Ausstellung im Gewerkschaftshaus

Freundliche Grüße und Shalom! – DGB und Histadrut

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Am Dienstag wurde im Regensburger Gewerkschaftshaus die Ausstellung „Freundliche Grüße und Shalom!“ eröffnet, die sich dem langjährigen Austausch zwischen dem DGB Bezirk Bayern und der israelischen Gewerkschaft Histadrut widmet. Zur Ausstellungseröffnung konnte der DGB neben Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer auch die Generalkonsulin des Staates Israel in München, Sandra Simovich, begrüßen.

Die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich. Bild: om

Die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich. Bild: om

Gewerkschaftlicher Austausch vor diplomatischen Beziehungen

Seit 1978 besteht offiziell die Partnerschaft zwischen dem israelischen Gewerkschaftsbund Histadrut in der Region Negev/Be’er Scheva und und dem DGB Bezirk Bayern und wird bis heute mit wechselseitigen Delegationsreisen regelmäßig gepflegt. Austausch zwischen deutschen und israelischen Gewerkschaften gab es allerdings weit vorher. Bereits in den 1950er Jahren, also noch vor der Aufnahme diplomatischer Beziehungen beider Länder, standen Gewerkschafter in länderübergreifendem Kontakt.

Die Histadrut selbst gibt es bereits deutlich länger als den Staat Israel. Schon 1920 wurde der Gewerkschaftsbund von David Ben-Gurion als eine Art zivile Aufbauorganisation mit zionistischer und sozialistischer Ausrichtung gegründet, um Menschen in Palästina in vielen sozialen Belangen, nicht nur im Bereich der Lohnarbeit, zu unterstützen. Sie schuf beispielsweise eine Krankenkasse und errichtete Kindertagesstätten und Seniorenheime.

Eine Ausstellung des Archivs der Münchener Arbeiterbewegung blickt in diesem Jahr auf die Entwicklung der Histadrut und des DGB zurück, würdigt die lange Zusammenarbeit der beiden Gewerkschaftsbünde und erinnert mit Bild- und Textmaterial von Beteiligten an die gegenseitigen Besuche. Thematisch widmen sich die durchgeführten Delegationsreisen den Arbeits- und Lebensbedingungen im jeweils anderen Land, Besichtigungen von Betrieben und sozialen Einrichtungen und sowohl in Deutschland als auch in Israel der Erinnerung an die Shoah und dem Umgang mit Antisemitismus.

Rudner: Gewerkschaften haben als erste zivilgesellschaftliche Beziehungen aufgebaut

Die Bedeutung gewerkschaftlicher Zusammenarbeit betonte bei der der Ausstellungseröffnung auch Hauptredner Thomas Rudner von Tandem (Koordinierungszentrum Deutsch-tschechischer Jugendaustausch), der als früherer Gewerkschaftsfunktionär viele Delegationsreisen des DGB und der DGB-Jugend nach Israel begleitete und Gegenbesuch empfing. Rudner verwies darauf, dass die Gewerkschaften basierend auf dem Wert der internationalen Solidarität „die ersten waren, die zivilgesellschaftliche Beziehungen zu Israel eröffnet haben“. 

Auch heute sei es wichtig steten „Kontakt zu den Nachkommen jüdischer Opfer des Nationalsozialismus“ zu halten und so seien die Delegationsfahrten auch als eine „permanente Beschäftigung mit der Geschichte“ angelegt. In Israel sei das Leben „geprägt durch die Shoah“. Neben dem historischen Blick gelte es jedoch auch den Blick auf aktuell wieder zunehmenden Antisemitismus zu richten. Rudner verwies in dem Zusammenhang auf den Einzug „der reaktionären AfD“ in den Bundestag, die „mit ihren Vorfeldorganisationen“ beispielsweise erst kürzlich und letztlich wirkungslos versucht habe den Antifa-Kongress in München zu stören.

Thomas Rudner betonte gewerkschaftlichen Einsatz gegen Antisemitismus. Bild: om

Thomas Rudner betonte gewerkschaftlichen Einsatz gegen Antisemitismus. Bild: om

Rudner: Einsatz gegen Antismeitismus – auch in den Reihen der Gewerkschaft

Auch die jeweilige politische Situation in Israel sei bei den Austauschfahrten stets ein großes Thema. Besondere Aufmerksamkeit gelte den „vielen Schichten und Ebenen der politischen Auseinandersetzung“ in Israel, die für deutsche Gewerkschafter oft überraschend seien oder die sie nur als „abstrakte politische Fragen“ kennen.

Die Tatsache beispielsweise, dass Israel im Nahen Osten „die einzige Demokratie weit und breit“ und von „bis an die Zähne bewaffneten Feinden“ umgeben sei, sei für die israelischen Kollegen eine Lebensrealität. „Es kommt darauf an Empathie zu entwicklen“, so Rudner. Für ihn müsse Regierungspolitik „kritisierbar sein, aber in voller Solidarität gegen Antisemitismus und Antizionismus“. Manchmal sei dieser Einsatz für diese Solidarität auch innerhalb der Gewerkschaftsjugend und der Gewerkschaft nötig.

Simovich betont Beitrag der Gewerkschaften zu deutsch-israelischen Beziehungen

Als weitere Gäste des Abends konnte DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Dietl unter anderem Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger, sowie, womit Dietl nach eigener Aussage „nie gerechnet hätte“, die Generalkonsulin des Staates Israel in München, Sandra Simovich, begrüßen.

Maltz-Schwarzfischer nutzte ihr Grußwort, um Stellung gegen Nationalisten, die immer „Wir zuerst!“ denken und das Schließen von Grenzen und den Bau von Mauern als Problemlösungen betrachten, zu beziehen. „Hass und Hetze haben in der  Menschheitsgeschichte noch nie ein Problem gelöst“, so die Regensburger Bürgermeisterin. Gerade deshalb seien Studienreisen und Jugendaustausch so wichtig. 

Generalkonsulin Simovich wiederum betonte in ihrem Grußwort den „gewerkschaftlich etablierten und wichtigen Austausch“, der eine „große Hilfe für die deutsch-israelischen Beziehungen“ sei und erinnerte an das 70jährige Gründungsjubiläum des Staates Israel im kommenden Jahr, das thematische Anknüpfungspunkte für weitere gemeinsame Veranstaltungen bieten könne.

Die Ausstellung kann nach Voranmeldung über oberpfalz@dgb.de bis Ende Januar kostenlos besucht werden.

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Kommentare (3)

  • eingeborener

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    Ein unkritischer Artikel zu einer unkritischen Veranstaltung mit tendenziell Propaganda-Charakter , vor allem wenn man weiss, dass die Wirtschaft in Israel von ein paar Oligarchen beherrscht wird und es den Arbeitnehmern dort vielerlei Hinsicht schlecht geht.

  • Schwalbe

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    Ob Frau Maltz-Schwarzfischer ihre Aussagen zu “ Nationalisten“, „Grenzen“, „Mauern“ und „Hass“ auch auf den Umgang zwischen Israel und Palästina bezogen sehen will?

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