. Leute haltet euch schön an die Regeln: Es geht um „Wirtschaftlichkeit“, Imagegewinn für die Stadt und Tourismus.
    Die Grünen sind bei diesem Quark immer schon ganz gut dabei.

    Es gibt einen systematisch verwässerten Kulturentwicklungsplan, einen Sozialentwicklungsplan, ein Konzept für „Komplex“.
    Der Möglichkeitsraum Europabrunnen an dem zuletzt 5 Jahre lang ein Kunstverbot herrschte wird für 530 000€ mit einer primitiven Bodensprenkleranlage trotzdem zubetoniert und mit einer rostigen Metallplatte mit eingravierter Donaugrenze zu einem Touristen-Römerrastplatz. Geld spielt beim Behindern von Kunst und Kultur keine Rolle. Ein bischen Afd darf da beim Stadtmarketing des Kulturreferats schon mitschwingen. „We are Legion!“ Grenzen dicht.

    Tatsächlich um Profitmaximierung (! ist doch egal für wen !) geht es beim Verkauf oder der Vermietung von Immobilien, der Continentalarena, dem RKK, und z.B. auch beim unnötigen Ausbau der Obertraublingerstraße durch die abzuholzenden Vorgarten „für die Radfahrer“, …der vorzeitigen Rodung des 150 Jahre alten Aubachufers noch vor Maßnahmenbeschluß in einem Bereich, der noch NIE überschwemmt war und der Betonierung der Aubach-Betonrinne: Die dümmste, unnötigste und teuerste Lösung für ein Hochwasser-Problem, das nachweislich nicht existiert. Natürlich gibt es dafür Förderprogramme. Der Junibaum auf dem u.A. die Planungen für dieses dreiste Umweltverbrechen dargestellt waren, mußte vor der vorgezogenen Rodung weg, der städtische JMaibaumständer wird nun ausgegraben. Round up für Kunst und Natur!

    Das Kleine hängt mit dem Großen zusammen: Teure Bauvorhaben gelten als unumstößlich und von Anfang an als ausgemachte Sache, mit der Kultur soll es sich im Kleinen genauso verhalten. Selbstbestimmte Freiräume für Engagement scheinen unerwünscht zu sein. Kunst und Kultur sollen vielmehr die Vermarktung der Stadt in Form und Inhalt Kopieren. So kommt man ins Geschäft, bzw. so hat man eine Chance.

    Zurück zum Evangelischen Krankenhaus und dem Komplex Konzept:
    Ein selbstverwaltetes Kulturprojekt, das in der Kooperation verschiedener sozialer und Kultureller Nutzungen besteht wäre sicherlich das Beste, was man mit dem Ort anzufangen könnte. Die Stadtverwaltung könnte sich Kosten sparen, wenn sie Engagement zulässt. Die Deutungshoheit der Stadt über die dort stattfindende Kultur ginge dabei natürlich zugunsten von Auseinandersetzung und Kritkfähigkeit flöten. Dafür gäbe echte kulturelle Substanz, von der die Stadt tatsächlich profitieren könnte.
    Die Politik muß lernen damit zu leben von der Kultur überflügelt zu werden, nur so wird ein Schuh draus.

  • johncongleton

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    ey radlertölpel so straight forward? ; hätt ich dir gar nicht zugetraut, respekt

  • Mossman

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    @Radlertölpel: ja das mit Johannes Sturm stimmt so.

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