Der Regensburger Bäckerkrieg
Das Thema Krieg ist allgegenwärtig. Egal ob Wehrdienst, Kriegstüchtigkeit oder atomarer Schutzschild. Niemand kommt daran vorbei. Selbst Regensburg nicht. Denn die Innenstadt ist zum Kriegsschauplatz geworden.

Liegen direkt gegenüber: die Filialen von Schifferl und Sipl (gerade eingerüstet).
Die Frontlinie verläuft direkt durch die Gesandtenstraße. Dort, am Saum des Neupfarrplatzes, liegt seit Jahren eine Filiale des Denkendorfer Bäckers Sipl. Sie war für die Innenstädter Dreh- und Angelpunkt ihres sonntäglichen Backwarenkonsums.
Egal ob Breze oder Brot, im Umkreis von einem halben Kilometer war Sipl der Platzhirsch. Aber damit ist nun Schluss.
Es hagelt Gratisbackwaren
Bäcker Schifferl aus Bach an der Donau hat direkt gegenüber eine neue Filiale eröffnet. Und läutet damit die Ära des Grabenkrieges ein. Statt Granaten hagelt es Gratisbackwaren. Statt Dreck staubt Mehl. Und statt Stahlhelm trägt man Bäckerjungen-Mütze.
Doch wie kam es dazu?
Die große Mehlstaubexplosion
Wie jeder große Krieg hat auch dieser ein initiales Ereignis. Eines, das in den Geschichtsbüchern stehen wird. Und das künftige Historikergenerationen als den Anfang vom Ende beschreiben werden.
Wie der 30-jährige Krieg seinen Fenstersturz, der 1. Weltkrieg sein Attentat auf Franz Ferdinand, hat auch der Regensburger Bäckerkrieg eine zündende Mehlstaubexplosion.
Doch die städtischen Späher sind sich nicht einig, welche das ist. Und bieten uns Gefechtsreportern verschiedene Versionen an.
Im Osten was Neues
Einige munkeln es handle sich um den Fall des Konditors Pernsteiner.
Der Traditionsbetrieb am äußeren Ende der Von-der-Tann-Straße wurde vom Bäcker Sipl gekauft und renoviert. Und firmiert nunmehr unter dem Namen Pernsteiner by Sipl. Es ist dort weit und breit das einzige Backwaren-Geschäft. Sozusagen das Mohnsemmel-Monopol.
Dies soll den Schifferls sauer aufgestoßen sein. Die Stadtgesellschaft munkelt, sie wären gerne selbst Herren über die Bäckerbastion am Ostentor geworden. Weil daraus nichts wurde, soll man zum Angriff übergegangen sein.
Barbing oder die andere Ostfront
Wieder andere berichten vom Fall Barbing. Dort sei Schifferl seit langem vertreten. Als der Konkurrent Sipl aus Denkendorf eine Filiale in einem der örtlichen Supermärkte eröffnete, soll das Geschäft der Schifferls eingebrochen sein.
Ob eines der beiden Ereignisse sich neben Fenstersturz und Attentat einreiht, müssen Historiker erforschen.
Wie es sich aber für einen echten Krieg gehört, birgt er verschiedene Mythen in sich.
Pernsteiner oder Barbing? Am Ende fast egal. Denn diese Geschichten dienen den Kombattanten nur als Motivations-Erzählungen, um ihre Semmel-Soldaten bei Laune zu halten.
Schließlich ist so ein Grabenkrieg keine angenehme Sache. Er erfordert eine Menge Material, humanes wie teigiges. Und beide Bäcker müssen dafür sorgen, dass ihre Nachschublinie nicht abreißt.
Zweifrontenkrieg in der Goliathstraße?
Momentan scheint Schifferl im Vorteil zu sein. Denn gegenüber musste der Freisitz einem Baugerüst weichen – für drei Monate. Währenddessen bringt Schifferl seine Bestuhlungs-Artillerie in Stellung. Ob er diesen Vorteil nutzen kann?
Denn so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es auch für Schifferl nicht. Seit in der Goliathstraße eine Filiale des Stadtbäckers Wurm eröffnet hat, ist Schifferl nicht mehr der einzige Bäcker rund um Donau und Dom. Warum diese Fehde eskalierte, gibt den Regensburgern jedoch Rätsel auf.
Fest steht: Die Schifferls kämpfen einen Zweifrontenkrieg.
Ob sie von Clausewitz, Schlieffen und von Moltke gelernt haben, wird sich spätestens zeigen, wenn die erste Filiale schließen muss.
Die eigentlichen Gewinner des Krieges stehen derweil schon fest: die Regensburgerinnen und Regensburger. Sie werden für die Dauer des Konfliktes mit köstlichen Backwaren beliefert. Wenn doch jeder Krieg nur so lecker wäre.
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Mr. B.
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Hallo Herr Aigner, die Fa. Schifferl ist doch nicht aus Deggendorf.
Auf der Brezentüte stehen Bach an der Donau und Bogen.
Berthold
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Schifferl käme aber aus Bach an der Donau, nicht aus Deggendorf.
https://www.baeckerei-schifferl.de/geschichte/
Lilith
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Einer der beiden Konkurrenten könnte sich ja mal auf nach Harting machen und dort in der konsumlosen Trostlosigkeit eine Filiale eröffnen, dass die armen Einwohner endlich zu Fuß ihre Frühstückssemmeln kaufen können. Das wäre dann der wahre Gewinner!
Tom
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Guten Tag, seit wann kommt Schifferl aus Deggendorf? Meines Wissens ist die erste Backstube immer noch in Bach an der Donau…..und die zweite in Bogen bei Straubing…
https://www.baeckerei-schifferl.de/
Stefan Aigner
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Das stimmt. Danke. Ist korrigiert.
df
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Erstaunlich, wie viele Menschen bereit sind, für industrielle Massenware denselben Preis zu zahlen wie für handwerkliche Qualität aus der Region. Gewinner sind dabei sicher nicht die Regensburgerinnen und Regensburger. Kauft regional, kauft Qualität – am Preis scheitert dieses Argument jedenfalls nicht.
Dieter
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So schnell ist also der Schwarzer Kipferl vergessen.
Im Umkreis von 500m fallen mir noch ein paar andere Bäckereien ein, aber das sind dann wohlmallws Nebenschauplätze. Vielleicht gab es dort keine Granatsplitter?