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Kasperl und die Wahl der Qual

Dr. Erpel und die Prinzessin Schreckenstein – Wahlwerbespott, made in Regensburg

Kasperl und die Wahl der Qual, oder: der Wahlspott vor der Wahlschlappe. Christoph Maltz packt alle zwölf OB-Kandidaten in einen Sack und haut ordentlich drauf.

Scharwenzelt um Prinzessin Schreckenstein herum: die Zeitungsente Dr. Erpel. Fotos: pcm

Eine dringende Triggerwarnung vorweg: In dieser als Kasperltheater so harmlos daherkommenden Aufführung fallen mehrfach, um nicht zu sagen: fast durchgehend diskriminierende Äußerungen über Geflügel. Und diese herabwürdigenden Aussagen werden an keiner Stelle relativiert oder etwa durch eine positive Gegendarstellung richtiggestellt.

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Die Verunglimpfung einer ganzen Nutzvogelart, eben des Geflügels, ist also vorsätzlich zu nennen und durch nichts zu entschuldigen. Der Autor dieser Theaterkritik distanziert sich hiermit vorab und ausdrücklich von den verabscheuungswürdigen Entgleisungen, zu denen sich Christoph Maltz leider hinreißen hat lassen, und betont, dass er hier nur etwas wiedergibt, was er von ganzem Herzen verabscheut.

Eine Zeitungsente namens Dr. Christian Erpel

Worum handelt es sich? Es fällt schwer, doch um der Wahrheit der Berichterstattung willen muss es sein. Kasperldirektor Larifari beliebt bekanntlich seit vielen Jahren seine Aufführungen durch die Einführung neuer Charakterköpfe zu aktualisieren. Doch was er sich nun einfallen hat lassen, das geht entschieden zu weit.

Eine sozusagen fleischgewordene Zeitungsente, die auf den Namen Dr. Christian Erpel hört und sich Chefreporter der Kasperlhausener Neuesten Nachrichten nennt, quakt auf die entsetzten Zuschauer ein! Bereits beim ersten Auftritt von Dr. Erpel ist der Unmut im Publikum deutlich zu spüren. Soll man sich hier wirklich von einem Enterich mit gequetschter Stimme vollquaken lassen?

Kippt die Stimmung? Ist das noch Achtung vor dem Federvieh?

In der Pause diskutieren mehrere anwesende Volljuristen, ob die Darstellung nicht gegen die Genfer Konvention verstößt. Selbst manch zartfühlende Veganerin plädiert für die Notschlachtung des Federviehs auf der Bühne, Promotion hin oder her. Kaum jemand ergreift Partei für den attackierten Entenmann. Die Stimmung ist gereizt.

Als auch noch eines der Glanzstücke von Dr. Erpel genannt wird, brodelt es im Publikum. Der Chefreporter mit dem breiten Schnabel soll eine Sensationsstory verbraten haben, wonach ein geheimnisvoller ausländischer Investor den Kaufhof aufkaufen wolle, um eine Moschee daraus zu machen. Die Atmosphäre ist nun nur noch entenfeindlich zu nennen. Nein, die Kasperlhausener Neuesten Nachrichten kommen nicht wirklich gut weg an diesem Abend.

Kasperlhausener Königskandidaten

Dabei geht es hier eigentlich um ganz was anderes, nämlich um KKK: die Kasperlhausener Königskandidaten, denen Dr. Christian Erpel mit seinem beflissenen Gequake und seinem wackelnden Hinterteil fast die Show stiehlt.

Nein, nicht ablenken lassen! Nicht von den wirklich wichtigen Dingen: Das Volk von Kasperlhausen ist aufgerufen, einen neuen König zu wählen! Auf einmal steht eine große Schachtel auf der Bühne: Da sans alle drin! Alle zwölf Kandidaten! Samt den Innen!

Ein Sack hätte besser gepasst. Alle zwölf Kandidaten in einen Sack, und kräftig draufgedroschen mit der Pritschen. Der Kasperl kennt da keine Gnade. Leute, die sich einbilden, sie würden dem Kasperl ideologisch eher näherstehen, kommen ihm schon gar nicht aus. So wie es vor zwanzig Jahren hieß: Du brauchst gar nicht grinsen, Grimm! Dich trifft’s ganz besonders schlimm!

Hat der Kasperl Narrenfreiheit?

In dem Fall heißt der Kandidat Jakob Friedl. Er ist im übrigen der einzige OB-Kandidat, der in der Uraufführungspremiere wie selbstverständlich in der ersten Reihe sitzt und die Schmähungen gegen seine Person entgegennimmt, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Verbalinjurien gegen ihn sind tatsächlich die heftigsten des ganzen Abends („der mit Abstand fleißigste Stadtrat“), aber dem Vernehmen nach beabsichtigt Friedl keineswegs, gegen Kasperldirektor Larifari juristisch vorzugehen.

Kasperldirektor Christoph Maltz und Mitstreiter Andreas Müller.

Auch das Ribisl-Büro dementiert dahingehende Spekulationen. Hat ein Kasperltheater Narrenfreiheit? Diese Frage muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, meint ein sichtlich erschütterter Zuschauer zu Beginn der Halbzeitpause.

Die Werbeagentur Larifari in Aktion

Perfiderweise hat es das PR-Unternehmen Larifari so eingefädelt, dass alle zwölf Kandidaten den Kasperl als Werbefachmann buchen müssen. Das sorgt für knallige Kampagnen und plastische Popanze. Und dafür, dass auch die anderen elf Kandidaten nicht zu kurz kommen. Einer taucht gleich als leibhaftiger Hai auf – Angstschreie kommen aus dem Publikum: Hilfe, wer rettet uns vor der Immobilienbranche? Und dann das noch: Ein Hai, der ein Schild hochhält: „Jetzt rechts!“

Der Kasperl konfisziert einfach einen Buchstaben von einem Wahlplakat, und schon wird ein verdienter Mitbürger in die rechte Ecke gestellt! Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat bereits angekündigt, sich mit dem Fall zu befassen.

Pappkameradinnen und Schlendriane

Dabei dürfen die Kandidaten noch froh sein, wenn sie nicht mit einer Pappfigur vorlieb nehmen müssen. Lisa Brenner (Volt) hat hier das Nachsehen. Die Agentur Larifari verordnet ihr ein Massenevent, bei der die Frage gestellt wird: „Was wollt ihr?“ – Die einstudierte Antwort: „Mir wolln Lisa Brenner, weil mas gar net kenna!“

Nicht besser ergeht es dem Kandidaten der Partei Die Partei Ingo Frank, der mehr so nebenbei als Baron Ingo Untat abgewatscht und dem übereifrigen Ribisl-Kandidaten entgegengestellt wird als „der untätigste Stadtrat Europas“. Da soll sich noch einer auskennen! Dem Kasperl kann es auch keiner recht machen.

Eine Verwandtenaffäre im Hause Larifari zeichnet sich ab

Von wegen Faulpelz: Der Kasperl ist ja selber gut darin, den Herrgott einen lieben Mann sein zu lassen und alle viere von sich zu strecken. Weil er sich einfach nicht die Mühe machen will, den Kandidaten der Brücke ordentlich auf die Bühne zu bringen, kramt er seine alte Wollipuppe hervor.

Man erinnert sich: Das war ja eine große Ehre für Wolbergs, als er nach Jahren als Holzkugelkopf endlich doch noch einen geschnitzten Charakterkopf zugeteilt bekam. Dieser kriegt nun kurzerhand eine dicke, schwarze Brille aufgesetzt, und fertig ist der Thomas Thurow. Und dann noch der fiese Wahlspruch: „Wen hab ich verraten? Sozialdemokraten!“ Scheint hier doch die verwandtschaftliche Nähe des Larifari-Chefs zur SPD durch? Droht hier eine noch schlimmere Verwandtenaffäre?

Fisimatenten und Entgleisungen

Was die PR-Agentur Larifari den OB-Kandidaten Horst Meierhofer (FDP) und Benedikt Suttner (ÖDP) verordnet, ist wiederum ausgesprochen grenzwertig. Für den ersten lautet der Wahlslogan: „König Horst – so wertvoll wie ein kleines Steak“, für letzteren: „El Sutt – macht die Zivilisation kaputt“. Und als ob das noch nicht genug wäre, wird noch eins draufgesetzt: „Ade, ade, ade! Ihre ÖDP!“

Kann man hier noch von Wertschätzung sprechen? Was sagt eigentlich der Ethikrat der deutschen Werbung zu solchen Entgleisungen? Oder dazu, dass der OB-Kandidat der SPD statt einem Kopf einfach einen Burger auf dem Hals hat? Heißt die Maxime des Hauses Larifari womöglich: Warum sachlich, wenn’s auch persönlich geht?

Wird Kasperlhausen in Bad Freudenstein umbenannt?

Die noch amtierende Königin von Kasperlhausen (in der Premiere mit Gefolge im Publikum) schwebt zwischendurch immer wieder über die Bühne, säuselt wehmütig von ihrem letzten Stück und schlägt sich mit invasiven Vogelarten herum, die an neu entdeckten Schlämmteichen rund um den Bahnhof Drogen konsumieren.

Unterdessen wird eine zuckersüß aufgebrezelte Prinzessin Schreckenstein von der beflissenen Zeitungsente hofiert. Dr. Erpel scharwenzelt um sie herum, dass es eine Art hat. Sollte man Kasperlhausen nicht endlich in Bad Freudenstein umbenennen? Prinzessin Schreckenstein präsentiert derweil ihr Wahlprogramm: eine schwarze Tafel. Da steht ja nichts drauf?! Ja, eben: die Zukunft ist schwarz.

Ente gut, alles gut: Dr. Erpel geht ein in den Hafen der Ehe

Man könnte schon fast meinen, Dr. Erpel stehe der Prinzessin Schreckenstein näher, als es schicklich sein kann, da wird bekannt, dass der Entenmann einen jungen Schwan aus Oberbayern heiraten will. Potzblitz, welch zarte Jahrhundertromanze bahnt sich hier an?

Kasperl Larifari schwieg sich in der Premiere eisern aus, was die Gästeliste betrifft. Doch aus informierten Kreisen ist zu hören, dass neben Prinzessin Schreckenstein auch die Schreckschraube von Thurn und Taxis zugesagt habe. Die wiederum einen Überraschungsgast im Schlepptau haben soll: Steve Bannon. Der heimelige Ort der Traumhochzeit: die Gruft derer von Thurn und Taxis.

Theater Larifari zeigt: Kasperl und die Wahl der Qual. Eine Posse zur Wahl 2026.
Osteria Siciliana, Straubinger Str. 26
Noch Freitag, 27.2., Samstag, 28.2., Dienstag, 3.3., bis Samstag, 7.3.2026, Beginn: 19 Uhr

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