Entdecke Veranstaltungen in Regensburg Alle Kultur Oekologie Soziales Kino

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus für Regensburg!

Hallo. Schön, dass Sie hier lesen oder kommentieren. Fast noch mehr freuen würden wir uns, wenn Sie die Arbeit von regensburg-digital mit einem kleinen (gern auch größerem) Beitrag unterstützen. Wir finanzieren uns nämlich nur zu etwa einem Drittel über Werbeanzeigen. Und für die gibt es bei uns auch ausdrücklich keine zusätzliche Gegenleistung, etwa in Form von PR-Artikeln oder Native Advertising.

Mehr als zwei Drittel unseres Budgets stammt aus Spenden – regelmäßige Beiträge von etwa 300 Mitgliedern im Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.

Anders ausgedrückt: Wir bauen auf Sie – mündige Leserinnen und Leser, die uns freiwillig unterstützen. Seien Sie dabei – mit einem einmaligen oder regelmäßigen Beitrag. Herzlichen Dank.

Spenden Sie mit
Pausen-Kolumne

Morgen, Regensburg! Podcast, Ausblick und ein Gastbeitrag zum Krippenfreund

Trotz Weihnachtspause geht es weiter mit unseren Plauderrunden bei Ghost Town Radio. Weihnachtlich ging es auch bei einem Adventsvortrag des Bischofs zu, weniger beim Immobilienmanagement des Bistums, wie unser Gastautor Erwin Aschenbrenner schildert.

Ja, ja. Ich weiß, wir sind eigentlich in der Weihnachtspause. Doch unser Gespräch mit SPD-Stadtrat Alexander Irmisch bei Ghost Town Radio letzten Sonntag (28. Dezember) will ich Ihnen/euch nicht vorenthalten. Es ging um die SPD, die Oberbürgermeisterin, den Bruch mit der Brücke – und wie es jetzt weitergehen soll. Angenehm offen. Hier die Aufzeichnung unserer Live-Sendung als Podcast.

Kommenden Sonntag – 4. Januar – sind wir wieder live on air und ziehen eine kleine Jahresbilanz – gerne mit vielen Fragen im Chat. Vielleicht mit Gast.

WERBUNG

Unsere politischen Plaudereien setzen wir am 11. Januar mit Sebastian Wanner fort, OB-Kandidat der Linken. Am 18. Januar kommt mit Helene Sigloch die Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen. Beginn jeweils um 18.30 Uhr.

Der Krippenfreund, die Wohnungsnot und das bischöfliche Immobilienmanagement

Gastbeitrag von Erwin Aschenbrenner

Animiert auch durch den Artikel von Regensburg Digital zu einer Lesung bei Akuso und den dort ausgestellten Krippenbildern habe ich einen Adventsvortrag von Bischof Rudolf Voderholzer zu den Weihnachtskrippen in Böhmen und Ostbayern besucht. Knapp 30 Interessierte hörten vielfach nickend seinen Ausführungen über die von Prager Jesuiten im 16. Jahrhundert ausgehende Geschichte der Krippen und deren Romantik in Form und Spiel zu.

Kein einziges Wort verlor der Bischof zum christlich-weihnachtlichen Motiv hinter der Krippen-Geschichte: die verzweifelte Suche nach einer Herberge.

Nachfragen waren nicht vorgesehen. Es wäre auch befremdlich gewesen, die Weihnachtsstimmung der frommen Krippenfans mit einem Blick auf Kirchenpraxis und Gegenwart in Regensburg zu konfrontieren: Wohnungsnot und Gentrifizierung und wie nicht zuletzt die Katholische Kirche, der Akteur mit den wertvollsten Grundstücken und Bauten in Regensburg, durch seinen Umgang mit Leerständen und seinen Verkäufen dazu beiträgt.

Unbestritten leisten viele kirchliche MitarbeiterInnen eine großartige Arbeit – z.B. in der Caritas in Bereichen wie Jugendfürsorge, Seniorenbetreuung, Migration … Und diese Seelsorge muss finanziert werden.

Da braucht sich aber das Bistum Regensburg trotz relevant abnehmender Kirchensteuereinnahmen wenig Sorgen machen. Verwaltet es doch unzählige Immobilien, die es teuer verkaufen kann.

Während die Evangelische Kirche bei der Veräußerung ihrer Immobilien oft darauf achtet, dass soziale Nutzungen zum Tragen kommen, verkauft das katholisch-bischöfliche Immobilienmanagement (die Hauptabteilung 8 des Bistums) gerne meistbietend seine wertvollen Grundstücke und Bauten. (Vergleiche etwa MZ 31.01.2024 „Drei Zimmer, Küche und Altar“)

Zwei Beispiele aus dem Regensburger Westen: Dechbettener Straße 49 und Wittelsbacherstraße 7.

Ersterer Verkauf und seine dramatischen Folgen sind längst geschehen. Bei zweiterem steht trotz Einsatz teurer Makler seit 2017 (!) wertvoller zentrumsnaher Wohnraum immer noch leer. Dabei war lange vorher der Leerstand absehbar. Jetzt verfällt der schöne alte Klosterbau ungenutzt vor sich hin. Ein Spekulationsprojekt? Der Grundstückspreis hat sich wohl seit Leerstand vervielfacht. Auch für eine soziale Zwischennutzung hatte das kirchliche Management offenbar nicht das nötige Gewissen.

Zur Dechbettener Straße 49

2023 verkaufte das Immobilienmanagement des Bistums das Grundstück an ein bekanntes Immobilienunternehmen: zum Höchstpreis, ohne ökologische oder soziale Bedingungen, wissend, dass die Mieter des Hauses, teils seit über 50 Jahre dort wohnend, werden ausziehen müssen. Ebenso klar war, dass für einen Neubau, der den hohen Kaufpreis amortisieren kann, ein Großteil der über 20 geschützten Bäume gerodet werden.

Genau das geschah: Das Bauordnungsamt genehmigte den Abriss des Hauses sowie die Fällung aller Bäume bis auf eine einzige Eiche.

Abgeräumt: die Dechbettener Straße 49. Foto: as

Absurdität am Rande: Auf dem Nachbargrundstück Dechbettener Straße 47b hatten wir vor knapp 30 Jahren den betonierten Innenhof einer Lackiererei entsiegelt für unseren kleinen Garten.

Im Februar 2025 wurde in einer städtischen Broschüre zu Fördermöglichkeiten für mehr Grün diese Aktion von 1997 als einziges (!) positives Beispiel für Entsiegelung in Regensburg genannt. Gleichzeitig (!) konnten aber nebenan im fünffach größeren Nachbargarten städtisch abgesegnet 20 alte Bäume gefällt werden. Dieser Fall schaffte esy sogar in die TV-Satire „Quer“ des BR.

Ein langes Gespräch mit dem Bischof und sein Versprechen

Schon 2023 hatte ich Kontakt gesucht mit Verantwortlichen insbesondere des bischöflichen Immobilienmanagements und der sogenannten „Sinnstiftung Regensburg“, dem Ansprechpartner für die vielen kirchlichen Stiftungen und deren riesige Güter. Vergeblich. Bis ich zu meiner Überraschung im April 2024 eine Einladung zum Gespräch mit Bischof Voderholzer erhielt.

Er nahm sich über eine Stunde Zeit. Und es ging um vieles: etwa um Reichtum und Armut (?) des Bistums, um die augenfällige Fragwürdigkeit der Kirchensteuer, am Ende natürlich auch noch um Krippen.

Mein Anliegen war, die Praxis des Immobilienmanagements zu besprechen. Die Sache mit der Dechbettener Straße 49 war zwar „verloren“, aber damals stand schon akut der Verkauf der ökologisch wie sozial bedeutenden Klosterimmobilie an der Wittelsbacherstraße an.

Ich wertete es als großen Erfolg, als der Bischof versprach, sich dafür einzusetzen, dass bei künftigen relevanten Immobilienentscheidungen eine Vernetzung zwischen Immobilienmanagement und Pastoral stattfindet, konkret mit der für Soziales und Ökologie zuständigen Hauptabteilung 2. Zumindest die Umweltberatung des Bistums sollte bei dem östlich an den Dörnbergpark angrenzenden wertvollen Garten einbezogen werden.

Meine Vorfreude war offenbar naiv. Denn trotz mehrfacher Nachfrage geschah nichts in der Art. Steht der Bischof nicht zu seinem Wort? Sollte das Gespräch und Versprechen mich nur ruhigstellen? Oder ist der „Vorsteher“ einfach zu ohnmächtig in seinem Bistum?

Nach mehreren Monaten kam immerhin vom neuen Hauptabteilungsleiter HA8, Herrn Balletshofer eine „Antwort“ – maximal lapidar:

„Vielen Dank für Ihr Interesse an Ökologie und Umweltschutz, insbesondere im Zusammenhang mit dem Verkauf der Wittelsbacher Straße 7. Seien Sie versichert, dass auch wir diese Positionen ernst nehmen und entsprechend in unsere Überlegungen einfließen lassen.“

Keine Spur von der vom Bischof zugesagten Zusammenarbeit mit der Pastoralabteilung. Dabei hätte die dort angesiedelte Umweltberatung genau den Auftrag, den Hauptamtlichen im Bistum die „Umweltverantwortung in ihren unterschiedlichen Handlungsformen ins Bewusstsein“ zu rufen.

Wohlklingende Floskeln eines kirchlichen Wirtschaftsunternehmens

Auch eine Recherche zu den über 300 Seiten der Baurichtlichtlinien des Bistums, die 2025 neu verfasst wurden, macht wenig Hoffnung. Zwar gibt es jede Menge ‚heilige‘ Überschriften wie „Nachhaltigkeit und schöpfungsbewusstes Handeln“ oder „Ökologisches Bauen“.

Zum Baumschutz wird auf S. 212 pflichtgemäß der allgemein gültige § 39 des Naturschutzgesetzes (jahreszeitliches Baumfällverbot) zitiert. Nur um dann als bistümliche Besonderheit explizit den Tipp zu geben, dass sich hinsichtlich der eingeschränkten Baumfällungszeiten durch Antrag bei Naturschutzbehörden eine Ausnahme bekommen lässt.

Verfallender Leerstand: die Wittelsbacher Straße 7. Foto: as

Das Kapitel „Ökologisches Bauen“ (S. 144f) behandelt vor allem Energiebilanzen und verweist auf den größeren Energiebedarf bestehender alter Bausubstanz. Deren Wert als „graue Energie“ wird gar nicht thematisiert. Zudem gibt es den obligatorischen Verweis auf die Enzyklika Laudato si´, die entschieden ökologische über ökonomische Prinzipien stellt.

In der Praxis kümmert die päpstliche Intention das Immobilienmanagement nicht. Es sieht den Auftrag bei seinen Verkäufen an Meistbietende offenbar in der Geldbeschaffung für das Bistum.

Wenn danach geschützte Bäume gerodet, graue Energie vernichtet und alte Mieter rausgeworfen werden, braucht das nicht mehr zu interessieren. Die Hände waschen sich so von selbst in Unschuld. Romantischer und für den Bischof erfreulicher ist, mit dem beschafften Geld zum Beispiel ein Krippenmuseum einzurichten.

Die konzeptionelle Grundlage der neuen Baurichtlinien ist der große Reformprozess des Bistums: „Pastorale Entwicklung 2034“. Er ist die Regensburger Reaktion auf den Rückgang an Steuereinnahmen und den dramatischen Schwund an Priestern. Der Umgang mit Immobilien spielt darin eine wesentliche Rolle.

Der „Reformprozess“ will erleichtern, dass Immobilien, die pastoral nicht mehr nötig sind, möglichst unkompliziert verkauft, vermietet oder umgenutzt werden können. Die Finanzierung des pastoralen Apparats Bistum, seine Einnahmen und Ausgaben, sollen so „zukunftsfähig“ gestaltet werden.

Zur Ausgabenseite des Bistums passt noch ein Blick auf einen Artikel von Christian Eckl (Mittelbayerische Zeitung, 25.01.2024), der hinsichtlich radikaler Kirchenkritik sicherlich unverdächtig ist:

„Wie jedes Unternehmen auch hat die Kirche auch in einem Sektor besondere Steigerungen zu verzeichnen. Für die Diözesanleitung – also die Kirchenspitze – gab das Bistum 2023 mehr als 49 Millionen Euro aus. Im Jahr 2018 waren es noch knapp 27,5 Millionen Euro. Bei der Seelsorge sanken die Ausgaben von 207 Millionen in 2018 auf heute noch 191 Millionen Euro.“

Wie geht es weiter mit der Kloster-Immobilie am Dörnbergpark?

Das das Immobilienmanagement des Bistums setze für stolze 100.000 Euro einen Makler ein, der schließlich sieben Kaufbewerber fand. In der MZ wird er im Mai 2024 zitiert: Der Verkauf „wird nicht rein über den Preis, sondern ein Stück weit auch übers Konzept vergeben. Es geht hier nicht um Gewinn-Maximierung.“

Die Realität spricht freilich dagegen: unter den Bewerbern waren zwei Genossenschaften und das Mietshäusersyndikat, die jeweils auch Konzepte zum Erhalt des Klostergebäudes und der Bäume vorwiesen. Genau diese drei wurden als erste aussortiert.

SUPPORT

Ist dir unabhängiger Journalismus etwas wert?

Dann unterstütze unsere Arbeit!
Einmalig oder mit einer regelmäßigen Spende!

Per PayPal:
Per Überweisung oder Dauerauftrag:

 

Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14 7509 0000 0000 0633 63
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (16)

  • maslos

    |

    Ich habe schon lange aufgehört mich über die kath. Kirche aufzuregen. (Magengeschwür vermeidung etc. pp.)

    “Die Realität spricht freilich dagegen: unter den Bewerbern waren zwei Genossenschaften und das Mietshäusersyndikat, die jeweils auch Konzepte zum Erhalt des Klostergebäudes und der Bäume vorwiesen. Genau diese drei wurden als erste aussortiert.”

    Also lieber so richtig vergammeln lassen als im christlichen Sinne (Unterkunft) einer vernüftigen Nutzung zuzuführen!

    12
    24
  • Juko

    |

    Sehr guter und wichtiger Artikel über die kapitalistischen und gar nicht christlichen Immobilien-Geschäfte der katholischen Kirche in Regensburg. Hoffentlich erreicht er auch Menschen, die immer noch brav die Klingelbeutel füllen und Kirchensteuer zahlen.

    11
    27
  • Eva

    |

    Danke für diesen Einblick!
    Eieiei, dabei würd doch in der Weihnachtsgeschichte so viel Aktuelles und Relevantes drinstecken. Wie Sie geschrieben haben: Stichwort verzweifelte Herbergssuche.

    8
    23
  • Norbert Buchberger

    |

    Wieder mal viel Polemik gegen die katholische Kirche. Wird ja gerade hier sehr gerne gelesen. Diese Polemik zeigt aber auch, dass nicht viel sachliches für den Artikel zur Verfügung stand. Warum die im letzten Absatz erwähnten Bewerber aussortiert wurden, bleibt man dem Leser schuldig. Wenn sie Konzepte hatten, welche? Waren sie umsetzbar, oder nur Träumereien? Oder liegt es einfach nicht an der katholischen Kirche, dass dieses Objekt nicht verkaufbar ist, sondern an den damit verbunden, gewünschten sozialen und umwelttechnischen Auflagen? Wie sahen diese Auflagen aus?

    28
    14
  • Mr. T.

    |

    Kaum zu glauben, wie lange die Christen ihre Mär von der Barmherzigkeit so weit am köcheln halten können, um nach mehr als 2000 Jahren den Menschen damit immer noch das Geld aus der Tasche ziehen zu können. Das ist der langlebigste Enkeltrick der Welt. Immer noch sind Menschen enttäuscht, wenn sie sehen, dass die Kirche, besonders die römisch-alkoholische, ganz anders handelt als sie es sich eigentlich auf die Fahnen schreibt. Die Lernkurve ist jedoch bei den meisten so dermaßen flach, dass der Zeitpunkt der Erkenntnis meist hinter das Ende der Lebenserwartung fällt.
    Da können noch so viele gute Artikel wie dieser geschrieben werden, die Fakten werden schnell vergessen, solang der Herr Pfarrer immer so nett grüßt – und ein anderer weiter die Angst vor dem Höllenfeuer schürt, wenn man sich zu Lebzeiten von dem ganzen Kasperltheater (Sorry, Herr Maltz) verabschiedet.

    13
    31
  • Christian Huber

    |

    “Beiss nicht die Hand, die dich füttert” fällt mir dazu nur ein, denn immer noch ist die katholische Kirche mit ihrem nachgesagten Reichtum der größte Sozialträger in Deutschland

    26
    10
  • Volker Artmann

    |

    Werter Mr. T.: Informieren Sie sich bitte über die Sternsingeraktion der katholischen Kirche. Diese ist aktuell wieder gestartet und weltweit die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kindern. Daran sollten auch Sie erkennen, dass Barmherzigkeit in der katholischen Kirche kein Märchen ist, sondern seit Jahren gelebt wird.
    Und ein wenig Polemik sei mir auch mal erlaubt: Diese Sternsingeraktion ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt – und noch niemand hat sich dafür auf die Straße kleben müssen.

    16
    7
  • Daniela

    |

    @ Christian Huber
    31. Dezember 2025 um 16:40 | #

    Vernünftiger Beitrag. Danke. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was die Kirche, bzw. einzelner Vertreter derselben, von sich gibt.
    Aber wie viel christliches Engagement es in kirchlichen Einrichtungen gibt, wird hierbei gerne vernachlässigt.

    Wie viel soziales Engagement und Dienstleistung würden verloren gehen, wenn sich die Kirche aus sozialen Dienstleistungen zurück zöge?

    Wie viele Leistungen haben andere Trägerschaften (städtische, staatliche…) schon bereitwillig an die Kirche abgegeben, um die Kostenfrage zu umgehen?

    Ich hatte meine Kinder in einem Klosterkindergarten. Ohne diesen Kindergarten hätte ich keinen Platz bekommen.

    Also bitte immer beide Seiten der Medaille betrachten, bevor man sich blind ereifert.

    16
    7
  • Erwin Aschenbrenner

    |

    Ich bedanke mich bei den KommentatorInnen für die bestätigenden und die kritischen Worte. Schön, dass es auch auf diesem Portal noch einige Verteidiger der Institution Kirche gibt, wie zudem die anonymen likes zeigen.
    Stammtisch-Bashing der Institution und ihrer Vertreter etwa nach dem sich verbreitenden Motto “jeder Pfarrer ein Vergewaltiger” finde ich ekelhaft und liegt mir auch als ehemaliger Theologe fern. Mein Artikel zitiert aber einfach nur Richtlinien der Institution, erzählt erlebte Geschichten und nennt Beispiele vom unchristlichen Handeln bzw. Nichthandeln des bischöflichen Immobilienmanagements. Gerne und explizit habe ich die Sozialleistungen der katholischen Kirche und Pastoral auch im Bistum Regensburg gewürdigt. Ob das aber die gegenteiligen Wirkungen des so mächtigen Immobilienmanagements und die unehrliche oder feige Haltung eines Bischofs entschuldigen oder gar aufwiegen kann, das bezweifle ich sehr. Fehlende Sozialverantwortung gegenüber Herbergssuchenden, die die Weihnachtsgeschichte eigentlich doch nahe legt, passt jedenfalls so gar nicht zur romantischen bischöflichen Krippenbegeisterung. Gerade an Weihnachten mal den Finger in diese Wunde zu legen, schien mir zumindest angebracht. Jedenfalls mehr, als der von C. Huber hoffentlich nur ironisch gemeinte Tipp, auf den sich viele Kirchenvorsteher immer noch verlassen können: “Beiss nicht die Hand, die dich füttert”. Wer füttert hier letztlich wen?
    Und lieber Norbert Buchberger: es würde mich riesig freuen, wenn SIE das bischöfliche Immobilienmanagement mal dazu animieren könnten, zu begründen, warum es das Klostergebäude mit Traumgarten über sieben Jahre lang ungenutzt verfallen lässt und warum es im Sommer 2024 sofort und genau drei genossenschaftliche Bewerber aussortiert hat, um danach weitere eineinhalb Jahre lang wieder keine positive Entscheidung für einen Käufer treffen zu können oder zu wollen. Weder mir noch nachfragenden JournalistInnen ist es bisher gelungen, die von Ihnen gewünschte Auskunft zu bekommen.
    Übrigens, von einer Genossenschaft sind die Bewerbungsunterlagen öffentlich zugänglich: siehe https://gemeinschaftlich-wohnen-regensburg.de/docs/Demosios_Konzept_Wittelsbacherstr_Abgabe.pdf. Verstehen SIE, warum diese “nicht umsetzbar oder eine Träumerei” sein sollten? Aktuell bewirbt sich dieselbe Genossenschaft für ein Projekt auf dem PLK Gelände bei der Stadtbau und wird meines Wissens von dieser durchaus ernst genommen. Leider kann aber die Genossenschaft dort keinen Altbau mehr retten.

    18
    8
  • Christian Huber

    |

    Sehr geehrter Herr Aschenbrenner, mein Kommentar bezog sich nicht auf Ihren Artikel, sondern auf die Kommentare davor. Ihre Bemühungen auf Auskunft über die Leerstände der Diözese beim Bischof sind anerkennenswert. Allerdings war wohl zu erwarten, dass das Ergebnis genauso ernüchternd sein wird, wie wenn Sie die Bürgermeisterin zum Leerstand des früheren REWAG-Gebäude befragt hätten. Mich wundert nur, dass einige von einem Bischof mehr erwarten, als von ihrer gewählten Oberbürgermeisterin, die in ihrem sozialdemokratischen Grundsatzprogramm dieselben Richtlinien (zum Thema “Herbergssuche”) stehen hat, wie der Bischof in der Bibel.

    17
    3
  • Roman Serlitzky

    |

    Baukonzepte werden in der Regel abgelehnt, wenn sie in sich bereits widersprüchlich sind. In dem Fall von Demios könnte das daran liegen, dass sie das bestehende Gebäude erhalten und sanieren wollen, gleiches gilt für den Baumbestand, der ebenfalls unangetastet bleiben sollen. Aber bereits auf Seite 1 ist von einem weiteren geplanten Gebäude die Rede, welches auf diesem gerade mal 4300m² großen Areal errichtet werden soll. Wie sie sich das vorstellen, ohne einen der bestehenden Bäume zu entfernen, bleibt in dem Konzept offen.

    Ob dies nun der tatsächliche Grund für die schnelle Ablehnung war, kann ich natürlich auch nicht sagen. Aber zumindest zeigt es, dass es oft schwierig ist, “Herbergssuche” und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen.

    14
    0
  • Erwin Aschenbrenner

    |

    Lieber Herr Huber: Anfragen an die Stadt werden nach meiner Erfahrung zumindest sehr viel bemühter beantwortet. Zur erwähnten Baumfällung Dechbettener Str. 49 habe ich von der Bürgermeisterin ausführliche (rechtlich abgesicherte) Antworten mit Bitte um Verständnis bekommen, auch schon bevor «Quer» einen TV-Satire dazu brachte. Ob beim Bistum überregionale Presse helfen würde – man müsste es testen!
    Bei der Stadt ging es am Ende um ein streitbares Thema (das inzwischen von der Stadtbau am PLK-Gelände anders gesehen wird): Recht auf Tiefgaragenplätze unter der Haustüre (also gentrifizierende Nachverdichtung) sticht Baumschutz.
    Die hier geschilderte Bistums-Angelegenheit ist „moralisch“ sehr viel simpler und eindeutiger. Es gibt ein Versprechen des Bischofs, zumindest die eigenen (ökologischen und sozialen) Kompetenzen in die Entscheidungsfindung auch bei seinem mächtigen Immobilienmanagement einbringen zu wollen. Was wir ganz einfach erwarten sollten: dass der Bischof zu seinem Wort steht. Oder alternativ auch gerne, dass das Immobilienmanagement sich von sich aus NICHT besserwisserisch gegenüber den eigenen (übrigens vom Bistum ebenfalls gut bezahlten) sozialen und ökologischen Kompetenzen verschließt.

    5
    11
  • Norbert Buchberger

    |

    Herr Dr. Aschenbrenner, Ihr Gespräch mit dem Bischof im April 2024 dauerte über 90 Minuten. Das Gesprächsprotokoll liegt mir vor. Der Inhalt entspricht in keinsterweise dem, was Sie hier wiedergeben. Über die Immobiliensituation, welche Sie hier zum Thema machen, wurde sehr ausführlich gesprochen. Es war nicht nur das lapidare Versprechen des Bischofs, welches Sie hier wiedergeben. Es wäre gut, wenn Sie einen Weg finden, die Sichtweise des Bischofs, sagen wir mal, etwas genauer und ausführlicher wiederzugeben.

    Ein Gespräch mit dem ehrwürdigen Bischof in dieser Ausführlichkeit ist nicht unbedingt selbstverständlich. Verspielen Sie diese Bereitschaft nicht auf so naive Weise.

    15
    4
  • Irena Kuczynski

    |

    Diskussionen über die Kirche mit dem moralischen Hinweis auf die “Herbergsuche” kommen jedes Jahr um diese Zeit. Nur hat sich da schon so mancher die Finger verbrannt, denn wenn man den Begriff benutzt und seine Argumentation darauf aufbaut, sollte man die Weihnachtsgeschichte auch kennen.

    Leider tun das die wenigsten. In diesem Teil aus dem Lukasevangelium geht es um die vorübergehende Beherbergung einer Familie, die sich wegen einer “notwendigen Formsache” nur kurz in Bethlehem aufhalten muss und anschließend wieder in ihre Heimat zurückkehrt. Aufgrund der bevorstehenden Geburt ist jedoch eine vernünftige Unterkunft notwendig.

    Solche akuten Notlagen gibt es auch in der heutigen Zeit. Jedoch: Staat und Kirche schaffen das, gemeinsam oder jeder für sich. Dies zeigen die vielen staatlichen und kirchlichen Einrichtungen dazu.

    In dem Artikel des Gastautors geht es aber überhaupt nicht um die Bekämpfung solcher akuten Notlagen, sondern um die Schaffung von Wohnraum mit Ansprüchen, die weit über eine akute Notlage hinausgehen und denen man deshalb mit Moral wohl kaum entgegnen kann.

    Die Ansprüche an diesem Wohnraum sind: preisgünstig, kurze Einkaufswege, leicht erreichbare Arbeitsplätze, sowie Bildungsmöglichkeiten, Kulturmöglichkeiten, am besten Innenstadtlage und trotzdem schöner Garten mit vielen Bäumen. Alles Ansprüche, die berechtigt sind und die man durchaus haben kann.

    Würde man jedoch die meisten dieser Ansprüche zurückschrauben, findet man auf dem Land preisgünstige Wohnungen. Von Notlage und mangelnder Barmherzigkeit kann also zumindest hier in Deutschlang gar nicht die Rede sein.

    3
    3
  • Erwin Aschenbrenner

    |

    Hallo Herr Buchberger! Das finde ich ja spannend, dass noch ein Protokoll zu meinem Gespräch mit Herrn Voderholzer vorliegt und dass es sogar über 90 Minuten waren. Ich selbst habe kein Protokoll geführt und kann deswegen nur zitieren, was mir im Kopf blieb. Entsprechende Überschriften habe ich im Artikel schon genannt. Eine hochbrisante kirchenpolitische Aussage könnte ich auch gerne noch wortwörtlich zitieren, sonst leider nur grob und nichts wortgetreu.
    Zum Thema hier (Krippe, Wohnungsnot, Ökologie und Baumschutz in Regensburg) könnte aus meiner Erinnerung zur Sichtweise des Bischofs passen, dass er betonen wollte, dass er für kurze Strecken gerne zu Fuß geht und nicht seinen Chauffeur nützt; und vielleicht ernsthaft wesentlich: dass das Immobilienmanagement des Bistums natürlich auch marktwirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt ist und einen großen Verwaltungsapparat finanzieren muss und deswegen ein Grundstück wie der große Garten in der Dechbettener Straße 49 trotz der geschützten Bäume und alten Mieter halt mal bedingungslos zum Höchstpreis verkauft werden musste; und dass es hinsichtlich Wittelsbacherstraße 7 bald (sic: das war April 2024!) zur Entscheidung kommen sollte und die Verzögerung sich durch große Personalnöte bei der Hauptabteilung Immobilienmanagement erklären lassen …
    Das Gespräch blieb von beiden Seiten sehr freundlich, aber ich gebe zu, mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Natürlich dachte ich u.a. an die vielen Menschen mit echter Wohnungsnot, die vielleicht ohne diese sogenannten Personalnöte seit 2017 zumindest zur Zwischennutzung in dem Kloster hätten unterkommen können. Entsprechend insistierte ich jetzt zumindest in Richtung baldige Umsetzung des Verkaufs mit Bedingungen wie Erhalt des Klostergebäudes und möglichst viel Baumschutz in dem hochwertvollen Garten. Und nannte in dem Kontext die personellen Kompetenzen und Ansprüche des Bistums in seiner Pastoral-Abteilung. Und bekam dann auch hocherfreut das Versprechen, dass Herr Voderholzer für künftige wichtige Entscheidungen die Pastoral-Abteilung mit dem Immobilienmanagement vernetzen wolle. (Wie traurig und arrogant es dann freilich weiterging steht im Artikel.)
    Gibt das für Sie nun den passenden Thementeil im Gespräch ausführlich und genau genug wieder? Falls nicht, könnten SIE die bischöfliche Sichtweise bitte mit ihrem Protokoll “genauer und ausführlicher” zitieren.
    Im Rahmen des genannten Themas schien und scheint mir jedenfalls das von Ihnen lapidar genannte Versprechen das weitaus Konstruktivste und Wesentlichste im Gespräch gewesen zu sein. Schön dass es im Protokoll festgehalten ist!
    Aber was meinen Sie bitte mit “lapidar”? Dass der Bischof es nicht halten braucht? Oder gibt es vielleicht die Hoffnung, dass er es nach 20 Monaten Wartezeit doch noch irgendwie zu halten versucht? Reden Sie mit ihm?
    Sehr zu denken geben mir auch Ihre Schlusssätze. Ja, ich kann erahnen, wie wertvoll die 90 Minuten Gesprächszeit des “ehrwürdigen” Bischofs in manchen Augen ist, wissend wie viele brave und vielleicht auch weniger brave MitarbeiterInnen in der Diözese auf so viel “Gnade” warten würden.
    Schon beim Kommentar “Beiße nicht die Hand, die dich füttert” war ich ernsthaft erschrocken, ob solche Gedanken in hierarchisch denkenden Kirchenkreisen immer noch gängige Schere im Kopf sind. Und jetzt kann ich leider wieder nur hoffen, dass Sie NICHT meinen, was ihr letzter Satz zum “ehrwürdigen” Bischofsgespräch so deutlich nahe legt: “Seien sie dankbar und kritisieren sie nicht!”
    PS:
    Übrigens, auch zu meiner ersten Bitte und Frage an Sie in Kommentar 9 erhoffe ich noch Ihre Antwort.
    Und vielleicht mögen Sie ja selbst aus Ihrem Protokoll zum Thema dieses Gastbeitrages etwas tatsächlich positiv Wesentlicheres aus der Sichtweise des Bischofs ergänzen. Ich bin neugierig.

    3
    3
  • Erwin Aschenbrenner

    |

    Achje, das wird wohl nichts mehr mit einer öffentlichen Begründung, warum der Bischof sein (wie ich jetzt weiß: dem Bistum auch als Protokoll vorliegendes!) Versprechen nicht halten mag. So wird wohl das Klostergebäude Wittelsbacher Straße 7 irgendwann meistbietend verkauft und dann von Pilatus-Immobilie weggerissen werden samt wertvoller Bäume im Garten.
    DAS war das zentrale Thema des Artikels.
    regensburg-digital schaltet die Kommentarfunktion nach 10 Tagen ab, das ist dann wohl heute. – Danke für weitere Kommentare (R.S. und I.K.), die in ihrer eigenen Fragestellung natürlich richtig sind.

    Die seltsamen Kommentare und Vorwürfe von Mitarbeitern des „ehrwürdigen Bischofs“ haben zuletzt auch mich genötigt, andere Themen anzureißen, insbesondere das Betriebsklima der bischöflichen Unterwürfigkeit, jedenfalls außerhalb der Abteilungen Finanzen und Immobilien. (Übrigens: auch Like- und Dislike-Pakete im Dutzend jeweils nach Kurzkommentaren von Herrn Buchberger sprechen für sich.)
    Jetzt verstehe ich jedenfalls noch mehr, wie es Herrn Pinzer (der aktuell als Militärpfarrer im Libanon agiert) in diesem Bistums-Betrieb ergangen sein muss, als er 2022 nach 15 Jahren Leitung der Pastoral-Abteilung den Bischof mit einem langen, sehr eindrücklichen Brief um Entlassung aus dem Dienst bat. Man kann es nachlesen:
    https://www.akr-regensburg.de/index.php/kritische-texte.html?task=download.send&id=319&catid=3&m=0

    0
    0

Kommentare sind deaktiviert

drin