Vortrag von Wiesław Wysok

Vom letzten Weg der Regensburger Juden in die Todeslager

Wiesław Wysok, Leiter der Bildungsabteilung der Gedenkstätte Majdanek: Foto: PM

Wiesław Wysok, Leiter der Bildungsabteilung der Gedenkstätte Majdanek: Foto: PM

Vor 74 Jahren begann die Deportation der Regensburger Juden. 109 Menschen wurden am 2. April 1942 von der Gestapo verhaftet und zusammen mit anderen bayerischen Juden in die ostpolnischen Kleinstadt Piaski, in die Nähe von Lublin verschleppt. Die genauen Umstände ihres weiteren Verbleibs und ihrer Ermordung sind bis heute nicht geklärt. Der polnische Historiker Wiesław Wysok berichtete am Montag von den historischen Zusammenhängen und Hintergründen.

Rund fünfzig Gäste waren zum Vortrag Wysoks ins Obermünsterzentrum gekommen. Eingeladen hatte das Evangelische Bildungswerk (EBW) in Kooperation mit der AG Stolpersteine, der Katholischen Erwachsenen Bildung (KEB) Regensburg-Stadt, der GEW, der DGB Jugend und der Jüdischen Gemeinde Regensburg.

Initiiert und vorbereitet haben die Veranstaltung Helga Hanusa und Ernst Grube, die 2011 im Rahmen ihrer Forschungsreise unter anderem Piaski und Izbica besuchten und dabei ein bemerkenswertes Reisetagebuch erstellt haben. Grube suchte damals nach den letzten Lebensspuren seiner jüdischen Verwandten, die zum Teil in Piaski versiegen. Auch Münchner Juden deportierte man im April 1942 dorthin.

Piaski – ein Schtetl wird zum „Transit-Ghetto“

Die polnische Kleinstadt Piaski zählte in den 1920er Jahren etwa 4.000 Menschen, über die Hälfte davon waren Juden. Zu Kriegsbeginn lebte man im Osten Polens überwiegend in ärmlich-ländlichen Verhältnissen. Die dortigen Holzbauten hatten weder fließendes Wasser, noch gab es eine Kanalisation. Die jüdische Bevölkerung war hauptsächlich in Handel und Handwerk tätig, wohnte aber weitgehend abgetrennt im eigenen Viertel, im Schtetl.

regensburg-digital veröffentlichte bereits 2012 zum 70sten Jahrestag der Deportation einen ausführlichen Bericht über Piaski und die historischen Zusammenhänge.

Helga Hanusa und Ernst Grube, 2011 in Izbica; Foto: Paul Huf

Helga Hanusa und Ernst Grube, 2011 in Izbica; Foto: Paul Huf

Die Orte Piaski und Izbica seien nicht nur in Deutschland weitgehend unbekannt. Bezüglich der Transitgettos seien vor Ort „nur sehr wenige Quellen“ überliefert. So leitet Wiesław Wysok seinen Vortrag „Vor dem letzten Weg in die Todeslager… Das Leben und Leiden der jüdischen Menschen aus Regensburg im Transitgetto Piaski und Izbica“ ein. Die wesentlichen Forschungsergebnisse seien auf den 2014 verstorbenen polnischen Forscher Robert Kuwalek zurückzuführen, der die Transitgettos als „Vorzimmer der Vernichtung“ bezeichnete. In Anlehnung an Kuwalek skizziert Wysok die Situation, die die deportierten Juden in den Transitgettos vorfanden.

„Vorzimmer der Vernichtung“

Etwa ein Jahr nach dem Überfall Polens haben die deutschen Zivilbehörden für den Distrikt Lublin angeordnet, jüdische Viertel in mehreren Städten abzugrenzen, um anderswo, etwa aus Stettin, vertriebene Juden aufnehmen und sammeln zu können. So in Piaski, Izbica, Zamość oder Bełżyce. Bereits im Frühjahr 1941 zäunte man das jüdische Viertel in Piaski ein und hielt dort ca. 5000 Juden unter Bewachung gefangen. Dies war der Anfang der sogenannten Transitgettos, in denen Hunger, Willkür und chronische Unterversorgung herrschten.

Anfang Januar 1942 gingen die Nazis im Bezirk Lublin daran, Platz für 14.000 deutsche, tschechische und slowakische Juden zu schaffen. Konkret bedeutete dies, dass viele der seinerzeit in Piaski, Izbica und anderen Städten gefangen gehaltenen Juden ermordet wurden, um die Neuankömmlinge unterbringen zu können. Als im März 1942 die Deportationen von Juden aus dem Reichsgebiet und aus den von Deutschen besetzten Gebieten einsetzten, verschlechterten sich die katastrophalen hygienischen Verhältnisse und die Unterversorgung in den Transitgettos nochmals. Organisatorisch und zeitlich fiel die Verschleppung der Regensburger Juden mit der Ermordung der polnischen zusammen.

Die Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“

Organisiert wurde die Vernichtung der polnischen Juden unter dem Tarnbegriff „Aktion Reinhardt“. Sie sollte in dem vom Deutschen Reich besetzten polnischen Gebiet, dem „Generalgouvernement“, stattfinden. Drei abseits gelegene Orte mit Gleisanschlüssen wählte man für die eigens zu diesem Vorhaben errichteten Vernichtungszentren aus: Bełżec, Sobibor und Treblinka. Im Februar 1942 begann das systematische Morden. Die ersten Opfer waren jüdische Arbeiter, die zuvor die Vernichtungsanlagen aufbauen mussten.

Das Durchgangs-Ghetto in Izbica. Foto: Edward Victor/ deathcamps.org

Das Durchgangs-Ghetto in Izbica. Foto: Edward Victor/ deathcamps.org

Im Rahmen der nur neun Monate dauernden „Aktion Reinhardt“ wurden auch die Regensburger Juden ermordet. Wysok vermutet, dass die meisten von ihnen in Sobibor umgekommen sind. Eine genaue Rekonstruktion dürfte beim derzeitigen Kenntnisstand nicht mehr möglich sein. Namenslisten der Opfer haben die Täter und ihre Helfer nicht geführt. Nur die Anzahl der Getöteten registrierte man für die Statistik.

Die erschreckende Bilanz der „Aktion Reinhardt“: Zwischen 1,7 und zwei Millionen Tote, hauptsächlich Juden, aber auch einige Tausend Roma. Etwa ein Prozent der jüdischen Opfer, ca. 15.000, stammten aus dem damaligen Deutschen Reich und wurden von März bis Juli 1942 in die Transit-Lager nahe Lublin verschleppt.

Wie sich das Gedenken an die Opfer der Transitgettos in den polnischen Orten nach der Zerschlagung des NS-Regimes entwickelte und heute aussieht, zeigte Wysok im zweiten Teil des Vortrags anhand von Fotos und Beispielen aus seiner Arbeit in der Gedenkstätte Majdanek. In einem späteren Workshop für Lehr- und Fachkräfte der Gedenkstättenarbeit werde er hiervon detailliert und ausführlich berichten.

Das kurze Leben im Osten

Mehrfach kam Wiesław Wysok auf die katastrophalen Lebensbedingungen in den Transitgettos zu sprechen. Dabei zitierte er auch den Nürnberger Hugo Kolb, einen der wenigen Überlebenden, von dem folgende Aussage überliefert ist: Es fehle an allem, „nur nicht an Ratten, Mäusen, Flöhen und Wanzen. Keine Abwasseranlage, in den Gassen reicht der Schmutz kniehoch. Vor allem fehlt es an jeglichen Lebensmitteln.“ Wysok schätzt, dass etwa 2.000 Häftlinge der Transitgettos an Erschöpfung, Unterernährung oder Krankheit ums Leben gekommen sind.

Zur Vertiefung der Thematik legte er den Zuhörern den Aufsatz Das kurze Leben „im Osten“ – Jüdische Deutsche im Distrikt Lublin aus polnisch-jüdischer Sicht von Robert Kuwalek ans Herz. Dieser ist im vom Birthe Kundrus und Beate Meyer herausgegebenen Sammelband Die Deportation der Juden aus Deutschland (2004) erschienen. Darin werden ebenso die Rivalitäten zwischen polnisch-orthodoxen und deutschsprachig-säkularen Juden skizziert, die von den NS-Behörden zum Teil geschürt wurden.

Der Vortrag von Wiesław Wysok erweitert den Horizont der Regensburger Gedenkkultur erheblich und stellt einen wertvollen Beitrag zur Erinnerung an das Schicksal (nicht nur) der Regensburger Opfer des NS-Regimes dar.

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Kommentare (28)

  • Regensburgerin

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    Ich konnte es nicht zu Ende lesen. Ich habe angefangen zu weinen. Ich habe mir wiederholt gedacht, wie konnte so was passieren? Wie konnten die Menschen so unmenschlich sein? Das ist unbegreiflich. In Foren habe ich gelesen: Deutschland und Deutsche können nichts dafür! Hitler war schließlich ein Österreicher! Aber wer hat da mitgemacht? Österreicher oder Deutsche, unsere Vorfahren! Es ist alles noch gar nicht langer her. Diese Menschen leben heute noch zum Teil. Genauso wie wenige Überlebende. Auch hier muss ich leider an das aktuelle Thema „Flüchtlinge“ denken: Die Situation jetzt und hier ist für mich auch unbegreiflich. Menschen auf griechischen Inseln festhalten, angezäunt wie damals. Keiner darf raus wie damals. Menschen in die „Balkanlager“ schicken, kurz vor der Abschiebung. Roma und Sinti haben bis heute keine Entschädigung nach dem Genozid während der NS-Zeit erhalten. Aber sie wollen wir gleich nicht haben, „sie sind für nichts nutzbar“ – so ein Beamte aus der Verwaltung.
    Und die Menschen aus Afrika?
    Man demonstriert gegen Menschen und will sie hier in Deutschland nicht haben. „Sie sind schwarz! Sie passen nicht zu uns!“ – habe ich letzte Woche wieder gehört.
    „Wenn man was kritisiert, dann wird man sofort als Nazi beschimpft!“ – klagen die Andere. Aber vielleicht zu Recht?

  • menschenskind

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    Regensburgerin schreibt:

    „In Foren habe ich gelesen: Deutschland und Deutsche können nichts dafür! Hitler war schließlich ein Österreicher!“

    Regensburgerin ist nicht schuld daran, dass Bayern von ihrer eigenen Geschichte in ihrer großen Mehrheit fast nix wissen. Schuld hat die CSU, die uns Bayern nun schon seit drei Generationen einhämmern will, dass Bayern „schön“ ist. Daher heißt die CSU auch jenseits des Mains „die Partei, die das schöne Bayern erfunden hat“. Zu einem „schönen“ Bayern passt naturgemäß auch nicht die Verantwortung für Hitler und den Holocaust. Entsprechend haben staatlich-bayerische Geschichtsbücher diese Verantwortung bis etwa zum Jahr 2000 stets verschwiegen, danach wurden sie endlich etwas ehrlicher.

    http://www.hagalil.com/2009/03/bayern-ns/

    Regensburgerin, glauben Sie den Schund aus den Foren nicht, lesen Sie lieber Geschichtsbücher, die nicht von CSU-hörigen Historikern stammen. Das sind solche Historiker, die kein Bayerisches Verdienstkreuz erhalten und auch sonst durch keine offiziellen Ehrungen bekleckert werden.

    Und nun zu Ihren Infos aus den Foren:

    Ja, Hitler war bis 1925 Österreicher, danach sieben Jahre lang ein staatenloser Stromer, bis er schließlich 1932 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Er war also rückblickend gesehen und korrekt gesprochen Deutschösterreicher, außerdem war er katholisch.

    Der zweite Mann des Dritten Reiches, ein gewisser Hermann Göring, war ein echter Oberbayer, gebürtiger Rosenheimer.

    Der dritte Mann des Dritten reiches, ein gewisser Heinrich Himmler, war ebenfalls ein Oberbayer, ein katholisches Münchner Kindl.

    Einige der fürchterlichsten Generäle der Wehrmacht, bei weitem nicht nur Dietl, Dietrich und Dirlewanger waren gstandene Bayern.

    Ehe ich mich weiter über Bayern uns ihre Verantwortung äußere, Regensburgerin, lesens mal da rein und überlegens ein bisserl, ob des sein kann, dass des allein der Österreicher Hitler war, dem wir alles Üble verdanken.
    http://www.hagalil.com/2012/01/bayer-2/

    Und dann lesen Sie mal wie unser bayerisches Königshaus über „Neger“, Inder, Chinesen, Schwule, Türken, „Zigeuner“ und Behinderte dachte, welch Weltoffenheit unsere Wittelsbacher frönten.

    http://www.hagalil.com/2012/11/rupprecht-von-bayern/

  • menschenskind

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    Regensburgerin ist in Sachen Sinti und Roma gut informiert;
    „Roma und Sinti haben bis heute keine Entschädigung nach dem Genozid während der NS-Zeit erhalten.“

    Vor allem Bayern, CSU-Bayern, hat nach 1945 einen Riesenberg Schuld auf sich geladen, indem es glaubte die Ansprüche der Sinti und Roma aussitzen zu können, keine Entschädigungen (oder nur minimale) zahlen zu müssen und Angehörige der Minderheit weiterhin wie Verbrecher zu behandeln, anstatt sie endlich behutsam zu integrieren.

    Noch heute, vier Generationen nach dem deutschen Genozid an einer halben Million „Zigeuner“, leiden Sintifamilien an den Spätfolgen der Verfolgungen der Jahre 1933 bis 1945 und der verfehlten „Zigeunerpolitik“ der scheinchristlichen und supersozialen Unionsregierung.

    Wer jene Elendsquartiere mancher (längst nicht aller) Sinti in München-Hasenbergl oder Laim oder Perlach heute betritt, wird mit den Auswirkungen konfrontiert, die das Fehlen der alten Familienoberen, zum Teil höchst erfolgreiche Unternehmer (Fuhrunternehmen, Schrottplätzeinhaber, Schausteller, Handelsreisende etc.) und höchst positive Beispiele für gelungene Integration, mit sich brachte. Sinti, deren Familien einst richtiggehend reich waren, die Grund und Boden bzw. Betriebskapital besaßen, sie wurden von den Nazis enteignet und von den CSU-Bürokraten nach 1945 mit einem Butterbrot abgespeist.
    Warum?
    Weil deren Grundbesitz sich nun in Händen von CSU-Spezis befand, und deren Parteiwastlfreunde dafür sorgten, dass sie nichts mehr herauszurücken brauchten.

    Ich kann allen, die mir nicht glauben wollen, nur raten, sich an Herrn Schneeberger vom Landesverband der Sinti und Roma in Nürnberg zu wenden und ihn zu befragen. Er nimmt sich gerne die Zeit Eure Fragen zu beantworten. Und er verfügt über ein sehr gutes Gedächtnis.
    Wer sich vorab informieren will, kann dies hier:
    http://www.sintiromabayern.de/chronik.pdf

  • Ulf

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    @menschenskind

    Das ist die Geisteshaltung der CSU:

    Goppel hatte am Mittwochmorgen im Wissenschaftsausschuss des Landtags gesagt:
    „Es soll nicht die ganze deutsche Geschichte davon abhängen, dass wir zwölf Jahre üblen Unfug gemacht haben.“
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/landtag-gruene-empoeren-sich-ueber-goppel-1.2879413

    Völkermord, Millionen Tote, Europa und darüberhinaus verwüstet – „Übler Unfug“

  • menschenskind

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    Ein Kommentar zu obigem Artikel:

    Nicht alle Juden im Osten starben in den Gaskammern, viele wurden von unsan Soidodn daschossn.

    Unsere deutschen (bayerischen) Opas, die noch am Krieg teilgenommen hatten, erzählten uns nur wenig über das Schlachten von Menschen.
    Denn Deutsche ermordeten nicht nur Männer im wehrpflichtigen Alter, im Nazijargon „jüdische Partisanen“ genannt, sie schossen genau so auch auf alte Leute, auf Frauen und auf Kinder. Von den 6 Millionen Juden, die wir Deutsche auf dem Gewissen haben, waren über eine Million Kinder!

    Aber jetzt mal ehrlich und zur Sache, wie empfanden deutsche Wehrmachtsangehörige damals in Polen, in Weißrussland und in Russland – Juden gegenüber? Juden, denen sie auf ihrem Eroberungszug gen Osten zufällig, oder weil sie auf Streife geschickt worden waren, begegneten? Welches Judenbild hegten unsere Opas und Uropas? Mit welchen Vorstellungen begegneten sie dem „bolschewistisch-jüdischen Menschheitsfeind“?

    Nun, uns liegen unbestechliche Dokumente aus der Hand deutscher (bayerischer) Soldaten vor, die man sich ruhig mal anschauen sollte. Es handelt sich um Zeichnungen und Karikaturen, die Landser von Russen, Balten, Juden und anderen zu „Untermenschen“ erklärten Individuen machten:

    http://www.hagalil.com/2009/06/wehrmacht/

  • Roland Hornung

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    @ menschenskind

    Ja, so schlimm war es.

    Es wurden allein (unter den mehr als 6 Millionen ermordeter Juden) rund 1,5 Millionen Kinder ermordet. In Yadvaschem in Jerusalem, in der Gedenkstelle an die Schoa, werden im „House of children“ diese Kinder mit Namen (abwechelnd in hebräisch, jiddisch, englisch) vorgelesen.

    In den Kz’s wurden Millionen Juden ermordet. Aber, wie schon gesagt, auch Millionen alleine in der Ukraine, in Weißrussland usw., durch Erschießungskommandos.

  • hutzelwutzel

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    @menschenskind:

    Vielen, herzlichen Dank! Die Dinge vergisst man immer wieder. Oder wird man in Bayern dazu verdammt diese Dinge zu vergessen?

    Passt gleich noch mehr zusammen. Duldung allerorten, Hochloben des bayerischen Adels und der Kath. Kirche. Verschweigen der Mißbrauchsfälle. Konnten Mißbrauchstäter (auch TäterInnen, siehe Klosterschwestern) vielleicht deshalb so lange weitermachen, weil die um diese Sache aus der Nazi-Zeit wußten und dieses Wissen nutzten?

    Oh je, ich glaube mir wird jetzt so richtig übel.

  • hutzelwutzel

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    @menschenskind:

    Und wer so was sagt/ scghreibt oder ins Gedächtnis zurückbringt, der wird als „Linka“ tituliert, vom Verfassungsschutz überwacht und reglementiert. Weil so was geht ja gar nicht „den Bayern“, deren Vasallen und Zuarbeitern so was Schlimmes – auch wenns wahr ist – immer wieder vorhalten zu wollen.
    Immer dran denken: Scharnagel, Wolfgang „Bayern kann es auch alleine“ – (CSU)-Geldadel, Geburtsadel und die Kirche(n). Da macht man scheinbar „Regime“ draus.

  • bayernsbestfriend

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    Man sollte vielleicht noch einige weitere Hintergründe für den so weit verbreiteten, und so alten, Judenhass in Deutschland anführen; zudem wäre es angemessen und nur billig darauf hinzuweisen, dass auch das evangelische Deutschland einen Gutteil Verantwortung trägt, dass der Antijudaismus durchaus nicht nur katholische Wurzeln aufweist.
    Marin Luther:
    http://www.hagalil.com/2010/03/luther-graetz/
    http://www.hagalil.com/2009/12/luther/
    Goethe:
    http://www.hagalil.com/2014/03/goethe/

  • menschenskind

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    Danke hutzelwutzel, danke Roland Hornung (schöne Webseite, die Ihre!) für die zustimmenden/beipflichtenden Worte.

    Schade, dass sich nicht noch mehr Leser mit Kommentaren gemeldet haben.

    @bayernsbestfriend
    Danke für die Ergänzung; tatsächlich hatte ich die Evangelen bisher vernachlässigt, aber Bayern ist ja auch vornehmlich ein katholisches Pflaster und somit war es mir wichtig zunächst die Mehrheit direkt anzusprechen. Auch ich war übrigens lange Jahre über ein Angehöriger der „Alleinseligmachenden“, einer von denen, die aus Trägheit viel zu spät den Ausstieg anvisierten.

  • Roland Hornung

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    @ menschenskind

    Danke für Ihr großes Lob! Ich beschäftige mich mit Israel und dem Judentum schon sehr viele Jahre lang. Ich lebte auch mal ein gutes halbes Jahr in Jerusalem. Neben der website (die Ihnen so gut gefällt) habe ich auch noch: rolandhornung.blogsport.de

  • menschenskind

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    @Roland Hornung

    Gibt es einen besonderen Grund, warum sie auf Ihrer Linkseite nicht auch haGalil (eine der größten jüdischen, deutschsprachigen Internetplattformen) auflisten? Die Macherin der Seite ist eine waschechte Bayerin, aus München.

  • Roland Hornung

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    @menschenskind

    Danke für den Hinweise. Kein Grund, einfach nur vergessen!

  • menschenskind

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    Zum besseren Verständnis der Judengeschichte Regensburgs drei nützliche Links:

    http://www.hagalil.com/2010/12/regensburg-2/
    http://www.alemannia-judaica.de/regensburg_synagoge.htm
    https://de.wikipedia.org/wiki/Judentum_in_Regensburg

    Notiz:
    Freuen dürfen wir uns auf die wissenschaftliche Aufarbeitung eines vor einigen Jahren getätigten archäologischen Fundes, der hoffentlich eine Menge ungelöster Fragen beantworten wird. Hier ein Pressebericht von vor zwei Jahren:
    http://www.mittelbayerische.de/bayern/ein-fund-der-forscher-ueberraschte-21704-art1096304.html

  • hutzelwutzel

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    @menschenskind:
    Ich habe zu danken. Alle diese Dinge wußte ich so gar noch nicht! Dabei glaubte ich einigermaßen umfassende bayerische Geschichtsbildung genossen zu haben.
    ______________
    Man scheint Sie aber gehört zu haben – liest hier etwas die Bay. Staatskanzlei mit? ;-) Wie ich die letzten Tage gehört oder gesehen hatte, wurde in der Gedenkstätte Flossenbürg (Denke ich wenigstens, dass es dort war, also am Ende der Welt.) ein Denkmal zur Erinnerung an die ermordeten Sinti und Roma aufgestellt wurde.

    Ist mir schon einmal so gegangen, dass hier was in dieser Richtung kritisiert wurde, und plötzlich – aus heiterem Himmel – bewegte sich die Bay. Staatsregierung!
    Da brauchen wir solche Denkmäler und vor allem auch Entschädigungen – die immer noch nicht im Gespräch sind – aber auch in der Gedenkstätte Dachau usf.

  • Mr. T

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    Hutzelwutzel, das grenzt ja fast an eine Verschwörungsfantasie ;-)
    Auf Regensburg-Digital macht jemand auf die gar nicht so geringe Schuld der Bayern im Speziellen aufmerksam und wenige Wochen später wird schon ein Denkmal aufgestellt. Aber die Gedenkkultur ist schon seit einigen Jahrem vorbildlich in Flossenbürg. Ereignisse, die in einem zeitlichen Zusammenhang passieren, müssen nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang haben.

  • Roland Hornung

    |

    Danke an Hutzelwutzel, und ganz besonders Danke an menschenskind!

    Ab kommenden Freitag abend ist das Pessachfest. Also rufe ich euch zu: Chag sameach,
    Pesach kascher!

  • Roland Hornung

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    Befreiung

    Die Monate April und Mai 1945 waren Monate der Befreiung.
    Viele Menschen wurden befreit und gerettet. Mein Opa wurde zum Beispiel durch die US-Army gerettet. Danke Amerika, thank you, USA!

    Viele konnten nicht mehr befreit werden, nicht mehr gerettet werden. Wir gedenken ihrer.
    Wenn wir heute sagen „Nie mehr wieder, never again“, ist das wichtig, richtig und gut.
    Aber: Es genügt nicht!!! Es genügt nicht, sich nur in Trauer zu erinnern. Worte sind zu wenig. Taten zählen!
    Vielmehr müssen wir in Zuversicht, Mut und Entschlossenheit nach vorne schauen und uns aktiv gegen Antisemitismus einsetzen. Und für Menschlichkeit, Demokratie und Freiheit. Und für Israel! Für Israel, den einzigen jüdischen Staat. Den Zufluchtsort für Juden.

    Am Israel chai!

  • menschenskind

    |

    @hutzelwutzel
    Die Veranstaltung in Flossenbürg wurde tatsächlich schon lange vorher geplant und die zum Teil prominenten Gäste Monate vorher eingeladen. Immerhin kam Romani Rose vom Zentralrat, Erich Schneeberger vom Landesverband (Nürnberg) sowie irgend so ein CSU-Wastl (Spaenle) und diese Promis haben gewöhnlich derart volle Terminkalender, dass man früh einladen muss, um Zusagen zu erhalten.
    Wichtig ist, dass sich die Sinti und Roma sehr über das Ereignis gefreut haben, weil sie sich erst jetzt gleichberechtigt in der Gedenkstätte wahrgenommen fühlen können.
    Übrigens für die musikalische Untermalung sorgte ein polnisches Orchester, man sollte es ruhig auch an dieser Stelle sagen, auch die Polen verloren eine Menge ihrer Landsleute in jenem Wahnsinn, der sich einst KZ Flossenbürg nannte (heute: Gedenkstätte KZ Flossenbürg). An das Leid der Polen erinnern schon lange Tafeln und Reliefs mit Namen. Immer wieder trifft man auf dem Gelände Angehörige und Kindeskinder der Ermordeten aus unserem Nachbarland, die Blumen niederlegen und Minuten im Gedenken verharren.

    @ Mr. T meinte: „Aber die Gedenkkultur ist schon seit einigen Jahrem vorbildlich in Flossenbürg.“

    Da schwingt eine ganze Menge allzu blinder Regionalstolz mit in dieser etwas pauschalen Aussage. Will Ihnen, Mr. T., ja nicht zu nahe treten, aber, dass erst jetzt an die Sinti und Roma angemessen erinnert wird, halte ich ehrlich gesagt, für wenig vorbildlich. Warum hat es derart lange gedauert (70 Jahre)? Warum hat sich nicht irgendein Prominenter (egal ob aus der Politik, Wissenschaft, Kultur, Medien) für so ein Denkmal früher schon stark gemacht? Warum haben wir Bürger nicht laut gegen dieses Vergessen angemahnt (ja, auch ich persönlich habe es versäumt)?

    Weil man es gewohnt ist, dass man die Minderheit übersieht, weil diese kaum Fürsprecher von Rang hat, weil unser Umgang mit ihr zu Schande gereicht…

    Tatsächlich hat sich unter dem derzeitigen Leiter der Gedenkstätte, Skribeleit, einiges zum Besseren gewendet, jedoch, nein, vorbildlich wäre etwas Anderes gewesen. Es fehlt zum Beispiel immer noch ein lückenloses Verzeichnis, in Stein oder Bronze, sämtlicher Täter von Flossenbürg. Nicht nur die Namen der Hauptverantwortlichen, alle Namen der Schinder und Lumpen gehören genannt und verewigt – der Nachwelt zum mahnenden Gedenken.
    Übrigens waren zahlreiche der Täter gar keine „Nazis“, sondern parteifreie, ganz normale katholische oder evangelische Deutsche, Leute wie Hinz und Kunz, Meier oder Huber, Lehner oder Loibl.

  • Mr. T

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    Menschenskind, blinder Regionalstolz ist es sicher nicht, sonst würde ich auch die Regensburger Gedenkkultur auch gutheissen müssen, was ich definitiv nicht tue. Ich behaupte auch nicht, dass die Gedenkkultur seit 70 Jahren gut ist. Seit Skribeleit hat sich sehr viel zum Guten gewendet, was nicht heissen muss, dass alles perfekt ist. Aber die Gedenkkultur dort ist zumindest überdurchschnittlich gut. Natürlich ist Luft nach oben, aber das muss auch erst Stück für Stück aufgearbeitet werden und kann nicht alles auf einmal passieren. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

  • hutzelwutzel

    |

    @menschenskind:

    Danke für die Information mit der längeren Planung! War irgendwie auch klar.
    Meine volle Zustimmung zu diesem neuen Gedenkstättenleiter, aber mußte nun wirklich ein Café in diese Gedenkstätte?

    „Es fehlt zum Beispiel immer noch ein lückenloses Verzeichnis, in Stein oder Bronze, sämtlicher Täter von Flossenbürg. Nicht nur die Namen der Hauptverantwortlichen, alle Namen der Schinder und Lumpen gehören genannt und verewigt – der Nachwelt zum mahnenden Gedenken.
    Übrigens waren zahlreiche der Täter gar keine „Nazis“, sondern parteifreie, ganz normale katholische oder evangelische Deutsche, Leute wie Hinz und Kunz, Meier oder Huber, Lehner oder Loibl.“
    ________________
    Sehe ich auch so, wie auch die Tatsache, dass man erst jetzt daran dachte. Noch im 1994 wollte man die Fläche – Räumlichkeiten so ich gehört habe für eine Metallproduktion genutzt – einebnen und das Ganze verschwinden lassen. Ganz glücklich ist auch nicht, dort weiterhin Granit abbauen zu lassen.
    Zu den nicht vollständigen Listen der Nazi-Verbrecher(innen) hatte ich schon mal gehört, dass man die Persönlichkeitsrechte wahren will. Sollten da wirklich noch welche leben – denke eher da geht es um Grundstücke und Immobilien die restituiert, sowie um Gelder die aus der Zwangsarbeit zumindest über einen Entschädigungsfonds einbezahlt werden müßten (Manche Firmen die Zwangsarbeiter(innen) beschäftigt hatten existieren noch mit selbiger Bezeichnung. – wäre hier mal zu klären.

  • menschenskind

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    „aber mußte nun wirklich ein Café in diese Gedenkstätte?“

    Ein berechtigter Einwand, der zu Denken gibt.
    Einerseits…, andererseits…

    Schauen wir nach Nürnberg, ins Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, da gibt es eine Cafeteria, an anderen Gedenkstätten gibt es lediglich Verkaufszonen für Literatur und Ton- bzw. Bildträger.

    Denken wir an jene Besucher, die schon etwas betagter, oder gesundheitlich nicht mehr fit sind, für die stellt eine derartige profane Einrichtung eine gewisse Erleichterung dar, außerdem kann ein Cafe als Hintergrund für nützliche Kommunikation zwischen Besuchern dienen.
    Gleichzeitig verbietet natürlich die Einrichtung an sich, mit ihrem Gedenkcharakter im Vordergrund, eine Nutzung zu anderen Zwecken.

    Letztendlich wird man wohl froh sein müssen über einen jeden Besucher, der bisweilen auch einen weiten Weg hinter sich hat. Solchen Besuchern sollte man doch mit etwas Komfort entgegenkommen dürfen. Lautes Gelächter, Partystimmung oder unpassendes Benehmen habe ich, z.B. in der Einrichtung in Nürnberg, nie erlebt.
    Ich bin daher geneigt keine Einwände gegen dezente und bescheiden wirkende Cafes in Gedenkstätten anzumelden.

    „Noch im 1994 wollte man die Fläche – Räumlichkeiten so ich gehört habe für eine Metallproduktion genutzt – einebnen und das Ganze verschwinden lassen.“

    Ja, für ein rasches und liebloses Schwamm-drüber bei Dingen, die uns nicht zu Ruhm gereichen, sind wir Bayern wohl bekannt. Auch beim ehemaligen KZ-Dachau haben wir uns Dinge geleistet, die die Schande, die das Dritte Reich uns eintrug, noch beträchtlich vergrößern:

    KZ-Gedenkstätte Dachau: Von der Unfähigkeit angemessen zu gedenken
    http://www.hagalil.com/2009/05/gedenkstaette-dachau/

    Kleine Chronik des ehemaligen KZ Dachau seit 1945
    http://www.hagalil.com/2009/05/kz-dachau/

    „Ganz glücklich ist auch nicht, dort weiterhin Granit abbauen zu lassen.“
    Wenn’s ums Geld geht, kennen wir keine Pietät, denn Granit ist Geld.

    „Zu den nicht vollständigen Listen der Nazi-Verbrecher(innen) hatte ich schon mal gehört, dass man die Persönlichkeitsrechte wahren will.“
    Viele der Täter waren aus dem Ort (Flossenbürg) oder aus dessen naher Umgebung. Die Nachkommen leben noch vorort und wohl die meisten tragen auch noch die Namen ihrer schuldig gewordenen Vorfahren. Diese Leute haben natürlich Angst um ihre Familienehre, man könnte doch ins Gerede geraten („wor des ned enkana Uropa?“), nur keine Bloßstellung!
    Dennoch erfordert es die Gerechtigkeit gegenüber unsern Opfern, dass wir gnadenlos sämtliche Täternamen aufführen, noch dazu für jeden und alle jederzeit einsehbar (und nicht nur in lediglich Spezialisten zugänglichen Archiven).

    „(Manche Firmen die Zwangsarbeiter(innen) beschäftigt hatten existieren noch mit selbiger Bezeichnung.“
    Und manche Firmen mit belasteten Namen, nannten sich, berechnenderweise, vorübergehend um, und haben erst in späterer Zeit wieder ihren alten Namen angenommen, wie das Beispiel jener Firma belegt, die viel baut, sehr viel baut, aber einst dem Bruder des millionenschweren Gründers, Eigentümers und Herausgebers des antisemitischen und pornographischen Hetzblattes ‚Der Stürmer‘, gehörte und heute wieder den alten Familiennamen trägt.

    Danke, hutzelwutzel, für die wertvollen Anregungen.

  • hutzelwutzel

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    @menschenskind:

    Ich habe für die Anregungen und Hinweise zu danken! Dachte ich es mir doch, dass der Name dieses Bauunternehmens mit Logo gleich einem Warnschild? sehr irritierend erinnernd ist.
    OK. aber die Gastronomie hätte man – dieses Kaff ist ja nicht so groß – auch außerhalb der Gedenkstätte plazieren können. Meine persönliche Meinung!

    Zu den Täternamen: Ob nun gleich – eigentlich schon viel früher – oder später. Irgendwann werden sich die Nachkommen damit auseinander setzen müssen. Je früher, desto besser. Man kennt doch die ländlichen Regionen. Da wird so was immer tradiert und eben bis zur Offenlegung „unter der Hand“ gegen Leute genutzt. Besser gleich, damit sich – auch dies soll es schon gegeben haben – fehlerhaft eingeschlichene Namen, Handelnde bzw. deren Nachkommen erklären und vielleicht sogar wehren können. Kenne per Zufall einen Fall, da wurde vom Namen einer solchen Person einfach nur der bekannte Hausname auf einen ähnlich klingenden Familiennamen im Ort gemünzt. Weil es „gut“ passte, und weil damit eine sehr große Verwandtschaft plötzlich reingewaschen war. Für die zu Unrecht Belasteten – natürlich bisher „unter der Hand“ – war es die Hölle.

  • menschenskind

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    Auch hier soll der Hinweis auf die Vertuschungsgeschichte von Flossenbürg nicht fehlen:

    http://www.hagalil.com/2016/05/flossenbuerg/

    Flossenbürg – Das KZ, das vergessen werden sollte
    Vor 71 Jahren wurde das KZ Flossenbürg befreit. Über einen Ort, der immer noch mit seiner Vergangenheit kämpft…

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