SOZIALES SCHAUFENSTER

Er war unter anderem Kulturdezernent, Gründer der Ostdeutschen Galerie, des Historischen Museums und des Amtes für Denkmalpflege: Walter Boll. Im „Regensburger Almanach“ wurde er zudem als Retter jüdischen und Freimaurer-Eigentums während der NS-Zeit, als Mann mit widerständigem Geist und „staatsfeindlicher Haltung“ zum NS-Regime gezeichnet.  Was ist dran an solchen Erzählungen? Wie sind sie entstanden? Und was hatte der Lizenzinhaber der Mittelbayerischen Zeitung Karl Esser damit zu tun? Eine Recherche auf Basis der Spruchkammerakten von Bolls Entnazifizierungsverfahren.

Walter Boll bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde durch Oberbürgermeister Friedrich Viehbacher. Foto: Stadt Regensburg 1980, Bilddokumentation.

Im Zuge der auch den Regenburger Museen aufgezwungenen Provenienzforschung und nicht zuletzt dank der langjährigen Recherchen von Waltraud Bierwirth kam ans Tageslicht, dass Museumsdirektor Walter Boll in der NS-Zeit in großem Stil Kunst aus jüdischem Besitz bzw. aus Notverkäufen jüdischer Galeristen erwarb. Laut Bierwirth sind im Eingangsbuch des Museums allein „über 150 Bilder und Kunstgegenstände aus der Galerie Helbing vermerkt“.

Darüber hinaus nahm das damalige Ostmarkmuseum nicht nur Urkunden und Gegenstände der im Novemberpogrom von 1939 zerstörten Regensburger Synagoge in seinem Depot auf sondern auch jüdische Ritualgegenstände des Bayreuther und Weidener Tempels. Später verschwanden auch „Judensilber“ und Wertgegenstände von deportierten Juden in Bolls Lagerräumen. Seitdem Bierwirth die Beteiligung Bolls an den sogenannten „Arisierung“-Verfahren in einem von Stadtheimatpfleger Werner Chrobak organisierten Vortrag problematisierte, ist sein weit reichender Ruf als verdienstvoller Denkmalpfleger und kultureller Impulsgeber reichlich lädiert.

Boll als Retter jüdischer Kultgüter

Im Jahre 2008 waren die Debatten noch anders gelagert. Als es damals im Stadtrat Bestrebungen gab, zu Ehren des Museumsdirektors eine Straße nach ihm zu benennen, versuchte der Autor des Regensburger Almanachs Stefan Reichmann tatsächlich noch etwas, was sich bislang niemand zu schreiben traute. Boll sei es demnach als verdienstvolle Rettung anzurechnen, dass er „die aus der Synagogenruine geretteten jüdischen Kultgeräte“ im Museumsdepot verwahrt habe. Die anhand von Akten belegbare Realität ist aber eine andere. Beispielsweise beteiligte sich Museumsdirektor Boll seinerzeit von Amts wegen an der Verfolgung von lebenden Juden und Jüdinnen und forderte beispielsweise, jüdisches Eigentum in „arischen Besitz“ zu überführen – der Schönheit der Stadt und des Denkmalschutzes wegen versteht sich.

Einweihung einer Replik  der Statue von Don Juan d’Austria im Jahr 1978. Im Bild (vl.): Bürgermeister Elmar Schieder, OB Friedrich Viehbacher, Alt-OB Rudolf Schlichtinger und der Stifter Johann Vielbert. Rechts Walter Boll, der die Statue förderte. Foto: Stadt Regensburg, Bilddokumentation.

Unter anderem wegen der hagiographisch anmutenden Arbeit des Almanach-Autors Reichmann kursiert im städtischen Diskurs eine weitere Rettungslegende. Der zufolge habe Boll „auf Ansuchen des jüdischen Logenmitglieds Alois Natzler“ sich bereit erklärt, „den wertvolleren Teil der aufgelösten Freimauer-Loge dem Zugriff der Nazis zu entziehen.“ Getarnt „unter dem Deckmantel eines Ankaufs“ habe Boll „einen Teil des Inventars und die Mitgliederlisten“ im Museumsdepot versteckt, was angeblich eine Hausdurchsuchung und gegen ihn ein „erfolglos gebliebenes Verfahren wegen ‚staatsfeindlicher Haltung und politischer Unzuverlässigkeit‘ nach sich“ gezogen habe.

Was an Bolls angeblich „staatsfeindlicher Haltung“ und der Rettung von „wertvolleren“ Logen-Eigentum dran ist, wie die entsprechenden Erzählungen im Zuge seiner sogenannten Entnazifizierung entstanden, gewachsen und im Almanach nochmals aufgepeppt worden sind und was obendrein der Lizenzinhaber der Mittelbayerischen Zeitung Karl Esser damit zu tun hat, all das soll nun erstmals aufgedröselt werden. Die folgende Recherche beruht vor allem auf den Akten des Spruchkammerverfahrens Walter Boll (Staatsarchiv Amberg Kammer II B262) und einer Logen-Chronik, die Hans Gattermayer 2006 im Eigenverlag veröffentlicht hat. Zunächst zu Bolls Werdegang in Regensburg.

Bolls Aufstieg in Regensburg

Bald nachdem Walter Boll 1928, als der modernen Kunst zugewandter Denkmalpfleger aus Stuttgart kommend, seinen Dienst als städtischer Konservator von Regensburg antrat, übertrug ihm der damalige Oberbürgermeister Dr. Otto Hipp eine in Regensburg seit Jahren schwelende Idee: Den Bau eines Zentralmuseums. Von Hipp zum Direktor befördert, begann Boll 1931 mit dem Aufbau des Museums am Moltkeplatz (heute Dachauplatz). Hipp, der als Mitglied der Bayerischen Volkspartei (BVP) als offener Gegner der auch in Regensburg rasant aufkommenden Nationalsozialsten auftrat, wurde von diesen aus dem Amt gejagt.

Aus der NS-Zeit sind von Walter Boll keinerlei Fotos erhalten geblieben. Foto: Stadt Regensburg, Bilddokumentation.

Anders Walter Boll, der ebenso BVP-Mitglied war. Er wurde von den braunen Herren „in jeder Hinsicht unterstützt“. Diese gute Zusammenarbeit hat der Experte für Regensburger NS-Geschichte Helmut Halter bereits 1994 in seinem Standardwerk (Stadt unterm Hakenkreuz) beschrieben. Demnach bekam Boll damals vom Nazi-Bürgermeister und SA-General Otto Schottenheim das Referat für Museum-, Archiv- und Bibliothekswesen zugewiesen, war zuständig für die Kreisbibliothek, Fremdenverkehrswerbung, Denkmalschutz und für die Pflege des Stadtbilds (die er als „Dienst an der Volksgemeinschaft“ interpretierte).

Um Finanzierungsprobleme bei Museumsbau zu beheben, beantragte Boll im Herbst 1933 Mittel aus dem Siebert-Programm (benannt nach dem Bayerischen Ministerpräsidenten und SA-Gruppenführer Ludwig Siebert) und änderte gemäß der politischen Lage die Ausrichtung des Museums. Es sollte nun über Regensburg hinaus zu einem kulturellen Mittelpunkt für ganz Ostbayern werden und trug seitdem die Bezeichnung „Ostmarkmuseum“. Boll vollzog den Wechsel in die Diktatur offenbar ohne Probleme und trat am 1. Oktober 1933 in die SA ein.

Auch öffentlich bekannte sich Boll zum NS-Regime und seinen Schlägern von der SA. Bei offiziellen Anlässen soll er sich regelmäßig in seiner SA-Uniform zeigt haben. Mit seinem Eintritt in die NSDAP zum 1. Mai 1935 bestätigte Boll sein Bekenntnis zum NS-Staat letztendlich – den von OB Schottenheim damals auf die noch nicht eingetretenen städtischen Führungskräfte ausgeübten Druck brauchte Boll für diesen Schritt wohl nicht.

6.  Juni 1937: Regensburg schmückt sich für den „Führer“ anlässlich der Bruckner-Feier, die Walter Boll künstlerisch gestaltete. Foto: C. Lang, Bilddokumentation.

Im Juni 1937 betrauten städtische und nationalsozialistische Behörden Walter Boll damit, den Höhepunkt des Nazi-Jahres zu organisieren: den Staatsakt mit Adolf Hitler zur sogenannten „Bruckner-Feier“, die von Domkapellmeister Theobald Schrems und den Domspatzen musikalisch ausgestaltet wurde. Für eine führergemäße Feier ließ Boll die Minoritenkirche zu einem Konzertraum mit Orgel umbauten, was er Dank einer „Führer“-Spende bzw. den Geldern des Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda problemlos leisten konnte. Das als ein Höhepunkt der Regensburger Bruckner-Feier geltende Konzert vom 6. Juni (darunter Bruckners Te Deum mit fast 500 Chorsängern des geistlichen und weltlichen Regensburgs unter der Leitung von Theobald Schrems – siehe ausführlichen Bericht in maelzels-magazin) wurde vom Reichssender Berlin übertragen und von Boll künstlerisch vorbereitet und organisiert.

Obwohl der Ausbau des Hauses gut voranschritt, musste die schon für Sommer 1939 geplante Teileröffnung des Ostmarkmuseums auf einen unbestimmten Zeitpunkt nach dem Krieg verschoben werden. Der Grund lag in den auf Hochtouren laufenden Kriegsvorbereitungen – Schottenheim kommunizierte intern: „in Anbetracht der außenpolitischen Lage“.

Am 20. Oktober 1945 wurde Boll von der amerikanische Militärregierung aus dem Amt entfernt. In der Folgezeit musste sieben Monate im Amberger Knast absitzen, der Grund dafür ist bislang unklar. Abgesehen von der dadurch erzwungenen dreijährigen Pause waltete Boll bis 1968, insgesamt also fast 35 Jahre, unangefochten als Museumsdirektor und Denkmalpfleger.

Bolls Spruchkammerverfahren

Persilschein für Boll vom Antisemiten und Kriegstreiber HH. Josef Engert.. Foto: Stadt Regensburg

Schon vor der Eröffnung des Verfahrens bestätigte der Regensburger Bischof Boll einen guten Leumund. Dem folgte kein geringerer als der um nationalsozialistische Rassenhygiene bemühte Antisemit und Geistliche Josef Engert. Der erklärte bereits im September 1945, dass es bei Boll nie eine Spur von Nazi-Ideologie gegeben habe und dieser stets gegen und keinesfalls irgendwie für die Partei gearbeitet habe. Engert: „Daher ist es meine Überzeugung, dass er, wieder auf einen leitenden Posten gestellt, alles tun wird, um die Partei-Ideologie auszurotten.“ Während Engert im Herbst 1945 Boll wieder in einem „leitenden Posten“ sehen wollte, schrieb er um 1940: Die Aufgabe der Nürnberger Gesetze sei es, „das weitere Einsickern jüdischen Blutes zu verhindern, ebenso das von Negern, Zigeunern und Bastarden.“ 

Eine Vielzahl von weiteren „Persilscheinen“ aus den Bereichen Kirche, Kultur, Stadtverwaltung, Gewerbe usw. folgten und trugen bis Oktober 1946 ähnlich lautende Erklärungen vor. Boll sei kein Nazi, sondern ihr Gegner gewesen, er werde für den Wiederaufbau gebraucht.

Boll selbst gab im November 1945 gegenüber den amerikanischen Offizieren an, er sei der NSDAP 1935 beigetreten, um wissenschaftlich arbeiten zu können. Und wegen der Hoffnung, die Partei grundsätzlich wandeln zu können, was ihm angesichts des Konkordats zwischen Nazideutschland und dem Vatikan (vom 20. Juli 1933) möglich erschien. Zu seiner Entlastung gab er unter anderem an, dass es 1935 zu einem Gestapo-Verhör gekommen sei, weil er sich geweigert habe, verborgene Gegenständen der hiesigen Freimauer-Loge herauszugeben. Von einem jüdischen Freimauerer namens Natzler ist bei Boll nicht die Rede.

Wie schätzte Boll sich selbst ein? Im Meldebogen für das Spruchkammerverfahren von Mai 1946 bezeichnete er sich als „Mitläufer“, der sich wissenschaftlichen Veröffentlichungen für die Partei verweigert habe.

Bolls Assistentin

Über ein halbes Jahr später lieferte die Erklärung von Bolls Museumsassistentin, Dr. Irene Diepolder, vom 30. November 1946 endlich konkrete entlastende Details. Diepolder zufolge stand Boll in den Jahren 1933/34 in Kontakt mit dem jüdischen Mitbürger und Freimauererbruder Alois Natzler und habe auf dessen Bitte hin, „den wertvollen Besitz der verbotenen und aufgelösten Loge dem Zugriff der Partei“ entzogen“.

Boll habe daraufhin „einen Teil des Inventars, vor allem Gemälde, Erinnerungs- und Ausstellungsstücke sowie die Bibliothek unter dem Deckmantel eines Kaufes übernommen und die Gegenstände in den Depots verräumt.“ Im Jahr 1935 sei dann die SS/Gestapo gekommen und habe danach gesucht, und Boll verhört. Es seien aber nur künstlerisch wertlose Stück gefunden und beschlagnahmt worden. Das Porträt des Großmeister Carl Anselm von Thurn und Taxis (von 1799) habe Boll aber nicht herausgegeben, auch nicht an die Stadtverwaltung, die es angeblich für den SS-Reichsführer Himmler haben wollte. Diepolder gab zudem an: „Anlässlich ihrer Wiedergründung wird in diesen Tagen der Regensburger Loge ihr erhaltener Besitz zurückerstattet werden.“

Drei Wochen später bestätigte Landgerichtspräsident Gerhard Titze (der von den Amerikanern im August 1945 als Bürgermeister eingesetzt und schon nach einem halben Jahr wegen dem Druck der „Katholischen Aktion“ wieder abgesetzt wurde) die Angaben Diepolders oberflächlich. Ohne irgendein neues Detail oder eigene Kenntnisse beisteuern zu können. Der evangelische Freimauererbruder Titze konnte von den besagten Vorgängen nur von Dritten, vermutlich von Boll/Diepolder, erfahren haben, da er erst in den 1940ern nach Regensburg kam.

Ende Dezember 1946 dann beantragte Boll in einem zwanzigseitigen Schreiben, statt des vorgesehenen öffentlichen Spruchkammer-Verfahrens ein schriftliches unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit abzuhalten. Hierfür plädierte er nicht mehr auf „Mitläufer“ sondern für die Eingruppierung „Entlastet“. Um die Spruchkammer, deren Klageschrift Boll Ende November 1946 als „Belastet“ einstufte, zu überzeugen, legte er 27 eidesstaatliche Erklärungen von Leuten bei, die ihm alle gewogen waren, darunter der bereits erwähnte NS-belastete Josef Engert und kurioserweise sogar ein SA-Mann. Persilscheine, die wenig mit der historischen Realität und viel mit Verdrängung, Lüge und Selbstbetrug zu tun hatten.

Karl Essers Persilschein im nichtöffentlichen Verfahren

Das von Boll erfolgreich beantragte nicht-öffentliche Verfahren scheint die Voraussetzung dafür gewesen sein, dass wenige Tage später der damalige Lizenzinhaber und Verleger der Mittelbayerischen Zeitung Karl Esser entscheidend ins Geschehen eingriff. Auch Esser schrieb Boll in einem Persilschein die Rettung von Freimaurereigentum zu. Er schilderte in seiner eidesstattlichen Versicherung vom 2. Januar 1947 die fraglichen Vorgänge allerdings sehr vage und anders als die Museumsassistentin Diepolder.

Esser zufolge habe die Loge wegen der Gefahr einer Beschlagnahme nach 1933 beschlossen, den Logenbesitz von Walter Boll, wohnhaft Wittelsbacherstraße 7b, „übernehmen und verwalten zu lassen.“ Die Logenmitglieder seien aufgefordert worden, alles abzuliefern. Esser eidesstattlich:

„Wenn er [Boll] dazu noch, wie ich später erfuhr, dem ausdrücklichen Verlangen auf Auslieferung sich widersetzte, so hat er damit einen Widerstand gegen die Nazis gezeigt, der nur selten anzutreffen war und der besondere Anerkennung verdient. (…) Dadurch, dass Herr Dr. Boll diesen wertvollen Besitz der Loge gerettet und erhalten hat, ist die Neugründung der Regensburger Loge wesentlich erleichtert. Auch aus diesem Grunde sind wir Herrn Dr. Boll sehr zu Dank verpflichtet.“

Überprüft man Karl Essers eidesstattliche Erklärung ergeben sich erneut interessante Abweichungen und Zusammenhänge. An Essers Persilschein fällt zunächst auf, dass er sich weder die Schilderung noch die Bewertung Diepolders zu eigen machte. Er befleißigt sich vielmehr einer Wenn-Dann-Konstruktion („Wenn“ Boll sich, wie er „später erfuhr … widersetzte, so hat er damit einen Widerstand gegen die Nazis gezeigt“). Zudem kann Esser offenbar weder einen Kontakt- oder Gewährsmann aus der Loge benennen (insbesondere auch keinen jüdischen), noch spricht er von dem Deckmantel eines Kaufes, wie Diepolder.

Obwohl selber Freimauererbruder hat Esser persönlich offenbar keine Bücher oder Wertgegenstände bei Boll abgeliefert. Dies hätte er vermutlich auch nicht mehr gekonnt, denn als prominenter Stadtrat und Bezirksvorstand der SPD wurde er bereits am 10. März 1933 zum ersten Mal im Landgerichtsgefängnis in „Schutzhaft“ genommen. Nach wenigen Tagen in der Freiheit wurde er Mitte März erneut inhaftiert, um Anfang Juli 1933 für rund acht Monate nach Dachau ins Konzentrationslager verschleppt zu werden. Nach seiner Entlassung und Rückkehr aus Dachau zog er bald nach München.

Essers eidesstattliche Erklärung beruht offensichtlich nicht auf eigenen Kenntnissen sondern auf Hören-Sagen. Dass die Gestapo tatsächlich Logeneigentum beschlagnahmte, davon weiß Esser anscheinend genau so wenig wie davon, dass Bolls Haus als Sammelstelle für geraubtes und beschlagnahmtes Eigentum von NS-Verfolgten fungierte.

Die Existenz seines 1947 in einem nicht öffentlichen Verfahren abgegebenen Persilscheins blieb der Öffentlichkeit seitdem verborgen.

Spruchkammerurteil: „Entlastet“

Auch NS-Bürgermeister Hans Herrmann erhielt von Karl Esser einen Persilschein. Foto: Stadt Regensburg

Am selben Tag wie Karl Essers Persilschein einging, dem 2. Januar 1947, wird die bereits erwähnte Klageschrift vom 28. November 1946 geändert und Walter Boll nicht mehr als „Belastet“, sondern als „Entlastet“ betrachtet. Als Begründung dafür führt der öffentliche Kläger in einem Nachtrag an: Aufgrund der eidesstattlichen Versicherungen von LG-Präsident Titze und Verlegers Karl Friedrich Esser sei „so eindringlich belegt, dass Veranlassung genommen werden muss der Kammer vorzuschlagen, den Betroffenen gemäss Art. 13 in die Gruppe der Entlasteten einzustufen.“ Ein Monat später kommt die Spruchkammer II unter dem Vorsitzenden Jakob Semmler zu eben diesem Urteil: „Entlastet“.

Die Urteilsbegründung hat es in sich, eine Auswahl der wichtigsten Entlastungsargumente: Boll sei 1933 in die SA eingetreten, um eine NSDAP-Mitgliedschaft zu vermeiden; er komme aus einem antimilitaristisch Elternhaus und er sei unter Druck und Gewissensbissen in Partei eingetreten, habe aber an der SA kein Interesse gehabt; er habe als Kreisbibliothekar „verbotene Werke von Emigranten oder ausländischen und jüdischen Autoren“ dem Zugriff der Nazis entzogen und diese nur noch an „ihm vertrauenswürdige Personen“ entliehen; er sei für den Erhalt der Philosophisch-Theologische Hochschule (des bereits erwähnten Nazi-Rektors Josef Engert) gewesen und habe das Logen-Materialien geschützt; und zu guter Letzt habe er erfolglose Gespräch geführt, um die Steinerne Brücke vor der Sprengung zu schützen.

Die Spruchkammer kam „nach genauer Überprüfung des umfangreichen Aktes zu der Überzeugung, dass auf den Betroffenen die Anwendung des Art. 2. Und 13 des Gesetzes vollauf gerechtfertigt und er in die Gruppe 5 der ENTLASTETEN einzustufen ist.“ Die entstandenen Kosten trug die Staatskasse.

Obwohl der Spruch ein Monat später rechtsgültig wurde, dauert es noch eineinhalb Jahre bis Boll wieder ins Amt zurückkehren konnte. Der Grund dafür lag im Veto der amerikanischen Militärregierung gegen das Urteil. Dem trat Boll mit einem „Gnadengesuch“ entgegen und erhielt dabei erneut vielfältige Unterstützung. Anfang 1948 war man in der Stadtverwaltung der Ansicht, dass „er nun wirklich genug gebüsst“ habe. Nachdem die Amerikaner ihr Veto dann in Juni zurückgezogen hatten, konnte Boll im August 1948 ins Amt zurückkehren.

Stereotype Schutzbehauptungen

Viele dieser stereotypen Urteilsbegründungen bedürfen keiner weiteren Erklärung, da sie allein als Wiederholung von zeitüblichen Entlastungsfloskeln für die angestrebte Entnazifizierung zu betrachten und bewerten sind. Auf einen Aspekt beispielhaft einzugehen, ist aber lohnenswert.

Dass Boll als Kreisbibliothekar „verbotene Werke von Emigranten oder ausländischen und jüdischen Autoren“ vor den Nazis geschützt und diese nur noch an „ihm vertrauenswürdige Personen“ entliehen hätte, stellt den tatsächlichen Sachverhalt auf den Kopf. Tatsächlich war es Boll, der als zuständiger Bibliothekar am 2. Mai 1933 an die NS-Regierungsbehörde des Bezirks meldete, dass nun wie gefordert die Ausleihe von „Bücher(n) und Zeitschriften, die ausgesprochen bolschewistische, marxistische, internationale, pazifistische oder atheistische Tendenzen aufweisen … für den Ausleihverkehr gesperrt worden sind.“ Ausgeliehen werden dürfe nur noch mit seiner besonderen Genehmigung an politisch Zuverlässige (Hier zu einem Bericht über die kurz zuvor stattgefundene Bücherverbrennung in Regensburg.)

Schreiben von Kreisbibliothekar Walter Boll vom 2. Mai 1933: „Bücher und Zeitschriften, die ausgesprochen bolschewistische, marxistische, internationale, pazifistische oder atheistische Tendenzen aufweisen … für den Ausleihverkehr gesperrt“. Quelle: Staatliche Bibliothek Regensburg, Archiv 18.

Bolls Verhalten als Bibliothekar war also nicht im Sinne von „ausländischen und jüdischen Autoren“, wie es im Zuge der sogenannten Entnazifizierung durch die Spruchkammer ausgelegt wurde, sondern im Sinne der Nazi-Diktatur.

Das Umdeuten von regimekonformem Handeln durch abenteuerliche Schutzbehauptungen war in der Nachkriegszeit die Regel. Es folgt einem vielfach zu beobachtenden Muster von Führungskräften und Fachleuten, die, wie Walter Boll oder beispielsweise auch Hans Herrmann vor 1933 Mitglied der Bayerischen Volkspartei (BVP) waren, sich im NS-Regime opportunistisch anpassten, darin gewaltig aufstiegen und in der Folge ein kaum zu überblickendes Gestaltungs- und Machtpotential inne hatten. Nach der Zerschlagung des NS-Regimes hat Karl Esser bezeichnenderweise sowohl Hans Herrmann als auch Walter Boll einen Persilschein ausgestellt – er war ihnen eine sehr wichtige Stütze bei der „Weißwaschung“ durch die sogenannte Entnazifizierung und beriet nebenbei die Amerikaner bei der Wiederbesetzung der Stadtverwaltung maßgeblich.

Die Chronik der Loge

Was enthält die eingangs erwähnte Chronik der Loge (Geschichte der Loge „Drei Schlüssel zum aufgehenden Licht“, 2006) von Hans Gattermeyer zu den Vorgängen? Dort heißt es lapidar: Die Regensburger Logen „lösten sich unter Druck des NS-Regime“ am 22. April 1933 auf und das Logenhaus am Obermünsterplatz 10a habe „zum Unterpreis an die Kath.-Bischöfliche Knabenstiftung verkauft werden“ müssen. Weiter heißt es bei Gattermeyer:„Bibliothek und Bild von Carl Alexander werden von Dr. Boll im Stadtmuseum verwahrt“, diverse „Ritualgegenstände und Archiv“ seien von der Bayerischen Politischen Polizei (damals unter der Führung von Heinrich Himmler) beschlagnahmt und letzteres später vom SD, dem Sicherheitsdienst der SS, übernommen worden. Ein jüdischer Logenbruder namens Alois Natzler wird in der Chronik nicht erwähnt. Stattdessen nennt die Chronik den Schatzmeister Robert Neubauer, der „auf einen amtlichen Befehl der NS-Behörden“ von April 1933 hin, „als Liquidator die Freimauererloge aufzulösen“ hatte.

Nach der Wiedergründung der Regensburg Loge Anfang 1948, an der Esser und Neubauer beteiligt waren, wurden die fast 600 Kleinschriften ihrer Bibliothek vom Historischen Museum restituiert. Das Archiv der Loge wanderte aber im Mai 1945 vom SD zunächst ins Spezialarchiv nach Moskau und kam erst 1990 wieder nach Deutschland zurück. Es wird seitdem im Geheimen Preußischen Staatsarchiv aufbewahrt, eine Kopie auch im hiesigen Stadtarchiv. Das oben erwähnte Gemälde wurde aber nicht zurückgegeben. Laut Gattermeyer forderte die Regensburger Loge Ende 1954 gegenüber der Stadtverwaltung seine Rückgabe. Das Gemälde von Carl Alexander befindet sich noch heute im Museum.

Auskunft der Stadtverwaltung

Auf Anfrage von regensburg-digital erklärte die städtische Pressestelle, dass das Inventarbuch des Museums „folgende Zugänge von den beiden aufgelösten Freimaurerlogen“ verzeichne: „drei Maurerschürzen, Maurerhandschuhe, 15 Orden, eine Siegelkapsel, zwei Medaillen und drei Freimaurerbriefe.“ Diese Gegenstände seien „erworben bzw. übernommen“ worden. Das besagte „Porträt des Fürsten Carl Alexander von Thurn und Taxis als Großmeister der Regensburger Loge“ sei am „13. November 1933 vom Liquidator der aufgelösten Loge „Walhalla zum aufgehenden Licht“, Kaufmann Robert Neubauer, in Regensburg angekauft“, worden.

Bezüglich der Rückgabe teilt die Pressestelle mit, dass 1946 bzw. im Mai 1948 an die „Regensburger Freimaurerloge Gegenstände zurückgegeben“ worden seien. „Zwei Medaillen, zwei Freimaurerbriefe und das angekaufte Gemälde“ würden weiter „bei den Museen der Stadt Regensburg verwahrt“ werden. Ob diese Gemälde und anderes Logeneigentum NS-verfolgungsbedingt entzogen oder erworben wurden, ist derzeit unklar.

Ostmarkmuseum als Teil der NS-Verfolgung

Versucht man die vielen, in sich widersprüchlichen Angaben über die an sich unstrittige Aufnahme des Besitzes der Regensburg Loge ins Historische Museum verifizieren, erscheinen sowohl die Schilderungen von Boll/Diepolder (und die davon abhängigen von Stefan Reichmann) als auch die von Karl Esser als unglaubwürdige und für die Spruchkammern typische Schutzbehauptungen.

Vielmehr kann nun als gesichert gelten, dass das im Aufbau befindliche Regensburger Museum (ab Herbst 1933 als „Ostmarkmuseum“ firmierend) stets als offiziöse Sammelstelle für beschlagnahmte, notverkaufte und geraubte Gegenstände diente. So auch für den entzogenen Besitz der Freimauerer, die im NS-Regime generell als „weltanschauliche Gegner“ galten und deren Regensburger Loge 1933 von der Politischen Polizei ihrer Ritualgegenstände und Archivalien beraubt wurde.

Museumsdirektor Boll und seine Assistentin Diepolder vollzogen also so gesehen nur arbeitsteilig die NS-Verfolgungspolitik gegen Regensburger Logen, so wie sie später „Judensilber“ und Wertgegenstände von beraubten bzw. deportierten Juden übernahmen. Ebenso waren Museumsdirektor Boll und seine Mitarbeiterin Diepolder Ansprechpartner für jene Regensburger Gestapo-Beamten, die 1939 ihre Pogrombeute (nachweislich jüdische Ritual- und Kunstgegenstände aus der Regensburger, Bayreuther und Weidener Synagoge) von Amtswegen abliefern mussten.

Juden, Sozis und Freimauerer in Regensburg

Versucht man nachzuvollziehen, weshalb der NS-Verfolgte Karl Esser dem SA- und NSDAP-Mitglied Walter Boll in seinem geheim gehaltenen Persilschein Anfang 1937 „Widerstand gegen die Nazis“ bestätigte, muss man die damalige Situation des Lizenzinhabers der Mittelbayerischen Zeitung in den Fokus nehmen. Da Esser als stadtbekannter evangelischer Sozialdemokrat und später (konfessionsloser) NS-Verfolgter auch nach dem Krieg an einen schweren Stand im katholisch-konservativen Regensburg hatte, muss ihm sehr daran gelegen haben, dass seine Mitgliedschaft in der Freimauerer-Loge nicht öffentlich bekannt wird. Ein Vorgang von Herbst 1945 zeigt dies deutlich.

Als die von der amerikanischen Militärregierung installierte Deutsche Allgemeine Nachrichten-Agentur (DANA) nach der Lizenzerteilung vermeldete, Esser sei ein „sozialdemokratischer Freidenker“, betrachtete er diese Meldung als „direkten Sabotageversuch“ gegen sich als Verleger und Chef der Mittelbayerischen Zeitung. Der Historiker Michael Bledl, der die Entstehung der Mittelbayerischen Zeitung in einer Magisterarbeit (1992, unveröffentlicht) detailliert untersuchte, kommt zu dem Ergebnis, dass die Logenmitgliedschaft den gebürtigen Pfälzer Esser „offenbar bei der Bevölkerung in Mißkredit gebracht“ habe.

Buchbergers Weltverschwörung

Essers Bammel vor Misskredit kam nicht von ungefähr. In der Domstadt herrschte nämlich mit Bischof Michael Buchberger vor, während und nach dem NS-Regime ein antisemitisch agierender Kirchenfürst, der nicht nur Juden und Freimauerer als Bedrohung der Kirche herbei schrieb, sondern auch die Sozialdemokraten.

Laut Buchbergers Büchlein Gibt es noch eine Rettung (1931) seien die Kirchenfeinde „in den Versammlungen von Kommunisten, Sozialisten, Freidenkern, Adventisten, ernsten Bibelforschern, Feuerbestattern und allen möglichen Sekten“ anzutreffen. „Der Kampf gegen Kirche und Priesterstand“ werde „mit den allergemeinsten Mitteln geführt“, wobei „das Freidenkertum dabei den Anspruch auf die ‚Weltmeisterschaft‘ erheben“ könne. „Die Presse“ der Kirchengegner sei aber deren „erfolgreichstes Kampfmittel“, sie unterwühle „ununterbrochen das religiöse und sittliche Leben des Volkes“, lebe „zum Teil förmlich vom Kampf gegen christlichen Glauben und christliche Sitte“, sie sei zum guten Teil in jüdischen Händen. 

Ein antisemitischer Kirchenfürst, der die Kirche von Juden, Freimaurern und Sozialdemokraten bedroht sah: Michael Buchberger (hier 1950 bei einer Gedenkveranstaltung am Dachauplatz). Foto: Stadt Regensburg

Abhilfe und Gegenwehr erhoffte sich Buchberger 1931 von der „Katholischen Aktion“, das sogenannte Laienapostolat (zu dem auch der Regensburger Bürgermeister Hans Herrmann gehörte), das sich jedoch spätestens nach dem Konkordat von Juli 1933 im NS-Regime auflöste. Bald nachdem Karl Esser, und nicht sein katholischer Konkurrent Josef Held (Habbelverlag, Tagesanzeiger), im Oktober 1945 von den Amerikanern als einziger Inhaber die Zeitungslizenz verliehen bekam, wetterten BVP/CSU-Funktionäre bzw. Kirchenkreise gegen den Sozialdemokraten Esser und die als „Rote Presse“ diffamierte Mittelbayerische Zeitung“.

Wie eng im Regensburger Nachkrieg NS-Täter, Opportunisten, Mitläufer und Verfolgte aufeinander saßen, zeigt sich eindrücklich bei der Feier zur Lizenzvergabe an Karl Esser für die Mittelbayerische Zeitung vom 23. Oktober 1945. Diese fand im kriegsbeschädigten Reichssaal statt, der vom bereits suspendierten Museumsdirektor Walter Boll hergerichtet und geschmückt werden durfte, weil er dazu eigens mit einer amerikanischer Ausnahmegenehmigung ausgestattet wurde. Für die musikalische Gestaltung war der NS-Günstling Theobald Schrems mit den Domspatzen zuständig, die wenige Jahre zuvor in Litzmannstadt gesungen haben, wo über 2.600 Regensburger Polizisten das gleichnamige mörderische Ghetto bewachten. 

Boll und die Medien

Bezeichnender Weise hat die Mittelbayerischen Zeitung im ersten Nachkriegsjahrzehnt nie über die angeblichen Verdienste des Direktors Walter Boll für die Regensburger Freimauerer berichtete (so zumindest die Recherche in den digital verfügbaren Ausgaben).

Weder anlässlich des Aufrufs zur Wiedergründung Regensburger Loge von Oktober 1946, noch in einem auf der MZ-Titelseite erschienen Bericht über die erste öffentliche Kundgebung von Freimaurern „nach dem Sturz des ‚Dritten Reichs‘“ in Bayern von Oktober 1947. Auch nicht in einem kurz danach veröffentlichten Bericht über die (Regensburger) Freimauerer als NS-Verfolgte, der von Karl Esser persönlich unterzeichnet wurde. Als Walter Boll im Februar 1949 anlässlich der anstehenden Museumseröffnung unter dem Titel „Regensburger Museum und die Geschichte seines Werdens“ eine ganzen MZ-Seite zur Verfügung gestellt wurde, fehlte sowohl seine angebliche Rettung des Eigentums der Freimauer als auch seine ungetrübte Zusammenarbeit mit dem SA-General und Nazi-Bürgermeiser Otto Schottenheim.

 

Walter Boll (re.) bei der Eröffnung des Historischen Museums 1949 mit CSU-Staatsminister Alois Hundhammer. Foto: Stadt Regensburg, Bilddokumentation

Anlässlich dieser Eröffnungsfeier, die wiederum von den Regensburger Domspatzen unter Theobald Schrems gestaltet wurde, lobte die Mittelbayerische unter der Überschrift „Regensburger Museum – ein Mittelpunkt deutscher Kultur“ sowohl die Konzeption des Hauses als auch seinen Schöpfer über den grünen Klee. Auch als das Historischen Museum im Frühjahr 2015 zum 250. Jubiläum der Regensburg Loge eine Ausstellung präsentierte, blieben die angeblichen Verdienste von Walter Boll bezeichnenderweise unerwähnt.

In einem entzückend-erhellenden Artikel von 1982 (Aus dem Mittelalter erwacht) versucht der ZEIT-Autor Manfred Sack den Geist der Regensburger Stadtgesellschaft (die es beharrlich unterlassen habe, seine „braune Periode zu reflektieren“) und das umtriebig-widersprüchliche Wesen Walter Bolls zu erfassen und beschreiben. Boll habe sich, meint der ZEIT-Autor, durch nichts aufhalten lassen, „auch nicht durch die Nazis, deren Uniform er anzog“. Boll gar nicht bescheiden gegenüber der ZEIT: „Die ganze Stadt ist wie ein Kind von mir.“

Es ist längst an der Zeit, dass sich seine Kinder – die Stadtgesellschaft und ihre Ämter – von ihm emanzipieren. Auseinandersetzen mit ihrem von Spruchkammerlügen und geschönten Legenden getragenen Vater, und das tatsächliche Verhalten der Person Walter Boll kritischen in den Blick nehmen.

Tag 42 im Wolbergs-Prozess

Wolbergs droht Staatsanwaltschaft mit Klage

Nahm Joachim Wolbergs als Vorsitzender des Verwaltungsrats Einfluss auf einen günstigen Sparkassenkredit an Volker Tretzel? Zeugen untermauern diesen Verdacht der Staatsanwaltschaft nicht. Landrätin Tanja Schweiger beschreibt die von ihr und Wolbergs geführten Kontrollgremien so, als würde dort alles nach dem Willen des Sparkassen-Vorstands abgenickt und unterschrieben. Ein Prüfer beurteilt den Kredit trotz formaler Mängel, die der Vorstand zu verantworten habe, als vertretbar und marktüblich. Wolbergs will dagegen strafrechtliche Schritte gegen die Ermittlungsbehörden einleiten – „sofern ich wieder ins Amt komme“.

Tag 41 im Wolbergs-Prozess

Eine wiedergefundene Gesprächsnotiz und Kröten für die Sparkasse

Eigentlich ist ab dieser Woche der Themenkomplex „Sparkasse“ beim Regensburger Korruptionsprozess am Landgericht Regensburg gegen Joachim Wolbergs, Volker Tretzel, Norbert Hartl und dem ehemaligen BTT-Geschäftsführer Franz W. angesetzt, doch einmal mehr ging es am Dienstag ausführlich um den Verkauf des städtischen Nibelungenkasernenareals an das Bauteam Tretzel (BTT). Der Regierungspräsident der Oberpfalz, Axel Bartelt, nahm bereits zum zweiten Mal im Zeugenstand Platz (diesmal mit Rechtsbeistand) und musste sich etlichen Fragen, nicht nur zur Sparkasse, sondern eben auch zur Nibelungenkaserne und der Rolle seiner Aufsichtsbehörde im Zuge der Ermittlungen, stellen.

Diskussionsreihe im EBW

Wo gibt es Platz für ein „Haus der Bürger“?

Mit deutlicher Mehrheit haben die Regensburgerinnen und Regensburger im vergangenen Herbst ein Kultur- und Kongresszentrum auf dem Kepler-Areal abgelehnt. Bei einer Veranstaltungsreihe im Evangelischen Bildungswerk stand nun die Frage im Raum, ob das eigentlich zum Abriss freigegebene Hochhaus ein geeigneter Ort für ein „Haus des Engagements“ wäre.

Das RVV-Liniennetz in der Kritik

Regensburg: verkannte ÖPNV-Spielwiese?

Das Hauptaugenmerk dieses Artikels liegt auf der Publikation eines alternativen ÖPNV-Netzlinienplans für Regensburg. Ein gebürtiger Regensburger, so alt wie der RVV selbst, erklärt weshalb er dessen Liniennetz für eine Fehlplanung hält und bietet eine diskussionswürdige Alternative an.

Fragwürdige Rolle bei "Arisierungen"

Stadtverwaltung überprüft Ehrenbürger Walter Boll

Im städtischen Diskurs gilt er als ehrenwerter und unbescholtener Mann, als „Boll-Werk“ gegen den Ungeist der Nazis und als Bewahrer der Altstadt: Walter Boll, unter anderem Kulturdezernent, Leiter der Ostdeutschen Galerie, des Stadtarchiv und des Amtes für Denkmalpflege. Seine Rolle während der NS-Zeit wird meist mit den „Zeitumständen“ entschuldigt. Recherchen der Autorin Waltraud Bierwirth zeichnen ein deutlich anderes Bild, vor allem von Bolls Mitwirken bei der „Arisierung“ jüdischen Eigentums. Ein Vortrag im Runtingersaal machte selbst Stadtheimatpfleger Werner Chrobak fast sprachlos.

Tag 40 im Wolbergs-Prozess

Telefonate über Geld, „Schmierblätter“ und eine „Drecksau“

War es ein persönlicher Vorteil für Joachim Wolbergs, dass Volker Tretzel gegen verschiedene Medienberichte vorgegangen ist? Nahm der Oberbürgermeister ein Angebot des Bauträgers über 200.000 Euro stillschweigend an oder nicht? Und hat das alles mit der möglichen Wohnbebauung eines Grundstücks im Stadtwesten zu tun? Diese und andere Fragen sollten am Dienstag durch das Abspielen von Telefonaten am Landgericht Regensburg erhellt werden.

Mit einem Hauch von Markus Lanz

Wollis Wahlkampfauftakt

Die Planungen für eine „Liste Wolbergs“ werden konkreter. Bei einer öffentlichen Veranstaltung mit dem suspendierten Oberbürgermeister waren entsprechede Planungen eines der bestimmenden Themen. Antreten will er allerdings nur, wenn es vor demLandgericht Regensburg keinen Schuldspruch wegen Korruption gibt.

Sanierungsgutachten gefordert

Kepler-Hochhaus: Bündnis verklagt Stadt vor dem Verwaltungsgericht

Das „Bündnis für die Zukunft des Keplerareals“ hat den renommierten Verwaltungsrechtler Dr. Thomas Troidl beauftragt, eine einstweilige Anordnung gegen die Stadt Regensburg zu erwirken. Das Ziel: Kein Abriss des Hochhauses, bevor es ein Sanierungsgutachten gibt. Der Architekturkreis fordert derweil, die Bürgerbeteiligung zur Zukunft des Areals wiederaufzunehmen, für das die Stadt derzeit ohnehin kein Konzept habe.

Tag 38 im Wolbergs-Prozess

„Obergschaftler“ wollen Wolbergs‘ Glaubwürdigkeit prüfen

Die Staatsanwaltschaft will den früheren Stadtbau-Chef Joachim Becker als Zeugen im Korruptionsprozess vernehmen lassen. Aussagen von ihm und Joachim Wolbergs zu einer Stellenbesetzung bei der städtischen Wohnbautochter klaffen deutlich auseinander. Er sei unter Druck gesetzt worden, so Becker bei der Kripo. Nun muss das Gericht entscheiden.

Die OB-Kandidatinnen der CSU

Drei Kandidaten, ein Ultimatum und ein „juristischer Vorgang“

Zwei Frauen, ein Mann: Drei Kandidatinnen für die CSU-OB-Kandidatur sind aktuell im Gespräch. Während aber die eine, Astrid Freudenstein, weniger ihre Bereitschaft zur Kandidatur erklärt, sondern vielmehr dem CSU-Kreisvorstand ein Ultimatum stellt, hat ein anderer, Jürgen Eberwein, mit Behauptungen von OB-Gattin Anja Wolbergs zu kämpfen und lässt deswegen aktuell juristische Schritte prüfen.