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Ein Überblick

Niemand hat die Absicht, die Alte Mälzerei kaputt zu machen. Wie geht es jetzt im Kulturzentrum weiter?

Die Stadt hat in der Alten Mälzerei die Kapazitäten auf die strengeren Werte der Baugenehmigung von 1988 zurückgestuft – existenzbedrohend für das Kulturzentrum. Wie kam es dazu und wie geht es jetzt weiter.

Unter den aktuellen Bedingen nicht mehr möglich: Konzert von Attwenger in der Alten Mälzerei. Foto: as

Für Bestürzung bei Veranstaltern und Besuchern sorgte die Nachricht, dass die Gästezahlen in der Alten Mälzerei drastisch eingeschränkt wurden. Regensburg Digital berichtete darüber am Mittwoch exklusiv. Wie kam es zu den neuen strengen und existenzgefährdenden Auflagen für die Alte Mälzerei? Warum kursieren auch bei der Stadt Regensburg unterschiedliche Zahlen zur Kapazität? Wie ist das Konstrukt Alte Mälzerei überhaupt aufgebaut – und wie geht es jetzt weiter? Ein Überblick.

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Geförderter Verein hier, privatwirtschaftliche Gastro da

Die Alte Mälzerei ist ein eigenwilliges Konstrukt. Einerseits gibt es den von der Stadt geförderten gemeinnützigen Verein – den 1988 gegründeten Alte Mälzerei e.V. Laut einer regelmäßig verlängerten Nutzungsvereinbarung übernimmt die Stadt die Miete für die Räume im ersten bis vierten Obergeschoss der Mälze – darunter Theater, Ateliers und Tonstudio. Diese betreibt der Verein.

Jedes Jahr erhält der Alte Mälzerei e.V. zudem einen Zuschuss für Personal, Bewirtschaftung der Räume und für Veranstaltungen. Aktuell sind das rund 250.000 Euro jährlich.

Keine städtische Förderung gibt es für die eigentlichen Veranstaltungsräume – Club, Underground und Cartoon. Diese Spielstätten werden privatwirtschaftlich betrieben, seit einigen Jahren von Ben Schmid. Er hat die Räume zu frei vereinbarten Konditionen von der Brauerei Paulaner gepachtet.

Schmid vermietet die Räume wiederum an den Verein, private Veranstalter oder beispielsweise auch für Geburtstagsfeiern und finanziert sich über den Gastronomiebetrieb. Abseits davon haben der Verein und er formal nichts miteinander zu tun.

Ein altes Konstrukt

Dieses Konstrukt ist nicht wirklich bekannt, wie die gelegentlich geführte Beschwerde zeigt, warum die Getränke in einem geförderten Kulturzentrum so teuer seien. Es ist historisch gewachsen und existiert seit weit über 30 Jahren.

Die Alte Mälzerei wurde 1993 als städtisches Kulturzentrum eröffnet. Weil der Stadt das Geld fehlte, um das Gebäude zu kaufen und auf eigene Kosten zu renovieren, schloss man eine Vereinbarung mit den Eigentümern – dem Haus Thurn & Taxis.

Thurn & Taxis übernahm den Aus- und Umbau zum Kulturzentrum. Die Stadt mietet es seitdem an – für rund 600.000 270.000 Euro jährlich.

Schon zuvor, seit 1988, hatte es Veranstaltungen in den unrenovierten Räumen gegeben, die Private – wie zum Beispiel Alex Bolland (KUKOZ e.V.) – auf eigene Kosten gemietet hatten. Dieses Konstrukt blieb auch nach der Renovierung. Die Veranstaltungsräume sind von der Förderung ausgenommen und werden wie ein normaler Gastrobetrieb geführt.

Auch bei der Stadt kursieren unterschiedliche Zahlen

Damals, 1988, erteilte die Stadt Regensburg, das Bauordnungsamt, die nach wie vor gültige bauordnungsrechtliche Genehmigung für Veranstaltungen. Aus dieser Zeit stammen die aktuell wieder gültigen strengen Kapazitätsbegrenzungen:

  • maximal 131 Besucher im Hauptraum, dem Club,
  • maximal 65 Gäste im Cartoon,
  • und maximal 60 Gäste im Keller, dem Underground.

Doch wie kam es dazu, dass spätestens mit der Eröffnung als städtisches Kulturzentrum weitaus höhere Besucherzahlen galten und die Veranstaltungen auch bis letzte Woche auf Basis dieser Zahlen durchgeführt wurden.

  • 200 bis 350 Gäste im Club,
  • 50 bis 100 Gäste im Cartoon,
  • 150 Gäste im Keller.

Zweierlei Zahlen

Diese Zahlen wurden nicht nur von der Alten Mälzerei so veröffentlicht, sondern auch vom Kulturamt der Stadt Regensburg – übrigens bis heute. Es ist auch realitätsfern, zu glauben, dass die Stadt bis letzter Woche nichts von den bisherigen Besuchszahlen wusste.

Aktuell: der Überblick des Regensburger Kulturan´mts zu Veranstaltungsräumen mit höheren Zahlen für die Mälze.

Das liegt wiederum daran, dass mit der Eröffnung des Kulturzentrums Alte Mälzerei eine andere städtische Behörde, das Ordnungsamt, andere, deutlich höhere Besucherzahlen genehmigte. Woher die höheren Zahlen stammen, die über all die Jahre öffentlich bekannt waren, bleibt unklar. Jedenfalls geriet die deutlich strengere Baugenehmigung in Vergessenheit und dämmerte in den Aktenschränken der Stadt Regensburg vor sich hin.

Dann kam Crans-Montana…

Dann kam es in der Silvesternacht dieses Jahres zur Brandkatastrophe von Crans-Montana. Bei einer Party fing die Deckenverkleidung Feuer – 41 Menschen starben, es gab 115 Schwerverletzte.

Das ließ die Behörden hellhörig werden, ähnlich wie nach dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg 2010. Dem Vernehmen nach gab es auch den Hinweis von höherer, ministerieller Stelle, die Brandschutzbestimmungen bei Veranstaltungsstätten genauer unter die Lupe zu nehmen.

So tauchte auch die in Vergessenheit geratene Baugenehmigung von 1988 wieder auf. Zeitungsartikel über Konzerte in der Alten Mälzerei mit bis zu 300 Besuchern taten ihr Übriges. Und nach einer Kontrolle vergangene Woche gelten nun die erwähnten strengen Begrenzungen, die eigentlich schon immer galten. Aber bis letzte Woche hatten weder die Stadt noch das Kulturzentrum diese Zahlen noch wirklich auf dem Schirm.

Neue Grenzen führen den Zweck der Alten Mälze ad absurdum

Bleiben diese Begrenzungen in Kraft, ist ein Großteil der Veranstaltungen in der Alten Mälzerei – im Schnitt 160 pro Jahr – nicht wirtschaftlich zu betreiben und/oder für viele Konzerte schlicht unattraktiv. Der ursprüngliche Zweck der Alten Mälzerei würde damit ad absurdum geführt. Die Existenz des Gastronomiebetriebs dort steht auf der Kippe, wenn keine Lösung gefunden wird – und das Kulturzentrum in seiner jetzigen Form.

Eine solche Lösung gibt es zumindest theoretisch – über einen neuen Bauantrag und Umbauten. Breitere Türen, aus- und umgebaute Fluchtwege, flankiert von einem neuen Brandschutzkonzept gehören insbesondere dazu. Dann wären höhere Besucherzahlen möglich, so die Auskunft der Stadt.

„Die Stadt Regensburg hat kein Interesse, die Alte Mälze kaputt zu machen.“

Nach Informationen aus der Stadtverwaltung haben dazu bereits mehrere Gespräche stattgefunden – zwischen Ben Schmid, Vertretern der Fachämter und dem Architekten der Brauerei Paulaner, die für die Umbauten zuständig wäre.

Man befinde sich „auf einem guten Weg“, heißt es. „Die Stadt Regensburg hat kein Interesse, die Alte Mälze kaputt zu machen“, so ein Insider. Doch von heute auf morgen geht das nicht.

Die Wahlkämpfer sind gefordert

Ob und wie es mit der Alten Mälzerei weitergeht, hängt insbesondere davon ab, wie schnell, kooperativ und pragmatisch die Zusammenarbeit zwischen Brauerei und Stadt Regensburg, aber auch zwischen den einzelnen Ämtern untereinander funktioniert. Es geht nicht nur um bauordnungsrechtliche Fragen und um Brandschutz, sondern beispielsweise auch um Denkmalschutz.

Vielleicht ist es ein Glücksfall, dass die Hiobsbotschaft für die Alte Mälzerei mitten in den laufenden Kommunalwahlkampf hineinplatzt. Der Erhalt des städtischen Kulturzentrums, das zu den ersten Adressen im ostbayerischen Raum gehört, ist eine Frage, zu der sich die Kandidatinnen und Kandidaten positionieren müssen. Ebenso wie der Kulturreferent.

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Kommentare (14)

  • Daniel Gaittet

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    Die Alte Mälzerei hat einen Beirat mit Mitgliedern des Stadtrats. Ich habe eine zeitnahe Beiratssitzung angeregt. Wir bekommen das schon hin.

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  • df

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    Mal schauen, wer sich im Wahlkampf als Unterstützer der Mälzerei positioniert. Vermutlich gilt sie manchen schon wieder als zu linksversifft. Vermutlich werden sich 3-4 Parteien ganz leise verhalten

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  • Horst

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    Da kann man jetzt viele schöne Worte finden, aber mit den reduzierten Besucherzahlen ist die Mälzerei tot.
    Ich versteh das Problem grad beim Club, im leicht erhöhten Erdgeschoss, nicht. Da kommt man im Brandfall doch gut durch die Fenster raus, auf 3 Seiten wenn ich mich richig erinnere. Wenn der Anspruch ist, dass sich bei der Evakuierung keiner den Knöchel verstauchen darf, dann glaub ich können wir bald alles zusperren, oder? Es ist auf jedenfall überhaupt kein Vergleich zu einer Kellerbar mit einem Ausgang.

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  • Mr. T.

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    Man muss einfach mal abwarten, bis heraus ist, was für Auflagen erfüllt werden müssen, um die Zahlen des Ordnungsamts auch vom Bauordnungsamt genehmigt zu bekommen. Vielleicht sind es auch nur ein paar Kleinigkeiten. Gerade der Club sollte ja fluchttechnisch kein problem sein. Hat der Underground neben dem Treppenaufgang noch einen zweiten Fluchtweg irgendwo hinten raus?
    Man muss Gefahren auch einmal real betrachten. So eine im wahrsten Sinned es Wortes brandgefährliche Falle wie in Crans Montana hat man ja wirklich nicht überall. Dort wurde ja vorsätzlich gegen alles verstoßen, was geboten gewesen wäre.
    Mit den bauordnungsamtlichen Zahlen macht die Mätze auf jeden Fall keinen Sinn. Ich möchte da nicht auf ein ausverkauftes Konzert mit 130 anderen Leuten gehen. Da kommt ja nie eine Stimmung auf. Deswegen wurden die Zahlen auch von Tag 1 an als irrelevant betrachtet. Damit hätte man nie aufsperren brauchen.
    Ich gehe fest davon aus, dass da jetzt eine pragmatische Lösung gefunden wird. Da bräuchte man jetzt einen hemdsärmeligen, anpackenden OB, der auch mal über ein paar kleinliche Vorschriften hinweg regiert 😉

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  • Fakten Fuxx

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    @GT – Beiratssitzung ist ja aktuell seitens der Mälze nicht gewünscht.

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  • Bert

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    @Fakten Fuxx

    Die Alte Mälze ist nicht private Verfügungsmasse des Mälze e.V.

    In der Mälze stecken 800.000€ städtische Gelder im Jahr.

    Wenn der Verein der Meinung ist, dass nichts getan werden muss, sind da manche Leute vielleicht fehl am Platz.

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  • Daniel Gaittet

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    @Fakten Fuxx: Stimmt. Wusste ich zum Zeitpunkt meines ersten Kommentars aber noch nicht und hat mich auch erstmal irritiert. Passt aber für den Moment.

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  • Max Kreitmair

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    Die Stadt zahlt jährlich 800000 EUR Miete. Hab ich auch nicht gewusst. Wohin gehen dann die Einnahmen aus den zahlreichen Veranstaltungen? Wer verdient dabei?

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  • Dieter

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    Danke für den Zusatzartikel, jetzt ist manches doch klarer.

    Wie es sein kann, dass das Ordnungsamt hier Besucherzahlen freigibt ohne das mit dem Bauamt abzugleichen, ist schon ein Witz.
    Wer hätte denn in einem Schadensfall gehaftet?
    Wahrscheinlich niemand.

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  • Erwin Keidl

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    800kEUR zahlt die Stadt jährlich? Und dann entspricht die Sicherheit der Besucher nicht den Anforderungen?? Also da sollte man schon mal in einer größeren Runde sprechen!!

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  • Mr. T.

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    Max Kreitmair, die Einnahmen aus den Veranstaltungen gehen an den Veranstalter. Der Veranstalter trägt wiederum die Unkosten für die Veranstaltungen, einschließlich der Miete für den Veranstaltungsraum.
    Wenn man den Artikel liest, sieht man, dass die Stadt 600.000 Euro Miete zahlt. Dazu noch 200.000 Euro Zuschuss für Personal und Betrieb. Die Veranstaltungsräume wiederum sind nicht von der Stadt angemietet, nur der Rest vom Gebäude. Diese pachtet der Pächter von Paulaner und vermietet sie an die Veranstalter weiter.

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  • Dominik Müller_alt

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    Mr.T. “Da bräuchte man jetzt einen hemdsärmeligen, anpackenden OB, der auch mal über ein paar kleinliche Vorschriften hinweg regiert”
    Der (soweit auf den 2014 Gewählten bezogen) war im Kukoz-Vorstand und hat mir immer die Briefe geschrieben, wenn der Jahresbeitrag fällig war. Seine politische Ziehmutter war dann ab 1990 OBin, an den Vorschriften vorbei regieren war da nicht mangels eigener Mehrheit.

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  • Dx

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    Mir war nicht bewusst, was die Stadt an € im Jahr für die Gebäudemiete ausgibt… 50 T € im Monat sind schon satt, da hätte man das Gebäude auch seinerzeit von T&T oder Paulaner kaufen können. Aber darum geht es hier nicht: der Club in der Alten Mälzerei ist einer der schönsten Veranstaltungsorte für kleinere Konzerte oder Theaterveranstaltungen oder Slams in Regensburg und aus dem Kulturangebot bei uns – zumindest für mich – nicht wegdenkbar. Ich erinnere mich noch an Konzerte von Champion Jack Dupree (das muss so 1987/1988 gewesen sein, ich glaube der ist 1989 verstorben) oder von Popa Chubby, den der Alex Bolland immer für Regensburg gewinnen konnte, auch die Ana Popovic im Jahr 2012 habe ich noch gut in Erinnerung. Das klingt jetzt nach altem weißen Mann, aber ich bin tatsächlich öfters da.Will sagen: insbesondere für ausgefallenere Musikrichtungen, eine perfekte Location und der Laden war immer brechend voll, ohne dass irgendjemand Angst hatte, das was passieren könnte. Neben dem Haupteingang gibt es, wenn ich das Recht erinnere, zwei Notausgänge hinten raus. Und wie einer der Kommentatoren hier schreibt: Fenster nach drei Seiten. Da sollte es doch möglich sein, genügend Notausgänge für billiges Geld einzurichten, damit der Veranstaltungsort “für eine kleine Fan-Gemeinde von 350 Leuten” erhalten bleiben kann. Dass so ein Laden mit den geringeren Besucherzahlen aus der Baugenehmigung rein finanziell nicht funktionieren kann, sollte jedem einleuchten.

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  • Beda

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    Womit sich Obertraubling bis auf weiteres als einzig professionelle „Regensburg-Stage“ für bekannte Bands etablieren dürfte.

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Kommentare sind deaktiviert

drin