Brückenstreit: Stadt schickt UNESCO neues Gutachten

Stadt will überarbeitetes Gutachten zur Welterbeverträglichkeit der ÖPNV-Ersatztrassen an UNESCO in Paris schicken Eine Entscheidung der UNESCO über die Welterbeverträglichkeit der sogenannten ÖPNV-Ersatztrassen für die Steinerne Brücke steht bislang noch aus. Jetzt unternimmt die Stadt Regensburg einen erneuten Vorstoß. In seiner Sitzung am 8. Mai 2012 wird dem Planungsausschuss des Stadtrates ein gemäß den aktuellen ICOMOS-Richtlinien überarbeitetes Gutachten vorgelegt, das anschließend an die UNESCO in Paris geschickt werden soll, um eine Entscheidung über das weitere Vorgehen für eine mögliche alternative Donauquerung des ÖPNV zu erreichen. Bereits im Frühjahr 2010 hatte die Stadt die erste Fassung dieses Gutachtens nach Paris gesandt; in der Folge ist diese Studie ICOMOS zur Stellungnahme vorgelegt worden. An Stelle einer endgültigen Entscheidung bat der damalige Direktor des Welterbezentrums, Francesco Bandarin, nach der Prüfung durch das Beratungsgremium ICOMOS, das vorliegende Gutachten in einigen Punkten nachzubessern und sich dabei an der jüngst verabschiedeten ICOMOS-Richtlinie zur Beurteilung von Auswirkungen auf das Welterbe (Guidance on Heritage Impact Assessments for Cultural Heritage Properties, erschienen im Januar 2011) für entsprechende Untersuchungen zu orientieren. Erst wenn dies erfolgt sei – so hieß es damals – könne eine von der Stadt Regensburg eingeladene Kommission von UNESCO und ICOMOS entsandt werden, die sich dann vor Ort ein Bild machen solle. In Zusammenarbeit mit dem Gutachterbüro Eisenlauer Voith Architekten, München, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Amt für Archiv und Denkmalpflege der Stadt Regensburg sowie dem Planungs- und Baureferat ist nun in den vergangenen Monaten das Gutachten gemäß den Richtlinien überarbeitet und ergänzt worden. Keine einfache Aufgabe, so Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann, da es für das Bewertungsschema noch keine Vergleichsfälle gebe. „Wir sind europaweit Erstanwender dieses Verfahrens. Deshalb haben wir das Bayerische Staatsministerium, ICOMOS Deutschland und die Delegierten der deutschen Kultusministerkonferenz um intensive Unterstützung gebeten.“ Für die Anwendung der von ICOMOS vorgegebenen Bewertungsmatrix gibt es noch keine Bezugsfälle, es sei aber eine fundierte schriftliche Bewertung und Einschätzung der Verträglichkeit der beiden Varianten vorgenommen worden. Zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Gutachter habe allerdings trotz der gemeinsamen Arbeitsgruppe auch weiterhin kein Einvernehmen erzielt werden können. Dieses überarbeitete Gutachten mit den Stellungnahmen des Gutachters und des Landesamtes wird nun dem Planungsausschuss vorgelegt und soll dann nach einer positiven Beschlussfassung an die UNESCO in Paris übersandt werden. Gleichzeitig wird die Einladung an die Begutachtungskommission erfolgen. „Wir haben damit unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist die UNESCO am Zug“, so Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Er habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Stadt Regensburg das Urteil der UNESCO akzeptieren werde, „selbst dann, wenn dies das Ende für die eine oder auch für beide Varianten bedeuten würde. Wir werden den Welterbetitel auf keinen Fall gefährden.“ Er stehe aber auch für einen funktionsfähigen, attraktiven öffentlichen Personennahverkehr ein, der gerade im Altstadtbereich zum Schutz des Welterbes einen entscheidenden Beitrag leiste.

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