Nach städtischer Kontrolle: Regensburgs Kulturzentrum Alte Mälzerei ist in Gefahr
Eine drastische Begrenzung der Besucherzahlen bringt das Kulturzentrum Alte Mälzerei in Gefahr. Die einen sprechen von neuen Bestimmungen. Die Stadt hält dagegen: Die Zahlen gelten seit fast 40 Jahren. Nur: Den Behörden fiel das zuvor offenbar jahrzehntelang nicht auf.
Hat das Unglück von Crans-Montana die Behörden aufgeschreckt? Oder war es tatsächlich nur eine Kontrolle nach Medienberichten über „Veranstaltungen (), die mehr Besucher erwarten lassen als bisher zulässig“, wie die Stadt Regensburg erklärt? Fest steht: Seit einer Kontrolle Mitte letzter Woche können im Kulturzentrum Alte Mälzerei zahlreiche Veranstaltungen nicht mehr so stattfinden, wie bislang geplant. Die Nachricht verbreitet sich in Regensburg wie ein Lauffeuer.
Die Stadt habe „als Reaktion auf die Brandkatastrophe in der Schweiz die Kapazitäten in der Alten Mälzerei stark beschränkt“, heißt es etwa in einem Instagram-Post eines Konzertveranstalters. Für ihn heiße das „konkret, dass ich mit der nächsten Veranstaltung ein garantiertes Minus von 2.500 € einfahren würde“. Er habe sich deshalb schweren Herzens entschlossen, ins Degginger umzuziehen.
Alte Mälze spricht von neuen Sicherheitsbestimmungen
Es ist längst nicht die einzige Veranstaltung in dem 1988 eröffneten, mehrfach preisgekrönten Kulturzentrum, die betroffen ist. Die Alte Mälzerei ist im ostbayerischen Raum die erste Adresse für Kabarett, Kleinkunst, Pop-, Indie- und Metallkonzerte und vieles mehr. Steht das nun alles zur Disposition? Zumindestz in der bisherigen Form?
In einer Rundmail hat die Alte Mälzerei den Betroffenen nun angeboten, die Räume kostenfrei zu stornieren. „Die Schweizer Brandkatastrophe in der Silvesternacht hat die Behörden hellhörig gemacht“, heißt es darin. „Uns wurden als Folge daraus neue Sicherheitsbestimmungen auferlegt, die uns diese Woche mitgeteilt wurden. Die behördliche Auflage beinhaltet, dass wir die Besucherzahlen in unseren Räumen stark einschränken müssen, um die Sicherheit unserer Gäste zu gewährleisten.“
Stadt sagt: Die Bestimmungen gelten seit 1988
Im Widerspruch dazu pocht die Stadt Regensburg darauf, dass sich die Regeln nie geändert hätten. „Es gibt keine neuen Festsetzungen, sondern die Einhaltung der seit fast 40 Jahren unverändert geltenden Festsetzungen wurde überprüft.“ Anlass seien Medienberichte über Veranstaltungen gewesen, die mehr als die zulässigen Besucher erwarten ließen.
Sei’s – vorerst – wie es will. Später mehr dazu.
Zahlen sind für den Zweck deutlich zu niedrig – und das ist seit Jahrzehnten bekannt
Ab sofort sind im großen Gastraum („Club“) im Erdgeschoss noch 131 Besucher zulässig, in der Gaststätte Cartoon 65, und im Keller, dem Underground, maximal 60. Werden Club und Cartoon gemeinsam genutzt, erlaubt die Stadt 196 Besucherinnen und Besucher. Das ist deutlich zu wenig, um viele Veranstaltungen kostendeckend durchzuführen.
Es sind deutlich zu niedrige Zahlen für den Zweck, zu dem das Kulturzentrum einst gegründet wurde. Und sie liegen deutlich unter jenen Werten, mit denen die Räume bis vor einigen Jahren noch zur Vermietung angeboten wurden. Ganz offiziell.
Trotz offiziellen Angaben der Mälze – fiel der Stadt Regensburg nichts auf?
Im Club war das Fassungsvermögen mit 200 Plätzen bestuhlt und 350 unbestuhlt angegeben, der Underground habe Platz für 150 Gäste, und im Cartoon fänden 50 bis 100 Gäste Platz. So stand es mindestens bis 2019 auf der Homepage der Alten Mälzerei, wie eine Recherche über die Wayback Machine ergibt. Seit spätestens 2023 gibt es keine solchen Angaben mehr.
Fiel das der Stadt Regensburg, Ordnungsamt und Bauordnungsamt all die Jahre zuvor nicht auf – oder hat man es bewusst ignoriert, weil es sich ein städtisch gefördertes Kulturzentrum handelt?
So weit der Blick zurück. Doch wie geht es weiter? Die Stadt Regensburg teilt mit, dass die Besucherzahlen über eine neue Baugenehmigung erhöht werden könnten. Dafür seien bauliche Maßnahmen in dem denkmalgeschützten Gebäude notwendig, „die auf einem Brandschutzkonzept beruhen“. Dem Vernehmen nach geht es unter anderem um breitere Fluchtwege und Türen.
Kann alles erfüllt werden? Unklar.
Bei der Alten Mälzerei versucht man, den Ball flach zu halten. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die geforderten baulichen Änderungen umzusetzen, um wieder auf die ursprüngliche Besucherzahl zu kommen“, heißt es in der Mail an die Veranstalter. „Der laufende Prozess wird allerdings erst zeigen, ob wir alle Richtlinien auch hinreichend erfüllen können.“
Das Gebäude gehört dem Haus Thurn & Taxis. Die Stadt bezahlt die Miete für die Veranstaltungsräume und gewährt dem Alte Mälzerei e.V. einen jährlichen Zuschuss. Im Haushalt 2025 sind die städtischen Ausgaben für die Alte Mälze mit rund 800.000 Euro angegeben. Der Verein ist nicht für die Räumlichkeiten verantwortlich. Er mietet sich dort für Veranstaltungen bei der Gastronomie ein. Verantwortlich für eventuelle Umbaumaßnahmen wäre insbesondere die mit Thurn & Taxis verbundene Brauerei Paulaner.




Romy1312
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Wie es Ryyan Alshebl auf der letzten Wahlkampfveranstaltung der Grünen in Baden-Württemberg gesagt hat: Mehr Palmer wagen! 😂
Dieter
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Dass das Ordnungsamt bei Konkurrenten der Mälzerei immer besonders genau hingeschaut hat, vor allem wenn es um Brandschutz ging, ist seit Jahrzehnten ein offenes Geheimnis. Ob das immer gerechtfertigt war, können nur Experten entscheiden, Brandschutz ist auf jeden Fall ein wichtiges Thema.
Genießt die Mälzerei nun keinen Welpenschutz mehr? Die Zahlen die hier im Raum stehen, erscheinen entweder zu niedrig oder zu hoch. 131 zu 350 erlaubten Besuchern im Club ist eine absurde Diskrepanz.
Wo man definitiv weggeschaut hat, sind und waren völlig überfüllte Clubs. Es ist eigentlich ein Wunder, dass dort noch nie etwas passiert ist. Da hätte man spätestens seit der Loveparade sensibler sein müssen.
Was hier angeschnitten wird ist, wem die Mälzerei gehört und wer was wie verwaltet und vermietet. Mir war das so nicht bewusst und ich würde gerne mehr erfahren. Auch für was die 800.000€ tatsächlich genutzt werden.
ich bin gespannt wie es weitergeht oder ob unter einer OB Freudenstein vielleicht der ehemalige Kaufhof zur neuen Kulturstätte umfunktioniert werden soll.
Anna Sollenberger
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Oh man, wenn diese Auflagen so bleiben bedeutet dies das Ende von mindestens 60-80% der Veranstaltungen. Und vielleicht die komplette Schließung über Zeit, es wäre einfach wohl nicht mehr rentabel.
Es schockt mich das zu lesen…irgendwie verstehe ich die Auflagen ja, und “ja” es ist oft schon ziemlich eng und kuschelig. Aber verdammt nochmal, es beudetet(e) früher halt auch Freiheit und etwas “Anarchie” wenn nicht alles (über)reguliert wird. Ich erinner mich an sehr schwitzig-enge Metalcore und Punk-Konzerte im Underground – die Luft heiß und schwül zum Schneiden, der Bass zerballert dir die Ohren. Und es war verdammt geil….;-) Danach fix und fertig ins Bett und den Kater pflegen.
Ach, in mir schlagen zwei Herzen. Das eine sagt “Sicherheit geht vor und ist oberste Maxime, Crans-Montana kann überall passieren, früher war man zu unbedacht”, das andere sagt “Sche** dir nix dann fehlt dir nix, das Feeling zählt, es war schon immer so und ging immer gut aus, wider dem Regulierungswahn”…
Möchte da kein Entscheidungsträger sein. :(
Sebi
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Kommentar gelöscht. Bitte Belege.
Meier mit „ei“
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Und was ist mit den ganzen anderen Stockwerken? Die Proberäume, …? Muss es dort auch Änderungen geben?
Maik
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@Dieter der Kaufhof wird nicht gekauft auch nicht unter freudenstein, wir haben garnicht die 40 Mio die der neue Eigentümer möchte
Chrissy
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Seit ich denken kann brechen in dieser Stadt die Orte für Live- und Clubkultur weg. Die seelenlosen Discoschuppen für besoffene Erstsemester und das grölende Umland können Orte wie die Mälze nicht ersetzen. Um so wichtiger wäre es, dass endlich Geld für den nicht vorhandenen Schallschutz im Leeren Beutel Saal in die Hand genommen wird. Derzeit dürfen Veranstaltungen dort bis auf wenige Ausnahmen offiziell nur bis 23 Uhr gehen! So langsam gehen einem als Veranstalter*in echt die Ideen aus :(
Thomas
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Wenn die Fluchwege aktuell so bescheiden sind wie in Crans Montana, dann muss das geändert werden. Aber ich hoffe, dass das dann pragmatisch passieren kann und nicht 10 Genehmigungen nach 2 Jahren mit Kosten von 1 Mio Euro. Welche Partei wirbt mit Pragmatismus? Wäre auch für die meisten anderen politischen Themen angebracht.
df
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Jetzt reicht’s – Einfach machen – Regensburg kann mehr…
Ich würd sagen: Auf die Plätze, fertig, los!
Vielleicht sind hier mit Ärmel hochkrempeln und echtem Anpacken ja doch noch ein paar Stimmen zu holen.
Volle Kraft voraus.
Mit Gummistiefeln schöne Wahlkampfbilder machen – das zieht hier nicht.
Und wer es wirklich ernst meint, macht ab dem 9. bzw. 23. März einfach weiter.
Weil es einem halt wichtig ist.
veni vidi vici
Thomas
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Es stimmt schon, dass es in der Mälze sehr eng ist. Auf den Konzerten ist es wirklich teilweise echt kritisch, wobei man sich schon sein Plätzchen findet, da die Hälfte der Besucher ohnehin die ganze Zeit beim Rauchen vor der Tür steht. Was ich mich nur frage ist – was will man da groß renovieren? Die Räume sind doch eh bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt und baulich groß was ändern wird man in der Lage und dem Gebäude auch nicht können. Spannend. Wahrscheinlich muss jetzt jeder Veranstaltungsort bald aussehen wie ein Sitzungssaal oder eine Schule…
Das Flair, was viele von uns kennen und schätzen, wird vorbei sein.
Nevzad
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Kommentar gelöscht. Zum Thema.
Niemand hat die Absicht, die Alte Mälzerei kaputt zu machen. Wie geht es jetzt im Kulturzentrum weiter? » Regensburg Digital
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[…] sorgte die Nachricht, dass die Gästezahlen in der Alten Mälzerei drastisch eingeschränkt wurden. Regensburg Digital berichtete darüber am Mittwoch exklusiv. Wie kam es zu den neuen strengen und existenzgefährdenden Auflagen für die Alte Mälzerei? Warum […]
Maik
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Liebe Leute nicht vergessen die PLK wird auch bald verschwinden, wenn das Interesse der kulturellen Landschaft nicht groß genug dafür ist. Also arsch hoch und kämpfen …. das schafft der Verein vor Ort nicht allein!
V
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Kommentar gelöscht. Kein Getrolle.
Dieter
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@Maik:
Das war auch mehr Befürchtung als Hoffnung – allerdings war die Regensburger CSU schon sehr an der Immobilie interessiertn und mit dem neuen Ansprechpartner Roland Koch auf der Verkäuferseite kann ich mir irgendeinen überteuerten Deal durchaus vorstellen.
Horst
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Den Club im Erdgeschoss kann man doch gut durch die Fenster verlassen, wenn was ist, oder? Gut die sind vielleicht a bisserl hoch aber niemals ein Vergleich mit einer Kellerbar mit nur einem Ausgang!
Manfre van Hove
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Es ist wie so oft bei behördlichen Auflagen – man schimpft über Bürokratie und Formalismus. Passiert jedoch etwas wie in der Schweiz, fragt jeder, wie man das genehmigen konnte und sucht den Schuldigen.
Für Veranstaltungsräume und Gaststätten gibt es relativ eindeutige Vorschriften. Sie müssen auch in diesem Fall vollumfänglich angewandt werden.