Lars Klingbeil – ein Animateur für die Wahlkämpfer der Regensburger SPD
Letzten Mittwoch lud die Regensburger SPD in den Spitalgarten zur Wahlkampfveranstaltung. Stargast war Lars Klingbeil – Vizekanzler, Finanzminister und SPD-Vorsitzender.

Nahbahr und routiniert: Lars Klingbeil. Foto: rr
Der Saal im Spitalgarten ist ordentlich gefüllt. Gut 100 Menschen warten auf Lars Klingbeil. An den Tischen sitzen viele Genossen, circa ein Drittel der Teilnehmerinnen kandidieren im Kommunalwahlkampf. Sogar ein Mann mit einer Lotsenmütze a lá Helmut Schmidt ist da. Der Co-Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Regensburg Alexander Irmisch eröffnet die Veranstaltung mit einem kurzen Grußwort.
Klingbeil schafft es fast pünktlich nach Regensburg. Er war Vormittags beim politischen Aschermittwoch in Vilshofen, später geht es weiter nach Nürnberg. Der Spitzenpolitiker leistet Schützenhilfe im bayerischen Kommunalwahlkampf. Die Genossen klatschen ihren Lars in den Saal. Im Schlepptau des Vizekanzlers, Regensburgs SPD Granden: OB-Kandidat Thomas Burger, OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landratskandidatin Silvia Gross.
„Auf Augenhöhe ins Gespräch kommen“
Der SPD-Parteivorsitzende steht ohne Krawatte am roten Rednerpult, auf dem in weißen Lettern „Klingbeil im Gespräch“ geschrieben steht – der Name seines politischen Gesprächsformats. Mit dem tourt er durch die Bundesrepublik, um mit Bürgern „auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen“, wie er sagt. Söder predige und monologisiere, er wolle in den Dialog treten. Dazu werde es nach einer kurzen Rede reichlich Gelegenheit geben.
Locker am Pult stehend, skizziert Klingbeil welche Themen ihn dieses Jahr beschäftigen werden. Außenpolitisch seien das sicher Donald Trump und seine Gelüste nach Grönland. Dabei gelte Grönland seine volle Solidarität. Man werde sich nicht klein machen, vor den Launen des US-Präsidenten. Europa müsse stärker werden. Die SPD sei immer Europapartei gewesen, schon unter Brandt und Schmidt. Innenpolitisch brauche es mehr Wirtschaftswachstum. Damit die Arbeitsplätze sicher seien und die Menschen mehr Geld in der Tasche hätten.
Reformen ohne bayerischen Zeigefinger
Ob das Sondervermögen bei den bayerischen Kommunen ankomme, wolle er wissen. Die „Mitte“ habe oft klebrige Hände, sagt er und meint damit die Staatsregierung um Markus Söder. Die SPD habe für das Sondervermögen gesorgt, es sei als großer Erfolg der Partei zu verbuchen. Jetzt gelte es schneller zu werden und Bürokratie abzubauen.
Die Kommunalfinanzen müssten gestärkt und die Demokratie verteidigt werden. Aber das gehe nicht, indem man den Menschen, die unser Land voranbringen sage, sie müssten eine Stunde mehr arbeiten. Sie seien zu faul. Das müssten sich die Krankenpflegerin, der Erzieher oder die Industriekraft nicht sagen lassen.
Ja, das Land müsse sich verändern, es brauche dringend Reformen. Aber nicht von oben, mit erhobenem bayerischen Zeigefinger, sondern von unten, mit hochgekrempelten Ärmeln.
Vorhersehbar, floskelhaft und etwas dröge
Die SPD stehe seit Ferdinand Lasalle für soziale Gerechtigkeit. Egal ob im Bund, dem Land oder der Kommune. Wer das wolle, müsse sein Kreuz am 8. März den Sozialdemokraten schenken. Damit endet die Rede. Erfrischend kurz, erfrischend volksnah.
Aber auch vorhersehbar, floskelhaft und etwas dröge.
Man merkt, Klingbeil ist Sachpolitiker, er möchte Probleme lösen und fühlt sich auf der inhaltlichen Ebene wohl. Dementsprechend unaufgeregt ist die Stimmung.
Stadtbild, Selenskyj, Schwangerschaftsabbruch
Die nächsten 60 Minuten haben die Menschen im Saal Zeit, dem Vizekanzler ihre Fragen zu stellen. Doch die meisten, die an diesem Aschermittwoch das Mikrofon gereicht bekommen, möchten Lars einfach ihre Meinung sagen. Ein Mann wünscht sich praktischere Fördergesetze, eine Frau fordert den ukrainischen Präsidenten Selenskyj ernster zu nehmen.
Juan, ein Arzt fragt, ob Lars Klingbeil ein Problem im Stadtbild sehe? Er denke, dass Deutschland immer unattraktiver für internationale Akademikerinnen werde, da die ausländerfeindliche Stimmung rapide zunehme. Eine Genossin appelliert an den Finanzminister, den §218 doch endlich abzuschaffen und damit Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr zu kriminalisieren.
Eine junge Frau möchte wissen, wie sie der Politikverdrossenheit im Bekanntenkreis und an den Infoständen begegnen solle? Eine andere, wann es endlich ein AfD-Verbot gebe? Und ein junger Mann, wie man von seiner Generation verlangen könne, zur Bundeswehr zu gehen? „Ich habe Angst, dass das eine Verschwendung von jungen Menschen ist“, sagt er.
Klingbeil beantwortet jede Frage, hört geduldig zu, wenn die ein oder andere Person seit drei Minuten den selben Sachverhalt immer und immer wieder schildert und vermittelt den Eindruck, den Menschen wirklich auf Augenhöhe zu begegnen.
Klingbeil befürwortet ein AfD-Verbot, aber…
Politikverdrossenheit dürfe nicht zu „Hass und Hetze“ führen, sagt er. Man müsse den Menschen immer wieder klar machen, dass es genau das ist, was die AfD wolle. Bürgerinnen, die sich nicht mehr beteiligten, die sich von der Politik nicht mehr repräsentiert fühlten.
Er sei damals in die SPD eingetreten, um zu verhindern, dass in seiner Heimat, der Lüneburger Heide, ein rechtsextremes Zentrum entstehe. Antifaschismus sei immer Teil seiner politischen DNA gewesen. Keine Partei vertrete das so konsequent wie die SPD. Immer wenn er im Fraktionssaal der SPD im Reichstagsgebäude, dem Otto-Wels-Saal sitze, werde er sich dessen bewusst.
Otto Wels war SPD-Vorsitzender und hielt am 23. Februar 1933 eine Rede gegen das Ermächtigungsgesetz. Es war die letzte freie Rede im Reichstag. Während der Rede trug Wels eine Zyankali-Kapsel bei sich, die allerdings in der Hosentasche blieb.
Grundsätzlich befürworte er ein AfD-Verbot, aber man habe nur eine Möglichkeit. Wenn diese scheitere, habe man die schärfste Waffe verloren. Deshalb müsse es juristisch und politisch wasserdicht sein. Bis dahin führe man jede Form der Auseinandersetzung.
Nicht nur in Regensburg: „…die Partei, die Brücken baut.“
Ein Problem im Stadtbild sehe er nicht, allerdings müsse Migration geregelt werden. Es könne nicht jeder hier her kommen. Trotzdem, sagt Klingbeil, dürfe man nicht in einen unsicheren Herkunftsstaat abschieben und spielt dabei auf Syrien an.
Schwangerschaftsabbrüche würden zu einem Kulturkampfthema. Es sei wichtig, dass Männer sich hinter die Frauen stellten und sie bei ihrem Kampf um körperliche Selbstbestimmung unterstützen. Auch verstehe er mit Blick auf die Wehrdebatte, dass es für die junge Generation nicht einfach sei. Diese müsse sich Fragen stellen und sei mit Problemen konfrontiert, die um ein zigfaches ernster seien, als in seiner Jugend. Trotzdem sei die Bundeswehr mittlerweile ein spannender Arbeitgeber, bei dem man gerade in Sachen künstliche Intelligenz und Digitalisierung gute Chancen habe.
„Wir sind die Partei, die Brücken baut“, sagt Klingbeil und ist sich des doppelten Sinnes seiner Aussage wahrscheinlich nicht bewusst. Schließlich gibt es in Regensburg die Wählervereinigung „Die Brücke“ des ehemaligen Oberbürgermeisters und Ex-SPD-Hoffnungsträgers Joachim Wolbergs. Ob das eine unbeabsichtigte Koalitionsprognose war?
Klingbeil ruft nochmals zur Wahl von Thomas Burger und Silvia Gross auf. Überhaupt sei es die beste Idee, sein Kreuz den Genossen zu geben. Dann endet „Klingbeil im Gespräch“, ohne kommunale Themen wirklich in den Blick genommen zu haben. Man bedankt sich, schenkt dem Berliner Politiker ein Jahntrikot für seinen Nachwuchs und Sebastian Koch, der Wenzenbacher Bürgermeister, verabschiedet den Parteivorsitzenden, mit der ein oder anderen Fußballmetapher zu viel.
Eine „Wildsau auf Speed“
Nun übernimmt die Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner die Moderation. Sie bedankt sich bei Lars Klingbeil. Danach richtet sie ihren Blick kurz auf Markus Söder. Dieser hatte sich beim politischen Aschermittwoch in Passau als „Schmuse-Katze“ bezeichnet. Es bestehe wohl ein klassischer Fall von verschobener Selbst- und Fremdwahrnehmung. Sie nehme den bayerischen Ministerpräsidenten eher als „Wildsau auf Speed“ war.
Anschließend bittet sie den OB-Kandidaten Burger und die Landratskandidatin Gross auf die Bühne. Burger skizziert ein potentielles 100-Tage Programm für Regensburg, Man lebe in einer wundervollen Stadt, aber es gebe auch Herausforderungen, gerade was Mobilität, was Wohnen oder die Wirtschaft betreffe. Silvia Gross berichtet von ihren Visionen für den Landkreis. Ihre Maxime sei immer die Politik vom Menschen her zu denken. „Eine Politik die den Menschen nicht dient, die dient zu nichts.“ sagt sie. Ihr persönliche gehe der „Mensch vor der Partei“.
Für Gross hat die Partei wohl nicht immer recht.
Von Genossen für Genossen
Schließlich endet die Veranstaltung im Spitalsaal. Wagner wünscht allen, dass sie mit „einem Gefühl von innerer Wärme nach Hause gehen. Bleibt solidarisch und demokratisch. Glück auf“ sind ihre Abschiedsworte. Sie beenden eine Veranstaltung, die mitten im Kommunalwahlkampf stattfand, ohne sich mit kommunalen Themen zu beschäftigen, die sich mehr an die Wahlkämpfer richtete, als an potentielle Wählerinnen.
Gefragt wie er die Veranstaltung fand, antwortet ein Mann im Anschluss: „Jetzt habe ich nochmal Motivation für die letzten paar Wochen. Ich bin zufrieden mit unserem Vorsitzenden.“ Überhaupt wird man das Gefühl nicht los, dass nur wenige Menschen da waren, die nicht per du und damit keine SPD-Mitglieder sind. Es war eine Veranstaltung von Genossen für Genossen, mit Lars Klingbeil als Animateur.



Mr. T.
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Otto Wels und seine Zyankalikapsel beschreiben den Einsatz der SPD für soziale Gerechtigkeit, gegen den Faschismus, gegen die Umverteilung von unten nach oben ganz gut – sich im Nichtstun mit politischer Selbstmarginalisierung aus der Verantwortung stehlen.
xy
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Die einen streiten, die anderen „kandieren im Kommunalwahlkampf“. Demnächst also kandierte Früchte und Kandiszucker als SPD-Wahlkampfgaben?
Stefan Aigner
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Ups. Danke.
Roman Serlitzky
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Mr. T: Die linken Parteien waren 1933 nicht nur zahlenmäßig geschwächt, sondern politisch zerstritten, ideologisch verfeindet und strategisch uneinig. Ähnlich wie heute. somit hat das weniger mit “Nichtstun”, sondern eher mit ohnmacht zu tun. damals, wie heute.
Christoph Kittel
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Mr. T.: Bei aller berechtigten Kritik an der SPD – So einen frechen Kommentar über jemanden abzulassen, der den Mut hatte seinem Feind physisch gegenüber zu stehen, von jemanden, der nicht mal den Mut findet, im Internet seinen Klarnamen zu verwenden, ist schon denkwürdig. Das hat der Mann und mit ihm alle, die damals Widerstand geleistet haben nicht verdient.
Ich hoffe, Sie belesen sich noch einmal ordentlich über die damaligen Vorgänge. Und ich hoffe auch, dass sie nach solchen markigen Kommentaren auch gesellschaftlich aktiv sind und sich selbst hinter die von Ihnen angesprochenen tatsächlich wichtigen Themen klemmen.
nixda
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naja, wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.
mit den sozen wirds so kein gutes Ende nehmen.
Mr. T.
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Christoph Kittel, keine Angst, Otto Wels und anderen antifaschistischen Zeitgenossen spreche ich nichts ab. Meine Kritik richtet sich voll und ganz gegen diejenigen, die jetzt schon im Nichtstun erstarrt sind, obwohl Widerstand noch nicht wieder gefährlich ist. Das Bild mit der Zyankalikapsel hat nur zu gut für das aktuelle suizidalähnliche Verhalten der SPD im Moment gepasst.
Wobei es auch damals wohl eine Zeit gegeben hat, in der Widerstand noch nicht sehr viel Mut erfordert hat, die man tatenlos verstreichen lies. Den Fehler sollten wir nicht noch einmal begehen. Leider sieht es gerade so aus, als täten wir dies wieder.
Manfred van Hove
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Der Bürgererwartet im Allgemeinen zuviel von Politik und Politikern. Eingezwängt zwischen faktischer Realität, Geldknappheit, einer in Grüppen und Grüppchen zerfalenen Gesellschaft mit völlig unterschiedichen Wünschen und einem Koalitionspartner, der nur von einer Wahl zur anderen denkt, sind die Gestalungsspieraume außerst klein.
Insbesondere die SPD leidet immer noch an ihren rechten und linken Flügeln, die sehr unterschiedliche Ziele haben. Grundsätzlich gilt: Einer Partei, die die meisten Heilsversprechen verbreitet, glaube man am allerwenigsten. Bei den in diesem Jahr anstehenden Wahlkämpfen sollte man deshalb gut zuhören.
Bei allen Unterschieden soll man nie vergessen, wer der tatsächen Feind im Land ist – es sind die rechten und linken Ränder, also die AfD und die Linkspartei. Sie wollen ein anderes Land und ein anderes System.
Mr. T.
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Das Hufeisen ist immer ein deutliches Signal, ganz weit rechts zu sein.
Radikale Linke fordern eine bessere Gesellschaft und gleiche Rechte für alle Menschen.
Radikale Rechte fordern unterschiedliche Rechte für unterschiedliche Menschen und eine Gesellschaft zum Wohle der Überreichen.
Rechte Wut hat uns den Holocaust gebracht, linke Wut das freie Wochenende.
Roman Serlitzky
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Mr. T: Die radikale Linke hat sowohl die Weimarer Republik als auch die Bundesrepublik bekämpft. Letztere besonders intensiv in 30 Jahren RAF, deren Mörder und Helfershelfers immer noch von der radikalen Linken gedeckt werden und in Form der “Roten Hilfe” dafür sogar unterstützt werden.
Das freie Wochenende verdanken wir der Kirche für den Sonntag und der Gewerkschaft und vor allem auch der SPD für den Samstag. Die radikalen Linken haben damit gar nichts zu tun.
Volker Artmann
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Werter Mr. T
der freie Samstag war das Ergebnis harter, aber demokratischer Tarifverhandlungen, federführend durch die IG Metall und des Deutschen Gewerkschaftsbundes und getragen und unterstützt durch die SPD. Die radikale Linke spielte dabei keine Rolle. Während einige linke Wutbürger nur vom großen Umsturz träumten, handelten Gewerkschafter konkrete Prozentpunkte und Wochenstunden aus. Der freie Samstag entstand nicht aus revolutionärem Pathos, sondern aus pragmatischer Machtbalance zwischen Arbeit und Kapital, also weniger Che Guevara, mehr Geschäftsordnung. Der Samstag wurde frei – nicht durch Parolen, sondern durch Verhandlungen.
Günther Herzig
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Kommentar gelöscht. Bitte nicht persönlich werden.
KW
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Mr. T sprach von rechter und linker Wut, nicht von “radikalen” linken.
Und natürlich kommt schon wieder einer mit der RAF um die Ecke. Schönstes CxU-Sprech.
CxU-Sprech, welches die Klimakleber ja auch dort verortet und – Stand 2026 – die Gefahr für unsere Demokratie immer noch faktisch ausschliesslich von links statt von rechts sieht.
Etliche der RAF-Taten sind schrecklich und unentschuldbar. Punkt.
Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die junge Bundesrebublik und die dort in sämtlichen wichtigen Schalt- und Waltstellen sitzenden, durch Persilscheine “geläuterte” Ex-Nazis, durch massivstes Vorgehen gegen die Studentenproteste der 1960er Jahre, aus diesen erst die RAF haben hervorgehen lassen.
Max Kreitmair
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KW: Radikale suchen immer Sündenböcke. Bei den einen sinds die Juden, bei den anderen Polizisten. Mit demokratischer Kultur sind beide überfordert, das sieht man bis heute
Roman Serlitzky
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@Kw: Die Unterscheidung zwischen rechts und links ist doch müssig. Entweder ist man Demokrat oder undemokratischer Radikaler
Mr. T.
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Ich bewege mich ja schon viel in Kreisen, die man durchaus als “Links” lesen kann, aber die RAF verherrlicht dort niemand im Ansatz. Da gibt es auch niemand, die oder der meint, man könnte schon mal wieder so eine “kleine RAF” brauchen. Eine RAF wie sie damals war würde heute auch nicht mehr als “links” verortet werden. Genauso auch Kommunisten, Marxisten oder irgendwelche komischen Altlinken. In der parlamentarischen Linken hat man diese Trennung ganz gut erkennen können. Viele sind zum BSW und haben dadurch für eine Läuterung der Linken gesorgt, die diesen altlinken Ballast damit endlich los wurden.
Man muss natürlich nicht zwischen Rechts und Links unterscheiden, man kann natürlich zwischen denen unterscheiden, die die Demokratie aufrecht erhalten wollen, und denen, die sie beenden wollen, damit kommt man aber auch wieder auf links/rechts raus. Man kann auch zwischen denen Unterschieden, die von oben nach unten umverteilen wollen, und denen, die das von unten nach oben machen wollen, aber zwischen denen verläuft keine Brandmauer. Die Demokraten und die Demokratiefeinde sind Antagonisten, da gibt es kein weder noch, da muss man eine Seite beziehen. Wer hier nicht klar eine Seite bezieht, will nur auf der anderen Seite stehen, ohne das so zu nennen.
Saskia
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unter dem begriff “linksradikal” werden denkrichtungen oder haltungen zusammengefasst, die doch sehr unterschiedlich sind.
demokratische marxisten und ein großer teil der anarchistischen bewegung bejahen die errungenschaften der liberalen demokratie, möchten aber mehr erkämpfen, ohne diese errungenschaften zu verlieren. die anhänger von lenin, stalin, mao und trotzki, wie auch verschiedene andere extreme strömungen, sehen die erkämpften freiheiten und sicherheiten in der demokratie entweder nicht oder lehnen sie ab. sie möchten mittels eines gewaltsamen umsturzes ein system errichten das hinter die bürgerliche demokratie zurückfällt.
die wesentlich auf marx (weniger auf lasalle) zurückgehende SPD hat sicher einiges schlimmes gemacht, insbesondere in den ersten jahren der weimarer republik. die KPD wurde allerdings damals sehr schnell nach ihrer gründung eine antidemokratische partei nach art der KPdSU, hat die SPD als “sozialfaschistisch” und “hauptfeind” bekämpft und damit einen großen anteil am zusammenbruch der republik gehabt.
in der “DDR” konnte sie umbenannt in SED zeigen, was für ein mist ihre vorstellungen waren.
leider ist bei vielen jungen menschen, die sich als linksradikal bezeichnen, die RAF durchaus wieder populär, genau wie lenin, stalin und mao. viele dieser jungen linken sind inzwischen in die partei “die linke” eingetreten, so daß sich beim letzten bundestreffen der jugendabteilung “solid” eine mehrheit gegen die existenz israels aussprach. mit janine wissler war zuvor schon jahrelang eine leninistin parteivorsitzende.
eine ganze reihe von staaten sind nach wie vor linke diktaturen, das problem wird uns also noch lange beschäftigen.
andererseits sind in vielen teilen der welt, auch in regensburg, linksradikale menschen an erfolgreichen kämpfen für eine freiereund gerechtere gesellschaft beteiligt. von leninisten und terroristen kann ich das nicht behaupten.
sorry für soviel text!
Roman Serlitzky
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Mit Verlaub Mr. T, aber mit derselben Rhetorik weisen Rechtsradikale die NSU, Wehrsportgruppe Hoffmann, etc. von sich. Demokratie braucht beides nicht.
Nesrin
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An alle Freund*innen der Hufeisentheorie: Wenn, dann bitte die Begriffe richtig verwenden. Radikal eingestellt “darf” man durchaus sein, man verlässt hierbei nicht den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FDGO). Extremist*innen hingegen wollen die FDGO abschaffen. Gemäß der Hufeisentheorie gleichen sich die Extremist*innen an den Rändern an, dies zeigt sich durch übereinstimmende Strukturvariablen die sich in extremistischen Gruppierungen ausmachen lassen, z.B. Antiamerikanismus, Führerprinzip, Antisemitismus.
Ob das Ganze die gesellschaftliche Realität hinreichend beschreiben kann möge jede*r selbst entscheiden.
Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt hierzu:
“(…) Nichtdestotrotz werden die beiden Begriffe Radikalismus und Extremismus im öffentlichen Diskurs heute weiterhin vermischt. Das BfV hingegen hat die klare Abgrenzung beibehalten. So heißt es, dass “es sich bei Radikalismus zwar auch um eine überspitzte, zum Extremen neigende Denk- und Handlungsweise [handelt], die gesellschaftliche Probleme und Konflikte bereits ‘von der Wurzel (lat. radix) her’ anpacken will” und dass, “[r]adikale politische Auffassungen in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren legitimen Platz [haben]” (Bundesamt für Verfassungsschutz o.J.). Im Gegensatz dazu werden jene Aktivitäten als “extremistisch” eingestuft, “die darauf abzielen, die Grundwerte der freiheitlichen Demokratie zu beseitigen” (Bundesamt für Verfassungsschutz o.J.). “
Max Kreitmair
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nesrin: bleibt wohl nur die Frage, was die “radikale Linke” den Menschen bisher gebracht hat. Die Sache mit dem freien Wochenende war ja wohl nix.
Mr. T: Liefern Sie Fakten 😅
Mr. T.
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Saskia, es stimmt zwar, dass beim Parteitag der Linken in Chemnitz ein paar der Jugendorganisation Solid sehr unangenehm aufgefallen sind, aber das war alles andere als eine Mehrheit. Deren Anträge in dieser Richtung wurden nicht angenommen oder nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Eine Mehrheit fand nur ein umstrittener Antrag zur Definition von Antisemitismus nach der Jerusalemer Erklärung.
RAF-Sympathisanten, Antisemiten, Kommunisten, Mahnwichtel usw. finden sich nur noch vereinzelt bei einigen Altlinken. Bei den politisch aktiven Linken findet das keine Zustimmung mehr, eher das Gegenteil.
Roman Serlitzky, der große Unterschied ist aber, dass Rechte, ständig faschistische und rechtsextremistische Positionen äußern, von denen sie dann zwar regelmäßig wieder zurückrudern, aber erst einmal in die Welt gesetzt haben. Dog whistling nennt man sowas. Die Hundepfeife wurde wahrgenommen. Bei Linken kann man sowas nicht beobachten, auch wenn es ständig von Rechten oder “Weder Rechts noch Links”-en so hingestellt wird.
Nesrin, guter Versuch, aber manche verstehen Latein nur, wenn es in Fraktur geschrieben steht. Eigentlich kann man Probleme nur radikal – im wahrsten Sinne des Wortes – lösen, wenn man sie an der Wurzel packt. Alles andere ist an Symptomen rumdoktern. Das bedeutet nicht lange nicht, dass eine radikale Lösung eine extreme Lösung ist. Man kann ja mal probieren, ein Melanom nicht radikal zu heilen. Aber dann kommen wir noch zur Neuen Germanischen Medizin und noch weiter weg vom Thema.
Roman Serlitzky
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Mr. T.:”Dog whistling nennt man sowas. Die Hundepfeife wurde wahrgenommen. Bei Linken kann man sowas nicht beobachten”
hm, genau bei Ihnen ist sowas ständig zu beobachten. aber ich denke, der Diskussion ist genüge getan. Ich halte es einfach für äußerst dämlich, wenn man als Linker, die SPD bekämpft, wie Sie es in Ihrem ersten Kommentar getan haben, und dann genau noch in Trump-Rhetorik: Erst mal ordentlich einen raushauen, dann etwas zurückrudern und dann nochmal Gas geben. Das ist doch genau dieser “Hundepfeifen”-Stil, den Sie den “Rechten” vorwerfen.
Steff
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Mr. T Die Nazis benutzen die Metapher “Krebsgeschwür im Volkskörper” als Umschreibung für Juden, etc. Sie benutzen den Begriff “Melanom”. Ist das Ihr Ernst?
Nesrin
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@Max Kreitmaier: mir ging es nur drum, dass hier mit richtigen Begriffen diskutiert wird, die auch vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Polizeibehörden so verwendet werden.
Wie schon gesagt: links- wie rechtsradikale Positionen gehören nach der Extremismustheorie zum Meinungsspektrum innerhalb der FDGO. Das ist nicht meine Meinung, das ist schlicht der Inhalt der Extremismus Theorie und anhand dieser Begrifflichkeiten operiert unter anderem das BfV.
Wenn in einer Debatte mit falschen Begriffen um sich geworfen wird finde ich das nicht zielführend.