Kaum Unterschriften für BSW: Aus für Freihoffer im Regensburger Stadtrat
18 Jahre saß Irmgard Freihoffer im Regensburger Stadtrat. Die meiste Zeit für die Linke. Ihr Wechsel zum Bündnis Sahra Wagenknecht hat nun das politische Aus für Freihoffer besiegelt.

Gehörte dem Stadtrat seit 2008 an: Irmgard Freihoffer. Foto: Archiv
Es war nur ein kurzes Vergnügen als BSW-Stadträtin für Irmgard Freihoffer. Lediglich 75 Menschen unterschrieben in Regensburg dafür, dass die Gruppierung um die Politikerin und Publizistin Sahra Wagenknecht zur Kommunalwahl antreten darf.
Freihoffer erhielt für ihre Ambitionen als OB-Kandidatin sogar noch drei Stimmen weniger. 430 Unterschriften wären nötig gewesen. Damit ist die kommunalpolitische Karriere für Irmgard Freihoffer, die im Oktober 2023 von der Linken zu BSW wechselte, auf absehbare Zeit beendet. Sie gehörte dem Stadtrat 18 Jahre an.
Zu hohe Hürde? Nur für das BSW
„Die Hürde, dass die Leute eine Unterschrift nicht am Stand leisten können, sondern dazu ins Bürgerbüro gehen müssen, sei sehr hoch“, heißt es in einer Presseerklärung. Aufgrund vieler Erkrankungen im Kernteam der Partei vor Ort sei es nicht gelungen, mit Ständen in der Stadt so präsent zu sein, wie es nötig gewesen wäre, um direkt mit den Menschen in Kontakt zu kommen.
Zwei andere Gruppierungen haben diese Hürde hingegen genommen. Volt und ihre OB-Kandidatin Lisa Brenner hatten die notwendigen Unterschriften bereits letzten Freitag zusammen.
Die Gruppierung „Zukunft – Junge Liste für Regensburg“ schaffte es durch einen starken Schlussspurt übers Wochenende, die 430-Unterschriften-Grenze noch zu knacken. Bei Ablauf der Frist am heutigen Montag, 12 Uhr, verzeichnet man 515 Unterschriften.
Junger CSU-Ableger darf antreten
„Zukunft – Junge Liste für Regensburg“ tritt ohne eigenen OB-Kandidaten an. Man darf sie wohl als zusätzliche Unterstützung für CSU-Oberbürgermeisterkandidatin Astrid Freudenstein sehen. Das Kernteam von JU Regensburg und „Zukunft“ ist bis auf wenige Ausnahmen namensgleich.
Als „Junge Listen“ auftretende CSU-JU-Ableger gibt es auch in anderen Kommunen und bei der Wahl für den Regensburger Kreistag gibt. Dort wird die offenkundige CSU-Nähe allerdings deutlich transparenter nach außen kommuniziert als dies „Zukunft – Junge Liste für Regensburg“ der Fall ist.






Wuzzi
| #
Schade, dass Frau Freihoffer jetzt ihr gesammeltes Fachwissen nicht mehr im Stadtrat einbringen kann.
Mr. T.
| #
Ja, Wuzzi, das mag schade sein. Wäre Frau Freihoffer bei der Linken geblieben, wäre das eine gemähte Wiesen gewesen. Aber sie hat ja freiwillig den Don überquert.
Die Hürden der Unterschriftensammlung sind sicher zu kritisieren. Vor allem hängt es auch vom guten Willen der Stadt ab, wenn man z.B. Termine in Altenheimen oder ähnliches für Menschen, die nicht mehr so mobil sind, organisieren will. Möglich müsste sowas sein, so viel ich weiß. Warum nicht auch bei Infoständen? Es wird ohnehin jede Unterschrift auf Berechtigung und mehrfachen Eintrag überprüft.
Karl Straube
| #
Mr. T, schliessen Sie eine (bei mir offenbar vorhandene) Bildungslücke”: “Don überquert”? Mit der Metapher kann ich dank wiki und google nur verbinden die Überschreitung des Deoxynivalenol-Wertes in der Lebensmittelsicherheit oder die Überschreitung des Don in der Schlacht von Kalatsch (25.7.-11.8.42). Der Wechsel von den linken zum Bündnis SW gibt soviel Dramatik nicht her.
Oleg
| #
Die Hürden sind schon vernünftig.
Nur weil man an einem Stand zur Unterschrift bedrängt wird, wird man die Partei nicht unbedingt wählen.
430 Stimmen sollte man in einer Stadt wie Regensburg schon so zusammenbringen, ansonsten fehlen einfach die Wähler sowie dessen Willen.
Das ist sicherlich für einige Personen schade und vielleicht entgeht der Stadt somit ein engagierter Stadtrat, aber es hilft auch nichts wenn 230 (bedeutungslose) Parteien auf dem Wahlzettel stehen und sie sich so auch noch die Minderheitsstimmen gegenseitig wegnehmen.
Es ist ja auch alles mit Kosten und Aufwand verbunden.
Schade auch für Frau Freihoffer, aber Sie hat ja auch weiterhin die Möglichkeit sich politisch zu Engagieren, womöglich auch in einer anderen Partei, Parteilos oder als Bürgerin ohne Mandat.
Manfred Martin
| #
Selber schuld !
Herr Stadtrat Ingo Frank
| #
Die Partei Die PARTEI hat das Erreichen von den hunderten Unterstützerunterschriften, die ja gesammelt werden müssen um die eigene Relevanz zu Beweisen, vor 6 Jahren auch Problemlos geschafft…
Ein Absprechen der Notwendigkeit des Beweises einer solchen Relevanz ist genauso ungalant, wie das Aberkennen der Relevanz, die einer demokratisch legitimierten Partei von wahlberechtigten Regensburgern ausgesprochen wurde.
Mr. T.
| #
Karl Straube, der Don ist ein Fluß in Russland. Die Metapher war eine Anspielung auf den Wechsel zur 5. Kolonne Moskaus in Deutschland (wobei wohl strittig ist, ob das BSW oder die AfD die richtige 5. Kolonne sind und die anderen vielleicht die 6.). Ich hätte auch was mit Rubel schreiben können, damit es alle kapieren, fand ich aber zu plump.
Hindemit
| #
Der Hype um das BSW war nicht mehr als ein Strohfeuer. Frau Freihoffer hat offensichtlich aufs falsche Pferd gesetzt. Es tut der politischen Linken in Regensburg gut, dass frische Kräfte nachrücken.
Dass die Junge-CSU-Liste wenig transparent auf Flyern und Plakaten auftritt, halte ich für grenzwertig. Sie sollten deutlicher machen, CSU 2.0 zu sein.
Zugereister aus Sachsen-Anhalt
| #
Das BSW gibt es ja eigentlich gar nicht. Schon seit einiger Zeit dürfte klar sein: Sahras Versuch, eine “Partei” (oder was auch immer) von oben zu gründen, ist gescheitert.
Auf lokaler Ebene fehlt in Regensburg schlicht das Personal, um in ausreichender Zahl Unterschriften zu sammeln.
Konzipiert war das BSW als ein bundespolitisches Projekt, bei der Bundestagswahl erhielt es in Regensburg ja auch fast 3.000 Stimmen – zu den Themen des aktuellen Stadtwahlkampfs hat es nichts zu sagen.
Die wenigen Funktionäre vor Ort müssen sich jetzt auf die Suche nach einer neuen politischen Heimat begeben.
Das Berliner Spitzenpersonal hofft darauf, dass bei den Landtagswahlen im Osten die “Partei” revitalisiert wird, quasi vom Kopf auf die Füße gestellt. Letzteres dürfte nicht klappen.
Das mag man bewerten, wie man will.
An der verfahrenen Situation des politischen Regensburg ändert das Ausscheiden des BSW gar nichts. Die Probleme des neuen Stadtrats werden die des alten sein.
S.SAHESCH-PUR
| #
Tut mir leid für sie als Person.
Ich hatte mit der Partei und deren Protagonisten einige Gespräche geführt und musste vor einigen Monaten feststellen, das sie innerparteilich in Regensburg sehr unterschiedliche problematische Fokussierungen setzen und habe mich aus dem Grund entschieden auszusteigen.
Wenn zu viel – diskutiert wird und keine Kraft entsteht sondern sie einem diese nimmt, ist das eine Parteingruppe, der man lieber nicht wählen sollte. Es liegt eben schon an der Person selbst und nicht an den Inhalten. Diese Kritik wurde platziert jedoch nicht umgesetzt.
Alles gute ihnen weiterhin. IF.
Günther Herzig
| #
Das gefällt mir gut. Die Kalkulation ist gescheitert. Kommunisten brauchen wir weder im Bundestag noch in den Kommunen.
Jakob Friedl
| #
Von Ingo Frank / die PARTEI kamen in den vergangenen 6 Jahren: 0 Anträge, fast 0 Redebeiträge, 0 Witze – bis auf einmal im Jahr ein kurzer Retorten-“Witz” als Finanzrede. Wer nicht vor hat sich im Stadtrat einzubringen sollte nicht kandidieren. In einem gewählten 50-köpfigen Stadtrat sollten Personen sitzen, die Interesse am Geschehen, an Zusammenarbeit, an kommunalpolitisch relevanten Themen oder einfach nur an den Beschlussvorlagen der Verwaltung zeigen.
Manfred Preischl
| #
Irmgard Freihoffer hat sich mit dem Übertritt zum BSW selber in diese Situation gebracht. Extrempopulismus, ein seltsames Verhältnis zu den Corona Maßnahmen und ein inakzeptables Verhältnis zu Putins Russlandpolitik, selbst nach dem völkerrechtswiedrigen Überfall auf die Ukraine, machen das BSW für die Meisten unwählbar und verletzen nicht nur die Statuten der Linkspartei.
Manfred Preischl
Kreisrat (LK Schwandorf)
Nesrin
| #
@Günther Herzig: Welche Kommunisten?
Ernst Burger
| #
Zu Manfred Preischl:
Ein bemerkenswertes Statement eines “Linken”-Kreisrats (von der Rechtschreibung mal abgesehen): So ne völlig unsolidarische und gänzlich unsachliche Pöbelei gegen Irmgard Freihoffer könnte auch von der CSU/Grünen stammen, typisch (aus der Partei der Linken wäre ich hiernach ausgetreten, wen ich mal dabei gewesen wäre) …
Zu Günther Herzig:
Hä – pathologische Kommunisten-Phobie eines alten Ex-Anwalts?
Mr. B.
| #
Zu Günther Herzig
20. Januar 2026 um 08:18 | #
Meine vollste Zustimmung haben Sie hier gewiß.
Mr. T.Rex
| #
@Mr. T: Stimmt – das mit den Rubeln (von Putin bezahlt und so) wäre noch plumper gewesen als die Don-Metapher. Hätten Sie selbst den Don überschritten, dann wüssten Sie, dass in der Ost-Ukraine Menschen leben, die mit dem anti-russischen Kurs der Kiewer Zentralregierung nicht einverstanden sind. Sie hätten dann vielleicht einen differenzierteren Blick auf diesen Konflikt.
Studi
| #
@Mr. T.Rex
21. Januar 2026 um 14:52
Eher Gegenteiliges ist der Fall:
https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine-analysen/nr-306/556775/umfragen-die-einstellung-der-ukrainischen-bevoelkerung-zu-verhandlungen-mit-russland/
Menschen die im Osten der Ukraine leben, lehnen verschiedene (hypothetische) Friedensvorschläge zum Teil sogar stärker ab (zumindest Stand vor einem Jahr).
Paule
| #
Kommentar gelöscht. Kein Getrolle.
Fan W.
| #
Das ist gar keine gute Nachricht.
Eine Stadträtin, die solange Zeit und bis heute mit hohen Engagement sich, für die Regensburger, den Frieden, den Klimaschutz und soviel andere Sachen einbringt, nun künftig nicht mehr wirken darf, ist mit dem Wort “schade” völlig unzureichend benannt.
Viel zu selten ist der Stadtrat mit Frauen besetzt, die Politikerinnen, ihm besten Wortsinn sind. Mutig und klar, anstellen Mediengetrieben und ganzjährige wählerbuhlend unterwegs zu sein.
Dass Personen, die nicht ein einziges mal selbst zu einem Stadtrats-Mandat geschafft haben, sich hier so äußern, gegenüber Menschen die sich 18 Jahre lang ehrenamtlich eingebracht haben, ist ihr demokratisches Recht, dennoch ein wenig zum Fremdschämen. Gerade bei Frau Freihoffer die Aufrecht ihrer Überzeugung gefolgt ist, (wie oft würde man das von so manchen MdX sich wünschen) sind Parteienwechsel eine nachvollziehbare Reaktion, was vielen bequemen Mitläufer so nicht bekannt oder verständlich ist.
Besonders möchte ich noch in Erinnerung rufen, wie oft Frau Freihoffer auf Veranstaltungen der Stadtgesellschaft in ihrer Freizeit anzutreffen war (wo waren die zahlreichen Ratskollegen) und hoffentlich auch weiterhin ist. Politische Kompetenz ist eben mehr, als eine Klausurtagung oder einen Spaten in die Kamera halten und schon gar nicht, sich aus überwiegend Zeitungslesen Kompetenz zu verschaffen. Es bedeutet in der Stadt unterwegs sein, Tag für Tag, Woche für Woche und auch dann, wenn es kein reichhaltiges Buffet oder Presserummel zur Belohnung gibt. Bin gespannt ob jemand der Ratsstuhl ebenso verantwortungsvoll einnehmen wird. Für die Stadt ist es wohl einfach keine gute Nachricht