Archiv für 14. Juni 2014

"Ich hasse Political Correctness"

General a. D. vom Raumschiff Erde

Von Langwellen-Hackern, dem „ALDI für Terroristen“ und davon, dass in Bad Reichenhall 2000 Jahre lang keine Moschee gebaut wurde, erzählte am Freitagabend Brigadegeneral a. D. Johann Berger im Kneitinger Salettl. Am Rande ging es auch um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Von David Liese

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Im Kneitinger Salettl sprach am Freitag Brigadegeneral a. D. Johann Berger. Eigentlich sollte es um den Afghanistan-Einsatz gehen, Berger holte aber weit aus. Fotos: ld

Axel Schuster ist noch etwas nervös. Bislang haben sich nur wenige Interessierte im Kneitinger Salettl eingefunden. „Es wird familiär heute“, befürchtet er. Die CSU habe vergessen, einzuladen. „Ich hab’ so einen Hals.“

Doch die Sorgen des Kreisvorsitzenden des Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik der CSU (ASP) sind unbegründet. Der Saal füllt sich. Unter den vornehmlich männlichen Gästen älteren Semesters sind Lokalmatadore wie Albert Krausnecker von „Alberts Chinastammtisch“ und Bürgermeister a. D. Walter Annuß, aber auch der Ex-EU-Parlamentarier Gerhard Schmid, der Kreisvorsitzende des Reservistenverbandes, Reinhard Knott, sowie Rudolf Schmitzer, Oberstleutnant der Reserve, stellvertretender ASP-Bezirksvorsitzender und stellvertretender Ortsvorsitzender der CSU Burgweinting.

43 Jahre bei der Bundeswehr für die Wahrheit gekämpft

Sie alle sind gekommen, um Brigadegeneral a. D. Johann Berger zuzuhören. Ein „hochkarätiger Mann“, wie Schuster betont. Er eröffnet gemeinsam mit Michael Völkl, dem Vorsitzenden des CSU-Ortsvereins Mittlerer Innerer Westen, die Veranstaltung. General a. D. Berger soll heute über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan sprechen. Er selbst ging 1971 zu den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall. 43 Jahre lang blieb er dem Heer treu, war zuletzt Kommandeur des Landeskommandos Bayern. Seit November ist er im Ruhestand.

Gleich zu Beginn gibt Berger die Marschroute seines Vortrags bekannt. „Ich hasse das Wort Political Correctness“, sagt er. „Dass wir nicht mehr sagen dürfen, was die Wahrheit ist.“ Das ist es also, was die Zuhörer erwartet: Wahrheiten. Wer sich persönliche Eindrücke aus Afghanistan erhofft, Schilderungen aus erster Hand, wird wohl enttäuscht werden. Berger war dort nämlich nie stationiert.

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Axel Schuster, Kreisvorsitzender des Arbeitskreises für Außen- und Sicherheitspolitik der CSU (ASP), eröffnete die Veranstaltung.

Viele Wahrheiten auf dem Raumschiff Erde

„Die Wahrheit“ aber habe er schon immer hochgehalten. Sie dürfe nicht auf der Strecke bleiben. Eine Wahrheit sei, dass es „keine Schwarz-Weiß-Lösungen“ auf der Welt gäbe. Die Welt nennt Berger übrigens auch gern „Raumschiff Erde“, und zwar deshalb, „weil keiner von uns von diesem Raumschiff wegkann. Außer, er ist Astronaut.“

Der General außer Dienst holt bei seinem Vortrag weit aus, erklärt zunächst einmal den modernen Sicherheitsbegriff und die Veränderungen auf ebenjenem „Raumschiff Erde“. Zu Bergers „Wahrheiten“ gehören Sätze wie: „Alles wird heute global, ob wir wollen oder nicht.“ Oder: „Unser größtes Problem ist die komplexe Welt.“ Und: „Kooperation ist viel erfolgversprechender als Konfrontation.“

Computerviren per Langwelle und der Terroristen-ALDI in Manila

Doch der Brigadegeneral wird auch konkreter. So warnt er etwa vor dem „Cyberwar im Welt Wide Web.“ In „Nanosekunden“ könne der „von Thailand oder Rio de Janeiro produziert werden“. Von Jörg Ziercke, Chef des Bundeskriminalamts, hat er die brisante Information, dass die „bösen Buben“ heutzutage in der Lage seien, auch Computer, die gar nicht mit dem Internet oder einem anderen Netzwerk verbunden seien, „per Langwelle mit Viren zu bespielen“. Diese „Wahrheit“ überrascht den ein oder anderen im Publikum. „Physikalisch unmöglich“, raunt ein älterer Herr.

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Berger führt indes weitere Beispiele dafür an, dass die Bedrohung nicht mehr primär von anderen Staaten ausgehe, sondern von „Terroristen, Extremisten, Anarchisten und allen –isten, die es überhaupt gibt auf der Welt.“ Also auf dem „Raumschiff Erde“. Diese Gruppen agierten „ganz widerlich aus der Bevölkerung heraus“, zum Beispiel mit Waffen aus dem „ALDI für Terroristen irgendwo in Manila“, wo man mit Drogengeldern oder Erlösen aus dem Organhandel einkaufe.

„Kein Grund, dass wir aus Anbiederung unsere Wurzeln aufgeben.“

Ebenfalls mit der Sicherheit habe die Flüchtlingsproblematik zu tun. „15 bis 17 Millionen“ wollten „ins Paradies und ins gelobte Land“ Europa. Berger will deshalb die Ursachen „für Migrations- und Flüchtlingsbewegungen“ bekämpfen. „Und zwar nicht bei uns mit Sozialgaben, die wir uns gar nicht leisten können.“

Ausländerfeindlich findet sich Berger aber nicht. „Wir brauchen Migranten. Aber wir müssen kucken, wen wir uns da einkaufen. Und auch, ob die in unsere Gesellschaft passen. Ich komme nicht aus einer 2000-jährigen islamischen Kultur, sondern aus einer christlichen. In Bad Reichenhall sind in den letzten 2000 Jahren keine Moscheen gebaut worden.“ Natürlich setze er auch hier auf „Kommunikation statt Konfrontation“. Aber: „Das ist kein Grund, dass wir aus Anbiederung unsere Wurzeln aufgeben.“ Für den General auch eine „Wahrheit“.

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„Halbvoll mit einem Prozent Vorsprung zu halbleer“: Bergers Fazit des Afghanistan-Kriegs.

Gemischtes Fazit des Afghanistan-Einsatzes

Erst nach einer reichlichen Stunde kommt Berger so langsam auf das eigentliche Thema seines Vortrags zu sprechen: Afghanistan. Deutschland habe dort eigene Sicherheitsinteressen, zum Beispiel, weil in der unmittelbaren geographischen Nähe zahlreiche Atommächte angesiedelt seien. Die Bundeswehr nehme in Afghanistan außerdem die Schutzverantwortung der Bundesrepublik wahr. Auch, wenn die Öffentlichkeit manchmal ein falsches Bild davon habe. „Da haben die Leute irgendwie mal einen Ausrutscher gesehen, wie einer einen Totenschädel auf einen Jeep getan hat, und stellen gleich die Moral der Truppe infrage.“

Der Ex-General vom Raumschiff Erde zieht eine gemischte Bilanz des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. Insbesondere der Bildungsstandard und die Infrastruktur hätten sich deutlich verbessert, der Aufbau demokratischer Strukturen sei hingegen eher gescheitert. „In dieser Steinzeit-Clan-Kultur können Sie gar nicht so schnell Demokratie schaffen.“ Er bedient sich bei seinem Fazit des berühmten Bildes vom halbvollen oder halbleeren Glas. Für ihn ist es „halbvoll mit einem Prozent Vorsprung zu halbleer“.

„Irgendwo wird’s der liebe Gott schon richten.“

Nach gut eineinhalb Stunden Vortrag und vielen Wahrheiten gibt sich Johann Berger dann noch einmal optimistisch, dass die Bundeswehr auch zukünftig gute Arbeit leisten werde. Trotz widriger Umstände wie fehlendem Nachwuchs. „Gut zehn Prozent“ der jungen Leute seien „ja schon mit 20 Invalide oder Frührentner“ – ein Befund, den Berger auf die mangelnde Bewegung der Jugend zurückführt. Aber: „Irgendwo wird’s der liebe Gott schon richten.“

Dieser „Wahrheit“ will niemand im Salettl widersprechen.

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