In eigener Sache

Der digitale Klingelbeutel

Liebe Leserinnen und Leser von regensburg-digital! Frohe Weihnachten nachträglich! Happy Hanukkah! Und ein gutes Neues auch gleich noch!

Mesner von regensburg-digital: Martin Stein. Foto: Berli Berlinski

Haben Sie vielleicht schon die Festtagsgrüße vom Chef gelesen, also vom Stefan Aigner persönlich? Sehr schön, gell! Ein kleiner Jahresrückblick, ein kleiner Abriss über das Geleistete, das Überstandene, den ein oder anderen Markstein der Stadt- und Redaktionsgeschichte. Und dann natürlich, wie es sich gehört, Danksagung und Glückwünsche und das ganze Zeugs alles. Weihnachten ergreift auch regensburg-digital. Es voderholzert ein bisserl.

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Auch ein so kirchenkritisches Organ wie regensburg-digital ist hierarchisch streng geordnet; Grußworte und huldvolles Winken aus dem Stadtbus heraus sind dem Chefredakteur vorbehalten; einfache Botengänge und Wurstsemmelbereitstellung obliegt dem niederen Klerus. Wenn der Bischof zum Weihnachtssegen anhebt, hat der Mesner schon den Klingelbeutel in Sicherheit gebracht und schaut nach, ob sich das Christkind rentiert hat.

Man muss nun verstehen, dass die katholische Kirche 2.000 Jahre mehr Zeit zur Perfektionierung ihrer Kollektentechnik hatte; ich glaub, da gibt’s auch so Kurse, wo man das lernt: optimale Klingelbeutel-Gesichts-Distanz, Geizkragenresilienz durchklingeln, Seminar „Der Klingenbeutel im Kontext allgemeinchristlichen Schuldprinzips“… da kann so ein kleines Digitalblatt wie unseres nicht dagegen anstinken.

Allerdings täte uns so ein Klingelbeutelkurs schon auch gut, muss man zugeben. Wir weisen zwar regelmäßig unser Umfeld auf seine Schuldhaftigkeit hin, verbinden das aber nur ungenügend mit einem kleinen Ablasshandel, und auch wenn wir keinen Petersdom bauen wollen, so müssen doch auch unsere Büroräume beheizt werden. Insofern übernehme ich nunmehr offiziell die Rolle des Mesners von regensburg-digital und zücke hiermit den digitalen Klingelbeutel.

Also, haben Sie schon was gespendet dieses Jahr? Adveniat, Caritas, Sea Eye, Ukraine? Wenn ja, sehr gut! Wenn nicht, nicht gut, aber es ist noch nicht zu spät. In jedem Fall schadet es nix, auch an uns ein bisschen was zu geben.

Palim Palim! Macht hoch die Tür, die Geldbeutel weit! Raus mit den Penunzen!

Ich mag da ja gar nicht so gerne vom Spenden reden: Sie kriegen ja was dafür. Uns. regensburg-digital. Klassischer Fall von kostenlos, doch nicht umsonst. Und das ganz ohne Nackt-Kalender; das will ja keiner sehen.

Ich sage das ganz unbescheiden: regensburg-digital ist wertvoll für diese Stadt. Ich möchte sogar sagen: unentbehrlich.

Bestimmt gibt es einen ganzen Haufen Angelegenheiten, die das Geld dringender und berechtigter brauchen, hungernde Kinder, gequälte Tiere, an Furchtbarem herrscht wahrhaft kein Mangel – aber so ganz unwichtig ist regensburg-digital eben auch nicht, besonders nicht in einer Stadt, die allzuoft nach dem Polt’schen Prinzip funktioniert, wonach man keine Opposition braucht, weil, man ist ja schon Demokrat. Entsprechend ist die Konkurrenz, der Regensburger Medien-Platzhirsch eher ein bisschen lauffaul, wenn es um die Untaten von Menschen geht, mit denen man vorgestern erst beim Golfspielen war.

Bitte, lesen Sie jederzeit die Konzertkritiken in der Mittelbayrischen, neben vielem anderen natürlich, aber falls – falls, gell! Theoretisch! – die Fürstin Gloria mit einem Schwarzgeldkoffer an der Grenze zu Paraguay erwischt würde – tja,  dann werden Sie da nicht unbedingt aus der MZ zuerst erfahren. Vielleicht ja von uns – wenn Sie ordentlich Geld lockermachen und wir uns einen Südamerika-Korrespondenten leisten können.

Wir machen uns keine Illusionen über unsere Grenzen. Der Explosion der Mieten in dieser Stadt konnten wir keinen Einhalt gebieten, und ganz allgemein hat sich am Machtgefüge nicht so wahnsinnig viel geändert – mit dem Totschweigen und Aussitzen der Skandale und Skandälchen tut man sich aber nicht mehr ganz so leicht. Dank regensburg-digital weiß man zumindest manchmal, welche Schmiergeldzahlungen, Baugebietsausweisungen und Querfinanzierungen in dieser Stadt dazu geführt haben, dass Sie, lieber Leser, elend viel Geld für eine elend schlechte Immobilie bezahlen müssen.

„Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.“ Ich gebe zu, es ist ein bisschen anmaßend, sich hier in die Gefolgschaft Brechts einzureihen, aber eines muss klar sein: man macht sich nicht besonders viele Freunde an unserer Stelle, und Reichtum ist mit einer derartigen Arbeit eh nicht verbunden. regensburg-digital funktioniert olympisch: der Ruhm ist groß, aber das Gold der Medaillen eher symbolisch.

Reichtum hin oder her, ohne Geld geht’s halt auch nicht, und mit dem Geld ist es in Regensburg so eine Sache: das mit dem Geld in Regensburg funktioniert im Grunde nach dem Prinzip eines arabischen Clans: das bleibt in der Familie und darf höchstens mal eine Cousine heiraten. Diese finanzielle Inzucht in unserer schönen Stadt macht das Geld oft hässlich und ein bisschen dreckig, und wenn wir dann darüber schreiben, dann bekommen wir es erst recht nicht. Wenn man so arbeitet wie wir, stehen die Werbekunden, die bei jeder anderen Zeitung das Gros der Kosten tragen, nicht gerade Schlange.

Den ein oder anderen halbwegs sauberen Euro bräuchten wir allerdings schon für unsere Arbeit, und der muss dann oft von Ihnen, dem Leser kommen.

Man darf natürlich nicht jammern: Großartiges ist schon passiert in dieser Hinsicht. Als die Tretzel-Kamarilla uns mit ihrer Finanzkraft juristisch plattmachen wollte, da sprangen uns viele Leser zur Seite und verhinderten, dass wir Gefahr liefen, regensburg-digital einfach deshalb zu verlieren, weil wir uns den Prozess nicht leisten konnten. So etwas bleibt eine reelle Gefahr. Die andere Seite hat oft genug Geld zum Verbrennen und öffnet dann eben mal kurz die Portokasse, um den unliebsamen Schreiberlingen zu zeigen, wo der Bartel den Most holt, und dass der Ober den Unter sticht.

Von der Psychologin Heidi Kastner stammt der Untertitel zu unserer Gesellschaft: „Die Dummheit hat aufgehört, sich zu schämen.“ In Regensburg wohnt die schamlose Dummheit sogar in einem Schloss und wird hofiert, weil der gewöhnliche Furchenadel zu sehr danach dürstet, am Glamour vor der eigenen Haustür teilzuhaben. Wenn sie sich dann zum Proletengipfel mit Julian Reichelt trifft, der es sogar geschafft hat, von der BILD-Zeitung hinausgeworfen zu werden (vorgeblich wegen Übergriffen gegen seine weiblichen Untergebenen und dem ein oder anderen Drogenexzess), dann wird das in dieser Stadt nicht kommentiert. Ist ja unsere Fürstin, gell.

Bei regensburg-digital wird nicht gekokst. Können wir uns gar nicht leisten.

Wir sind nicht käuflich und werden es auch niemals werden. Den Kauf einer Wohnung am Dörnberg zum Beispiel fänden wir keinesfalls deshalb toll, weil wir uns für eine positive Meinung ein paar Scheine haben zustecken lassen. Nein, uns hat ganz einfach die Möglichkeit fasziniert, die Geschichte dieser Stadt in einem ganz neuen Viertel selbst mitgestalten zu können, verkehrsgünstig gelegen zwischen dem Hauptbahnhof und Schloss Emmeram, mit einem 20.000qm großen Landschaftspark, einem Edeka und zwei Gastronomien, mit ca. 311 Tiefgaragenstellplätzen im Untergeschoss und einem zeitgemäßen Energiekonzept, mit bis zu 280 Sonnentagen gerade in diesem Teil Regensburgs, zu marktüblichen Preisen, die wir persönlich eigentlich direkt günstig finden. Leider können wir es uns trotzdem nicht leisten, aber es gilt unvermindert: Dörnberg ist super, Dörnberg ist schön, wir haben einfach Freude, durch das Dörnberg zu geh’n.

Sehen Sie, auch so könnte Journalismus aussehen.

Wenn’s leicht geht, schauen Sie auf unsere Webseite und überweisen Sie uns was. Oder werden Sie doch Fördermitglied! Kostet auch nicht viel. Auch wenn Sie uns persönlich nicht mal leiden können: uns Geld zu geben, ist sicher kein Fehler. Mindestens bei einem Rieger-Spezl haben wir den niedrigen Blutdruck kuriert. Ach, und genauswenig wie beim Kickern drei Ecken einen Elfer geben, können wir aus fünf Likes einen Euro basteln. Dann lieber auch auf den Like verzichten.„"

Es ist nicht selbstverständlich, dass es etwas wie regensburg-digital gibt. Bitte machen Sie sich das bewusst.

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Kommentare (15)

  • Mr. T.

    |

    Und um Herrn Steins eindrückliche Worte noch zu unterstreichen, erlaube ich mir, Benjamin Fredrich zu zitieren:
    »Schwacher Lokaljournalismus gefährdet die Demokratie.«

    Jedes Wort hier ist mehr Wert als ein Glühwein auf dem Fürstlichen Weihnachtsmarkt – besser und billiger.

  • Günther Herzig

    |

    Kein Kommentar! Lasst den Freiherr vom Stein weiter schwurbeln!
    Natürlich wird dieser Beitrag wieder nicht veröffentlicht.

  • Klaus

    |

    “Und das ganz ohne Nackt-Kalender”
    Na, der Herr Stein ist ja eh immer nackt. Also untendrunter :)
    Danke!

  • Andreas

    |

    Ehrlich gesagt bin ich von der Entwicklung, die regensburg-digital genommen hat, oder besser gesagt: nicht genommen hat, enttäuscht.

    Über gelegentliche Blogbeiträge von noch gelegentlicherer Relevanz ist diese Seite jedenfalls trotz erheblichen Potentials immer noch nicht hinausgekommen. Schade.

  • Wolfram Heinrich

    |

    Günther Herzig: >>Natürlich wird dieser Beitrag wieder nicht veröffentlicht.<<
    Wieder so ein Yamasaki (Jammersäckchen), das sich über erlittenes Unrecht beklagt, noch bevor ihm dieses Unrecht angetan worden wäre, noch bevor er weiß, OB es ihm angetan wird. Hl. Muttergottes von Tschenstochau!

  • Günther Wilhelm Herzig

    |

    Heinrich mir graut vor Dir!
    Lassen Sie sich doch bitte was originelleres einfallen.
    Ich wünschen Ihnen ein gutes Neues Jahr. Ich könnte es schwer verwinden, 2023 nichts von Ihnen zu hören.
    (Übrigens, ich speichere alle Texte, die ich absende. Stefan Aigner hat vielleicht eine Liste der Texte, die ich nicht mehr finde.)

  • Strategos

    |

    Als ob ich diesen Beitrag vorhergesehen hätte, habe ich vor wenigen Tagen noch auf dem letzten Drücker für rd gespendet.

  • Radler33

    |

    Wir haben unser 3. Auto verkauft und können uns nun die Monatsmiete für einen Garagenstellplatz sparen. Da ist bestimmt ein Bruchteil für RD drin! Da seht ihr mal, welche Opfer wir für euch bringen!

  • Radler33

    |

    @Herzig
    “Kein Kommentar” ist eine Antwort auf eine Frage. Also z.B. wenn man gefragt wird und man nichts dazu sagen möchte.

    Als Inhalt für einen Kommentar eher ungeeignet.

  • Günther Herzig

    |

    @Native
    You made my day!
    Danke
    Jetzt, wo wir wissen, dass Radler 33 ein Auto verkauft hat, um r-d zu beschenken, bin ich gerührt, aber auch verstört, welchen Stoff uns der Herr präsentiert. Wir sollten alle dankbar sein im gleichen Medium Beiträge schalten zu dürfen, wie der generöse Radler, der ganz nebenbei auch noch unentgeltlich Deutschunterricht erteilt. Da hilft es nicht, ihm zu erklären, dass er etwas nicht verstanden hat. Ich freue mich darauf mitzuerleben wie er Lernerfolge erzielt, mit denen er prahlen kann. Er wird vielleicht noch ein Auto verkaufen, um die aktuelle Beachtung seiner Person weiter zu fördern.

  • Günther Herzig

    |

    Sehr geehrter Herr Radler 33. Ich will ihnen nicht etwas beibringen, das sie überfordern könnte.
    Eine Idee habe ich aber:
    Verkaufen Sie alle Autos und fahren sie Fahrrad. Sie nennen sich ja auch so. Und vergessen Sie nicht Stefan Aigner immer wieder daran zu erinnern, dass Sie ihn fördern. Er braucht Sie zwar nicht, aber Sie werden ein gutes Gefühl haben, dass Sie wahrgenommen werden mit Ihrer generösen Ankündigung einer Kleinspende.

  • Radler33

    |

    Sehr geehrter Herr Herzig,
    ich fürchte Ihr Ironiedetektor muss zur Inspektion. [ Ich ‘abe gar kein Auto ]

  • Native

    |

    Das ganze Leben ist ein Quiz

    „Die Zukunft war früher auch besser!“
    „Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es jetzt schon ist!“
    „Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische!“

    Karl Valentin (der Große)

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drin