"Goldrichtige" Verhandlungen für die Landesgartenschau

Die Kunst des Feilschens

morgen1Die Stadtratsmehrheit will die Landesgartenschau 2024 und wird dafür am Donnerstag den letzten notwendigen Beschluss fassen. Über die Verhandlungsstrategie auf dem weiteren Weg zu diesem Ziel kann man streiten.

Erinnern Sie sich an den Film „Das Leben des Brian“ von Monty Python? In einer Szene ist besagter Brian verzweifelt auf der Suche nach einem Bart, um sich zu verkleiden und so den römischen Häschern zu entkommen, die ihn verfolgen. Er braucht diesen Bart. Er braucht ihn wirklich dringend. Er braucht ihn so dringend und ist derart unter Druck, dass er keine Zeit und Muße hat, um mit dem Händler, welcher besagte Bärte verkauft, um einen angemessenen Preis zu feilschen. Das wiederum bringt den Händler unglaublich in Rage. Er fordert, dass Brian mit ihm feilscht und ihn herunterhandelt, senkt den Preis, obwohl es Brian doch völlig egal wäre, so lange er nur den Bart bekommt. Und am Ende bekommt unser Held nicht nur den Bart zu einem sagenhaft günstigem Preis, sondern auch noch eine hübsche Flasche obendrauf.

Sternstunden der Komik als Handlungsanweisung

Was ist es nur für eine absurde und witzige Vorstellung, dass ein Geschäft so ablaufen könnte. Dass jemand, der unter Zeitdruck ist, einen dringenden Bedarf für ein Produkt hat und keinen Verhandlungsspielraum, den Eigentümer ebenjenes Produkts dazu bringen könnte, es ihm zu einem unschlagbar günstigen Preis zu verkaufen. Ja. Das ist wirklich zum Lachen.

Manche aber scheinen solche Sternstunden der Komik für bare Münze zu nehmen. Als Handlungsanweisung gar. Sie leben mitten unter uns, hier in Regensburg, und nennen sich nicht Monty Python, sondern Regenbogen-Koalition.

Diese Koalition wird bei der morgigen Stadtratssitzung – der letzten vor der Sommerpause – nun endgültig die Bewerbung für die Landesgartenschau auf den Weg bringen und in was für einer Verhandlungsposition mit dem fürstlichen Haus man sich wähnt, brachte jüngst der stellvertretende SPD-Fraktionschef Thomas Burger auf den Punkt, als er sagte: „Wir bauen Druck auf. Wir nehmen die Eigentümerin in die Pflicht. Das, was wir jetzt tun, ist goldrichtig.“

Druckmittel 1: Ein alternativloser Standort

Doch wie wird er nun aufgebaut – dieser Druck?

Zunächst einmal ist man zu dem Schluss gekommen: Das im Eigentum derer zu Thurn und Taxis befindliche Pürkelgut-Areal ist der einzig geeignete Standort für eine Landesgartenschau in Regensburg. Den klugen Schachzug, sich auf genau und nur auf diesen Standort festzulegen, hat man sogar noch als objektiven Vergleich zwischen drei verschiedenen Gebieten verbrämt.

Etwas mehr als zehn Zeilen in einer fünfseitigen Stadtratsvorlage: "Standortprüfung".

Etwas mehr als zehn Zeilen in einer fünfseitigen Stadtratsvorlage: „Standortprüfung“.

Zwar ist es etwas durchsichtig, für diesen Vergleich keinerlei objektive Kriterien in der Stadtratsvorlage zu nennen und die zwei anderen Vergleichsstandorte mit derart wenig Sätzen vom Tisch zu wischen, dass mancher dahinter kommen könnte, dass das Pürkelgut-Areal nicht auf Basis einer objektiven Prüfung zum alternativlosen Favoriten erkoren wurde, sondern aufgrund einer rein politischen Entscheidung, aber: Zumindest vordergründig kommt mit dieser Vorgehensweise beim Fürstenhaus die Botschaft an: „Hey. Die Landesgartenschau soll nicht deshalb auf dem Pürkelgut stattfinden, weil wir sie unbedingt dort haben wollen. Nein. Die Landesgartenschau muss auf dem Pürkelgut stattfinden, weil wir sonst gar keinen anderen Standort haben. Wir brauchen Dein Grundstück, liebes Fürstenhaus und zwar unbedingt!“

Sind sich ihrer Verhandlungsposition offenbar sicher: Verhandlungsführer Joachim Wolbergs und Bürgermeister Jürgen Huber, Ideengeber für die Landesgartenschau

Sind sich ihrer Verhandlungsposition offenbar sicher: Verhandlungsführer Joachim Wolbergs und Bürgermeister Jürgen Huber, Ideengeber für die Landesgartenschau.

Goldrichtig. Damit nimmt man die Eigentümerin in die Pflicht. Und man kann sich richtiggehend vorstellen, wie Gloria von Thurn und Taxis schwitzend in ihrem Schloss sitzt und sich angesichts dieser Situation unter Druck gesetzt fühlen muss.

Druckmittel 2: Wenig Zeit zum Verhandeln

Doch das war der Regenbogen-Koalition noch nicht genug des Verhandlungsgeschicks – beileibe nicht. Nein. Neben der eindeutigen und alternativlosen Standortfestlegung hat man zudem noch erheblichen Zeitdruck aufgebaut. 2024 und nur 2024 soll die Landesgartenschau in Regensburg stattfinden – oder eben gar nicht. Das bedeutet, dass die Bewerbungsunterlagen bis spätestens April 2016 eingereicht werden müssen, was wiederum zur Folge hat, dass zuvor die Verkaufsverhandlungen mit dem Fürstenhaus zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden müssen, denn merke: ohne Flächen für eine Landesgartenschau kann man sich um eine solche auch nicht bewerben.

Die haben Zeitdruck. Die brauchen mein Grundstück unbedingt. Angesichts solcher Verhandlungspositionen fühlt sich Gloria von Thuirn und Taxis sicher unter Druck gesetzt. Foto: Archiv/ Staudinger

„Verdammt. Die haben Zeitdruck. Die brauchen mein Grundstück unbedingt.“ Angesichts solcher Verhandlungspositionen fühlt sich Gloria von Thuirn und Taxis sicher unter Druck gesetzt. Foto: Archiv/ Staudinger

Jaha! So muss man mit einer Fürstin verhandeln. Die wird sich denken: „Oh je. Die brauchen dieses Grundstück unbedingt und sie haben auch noch wenig Zeit – am Besten sollte ich es ihnen schenken.“

Andere Verhandlungsstrategien?

Freilich könnte die Stadt das Fürstenhaus tatsächlich unter Druck setzen.

Man könnte dem Fürstenhaus zum Beispiel mitteilen, dass es sich die Genehmigung für seine Tiefgarage in der Allee vor dem Verwaltungsgericht erstreiten kann, wenn kein vernünftiges Angebot für das Pürkelgut-Areal kommt.

Man könnte dem Haus Thurn und Taxis zusichern, dass es auf die erhoffte Ausweisung seiner Flächen in Kumpfmühl am Burgunderring als Baugebiet – entsprechendes war im Letter of Intent im Vorfeld der gescheiterten BMW-Ansiedlung in Aussicht gestellt worden – bis zum St.-Nimmerleinstag warten kann, wenn der Preis fürs Pürkelgut-Areal nicht entsprechend günstig ausfällt und für die Stadt nicht noch ein paar Flächen für Kleingärten abfallen.

Und man könnte das Fürstenhaus ultimativ auffordern, gefälligst seiner Verpflichtung nachzukommen und das verfallene Schloss Pürkelgut zu sanieren, um es im Fall einer Landesgartenschau nicht per Blumenschmuck verhüllen zu müssen – mit rosenumrankten Knüppeln und Heugabeln oder Baumpflanzungen in Guillotinenform, die daran erinnern, dass man in Deutschland und Regensburg doch immer recht pfleglich mit seinen Adeligen umgegangen ist, auch dann, wenn sie sich um ihre sozialen Verpflichtungen einen Dreck geschert haben.

Vielleicht wäre gerade das goldrichtig – zumindest wenn man nicht Monty Python als Handlungsanweisung verstehen würde…

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Kommentare (8)

  • Jürgen Rei

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    Im Film „Das Leben des Brian“ werden auch Steine für die Steinigung verkauft – nur so nebenbei, aber vielleicht gäbs auch hierfür Verwendung.
    Das Beispiel mit den Bärten find ich genial

  • joey

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    wie schon öfters moniert: Genehmigungen darf man nicht blockieren, wenn sie gerechtfertigt sind. Man kann es zwar versuchen und sich bis in hohe Instanzen verkeilen, aber das kostet am Ende viel Geld (der Bürger) für Rechtskosten und Schadenersatz. Und außerdem ist das unethisch. Ethik ist nicht Ausfragestoff für Religionslehrer, sondern Grundlage (Vertrauen) unserer demokratischen Gesellschaft. Ob Fürstin oder Hausfrau: Recht und Gerechtigkeit muß für alle gelten, ob sie nun Grundstücke zum Tausch haben oder nicht.

    Baulandausweisungen sind ein kommunales Steuerungsmittel (Wohnungsmarkt), kein Druck oder Tauschinstrument.

    Alleebäume oder anderes Tafelsilber sind für die Bürger in einem höheren, langfristigeren Interesse als eine kurze Schau. Naturschutz und Erholungsparks kann man auch im kleineren Maßstab günstiger realisieren, näher am tatsächlichen Bedarf.

    Eine Gartenschau oder ein Prestigeprojekt für Bürgermeister kann jemand für gut halten, aber das ist in Relation zum Preis zu stellen. Vielleicht hat ja Regensburg ohnehin schon genug Trubel für Touristenmassen.

  • da_Moartl

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    Es muss ja nicht immer der Westen sein – aber die Gründe in der Stadtratsvorlage für eine Ablehnung des Standortes Erweiterung Donaupark sind ein derartig grandioses und bescheuertes „Bla-Bla“, dass man sich fragt, wer sich in der Verwaltung tatsächlich entblödet, solche Texte zu schreiben.

  • Lothgaßler

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    Wahrlich ich sage euch, es wird das marode Schloss doch noch von der Stadt übernommen werden, denn das Gerede um die Flächen drum rum ist reine Ablenkung. Warum hat niemand die Fläche BMW als Ersatzfläche für die Ansiedlung des Logistikzentrums angeboten?

  • Franz Mahler

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    Natürlich könnten „unsere“ Stadt- und Gemeinderäte, Bürgermeister, Abgeordneten, Minister und vor allem „Mutti“ Merkel vieles im Sinne und zum Wohle der Allgemeinheit in Deutschland machen, wenn sie denn wollten. Aber entweder wollen sie nicht oder sie trauen sich nicht. Manchen Volksvertretern geht es vermutlich auch einfach am Hintern vorbei. Andere benutzen es offenkundig nur als Sprungbrett bzw. Drehtür für eine spätere Karriere in der Privatwirtschaft, wo sie dann das 20 oder 50fache verdienen.

    Die Landesgartenschau ist schließlich eine Schau für die Allgemeinheit, die zum Teil von der Allgemeinheit subventioniert wird. Dass alle Kosten über die Eintrittsgebühren, Vermietung von Standflächen, Werbung, Merchandising-Artikel und was auch immer wieder reinkommen, wage ich ganz stark zu bezweifeln.

    In unserer Verfassung bzw. unserem deutschen Grundgesetz gibt es aus historischen Gründen ein paar Artikel, die die sog. Väter und Mütter des GG nicht nur zum „Scherz“ dort hineingeschreiben haben. Einer davon lautet: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

    Dieser Artikel kommt in unserer real existierenden Demokratie aber nur dann zur Anwendung, wenn z. B. ein sogenannter Großinvestor das Grundstück eines kleinen Bürgers braucht, der aber nicht oder nicht zu diesem Preis verkaufen will. Dieser kleine Bürger wird dann mehr oder weniger vom Staat zwangsenteignet und bekommt eine Entschädigung in Geld, wenn man kein adäquates Ersatzgrundstück findet. Wenn es sich jedoch um eine sehr große Bürgerin mit ganz vielen Grundstücken und auch noch einem „von“ vor dem Familiennamen handelt, dann tun sich unsere „demokratischen“ Volksvertreter schon schwerer. Dann ziehen die meisten Politiker ihren Dingsbums ein. Das macht „Mutti“ Merkel mit ihren superreichen Freunden, Großkonzernen und „notleidenden“ Großbanken“ nicht anders, auch wenn sie natürlich biologisch gesehen gar kein Dingsbums hat, das sie einziehen könnte. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Frauen und Männer fast überhaupt nicht.

    Nur am Rande: Hat da nicht irgendein Kommentator geschrieben, der Herr Wolbergs und seine Stadtregierung würden von R-Digital nicht kritisiert werden? Sehr „wohlwollend“ war dieser Artikel von Herrn Aigner jetzt aber nicht.

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