Regensburger Historiker-Streit

30 Jahre Bürger-Legende

Fast dreißig Jahre hat sie standgehalten, die selbstinszenierte Heldengeschichte von Robert Bürger als dem Retter Regensburgs 1945. Seit Peter Eiser und Günter Schießl sie im April 2012 in „Kriegsende in Regensburg“ einer Revision unterzogen haben, gelten Bürgers Erzählungen als grundsätzlich erschüttert und ihr Urheber als findiger Quellenmanipulator. Im Gegenzug jedoch bildete sich eine auf den ersten Blick überraschende Allianz aus Freunden und Verteidigern Bürgers und seiner Legende. Das Stadtarchiv hingegen beabsichtigt eine historische Studie zum Kriegsende. Ein Zwischenbericht über den Stand einer Debatte, die im vergangenheitspolitischen Treibsand Regensburgs zu verschwinden droht.
Propagierte entgegen der Befehlslage die kampflose Übergabe der Stadt: Othmar Matzke (re.). Bis zu seinem Tod erfuhr er dafür von der Stadt keine Würdigung. Foto: Günter Schießl, Veranstaltung vom April 1995 im ehemaligen Kreisleiterbunker Regensburgs

Propagierte entgegen der Befehlslage die kampflose Übergabe der Stadt: Othmar Matzke (re.). Bis zu seinem Tod erfuhr er dafür von der Stadt keine Würdigung. Foto: Günter Schießl, Veranstaltung vom April 1995 im ehemaligen Kreisleiterbunker Regensburgs

Anfang 1984 war der ehemalige Wehrmachtsmajor Robert Bürger am Ziel seiner jahrzehntelangen Bemühungen angelangt. Stolz konnte er seinen tendenziösen Bericht „Regensburg in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945“ öffentlich präsentieren und im Verlag des Historischen Vereins als Druck platzieren (VHVO 1983). Damals eine mittlere Sensation, die auf keine Widerrede stieß. Nicht zuletzt deshalb, weil Werner Chrobak als Historiker des Bischöflichen Zentralarchivs mehr als ein wohlgefälliges Vorwort zum Aufsatz besteuerte. Dies ist aus heutiger Sicht insofern skurril, da Bürgers Legende ähnlich durchsichtig und eigennützig gestrickt war, wie die des Nazibürgermeisters und SS-Generals Otto Schottenheim, der seinerseits die Stadt unter Lebensgefahr gerettet haben will. Als Bürger die Bühne für die jüngere Vergangenheitspolitik betrat, drängte er Schottenheim in den Hintergrund.

Märtyrer und Gebetsannahme bei Robert Bürger

Bürgers Erzählungen zufolge habe er in den frühen Morgenstunden des 27. Aprils 1945 nach einem nächtlichen Gedankenblitz ein etwa 1.400 Mann starkes Regiment unter dem Kampfkommandanten Hans Hüsson aus dem fast vollständig von amerikanischen Truppen eingekesselten Regensburg geführt. Im allerletzten Moment, auf einem allein ihm bekannten Schleichweg. Und dies kurz vor der angeblich bereits geplanten Zerstörung Regensburgs durch die US-Truppen. Der von ihm geführte Abzug der „Regensburger Kampftruppe“ sei ein unentbehrlicher und zentraler Baustein der Rettung Regensburgs gewesen. Sein angeblicher Gegenspieler Major Othmar Matzke hingegen, der taktische Führungsoffizier des Kampfkommandanten, habe damals den Abzug fälschlicherweise für aussichtslos gehalten und sich später unehrenhaft von der Truppe entfernt. Bürger zeichnet sich als selbstlosen Agenten einer höheren Macht und sieht in der Verschonung der Stadt einen Beweis, „dass Gott die Opfer der Märtyrer der Friedensdemonstration vom 23.4.1945 und die Gebete der Regensburger“ angenommen habe.

Bürgers Darstellung fand Eingang in die städtische Gedenkpolitik, in die Traditionspflege der Bundeswehr und Reservisten, in die Gedenktage des Bistums, in Veranstaltungen an Schulen, und in die Lokal- und Militärgeschichtsschreibung. Den Anfang dieser fatalen und unkritischen Rezeption übernahm Werner Chrobak (VHVO 1985), der somit als Geburtshelfer und in der Folge als treuer Multiplikator der Bürger-Legende bezeichnet werden kann.

Revision der Legende

In dem im April 2012 erschienenen Buch „Kriegsende in Regensburg. Die Revision einer Legende“ (Pustet Verlag) haben die beiden Autoren Peter Eiser und Günter Schießl endlich mit Bürgers Legende aufgeräumt. Nach langjähriger Forschung und Recherche belegen Eiser und Schießl in akribischer Detailarbeit: Bürgers Schilderungen halten einer genauen Überprüfung in kaum einem Punkt stand. Mehr noch: Die Autoren gehen davon aus, dass Bürger Quellen aus Eigennutz manipulierte und seinem letzten Einsatzbefehl für die Ostfront im April 1945 nicht nachkam. Ein weiteres Anliegen von Eiser und Schießl bestand in der knappen Würdigung des Verhaltens von Major Othmar Matzke, dem der Verdienst der Kapitulationserklärung vom 27. April 1945 zukomme.

Kriegsende in RegensburgBürgers wichtigste Quelle, die er als sogenanntes Kriegstagebuch vorlegte, halten Eiser und Schießl für nachträglich fingiert. Viele Details seien selbstgefällig und in Hinblick auf spätere Pensionsansprüche konstruiert. Bezeichnend: Bürger konnte dieses Tagebuch nur als Kopie einer angeblich von ihm gefertigten Abschrift vorlegen, die zudem willkürlich geschwärzte Stellen und handschriftliche Nachträge aufweist. Bürger beruft sich im eigentlichen Kern seiner Darstellung auf sich selbst. Quellenkritisch betrachtet ist Bürgers Kriegstagebuch wertlos.

Geschrieben ist das Kriegstagebuch meist in Vergangenheitsform, gespickt mit Überlegungen aus der Nachkriegszeit. Tatsächlich liest es sich immer wieder wie ein schmeichelhafter Erlebnisbericht der Helden um Bürger und Hüsson, die den Feind über das Kriegsende vom 8. Mai hinaus bekämpfen wollten. Aber: „Durch die Waffenruhe kam es dann anders“, wie der Schlusssatz fast wehmütig vermerkt.

Obwohl Regensburger Tageszeitungen die Arbeit von Eiser und Schießl positiv besprochen und weitere Beiträge angekündigt hatten, wurde das Thema kein weiteres Mal aufgegriffen. Eine nennenswerte öffentliche Debatte über das Buch und seine eigentlichen Konsequenzen kam nicht zustande. Eine Ausnahme blieb die Auseinandersetzung auf Regensburg-Digital und spätere Buchbesprechungen.

„Schonungslos widerlegt“

In seiner Besprechung der Revision einer Legende von Eiser und Schießl schließt sich der Leiter der Regensburger Staatlichen Bibliothek, Bernhard Lübbers, im Wesentlichen der Sichtweise der beiden Autoren an. Bürgers Version sei „schonungslos Punkt für Punkt widerlegt“. Der Historiker Lübbers empfiehlt die Revision sogar für Vergleichsstudien ähnlicher Vorgänge.

Eine ausführlichere Rezension der Arbeit legte der Münchner Historiker Sven Keller vor. Keller, ein zeitgeschichtlicher Experte zum Kriegsende 1945, konnte seinen Aufsatz „Streitsache: Kriegsende in Regensburg – ein Einwurf“ im Regensburger Almanach (2013) publizieren. Dies ist insofern beachtenswert, weil schon Josef Weißhaupt „Die geplante Schlacht um Regensburg“ (1991) und Werner Chrobak „Wie der Krieg in Regensburg zu Ende ging“ (2005) ihre jeweils auf Bürger aufbauende Version vom Kriegsende ebenfalls in diesem Periodikum veröffentlichen konnten. Drei unterschiedliche Almanach-Artikel konkurrieren nun um die korrekte Darstellung der historischen Realität im April 1945, eine eigene Urteilskraft der Leserschaft ist also vonnöten.

Vortrag im Runtinger-Saal

Ende Oktober 2013 trug Sven Keller seinen „Einwurf“ aus dem Almanach im Runtinger-Saal vor, wozu der Historische Verein Regensburg/Oberpfalz eingeladen hatte. Keller will bzw. kann nicht klären, wie die Vorgänge Ende April 1945 „eigentlich gewesen“ sind, da ihm dazu die genaue Kenntnis der Regensburger Quellen fehle. Er nimmt eine Außenperspektive ein und versucht den Streit in Regensburg in einen größeren Kontext einzubetten. Aus seiner Warte sind die Vorgänge und die Auseinandersetzungen in Regensburg kein Einzel- sondern ein Normalfall. Eine kampflose Übergabe zum Kriegsende sei vielerorts zu verzeichnen gewesen: mit oder ohne Truppen vor Ort, mit oder ohne größere vorherige Zerstörungen, mit und ohne Demonstrationen für ein baldiges Kriegsende. Und oft mit einem nachfolgenden Streit darüber, wem der Verdienst für die Errettung gebühre. Entscheidend sei es für die US-Truppen gewesen, dass „eine vertrauenswürdige Person“ die Kapitulation erklärte und eventuell noch vorhandene Nazi-Truppen sich auch daran hielten, so Keller.

Keller teilt die Bedenken und Schlussfolgerungen von Schießl und Eiser im Wesentlichen. Er hegt „erhebliche Zweifel an Bürgers Version“. Er verwirft Bürgers Rede, es habe in Regensburg „mehrere kampfstarke Bataillone“ oder einen bereits anstehenden Vernichtungsschlag durch alliierte Bomber gegeben, als nicht belegte und unglaubwürdige Behauptung mit „obskurer Quellenbasis“.

Die laut Bürger von den US-Truppen vorbereitete Kesselschlacht verweist der Referent in den Bereich der Spekulation. Die Authentizität von Bürgers Kriegstagebuchs bezweifelt er. Vielmehr, so Keller, stilisiere Bürger sich selbst als „Retter Regensburgs“. Als selbsternannter stellvertretender Kampfkommandant trete Bürger „als deus ex machina“ auf, hebe seine „Rolle ins gar Transzendente“ und mache sich „zu einer Art von gottgesandtem Retter, ja zu einem Werkzeug Gottes.“ Ebenso bei der Erklärung möglicher Motive Bürgers in Bezug auf seine Manipulation folgt Keller den Autoren Eiser und Schießl. Auch er geht davon aus, dass Bürger ursprünglich seine Wiederaufnahme in die neu errichtete Bundeswehr betrieb und er diesbezüglich Versorgungsansprüche im Blick hatte.

Kritisch konstatierte Kellner, dass Eiser und Schießl sich in ihrer Arbeit „vorrangig am Narrativ Bürgers“ abgearbeitet hätten. Ihre Studie sei zwar verdienstvoll, „aber erkennbar eine Streitschrift, die sich selektiv mit Aspekten der Bürger´schen Darstellung“ befasse. Es fehle, so Keller abschließend, eine historische Studie, „die den Versuch unternimmt, anhand aller verfügbaren Quellen die Ereignisse von 1945 zu rekonstruieren“. Diese sollte eine erweiterte Perspektive – nicht allein die Sicht auf Regensburg – einnehmen. In eine solche Studie würden auch die Untersuchung der Nachkriegsgeschichte und der diversen Rettungslegenden der Bürgers und Schottenheims gehören. Sie könne auf die Ergebnisse der engagierten Lokalhistoriker, wie Eiser und Schießl, aufbauen. Eventuell könne die Stadt Regensburg, die auf der Veranstaltung nicht vertreten war, eine universitäre Arbeit anregen und gegebenenfalls unterstützen.

Klare Worte. Doch wer meinte, Bürgers Erzählungen würden nach dieser vernichtenden Bewertung an diesem Abend keine Verteidiger mehr finden, irrte sich gewaltig.

Bundeswehr-Reservisten und ehemalige Wehrmachtssoldaten erheben sich

Neben wenigen sachlichen Nachfragen – wie z.B. der scheinbar unangebrachten von Stadtrat Dünninger nach dem nicht existenten Original des fingerten Kriegstagebuchs („Sind die beiden identisch?“) – bestimmten schnell die Verteidiger Bürgers das Szenario. Aus einer eigentlich angekündigten Diskussion wurden Gegenvorträge und Feststellungen.

Hierzu dürfte die Beobachtung interessant sein, dass etwa die Hälfte der Zuhörerschaft aus Reservisten, Angehörigen, Traditionalisten und Pensionären der Bundeswehr bestand. Etwa fünfzig entschlossene Männer, die meist an Bürgers Legende festhielten. Darunter ein ehemaliger Nachrichtenoffizier des ehemaligen Regensburger Kampfkommandanten, der von Chrobak persönlich das Wort erteilt bekam. Allerdings hatte der 91jährige im April 1945 von einem Robert Bürger „nicht viel gehört oder gesehen“. Leider hat diese Wortmeldung nicht zur weiteren Klärung der Sachlage beigetragen. Daraufhin ergriff ein ehemaliger Bundeswehroffizier („Ich war 40 Jahre Soldat bei der Bundeswehr, in allen Führungsfunktionen!“) mehrfach das Wort und belehrte den Referenten Sven Keller.

Völlig penetrant und in prinzipieller Opposition zum Vortrag meinte er Bürgers Rolle („Der einzige ortskundige Offizier in Regensburg im April 1945!“) mit ausschweifenden Erklärungen hochhalten zu müssen. Eine Straßenwidmung hätte Bürger verdient: „Ein angesehener Oberst, und die Stadt ehrt ihn nicht!“ Er habe OB Hans Schaidinger schon kontaktiert, dieser habe aber zurückgemeldet, dass die Familie Bürger eine Ehrung nicht wünsche. In anderen Städten sei dies nicht so, dass die „Retter der Stadt“ nicht geehrt würden. Weitere Wortbeiträge gingen ebenso am Vortrag des Referenten vorbei. Ein Possenspiel, wie so oft in solchen Debatten.

Chrobak missbraucht das Interview mit Othmar Matzke

Mit großer Spannung wurde die Wortmeldung von Dr. Werner Chrobak erwartet. Zunächst begrüßte er die Außensicht des Referenten und betonte ebenso die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Studie. Im weiteren Verlauf stilisierte Chrobak sich als einen der Wenigen, die früh mit den Zeitzeugen von 1945 arbeiteten. Bei Lichte besehen ein offenkundiges Ablenkungsmanöver. Denn Chrobak bezog sich hierbei auf eben jenes lange Zeit verschollene Interview vom Februar 1985 mit dem ehemaligen Major Othmar Matzke, den er als Zeitzeugen und Verantwortlichen der Regensburger Kapitulation in seinen Arbeiten systematisch ausblendete.

Nach über 28 Jahren zitierte Chrobak in Runtiger-Saal folglich erstmals wörtlich aus dem Interview, das er 1985 zusammen mit dem Stadtarchivar Heinrich Wanderwitz geführt hatte. Allerdings entstellt und missbraucht er Matzkes Aussagen, indem er ihnen eine andere Bedeutung unterschiebt. Denn laut Matzke sind der damalige Kampfkommandant Hüsson und Wehrmachtseinheiten nicht auf expliziten Befehl zum Aufbau einer neuen Frontlinie hin abgezogen worden, wie Chrobak in Anlehnung an Bürger unbeirrt meinte, sondern „entwichen“, sprich desertiert. Die Kampftruppe sei „davongelaufen“, so Matzke im Interview von 1985. Auf die erstaunte Nachfrage Chrobaks, ob die Kampftruppe davongelaufen sei, bestand Othmar Matzke explizit darauf, dass „70 Prozent sich in Zivil umgezogen (haben).“ (S. 32)

Ebenso von gewisser Brisanz: Matzke insistierte im damaligen Interview auf Anfrage Chrobaks, dass er einen Major namens Robert Bürger überhaupt nicht kenne. Matzke: „Beschwör ich alle Eide der Ehre, daß ich den Mann gar nicht kenne, weil der müßte unter meine Fittiche einmal aufgetreten sein.“ (S. 30) Diese eigentlich folgenschweren Zeitzeugenaussagen stören Chrobak in seiner tendenziösen Quellenarbeit in keinster Weise, geschweige denn, dass er deshalb seinen interessensgeleiteten Bezug auf Bürger und dessen Arbeit infrage stellen würde.

Um eine weitere Ungereimtheit aus dem Interview von 1985 zu nennen: Auf Seite 36 meint Matzke auf Nachfrage, wie viele Soldaten sich zuletzt am 27. April in der Stadt befunden haben: „Über 3.000 auf alle Fälle.“ Wanderwitz: „Noch am Ende?“ Matzke: „Ja freilich. Die sind ja nicht weggekommen, wie sollten die weg, die haben ja kein Fahrzeug gehabt …“ Auch diese Zeitzeugenaussage ist absolut unvereinbar mit der Bürger-Legende, wonach die Kampftruppen im Morgengrauen des 27. Aprils mit städtischen Fahrzeugen abtransportiert worden sein sollen.

Matzke kannte zum Zeitpunkt des Interviews 1985 weder Robert Bürger noch dessen Bericht über das Kriegsende. Damals glaubte er vielmehr, in Regensburg sei die Schottenheim-Legende noch angesagt. Matzkes vielfältige, oft genaue und teils widersprüchliche Angaben sind weitestgehend unvereinbar mit Bürgers Legende, was Chrobak wohlweislich bis heute ausblendet. Chrobaks willkürliche Vereinnahme von Matzke hat viel mit einem Vertuschungsversuch und wenig mit wissenschaftlichem Arbeiten zu tun.

Aggression statt Selbstkritik

Wer an dem Abend im Runtinger-Saal von Werner Chrobak eine irgendwie geartete Selbstkritik erwartete, sah sich eines Besseren belehrt. Über ein hingemurmeltes „Ungereimtheiten bei Bürger? Ja, Zugegeben!“ kam Chrobak nicht hinaus, um dann sogleich zum Entlastungsangriff überzugehen. Anstatt von der Hinnahme der tendenziösen Arbeitsmethoden eines Robert Bürgers zu reden, ging er den ebenfalls anwesenden Autor Peter Eiser wegen dessen angeblich zu später Zeitzeugenbefragung mit aggressivem Unterton an. Eiser gab den Ball jedoch gekonnt an Chrobak zurück.

Chrobaks bzw. Bürgers Ideologie vom geordneten Truppenabzug

Um die laufende Debatte wieder in geordnete Bahnen zu lenken, brachte Chrobak im Runtinger-Saal abermals die unbedingte Notwendigkeit eines Befehls zum Abzug der Regensburger Kampftruppe um den 27. April ins Spiel. Einen Befehl, nach dem er offensichtlich seit 30 Jahren sucht. Die entscheidende Frage – so Chrobak – sei damals gewesen, ob die Kampftruppe Hüssons in der Stadt bleibe und sie mit ihrem Leben verteidigen müsse, oder aber durch einen Befehl abgezogen werde. Leider sei noch nicht genau geklärt, woher das Kommando zum Truppenabzug um den 26. April gekommen sei. Für Chrobak aber ist ein geordneter Rückzug durch einen ergangenen Befehl eine historische Gegebenheit, die er bewiesen sehen möchte. Deswegen kritisiert er Eiser und Schießl, die angeblich den Eindruck erwecken, „dass es letztendlich gar keinen geordneten Truppenabzug gegeben habe“.

Offenbar muss Chrobak allein schon wegen der von ihm praktizierten Vergangenheitspolitik an seiner eingeengten Perspektive und an der soldatisch wohl geordneten Legende Bürgers festhalten. Er ignoriert militärische Berichte und Forschungsergebnisse, die von Desertion auf breiter Front sprechen. Gleichermaßen verkennt er Bedeutung und Notwendigkeit der Regensburger Kapitulationserklärung, die der Referent Keller in seinem Vortrag ausdrücklich und unmissverständlich betonte. Sein eigentliches Interesse am Thema Kriegsende in Regensburg konzentriert sich offenkundig auf die Hintergründe und Vorgänge der Hinrichtung von Domprediger Johann Maier, den er, ebenso wie die Bürger-Legende, als Märtyrer herausarbeitete.

Eine katholische Rettungslegende entwickelt sich

Sucht man im Stadtarchiv nach frühen Versionen der Legende Robert Bürgers, findet sich in einem Bericht von 1975 ein bezeichnendes Eigenlob. Bürger, der im Frühjahr 1944 bei Warschau unter anderem Angehörige der Waffen-SS ausbildete, faselt darin von treuen Soldaten, die durch ihr wagemutiges Handeln die Stadt, Frauen und Kinder retteten.

„Dreißig Jahre nach Kriegsende sollte die historische Wahrheit festgehalten werden. Der Großangriff amerikanischer Panzerverbände auf Regensburg nach vorheriger Einäscherung der Stadt durch Fliegerangriffe war für den 27. 4. 45 bereits befohlen. Es sind verantwortungsbewußte und bis zum bitteren Ende treue Soldaten gewesen, die in einem wagemutigen Nachtunternehmen die Frontsoldaten mit Waffen und Gerät aus der bereits belagerten Stadt herausgeführt haben, um dadurch Frauen und Kinder zu retten. Die alte ehemals ‚Freie Reichsstadt‘ Regensburg ist so vor der Vernichtung bewahrt worden.“
Wie auch immer wirkende katholische Märtyrer oder Gebete Gläubiger kannte und interessierten Bürger damals noch nicht. Solche mussten erst hinzugefügt werden, als sein auffrisierter Bericht von Regensburg in den letzten Kriegstagen in den Verhandlungen des Historischen Vereins erscheinen sollte (VHVO 1983).

OKW als Retter der Stadt?

Die angeschlagene Bürger-Legende ist nicht verschwunden, im Gegenteil: Sie wird auch nach ihrer Revision gepflegt. So lud im April 2013 eine Pressemitteilung des Regensburger Bischöflichen Ordinariats zur Gedenkveranstaltung für den ermordeten Domprediger Johann Maier. Sie weiß sowohl von wunderbaren Märtyrern als auch von einem geordneten Truppenabzug zu berichten, an denen nicht nur Chrobak mit aller Kraft festhält.
„Regensburg wurde vor der unausweichlich scheinenden Zerstörung am 27. April 1945 bewahrt, weil die Kampftruppen der Stadt zum Aufbau einer neuen Verteidigungslinie bei Landshut benötigt wurden und das Oberkommando der Wehrmacht Regensburg freigegeben hat. So wurde die Hoffnung der Regensburger Bürger erfüllt, für die Domprediger Dr. Johann Maier, Josef Zirkl, Michael Lottner und Johann Igl ihr Leben gelassen haben.“
Die entsprechende Gedenkrede vor dem Dom hielt der Kreisheimatspfleger Thomas Feuerer und nicht, wie Jahre zuvor, Werner Chrobak. Die einschlägigen Formulierungen aus der Pressemitteilung dürften allerdings von „Stadtlegendenpfleger“ Chrobak stammen.

Erste Konsequenzen der Arbeit von Eiser und Schießl

Nachdem sich die Stadtverwaltung nach der Publikation der Arbeit von Eiser und Schießl völlig bedeckt gehalten hat, scheint nun Bewegung die Affäre zu kommen. Überraschenderweise teilte Archivleiter Dr. Heinrich Wanderwitz gestern auf Anfrage mit, dass er bereits seit Anfang dieses Jahres in konkreten Verhandlungen mit einem Historiker sei, der über Presse- und Internetberichte auf die laufende Debatte aufmerksam geworden sei. Dieser könne das Regensburger Kriegsende in einem größeren militärischen Gesamtzusammenhang plausibel darstellen und archivalisch belegen. Einzelheiten will der Stadtarchivar allerdings erst mitteilen, wenn das Vorhaben in trockenen Tüchern sei. Was daraus werden wird, ist abzuwarten. An eine Rettung der Bürger-Legende glaubt jedenfalls auch Wanderwitz nicht.

Obwohl das Thema Kriegsende in Regensburg von größerer stadtgeschichtlicher Bedeutung ist und eine Korrektur der vielen Legenden und Spruchkammerlügen längst überfällig wäre, ist nicht zu erwarten, dass OB Hans Schaidinger diese jahrzehntelangen Missstände in der städtischen Selbstdarstellung in seiner Amtszeit noch beseitigen wird. Falls die von Wanderwitz in Aussicht gestellte Studie nicht zustande kommt, dürfte die Thematik – ähnlich wie die Debatten um die geschichtsklitternde Napoleon-Inschrift im Pylonentor oder um den BVP-NSDAP-CSU-Bürgermeister Hans Herrmann – spätestens zum 70. Jahrestag des Kriegsendes 2015 im Treibsand der Stadtpolitik verschwunden sein.

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Kommentare (12)

  • Kuno Küfer

    |

    „Dies ist aus heutiger Sicht insofern skurril, da Bürgers
    Legende ähnlich durchsichtig und eigennützig gestrickt war, wie die
    des Nazibürgermeisters und SS-Generals Otto Schottenheim, der
    seinerseits die Stadt unter Lebensgefahr gerettet haben will.“ Ich
    frage mich gerade, warum so ein Stadtretter, der für seine Tat
    sogar sein Leben riskiert haben will, genau zu dem Zeitpunkt die
    Flucht in den Freitod wählen sollte, als er davon erfuhr, dass er
    sich vor dem Amtsgericht ausgerechnet in der von ihm geretteten
    Stadt Regensburg eines endlich wieder „freien“ Deutschlands zu
    verantworten habe. Sollte so einer nicht viel eher damit rechnen
    können, unter Jubelrufen das Gericht als Held wieder verlassen zu
    dürfen? Schreibt doch die Mittelbayerische am 22.08.1947 gleich auf
    der Titelseite über den „Selbstmordversuch Dr. Schottenheims“:
    „Regensburg, 21 August. Von der Kriminalpolizei wird uns
    mitgeteilt: Gegen Dr. Schottenheim war vom Amtsgericht Regensburg
    wegen schweren Landfriedensbruchs u. a. Haftbefehl erlassen worden,
    der heute Donnerstag nachmittag durchgeführt werden sollte. Als Dr.
    Schottenheim erfuhr, daß er ins Gefängnis überstellt werden sollte,
    hat er einen Giftselbstmordversuch unternommen. Es besteht
    Lebensgefahr.“ Oder ist dieser gescheiterte Gifttod nur ein
    gefälliges Gutachten. Wieder nur ein Teil einer inszenierten
    Legende, die in diesem Fall Herrn Dr. Schottenheim einen recht
    kurzfristigen Vorteil sichern soll: Schonung vor dem Gefängnis?
    Wieviel Wissen benötigt so einen „Doktor der Medizin“, um sich mit
    Gift sicher ins Jenseits zu befördern?

  • Dolittle

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    Leider ist dieser lange Beitrag selbst auch nicht völlig
    frei vom Verve der Debatte, die um die „Befreiung“ oder gar
    „Rettung“ des weitestgehend unzerstörten Regensburg zu toben
    scheint. Da ist es beruhigend, wenn sich sachorientierte Historiker
    der Kriegs- und Nachkriegslegenden annehmen. Die haben nämlich
    häufig nur einen Zweck: Freispruch für den „braven“
    Wehrmachtssoldaten. Landser-Romantik in der Lokalgeschichte… Auch
    ohne detaillierte Quellenkenntnis ist immer dort kritisches
    Nachfragen angebracht, wo Heldenlegenden gestrickt oder
    Behauptungen angebracht werden, die sich kaum mit der Entwicklung
    in den letzten Kriegstagen in Einklang bringen lassen. Zwischen dem
    20. und 30. April 1945 ist die Front in Süddeutschland
    flächendeckend zusammengebrochen. Die Geschwindigkeit des
    hochmotorisierten Vormarsches des US-Army wurde vorrangig durch
    Nachschubprobleme gebremst, aber kaum durch ausgebildete reguläre
    Wehrmachtseinheiten. Die gab es kaum noch. Die Volksturmangehörigen
    vor Ort waren bei erster Gelegenheit wieder Zivilisten. Es regierte
    das Chaos. Sofern es punktuell durch Waffen-SS, HJ oder verirrte
    Wehrmachts-Kommandanten noch Widerstand gab, wurde dieser von den
    USA zuerst massiv aus der Luft bekämpft. Sofern also ein Major
    Bürger unter seinem Befehl noch Soldaten gehabt hätte, die
    überhaupt noch kampffähig und -willig waren, so war es nur
    vernünftig, sie nicht in die Schlacht und den sicheren Tod zu
    schicken. Besonders heldenhaft war das aber nicht. Sich zum Helden
    zu stilisieren und den Eindruck zu erwecken, Gegenwehr sei
    überhaupt noch möglich (und soldatisch tugendhaft und geboten)
    gewesen, ist schon per se unglaubhaft. In der Zwickmühle aus
    sinnlosem Kampf und Standgericht gibt es massenhaft tragische
    Schicksale. Am meisten Ehrerbietung gebührt denjenigen, die der
    Vernunft folgend Widerstand leisteten oder den Kampf verweigerten
    und dafür von der NS-Justiz oder blindwütigen Ideologen ermordet
    wurden. Es scheinen mir die Gleichen zu sein, die sowohl sagen
    würden „Was damals Recht war, kann heute kein Unrecht sein“ und
    zugleich den tugend- und heldenhaften NS-Soldaten hoch leben
    lassen. Der soll wohl beweisen, dass es ehrenhaft möglich war unter
    Hitler Soldat oder Offizier zu sein.

  • Gondrino

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    Das wir uns 68 Jahre nach Kriegsende noch mit dieser
    Geschichte befassen müssen und die „offizielle“ Stadtgeschichte von
    Legenden und Lügen nur so strotzt, zeigt wie wenig von der
    Nazi-Vergangenheit in Regensburg aufgearbeitet wurde. Dazu passen
    dann auch die entsprechenden Straßennamen.

  • Fr.Streng

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    Kann es sein, dass der Bock Wanderwitz sich nun in einen
    Gärtner verwandeln will und der Autor R.W. ihm das auch noch
    abnimmt? Wanderwitz ist doch seit Beginn seiner Amtszeit 1985 an
    der Verbreitung der Bürger-Legende beteiligt gewesen und nun will
    er zufällig von einem Historiker gehört haben, wie es wirklich war?
    Wie meinen? Da scheint sich einer vom „Stadtlegendenpfleger“
    Chrobak distanzieren zu wollen. Redlichkeit und Selbstkritik wäre
    eine schöne Tugend, aber…

  • Robert Werner

    |

    Nachtrag: Auch die „Kameradschaft Ehemaliger Soldaten,
    Reservisten und Hinterbliebener Regensburg“ hält unbeirrt an ihrem
    selbsternannten Helden Major Robert Bürger fest. Im Grunde sind es
    seine Worte, mit denen da zum „Friedensgebet“ nach Adlersberg
    geladen wird. Nur von einer (völlig unangemessenen) „Zivilcourage“
    hätte Bürger nie und nimmer geredet. Bei ihm war es immer der TREUE
    SOLDAT, der auch nach dem Rückzug aus Regensburg, bis zur letzten
    Minute, gekämpft haben will. Siehe
    https://sites.google.com/site/erhregensburg/veranstaltungen/friedensgebet-adlersberg
    (Aus Einladung zum Friedensgebet 2013)

  • Wenn alle untreu werden

    |

    Es ist hohe Zeit, mit der „30-Jahre-Bürger-Legende“ aufzuräumen und Licht in die jeweils selbstgestrickten Ich-habe-Regensburg-gerettet-Mythen zu bringen, wenngleich dies ausgerechnet und doch in der Sache dankenswerterweise auf diesem Blog geschieht.
    Bei der hier geschilderten Veranstaltung dürfte wohl lediglich der 91jährige ehemalige Nachrichtenoffizier des Rgbger Kampfkommandanten ein ernstzunehmender Zeitzeuge gewesen sein, der bezeichnenderweise „nichts gehört oder gesehen hatte von einem Robert Bürger im April 1945“; gerade der hätte es wegen seiner Dienststellung mitbekommen müssen, wenn da irgendein „Major von Köpenick“ namens Major R. Bürger aufgetaucht wäre und das Kommando übernommen hätte.
    Der gleichfalls zitierte (Bundeswehr-) Offizier a. D. „mit seinen 40 Jahren Soldat bei der Bundeswehr, in allen Führungsfunktionen“ hätte besser seinen Mund gehalten, wenn es um Sachverhalte im Zusammenhang mit einer richtigen deutschen Armee geht, die militärische Leistungen erbrachte zu denen diese „Innere Führungs-/Gewürge-Wehr“ noch nicht einmal ansatzweise in der Lage ist/wäre (siehe z. B. NATO-Kriege im Balkan und in Afghanistan)! Dieser kriegsungediente 40 Jahre Soldat gespielt habende Pappkamerad faselt zudem noch etwas von einem „angesehenen Obersten, den die Stadt nicht ehre“: ein Oberst kommt in diesem Bäumchen-wechsle-dich-Spiel der mutmaßlichen Regensburg-Retter Bürger und Matzke nicht vor, beide waren Majore. Matzke zudem ein Ritterkreuzträger für Leistungen im Nah- und Häuserkampf, und eben kein Bundeswehr-Trockenschwimmer!
    Im übrigen hatten die damaligen Stadtrettungsdarsteller allesamt großes Glück, daß sich damals keine Einheit „politischer Soldaten“ in Regensburg aufhielt, sonst wären höchstwahrscheinlich die Herren Leythäuser, Hüsson, Bürger, Matzke und „Adjutant Schmidt“ samt Dr. Schottenheim neben dem Domprediger Dr. Maier am „Neupfarrplatz rumgehangen“ (Dr. Wanderwitz, rgbg.-digital.de, 28.08.2012) oder anderswo im dann wohl ordentlich zerstörten Regensburg.
    Max v. Schenkendorfs „Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu“ singt sich eben in politstabilen Zeiten leichter als dann, wenn dafür der praktische Beweis angetreten werden muß.
    „O Regensburg empfange die Männer treu und werth(sic!). Es wird mit Waffenklange ein Helden-Rath(sic!) geehrt“, noch ein v. Schenkendorf-Diktum, klingt in diesem Zusammenhang doch irgendwie zynisch.

  • Robert Werner

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    Ergänzung zu meinem Nachtrag vom 11.11. – der Wortlaut aus
    Einladung der„Kameradschaft Ehemaliger Soldaten, Reservisten und
    Hinterbliebener Regensburg“ zum Friedensgebet 2013 am Adlersberg:
    „Der Zivilcourage eines Soldaten war es im April 1945 zu verdanken,
    dass der geordnete Abzug des Militärs im Schutz der Dunkelheit
    glückte. Major der Wehrmacht und später Oberst der Bundeswehr,
    Robert Bürger wagte die Räumung der Stadt und ermöglichte damit am
    nächsten Tag eine kampflose Übergabe der Stadt. Ohne diese mutige
    Tat wäre heute ein „Weltkulturerbe Regensburg“ nicht möglich
    gewesen.“

  • Robert Werner

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    Ein Nachtrag zur bemerkenswerten Rezeption der Bürger-Legende durch Christian Feldmann: Der Domprediger – Dr. Johann Maier – ein Leben im Widerstand, 1995 MZ-Verlag, Hg: Albert v. Schirnding.

    Feldmanns Buch bearbeitet die Ereignisse um Johann Maier in den letzten Regensburger Kriegstagen in enger Anlehnung an Chrobak und Robert Bürger. Geschickt wie kaum eine andere hagiographische Arbeit schafft es Feldmanns, die Bürger-Legende im Wesentlichen, z.T. phantasievoll aufzunehmen und – leider – zu popularisieren.

    Das folgende Zitat setzt zu dem Zeitpunkt ein, als die Regensburger Kampfgruppe am 26.4.45 angeblich zur Signalisierung seiner Kampftüchtigkeit einen verschlüsselten Funkspruch („Banane Wintermärchen für morgigen Heldenklau“) absetzte und zuletzt aber doch aus der Stadt abgezogen wurde.

    „Die Frage des Kommandierenden Generals, ob seine Truppen denn noch zu einem geordneten Rückzug aus der Stadt fähig seien, mußte Hüsson [der Kampfkammandant; R.W.] freilich als Einladung zu einem Kamikaze-Unternehmen verstehen. Denn Regensburg war von den Amerikanern eingekesselt. Doch zum Glück hatte er den 31jährigen Major Robert Bürger als Stellvertreter, der das Terrain genau kannte und einen Schleichweg für die Truppen ausgekundschaftet hatte.
    Die Amis, die in der Nacht zum 27. April 1945 auf den Winzerer Höhen kampierten, hatten keine Ahnung, daß sich im Schutz der Dunkelheit die gesamte Kampftruppe Regensburg über Feldwege von der Kavallerie-Kaserne in der Landshuter Straße über den Napoleonstein im Stadtsüden nach Wolkering und in Richtung Landshut davonstahl. Die wenigen US-Posten, die der schweren Fahrzeuge ansichtig wurden, meinten, es handle sich um eigene Truppen, denn der Konvoi fuhr listigerweise im Abblendlicht.
    Am 27. April war Regensburg eine offene Stadt.“ (S. 194-195)

    Feldmann schmückt die Bürger-Legende zur Spannungssteigerung offenbar mit „Insider-Informationen“ sogar noch aus. Beispielsweise mit dem o.g. Funkspruch, mit „auskundschaften“ des Schleichwegs, oder mit den wenigen US-Posten, die der abziehenden Kampftruppe angeblich „ansichtig wurden“.
    Feldmann widmete sein Buch, das Konrad Maria Färber (Almanach Herausgeber, MZ-Verlag) anregte, seinem Lehrer Mons. Franz Hiltl, der bereits in den frühen 1950ern über R. Bürger geschrieben hatte.

  • Wenn alle untreu werden

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    @ Robert Werner 17.11.2013, 14:51h

    Der renommierte Regensburger Militärhistoriker Christian D. Feldmann, der ab und an ihm eigentlich fachlich-sachlich fernliegende Veröffentlichungen zum Thema Catholica (und was davon übriggeblieben ist) auf den Buchmarkt werfen läßt, hat in der von Ihnen hier verdienstlich zitierten Veröffentlichung in penibelster Kleinarbeit nach jahrzehntelanger mühseligster Spurensuche, auch im jetzt überbauten Rückzugsgelände, leider nicht dargestellt, daß der zivilcouragierte (eine rare Charaktereigenschaft unter nichtzivilen Militärs) Major R. Bürger während seiner heldenhaften Absetzaktion, auf die durch ihn gerettete Stadt hinunterblickend, einen Fuß auf den Napoleonstein setzte, und, seine rechte Hand zwischen die Uniformjackenknöpfe gesteckt, den Bestätigungsfunkspruch absetzen ließ: „Alles Bonone in der Banane“.
    Diese feinsinnige Bürgersche Formulierung war es, die die amerikanische Funkaufklärung (Prä-NSA!) mangels Sprachkenntnis (bo none?/bon one?Who, the fucking krauts, is bo?Who or what is one?) so verwirrte, daß dieses Husarenstück möglich wurde, zumal sich in jenen Tagen dank eigener Luftüberlegenheit noch kein amerikanisches Jagdflugzeug in den Luftraum um und über Regensburg wagte.

  • Stattamhofer

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    Der renommierte katholische Autor Christian Feldmann ist dem Blender und Manipulator Robert Bürger ebenso auf den Leim gegangen, wie die damalige Stadtgesellschaft samt MZ und DIE WOCHE, etc. Vielleicht hat ihm die Helden-Geschichte Bürgers sogar gefallen, sie passt jedenfalls gut in seine Maier-Hagiographie. Sei´s wie´s mag.

    Für mich ist eher die aktuelle Frage, ob Leute wie C.Feldmann Interesse oder Mut für eine Korrektur ihrer damaligen ungeprüften Übernahme der Bürger-Legende aufbringen. Nachdem Motto, hey ich bin halt auch ein leichtgläubiger Mensch gewesen, der gerne an den guten und pfiffigen deutschen Wehrmachtsoffizier glauben wollte. Oder: Auch ich wurde getäuscht!

    Hier wäre Wahrhaftigkeit und Verantwortungsübernahme für eigenes Handeln gefragt.

  • Chrobaks und Löfflers tendenziöse Parteinahme » Regensburg Digital

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    […] Die Autoren der Stellungnahme, Chrobak und Löffler, sprechen indes ausdrücklich nicht von einem „Gutachten“, sondern einem vorläufigen und skizzenhaften Diskussionsbeitrag, der „mit Engagement und gewissenhaft verfasst“ sei. Gewissenhaft? Bereits nach dieser Anmerkung drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Liefern die Diskutanten denn auch Beiträge ab, denen es an Gewissenhaftigkeit und Engagement mangelt? […]

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