„Gleiche Chancen für Schülerinnen und Schüler in ganz Bayern liegen in weiter Ferne“

Regionale Unterschiede zementieren Bildungsungerechtigkeit. Rund 1,8 Millionen bayerische Schülerinnen und Schüler erhalten am Freitag ihre Zwischenzeugnisse. Wie sie ausfallen, hängt natürlich von ihren Leistungen ab aber auch vom Wohnort, denn junge Menschen haben in Bayern regional ganz unterschiedliche Voraussetzungen für ihren Schulerfolg. Dies ergaben 104 Anfragen der SPD-Landtagfraktion zu Daten bezogen auf das Schuljahr 2011/2012 für den Freistaat insgesamt, die Regierungsbezirke, Landkreise und kreisfreien Städte. „Bayerns Bildungssystem bietet eben nicht allen Schülerinnen und Schülern die gleichen Chancen“ so Margit Wild, Mitglied des Bildungsausschusses im bayerischen Landtag. „Zu oft hängt der Bildungserfolg neben dem Geldbeutel der Eltern vor allem vom Wohnort ab. Das ist nicht hinnehmbar – denn Kinder aus der ländlichen Oberpfalz sind nicht weniger begabt als Kinder aus Ballungsräumen! Der Unterschied liegt in der Verteilung der Schulen.“ Der Übertritt von der Grundschule nach der 4. Klasse an die Realschule oder das Gymnasium ist wegweisend dafür, welchen Schulabschluss die Schüler später erreichen werden. Hier gibt es gravierende Unterschiede. Dies zeigen die Zahlen ganz deutlich: Demnach klaffen die Übertrittsquoten an eine weiterführende Schule im Freistaat weit auseinander. Während in Oberbayern 44,9 Prozent der Schüler nach der 4. Klasse an ein Gymnasium wechselten, waren es in der Oberpfalz nur 34,5 Prozent. Und die Unterschiede zwischen den Ballungsräumen und ländlichen Regionen sind noch viel größer: Der Landkreis München liegt mit 61,1 % und die Stadt Erlangen mit 59,6 % an der Spitze der Übertrittsquoten auf Realschulen und Gymnasien. Der Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz hingegen liegt mit 28,9 % unter den Letzten. „Dieser Unterschied von über 30% liegt nicht an den Schülern und ihren Eltern. Es gibt ganz einfach in ländlichen Regionen viel zu wenige Gymnasien und Realschulen und damit zu wenig Ausstiegschancen“ fast Margit Wild das Problem zusammen. Das gegliederte Schulwesen in Bayern erfordert für Realschulen und Gymnasien bestimmte Mindestgrößen, sodass keine weiteren Standorte in kleineren Kommunen angeboten werden können. Doch weite Schulwege halten gerade im ländlichen Raum Schüler und Eltern davon ab, in die von der Eignung eigentlich möglichen Schulformen zu wechseln. Daraus leitet die Regensburger Bildungspolitikerin konkrete Handlungsaufträge an die Bildungspolitik ab: „Vor allem im ländlichen Raum muss es wohnortnah Schulen mit allen Abschlüssen geben. Die dafür geeigneten Gemeinschaftsschulen müssen endlich erlaubt werden. Allein diese Schulform ist in der Lage, in sehr kleinen Einheiten (ab 200 Schülern) durch das längere gemeinsame Lernen diesen Ansprüchen zu genügen. Das ausschließlich auf Noten basierende Übertrittsverfahren muss sofort abgeschafft werden und der Elternwille in Verbindung mit einem professionellem Beratungssystem frei gegeben werden. Wir müssen endlich diese Schritte gehen, wenn wir gleiche Chancen für Schülerinnen und Schüler in ganz Bayern erreichen wollen!“

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