Von Feier zu Feier – ein Stimmungsbild von Regensburgs Wahlpartys
CSU im Kreutzers, Grüne im Gaffel, die Linke im Lokanta, die Brücke in der Alten Mälzerei – Parteien feierten ihre Wahlpartys. Bei dreien war Presse zugelassen.

„Alles ist super, mega geil.“ Astrid Freudenstein und Michael Lehner bei der CSU-Wahlparty im Kreutzers. Foto: rr
Kurz vor 19 Uhr im Restaurant „Kreutzers“ im Stadtosten. Die CSU feiert Wahlparty. Noch ist die Stimmung zurückhaltend. Viele der Anwesenden blicken auf eine Leinwand. Dort sind die Zwischenergebnisse der Oberbürgermeisterwahl zu sehen. Spitzenkandidatin Astrid Freudenstein, führt deutlich.
Ihr Sieg ist sicher – und damit ihr Einzug in die Stichwahl. Wer ihr Herausforderer wird dagegen nicht. Thomas Burger (SPD) und Helene Sigloch (Die Grünen) liefern sich gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz Zwei.
Warten auf den „Endgegner“
Plötzlich geht ein Raunen durch die Menge. Applaus erschallt. Pfiffe heulen. Astrid Freudenstein und Michael Lehner, ihr Fraktionsvorsitzender, marschieren Arm in Arm ins Lokal. Sie stehen mitten im Raum und lassen sich von den Emotionen ihrer Parteifreundinnen tragen. Als das Klatschen abebbt, meint Lehner: „Alles ist super, mega geil.“
Die OB-Kandidatin ergänzt: „Wir haben einen so großen Vorsprung und sind klar als Erster durchs Ziel gegangen. Die Anstrengungen haben sich gelohnt.“ Nach dem obligatorischen Dank wird die Szenerie gelöster. Lehner beendet die Ansprache mit den Worten: „Jetzt wird es nochmal spannend. Mal schauen wer unser Endgegner ist.“
Die Stimmung unter den Gästen ist gut, aber von Freude oder Siegessicherheit zu sprechen, wäre übertrieben. Ein Mann blickt auf die Leinwand und gibt zu bedenken, wenn man die Zahlen „der Linken“ zusammen rechne, komme man auf über 50 Prozent. Er sei verhalten skeptisch. Andere sind da bedeutend siegessicherer.
Michael Lehner ist erstaunt, dass Thomas Burger so gut abschneidet. Er habe mit einem weiten Vorsprung von Sigloch gerechnet. Der CSU-Politiker gibt sich optimistisch. Ebenso die Kandidatin Freudenstein. „Ich nehme es wie es kommt“, sagt sie und verabschiedet sich ins Marinaforum, zur offiziellen Wahlveranstaltung der Stadt Regensburg.
Das Restaurant ist nun deutlich leerer, die Stimmung wieder ruhiger. Wenn man nicht wüsste, dass hier eine Partei feiert, die gerade ein so gutes Ergebnis bei einer Oberbürgermeisterwahl eingefahren hat, man würde es nicht vermuten.
Die Grünen sind im Gaffel
Bei den Grünen ist die Lage angespannter. Sie fiebern mit ihrer OB-Kandidatin Helene Sigloch. Diese liegt 0,3 Prozent hinter ihrem Kontrahenten Thomas Burger. Im Gaffel in der Regensburger Innenstadt schauen alle gespannt auf ihre Handys und checken immer wieder die Ergebnisse.
Ein Wahlbezirk fehlt noch. Es ist kurz vor 20 Uhr. Auf dem Fernseher im Eck läuft die Wahlsendung von TVA. Gerade wird Sigloch interviewt. Als sie sagt „Wenn man so getragen wird, macht Wahlkampf Spaß“ klatscht und johlt die ganze Kneipe. Doch das Hoch ist nur von kurzer Dauer.

Zuspruch und Applaus für Helene Sigloch im Gaffel. Foto: rr
Die Leute werden immer unruhiger. Es macht sich die Erkenntnis breit, dass Helene Sigloch den Zweikampf verloren hat – denkbar knapp. Am Schluss fehlen ihr 137 Stimmen.
Aber das Tief währt nur kurz. Die Stimmung wird besser. „Das ist das beste Ergebnis, dass die Grünen je bei einer OB-Wahl in Regensburg eingefahren haben“, sagt Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol. Stadtrat Stefan Christoph pflichtet ihm bei, es sei eine „sauknappe Sache“ gewesen. Marie Scholz, die Parteisprecherin, ergänzt, dass die Stimmung im Wahlkampf sehr gut gewesen sei. Man schaue nun gespannt auf die Stadtratswahl.
Ob es eine Wahlempfehlung der Grünen für den SPD-Kandidaten geben wird, entscheidet sich am Montag. Man müsse das Ergebnis des Stadtrates abwarten – und welche Koalitionsmöglichkeiten sich daraus ergäben, so Scholz. Mit Blick auf die Stadtratssitze sind alle verhalten positiv. Die meisten glauben daran, dass die Anzahl der Sitze gehalten oder ausgebaut werden kann. Diese Hoffnung erfüllt sich am Ende nicht.
Um kurz vor 22 Uhr trifft Helene Sigloch ein. Applaus flammt auf. Menschen johlen. Es fließen die ersten Tränen. Die OB-Kandidatin hält eine kurze Rede. Sie bedankt sich bei allen. Hat Angst, jemanden zu vergessen. Die Stimmung ist herzlich, fast familiär. Man hat nicht den Eindruck auf der Wahlparty von Verlierern zu sein.
Die Linke feiert im Lokanta
Vor dem Restaurant „Lokanta“ im Stadtwesten steht eine Traube junger Menschen und raucht. Die Stimmung ist gelöst. Lachen schallt durch die engen Gassen rund um das Lokal. Hier findet die Wahlparty der Partei „Die Linke“ statt.
Sie sind sehr zufrieden mit ihrem Abschneiden. OB-Kandidat Sebastian Wanner spricht von einem Rekordergebnis für die Linke. Er hat 3,8 Prozent eingefahren. „Wenn man sich das mal vor Augen führt, kann es einem nur gut gehen“, sagt er. Man habe Parteien hinter sich gelassen, die mit zwei Sitzen im Stadtrat vertreten sind.
Wird es eine Wahlempfehlung von der Linken für Thomas Burger geben?
In jedem Fall werde es keine Wahlempfehlung für die CSU geben, sagt Wanner. Mit Blick auf die SPD ergänzt er: „Die haben bestimmt meine Handynummer, sie können gerne anrufen und fragen.“
Wanner ist selbstsicher und optimistisch. Er rechnet mit drei Sitzen für seine Partei im Stadtrat. Die Linken wären damit in Fraktionsstärke vertreten.
Wäre die Linke grundsätzlich koalitionsbereit? „Das muss die Mitgliederversammlung bei uns entscheiden“, antwortet er und verweist auf das innerparteiliche, basisdemokratische Prinzip. Er könne und wolle das nicht alleine entscheiden.
Grundsätzlich seien sie eine durch und durch konstruktive Kraft in diesem Stadtrat. „Unsere Hand ist ausgestreckt“, sagt der Linken-Politiker. Dann steigt er auf sein Rad und fährt wieder zum Marinaforum, um die ersten Stadtratsergebnisse abzuwarten. Der Rest der Mitglieder feiert weiter im Lokanta – bei kurdischem Essen und guter Stimmung.
Auch die Brücke feierte – in der Alten Mälzerei. Doch hatte die Presse keinen Zutritt.
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Pebbles
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“Am Schluss fehlen ihr 137 Stimmen.”
Die Wahl der BürgermeisterIn war eine strategische Wahl zwischen Burger und Sigloch. Stimmen für einen anderen Bürgermeisterkandidaten waren verschwendet – das war kein Geheimnis. Jetzt bleibt die Wahl zwischen zwei Bürgermeisterkandidaten, die im schlimmsten Fall miteinander koalieren.
Herr Burger steht nicht für neue Wege. Die Zusammenführung einer Links-Mitte-Koalition sehe ich nicht am Horizont. Schade eigentlich. Frau Sigloch mag weniger Erfahrung als Kommunalpolitikerin mitbringen, aber Sie hätte sich mit weniger Berührungsängste auf die Altlasten der Verwaltung gestürzt. 137 Stimmen … schade.