Linke-Stadträte: “Umweltschutz ist nicht entbehrlich“

Naturschutz versus Arbeitsplätze? Mit großer Befremdung nahmen die beiden Linke-Stadträte Irmgard Freihoffer und Richard Spieß die Äußerung von Oberbürgermeister Schaidinger auf, bei der Abwägung zwischen Naturschutz und der Schaffung von Arbeitsplätzen habe man in der Vergangenheit nicht dem Naturschutz Vorrang eingeräumt. „Der OB suggeriert, dass Naturschutz der Schaffung von Arbeitsplätzen hinderlich sei, wenn nicht sogar im Weg stünde. Dieser Gegensatz ist falsch. Die rein betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise verhindert den Blick auf die größeren Zusammenhänge und die volkswirtschaftlichen als auch globalen Auswirkungen. Arbeitsplätze dürfen nicht gegen, sondern müssen mit dem Naturschutz geschaffen und in Einklang gebracht werden“ so Spieß. Es sei absolut ignorant und kurzsichtig, zu übersehen, dass die Kosten, die wir uns heute für fehlenden Umweltschutz sparen und Risiken, die wir nicht oder nicht sofort zu tragen haben, ausgelagert werden und woanders anfallen. Sie werden künftigen Generationen hier als auch den Menschen in anderen Ländern aufgebürdet. In vielen Ländern, in denen Menschen ohnehin schon in großer Armut leben, zeigten sich dafür die Auswirkungen umso gravierender. So werden ganze Ernten vernichtet, wenn z. B. Bangladesh mit immer schwereren Überschwemmungen oder die Länder der Sahel-Zone mit noch größerer Trockenheit zu kämpfen haben. „Die Menschen dort müssen die Risiken und Kosten unserer klimaschädlichen Politik erleiden und tragen, obwohl sie diese nicht verursacht haben“ stellt Freihoffer fest. Aber auch hier in Deutschland und Regensburg würden mit diesem kurzsichtigen Blick die Probleme ignoriert, z. B. die ständige Zunahme des Verkehrs in einer stark wachsenden Stadt unter der viele Menschen leiden. Lärm, Feinstaub, Energie-, Ressourcen- und Landschaftsverbrauch und Zeitvergeudung durch Staus mindern die Lebensqualität erheblich und verursachen Kosten an der Gesundheit als auch für Maßnahmen zum Ausgleich zerstörter Natur, die ebenfalls nicht in unserem Haushalt erscheinen. Dass Regensburg ohnehin nicht Vorreiter in Sachen Umwelt- und Klimaschutz sei, zeige das Ergebnis des Klimaschutzwettbewerbs, an dem Regensburg 2010 teilnahm und nur einen hinteren Platz erreichte. Erst letzte Woche fand die Abschlusskonferenz des Forschungsprojekts des Bundes “Kommunale Strategien zur Anpassung an den Klimawandel in Regensburg“ statt. Hier sei deutlich festgestellt worden, dass entsprechende Maßnahmen zur Reduzierung des Klimaanstiegs sofort umgesetzt werden müssten. „Der Oberbürgermeister setzt mit seiner Äußerung zum Naturschutz, der gegenüber Arbeitsplätzen nachrangig sei, ein völlig falsches Signal nach außen für die Bürgerinnen und Bürger als auch Vereine, Handel und Industrie in dieser Stadt. Er handelt nach dem Motto: ‚Umweltschutz ist zwar schön, aber entbehrlich.’“

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