Schwarz-rotes Stichwahlduell nach Herzschlagfinale um Platz 2 bei Regensburger OB-Wahl
137 Stimmen mehr als Helene Sigloch (Grüne) bringen am Ende Thomas Burger (SPD) in die Stichwahl gegen Astrid Freudenstein (CSU). Der Stadtrat ist zersplittert wie nie. CSB und Die Partei fliegen raus, die Brücke stürzt ab. Volt stellt künftig zwei, die Linke vier und die AfD fünf Stadträte.

Astrid Freudenstein (zwischen MdL Jürgen Eberwein und CSU-Fraktionschef Michael Lehner) holte mit 37,5 Prozent ein starkes Ergebnis für die CSU. Foto: as
CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein ist gelöst wie selten. „Das Talent für beschissene knappe Wahlergebnisse liegt eigentlich bei mir“, bemerkt sie mit einem mitfühlenden Lächeln zu Helene Sigloch, bevor sie sich wieder den Kameras und Mikrofonen zuwendet.
Es ist 19:52 Uhr. Alle 223 Wahlbezirke in Regensburg sind für die OB-Wahl ausgezählt, und nun steht fest: SPD-Kandidat Thomas Burger wird in 14 Tagen gegen Freudenstein in die Stichwahl gehen. Am Ende liegt Burger mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,2 Prozentpunkte vor der Grünen-Kandidatin Helene Sigloch – das sind gerade einmal 137 Stimmen.

Helene Sigloch gehörte zu den ersten die Thomas Burger gratulierten. Foto: as
Im Marinaforum feiern die Genossen dieses Herzschlagfinale, das bis zum Schluss ein ständiges Hin und Her war, wie einen Sieg. Burger hat Freudentränen in den Augen. Doch der SPD-Mann muss sich ordentlich steigern, wenn er gegen Freudenstein eine Chance haben will.
Freudenstein holt 37,5 Prozent
Freudenstein erzielt mit 37,5 Prozent ein fulminantes Ergebnis und legt im Vergleich zu 2020 um acht Prozentpunkte zu. Damals verlor sie am Ende knapp gegen die amtierende Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

„Der Wähler ist schuld.“ Ingo Frank (Die Partei) fliegt aus dem Stadtrat. Foto: as
Burger ist der letzte Kandidat, der zur städtischen Wahlveranstaltung kommt. Er hat bis zum Schluss vor der Tür gewartet, bis alle Stimmen ausgezählt waren. „Das war eine total spannende Kiste“, sagt er. Und, dass nun wieder „alles offen“ sei.

Unter ferner liefen: Thomas Thurow, OB-Kandidat der Brücke. Foto: as
Enttäuscht zeigt sich Thomas Thurow. Der Spitzenkandidat der Brücke hatte sich Chancen auf die Stichwahl ausgerechnet. Doch er erhält nur 6,4 Prozent und landet abgeschlagen auf Platz vier. „Ich hatte deutlich mehr erwartet“, sagt er. „Doch anscheinend ist der Hang zu großen Parteien hier vor Ort stärker als zu einer Wählergemeinschaft.“

War als erste aussichtsreche OB-Kandidatin vor Ort und trug ihre knappe Niederlage mit Fassung: Helene Sigloch. Foto: as
Besonders ärgerlich für Thurow: Michael Schien, OB-Kandidat der Freien Wähler und kommunalpolitischer Neuling, liegt mit 5,3 Prozent nur knapp hinter ihm – ein um 0,1 Prozentpunkte besseres Ergebnis als Ludwig Artinger vor sechs Jahren.
Linke und AfD schaffen Fraktionsstärke
Einen Achtungserfolg kann Sebastian Wanner von den Linken erzielen – der 23-Jährige kommt auf 3,8 Prozent. Benedikt Suttner (ÖDP) erhält 2,5 Prozent, Lisa Brenner (Volt) und Horst Meierhofer (FDP) jeweils 1,8 Prozent.

Sebastian Wanner holte 3,8 Prozent. Die Linke liegt fast gleichauf mit der Brücke. Foto: as
Jakob Friedl äußert Bedauern darüber, dass er als OB-Kandidat der Ribisl-Partei 0,8 Prozent geholt hat. „Viel zu viel“, sagt er. Man brauche einen OB-Kandidaten, um bei den Diskussionen eingeladen zu werden, so Friedl. „Aber ich habe immer dazu aufgerufen, mich nicht zu wählen.“ 0,8 Prozent hätten ihre Stimme ebenso verschenkt wie die Wählerinnen und Wähler anderer chancenloser OB-Kandidaten.

Bleibt ein Einzelkämpfer: Jakob Friedl (Ribisl). Foto: as
Volt ist drin, JU-Liste „Zukunft“ schafft es nicht
Egal, wer die Stichwahl am 22. März gewinnt: Für einen Oberbürgermeister Burger oder eine Oberbürgermeisterin Freudenstein wird es schwer sein, eine stabile Koalition zu bilden. Der Stadtrat ist zersplittert wie nie zuvor.

Volt-Kandidatin Lisa Brenner zieht in den Stadtrat ein. Foto: as
Nach Auszählung von 215 von 223 Wahlbezirken verfehlen zwar Christian Janele (CSB) und Ingo Frank (Die Partei) den Wiedereinzug in den Stadtrat. Auch die JU-Liste „Zukunft“ schafft es nicht. Die ÖDP verliert ebenfalls und stellt künftig nur noch zwei statt drei Stadträte.

Ab sofort nur noch alleine im Stadtrat: Horst Meierhofer (FDP). Foto: as
Dafür holt Volt, die zum ersten Mal in Regensburg antraten, aus dem Stand zwei Mandate. Die Brücke stürzt um 5,1 Prozentpunkte auf 7,3 ab und wird künftig nur noch vier statt bisher sechs Stadträte stellen. Genau so viele Sitze holt die Linke – auf 7,2 Prozent kommt die mit Abstand jüngste Liste bei dieser Kommunalwahl. Die Freien Wähler verlieren leicht, kommen aber nach wie vor auf drei Stadträte. Nur noch einen Sitz gibt es für die FDP. Ebenso für die Liste Ribisl um Jakob Friedl.

Neu im Stadtrat: Michael Schien (Freie Wähler). Foto: as
Wahlbeteiligung bei 58,1 Prozent
Die CSU kann leicht hinzugewinnen, auf 26,8 Prozent und wird mit 13 Stadträtinnen und Stadträten die stärkste Fraktion stellen. Es folgen die Grünen, die im Vergleich zu 2020 3,4 Prozentpunkte verlieren und nur noch neun statt bisher elf Sitze im Stadtrat haben werden. Die SPD kann ihr Ergebnis von vor sechs Jahren in etwa halten und stellt mit sechs Stadträten die drittstärkste Fraktion.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer machte auf der Liste der SPD einen Sprung von Platz 50 auf 11. Für den Stadtrat reicht es aber nicht. Foto: as
Die Wahlbeteiligung bei dieser Wahl liegt bei 58,1 Prozent und damit um 5,6 Prozent höher als noch 2020. Mehr als 40 Prozent der Regensburgerinnen und Regensburger scheint es egal zu sein, wer sich um die politischen Geschicke ihrer Stadt kümmert.



Mr. T.
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Schade, dass es Friedl nicht in die Stichwahl geschafft hat. Egal, die Stimmen waren nicht verschenkt. Es besteht Hoffnung, dass Freudenstein von den Stimmen an die unterlegenen Kandidat:innen nicht mehr sonderlich profitiert. Auch wenn der Stadtrat sehr zersplittert ist, gäbe es die Option einer demokratischen Mitte-Links-Koalition. Die Akteure dürften sich dazu aber nicht mehr so saudumm anstellen, wie beim letzten Mal.
michinga
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einen doch interessanten Punkt sollte man erwähnen. J. Wolbergs klettert nach aktuellen zahlen von listenplatz 7 auf 2 und überholt deutlich mit Rottke alle hochgelisteten Frauen in der Brücke. Damit bleibt er dem Stadtrat weiterhin nicht ersp…., äh, erhalten.
T. Wolbergs schafft es sogar von Platz 23 auf 9.
Böse Zungen sprechen von einem W.-Clan-Fanclub…
Checker Tobi
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Die eigentliche Frechheit ist, dass eine Claudia Neumaier , die sich für einen Thomas Rudner ausgesprochen hat, jetzt für ihren Opportunismus belohnt wird und im Stadtrat sitzt. Von hieraus kann sie dann weiter Instagram reels und TikToks drehen und in ihren Videos die Zuhörer anschreien.
Herr Birnstiel und andere hatten wenigstens den Anstand, zurück zu treten.
Max Kreitmair
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Mr.T. da müsste sich eine mögliche demokratische Mitte-Links Koalition bei jeder Abstimmung schon sehr einig sein, weil deren Mehrheit mit nur 1 Sitz hauchdünn ist. Die Vergangenheit zeigt eher das Gegenteil, siehe SPD und Brücke. Ich befürchte eher, dass die AfD in Fraktionsstärke zum “Mehrheitsmacher” wird und das werden keine Entscheidungen mit linksorientiertem Charakter sein.
Studi
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Interessant zu bemerken: Die Differenz zwischen dem Ergebnis für Frau Freudenstein und der Stadtratswahl für die CSU beträgt ziemlich genau den Stimmen der AfD. Das gute Ergebnis von Frau Freudenstein liegt also hauptsächlich daran, dass die AfD keinen Kandidaten stellen konnte. Für ihre(n) Gegner(in) kann man das gegenteilige Muster erkennen. Dadurch dass jede Partei einen eigenen Kandidaten gestellt hat, konnte keiner eine deutliche Mehrheit erhalten. Wenn man zusammenrechnet wer “links” und wer “rechts” gewählt hat, stehen die Chancen für Herrn Burger gut. Dass er deutlich mehr Stimmen als OB-Kandidat im Vergleich zur Stadtratswahl der SPD holen konnte, deutet für mich darauf hin, dass ihn viele aus taktischen Gründen gewählt haben. Ich vermute dass es vielen darum geht schlicht eine CSU OB zu verhindern. Er hat zudem den Vorteil gegenüber Frau Sigloch, dass rechts von ihm nur die CSU/FW/AfD stehen. Es ist also unwahrscheinlich, dass jemand links der SPD bei einer Stichwahl die CSU wählen wird. Egal wie es ausgeht, im Endeffekt haben die Wähler so gewählt dass sich möglichst wenig verändern wird, dafür sind sowohl CSU als auch SPD bekannt.
BvG
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Die Stadtrat ist nicht zerplittert wie nie. Aus dem Stadtrat fliegen: BSW, Die Partei und die CSB. Neu rein kommen Volt und Die Linke. Also eine Partei weniger im Stadtrat als bisher. Die Stadtrat ist aber deutlich polarisierter als bisher, da die Wahlsieger nach Stimmenzuwächsen die AfD und die Linkspartei sind.
Markus Feilner
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@studi: Kann ich so bestätigen. Als ich im Marinaforum die Hauspresse der CSU fragte (Dr. Dr. Erpel), wie denn Frau AF die Tatsache beurteile, dass ca 6-7 Prozent der 37 % nur mit Hilfe der AFD möglich waren, reagierte man sehr ungehalten “So was sollte die SPD doch auch schaffen” und “Das sieht Frau Freudenstein genau wie ich!” . Interessant, wenn selbsternannte, eigentlich unabhängige Medienprofis so leicht aus der Fassung (und der Feierlaune) zu bringen sind. :-) Man darf gespannt sein wie das weiter geht. Berührungsängste zwischen CSU und AfD gab es gestern abend jedoch nicht, man parlierte ungeniert – aber das heißt natürlich nichts.
Joe_Kerman
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Der Unterschied zwischen dem Ergebnis von Frau Sigloch und Herrn Burger spiegelt meine persönliche Entscheidungsfindung sehr gut wieder.
Mir war es wichtig dass es Frau Freudenstein (vorerst) nicht wird, als wer am Ende als Konterpart in die Stichwahl zieht. Da waren Burger, Sigloch und Thurow die wahrscheinlichsten Lösungen. Sonst hätte ich kleiner gewählt.
Ich hätte gerne mehr Grün gewählt. Aber leider muss ich sagen dass sie bzw. ihre Kandidatin mir nichts bieten konnten. Frau Sigloch wirkt zwar sympathisch, aber absolut uninspiriert. Aus ihrem Interview bei Regensburg Analog blieb mir nichts im Kopf. Auf ihren Plakaten kann man gerne Mal übersehen in welcher Partei sie ist. Auf Insta macht sie nonsens wie “Überdachte Fahrradstellplätze” zum Wahlkampfthema und ihre grünen Wahlkampf-Minions waren leider in nur sehr wenigen Themen wirklich auskunftsfreudig.
Herr Burger war inhaltlich zwar wenig besser, vermittelt aber wenigstens Ahnung in der Systematik und hat immerhin die 2.-Besten Wahlplakate im Wahlkampf gehabt.
Realist
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Das Rennen um den OB-Posten ist alles andere als entschieden. Fast alle Wähler der Grünen, der Linken und der Brücke werden sicher nicht die Freudenstein wählen. Hoffentlich gehen auch alle wieder zur Wahl, den es macht trotz der 38 % der Freudenstein noch mehr als Sinn.
Ich bin mal gespannt, ob die gute Frau nochmals zu dem versprochenen Podcasttermin zu Regensburg digital kommt. Burger wird sich sicher nicht drücken. Wäre schön wenn beide Kandidaten an einem gemeinsamen Termin Rede und Antwort stehen würden. Freu mich auf den übernächsten Sonntag.
Was mich als Briefwähler noch interessieren würde: muß man die Briefwahlunterlagagen für die Stichwahl nochmal neu beantragen oder erhält man die auf Grund der ersten Stichwahl automatisch zugesendet. Herr Aigner könnten Sie das bitte mal abklären?…Danke
Studi
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@Max Kreitmair
9. März 2026 um 13:10
Links der CSU zähle ich 28 Stimmen (ohne FDP). Wenn die CSU nicht Politik mit AfD Stimmen machen will, brauchen sie neben FW auch immer mindestens zwei Partner. Dabei ist der Weg politisch gesehen meistens weiter als in der proklamierten Mitte-Links Koalition die sich programmatisch deutlich näher stehen
Mr. T.
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Max Kreitmeier, natürlich wirds eng. Aber die Scheiß-AfD als Mehrheitsmacher wäre ein Dammbruch, der in Regensburg trotz der hiesigen CSU doch nicht passieren wird.
Die beim letzten. Mal entscheidenden Petitessen zwischen SPD, Grüne und brucke sollten auszuräumen sein. Nochmal geht mit der korrupten und ehrlosen CSU keiner in die Koalition. Wie schnell einen die verkaufen, haben ja alle erlebt.
Studi
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@Joe_Kerman
9. März 2026 um 14:11
Ihre Ansichten gegenüber Frau Sigloch und den Grünen kann ich nicht teilen. Im Gegenteil hatte ich das Gefühl dass von ihnen die konkretesten und klarsten Statements kamen. Man weiß genau was sie vorhaben und was sie verändern wollen, nicht nur deren Ideologie, sondern auch die ganz konkreten Schritte die auf dem Weg dahin unternommen werden sollen. Das Wahlprogramm ist auch erstaunlich detailiert und konkret.
Die Wissenschaft zeigt außerdem dass bei Lokalen Personenwahlen, wie die des OB der Name und das Gesicht wichtiger sind als Parteizugehörigkeit oder Programm. Das erklärt die Plakate die sie gesehen haben.
Max Kreitmair
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Studi: Ich zähle die ÖDP eher zum konservativen, nicht-linkem Lager, insbesondere deren beiden gewählten Vertreter. Wäre dem nicht so, müsste ich mich schon arg täuschen. Und damit hätte die Mitte-Links-Koalition nur 26 Stimmen, wie gesagt, hauchdünne Mehrheit. Eine evtl. zusätzliche SPD-Bürgermeisterstimme macht da auch nicht mehr viel aus – und selbst diese evtl. SPD-Bürgermeisterstimme ist noch gar nicht mal sicher. Abweichler, wenn auch nur in der jeweiligen Sache, dürfte sich die Mitte-Links-Koalition nicht erlauben
Ok, eine mögliche konservative Koalition hats auch nicht leichter, vor allem müsste diese ja komplett die AfD ins Boot holen, was sie sicher nicht wird.
Nichtsdestotrotz: In beiden Fällen hat die AfD die Zügel in der Hand, leider..
Volker Artmann
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Eine Koalition mit einer großen Anzahl Splitterparteien halte ich nicht für regierungsfähig. Splitterparteien sind grundsätzlich kompromissUNfähige Einzel-Ideologen, was es extrem schwierig bis unmöglich macht, sie stabil auf Koalitionslinie zu halten.
Die stabilste Form der Koalition sehe ich hier in CSU/FW/GRÜNE/SPD. Alle diese Parteien haben auf Länder- und Bundesebene bereits ihre Koalitionsfähigkeit bewiesen, nicht zuletzt die Grünen mit der CDU in Baden-Württemberg
Jo
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Demokratie ist nicht immer einfach; Sie erfordert ständige Debatte, ständige Suche nach einem Kompromiss bzw. Ausgleich und dem kontinuierlichen Ringen um Positionen. Manche, die das Wesen der Demokratie oft nicht verstehen, sagen dazu streiten. Die Mehrheit im Regensburger Stadtrat liegt bei 26 Sitze oder 25 plus OB Stimme. Die Regensburger:innen haben klar Links-Mitte gewählt, und diesen Parteien auch den Auftrag zu Koalitionsverhandlungen gegeben. Die CSU, AFD, FW, FDP kommen auf weniger als 25 Sitze, genauer gesagt auf 22.
Es kommt jetzt auf SPD und Brücke an, ob sie sich von der CSU kaufen lassen. Die SPD hat ja bereits 5 Jahre ihre leidigen Erfahrungen mit der CSU gemacht. Vieles hat die CSU Versprochen, im Koalitionsvertrag verankert und dann nicht erfüllt. Die SPD Basis hat keine Lust mehr darauf. Ich hoffe, die SPD und die Brücke lassen sich nicht von der CSU mit Posten und Pöstchen zu einer Koalition locken. Sondern verhandeln mit Grüne, Linke, ÖDP, Volt etc für eine erfolgreiche Regenbogenkoalition, in der die Menschen der Stadt im Fokus stehen und nicht Autos oder Großkopferte. Mal sehen
Roche-Dirac
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Ich seh schon, die Koalitionsspekulationen sind schon weit fortgeschritten. Da mach ich natürlich auch mit :-)
Ich tippe auf eine Graue Koalition II
(@Aigner: Ihre Bezeichnung CSB-Koalition funktioniert ja jetzt nicht mehr, da Janele verabschiedet wurde.)
… die Grünen werden nicht dabei sein, das ist mein Punkt.
Es wird sich irgendwas mit CSU, SPD, Brücke, FDP, etc. zusammentun. Für 25 Sitze wird es da schon irgendwie grad so reichen und dann muss man sich nicht mit irgendwelchen “Radikalforderungen”, Achtung Ironie, auseinandersetzen und den Grünen, ach Du Schreck, auch noch einen Bürgermeisterposten geben.
Realist
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erhält man die auf Grund der ersten Stichwahl automatisch zugesendet…Fehler in meiner o.a. Frage: es soll natürlich auf Grund der ersten Briefwahl heißen.
Dominik Müller_alt
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Ach Studi im 13:15 Uhr, so einfach sollte man es sich bei der Interpretation von Wahlergebnissen nicht machen.
Falls Sie die Ergebnisse von 2020 nicht parat haben, hier ein Link.
https://www.regensburg.de/fm/121/statistischer-wahlbericht-kommunalwahl-2020.pdf
Auch damals hatte Frau Freudenstein im ersten Wahlgang als OB-Kandidatin ziemlich genau den Stimmenanteil wie AfD und CSU zusammen für die Stadtratswahl. Jedoch schaffte die SPD-Kandidatin in der Stichwahl nicht einmal den Stimmenanteil des ersten Wahlgangs von Grünen, Bruecke und SPD – die Wähler aller anderen OB -Kandidaten des ersten Wahlgangs müssten Ihrer Theorie nach also Freudenstein gewählt haben und ein Teil der Bruecke- und Grünenwähler, warum nicht auch diesmal? Die Wahlbeteiliging war bei der Stichwahl ähnlich hoch. Freudenstein hat die Wahl noch nicht gewonnen, ihre Ausgangslage ist aber wesentlich besser, als sie 2020 mit 49,3% in der Stichwahl scheiterte. Soll ich – um Gegenargumenten vorzubeugen – auch noch irgendwas von Studien oder Wissenschaft einbauen?
Novalis
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@Studi
Ich sehe das ähnlich. Ich finde ein Detail sehr spannend: Wieviele Stimmen haben Burger und Freudenstein im Vergleich zum nächstfolgenden Kandidaten der Stadtratsliste erhalten. Klar ist: Sie haben ihrer Liste genutzt. Aber Burger vielmehr als Freudenstein.
Und: Man schaue auch auf 2014. Damals hat der dritte Bürgermeister Wolbergs trotz einer etwas durchwachsenen Bilanz fast die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang geholt und seiner damaligen Partei ein Plus von mehr als 10 % gebracht. Diesen Amtsbonus hat doch Freudenstein sichtlich nicht. Die Destruktionshaltung der CSU ist NICHT bekohnt worden und einen Amtsbonus kann ich hinter dem kumulierten CSU-AfD-Ergebnis nicht erkennen.
Es ist vielmehr so: Ich kenne kreuzbrave, konservativ biedere Kirchgänger, denen vor allem im Stadtrat graust, was nicht CSU ist. Die aber definitiv sagen: Die kann es nicht. Da ist ein im Vereinswesen beheimateter, sogar die Kirche besuchender Sozialdemokrat das geringere Übel.
Und letzterem schließe ich mich an. Die CSU ist eine Partei, die der Stadt schadet. Übertroffen nur noch von der AfD. Mein Kreuz erhält die Freudenstein daher nicht.
Robert Fischer ÖDP
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@Realist: Soweit ich mich erinnere gabs da einen Haken, den man beim Beantragen setzen konnte, dass man automatisch bei einer Stichwahl auch Briefwahl haben möchte.
@Max Kreitmair: Interessante Einschätzung. Wir sind uns zwar nicht einig, ob wir eine Empfehlung abgeben, aber eine Empfehlung pro Freudenstein kann ich jetzt schon ausschließen.
Novalis
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@ Max Kreitmair
Sie haben schon recht, dass die ÖDP eher zum konservativen Lager neigt, aber den autopolitischen Crashkurs und die Geisterfahrt der CSU auf dem Mietmarkt macht die ÖDP nicht mit. Überhaupt: Ich kann mir beschränktes und sehr fragiles Regieren durch Burger vorstellen (und wir WählerInnen mögen uns bitte nicht beklagen: Wer eindeutig regiert werden will, muss für eine absolute Mehrheit sorgen. Das hatten wir zuletzt 2002-2008 und an den Fehlentscheidungen Schaidingers tragen die Menschen heute noch) – aber mit wem will die Freudenhaus regieren, außer mit den FW? Den Horst Meierhofer hat man doch 2024 nach der Stadtbahn genauso düpiert? Will sie mit Grün? Wie soll das gehen? Man kann die Stadt nicht mit Autos fluten UND mit Rädern. Die Roten werden sich hüten, nochmal einen Vertrag aufzusetzen. Als drittstärkste Kraft hätten sie in einer linksliberalen Koalition das Recht auf einen weiteren Bürgermeisterposten.
Ich finde, die Sozis sollten zB Volt ein Angebot auf Fraktionsgemeinschaft machen. Da kommt Volt an mehr Posten und Gelder und die Fraktion wird stärker. Die Linken haben ja schon mal gesagt: Ruft uns an. Entscheidend wird sein, ob Burger und Wolbergs FÜR die Stadt über ihren Schatten springen. Ich bin ja schon länger nicht mehr von Wolbergs angetan, aber ich kann ihm nicht auf redliche Weise absprechen, dass er für unsere Stadt glüht. Ich hoffe, er wird sie nicht in die Hände sinstrer, von der AfD abhängiger Mächte fallen lassen.
da_Moartl
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Leider ist es in Deutschland noch immer verpönt: Hätten wir eine offene, konstruktive politische Diskussionskultur, wäre nichts gegen eine ganz offene All-Parteien-“Koalition” ins Feld zu führen. Was soll daran schwierig sein, wirklich ALLE Parteien mit demokratischem Willen und entsprechender Grundhaltung in die Gestaltung dieser Stadt einzubeziehen. Die “Großen” repräsentieren mit den drei Bürgermeisterposten ein parteiübergreifendes Wohlwollen. Dazu bräuchte es einen motivierenden, gelassenen, offenen und präsenten Oberbürgermeister, der dies über Parteigrenzen hinweg moderiert. Ehrlich gesagt traue ich dies Thomas Burger noch am ehesten zu.
Thilo B.
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Dass sich unsere derzeitige Oberbürgermeisterin als Rathauschefin mit der konservativen Stadtverwaltung sehr schwer getan hat, sich durchzusetzen (freundlich ausgedrückt) ist kein Geheimnis. Ich hab meine Zweifel, dass das einem Dr. Burger leichter fällt.
Und sollte eine CSU-Oberbürgermeisterin (zusammen mit der stärksten Fraktion, ihrer CSU) der SPD und den Grünen die Hand reichen für eine Regierungskoalition, wäre es wohl ziemlich naiv, wenn diese das ablehnen.
Bruckmandl
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Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei der SPD so schnell die Amnesie einsetzt. Man wird sich sehr genau erinnern, wie sich die CSU und zwar sowohl als Partei als auch als Einzelpersonen in den letzten 6 Jahren verhalten hat. Da dürfte keinerlei Vertrauensbasis vorhanden sein. Bei den Grünen kann ich es mir auch nicht vorstellen. Ich sag nur “Stadtbahn” und “Radrouten”. Und die Brücke? Ich glaube, das will die CSU selber nicht ;)
Arno Nym
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Nein Herr Thurow, nicht der Hang zu großen Parteien ist in Regensburg groß, sondern die Distanzierung von Politikern die Korruption herunterspielen und verharmlosen. Solange ein wegen Korruption rechtskräftig Verurteilter Politiker von ihrer Wählergemeinschaft hofiert wird, sind sie nicht wählbar. Und das verstehen immer mehr Bürger in Regensburg.
Studi
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@Dominik Müller_alt
9. März 2026 um 17:11
Sie interpretieren meine Aussagen falsch. Ich habe nicht geschrieben, dass man einfach die Stimmen des rechten Lager und des linken Lagers addieren kann um die Stichwahl zu prognostizieren. Das wäre einfach und eindeutig. Ich kann das aber gerne noch ausführlicher und differenzierter erklären, und ihre Fragen dabei hoffentlich beantworten.
Grundsätzlich ist es bei einer Stichwahl so, dass die Wähler denjenigen Kandidaten wählen der ideologisch der eigenen Partei am nächsten ist. Das ist gut untersucht und überrascht auch wenig. Zusätzlich ist natürlich der Kandidat an sich wichtig. Hier sehe ich aber bei Frau Freudenstein dass sich pro und kontra Punkte die Waage halten (sie ist als Kommunalpolitikerin bekannt, aber gleichzeitig für die zerbrochene Koalition mitverantwortlich), Herr Burger ist weniger bekannt aber hat dagegen auch eine “weiße Weste”. Wie die Menschen die beiden persönlich bewerten kann ich nicht beurteilen, deswegen würde ich alle persönlichen Argumente außen vor lassen.
Damit ergibt sich ein “linkes” Wählerpotential von 27,8%, ein “rechtes” Wählerpotential von 8,3%. Die 0,8% von PARTEI sind schwer einzuschätzen, da in der regel eher links, aus humoristischen Gründen aber auch eine CSU OB infrage kommt. Die Brücke ist am schwersten einzuschätzen und habe ich keinem Lager zugeordnet da diese (logischerweise) sehr nah an der SPD sind und dadurch der Abstand zur CSU am geringsten ist (ideologisch).
Rechnet man jetzt mit einer sehr stark ideologischen Wählerwanderung, kommt man auf eine knappe Mehrheit von Herrn Burger (mit Brücke und PARTEI als 50/50 gerechnet). ABER: Die Wahlbeteiligung kann sich ändern: Typischerweise weniger Wähler, was Frau Freudenstein entgegenkommt, aber 2020 ist die Wahlbeteiligung zur Stichwahl auch gestiegen. Wenn diese Nichtwähler wählen ist reine Spekulation. Häufig ist es allerdings so dass zusätzlich mobilisierte Wähler den aktuell führenden verhindern wollen.
Interessant: Rechnet man mit meinen Annahmen von oben, dass rechtes und linkes Lager geschlossen für CSU bzw SPD wählen und PARTEI und Brücke 50/50, so wäre Frau Freudenstein 2020 auf 47,7% gelandet, was erstaunlich nahe am tatsächlichen Wert (49,3%) liegt (Vergleich 2026 ergibt die Rechnung 49,5%).
Jetzt zu dem, was 2026 anders ist als 2020.
– Die CSU hat sich politisch von der linken weiter entfernt. Wahlkampf wurde vornehmlich gegen Grüne und Linke gemacht (in ganz Deutschland, nicht Regensburg). Der Weg für Wähler links der SPD zur CSU ist also weiter geworden.
– Brücke wurde zur Wahl 2020 neu gegründet als Gegenstück zur SPD. Eine Wählerwanderung von Brücke zu SPD wäre quasi politischer Selbstmord gewesen. Das wäre ungefähr so wie wenn BSW mit der Linken koalieren will. 2026 ist da schon mehr Gras über die Sache gewachsen, Wolbergs selber ist nicht mehr Bürgermeisterkandidat, was etwas Schärfe rausnimmt. Es ist nicht auszuschließen dass bereits zur Bürgermeisterwahl das Plus von Herrn Burger minimal von der Brücke stammt, was 2020 noch eher gegenteilig war. Während 2020 Brücke Wähler noch Anti-SPD waren, kann ich mir vorstellen dass diese mittlerweile eher Anti-CSU sind.
-2020 war Frau Freudenstein als ehemalige Bundestagsabgeordnete angetreten, 2026 ist sie eine mittelmäßig erfolgreiche Kommunalpolitikerin.
“Soll ich – um Gegenargumenten vorzubeugen – auch noch irgendwas von Studien oder Wissenschaft einbauen?” –> Ich bin immer offen dafür dass Sie ihre Standpunkte auch mit wissenschaftlichen Arbeiten untermauern, falls Sie das können. Das würde ihren Argumenten ja nur helfen. In diesem Fall hat sich aber die einzig belastbare Quelle ihrer These, nämlich dem Wahlbericht von 2020 als nicht haltbar erwiesen (siehe Rechnung oben).
Norbert Hartl
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Wichtig wäre, dass die Stadt Regensburg endlich wieder stabile Verhältnisse bekommt und die Stadtverwaltung mit klaren Anweisungen arbeiten kann. Die letzten sechs Jahre waren alles andere als gut. Es war vielfach Stillstand, als Beispiel sei nur der Wohnungsbau erwähnt.
Die SPD hat sich die letzten sechs Jahre trotz einer SPD Oberbürgermeisterin von Ihrem absoluten Tief mit nur noch sechs Mandaten im Jahr 2020 nicht erholt und wird im neuen Stadtrat wieder nur sechs von fünfzig Mandaten haben. Die CSU hat 13 Mandate, hier sehe ich eher die Möglichkeit mit einer Oberbürgermeisterin Freudenstein einen handlungsfähigen Stadtrat zu bekommen. Bei sechs SPD Mandaten dürfte dies schwieriger sein. Beispiel: SPD pro Sallerne Regenbrücke, Grüne und ÖDP als Ko. Kriterium für eine Koalition dagegen.
Bruckmandl
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@Norbert Hartl
Die CSU braucht durch das starke Ergebnis weniger Partner als die SPD, aber das werden dennoch mindestens zwei Parteien / Gruppierungen aus dem “linken Lager” sein müssen. Das heißt, Frau Freudenstein hat dann das gleiche Problem der “Regierungsopposition”, das auch OBin Maltz-Schwarzfischer hatte. Auf der anderen Seite stünde ein Mehrparteienbündnis, das inhaltlich wesentlich mehr Schnittmengen haben dürfte als jegliche Koalition mit der CSU. Dazu kommt das Thema “vertrauensvolle Zusammenarbeit”, welche, wie die CSU in der letzten Wahlperiode deutlich gezeigt hat, mit ihr nur schwer möglich ist.
Vor diesem Hintergrund schätzen Sie die Verhältnisse mit CSU-Koalition wirklich stabiler ein?
Der sich den Wolf schreibt
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@Norbert Hartl 10. März 2026 um 10:44
Eine sehr realistische, wenn auch ernüchternde Einschätzung über die Mehrheitsverhältnisse im derzeitigen Stadtrat, von einem aktiven, erfolgreichen SPD-Stadtrat aus „goldenen Zeiten“ der Kommunalpolitik. Wenn auch schon damals die Weichen nicht immer, trotz finanziellen Spielräumen, richtig auf gestaltende Zukunft, gestellt wurden.
Um wieviel schwieriger wird es für den kommenden zersplitterten Stadtrat („Hühnerhaufen“), eine gestaltende Führungsstruktur zu etablieren. Gerade jetzt bei begrenzter finanzieller Ausstattung der Kommunen.
Da wird auch eine Astrid Freudenstein ihre „liebe Not“ haben.
Checker Tobi
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@Arno Nym
nein, das Gegenteil ist der Fall: bei der letzten Wahl hatte die Brücke beim OB-Kandidaten 12%mehr und beim Stadtrat 5% mehr, eben wegen Wolbergs.
Hätte man Florian Rottke statt dem völlig unscheinbaren Herrn Thurow geschickt, sähe das Ergebnis auch beim Stadtrat anders aus. Charismatischer OB Kandidat hilft immer der Partei, siehe SPD, ohne Burger hätten sie 4 Sitze
Samson
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„Jakob Friedl äußert Bedauern darüber, dass er als OB-Kandidat der Ribisl-Partei 0,8 Prozent geholt hat.“
Wie unglücklich ist denn diese Aussage?
Ich lass mich aufstellen, weil ich mitreden will und dann beschwere ich mich darüber, dass ich gewählt werde?
Also, irgendwie sollte ich doch schon mal den Sinn einer Wahl begreifen und das nicht als komplettes Kasperle Theater und Selbstinstallation betrachten.
Das bleibt bei dieser Wahl für mich das absolute dämlichste im gesamten Wahlkampf und da sind viele Aussagen gefallen, die grenzwertig waren.
In die Ecke Besen bists gewesen!
wie kann ich mich über die Geister, die ich selber gerufen habe, auch noch beschweren?
Jakob Friedl
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@Samson
Jede Gruppierung stellt eine OB-Kanditatin oder einen OB-Kandidaten auf, um im Wahlkampf von der Presse wahrgenommen und zu Diskussionen eingeladen zu werden. Das ist das Spiel. Denn wer “nur” als Stadtrat antritt, wird nicht berücksichtigt. Ich hatte im Vorfeld mehrfach meine Wahlempfehlung für Helene Sigloch ausgesprochen, vielleicht hätte ich dies noch deutlicher machen sollen. Haben andere andere auch so solidarisch gehandelt? Oder haben sie tatsächlich fest daran geglaubt, Oberbürgermeister*in werden zu können? Beim nächsten Mal sollten sich alle kleinen Parteien darauf einigen nur Sprecher*innen statt selbst OB-Kandidat*innen aufzustellen, die dann an Podiumsdiskussionen teilnehmen können, um ihre Partei oder Wählervereinigung zu repräsentieren. Jedem Wähler musste klar sein, dass er, wenn er bei FW, Linke, Volt, FDP, CSB, Partei oder Ribisl ein OB-Kreuz macht, nicht strategisch wählt, sondern diese Stimme im Rahmen der OB-Wahl verschenkt und so zu einem uneindeutigeren oder unbeabsichtigten Ergebnis beiträgt. Ich habe einfach für Helene mitgefiebert, der nur 137
Stimmen gefehlt haben und mich im Zuge dessen darüber geärgert, dass Leute ihre Stimme
an mich verschenkt haben – auch wenn sie es mit ihrem Kreuz für mich bestimmt gut gemeint haben.
“Kasperletheater?”, “Selbstinstallation”? @Samson: Lade Deinen Frust doch bitte woanders ab! Der Malkampf war super: Lustige Plakate – Echte Politik!
Sabine Kowoll
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Ich kann der Argumentation nicht folgen @Cecker Tobi:
Thomas Thurow 16.403 Stimmen
Florian Rottke 11.270 Stimmen
Die Einzelstimmen für jede Bewerberin und jeden Bewerber können übrigens nachgelesen werden. https://www.regensburg.de/wahlen/stadtratswahl/
Das lohnt sich! So wird sichtbar, wie von Listenkreuzen profitiert wird und wie wenig es manchmal mit den Einzelpersonen an sich zu tun hat, ob sie schließlich im Stadtrat landen oder nicht.
Jakob Friedl kann übrigens 11.173 Stimmen für sich verbuchen – und ist bedauerlicherweise wieder mit nur einem Sitz vertreten.
Was es bedeutet Einzelstadtrat zu sein und keine Fraktion im Rücken zu haben?
Keine von der Stadt bezahlte Fraktionsassistenz, weniger Aufwandsentschädigung, kein Büro, keine Aufsichtsratsposten, weniger Handlungsspielraum auf sämtlichen Ebenen und so weiter.
Aber wie schrieb die Ribisl-Partie auf ihrem Flyer: “Wir fangen an und halten durch!”
Und ich bin froh und dankbar, dass sich demokratische Menschen kommunalpolitisch engagieren und das auf sich nehmen, was damit verbunden ist. Und das ist einiges!
P.S.: Die fünf (!!!) Leute der AfD, die nun für sechs Jahre im Stadtrat weiter das tun können, was ihre beiden Vertreter bisher für die Stadt geleistet haben, nämlich NICHTS, verbuchen für sich selbst übrigens nur zwischen 9.144 und 7.010 Stimmen.
Dominik Müller_alt
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@Studi
Mich überzeugt Ihr Rechenweg überhaupt nicht, da sind auch zu viele Annahmen (50/50 …) dabei, die ich für unzutreffend halte.
“Eine Wählerwanderung von Brücke zu SPD wäre quasi politischer Selbstmord gewesen” Bruecke-Funktionäre werden möglicherweise lieber CSU statt SPD gewählt haben, aber Bruecke-Wähler, noch dazu welche, die auch bei der Stadtratswahl schon auch andere Kandidaten unterstützt haben? Die Bruecke hat wie jede andere Gruppierung wenig Einfluss darauf, welchen Stichwahlkandidaten ihre Wähler unterstützen. Und wie Sie noch gestern anders als heute schrieben, “bei lokalen Personenwahlen, wie die des OB der Name und das Gesicht wichtiger sind als Parteizugehörigkeit oder Programm.”
Als Präsident des SG Post/Süd und vieler anderer Vereinsmitgliedschaften und der Wahrnehming vieler Termine in Vertretung der OB ist Burger kaum weniger bekannt als Freudenstein, die Differenz zwischen seinen OB- und den Stadtratsstimmanteilen sehe ich schon nur deshalb überwiegend nicht bei taktischen Wählern, sondern bei Leuten, denen er sympathisch ist und die seine Führungs- und Moderationsfähigkeit schätzen, die aber mit seiner Partei weniger anfangen können.
Die Koalition aufgekündigt hat allerdings die SPD nach dem Bürgervotum über die Stadtbahn. Hier stellt sich für mich die Frage, weshalb sich einige Parteien so schwer tun, das Votum zu akzeptieren. Dann die Koalition zu beenden, an den Plänen festzuhalten – und nicht wenigstens mit wendigeren als den ausgesuchten Fahrzeugen eine neue Planung zu starten statt der CSU zu bescheinigen, dass sie in diesem Punkt den Bürgerwillen früher realisiert hat, finde ich etwas schwach.
@Checker Tobi
Zuletzt, meine Vermutung ist, dass Frau Sigloch auch in die Stichwahl gekommen wäre, wenn die SPD beim Spitzenkandidaten Rudner geblieben wäre. Auch hier verstehe ich nicht, Frau Neumaier Opportunismus vorzuwerfen, wenn sie den Favoriten der Basis mitträgt.
Vielleocht werde ich ja vom Ausgang der Stichwahl überrascht und Studi hat das Wählerverhalten besser eingeschätzt?
Samson
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„ Der Malkampf war super: Lustige Plakate – Echte Politik!“
Kasperletheater war das falsche Wort.
Kasperletheater kann toll sein.
Ich denke da nur an meinen langjährigen Bekannten Christoph Malz.
Ich bin auch keineswegs frustriert.
Ich Finde die Aussage, „mich haben so viele Leute gewählt“ mehr als unglücklich.
Und jetzt wird der Vogel abgeschossen:
„…habe einfach für Helene mitgefiebert, der nur 137
Simmen fehlen.“
Verschenkt für eine Selbstinszenierung!
Das sage ich ohne Frust und Groll, aber man wird wohl auch Kritik vortragen können.
P.s.: Ich suche noch für ein anderes Wort als Kasperletheater.
Das soll einerseits selbstverliebtes in sich gewandtes Handeln ausdrücken, dass vielleicht sogar tiefgründiger und unterhaltsam ist, aber den Bezug zur Realität verloren hat, ohne Böse zu sein.
Wolfgang Theine
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Ich bin nicht gerade ein Fan von Jakob Friedl, finde es z.B. hochgradig albern, sich nicht “Partei” sondern “Partie” zu nennen, wohl nur, um sich den anderen gegenüber abzugrenzen.
Aber wo er Recht hat, hat er Recht. Wer bei der OB-Wahl eine chancenlose Kleinstpartei wählte, hat das kommunale Wahlsystem wohl immer noch nicht richtig kapiert: natürlich sind die OB-Stimmen für Friedl (und für andere) verloren und fehlen dann einem/r der aussichtsreichen Kandidaten/in. Und daß Herr Friedl für “Helene Sigloch gefiebert” hat, ist aller Ehren Wert und verdient nicht den Spott von Samson.
War das “Bedauern daß Friedl es nicht in die Stichwahl geschafft hat” eine Satire, oder Ernst gemeint Mr. T? – letzteres würde für ein erhebliches Maß an Realitätsverlust sprechen.
Samson
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@Wolfgang Theine
Ich habe Jakob Friedl nicht verspottet.
Ich habe nur klargestellt, dass er die Geister, die er rief nicht mehr im Griff hatte.
So hat er eben ein paar Protest Wählerstimmen bekommen.
Diese fehlen jetzt Helene Sigloch zum sichern Posten als 2. Bürgermeisterin.
Genau das wäre sie geworden, hätte sie in der Stichwahl verloren.
Im gesamten Wahlkampf wurde keine Empfehlung für die Grünen ausgesprochen.
Deshalb mein Vorwurf: Das war reine Selbstinszenierung!
Und das ist eine klare Kritik an Jakob Friedl.
Keineswegs Spott.
Jakob Friedl
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@Wolfgang Theine
Die Ribisl-Partie e.V. ist keine Partei, sondern eine im Sommer 2019 gegründete und auf Regensburg beschränkte Wählervereinigung. Darum nennen wir uns auch nicht “Partei”. Weil wir keine sind!
Was Sie “hochgradig albern” finden, hat natürlich einen Hintergrund, den aufmerksame Beobachter*innen mit Sprachaffinität vielleicht schon bemerkt haben. Es passiert uns aber immer wieder, dass wir, z. B. auf Podiumsdiskussionen oder in Artikeln, „Ribisl-Partei“ genannt werden. Versehentlich und unwissentlich. Ihren Kommentar nehmen wir deshalb sehr gerne zum Anlass, hier Aufklärungsarbeit zu leisten. Aufrichtigen Dank für diese Gelegenheit!
„Partie“, entlehnt aus dem Französischen, kann zum einen gleichbedeutend wie Teil, Gruppe oder Abschnitt verwendet werden. Als Redewendung bekannt sind sicherlich die Ausdrücke „eine gute Partie“ oder „mit von der Partie sein“.
Die Ribisl-Partie ist immer eine gute Partie für andere Parteien und Wählervereinigungen, zivilgesellschaftliche Gruppen und Akteure, ihre sozialen, ökologischen und kulturellen Themen und Anliegen. Wir plädieren stark für kollegiale, gleichberechtigte und transparente Zusammenarbeit im Stadtrat, fordern deshalb auch die Einführung eines Kooperationsausschusses und bevorzugen das Modell der wechselnden Mehrheiten, statt einer Aufteilung in „Koalition“ und „Opposition“. Wir begreifen uns als Teil eines großen Ganzen, unser Handeln immer am Wohl der Stadt und ihrer Bewohner*innen ausgerichtet. Das genaue Gegenteil von Abgrenzung!
Wir freuen uns sehr unseren Sitz im Regensburger Stadtrat verteidigt zu haben, hätten uns aber gewünscht, mindestens einen weiteren Sitz dazuzugewinnen. Und wir finden auch, wir hätten es verdient. Unsere „Liste für Diverses, Sonstiges und Übriges“ hat sich im Vergleich zu 2020 verdoppelt. Wir sind mit Leuten aus den unterschiedlichsten Lebenswelten und sozialen Zusammenhängen angetreten, die mit von der Partie sein wollten. Manche von ihnen haben erst über den Kontakt zu uns und unserer Arbeit im Projekt- und Nachbarschaftsraum KfE* in der Guerickestraße begonnen, sich für kommunalpolitische Themen und die Hintergründe politischer Entscheidungsprozesse zu interessieren. Viele wären sehr gerne in den Stadtrat eingezogen und hätten ihre vielfältigen Kompetenzen und Erfahrungen konstruktiv eingebracht. Unsere Liste war optimal besetzt. Wir haben es vielleicht versäumt, auch als Gruppe sichtbarer und damit wählbarer zu erscheinen und Listenkreuze zu bekommen, die wir für mehr Sitze gebraucht hätten. Vielleicht gelingt es uns in sechs Jahren.
Bis dahin liefern wir uns eine gute Partie mit den anderen Gewählten im Stadtrat und freuen uns auf die kommenden Entwicklungen, Herausforderungen und Aufgaben.
Studi
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Weil meine eigentliche Antwort anscheinend untergegangen ist hier nur die Kurzform. Ich entschuldige falls dadurch der Ton weniger diplomatisch ist.
@Dominik Müller_alt
10. März 2026 um 16:46
“Mich überzeugt Ihr Rechenweg überhaupt nicht” –> Sie haben angefangen Rechnungen zu machen. Ich habe Ihre Rechnung nur korrigiert und damit die Ergebnisse von 2020 plausibilisiert (wie Sie gefordert haben).
“bei lokalen Personenwahlen, wie die des OB der Name und das Gesicht wichtiger sind als Parteizugehörigkeit oder Programm.” –> Das gilt für Wahlplakate. Hat man sein Kreuz gesetzt wählt man natürlich die Meinung und Ideologie des jeweiligen Kandidaten, und bei der Stichwahl dan denjenigen der ihm/ihr am nächsten ist. Und Brücke ist schon sehr nah an SPD, andererseits aus kommunalpolitischen Gründen auch gegen SPD. Der Kandidat ist auch nur insofern überproportional relevant weil dieser in seiner Meinung und Haltung oft stark abweicht von der Politik auf Bundesebene der Partei. Das erklärt teils überraschende Wahlergebnisse bei Kommunalwahlen.
“Als Präsident des SG Post/Süd […]” –> Ich vermute Sie haben ein verzerrtes Bild, da sie überproportional viel Kontakt zu den Kandidaten haben. Die meisten Wähler haben nie einen OB Kandidaten live erlebt, geschweige denn können dessen Sympathie oder Führungsqualität ausreichend einschätzen nach etwaigen Treffen.
“Die Koalition aufgekündigt hat allerdings die SPD” –> Das ist dasselbe wie auf Bundesebene zwischen FDP und SPD und da ist die Mehrheitsmeinung dass die FDP die Hauptschuld trägt. Aktiv entgegen dem Koalitionsvertrag zu handeln ist eine stille Kündigung.
“und nicht wenigstens mit wendigeren als den ausgesuchten Fahrzeugen eine neue Planung zu starten” –> Die Bereitschaft von Gleisfrei und anderen Stadtbahngegnern Konzepte zur Förderung des ÖPNV zu unterstützen sollten mitlerweile bekannt sein, ist es doch plötzlich nach dem Entscheid still geworden.
sieundich
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Sehr interessantes HinundHer hier…vor allem in der Nachschau.
Interessant finde ich auch, dass das (bayerische) Wahlsystem immer wieder spannende Vergleiche hervorbringt – die am Ende sicher genauso hinken wie die oben genannten:
Die ÖDP (hat einen Sitz verloren) gehörte zu den Parteien, die enorm viele Stimmen für einen Sitz brauchten, nämlich 73.326 Stimmen pro Sitz (146.651 und nun 2 Sitze). Größter Profiteur war Ribisl, die mit 40.417 Stimmen für einen Stadtratssitz wirklich gut mit von der Partie sind.
Ich weiß nicht…irgendwie ist das alles seltsam.
Ich verstehe das System, die Verteilung, habe keine bessere Idee…andererseits wird die einzelne Stimme der Wähler verschieden gewichtet.
Und wenn man sich mal ansieht, wie die Stadtratsbesetzung aussehen würde, würden ausschließlich die Stimmen, die ein Kandidat erreicht hat zählen, hätten wir die CDU mit 32, die Grünen mit 9, die Linke mit 6, die Brücke mit 2 und SPD mit einem Sitz im Stadtrat.
Von 36.154 von Freudenstein bis 13.947 von M. Zimmermann. Will keiner, ok.
Jedoch wären auch 21 andere Personen als durch das jetzige System gegeben im Stadtrat. Ist etwa das der “echte” Wählerwille, eine echte Personenwahl, die kommunale Wahl doch irgendwie sein soll? Müssten wir nicht anders wählen, Listenkreuze abschaffen? Ich denke, dann hätten wir eine gänzlich andere Situation, dann würden die Wähler anders entscheiden, nämlich gehörig Panaschieren (und Kumulieren), statt Listenkreuze zu vergeben. Dann müssten sich “alte” und “neue” Stadtratskandidaten allesamt mehr zeigen, kompromissbereiter sein, offener in Abstimmungen agieren und mehr die eigene Meinung einbringen (jenseits der Fraktionsdisziplin z.B.) oder: So könnte auch ein scheinbar unerreichbares Kollegialprinzip funktionieren, ohne die üblichen “festen Mehrheiten” aufgrund vom Wähler gar nicht vorgesehener Koalitionen.
1 Sitz für die SPD, die heuer den OB stellen möchte (wenn man die Stimmenzahl pro Person zum Maßstab nimmt)? Ich kann mit dieser Listenwahl/dieser “personalisierten Verhältniswahl” auf kommunaler Ebene irgendwie immer weniger anfangen.
Wolfgang Theine
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@Jakob Friedl 11. März 2026 um 19:14
na, ja, Art 21 GG spricht von Parteien und nicht von Partien o. ä. Mir erschließt sich deshalb nicht, warum Sie offensichtlich die Bezeichnung “Partei” so fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Ihr ellenlanger Sermon gibt meiner Einschätzung Recht: es ist ein Mittel der Abgrenzung und offensichtlich auch ein Ausdruck der Verachtung den “etablierten” Parteien gegenüber. Damit stehen Sie im politischen Spektrum ja nicht allein. Und wenn Sie den Wahlkampf als “Malkampf” banalisieren und “lustige Plakate” bereits “echte Politik” nennen, müssen Sie sich Samson`s Vorwurf der Selbstinszenierung und meine Einschätzung: “hochgradig albern” schon gefallen lassen.