SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 19. November 2013

Frei.Wild im Airport

Konzert der Vollidioten

Der Abgeordnete Jürgen Mistol warnt vor dem Frei.Wild-Auftritt im Dezember in Obertraubling. Der Veranstalter hat seine Bitte, das Konzert abzusagen, bereits zurückgewiesen.

„Land der Vollidioten.“ Umjubelter Hit in der Donauarena im Dezember 2012 beim ausverkauften Frei.Wild-Konzert. Foto: Archiv

„Die können gar keine Nazis sein. Die kommen ja aus Südtirol.“ „Es reicht langsam, wir werden schleichend ausgerottet und die ganzen ‚Gutmenschen‘ freuen sich auch noch darüber. Deutschland, wann wachst du endlich auf ????“ „Ich bin ja kein Nazi, aber…“

Sie lesen ausgewählte Zitate aus aktuellen Facebook-Foren und damit: Herzlich willkommen beim Frei.Wild-Bullshit-Bingo.

Die Südtiroler Band mit begrenzten musikalischen Fähigkeiten, dafür einem Sänger Philipp Burger, der einst bei einer offen rassistischen Musikgruppe zugange war und antisemitischen Verschwörungstheorien anhängt, der Band mit weitgehend sinnfreien Texten, aus denen man Geschichtsrevisionismus, Nationalismus und Ausgrenzung Andersdenkender ebenso herauslesen kann, wie die Distanzierung davon. Die Band, die sich ein Rebellen-Image gibt, obwohl sie doch Haltungen vertritt, die in etwa dem Parteiprogramm der CSU entsprechen, kommt wieder einmal in die Region Regensburg.

Die Fans gehorchen aufs Wort

Sein größtenteils jugendliches Publikum kann Frei.Wild bei Konzerten zu „Nazis raus“-Rufe ebenso schnell motivieren, wie zu „Arschlöcher raus“-Geplärre gegen Kritiker oder Bedenkenträger.

Und dass man Kritikern recht humorfrei gegenübersteht und auch mit Meinungsfreiheit nicht all zu viel anfangen kann, sobald es nicht um sie selbst geht, bewies Frei.Wild mit einer Abmahnung gegen die Band Frei.Schnauze, die das Frei.Wild-Logo aus Protest modifiziert hatten. Ähnliches widerfuhr der kleinen Punkband Nordwand. Das Landgericht Hamburg gab den Südtirolern vor kurzem recht.

Gelddruckmaschine Deutschland

Nun ist Frei.Wild wieder einmal auf Deutschland-Tour, um mit Pseudo-Rebellentum und kalkulierter Provokation Geld zu verdienen. Nicht umsonst ist Frei.Wild abseits von Deutschland – im Vergleich – eher bedeutungslos. Ausverkaufte Konzerte am Stück spielen die Südtiroler in dieser Form nur hier. Für die Vermarktung (und Klagen) ist übrigens die Frei.Wild GbR verantwortlich. Der Sitz: München.

In München gab es bereits Proteste und eine Pressemitteilung der Grünen gegen das bevorstehende Konzert. In Jena wurde ein – übrigens in einer MediaMarkt-Filiale geplanter – Auftritt nach Protesten, Drohungen und Beleidigungen abgesagt. In Berlin, wo für Donnerstag ein Auftritt geplant ist, haben Politiker vergeblich versucht, das ausverkaufte Konzert zu verhindern.

MdL Mistol warnt

Für den 13. Dezember nun hat sich Frei.Wild, wie schon im vergangenen Jahr, auch in Regensburg bzw. Obertraubling angekündigt. In der kürzlich neu eröffneten Disco Airport geben sie sich ein Stelldichein. Mit ausverkauftem Haus dürfte, wie schon 2012, zu rechnen sein.

Stadtrat und Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol hat sich nun mit einem offenen Brief an den Betreiber der Discothek und mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gewandt.

„Ich will den Vermieter über die höchst problematische politische Ausrichtung der Band informieren. Denn obwohl sich die Band als vermeintlich ‚unpolitisch‘ präsentiert, hetzt sie in ihren Texten gegen Andersdenkende“, sagt Mistol unter anderem.

„Scheiß Gutmenschen“-Geschwätz & Co

Der zu erwartende Shitstorm ist bereits eingetroffen. In den Foren der hiesigen Medien fliegen die Fetzen. Rassistische Parolen, „Scheiß Gutmenschen“-Geschwätz oder „Alles übertrieben“-Statements türmen sich aufeinander, ebenso gibt es entsprechende Erwiderungen, die von „Nazis raus“ bis zu differenzierten Auseinandersetzungen mit den Texten der Band reichen, die deren Fans nur wenig interessieren dürften.

Der Undercover-Journalist Thomas Kuban, der sich jahrelang in die Rechtsrock- und Neonazi-Szene eingeschleust hatte und Frei.Wild wegen ihrer Scharnierfunktion zu diesen Bands kritisiert, wurde letztes Jahr von der Bühne aus mit Schimpfwörtern wie „Arschloch“ und „Arschgeige“ bedacht. Unter frenetischem Jubel des Publikums.

Airport-Chef: Konzert findet statt!

Mit einer Absage des Konzerts ist aber keinesfalls zu rechnen. „Herr Mistol bekommt ja schon im Netz ordentlich sein Fett weg“, sagt Airport-Betreiber Marcel Backhaus uns bereits am Telefon. In seiner kurz darauf eintrudelnden Stellungnahme heißt es unter anderem: „Nach unseren Recherchen ist Frei.Wild nicht rechtsradikal.“ Das habe auch das Konzert vergangenes Jahr in der Donauarena gezeigt. „Wir freuen uns auf ein friedliches und ansprechendes Konzert und scheuen uns nicht, einzuschreiten, sollten wir einem Irrtum erlegen sein.“

„Leider Gottes, ist Deutschland auf einem Weg, der jedem Verstand mit Bravour den Atem raubt. Ganz ehrlich, das ist die logische Konsequenz dieser ‘Wir alle müssen ewig für die Taten unserer Vorfahren büßen’-Politik!!! Aber man wollte es so, hat Kinder so erzogen und trägt nun die Konsequenz, selber Schuld!!!

Ich kann mich nicht erinnern, dass sich Italiener, Russen, Amerikaner oder z.B. auch Chinesen ihrer Herkunft geschämt hätten, obwohl deren Diktatoren und Regime gleich viele und um viele Millionen Menschen mehr auf dem Gewissen haben, als es unter Scheiss-Hitler-Deutschland der Fall gewesen ist. (…)

Auch macht man Vergangenes nicht ungeschehen, indem man schon seit Jahrzehnten davon finanziell Profitierende, lächtsend nach einer Daseinsberechtigung für ihr klägliches Dasein weiter unterstützt und ihre Meinung blind unterstreicht nur um ja nicht dagegen zu pissen.“ (sic!)
Frei.Wild-Sänger Philipp Burger im Juli 2012

P.S.: Für den 5. Dezember ist eine Informationsveranstaltung zu Frei.Wild im W1 in Regensburg geplant. Unter anderem sollen dabei drei Lieder analysiert werden. Veranstalter sind „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage, GEW, Scants of Grace, Keine Bedienung für Nazis e. V., BSJ, W1 und der Stadtjugendring.

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